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_ Gericht und Recht.

Polizeisergeanten. Die Strafkammer in Beuthen verurteilte von drei Roßberaer Roli^eiieraravs

Wache gebrachten Schneidergesellen zu ^Ä.aeworwn und mrt Gummifchläuchen derart mitz- hpn^piLn0^ später dicke Striemen zeigten, den einen zu sechs Monaten, den zweiten zu drei Mo­naten und den dritten zu 50 Mark Geldstrafe.

Vermischtes.

früheres Leipziger Geschäft in Konkurs. Wie, das Leipziger Amtsgericht amtlich bekannt macht, i,t über das Vermögen des Kaufmanns Arthur Her­mann Ferdinand Jtzleib, Inhabers der Fabrik für Tür- und Fensterbeschläge unter der Firma: Jtzleib u. Bebel in Leipzig, Hauptmanustrahe 5, am 17. Dezember 1913 nachmittags %6 Uhr das Konkursverfahren eröffnet wor­den. Die Nachricht ist insofern interessant, als es sich hier um das Geschäft handelt, das Bebel in Leipzig grün­dete und dem er lange Jahre hindurch Vorstand. Schon 1864 machte Bebel sich selbstständig und errichtete im Hofe der „Drei Könige" in der Petersstraße eine eigene Werkstatt in einem Raum, der bis dahin als Pferdestall gedient hatte. Seine Spezialität war die Verfertigung von Tür- und Fenstergriffen aus Büffelhorn. So recht wollte es aber mit dem Geschäft nicht gehen, da es Bebel an den nötigen Betriebsmitteln fehlte, und er nahm des­halb einen Sozius in der Person des Kaufmanns Fer­dinand Jtzleib auf, mit dem er 1876 die Firma Jtzleib u. Bebel gründete, die bald sehr gut florierte. Bebel leitete den technischen, Jtzleib den kaufmännischen Be­trieb. Erst 1881, als Bebel aus Leipzig ausgewiesen wurde, trat er aus dem Geschäft aus, das Jtzleib allein weiterführte, und das bisher in der Familie Jtzleib blieb.

Was die Reinigung der Reichshauptstadt kostet. Berlin hat eine täglich zu reinigende Stratzenfläche von 7 444 985 Quadratmeter. Für die Reinigung der Stra­ßen stehen ständig 2129 Arbeiter zur Verfügung, die im letzten Jahre über 3% Millionen Mark an Löhnen erhielten. Dazu kommen noch die Gehälter für den Di­rektor des städtischen Straßenreinigungswesens und für die Beamten. Für Geräte wurden rund eine Viertelmil- lion verausgabt. Zu diesen Summen kommen noch die Beträge, die die Unternehmer für die Abfuhr von Keh­richt und Schnee erhalten, die auch nicht gering sind, so- öatz man sagen kann, daß für Berlin der Ruf, die fau- berste Stadt der Welt zu sein, ziemlich kostbar ist.

Ein Rektor für Samoa gesucht. Der Kaiserliche Gouverneur von Samoa hat um die Bewerbung eines verheirateten Rektors in mittleren Jahren gebeten. Die Stelle ist im Haushalt für das Schutzgebiet vorgesehen, aber nicht mehr besetzt. Es handelt sich um die Leitung der Regierungsschule.

„ , Der Gouverneur legt Wert darauf, daß der neue Leiter der Schule das Rektor­

examen für Französisch und Englisch abgelegt hat. Es ist nämlich beabsichtigt, die gehobene Volksschule in Samoa in eine Mittelschule umzuwandeln. Die Dienst­verpflichtung beträgt drei Jahre. Das Anfangsgehalt beträgt 5400 JL und steigt in etwa 6% Jahren auf 7800 Mark, in weiteren 9 Jahren bis auf 9000 X Pensions- fähig sind 2100 bis 4500 JL ohne den durchschnittlichen Wohnungsgelözuschutz der heimischen Beamten. Für die Ausreise wird die gesetzliche Entschädigung gewährt. Für Umzug und Ausrüstung werden 1000 ,//. bewilligt. Für die erste Ausreise von Frau und Kindern wird eine Pauschalvergütung gewährt.

