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Hers seid er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^4^ für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- ~ _,£<<_.. » , < u I Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 5) vl5|vl0vl Mt^lSÖlQlI I amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder-

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. I gelungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 190. Mittwoch, den 21. Dezember 1913.

Vergessen Sie nicht

für das am 1. Januar neu beginnende Quartal das Hersfelder Tageblatt zu bestellen, welches die Leser über alle wichtigen Ereignisse im In- und Auslande, in der Stadt, im Kreise und in der Provinz schnell und zuverlässig unterrichtet.

Der amtliche Anzeiger sowie mehrere Unterhaltungs­Beilagen mit interessanten Romanen erscheinen als Gratisbeilagen, wodurch sich das Hersselder Tageblatt zahlreiche Freunde erworben hat.

Der Bezugpreis beträgt vierteljährlich 1.40 Mk. bei Abholung in unserer Geschäftsstelle, 1.50 Mk. für Hers­feld frei ins Haus, 1.60 Mk. durch die Post.

Bus der Heimat«

Die Zeit der zwölf Nächte.

Auf die Geheimnisse der Traumwelt wird zu keiner Zeit des Jahres mehr geachtet, als jetzt während der zwölf Nächte, wie die Zeit vom 24. Dezember bis zum 6.' Januar im Volksmunde heißt. Dem Zauberland htzr Träume, in dem wohl schon jeder gewesen ist, wird in dieser Zeit immer noch von vielen Aufmerk­samkeit geschenkt, da man glaubt, daß in diesen Tagen der Schleier der Zukunft sich lüfte und im Traume zu sehen sei, was die Zukunft bringt. Die Rätsel des Traumlebens sind von der Wissenschaft noch nicht endgültig gelöst, obwohl die Forschungen auf diesem Gebiete schon viel Interessantes zutage gefördert haben. Nach eingehenden Beobachtungen entstehen die Träume meist im Halbschlaf, wo die Sinnes­einbrücke noch einen gewissen Eingang in die Seele finden und dort neue Gedankengänge anregen. Wir dürfen nicht annehmen, daß unser Gehirn während des Schlafens nicht arbeite; es arbeitet ruhig weiter, nur in anderer Weise. Vor allen Dingen herrscht dabei die Phantasietätigkeit vor. Träume sind daher eine Gruppe lebhafter Ideen, die jedoch vom Willen nicht kontrolliert werden. Es ist eine einseitige Tätigkeit gewisser Teile des menschlichen Organismus, die diese eigentümlichen seelischen Zustände und Em­pfindungen hervorbringen, die sich durch Unklarheit, Mangel an logischer Verbindung usw. auszeichnen, jedoch in den meisten Fällen in engem Zusammen­hänge mit den Vorkommnissen des menschlichen Lebens stehen. Wer gut und tief schläft, wird selten und wenig von Träumen beunruhigt werden: wer sich dagegen keines gesunden Schlafes zu erfreuen hat, den werden auch oft die Träume heimsuchen. Die Ur­sachen dazu sind vielfach in Blutstauungen und Blut- überfüllung im Gehirn zu suchen, zuweilen auch in Magenstörungen, behinderter Atmung usw. Daraus geht hervor, daß man es bis zu einem gewissen Grade wohl verhindern kann, von Träumen beunruhigt zu werden. Deshalb darf man auch in den Träumen keine höheren Eingebungen erblicken wollen, und aus diesem Grunde ist auch die Meinung, daß uns die Träume die Zukunft erschließen, eine vollständig irrige. Das Sprichwort hat daher nicht unrecht, wenn es sagt: Träume sind Schäume.

