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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

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zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei SCX5Wlu£t Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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Nr. 188. lErftes Matt).

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Bus der Heimat« Sonnwendfeier des KnMluds.

-ö- Hersfeld, 22. Dezember.

Nicht nur unsere heidnischen Vorfahren, sondern auch wir feiern noch oder wieder Winters Anfang, wenn auch in anderer Weise. Am vergangenen Sonn­abend feierte der Knüllklub auf dem Knüll, das Winter-Sonnwenöfest. Aus den verschiedensten Richtungen fanden sich im Laufe des Nachmittags die Touristen und Wanderfreunde auf dem Knüll ein, um die Jahreswende des verflossenen Wanderjahres in würdiger Weise im Kreise Gleichgesinnter zu feiern. Pünktlich um 6 Uhr nahm die wohlgelungene Feier durch Abbrennen eines Feuers auf dem Knüllköpfchen ihren Anfang. Wohl weit über 100 Menschen außer den Freunden des Knüllklubs waren selbstver­ständlich auch die in der Nähe des Knüllköpfchens lebenden Bewohner herbeigeeilt harrten nun er­wartungsvoll der Dinge die da weiter kommen sollten.

Herr AmtsrichterHeußner aus Niederaula brach bald den Bann durch eine kurze Ansprache, in der er die einzelnen Helden des darauffolgenden Fest­spielsDie Wutansnacht" ankündigte. Aus dem Dünke- der Nacht erschien dann plötzlich die Waldfrau mit ihren drei Zwergen am Feuer,- sie schauten dem heiligen Feuer freudig zu und wurden in ihrer An­dacht bald durch drei Wandervögel gestört, die singend und tanzend herankamen und um das Feuer herum- sprangen, bis ihnen die Waldfrau, erzürnt über diesen Frevel am heiligen Feuer, mit donnernder Stimme Einhalt gebot und sie zur Strafe zum Feuertods ver­urteilte. Die drei Wandersgenossen ließen sich aber nicht beirren und setzten ihren Gesang unter Ver­höhnung der Waldfrau und des Feuers fort. Da plötzlich erscheint der Held Hyon vom Eisenberge, der die Waldfrau besuchen will. Die 'Waldfrau sichtbar erfreut über diese unerwartete Hilfe klagt die drei Wandergesellen bei Hyon an. Hyon fährt sie mit lauter Stimme an und weiht sie ebenfalls dem Tode. Doch vor Vollstreckung des Todesurteils flehen die Zwerge und auch die Waldfrau bei Hyon um Gnade für die drei und Hyon, der wohl auch Gefallen an den jungen und mutigen Gestalten bekommen, schenkt ihnen ihre Freiheit. Nachdem diese für die Gnade gedankt und noch Lieder am Feuer gesungen, ziehen sie dann fröhlich singend von dannen. Auch die Waldfrau mit ihren Zwergen und Hyon verschwinden wieder im Dunkel der Nacht.

Nach zwei gemeinsam gesungenen Liedern, die nebst Text des Festspiels von Herrn Amtsgerichts­sekretär Kirchner verfaßt waren, zog dann die ver­sammelte Menge um das verglimmende Feuer herum zu dem Gasthaus, um dort im provisorisch hergerichteten Saale des Neubaues für das leibliche Wohl zu sorgen. Am Festessen beteiligten sich annähernd 90 Personen. HerrAmtsrichter Heußner begrüßte die Erschienenen erfreut über die zahlreiche Beteiligung und brächte zum Ausdruck, daß das Hauptbestreben des Knüllklubs die Pflege des Heimatssinnes sei. Er forderte dazu auf, die Bestrebungen, unser Hessenlanö hochzuhalten, nach Kräften zu unterstützen. Er gab seiner Freude auch Ausdruck darüber, daß Hersfeld sich so stark an der Feier beteiligt habe. Herr Dr. Ebers bach aus Treysa feierte dann in humorvollen Worten den rührigen Vorstand des Knüllklubs, der es dahin ge­bracht habe, daß die Sonnwendfeiern, die er nun schon seit mehreren Jahren auf dem Knüll mitfeiere, von Jahr zu Jahr großartiger geworden seien. Er forderte zum Schluß seiner Rede die Festteilnehmerzu einem drei­fachenFrisch auf" auf den rührigen Vorstand auf welches berechtigten Anklang fand. Unter Lieder­gesängen und Vorträgen auf der Zupfgeige schwand der Abend gar schnell dahin. Gegen 12 Uhr erreichte die eigentliche Feier ihr Ende und wer nicht in seine