Kinderraub durch russische Bettler. Die Polizei verhaftete in Kiew eine Bande verkommener Personen, die auf den Jahrmärkten Kinder raubten und sie zu Bettlerzwecken verstümmelten. Bei den Verbrechern wurde ein Knabe und ein Mädchen vorgefunden, die entsetzlich verstümmelt worden sind. Dem Knaben sind beide Beine gebrochen und der Körper des Mädchens ist zerstochen und zerschunden und über und über mit Schorf bedeckt. Die Polizei hat festgestellt, daß die Bande 7Ö bis 100 Kinder auf dem Gewissen hat. Das Haupt der Bande war ein Mann namens Kutscherow. Der Ver­brecher konnte leider entfliehen, während seine Frau, die an dem Verbrechen teilgenommen hat, verhaftet wurde.

Anstatt Brillanten ein Pfefferkuchen. Aus Peters­burg wird geschrieben: Ein originelles Betrugsmanöver wurde kürzlich von einem Großkaufmann aus Odessa auf der Bahnstation Losowaja der Linie Jekaterinoslaw- Pawlograd vollführt, das jedoch bald seine Aufklärung fand und nunmehr zu der Verhaftung des Kaufmanns selbst führte. Er hatte nämlich vor den Augen der Bahn- beansten für 120 000 Rubel Brillanten und Gold in eine Kiste gepackt. Dann hatte er aber mit Hilfe eines be­trügerischen Gepäckträgers diese kostbare Kiste mit einer ganz ähnlich aussehenden anderen vertauschen lassen, in der sich — Pfefferkuchen befanden. Einen Zettel, daß der Eigentümer der Kiste sich mit dem Pfefferkuchen das Leben für einige Tage versüßen solle, hatte der Kauf­mann in die Kiste hineingelegt und, wie sich aus einer Schriftvergleichung ergab, auch eigenhändig geschrieben. Die Pfefferkuchen sind echt Odessaer Fabrikat, und auch die Kiste stammt daher. Um den Betrüger endgültig zu überführen, forscht die Polizei jetzt eifrigst nach der Ori- ginalktste, die die Brillanten enthalten hat.

Bahnbeamte als Diebe. Die Pariser Polizei ver­haftete sechs Eisenbahnangestellte der französischen Nord- bahngesellschaft, darunter den Stationsvorstand des Bahnhofes Bives. Die Verhafteten hatten sich zu einer sehr ergiebigen Erwerbsgesellschaft zusammengeschlossen, indem sie nämlich unter der Führung ihres Oberhauptes, des Stationsvorstehers sehr umfangreiche Diebstähle von expedierten Gütern Vornahmen. Eine Haussuchung för­derte bei allen sechs Personen ein ganzes Warenlager gestohlener Sachen zutage, wobei besonders Etzwaren ge­funden wurden. Die Frau eines der Verhafteten betrieb sogar einen kleinen Kolonialwarenladen, der seinen Be­darf von der Erwersgesellschaft des Stationsvorstehers bC8°&bt Gespensterfurcht Recht zur Wohnungskündi- gnng? Mit dieser eigentümlichen Frage hatten nch die Richter der sechsten Zivilkammer in Paris, wie von dort geschrieben wird, dieser Tage zu beschäftigen. Ein Pa­riser Kaufmann hatte sich nämlich geweigert, eine von ihm regelrecht gemietete Wohnung zu beziehen, und for­derte die Aufhebung des Mietvertrages, da er inzwi­schen erfahren hatte, daß in einem der Zimmer der be­rüchtigte Mörder Pranzini seine Geliebte Marie Reg- nault umgebracht hatte. Die Tat, die im Jahre 1887 geschah, erregte damals ein ungeheures Aufsehen, ist aber jetzt natürlich längst vergessen. Die Pariser Richter lie­ßen denn auch die Befürchtungen des Kaufmannes, daß der Schatten Prauzinis oder seines Opfers ihn im ru­higen Genusse seiner Wohnung beeinträchtigen könnte, nicht gelten. Sie meinten, nach sechsundzwanzig Jahren sei keinem Hause etwas mehr davon anzumerken, daß es einst der Schauplatz eines noch so furchtbaren Verbre­chens war, und der jetzige Eigentümer, der ein durchaus ehrenwerter Mann sei, Dürfe dadurch keinen Schaden er­leiden. Sie wiesen daher die Klage ab, erkannten den Mietvertrag als zu Recht bestehend an und verurteilten den gespensterfürchtigen Kaufmann, ihn innezuhalten.