* Die Einführung des Pfundpakets bedeuten die zwei Aenderungen der Postordnung, die zu Neujahr in Kraft treten. Formell wird lediglich eine neue Gewichtsstufe für Warenproben von 280 bis 500 Gr. einschließlich für das Porto von 20 Pfg. eingeführt. Jetzt werden gegen ermäßigte Gebühr solche Warenproben befördert, die keinen Handels­wert haben. Auch einzelne Schlüssel, abgeschmttene frische Blumen, Tuben mit Serum, naturgeschlchtllche Gegenstände, getrocknete oder konservierte Tiere und Pflanzen, geologische Muster usw. werden jetzt nur unter der Voraussetzung billiger befördert, daß die Versendung nicht zu einem Handelszwecke geschieht. Vom 1. Januar an werden als Warenproben auch kleine Warenmengen befördert. Ebensowenig ist dann noch von einem Verbot des Handelszweckes bei den anderen genannten Gegenständen die Rede. Man kann also beliebige Waren bis zum Gewicht von 500 Gramm für 20 Pfg. verschicken. Wie bisher ist deren Größe auf 80: 20:10 Zentimeter, bei Rollen auf 30 Zentimeter Länge und 15 Zentimeter Durchmesser beschränkt. Neu wird aber die Bestimmung beigefügt, daß die Sen­dungen sich nach ihrer Verpackung, Form und sonstigen Beschaffenheit zur Beförderung mit der Briefpost eignen. Die übrigen Vorschriften bleiben bestehen. Briefe dürfen nicht beigefügt werden. Handschriftliche Vermerke sind nur im beschränkten, genau bezeichneten

Maße zuläßig.

§ Hersfeld, 23. Dez. (Neujahrsbriefver- kehr.) Die ordnungsmäßige Bestellung der Neu­jahrsbriefe ist nur dann gesichert, wenn die Aufschrift der aufgelieferten Sendungen die genaue Angabe der Wohnung des Empfängers bz. der Empfängerin enthält. Bei Postsendungen nach Berlin ist es er­forderlich, außer der Wohnungsangabe auch die Be­zeichnung des Postbezirks N., S., sw. usw. zuzusetzen. Es liegt im eigenen Interesse des Publikums, wenn es nach diesen Bestimmungen verfährt. Da in den letzten Tagen des Monats erfahrungsgemäß ein sehr starker Andrang an den Postschaltern herrscht, ist es für das Publikum zweckmäßig, den Einkauf von Marken nicht erst in den letzten Tagen vor Neujahr vorzunehmen. Es läßt sich alsdann nicht vermeiden, daß das Publikum trotz des vermehrten Personals vor den überfüllten Schaltern warten muß. Auch die frühzeitige Bestellung der Zeitungen liegt im Interesse des Publikums.

Bebra, 21. Dez. Die Arbeiten an der Umgehungs­bahn schreiten schnell vorwärts. Die neuen Unter­führungen an dem verletzten Teil des Fuldabettes, sowie an der Flutbrücke sind fertig, ebenso die Ueber- sührungen bei Blankenheim und Weiterode. Auch die Talbrücke oberhalb Weiterode ist fertiggestellt und an der neuen Brücke diesseits Ronshausen wird augen­blicklich die Eisenkonstruktion angebracht. Wenn nicht störende Ereignisse eintreten, rechnet man mit der Fertigstellung der Umgehungsbahn bis zu Ende September kommenden Jahres, soöaß am 1. Oktober kommenden Jahres der erste Zug die neue Strecke be­fahren könnte.

Berka, (Werra) 22. Dezember. Eine Versamm­lung des Vorstandes der Kaligewerkschaft Alexanders­hall hat den Beschluß gefall, für das 4. Quartal 1913 an alle diejenigen Gewerken, welche am 81. Dez. d. J. im Gewerkenbuch der Gesellschaft als Teilhaber der­selben eingetragen sind, eine Ausbeute von 200 Mk. pro Kuxe zur Verteilung zu bringen.

Sontra, 22. Dez. Gestern abend gegen 7 Uhr brach auf dem Bahnhof hier plötzlich Feuer aus. Die Gaslichtanlage hatte in den Abendstunden wiederholt versagt. Zwei Arbeiter gingen, um die Ursache zu erforschen nach dem Raume, in welchem sich der Gas­entwickler befindet. Kaum hatten sie diesen betreten, so stand dieser in Flammen, und eiligst mußten sich die Arbeiter in Sicherheit bringen. Obwohl ihre Kleider bereits Feuer gefangen, erlitten diese keinen Schaden. Die ganze Anstalt mit dem 10 Meter hohen Holzturm bildete alsbald eine Feuersäule und ge­währte von der Stadt aus einen großartigen Anblick. Auch der angrenzende Stall und Abortgebäude wurden von den Flammen ergriffen und bräunten nieder. Das Vieh konnte bis auf die Hühner gerettet werden. Infolge dieses Brandes war der Bahnhof in völliges Dunkel gehüllt. Man versuchte dann durch Fackel­schein die schöne Gasbeleuchtung zu ersetzen. Das Feuer ist vermutlich dadurch entstanden, daß in dem Gasraume der Behälter oder die Leitung undicht wurde. Das ausströmende Gas hat sich dann an einer vor dem Raum niedergestellten Laterne ent­zündet.

