" » Das Kronprlnzenpaar zum Weihnachtsfest in Berlin. Der Monprinz und die Kronprinzessin sind Mittwoch früh 7 Uhr auf dem Schlesischen Bahnhof tn Berlin eingetroffen. Sie haben sich im Automobil tn ihr Berliner Palais begeben.
Die Verhandlung gegen den Oberst vM Rentier vom Infanterie-Regiment Nr. 99 in Zabern wird vor dem Kriegsgericht der 30. Division in Straßburg voraussichtlich am 5. Januar kommenden Jahres stattfinden.
Drama in einer Leutnantswohnung. In der Wohnung eines Leutnants in Hameln erschien, wie dem „B. T." gemeldet wird, ein junges Mädchen, mit dem der Leutnant in Beziehungen stand, und erklärte, daß es soeben Lysol getrunken habe. Der Offizier geriet hierüber derartig in Aufregung, daß er zum Revolver griff und sich durw einen Schuß in die Brust tötete. Das junge Mädchen befindet sich inzwischen außer Gefahr. Es hatte nur eine Lysollösung zu sich genommen.
Am Bankschalter überfallen und beraubt. Als der Bote eines Geschäfts aus B.-Gladbach Dienstag morgen beim Bankhause Simons 7500 Mark abholte, über- fielen ihn mehrere Burschen, entrissen ihm die Geldtasche und entkamen durch eilige Flucht. Der Vorgang ereignete sich in einer belebten Straße inmitten dichten
vor-
Verkehrs.
Traurige Folgen einer Lampenexplosion. Wie aus Frankenberg gemeldet wird, wurden bei der Explosion einer Petroleumlampe eine Mutter mit ihren vier Kindern von den Flammen ergriffen. Die Frau ist bereits gestorben. Zwei Kinder liegen hoffnungslos darnieder, während die anderen beiden Kinder weniger schwere Verletzungen davongetragen haben.
o-#> Opfer des Sturmwetters. Nach den jetzt liegenden eingehenden Meldungen hat die letzte Sturm- wetterperioöe im Gebiet der Elbemündung und der Nordsee, die am 14. Dezember ihren Höhepunkt erreicht hatte, ungewöhnlich schwere Menschenopfer gefordert. Es haben, soweit das diesseitige Seengebiet, bezw. die von und nach der Elbe fahrenden Dampfer in Frage kommen, 52 Seeleute den Tod in den Fluten gefunden.
Die Katze im Bett des Kindes. Als die Frau des Böttchermersters Richard Stauch in Zepten bei Gräfenthal in Thüringen nach ihrem Töchterchen sehen wollte, fand sie es tot im Bette vor. In der Nacht hatte sich die Hauskatze auf den Kopf des vier Monate alten Kindes gelegt und seinen Erstickungstod herbeigeführt, w Der Afrika-Flug des Franzosen Bedrines. Der französische Flieger Vedrines ist auf seinem Fluge nach Kairo nach einem Telegramm des französischen Konsuls von Tripolis (Kleinasien) in der Nähe jener Stadt gelandet. Vedrines hat die tausend Kilometer lange Strecke von Konstantinopel bis Tripolis in drei Etappen zurückgelegt und hat dabei das Taurusgebirge überflogen.
Hungersnot in Japan. In den Provinzen Aomorc und Hokkaido herrscht nach einer Reutermeldung eine schreckliche Hungersnot. Furchtbare Einzelheiten des äußersten Elends werden bekannt.
w Schiffszusammenstotz auf der Unterelbe Der von Afrika nach Hamburg gehende Dampfer „Emil" kollidierte auf der Unterelbe bei Jülesand mit dem ausfay- renden Bremer Dampfer „Vulkan". Dieser wurde schwer leck und mußte auf den Strand gesetzt werden. Der „Emil" ist mit schwerem Bugschaden in den Hamburger
'd^f^'DasÄurengeschotz als Türschließer. Ein Geistlicher in der englischen Grafschaft Devonshire hatte seit zehn Jahren Granaten aus dem Burenkriege zum Schließen der Türen benutzt, ohne zu wissen, daß die Granaten noch nicht krepiert waren. Am Dienstag nun explodierte eine Granate, als der Pfarrer daran herumhantterte. Es wurden ihm die rechte Hand und der rechte Fuß abgerissen, auch erlitt er schwere Brandwunden. Die Wohnungseinrichtung wurde zerstört.