Wie 226 Jahre alter Wein schmeckt. Ein im Wein­berge zum „Steinernen Stammbuch" bei Naumburg a. S. aufgefundener 226 Jahre alter Wein wurde dieser Tage einer Probe unterzogen. Der jetzige Besitzer des Berges hatte eine der kostbaren Flaschen zur Probe ge­öffnet, wozu eine Anzahl Herren geladen waren. Man war natürlich äußerst gespannt, zu was sich der die Jah­reszahl 1687 tragende Wein entwickelt hatte. Es ergab sich, daß der Wein eine ganz erstaunlich starke firnige Blume von überraschender Feinheit zeigte, einerseits den etwas weichen, süßen Geschmack des Gutedel, et­was an die südlichen Weine erinnernd, anderseits war die firnige Herbheit stark entwickelt. Eine Wenigkeit des Weins genügte, um einem Glas jungen Naumbur- ger Weins denselben vollen, kräftigen Charakter zu ver­leihen. Auch war eine gewisse Verwandtschaft mit dem jetzigen Wem der Gegend zu erkennen, trotzdem gegen den starken Firngeschmack der jetzige Wein völlig erblaßte.

Blutenlese aus der „Jugend". Eine Amerikanerin, der es sehr schwer fällt, die deutsche Sprache zu erlernen, und die deshalb alle Tiere mit „Sie" anredet, wird bei einer Landpartie von einem großen zornigen Hahn an­gegriffen. Sie wehrt ihn ärgerlich ab mit den Worten: „Geh Sie weg und legen Sie Eier." — Herr Kehle ist seines Zeichens Schuhmacher und betreibt eine Schnellbe- sohlanstalt. Zur Hebung seines Geschäfts erläßt er große Anzeigen, in denen auch zu lesen ist: „Schreiben Sie mir eine Postkarte, meine Boten holen Ihre Schuhe ab." Da erhielt er jüngst eine Postkarte folgenden Inhalts: „Bitte sofort ein Paar Hausschuhe bei mir abzuholen und zu besohlen. Achtungsvoll! Max Stange." Windhuk. (Deutschsüdwestafrika). — In einer Fabrik, die eine große Zahl noch sehr junger weiblicher Angestellter be­schäftigt, wird eine Arbeiterbibliothek eröffnet. Mehr als dreiviertel der Mädels verlangen am ersten Tag das Buch: „Liebhaberphotographie--!"

Ein Drama im TierWg.

Im Wiener Lunapark, der sich auf der Jagdaus- stellung befindet, spielte sich vor einiger Zeit ein eigen­artiges Tierdrama ab. In der Mitte der „Dschungeln" leben in einem großen Affenkäfig außer mehreren Affen auch einige junge Füchse, die mit den Affen große Freundschaft geschlossen haben. Den Besuchern machte am meisten Freude die Pavianäffin, die sich besonders mit einem der jungen Füchse angefreundet hatte. Sie lag den ganzen Tag auf dem Rücken des Fuchses und ritt zur größten Belustigung der Zuschauer immerfort in rasendem Tempo in dem Käfig herum.

Nun Befindet sich in der Mitte des Käfigs ein Draht- gitter, das emporgeschraubt werden kann, wenn man die Tiere voneinander trennen will. Vor einiger Zeit schraubte der Wärter das Drahtgitter empor, sodaß die Pavianäffin „Jacko" nicht mehr zu ihrem kleinen Fuchs kommen konnte. Sie gebärdete sich wie wahnsinnig, schlug mit dem Kopf gegen das Gitter, versuchte die Maschen zu zerreißen, jammerte wie ein Kind und riß sich ganze Büschel Haare vom Kopfe. Als trotzdem das Gitter nicht wieder herabgelassen wurde, geschah etwas ganz Selt­sames. Die Äeffin stürzt zu dem im Käfig befindlichen Wasserbehälter, steckte den Kopf in das Wasser, um sich zu ertränken. Der Wärter hatte nicht die Macht, das Tier von seinem Vorhaben abzubringen, da es selbst durch die heftigsten Schläge nicht dazu zu bewegen war, den Kopf aus dem Wasserbehälter zu nehmen.

