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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Sersfeldn

für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 194. Mittwoch, den 81 Dezember 1913.

Doch jeden Tag

werden Bestellungen auf das Hersfelder Tageblatt an- genommeu. Dasselbe ist mit seinem amtlichen An seiger eine wertvolle Zeitung für jeden Kreiseingesessenen. Das Hersfelder Tageblatt bringt seinen Lesern wöchent­lich ein 8seitiges illustriertes Unterhaltungsblatt sowie eine besondere 4seitige Romanzeitung und alle 14 Tage eine landwirtschaftliche Beilage. Fernere Gratisbeilagen: Wandkalender, Märkteverzeichnis, Taschen- und Plakatfahrpläne mit allen in Betracht kommenden Strecken.

Pflichtige Beschäftigung. Die Arbeitgeber haben jeden von ihnen Beschäftigten, der zur Mitgliedschaft bei der Kasse verpflichtet ist, binnen 3 Tagen nach Beginn und Ende der Beschäftigung zu melden, mit Aus­nahme der unständig Beschäftigten, diese müssen sich selbst melden. Die Beiträge sind zu 2/3 vom Ver­sicherten, zu V3 vom Arbeitgeber zu leisten. Sie werden monatlich durch die Krankenkasse in der Wohnung des Arbeitgebers gegen Quittung erhoben. Dieser ist berechtigt, den Dienstboten den auf sie ent­fallenden Beitragsteil vom Lohn abzuziehen. Während einer Erkrankungsdauer ruht die Beitragspflicht. Die Dienstherrschaft ist bei Erkrankung eines Dienstboten zur Weiterzahlung des Lohnes verpflichtet, sie darf aber darauf das dem Kranken von der Kasse ausge­zahlte Krankengeld in Anrechnung bringen. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach dem gezahlten Lohn wobei zur Vereinfachung der Berechnung sogenannte Grundlöhne angenommen werden. Diese sind bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse wie folgt bei einem

Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich 1.40 Mk. bei Abholung in unserer Geschäftsstelle, 1.50 Mk. für Hers­feld frei ins Haus, 1.60 Mk. durch die Post.

Lohn von

0,01 bis 1 Mark gilt als Grundlohn 0,90

- 1,40

1,01

1,61

2,21

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1,60

2,20

3,40

Mk.

Bus der Heimat«

Silvesterbrauche.

Der Uebergang vom alten zum neuen Jahr ist vom Volksglauben mit mannigfachen Bräuchen aus­gestattet, die sich an die dem Silvestertage zuge­schriebene besondere Wunderkraft knüpfen. Junge Mädchen legen abends eine Menge mit Wünschen be­schriebene Zettel unter ihr Kopfkissen und ziehen beim Erwachen einen davon hervor: sie sind dann sicher, daß die darauf stehende Hoffnung^ in Erfüllung geht. Aehnlich ist das Holzgreifen. Man begibt sich im Dunkeln in die Küche und faßt.aufs Geratewohl in den Holzkorb, während man sich etwas wünscht. Hat man eine gerade Zahl gegriffen, so soll dies einJa" vom Schicksal bedeuten. Namentlich in Gesellschaft beliebt ist das fast überall ausgeübte Bleigießen beim Silvesterpunsch, sowie das Verstecken von zehn aus Teig geformten Figuren unter je einer Tasse. Eine Dame oder ein Herr wird aus dem Zimmer geschickt und hat, zurückgekehrt blindlings unter eine Tasse zu fühlen; was dann in der Hand ist, das prophezeit die nächste Zukunft. Meistens werden folgende Gegen­stände gewählt: Ring, Brot, Schlüssel, Leiter, Geld, Wiege, Mann, Frau, Totenkopf und Hufeisen. Wer noch weiter in das verschleierte neue Jahr blicken will, wirft eine Aepfelschale rückwärts über die rechte Schulter. Die sich ergebende Lage der Schale läßt mit einiger Phantasie den Anfangsbuchstaben des Namens des oder der Geliebten erkennen. Das Mädchen, deffen Pantoffel, auf ähnliche Weise der Türschwelle zugeschleudert, mit der Spitze nach außer­halb zeigt, verläßt bald das Elternhaus als junge Frau. Um das Glück in jeder Gestalt zu zwingen, tun manche Leute, sobald die Uhr zwölf schlägt, einen Sprung vom Tisch oder Stuhl herab, damit sie mit beiden Füßen, in einigen Gegenden nur mit dem rechten, ins neue Jahr treten. Selbstverständlich ge­hören alle diese Bräuche dem Gebiet des Aber­glaubens an.

