MW Zerdluands 50. Geburtstag.
Der österreichische Thronfolger.
Am 18. Dezember richten sich die Blicke in Oesterreich-Ungarn auf den Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich-Este. Denn an diesem Tage vollendet der Ertze der Kaiserkrone der Habsburger und der ungarischen Stefanskrone das 50. Lebensjahr. Er verkörpert Sie Zukunft, auf ihn sind alle Hoffnungen und Erwartungen gesetzt. Als er am 18. Dezember 1863 in Graz geboren wurde, ließ sich freilich nicht voraussehen, daß er einst der nächste Anwärter des Thrones werden würde. Er kam als ältester Sohn des Erzherzogs Karl Ludwig, des zweiten von den drei jüngeren Brüdern des Kaisers Franz Josef I., zur Welt und entstammt der zweiten, bereits 1871 durch den Tod gelösten Ehe seines Vaters mit der Prinzessin Annuncrata von Bourbon-Sizilien, einer Tochter des Königs Ferdinand II. von Neapel. Nach dem tragischen Ende des Kronprinzen Rudolf am 30. Januar 1889 ging die Antwartschaft auf den Thron an seinen Vater und nach dessen Tode am 19. Mai 1896 auf ihn selbst über.
Dadurch, daß der ehemals in Modena regierende Zweig des Habsburgischen Hauses am 20. November 1875 mit dem letzten Herzoge Franz V. von Modena im Mannesstamme erloschen war, erbte er dessen sehr beträchtliches Vermögen und nahm den Beinamen „Este" an. In seiner Jugend war der Erzherzog Franz Ferdinand von schwächlicher Gesundheit. Eine Weltreise indessen, die er von 1892 bis 1893 unternahm und die er in einem guten und lesenswerten Buche geschildert hat, brächte ihm völlige Genesung, sodatz er nun, nachdem er inzwischen in den Listen des Heeres von Stufe zu Stufe aufgerückt war, 1894 als Generalmajor das Kommando der 38. Brigade in Budweis übernehmen konnte.
Schon 1898 wurde er Stellvertreter des Kaisers im obersten Kommando und 1899 General der Kavallerie. Auch als Admiral steht er „zur Disposition des allerhöchsten Oberbefehls" und die Reihe seiner sonstigen militärischen Würden im In- und Auslande ist sehr lang. Er ist Chef je eines preußischen, bayerischen, sächsischen und württembergischen Regiments und steht a la suite der deutschen Marine. Sein reges wissenschaftliches Interesse namentlich auf den Gebieten der Geschichte und der Geographie hatte seine Erwählung zum Ehrenmit glieö der Gesamtakademie der Wissenschaften in Wien und zum Protektor der Akademien der Wissenschaften in Krakau zur Folge.
Eine Ueberraschung war es für die Oeffentlrchkeit, als der Erzherzog sich vor dreizehn Jahren mit einer Dame vermählte, die, obwohl sie einer der ältesten und vornehmsten böhmischen Adelsfamilien angehört, doch nach den Gesetzen seines Hauses nicht als ihm ebenbürtig gelten konnte. Am 1. Juli 1900 schloß er eine morgana- tische Ehe mit der Gräfin Sophie Chotek, der am 1. März 1868 zu Stuttgart geborenen Tochter des damaligen österreichisch-ungarischen Gesandten am württembergischen Hofe Grafen Bohuslav Chotek. Vor ihrer Heirat war die Gräfin Sophie Chotek Hofdame der Erzherzogin grieörich von Oesterreich gewesen. Sie erhielt am Tage tr Hochzeit den Namen „Fürstin von Hohenberg" mit dem Prädikate „Fürstliche Gnaden", das 1905 in „Durchlaucht" erhöht wurde, und ist seit dem 4. Oktober 1909 Herzogin von Hohenberg und „Hoheit". Die Kinder des Erzherzogs Franz Ferdinand aus dieser Ehe sind nicht sukzesswnsfähig, heißen nur Fürst oder Fürstin von Hohenberg: es sind ihrer zur Zeit drei: Fürstin Sophie, geboren am 24. Juli 1901, Fürst Maximilian, geboren am 29. September 1902, und Fürst Ernst, geboren am 27. Mai 1904.
Erfahrungen eines Beamten in Eisatz.