Um das Tier vor dem Tode zu retten, sah man sich gezwungen, den kleinen Fuchs wieder in den Käfig zu lassen. Im selben Augenblick sprang die Pavianäffin auf, bezeigte dem Fuchs ihre Freude und streichelte ihn in ganz zärtlicher Weise. Sie sprang um ihn wie toH vor Freude umher. Schließlich setzte sie sich wieder auf feinen Rücken und ritt mit ihm durch den Käfig. Am Abend konnte man die Aeffin nur mit größter Mühe von ihrem Gefährten trennen. Der Wärter, dem diese Aufgabe zu- fiel, wurde von dem Tierchen mehrfach blutig gebissen. Als nun der Wärter am nächsten Morgen in den Käfig trat, fand er die Pavianäffin „Jacko" im Käfig tot vor. Sie hatte sich in dem Wasserbehälter ertränkt, in dem noch ihr Kopf steckte.

Auch der Fuchs war seit diesem Tage ganz untröstlich und nahm keinerlei Nahrung zu sich. Man führte ihn an die Leiche seiner Spielgefährtin, die er durch Lecken wie­der zum Leben zu bringen versuchte. Als ihm dies nicht gelang, setzte er sich in eine Ecke, aus der er nicht hervor- zulocken war. Nach einigen Tagen wurde er hier ver­hungert aufgefunden. Die Nahrung, die man ihm hin­gestellt hatte, hatte er nicht angerührt..

teufnant v. Iorslner not dem Kriegsgericht.

Vor dem Kriegsgericht der 30. Division stand am Freitag die Verhandlung an gegen den 19 Jahre alten Leutnant im 99. Infanterie-Regiment v. Forstner, der zurzeit wegen Krankheit vom Dienst beurlaubt ist. Es handelt sich bei dieser Verhandlung lediglich um den Vorgang bei Dettweiler. Die zur Anklage stehende Tat verlief folgendermaßen:

Am Morgen des 2. Dezember passierte die 4. Kom­pagnie des 99. Infanterie-Regiments, bei der Leutnant v. Forstner Dienst tat, den Ort Dettweiler. Der junge Offizier wurde von vorübergehenden Arbeitern erkannt und durch höhnisclie Zurufe beleidigt, v. Forstner ließ darauf die Kompagnie halt machen und schickte Patrouil­len aus, die die Beleidiger festnehmen sollten. Dem Fahnenjunker Wietz gelang es, einen der Leute festzu­nehmen, und zwar den lahmen Schuhmacher Blank, der energisch seiner Verhaftung Widerstand entgegensetzte, indem er behauptete, er gehöre nicht zu den Beleidigern und habe sich völlig ruhig verhalten. Bei dem nun ent­stehenden Handgemenge zog Leutnant v. Forstner den Säbel und schlug damit Blank über den Kopf, der eine fünf Zentimeter lange Wunde öavontrug.

Der Offizier begab sich dann zu dem Bürgermeister, der üBer den Vorfall ein Protokoll aufnahm. Der ver­letzte Blank gab an, daß er keineswegs zu den Rufern gehört habe, und da ihm eine solche Beteiligung auch nicht nachgewiesen werden konnte, wurde er vom Bür­germeister entlassen. Leutnant v. Forstner erklärte, er habe Blank angreifen müssen, da er sich diesem gegen­über in der Notwehr befunden habe. Der Fahnenjunker Wietz gab zu, den Schuhmacher Blank mit dem Gewehr­kolben gestoßen zu haben, weil er sich zu unrecht ge­wehrt Hütte. Blank begab sich nach der Vernehmung nach seiner Wohnung und wurde dort von einem Arzt verbunden. Sofort nach Bekanntwerden des Vorf/lles wurde er von Korrespondenten französischer Blätter überlaufen, die ihn sogar in verschiedenen Posen photo­graphierten.

oe* Die Anklage gegen Forstner lautet auf vorsätz- lche Körperverletzung mittels rechtswidrigen Waffen- gebrauchs. Etwa dreißig Berichterstatter und Vertreter in- und ausländischer Zeitungen füllen den kleinen Saal. Den Vorsitz führt Oberstleutnant z. D. Bauer, die An­klage vertritt Kriegsgerichtsrat Decker. Die Verteidigung Forstners liegt in den Händen des Rechtsanwalts Stet- nes-Karlsruhe.