):( Hersfeld, 30. Dezember. Man schreibt uns: Da bei dem mächtigen S ch n e e f a l l nicht allein Aeste sondern sogar Bäume abbrechen, empfiehlt es sich mittels einer Stange dieselben abzuklopfen. Ebenso müssen die Fluglöcher der Bienenwohnung nachaesehen werden, ob sie nicht vom Schnee verstopft sind und die Bienen ersticken.

s Hersfeld, 30. Dezember. (D i e "n e u e n Ver - sicherungen bei d er Kran ken k a j s e.) ^om 1. Januar 1914 ab sind für den Fall der Krankheit versichert: Arbeiter, Gehilfen, Gesellen, Lehrlinge, Dienstboten, Betriebsbeamte, Werkmeister und andere Angestellte in ähnlich gehobener Stellung, sämtlich, wenn diese Beschäftigung ihren Hauptberuf bildet, Handlungsgehilfen und Lehrlinge, Gehilfen und Lehr­linge in Apotheken, Bühnen- und Orchestermitglieder ohne Rücksicht auf den Kunstwert der Leistungen, Lehrer und Erzieher, Hausgewerbetreibende. Lehrlinge aller Art gehören der Kasse auch dann an, wenn pe nicht gegen Entgelt beschäftigt werden. Für Ber- sicherungspflichtige, die Mitglieder einer Ersatzkasse sind, ruhen auf ihren rechtzeitig gestellten Antrag (8$ 519,520 d. R. V. O.) die eigenen Rechte und Pflichten als Mitglieder der Ortskrankenkafse. Sie haben keinen Anspruch auf die Leistungen der Kasse und zahlen keine Beitragsteile. Ihre Arbeitgeber haben nur den eignen Beitragsteil an die Kasse einzuzahlen. Die Mitgliedschaft Versicherungspflichtiger beginnt mit dem Tage des Eintritts in die versicherungs-

4,50

Nähe der Welzeller Brücke wurde gestern ein etwa 25jähriger Arbeiter mit erheblichen Verletzungen am Kopfe, Armen und Beinen gefunden. Es stellte sich heraus, daß es sich um den Waldarbeiter Michael Herbert aus Motten (bayerische Rhön) handelte, der seiner Fahrkarte nach zweifellos aus einem bayerischen Schnellzug gestürzt sein muß. Wie der Unglücksfall entstanden, ist noch nicht mit Bestimmtheit festgestellt.

Caffel, 29. Dez. Bei der Einfahrt des Thüringer Personenzuges in den Bahnhof Wilhalmshöhe er­eignete sich am Dienstag ein schwerer Unglücksfall. Der Lokomotivheizer Brede aus Kirchditmold beugte- sich, als der Zug noch im Gange war, aus seiner Maschine, wahrscheinlich um Ausschau zu halten, glitt auf noch nicht aufgeklärte Weise ab und kam so unglücklich zu Fall, daß man ihn in sehr schwer ver­letztem Zustand am Ende des Bahnhofs Wilhelms­höhe später auffand. Der unglückliche Mann ist ver­heiratet und Vater von vier kleinen Kindern.

