Preußischen Lehrertage zu sprach Oberlehrer Wilhelm
MNeMr verewigt, trat am Montag in Posen zum 7. Preußischen Lehrertage zusammen. An erster Stelle sprach Oberlehrer Wilhelm (Pankow) über die Leh- rerbrldung. Er forderte u. a.: Da die besonderen Aufgaben der Lehrerbildung den Seminaren das Ge- prage einer höheren Schule eigener Art verleihen, soll die Lehrerbildungsanstalt der Zukunft nicht aus Präpa- ranöe und Seminar bestehen, sondern eine einheitliche Lehranstalt mit 7 aufsteigenden Jahresklassen sein, wovon die unteren 2-6 die wissenschaftliche Allgemeinbtl- bungund die oberste die besondere Vorbereitung auf die Thätigkeit übernehmen. In den wissenschaftlichen Fa- Hern sollen nur akademisch gebildete Lehrer (Oberieh- btenft dreijähriger Tätigkeit im Schul-
^Bolksschullehrer zum Universitätsstu- berechtigt sein, zu denen die Ober- realschulabiturienten zugelayen werden. Aus den Rei- Hen der aus dieie Werfe ausgebildeten Männer sind die Stellen der Oberlehrer und der Direktoren an den Lehrerseminaren, sowie die Stellen der Schulaufsichts- und Schulverwtltungsbeamten innerhalb des gesamten Volksschulwesens zu besetzen.
c In der Aussprache bezeichnete ein Redner die Forderung des Universitätsstudiums für alle Lehrer als das Endziel der deutschen Lehrerschaft,- die Lehrerausbildung würde dann aber «r teuer werden und viele fähige Köpfe, die heute sich dem Lehreröeruf widmen, würden es dann nicht mehr tun. Generalsekretär Tews-Bernn wendet sich gegen die Forderung des Referenten, daß die besonderen Aufgaben der Lehrerbildung dem Seminar das Gepräge einer höheren Schule eigener Art verleihen. Nach einer mehrstündigen Einzelberatung wurde beschlossen: Der Lehrertag schließt sich den Leitsätzen des Referenten an, baß die Lehrerbildungsanstalten so umgeftaltet werden sollten, daß sie höhere Schulen bilden und auch die fachliche Ausbildung
höhere Schul übernehmen.
WiKentdiait, Kunst und Literatur«
Ist das Mondlicht schädlich? Der Aberglaube vieler Völker schreibt dem Mondlichte schädliche Wirkungen auf Menschen und Tiere zu, und auch die Bibel deutet im 121. Psalm etwas Aehnliches an, wo es heißt: „Daß dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts". Neue Untersuchungen haben nun zu dem unerwarteten Ergebnisse geführt, daß an den abergläubischen Vorstellungen über die Schädlichkeit des Mondlichtes etwas Wahres ist. Es ist zwar nicht bewiesen worden, 6«B jemand, der im Mondliche schläft, „mondsüchtig" wird, wohl aber, daß die Strahlen des Mond- lichtes eine besondere Eigenschaft haben. Die medizinische Zeitschrift „Lancet" (London) berichtet über Untersuchungen, die E. G. Bryant ausgeführt hat. Er wollte nachprüfen, ob Etzwaren im Mondlicht wirklich rascher verderben, als in anderer Beleuchtung, wie der Volksglaube will, und hat festgestellt, daß dies seine Richtigkeit hat: das Licht des Mondes ist reflektiertes, mithin zum großen Teile polarisiertes Licht, das nicht mehr m allen Richtungen schwingt. Daher kann es sehr wohl besondere chemische Wirkungen ausüben. Bryant hat nun nicht das Mondlicht selbst zu seinen Versuchen benutzt, sondern künstlich hergestelltes polarisiertes Licht. Er bewahrte Fischfleisch auf, das diesem polarisierten Licht ausgesetzt war, und es zeigte sich, daß die Probe bedeutend rascher verdarb als eine andere, ine demselben Stück entnommen war und unter sonst gleichen Bedingungen aufbewahrt wurde Bei anderen Nahrungsmitteln zeigte sich dieselbe Erscheinung, soöaß die verderbliche Wirkung des „Mondlichtes" auf Etzwaren als et= nigermahen sicher bewiesen gelten kann.