Bestrafung eines Beleidigers der Armee.

Die Strafkammer des Hamburger Landgerichts ver­urteilte den verantwortlichen Redakteur Peterson vom sozalöemokratischen Hamburger „Echo" wegen Beleidi­gung des Kriegsgerichtes der zweiten Marmemspektwn in Wilhelmshaven und wegen Beleidigung sämtlicher Offiziere und Unteroffiziere der deutschen Armee, began­gen durch zwei einzelne selbständige Artikel, zu insge­samt 1400 Mark Geldstrafe bezw. 140 Tagen Gefängnis. Der eine Artikel hatte sich mit einem kriegsgerichtlichen Urteil beschäftigt und behauptet, daß die Anklage zurecht- konstruiert gewesen wäre. Der andere Artikel, in dem von Deutschlands Schande, von Henker- und Schinder­diensten, von betreßten Schindersknechten, usw. gespro­chen wurde, war aus Anlaß der Wehrvorlage geschrie­ben worden. Im letzten Falle hatte der Kriegsmini- ster selbst Strafantrag gestellt.

<w neuestes vorn Cage.

Bayern gegen den Tabaktrust.

$-» München, 19. Dezember. In allen bayerischen Offizierskasinos und Kantinen ist durch den Kriegs­minister verboten worden, künftighin Fabrikate des Tabaktrustes weiter zu führen. Diese Maßregel hat prinzipielle Bedeutung, da Bayern der erste deutsche Staat ist, der die deutschen Fabrikanten gegen den mit amerikanischem Gelde organisierten Trust schützt.

Staatssekretär von Jagow in Süddentschland.

o-s» Karlsruhe, 19. Dezember. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von Jagow ist von Stuttgart kommend heute nacht 12,55 Uhr hier eingetroffen. Er hat beim preußischen Gesandten Wohnung genommen. Heute mittag folgte er einer Einladung des Ministers Freiherrn von Dusch zum Frühstück. Abends %7 Uhr wird er vom Großherzog und daran anschließend von der Großherzogin in Audienz empfangen. Darauf folgt er einer Einladung zum Diner beim Großherzogspaar, zu dem auch der preußische Gesandte geladen ist.

Mit dem Kinde der Dienstherrschaft verschwunden.

»-£ Metz, 19. Dezember. Seit gestern nachmittag ist das 22 Jahre alte, aus Krefeld stammende Mädchen Ga­briele Ferber, das seit drei Monaten im Dienste des hiesigen Mühlenbesitzers Pillement steht, verschwunden und mit ihm das seiner Obhut anvertraute dreijährige Söhnchen Clauöe des Mühlenbesitzers. Da gleichzeitig auch Schmucksachen verschwunden sind, vermutet man, daß das Mädchen mit dem Kinde die Flucht ergriffen hat, wahrscheinlich über die luxemburgische Grenze nach Frankreich oder Deutschland. Der Mühlenbesitzer hat auf die Ermittelung des Mädchens und seines Knaben eine hohe Belohnung ausgesetzt.

Ein Geschenk Harnacks für die Akademie.

o-£ Berlin, 19. Dezember. (B. Z.) Professor Dr. Harnack hat der Akademie der Wissenschaften ein Ka­pital von 21600 Mark überwiesen, das ihm an seinem 60. Geburtstage zu wissenschaftlichen Zwecken übergeben worden war. Es wird damit eine Stiftung zu kirchen- und religionswissenschaftlichen Forschungen im Rahmen der römischen Kaiser vom ersten bis sechsten Jahrhundert unserer Zeitrechnung begründet.

Defizit der Breslauer Jahrhundertausstellung.

&-$> Breslan, 19. Dezember. In der gestrigen Sitzung der Breslauer Stadtverordneten gab der Stadt­kämmerer Matthes die Erklärung ab, daß das^ Defizit der Jahrhundertausstellung, soweit es sich zur Zeit sest- stellen lasse, etwa eine halbe Million betragen werde. Das definitive Ergebnis könne Ende Januar festgestellt werden.