Heiligenstadt, 27. Dezember. Ein entsetzlicher Un­glücksfall trug sich in westlicher Richtung unterhalb der hiesigen Bahnstation am Mittwoch abend gegen 7 Uhr zu. Der aus Westhausen stammende 23jährige Bahnarbeiter Herbert Weinrich, der damit beschäftigt war, eine Weiche vom Schnee zu reinigen, wurde von der Maschine eines herankommenden Güterzuges erfaßt, zwischen die Gleise geschleudert und von einem Kasten des Kohlentenders eine Strecke weit mit fort­geschleift, bis er, mit dem Kopfe an den Schienen liegend, im Schnee liegen blieb. Der Verunglückte trug u. a. eine klaffende Wunde, die sich an der Stirne in voller Breite hinzieht, davon. Man hofft, den Schwerverletzten am Leben zu erhalten.

Dnderstadt, 28. Dezember. Zum vierten Male innerhalb weniger Tage brach in Jmmingerode (Kreis Duderstadtj Feuer aus. Das Feuer entstand in der Scheune der Witwe Nolte. T ie Scheune mit Inhalt ging in Flammen auf. Endlich hat man den Brand­stifter, der alle vier Brände angelegt hat, ermittelt und ihn in das Gefängnis zu Duderstadt eingeliefert. Es ist der 16 Jahre alte Sohn der Witwe Nolte. Er hat die Täterschaft eingestanden und gibt an, daß er seine Freude daran gehabt habe, wenn das Feuer so flackerte.

Marburg, 29. Dezember. Das zum 11. Armee­korps gehörende 11. Jägerbataillon zu Marburg wird sich anfangs Januar in die Rhön begeben, damit dort die Mannschaften im Schneeschuhlauf ausge­bildet werden. Alsdann wird das Bataillon in feld­marschmäßiger Ausrüstung mehrere Gebirgsüber- gänge über das Rhöngebirge in Schneeschuhen vornehmen. Den interessanten Wintermanövern werden auch eine größere Anzahl höhere Offiziere beiwohnen.

Rudolstadt, 29. Dezember. In der Strafanstalt zu Caffel starb der Schachtmeister Friedrich Müller aus Rudolstadt, der am 15. Oktober vom hiesigen Schwurgericht wegen vorsätzlicher Brandstiftung und Versicherungsbetrugs zu vier Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt worden war. Müller leugnete in jener Verhandlung hartnäckig, hat aber jetzt auf dem Sterbebette die Brandstiftung zugestanden.

Weilsdors bei Hildburghausen, 29. Dezember. Dieser Tage brannte hier infolge Brandstiftung der Gemeindegasthof nieder. Nunmehr wurde ein neun­zehnjähriger Bursche verhaftet, der während des Tanzes mit seinem Vater in Streit geraten und hierauf aus dem Lokal gewiesen worden war, worauf er aus Rache die Theaterkulliffen in Brand steckte, was die Einäscherung des Hauses zur Folge hatte.

Frankfurt a. M., 28. Dezember. Ein soziales Ver- mächtnis ist der Stadt Frankfurt zugefallen. Der kürzlich verstorbene Privatier Gustav Schmey ver­machte sein Vermögen von 300 000 Mark der Stadt. Die Zinsen des Vermögens sollen für ein Wöchne­rinnen- und Säuglingsheim verwendet werden.

Mainz, 28. Dezember. In Nierstein am Rhein wurde auf der Rückkehr von einer Weihnachtsfeier der 24jährige Landwirt Würtz von den beiden Söhnen des Küfermeisters Ulrich, die mit Würtz in Streit lagen, überfallen und durch Stiche in den Unterleib getötet. Beide leugnen die Tat und schreiben sie einem unbekannten Bäckerburschen zu.

Eisenach, 29. Dezember. Infolge der starken Schneebelastung sind auf vielen Strecken die Telephon­drähte zerrissen. Der Telephonverkehr ist vielfach unterbrochen. Im Walde wurde durch die Schnee­massen großer Schaden angerichtet.