Vermischtes.
Ein gefährliches Ballonabenteuer hatten dieser Tage, wie erst jetzt bekannt wird, die Insassen des Ballons „Limbach", der Führer Apfel-Leipzig und eine junge Dame, zu bestehen. Der Ballon stieg am 20. Dezember in Bttterfeld zu einer Wettfahrt auf und war dann einige Tage verschollen, bis jetzt auf telegraphischem Wege Einzelheiten über die Fahrt nach Chemnitz eingetroffen sind. Der Ballon wurde durch starke Winde nach der russischen Grenze getrieben und, als er dort landen wollte, sich aber jedoch noch Wer deutschem Baden befand, bereits von russischen Grenzsoldaten beschossen. Der Führer wußte keinen anderen Ausweg, als schließlich Ballast zu geben, um dem Kugelbereiche zu entgehen. Der Ballon, stieg rasch auf und geriet in eine Wolkenschicht. Die Landung erfolgte dann bei Dobra in der Nähe Warschaus. Die Lumchiffer wurden sofort in Haft genommen und erst am 1. Weihnachtstagabend wieder freigelassen, nachdem sie zwei Tage dort verbracht hatten.
Ueber die Ursache -es Cochemer Eisenbahnunglücks befragt, erklärte der im Coblenzer Bürgerhospital un- tergebrachte Rottenführer Krämer der „Voss. Ztg." zufolge, -atz er -er Station Cochem mitgeteilt hätte, daß die Auswechselung einer gebrochenen Schiene im Tunnel vorgenommen werde, wenn kein Zug mehr zu erwarten sei. Als darauf die Station erklärte, daß kein Zug mehr komme, habe er die Gleise sperren und die Schienen auswechseln lassen, vorher aber die Gleise vorschriftsmäßig mit Knallsignalen gesperrt. Kurz darauf sei ein Güterzug in auffallend schneller Fahrt durch den Tunnel gefahren. Die Signale seien wahrscheinlich vom Zugführer nicht wahrgenommen worden. Als er hierauf die Station von der Entgleisung benachrichtigen wollte, kam von der anderen Seite ein Güterzug, der mit voller Gewalt in den entgleisten Zug hineinfuhr.
Das Geheimnis -es verschwundenen Testaments. Das Gerücht, daß der Leichnam des Kardinals Ram- polla exhumiert werden soll, weil man befürchtet, daß der Kirchenfürst einem Verbrechen zum Opfer gefallen fumuiut der Gerichtsbehörden erschweren wird. Der VEkan wird im Gegenteil anstandslos in die Cg mieruna des Leichnams einwilligen, falls die Behörden es für erforderlich halten. Die Nichte -es.Kardinals Rampolla, die Herzogin von Campobello, hat jetzt eine Klage gegen Unbekannt eingereicht, da sie nach ihrer Behauptung durch das Verschwinden des zweiten Testaments empfindlich geschädigt worden sei. Die Tatsache, daß das Testament wirklich gestohlen worden ist, wird jetzt allgemein zugegeben. Man fragt sich jedoch vergeblich, zu wessen Gunsten -er Diebstahl eigentlich ausgeführt worden sein soll. Gleichzeitig wird daran erinnert, daß der Neffe des Kardinals, -er Herzog von Campobello, vor einiger Zeit bedeutende Schulden auf den Namen seines Oheims kontrahiert hat. Seit dieser Zeit hat Rampolla mit der Familie seines Neffen end- ^ttßineßrot^SfanMl an der Brüsseler Börse ist jetzt
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gelber in erheblichen Beträgen bezahlt worden. Eine ausländische Straßenbahngesellschaft, deren Aktien an der Brüsseler Börse zugelassen wurden, mußte dafür 40 000 Franken Schmiergelder bezahlen. Eine belgische Brauerei, an deren Aktien in den letzten Jahren viele Millionen verloren wurden, hat über 100 000 Franken bezahlen müssen. Es handelt sich hier um die Brauerei Etolle. Außerdem mußte ein Eispalast für die Zulassung seiner Aktien 40 000 Franken an die Mitglieder der Kommission abführen. Dieser Börsenskandal mag den deutschen Kapitalisten eine Mahnung sein, die allen Warnungen und auch eigenen empfindlichen Verlusten zum Trotz es nicht unterlassen können, an ausländischen Börsen zu spekulieren. Der Fall zeigt weiter, wie die gesetzlichen Vorschriften und Grundsätze im Auslande umgangen werden, und daß die Interessen der deutschen Handelswelt Bei den deutschen Börsen besser gewahrt werden, als bei den ausländischen.