Gericht und Recht«
Ein elsässisches Hetzblatt vor Gericht. Vor der Strafkammer des Landgerichts Straßburg sollte Dienstag vormittag aus Antrag des Kriegsministers von Fal- kenhayn die Offizialklage gegen das „Journal d'Alsace Lorrain" bezw. gegen die verantwortlichen Redakteure Lucien Mink und Eugen Jung wegen Beleidigung der Offiziere und Kommandobehörde des preußischen Heeres verhandelt werden. Das genannte Blatt hatte in Nummer 201 vom 25. Juni 1913 in einem Artikel, der das Dementi des Generalkommandos über Nichtverwendung der Elsatz-Lothringer in Vertrauensstellungen des Heeres kritisierte, u. a. geschrieben: Man wird es vorziehen, die elsaß-lothringischen Soldaten im Kriegsfalle in die vorderste Linie zu stellen, wie man es seinerzeit mit den Polen gemacht hat. So werden die Elsässer vorwärts gehen müssen, und auf diese Art wird man sie los." Wegen dieses Satzes war der Antrag auf Einleitung der Offizialklage wegen Beleidigung erfolgt. Zu Beginn der Verhandlung gab Redakteur Mink die Erklärung ab, datz er die gesamte Strafkammer wegen Besorgnis der Befangenheit ablehne, da die Richter Reserve- und Landwehroffiziere seien und als solche der preußischen Heeresverwaltung unterständen. Sämtliche Richter gaben einzeln die Erklärung ab, daß sie sich nicht befangen fühlten. Der Vorsitzende drückte sein Erstaunen darüber aus, daß seitens des Angeklagten Mink die Za- berner Affäre in die Strafkammersitzung hineingetragen werde. Der Staatsanwalt beantragte Vertagung, und das Gericht verkündete nach kurzer Beratung, daß die Verhandlung abends um 6 Uhr stattfinden solle, os* Das Urteil wurde nach einem Straßburger Telegramm Mittwoch mittag 12 Uhr gefällt. Es lautete gegen den Angeklagten Jung, der den inkriminterten Artikel verantwortlich geLch^ hatte, auf drei Wochen Haft. Autzer^rn wurde am Veröffentlichung des Urteils tn einigen Straßburger Zeitungen erkannt. Das Verfahren gegen den Angeklagten Mink wurde abgetremlt und Ver- tagung beschlossen, da der Staatsanwalt im Verlaufe des Prozesses erklärte, er werde den Beweis antreten, daß Mink der Verfasser des mit dem Pseudonym Lippo Memmi unterzeichneten Artikels sei.
Vermischtes«
Graf und Gräfin Mielzynski. Dem Grafen Miel- zynskt soll der Fehltritt, den er seine Frau jetzt so büßen ließ, selbst nicht unbekannt gewesen sein. Innerlich, so heißt es, standen sich die Gatten nach ihrer Wiedervereinigung fremd und kalt, ja feindlich gegenüber. Die Gräfin wird von verschiedenen Seiten als eine edle und herzensgute Frau geschildert. Sie viel Gutes gestiftet hatte, die aber ihrem Mann die Verschwendung und die Tatsache, daß er früher mit einer polnischen Aristokratin aus der Umgegend von Grätz durchgegangen war, nie hat verzeihen können. Graf Mielzynski soll sich, bevor seine Frau im Vorjahre eine große Erbschaft machte, in schlechten Verhältnissen befunden haben, Seine Frau hatte eine recht bedeutende Mitgift bekommen, da der Graf aber mehr Künstlernatur als Landwirt war, wurde tt mit dem Gelde bald fertig. Das Gut Jvno soll der- art verschuldet sein, daß der Graf von dort nur eine ge- Mae Rente bezog. 9Wem dann die Gräfin Mich-
zynski einen Millionenbesitz geerbt hatte habe der Graf die Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft betrieben. Die Gräfin habe sich lange widersetzt und erst dann dreingewilligt, wieder mit ihrem Gatten zu leben, als ein Onkel ihres Mannes, Graf Mielzynski, auf den sie viel gab, sie im Interesse der Kinder bat, zu ihrem Manne zurückzukehren. Die jetzige Gesellschafterin der verstorbenen Gräfin war seit mer Monaten in den Diensten der Gräfin. Es wird hier erzählt, daß ihre Vorgängerin ihre Stelle aufgegeben habe, weil sie nicht mehr habe mit ansehen können, wie der Graf von seiner Frau und seinem Neffen hintergangen wurde.