2,- 3,- 4, 5-

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/,

3,41

4,51 und mehr ,

Dementsprechend sind die Versicherten in sechs Klassen eingeteilt. Bei Dienstboten ist besonders wichtig, daß als Lohn nicht nur die baren Bezüge gelten, sondern auch Kost und Logis in Anrechnung < bringen Ji^b. In den sechs Klaffen sind folgende Beiträge W 0

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richten:

1.

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3.

4.

5.

Klaffe

Grundlohn 0,90 Mk.

1,40 2,- 3»* 4,-

Beitrag 048 Mk.

0,27 0,39 0,60 0,78

6. o, 0,99

Die Kasse gewährt den Mitgliedern für ihre Person Krankenhilfe, Wochenhilfe und Sterbegeld. Befreiung von der Versicherungspflicht ist nach der R. V. O. zu­lässig, wenn die Dienstherrschaft sich ihren sämtlichen Dienstboten gegenüber durch Vertrag verpflichtet, ihnen im Erkrankungsfall eine den Leistungen der Kasse gleichwertige Unterstützung zu gewähren, und den Nachweis erbringt, daß sie hierzu dauernd im­stande ist. Derartige Befreiungsanträge sind an die zuständige Ortskrankenkasse bis zum 1. Januar 1914

zu richten.

8 Hersfeld, 30. Dezember. Zur Wetterlage wird von der Wetterdienststelle Wetlburg unterm 29. Dezember geschrieben: Der langersehnte Schnee ist gekommen, und wir haben auch Aussicht, daß er liegen bleibt. Der Tiefdruckwirbel, der ihn uns brächte, ist von Norden her südwärts gezogen. Wir werden voraussichtlich sehr bald auf seine Nordseite kommen, so daß dort nordöstliche Winde einsetzen. Diese kommen aus dem nordöstlichen Europa, wo augenblicklich starke Kälte herrscht. Da von Island her ein neuer Wirbel nicht heranzuziehen scheint, besteht also die Aussicht auf eine längere Periode sich allmählich steigernden Frostes.

-r- Sorga, 30. Dezember. Eine sehr schöne, ein­drucksvolle Weihnachtsfeier veranstaltetegestern abend im Hornschen Saale der hiesige Mütter- und Jungfrauenverein unter großer Beteiligung der Ge­meindeglieder. Mit gemeinsamem Gesang emes Weih- nachtsliedes und einem Begrüßungsgedicht begann die Feier, gediegen und trotz der bescheidenen Buhnen- verhältnisse von jungen Mädchen und Kindern geschickt und nett dargestellte Weihnachtsfestspiele im Wechsel mit passenden, schön vorgetragenen Chorliedern folgten. Die Veranstaltung war so schön geraten, daß man mit Freude und Dank daran teilnehmen konnte. Allen Mitwirkenden, den Kindern und Erwachsenen, gebührt für das Gebotene Anerkennung, insbesondere aber der Gemeindeschwester Elisc Bogt und Herrn Hauptlehrer Hahn für die Mühe und Sorgfalt, mit der sie die Feier vorbereitet und durchgeführt haben.

-m- Breitenbach am Herzberg, 30. Dezember. Der gestern ununterbrochene S ch n e e f a l l hat hier an manchen Stellen empfindlichen Schaden angerichtet. In den Gärten, Feldern und in den Waldungen haben die Schneemassen ganze Bäume, Aeste usw. zu Fall gebracht. Der Telefonbetrieb war heute fast den ganzen Tag über gestört.

Aus der Rhön, 29. Dezember. Das auf der Strecke Hilderö-Frankenheim-Fladungen verkehrende große Postauto geriet Sonnabend nachmittag tn ein heftiges Schneegestöber und kam von der Chaussee ab in einen Straßengraben. Es mußte aus dem Schnee heraus­geschaufelt werden.

Fulda, 29. Dez. Auf dem Bahngeleise in der

Wetteransfichten für Mittwoch den 81. Dezember.

Ziemlich heiter und trocken, auch tagsüber Frost, nordöstliche Winde.