Erfüllte Friedensträume. Ein angelsächsischer Friedensfreund hat herausgefunden, daß der Bertha v. Sutt- ner-Bewegung neues Heil von — — der Felduniform kommen muß. Ausgehend von der Lehre, daß gewisse Lichteffekte, insbesondere die rötlichen, auf alle Lebewesen eine herausfordernde Wirkung ausüben, schließt der Haager Apostel auf eine allmählich kriegseinschlä- fernde Wirkung des schlichten Feldgraus und Khakis: „Wenn man eine Spinne und eine Wespe unter eine farblose Glasglocke setzt, so bleiben beide Tiere friedlich nebeneinander sitzen. Gibt man dem Glas eine schar- lachrote Färbung, so geht zwischen ihnen ein Kampf auf Leben und Tod los. Unter den wilden Bölkerstämmen ziehen die mit stark kriegerischem Einschuß die lebhaften Farben vor. Die roten Hosen des französischen Piou- Piou zeigen, öatz trotz aller Zivilisation die grundsätzliche Farbentendenz verbleibt" — wonach wir feldgrauen Deutschen also endlich als die Friedfertigen erkannt wären. Der Pariser Gelehrte Dr. Laumonier, der diese Anschauung der Farbenbeeinflussung vertritt, hat sogar eine ganze Heilbehandlungstheorie durch das Auge erdacht. Er will u. a., je nach den verschiedenen Krankheiten, den Stationen der Hospitale und Kliniken einfarbigbunten Anstrich geben. Weiter sollen die Schulen grün, in der Farbe des Nachdenkens, gestrichen werden. Die Innenwände der Börsen aber und der Parlamente, als die Stätten höchster Erregung, will Läumonier in zartem Lila, der Farbe stiller Beruhigung, halten. Vielleicht macht man im Plenarsitzungssaale des Reichstages einmal einen praktischen Versuch mit dieser sinnigen Theorie.
Erste Durchschwimmung des Panamakanals durch eine Fran. Der soeben vollendete Panamakanal ist bereits der Schauplatz einer recht amerikanischen Sportleistung geworden. Schon vor seiner Vollendung haben mehrere Meisterschwimmer angekünöigt, daß sie beabsichtigen, den Kanal zu durchschwimmen. Während sie aber alle noch mit ihren Vorbereitungen beschäftigt waren, kam ihnen ein junges Mädchen zuvor, das von schnellerem Entschluß war, und nicht viel Zeit zum Ueberlegen verwendete. Am 12. Dezember genossen die Arbeiter am Panamakanal das Schauspiel, eine junge Dame im Schwimmanzug erscheinen zu sehen, die sich anschickte, in dem Panamakanal ein Bad zu nehmen.
Es handelte sich um Fräulein Elaine Golding aus Bath Boach (Brooklyn) eine in amerikanischen und europäischen Sportkreisen rühmlichst bekannte Schwimmerin. Sie hatte sich die Aufgabe gestellt, den Panamakanal vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean zu durchschwimmen und ging an der Fünf-Meilen-Boje", die gegenüber von Christobal liegt, ins Wasser. Sie begann sofort ihr schwieriges Sportwerk mit wahrem Heldenmut und vollendete in vier Stunden die erste Etappe, die sie bis zur Gatun-Schleuse führte. Sie will den ganzen Kanal in drei Etappen durchschwimmen, die zweite Etappe reicht vom Gatun-See bis Gamboa: die dritte Etappe von Gamboa bis zum Ende. In Amerika macht sich ein großes Interesse an dieser schwierigen Schwimmleistung, zumal die Amerikaner für so neuartige Leistungen ein gewisses Sensationsbedürfnis haben, bemerkbar.