Der Strumpf als Sparbüchse. Zu einer unerwarteten „Enthüllung" kam es in der letzten Sitzung der 5. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts. Eine Ga- lizierin, die dort Klage erhob, war von emem Fleischwa- renhändler wegen Verdachts des Diebstahls entlasten worden. Es geschah dies auf Veranlassung einer 15= jährigen Mitangestellten, auch einer Galizierin, die gesehen haben wollte, daß die bei Verwandten wohnende Klägerin, als sie von der Arbeit kam, aus ihren Strümpfen ganze Würste herauszog. Die Beschuldigungen er- fchienen wenig glaubhaft: der Beklagte führte aber zum Beweise dafür, daß es der Klägerin nicht darauf an- komme, Geld oder Geldeswert in den Strümpfen zu verbergen, an, daß man einmal ein Zehnmarkstück bei ihr im Strumpf gefunden hätte. Wäre das Geld ehrlich erworben gewesen, so hätte sie es, meinte der Beklagte, nicht im Strumpf zu verstecken brauchen. Gegen diese Unterstellung wehrte sich sehr temperamentvoll die junge Galizierin. Ihr Geld im Strumpf auszuwahren, sei bei ihnen alter Brauch, und schon ihre Großmutter habe das Geld im Strumpf getragen. Auch gegenwärtig trage sie, die Klägerin, was sie an Geld besitze, in ihrem Strumpfe bei sich. Ehe sich das Gericht dessen versah, zeigte das junge Mädchen den Strumpf und holte wirklich 12 Mark und 50 Pfg. daraus zum Erstaunen von Gerichtshof und Publikum hervor! — Nach dieser Aufklärung hielt das Kaufmannsgericht die Entlassung nicht für berechtigt und verurteilte den Beklagten zur Zahlung des Restgehalts. Der Zeugin sei nach den gegenteiligen Aussagen der Verwandten der Klägerin kein Glauben herzumessen. Die Aufbewahrung von Geld im Strumpf entspreche einem in manchen Gegenden althergebrachten Brauch.
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„Das Rattenschlotz" ist das neueste auf dem Gebiete der großen Tanzlokale Berlins. Das Etablissement befindet sich Jägerstratze 63a und zeichnet sich durch eine geradezu raffinierte Aufmachung aus. Der ParkeMuß- boden ist tiefschwarz wie ein Waldsee, zu dem die fchrlf- grünen Sessel eigenartig stimmen. Auch die Pfeiler der Wände sind schwarz, dazwischen ist dunkelviolette Serde gespannt, durchschimmert von den Reflexen des rotgelben Lichts. Die hohe Saaldecke, die nur indirekt erleuchtet ist, ist blendend weiß. Diese fröhliche Stätte ist und wird allabendlich der Treffpunkt der zahlreichen Berliner Bummel- und sonstiger Ratten sein. Daher der Name!
Abermals ein amerikanischer Staatsmann im Zirkus. Trotzdem der Staatssekretär Bryan wegen seines Auftretens im Zirkus von der amerikanischen Presse heftig angegriffen worden ist, hat er einen noch bedeutenderen Nachahmer gefunden. Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Marshall, hat nämlich einen Vertrag abgeschlossen, in dem er sich verpflichtet, nach Schluß der Parlaments-Session eine vierwöchige Vorstellungsreise durch die Vereinigten Staaten zu unternehmen. Er wird im ganzen 26 Mal auftreten und für jeden Vortrag 300 Dollars erhalten. Die Amerikaner werden also das erbauliche Schauspiel genießen, den Vizepräsidenten des Landes zwischen Schlangenbeschwörern und Bauchtänzerinnen in einem Zirkus sprechen zu hören. Marshall hat jedoch die Bedingung gestellt, daß sein Titel auf den Reklamezetteln nicht erwähnt wird.