Dienstag, den 23. Dezember

Heimat zurückkonnte, suchte sein Nachtquartier in Schwarzenborn oder in einem andern gastlichen Orte auf, denn das Gasthaus auf dem Knüll ist für einen derartigen Betrieb noch nicht ausreichend.

* Die Uebungen des Beurlaubten­standes, welche jetzt bekanntlich nach dem Gesetz, soweit militärische und wirtschaftliche Gründe dies gestatten, im Winterhalbjahr stattfinden sollen, sind dementsprechend geregelt worden. So ist, wie aus Berlin gemeldet wird, u. a. für diesen Winter noch die Aufstellung von weiteren Reserve-Jnfanterie- regimentern bei zehn Armeekorps zu 14tägigen Uebungen auf den Truppenübungsplätzen angeordnet worden.

(:) Hersfeld, 22. Dezember. Vergangenen Sonn­abend nachmittag 2 Uhr fand im Hotel zum Stern eine Versammlung des Vereins ehemaliger Hersselder Landwirtschaftsschüler statt, an der auch der Schülerverein der landwirtschaftlichen Schule und eine Anzahl Gäste teilnahmen. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache an die Erschienenen seitens des Vorsitzenden des Vereins, Herrn Adam Vaupel-Beiershausen, erstattete der Schrift­führer Bericht über die finanzielle Lage des Vereins. Hierauf hielt der Schüler Heß-Kirchheim einen Vortrag über die Körperform des Rindes, in dem er an der Hand einiger Rindermodelle die Benennung und den Bau der einzelnen Körperteile erläuterte und darauf hinwies, daß sich aus der Körperform wertvolle Schlüsse aus die Leistungen der Tiere ziehen lassen. Aus zahlreichen guten Abbildungen waren noch die normalen und fehlerhaften Beinstellungen der Tiere ersichtlich. Nach einer kurzen Debatte, die sich an diesen Vortrag anschlotz, erteilte der Vor­sitzende dem Schüler Claus-Asmushausen das Wort zu einem Referat über das landwirtschaft­liche Bauwesen. An die sehr lehrreichen Ausführungen schloß sich eine lebhafte Aussprache an, in der sich die Herren Roll, Steinweg und Direktor Für st zu Wort meldeten. Der hierauf folgende vom Vereins­mitglied Herrn Gutsverwalter Schneider gehaltene Vortrag behandelte die Kultur der Wiesen. In aus­führlicher Weise kam der Vortragende auf die Ent- und Bewässerung der Wiesen, dann noch kurz auf die Düngung und Pflege der Wiesen zu sprechen. Gegen 5 Uhr wurde die Sitzung geschlossen. An die Ver­sammlung schloß sich noch ein gemütliches Beisammen­sein an.