Die Hauptsache. Frau (von ihrem Mann Abschied nehmend, der ins Ausland entfliehen muß): „Nun laß es dir gut gehen, Liebster — und bring' mir etwas recht Hübsches mit, wenn die Geschichte verjährt ist!"
Moderne Kunst. A.: „Sag' mal, lieber Freund, hast
Moderne Kunst. A--------
du hier auch Verwandte?" — B.: „Ja — eine Nichte, für die sich ein junger Maler interessiert!" — A.: „Hm - ist sie denn gar so häßlich?"
LlleseVlüchersllberseivenRheinübergang
Erinnerung an Sie Neujahrsnacht 1813/14.
Gerade zur rechten Zeit, zum 100jährigen Gedenktag des berühmten Rheinüberganges Blüchers bei Caubwerden jetzt bei Cotta bisher unbekannte Briefe Blüchers von Generalleutnant von Unger veröffentlicht, in denen ' '' Hardenberg über seine bedeutsame Mitteilungen sind darum geschicht- " “ ~ ich dem
Blücher persönlich an
Tat berichtete. Diese L. ..
lich höchst bedeutsam, weil ste wenige Tage na^ Rheinübergang von autorativster Seite noch ganz dem Eindruck des Geschehnisse- —------
Bald nach dem völlig öurchgefuhrten 4. Januar 1814 hat nätnhr """^ ' Hardenberg in einem Schre Übergang bezüglß'
ganz unter ses brieflich gemacht wurden, ^geführten Rheinübergang am ch Blücher aus Kreuznach an _______ ...__________,_etBen folgende auf den Rheinübergang bezügliche Einzelheiten berichtet:
. . Aerger habe ich genug gehabt, weil die Brücke, so ich bei Caub schlagen ließ, zum Teufel ging, wodurch einen ganzen Tag aufgehalten wurde. Daß ich mein Quartier nach Frankreich verlegte, hat viele Menschen das Leben erhalten, denn die Franzosen ahndeten auch nicht einmal unseren Uebergang, den sie mich unendlich schwer machen konnten, wenn sie vorbereitet waren. Meine drei Korps sind nun schon in Vereinigung, und es soll die Franzosen schwer werden, mich in meinem Zuge aufzuhalten: ich werde mich anstrengen. daß ich (e)inhole, was die Große Armee und die holländische voraus haben und denke in einigen Tagen mit sie in gleicher Höhe zu stehen: nur in der Gegend von Metz erwarte ich was Bedeutendes vom Feinde. Gerupft soll er alle Tage werben. 13 Kanonen und 1200 Gesänge sind bis diesen Abend die Ausbeute, unser Verlust ist unbedeutend: nur Bet General von Sacken sollen einige Hundert Mann tot und blessiert sein, worüber ich noch keine bestimmte Nachricht habe. Die Bewohner empfangen uns allerorten mit c^ubel: ich handhabe aber auch die strengste Manneszucht und wo Exzesse vorfallen, biwakiert das Bataillon drei Tage Mangel haben wir nicht: der Feind ist zu sehr überrascht worden und hat nichts weg gebracht. Ich muß schließen: der Schlaf dringt mit Gewalt auf mich ein."
Blücher.
Und wie dieser Brief echten Blücherschen Geist atmet, so auch Sie Proklamation, die der „Marschall Vorwärts" vor seinem denkwürdigen Rheinübergang an die Bewohner des linken Rheinufers erließ. Mit drastischen, soldatisch-eindringlichen Worten erklärt der alte Haudegen da: Wer Lust hätte, sich für Bonaparten zu schlagen, sollte nur hingehen, um in seinen Reihen sich Tod und Verderben zu holen. Kein Wunder, daß diese knappen, aber um so berederen Worte in den Herzen seiner Soldaten flammenden Stolz entfachten, eine Wirkung, die der kriegserfahrene Marschall wohl voraus berechnet
hatte. Unö so ging Senn auch Bet Meinübergang Blüchers bet Caub fast programmäßig von Stätten. Blüchers Worte im Herzen, warfen die Truppen den Fein- mit Leichtigkeit zurück.