Die sprechende Banknote. In England will man ein (übrigens nicht ganz neues) Verfahren anwenöen, um den Banknotenfälschern jetzt endgültig das Handwerk zu legen; endgültig, denn nach menschlichem Ermessen scheint es ausgeschlossen, eine Sicherheitsvorkehrung, wie sie die „sprechende Banknote", aufweist, nachzuahmen. Die „sprechende Banknote", eine Erfindung des Ingenieurs A. E. Bawtree, ist seit drer Jahren in England durch Patent geschützt: als die ersten Nachrichten darüber in die Oeffentlichkeit drangen, hielt man sie für einen Scherz, aber jetzt weiß man, daß es sich um einen ganz vortrefflichen Gedanken handelt. Bawtree, der Ingenieur ist, gilt in England als erste Autorität in allen Fragen der Entlarvung von Banknoten- und Wertzeichenfälschungen. Bei Bawtrees sprechenden Banknoten ist die Unterscheidung zwischen echt und unecht in sehr kurzer Zeit und unbedingt sicher durchzuführen. Der Rand der sprechenden Banknote ist als Phonographenplatte eingerichtet, und wenn man ihn durch einen Prüfungsphonographen hindurchführt, so legt er beredt für ihre Echtheit Zeugnis ab. Das Verfahren, nach dem die Banknoten hergestellt werden, soll ziemlich verwickelt sein, dafür aber ist die Prüfung umso einfacher. Hierfür hat Bawtree zwei Instrumente ersonnen. Bet dem einen legt man die zu prüfende Banknote zwischen zwei Metallplatten und haucht dann in einen großen Schalltrichter hinein, worauf die langsam fortbewegte Banknote zwischen den Platten ihren Wert verkündet. Bei dem anderen Prüfungsapparat spricht die Banknote von selbst, wenn ihr Rand zwischen den beiden Platten hindurchgeschoben wird. Allerdings muß bei dieser Prüfungsmaschine der Banknotenprüfer einen besonderen Hörer haben, dessen Oeffnung ins Ohr gesteckt wird.
15 Jahre eingeschlossen. Durch den plötzlichen Tod eines der bekanntesten Rechtsanwälte des Staates Neu- york, des Anwalts Couch, der in Monticello im Staate Neuyork wohnt, kam es an den Tag, daß er seine Ju- gendgeliebte 15 Jahre lang in seinem Hause gefangen gehalten hatte. Couch war früher Staatsanwalt und ein Freund des Präsidentschaftskandidaten Parker. Als er vor einigen Tagen auf dem Totenbett lag, trat aus et-
heimen Zimmer, das hinter dem Bureau des ________s liegt, eine Frau ins Sterbezimmer und verlangte den Toten noch einmal zu sehen. Sie nannte sich Adelaide Brance: sie ist ungefähr vierzig Jahre alt und entstammt einer angesehenen Familie. Ihre Kleider waren zerrissen, ihr Haar zerzaust und mit wirren Augen starrte sie um sich. Der Raum, den sie bewohnre, war durch eine geheime Tür mit dem Bureau des Anwalts verbunden. Die Frau des Anwaltes und eine 25fäßrige Tochter leben in derselben Villa und keines von ihnen hatte die geringste Ahnung von dem Geheimnis des Rechtsanwaltes, der seine Geliebte vollständig abgeschlossen in seinem Haufe hielt. Die Abgeschlossenheit hat ihren Geist anscheinend verwirrt. „Nunmehr erinnert man sich, daß der Verstorbene häufig die Nachte tn seinem Bureau verbrachte und verschiedene Nachbarn wollen zuweilen auch eine fremde Frau gesehen haben. Der Rechtsanwalt war allgemein wegen seines glücklichen Familienlebens und makellosen öffentlichen Lebens hochgeachtet.
Für 125 Millionen Mark Weihnachtsspielsachen.