-m- Hersfeld, 22. Dezember. Seitens des Magist­rats ist der Ingenieur Herr Carl Bischofs in Wilhelmshaven probeweise mit der Leitung des städtischen Gas - unöWasserwerks und des städtischen Starkstromnetzes betraut worden. Er wird sein Amt am 5. Januar 1914 antreten. Herr Bischoff wurde am 16. Dezember 1883 zu Meißen im König­reich Sachsen geboren und besuchte die technische Aka­demie Berlin, legte die Hauptprüfung ab und erhielt das Diplom als Elektroingenieur. Sodann absolvierte er auf der Großherzogl. badischen Tech­nischen Hochschule zu Karlsruhe die Spezialabteilung für Gasingenieure und beteiligte sich an dem praktischen Uebungskursus in der Versuchsgasanstalt desVereinsdeutscherGas- undWasserfachmänner. Herr Bischofs brächte seinepraktischeZeitauftechnischem Ge­biete als Volontär bezw. Techniker bei den städtischen Gas- und Wasserwerken in Meißen und Kattowitz O. S. zu, als Direktionsassistentder städtischen Gas- und Elek­trizitätswerke in Neuß a. Rh., als leitender Ingenieur einer größeren elektrischen Zentrale in Slawjansk (Rußland), erhielt sodann die Stellung des Betriebs­leiters der Gas- und Elektrizitätswerke in Blumenthal (Hannover), wo er das Gaswerk mit rd. 18 Kilometer Rohrnetz erbaute und in Betrieb setzte und übernahm im Juli 1912 die Stellung eines Ingenieurs bei den Gaswerken Wilhelmshaven und Ristingen (Jahres­konsum ca. 41/2 Millionen Kubikmeter). Herr Bischoff ist unverheiratet.

Hönebach, 22. Dezember. Als am Sonnabend der von Bebra kommende Personenzug 845 den Hönebacher Tunnel durchfahren hatte, wurden zwischen Hönebach und Obersuhl aus einem Personenwagen 4. Klasse auf den Streckenwärter drei scharfe Schüsse abgefeuert, die diesen jedoch nicht trafen. Auf seine Meldung hin wurde in Eisenach der Zug durchsucht. Von den Polizeibeamten wurde ein polnischer Arbeiter, der aus Hessen kam und Mattag heißt, verhaftet. Sein Mittäter wurde erst in Gotha festgenommen. Sie waren mit Revolver ausgerüstet. Beide Arbeiter bleiben in Eisenach bis zu ihrer Verurteilung in Haft.

Fulda, 19. Dezember. Die Rhönberge, namentlich die Wasserkuppe, tragen eine tiefe Schneedecke. In Fulda herrschten heute früh 5 Grad unter Null.

Fulda, 22. Dezember. Das Feldartillerieregiment Nr. 47 aus Fulda hielt gestern im Beisein der Herren Divisions- und Brigadekommandeure des 11.

1913.

Armeekorps eine höchst interessante Winterübung mit anschließendem Scharfschießen auf der hohen Rhön ab. Schon am Mittwoch fuhr das Zielbaukommando mit den dazu gehörigen Wagen durch Gersfeld nach Wüstensachfen. Am Donnerstag nachmittag trafen die aus denalten Leuten" des Regiments zusammen­gesetzten Batterien mit 4 Feldgeschützen u. 4 von den für das Regiment beschafften Haubitzen in Gersfeld ein. Am Freitag vormittag erfolgte der Aufmarsch nach Obernhausen-Fuldaquelle,- zahlreiche Schaulustige be­gleiteten die Truppe. Von v412 bis 12 Uhr donnerten die Kanonen und dröhnten die Haubitzen in rascher Reihenfolge zumerstenmale über unsere höchsten Rhön­berge hin. Die Batteriestellung war unweit derFulda- quelle, die Ziele nach der Richtung des roten Moores und Heidelsteins. Dort standen markierte Infanterie und Artillerie in Stellung die z. T. sehr wirkungsvoll beschossen werden konnten. Die größte Entfernung war am Hange des Heidelsteins, oberhalb der Straße Bischofsheim - Wüstenfüchsen ungefähr 4 300 Meter. Diese Stellung wurde wirksam beschossen. Ebensolche auf dem roten Moore in ca. 2 300 bis 2 600 Meter Entfernung.

Marburg, 19. Dezember. Die Strafkammer ver­urteilte heute einen Zimmermann, der in seiner Eigenschaft als Kassierer der hiesigen Filiale der Zentralkrankenkasse etwa 500 Mark, die ihm seine Arbeitskollegen anvertraut hatten, unterschlug, zu 31/2 Monaten Gefängnis.