50 Mark für das 30. Kind.

«-$> Pose», 19. Dezember. (B. Z.) Die Stadtver? ordneten von Briesen haben dem Oberpostschaffner Schmidt, dem vor kurzem das 30 Kiirö geboren wurde, ein Ehrengeschenk von 50 Mark bewilligt.

Totschlag des Tangos wegen.

»^- London, 19. Dezember. (B. Z.) In Many im amerikanischen Staate Louisiana tötete der Pflanzer Ta­les einen jungen Mann auf einem Vergnügen, weil er mit der Braut Dates trotz dessen Widerspruchs Tango ge­tanzt hatte. Tates hatte den Tanz für unwürdig erklärt.

Gewaltherrschaft eines Rebellengenerals.

»*#= Elpaso, 19. Dezember. General Villa verlangt von den mexikanischenFamilien Summen von 1000 bis 5000 Dollar und gestattet ihnen nicht eher, Chchuahua zu verlassen, als bis sie bezahlt haben. Die Rechte aller Ausländer, die Huerta nicht unterstützt haben, will er achten.

Dörsenwochenschau.

Wie es gewöhnlich vor den großen Festen der Fall ist, so war auch diesmal in der am 17. Dezember abge­laufenen Berichtswoche die Unternehmungslust an dem Berliner Getreiöemarkte äußerst gering. Die Zusammen­stellungen der Getreideergebntsse lassen mit Sicherheit er­kennen, daß die Welternte an Körnerfrüchten in diesem Jahre größer als jemals zu schätzen ist. Hieraus ergibt sich für die Käufer naturgemäß die Neigung, die Deckung ihres Bedarfs noch hinauszuschieben, um einen weiteren Preisrückgang abzuwarten. Am Weizenmarkte tibte der Umstand einen Druck aus, daß Frankreich, bisher der hauptsächlich für hier in Betracht kommende ausländische Käufer, infolge des Preisrückganges im eigenen Lande dieErwerbungen nicht nur etnstellte, sondern auch frühere Abschlüsse rückgängig machte. Die Notierungen büßten infolgedessen ein bis zwei Mark ein, obwohl in Amerika und England das Preisniveau ziemlich unverändert sich hielt. Roggen war nur mäßig angeboten, wahrscheinlich weil das regnerische Wetter die Drescharbeiten beeinträch­tigt. Jedoch war genügend Ware am Markt, um die Nachfrage zu decken, zumal das Exportgeschäft wegen des Preisrückgangs im Auslande ins Stocken geraten ist. Ha­fer war reichlich vom Jnlande angeboten und bröckelte langsam im Preise ab. Auch Mais konnte seinen Wert- stand nicht behaupten, da die Nachfrage recht unbedeutend war. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Notierungen für Lieferung im Mai, wie folgt: Weizen 197,50, Roggen 162,75, Hafer 157,25, Mais 147,— ^

Preise des städtischen Schlachtviehmarktes. Ochsen: vollfl., ausgemäst., höchst. Schlachtw. 88—91 X junge fleisch., nicht ausgem. und ältere ausgem. 84—89 X mä­ßig genährte junge und gut genährte ältere 79—85 X Bullen: ausgewachs. höchst. Schlachtw. 86—90 X vollfl. jüngere 80—84 X mäßig genährte jüngere und gut ge­nährte ältere 75—81 JL Färsen: vollfl., ausgem. Färsen höchst. Schlachtwertes 80—83 X Kühe: vollfl., ausgem. höchst. Schlachtw. bis zu 7 Jahren 79—83 X ältere aus­gem. und wenig gut entwickelte jüngere 73—76 X mäßig genährt Kühe und Färsen 64—70 X gering genährte Kühe und Färsen bis 79 X Jungvieh: gering genährtes 74—78 X Kälber: Doppellender feinster Mast 143—154 Mark, feinste Mastkälber 120—123 X mittlere Mast- und beste Saugkälber 103—112 X geringere Mast- und gute Saugkälber 96—105 X geringere Saugkälber 73—87 .4 Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthammel 92—96 Mark, ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe 80—88 X mäßig genährte Hammel und Schafe 67—77 Schweine: Fettfchwetne über 3 Ztr. — X vollfleischige 240—300 Pfd. 68—70 X 200-240 Pfd. 68-69 X 160-200 Pfd. 60-08 X unter 16 0 Pfd. 63-65 X Sauen 64-65 X