Eine von der Handelskammer Sonneberg herausge- aebene Statistik belehrt uns darüber, daß Deutschland
nem gei, Anwalts liegt,
in der Dptelwarenproöuktwn mit einem Gesamtwert von rund 125 Millionen Mark an der Spitze aller Länder steht. Von den 125 Millionen Mark entfallen 90 Millionen auf den Export, der Rest auf das Jnnland. Die deutschen Weihnachtsspielwaren gehen, was die Ausfuhr anbelangt, in annähernd gleicher Zahl nach den anderen europäischen Ländern und den überseeischen Absatzgebieten. Doch macht sich in den letzten Jahr- . zehnten in der Ausfuhr eine langsam steigende Tendenz des Exports nach außereuropäischen Mächten bemerkbar, sodaß dieser wohl bald die Zahlen der europäischen Ausfuhr überholt haben wird. Den Hauptanteil an der deutschen Spielwarenproduktion hat der Sonneberger Jndustriebeztrk, der jährlich etwa für 45 Millionen hinausschickt, ihm steht der Nürnberg - Fürther Bezirk mit 45 Millionen gleich. An dritter Stelle folgt das sächsische Erzgebirge, aus das ein Anteil von etwa 9—10 Millionen fällt. Neuerdings ist Deutschland, was nicht übersetzen werden darf, in der Spielwarenfabrikation in einigen anderen europäischen Ländern ein scharfer Rivale entstanden. Vor allem kommt hier Frankreich in Betracht, das heute schon für etwa 40 Millionen Mark Spielsachen erzeugt. Nur bleibt die französische Produktion im wesentlichen, bis zur Hälfte, auf den heimischen Markt beschränkt. Auch die Produktion der Vereinigten Staaten ist heute schon recht beachtlich, und erfordert Deutschlands größte Anstrengungen, um die Führung im Spielwarenexport zu behalten.
Gar lustig ist die Jägerei — in Amerika. Ein Chi- cagoer Blatt, das Statistiken zu seiner Spezialität macht, berichtet, in der soeben beendeten Jagdsaison seien in Amerika durch die Unvorsichtigkeit der Jäger 135 Menschen getötet und 140 verletzt worden. Der den Bauern am Vtehstanö zugefügte Schäden ist schier unberechenbar. Ein Farmer in Lee, Massachusetts, hing, so illustriert das Blatt nicht unwitzig dre Uebelstände, als letztes Mittel, sein Vieh vor den Weidmännern zu bewahren, jeder Kuh ein weißes Laken um, auf welchem in großen Buchstaben geschrieben war: „Schießt mich nicht, ich bin eine Kuh!"
Aus der Jugend. Der 5jährige Hans lärmt mit seinem 4jährigen Bruder im kindlichen Spiel auf dem Sofa, die Töne einer Lokomotive weniger treffend als laut nachahmend, und erklärt selbstbewußt: „Ich bin eine Lokomotive." Kurz nachher sage ich ihm auf dem Spaziergange zu einer bekannten Sommerrestauration: „Lieber Hans, eine Lokomotive braucht nur Kohlen und Wafser, aber keine Schokolade und Kuchen." Nach kurzem Besinnen kommt Hans zu m^r: „Onkel, von jetzt
eine Spieluhr mit einer
ab bin ich ein Speisewagen!"
Schwierige Weihnachts-Bestellung anno 1913. Madame Europa: „Ich möchte gerne für meine Kleinen eine Spieluhr mit einer hübschen Weihnachtsfriedenshymne haben." Knecht Ruprecht: „Beüaure, Gnädigste, es gibt Heuer nur Armeemärsche!"
Las Leben im sibirischen Urwald.
Goldgräber als Abenteurer.
Aus dem Leben sibirischer Goldgräber gibt Oskar Grosberg - Petersburg in der „Rheinisch - Westfälischen Zeitung" folgende Einzelzüge wieder: „Einen großen Teil der Ausbeute und die Entdeckung neuxr Goldfelder verdankt man den „Starateli", den „Prospektors", die zu Tausenden und Zehntausenöen durch das Land ziehen und in Wildnisse Vordringen, die vor ihnen wahrscheinlich nur von den aussterbenden eingeborenen Pelzjägern betreten worden sind. Ist ein geeigneter goldführender Wasserlauf gefunden, dann geht man eifrig an die Arbeit. Und mancher Starateli wird in wenigen Wochen zum reichen Mann. Wenn er genug erwaschen yat, kehrt er mit seinem Schatz in bewohnte Gegenden zurück. Er liefert das Gold nicht immer an oen Staat, sondern verläuft es mit Vorliebe nach China.