Als krregsgeschichtlich interessantes postum verdient übrigens die Art hervorgehoben zu werden, in der Blücher den Uebergang vollzog. Es wurde bei Caub eine Brücke von Leinwand-Pontons, die vom Brücken-Train mitgeführt wurden, geschlagen. In einem anderen Brief Befiagt sich Blücher, daß er überhaupt erst zum Rhein- übergang hätte schreiten müssen, der seiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre, wenn er nach feinem eigenen Willen hätte verfahren können:"
„. . . . Napoleon konnte und mußte nicht durch- kommen, und Gott verzeihe es diejenigen, die es versäumt und verfaulenzt haben. Aber der Teufel treibt immer sein Spiel und Mißgunst ist nicht müssig. Hätte man mich nach der Schlacht Bei Leipzig auf dem Wege, den ich zur Verfolgung eingeschlagen, gelassen, so wäre es anders gekommen."
w neuestes vom Uage.
Der Kaiser fährt nach Sigmaringen.
o>* Potsdam, 30. Dezember. Der Kaiser hat sich heute vormittag im Automobil nach Oranienburg zur Hofjagd begeben. Der Kaiser beabsichtigt, sich am 2. Januar nach Sigmaringen zur Beisetzung der Fürstin- Mutter von Hohenzollern zu begeben.
Abreise der Kaiserin aus Brannschweig.
o-* Brannschweig, 30. Dezember. Die Abreise der Kaiserin erfolgte entgegen den gestrigen Bestimmungen erst heute vormittag 11K Uhr. Der Herzog und die Herzogin gaben der Kaiserin das Geleite zum Bahnhof.
v. Jagow begründet seine Zabern-Zuschrift.
ob* Berlin, 30. Dezember. Wegen feiner bekannten Zuschrift an die „Kreuzzeitung" betreffend die Verurteilung des Leutnants v. Forswer hat der Polizeipräsident v. Jagow auf eine Aufforderung des Ministeriums des Innern dem Staatsministerium eine eingehende schriftliche Darlegung zugehen lassen.
Berlin im Schnee.
ob* Berlin, 30. Dezember. (B. Z.) Heute vormit- tag trat ein heftiger Schneefall ein, der Verkehrsstörungen aller Art verursachte. Auch aus verschiedenen Orten Norddeutschlands werden heftige Schneestürme gemeldet.
Brand in einer Garde-Hnsaren-Kaserne.
ob* Potsdam. 30. Dzember. Heute vormittag 8 Uhr brach in einer Mannschaftsstube der Kaserne des Leib- Garde-Husaren-Regiments Feuer aus, das große Dimensionen anzunehmen drohte. Es gelang aber, das Feuer bald zu löschen.
Die Königin-Witwe von Schweden t.
ob* Stockholm, 30. Dezember. Die Königin-Witwe Sofie ist heute morgen 6,24 Uhr an einer Lungenent- zündung gestorben. Die Königsfamilie und die übrigen Mitglieder der königlichen Familie waren seit 5 Uhr früh in den Gemächern der Verstorbenen versammelt.
Todessturz in den Bergen.
ob* Wien, 30. Dezember. Das Neue Wiener Tageblatt meldet aus Zell a. S.: Der Wiener Einjährig- Freiwillige Alfred Kloger wurde auf einer Gebirgstour von einer Lawine überrascht und stürzte aus einer Höhe von vierhundert Metern ab. Bisher konnte noch keine Spur von ihm gefunden werden.
0!* St. Gallen, 30. Dezember. (B. Z.) Im Berner Oberland wurde eine Gesellschaft von vier Skifahrern von einer Lawine in die Tiefe gerissen. Oberlehrer Stucki und Architekt Glur aus Bern sind tot. Ihre Leichen konnten noch nicht geborgen werden. Frau Glur und der Beamte Balmer wurden wie durch ein Wunder gerettet.