Walburg, 20. Dezember. Heute vormittag nach 10 Uhr wurde hier der 19jährige Rode aus Walburg auf dem Gleis der Großalmeroder Strecke von einem rangierenden Personenzuge erfaßt und überfahren. Dem Unglücklichen wurden beide Beine abgetrennt. Man zweifelt an seinem Wiederaufkommen.

Göttingen, 20. Dezember. Heute nachmittag passierte auf der Levinschen Tuchfabrik ein schrecklicher Unglücksfall. Die groye neuangeschaffte Presse sollte probiert werden,- plötzlich stürzte diese herunter und traf den ersten Direktor, Herrn Herm. Levin so schreck­lich, daß er nach kurzer Zeit seinen Geist aufgab. Der andere langjährige Direktor Kastropp wurde an der Schulter verletzt.

Hana«, 19. Dezember. Die Polizei ermittelte eine aus Schulknaben bestehende Einbrechergesellschaft. Die Jungen hatten es bei ihren Diebereien hauptsächlich auf die Erbeutung von Geld abgesehen. In der Wohnung eines städtischen Arbeiters fiel ihnen sogar der Betrag von 1400 Mark in die Hände. Für das erbeutete Geld kauften sie sich Kleidungsstücke, Luft­pistolen, Lebensmittel und andere Dinge. 83 Mark hatten sie in einer Dachrinne versteckt.

Frankfurt a. M., 19. Dezember. Die Inhaber der Frankfurter Weinhandlung Scheuer & Co., Theodor Scheuer, Otto Scheuer und Leo Herrmann hatten sich heute vor der Strafkammer wegen Betrugs und Ver­gehens gegen das Weingesetz zu verantworten, weil sie billigen Samoswein als Ungarwein und als Madeira und Cognak-Verschnitt als Cognak verkauft hatten. Die Verfehlungen reichen bis auf sechs Jahre zurück. Das Urteil lautete gegen die beiden erstge­nannten Angeklagten auf je drei Monate Gefängnis und 2000 Mk. Geldstrafe; Leo Herrmann erhielt zwei Monate Gefängnis und ebenfalls 2000 Mk. Geldstrafe.

Dransfeld, 21. Dezember. Der hiesige Gastwirt Mattheus schlachtete zur Weihnacht ein einjähriges Schwein, das sieben Füße besaß. An drei Beinen waren die Füße nämlich doppeltvertreten". Außer­dem war das übrigens vollständig ausgemästete Tier (ausgeschlachtet 330 Pfund) doppelzüngig. Die beiden Zungen haben einander beim Fressen aber nicht be­hindert.

Kirchhnndem (Sauerland), 21. Dezember. Die ge­richtliche Untersuchung hat ergeben, daß es sich bei der Auffindung der Leiche eines italienischen Arbeiters in einem Graben am Bahnkörper im nahen Heinsberg um ein Verbrechen handelt. Drei des Mordes ver­dächtige Bahnarbeiter wurden bereits dem Unter­suchungsrichter zugeführt.

Münden (Hann.), 21. Dez. Das Kreisturnfest des ,7. Deutschen Turnkreises (Oberweser) findet, wie be­reits gemeldet, im nächsten Jahre in Göttingen vom 8. bis 11. August statt. Nunmehr ist beschlossen, das Fest auf dem Jahnspielplatze und den gegenüber der Leine belegenen Wiesen zu veranstalten.

Niederlistingen, 20. Dezember. In einer Backstein­fabrik in Marburg wurde heute der Arbeiter Nolte von einem ins Rutschen geratenen Stein erschlagen. Nolte brach das Genick und war sofort tot.

Wetteranssichten für Dienstag den 23. Dezember.

Meist trüb, strichweise Regen und Schnefälle, west­liche Winde.