Nach der schweren Arbeit in der Wildnis lebt der Starateli gewöhnlich in Saus und Braus bei Wein, Weib, Gesang und Kartenspiel, bis das letzte Körnchen Gold verjubelt ist und er wieder in die Wildnis zurückkehren muß. Es kann wohl vorkommen, daß eine andere „Partie" auf einen schon besetzten Fundort stößt und daß die entstehenden Auseinandersetzungen mit der Büchse ausgetragen werden. Im allgemeinen geht der Sibirier vom Grundsätze aus, imer als erster zu schießen: lieber dreimal zu früh als einmal zu spät. Oft leben aber mehrere Parteien friedlich nebeneinander. Man hat Beispiele davon, daß im Urwalde große Gemeinwesen entstehen, von denen die Regierung erst nach vielen Jahren, oft nie Kunde erhält. So war die berühmte Stadt „Sheltunga" entstanden, von deren Existenz die Regierung erst nach 20 Jahren Kenntnis erhielt. Die Goldgräber, die dort zumeist Zwangssträflinge waren, hatten ihre eigene Verwaltung eingesetzt und es gab sogar ein Gericht, das nur eine Strafe kannte: hängen ....
Es gibt unter den Starateli Leute, die steinreich geworden sind und nun in den Städten Sibiriens ein ruhiges und behagliches Leben führen: die Mehrzahl aber wandert ruhelos durch das weite Land, denn sie können sich nicht mehr in geordnete Verhältnisfe fügen; das wilde, freie Leben im Urwalde läßt sie trotz aller Entbehrungen und Gefahren nicht mehr los, wenngleich sie wissen daß sie am letzten Ende doch den Entbehrungen ihres harten Lebens oder einer meuchlerischen Kugel zum Opfer fallen werden. Doch daran denken diese eisenfesten Kerle nicht, solange sie den Goldsand in der Schüssel schwenken, solange sie Branntwein durch die Gurgel jagen, eine Menge Gold auf eine Karte setzen und keine andere Autorität anerkennen, als die eines stets schußfertigen und zielsicheren Revolvers."
Friede zwischen Aerzlen und Kassen.
Ein Erfolg der Berliner Verhandlungen.
»-^ Die auf Anregung des Staatssekretärs Dr. Del-
brück im Reichsaint des Innern eingeleiteten Einigungsverhandlungen in dem Konflikt zwischen Krankenkassen und Aerzten haben am Dienstag in später Abendstunde zum Frieden geführt. Das Abkommen ist auf folgender Grundlage zustande gekommen: Es wird ein Vertrag auf 10 Jahre geschlossen und in Berlin ein paritätisches Zentialschiedsamt unter dem Vorsitz des jeweiligen Staatssekretärs des Reichsamts des Innern eingerichtet. Jedes Versicherungsamt legt ein Verzeichnis aller Aerzte an, die zur kassenärztlichen Behandlung bereit sind. Die schwierige Frage der sogenannten Streikärzte wurde dadurch gelöst, daß die Kassen die Verpflichtung übernehmen, einen Teil dieser Aerzte anderweitig nnterzubringen. Für die übrigen Aerzte übernimmt der Leipziger Verband die Aufbringung der Entschädigung. Die Kassen unterstützen ihn jedoch hierbei durch eine Erhöhung der Aerztegehälter um 5 Pfg. pro Person. Den Aerzten wird freigestellt, die für sie günstigen Verträge sofort abzuschließen. Wo Verhandlungen mit den Kassen noch schweben oder wo noch Schwierigkeiten bestehen, wird der Leipziger Verband dafür eintreten, daß am 1. Januar angemessene Verhältnisse geschaffen werden. Das gefürchtete Interim tritt also nicht ein.
ch schweben oder wo noch otrd der Leipziger Verband