Gersfeld (Rhön), 20. Dezember. Die Rhönklub- Sektion Nürnberg wird auf dem Eierhauck, einem schönen Aussichtspunkte der Rhön, eine Schutzhütte errichten.

Aus der Rhön, 22. Dezember. Am gestrigen Sonntag herrschte in der Rhön ein reges Sportleben. Nicht nur, daß zahlreiche Mitglieder des Skiklubs Rhön"-Fulda auf dem Dammersfeld und bei der Wafferkuppe eifrigst dem Skisporte huldigten, es waren auch viele auswärtige Skiläuser aus Würzburg, Frank­furt a. M. und andern Orten auf dem Plane. Leider macht sich heute ein bevorstehender Witterungsumschlag bemerkbar, denn die starke Kälte hat merklich nach­gelassen. Hoffentlich bleiben bis zum Feste die sehn­süchtig erwarteten Schneefälle nicht aus.

Fulda, 20. Dez. Heute vormittag 8°.2 Uhr wurde her gestern wegen Kirchenraub, Sachbeschädigung usw. von der hiesigen Strafkammer zu noch weiteren 7 wahren 9 Monaten Zuchthaus verurteilte Arbeiter Paul Wilhelm Müller aus Berlin fest gefesselt durch zwei Kriminalschutzleute nach dem Zuchthause Cassel- Wehlheiden abgeführt. Der Verbrecher ist letzt auf lange Zeit unschädlich gemacht, denn außer der gestrigen Strafe hat er mit den in Halle und Hanau vorher erkannten Strafen insgesamt I8V2 Jahre Zuchthaus zu verbüßen.

Caffel, 22. Dezember. Die Strafkammerverurteilte heute die beiden landwirtschaftlichen Versicherungs­agenten Albert Schlosser und Kurt Kühn, die zusammen mit je 20 Mark Kapitaleinlage eine Genossenschaft zum An- und Verkauf von Gütern nnd zur Parzellierung von Gütern gegründet und in den Jahren 1910 bis 1912

betrieben hatten, wegen Konkursvergehens und Be­truges Schlosser zu sechs Monaten Gefängnis und 50 Mark Geldstrafe und Kühn zu 50Mark Geldstrafe. Die beiden Angeklagten hatten sich bei einem hiesigen Bankhaus ein Konto von 5000 Mark zu verschaffen ge­wußt, Schlosser hatte dann durch allerlei Manipula­tionen einer hiesigen Privatiere 8000 Mk. abgenom­men, außerdem ein Sparkassenbuch über 2 800 Mark, das er als Pfand verwenden wollte.

Caffel, 22. Dezember. Landesrat Scheel, der Dezernent für Caffel in der Hessen-Nassauischen Land­wirtschaftlichen Berufsgenossenschaft und deren Haft­pflichtversicherungsgesellschaft ist im Alter von 54 Jahren gestern vormittag einem Schlaganfall plötzlich erlegen. Landesrat Scheel war ein Casseler Kind. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich in Walüau am Sonnabend nachmittag. Die Pferde des Guts­besitzers M. wurden plötzlich scheu und gingen mitsamt dem Wagen durch. Der dreijährige Sohn Martin des Arbeiters Sch. wurde hierbei überrannt, wobei dem Kinde die Räder über den Leib hinweggingen. Das unglückliche Kind verstarb nach wenigen Minuten.

Salzunge«, 22. Dezember. Auf dem hiesigen Bahn­höfe wurde am Sonnabend abend kurz nach 9 Uhr der Postschaffner Kühn aus Salzungen, als er einen beladenen Posthandwagen über das Gleis schieben wollte, von einer Lokomotive erfaßt und überfahren. Der tödlich verletzte Mann verstarb bald darauf.