Tragödie anf dem Eise.
ob* Wien, 30. Dezember. (B. Z.) Aus Spener (Oberösterreich) wird gemeldet: Im oberen Enns «le brachen beim Schlittschuhlaufen fünfzehn Personen ein. Nur neun konnten gerettet werden. Von den Geretteten starb eine Frau an Herzschlag, als sie ihren Mann im Wasser versinken sah.
Kühnes Vorhaben eines französischen Fliegers.
ob* Paris, 30. Dezember. Der in Cairo gelandete französische Flieger Veorines drahtet hierher, daß er die Absicht habe, seinen Flug von Cairo über Kleinasien, Indien, Jndochina und die Sundainseln nach Australien forchusetzen. Der Flieger Bonnier, der gestern früh in Adana aufgestiegen war, landete nachmittags in Beirut. Auch er beabsichtigt nach Cairo weiterzuflregen.
Französische Arsenalarbeiter als Einbrecher.
ob* Paris, 30. Dezember. In Toulon wurden sechs Arsenalarbeiter verhaftet. Sie sind verdächtig, in dem Bureau der Marine-Artillerie einen Einbruch verübt und aus einem eisernen Kasten 65 0000 Franks gestohlen zu haben.
Der Brand in San Sebastian gelöscht.
ob* San Sebastian, 30. Dezember. Zu dem großen Brande wird gemeldet: Im Zirkus-Theater fand gestern nachmittag ein Ball statt, der bis gegen 8 Uhr abends dauerte. Nach dem gewohnten Rundgang hatten sich die Wärter zur Ruhe begeben. Kurz nach Mitternacht wurden sie durch dichte Rauchwolken geweckt. Bei starkem Regen wurden sofort die Löscharbeiten ausgenommen, an denen sich auch ein Teil der benachbarten Garnisonen beteiligte. Für einen Augenblick war auch die benachbarte Kaserne vom Feuer bedroht. Es gelang aber, des Feuers bis um 9 Uhr morgens Herr zu werden. Das Theatergebäude ist vollständig niedergebrannt. Verluste an Menschenleben sind nicht zu Beilagen. Man vermutet, daß das Feuer durch Wegwerfen einer brennenden Zigarette seitens eines Theaterbesuchers entstanden ist.
Englische Aufträge für deutsche Firme«.
o>* London, 30. Dezember. (B. Z.) Die Londoner Hafenbehörde gibt bekannt, daß sie an zwei deutsche Firmen für Erweiterungsbauten im Albertsdock Aufträge für drei große Schleusentore, eine Zugbrücke, eine Dockbrücke und einige andere Arbeiten vergeben habe. Die Aufträge für die Schleusentore gingen an die Gute Hoffnungshütte, der Rest an die Maschinenfabrik AugS- burg-Nürnberg. Die deutschen Firmen haben die Aufträge im Wettbewerb mit englischen Firmen erhalten, da ihre Angebote um 26 Prozent unter dem niedrigsten britischen Angebot standen.
Brand einer kanadischen Stadt.
ob* Montreal, 30. Dezember. Ein großer Häuserblock, in dem sich zahlreiche Läden befanden, geriet gestern nachmittag in Brand. Das Feuer griff mit großer Schnelligkert um sich. Innerhalb einer halben Stunde waren 20 Gebäude ein Raub der Flammen geworden. Die gesamte Feuerwehr wurde alarmiert, jedoch wurde die Arbeit durch Wasserrohrbruch sehr erschwert. Mtt Schläuchen mußte das Wasser aus oem eine englische Meile entfernten St. Lorenzstrom herbeigeschafft werden. Nach einigen Stunden sprang das Feuer auf einen zweiten Häuserblock über, wobei heftige Gasolinexplosione« erfolgten. Um 6 Uhr abends wurde man schließlich der Beuers Herr. Der Schaden wttö auf zwei MÄwnen ollar geschätzt.