Cappel, 19. Dezember. Der seit dem Bußtag ver­mißte verheiratete Hausdiener G. wurde unterhalb des Weißensteins bei Wehröa, wo man ihn auch zuletzt ge­sehen hatte, aus der Lahn gelandet.

Wolfhage«, 19. Dezember. Gestern wurde hier <tn lediges junges Madien verhaftet, welches be­schuldigt wird ihr neugeborenes Kind gleich nach der Geburt umgebracht zu haben. Die von den Gerichts­ärzten vorgenommene Obduktion der Kinüesleiche soll sehr schwere Verletzungen am Schädel ergeben haben. Die Verhaftete Hat, wie man hört, ihre Schuld dem vernehmenden Gericht bereits eingestanden.

Herleshausen, 19. Dezember. Folgendes originelle Liebesbriefchen' erhielt, wie derEis. Tagesp." ge­schrieben wird, eine Maid aus hiesiger Gegend von ihrem zum Militär eingezogenen Schatz:Libbes Kadrin hob ich verspruchen zu schreiben Briff wenn ich bin bei dem Kuhmmis, hob ich wennick Zeith muß ich ihmer morgens ufftehen und mir waschen Hende und auch gesicht ise nich schöhn ise waßer so kald und nas hire, auch muß ich immer nach ecksezieren und machen kniebäuchen immer zu ise sich serr schwer. Unöerovfisir schimpft mir ihmmer dummes Bollack verdirps mir mein gaußes gumdahni, ober schad nicks, nach halbe jahr werd ich auch underovvizieher und schimf ich auch mit regruden aber feste, schönner wie bei den Kumis ise sich doch gewäsen wo ich immer zu dir bin gekommen bussieren und ich dir hob immer bei baumharz willem gegauft vile Bröttchen und schokolade und sind wir spazieren gegangen auffHäck- senlinde oh libbe Kadrihn wenn ich noch nach denke an schöne Zeid muß du mir unbeding schicken Baket mit Wurs und fedd und Geld nichd zu knabb, muß ich mir kaufen extrahoose und Müdze seh ich sonst in Kumiszeug aus wie uniformiertes Pafian sakt Haupt­mann meiniges, ist dieser Brief doch sehr serr schön lern ich daitsches Sproch immer besser, ich glaube zu Weinachden giebt es Uhrlaup 4 Wochen oder 14 Tage und ich mir schon mit ville Grieß dein dreuer Schatts Jcknas mit ville Kisse von stufte gumbanih."

Wandervorschläge für die Weihnachtstage.

a. 1/2 Tagestour: Hersfeld-Wehneberg-Mittel- kopf-Tann-Hohe Buche-Rotenburg (4 Std.) zurück mit der Bahn.

b. 1/2 Tagestour: Hersfeld - Gasanstalt - Neue Bahnbrücke-Solzfluß-Gellenberg-Meckbach-Stein- kops-Weiterode-Bebra. (4 Std.) Zurück mit der Bahn.

c. l/2 T a g e s t 0 u r: Hersfeld-Wippershainer Höhe- Wippershain - Fischbachgrund - Fischbach - Bodes ; Eitra-Sieglos-Oberhaun. (41/2 Std.) Von hier zurück mit der Bahn.

d. 1/2 Tagestour: Hersfeld - Alpen - Hamburger Hütte - Tageberg - Laxturm - Forsthaus Mönches- Meisebach-Hersfelö. (31/2 Std.)

e. Tagestour: Hersfeld - Frielingen (Bahn­fahrt), Willingshain - Jagdhaus - Eisenberg - Lis- burg-Jagdhaus Richard-Dreiförsterstock-Wolle- mannsbuche- Stellerskuppe-Hählgans-Meisebach- Hersfeld. (6 Std.)

f. Tagestour: Hersfeld-Sorga (mit der Bahn oder zu Fuß), Breitzbachsmühle, Alte Friede- walder Straße - Friedewald-Nadelöhr-Hönebach. (5 Std.) Von hier mit der Bahn über Bebra zurück.