Von den geringen Erfolgen deutscher Versöhnungspolitik im Elsaß weiß ein höherer Beamter, der jahrzehntelang im Reichsland tätig war, im „Anhaltischen Staatsanzeiger" folgendes zu berichten:
„Man nahm an, daß die Generativ:
„Man nahm an, daß die Generation, welche 70/71 erlebt hat, sich nicht ändern, und wohl ihre Neigung zu Frankreich behalten werde, aber die Jugend, die jetzigen jungen Männer, seien doch in der deutschen Schule ausgewachsen, also deutsch. Das trifft für die Landbevölkerung größtenteils zu, für den Mittelstand und ine oberen Schichten nicht, am wenigsten für die deutsche Jugend dieser Stände. Wer auf den (deutschen) Gymnasien oder Realschule nicht mitkommt, wird nach Nancy oder Luneville geschickt, dort „ist es leichter". Zum Abschluß geht der nun total französisch infizierte Jüngling nach Zürich auf eine Presse und macht dann glatt sein Etn- Mrigen-Examen. Der Nimbus der „Doppelkultur", die in Oberelsatz und Lothringen vielfach bestehende Zweisprachigkeit, lassen außerdem viele Eltern die Söhne auf ein paar Jahre nach Frankreich schicken.
Aehnlich ist es bei den Töchtern des Landes. D'e Töchterschulen, Pensionate usw. sind alle in Händen der katholischen Schulschwestern. Wer nur irgend die Mittel hat, schickt, nachdem die Kinder diese gute Vorschule für französisches Wesen genossen haben, sie über die Grenze
Das neue Fräulein.
Original-Roman von F r. Lehne.
44) (Nachdruck verboten.)
Gertrud schrieb ziemlich pünktlich, und er auch so viel er konnte. So waren vier Wochen vergangen: da teilte er ihr mit, daß sein Onkel, von dem er doch so vollständig abhängig war, bei ihm gewesen wäre. Er hätte ihm heftige Vorwürfe gemacht und gefragt, was er zu tun beabsichtige, da ihm nun die militärische Laufbahn verschlossen wäre. Zu seiner ernsten Absicht, einen bürgerlichen Beruf zu ergreifen und zu arbeiten, hätte er spöttisch gelacht, weil er ihm das nicht zutraue. Dann hätte er ihm den Vorschlag gemacht, seine Kusine Mela- nie zu heiraten, infolgedessen würde er sogar Großgrundbesitzer und stiege nicht hinab. Das wäre der einzige, standesgemäße Ausweg, und Melanie würde ihm sicher alles verzeihen.
„Das glaube ich," schrieb er weiter, „denn sie ist häßlich und nicht mehr jung. Aber nein, wein Herz, ich habe von Dir gelernt. Ruhig, aber entschieden, wies ich diesen Vorschlag zurück: ich will mich aus eigener Kraft emporringen und nicht der Gnade meiner Frau alles verdanken. Nie und nimmer! Dies war mein letztes Wort, wenn auch der Onkel grollend ging. Ich will Deinen Rat befolgen und sehen, ob mein Zeichnertalent mir eine auskömmliche Existenz verschaffen kann. Dir, Gertrud, Du herrliches Mädchen, verdanke ich meinen Lebensmut und mein Selbstvertrauen — durch Dich vermag ich frei zu atmen. Was ist mir aller Reichtum! Ich fühle eine Kraft in mir und eine Arbeitsfreudigkeit, daß ich den Tag herbeisehne, der mich von meinem Lager befreit. Und dann winkt mir vielleicht in der Ferne ein süßes Glück, woran ich kaum zu denken wage — Gertrud, KKtxud — lebe wohl, Du meine Helferin, mein Trost!
Albrecht."
zW MiterM MSbilvMg, zum letzten Schliff. So kommt es, daß die ganze Weiblichkeit der höheren Stände der §weisprachigkeit, dem französischen Wesen huldigt. Die rauen sind nicht deutsch im Reichsland, das ist ein meist übersehener Punkt in der Rechnung. Und das wird nicht anders werden, das Deutschtum wird keine weiteren Fortschritte machen, wenn nicht der Schulzwang für deutsche Schulen eingeführt, das Verbot, französische Schulen zu besuchen, ausgesprochen wird. Und damit
Island, das ist ein Rechnung. Und das tschtum wird keine
hat's noch gute Wege.
Verlockung zum Landesverrat.
Die „Militärische Rundschau", Wien, meldet: Mit welch perfiden Mitteln der Nachrichtendienst eines fremden Staates arbeitet, um unsere Offiziere für seine Zwecke zu gewinnen, zeigt folgender Fall. In letzter Zeit ging einer großen Anzahl Offizieren folgender Antrag mit der Post zu:
„Hochgeehrter Herr! Entschuldigen Sie, daß ich, ohne mit Ihnen Bekanntschaft zu haben, Ihnen eine Arbeit bei uns biete. Die Arbeit könnte leicht Sie und alle Ihre Verwandten für das ganze Leben versichern und den wetteren Dienst unnötig machen. Das Geschäft, welches ich Ihnen anbiete, enthält für einen klugen, geschickten Mann gar keine Gefahr. Die Hauptsache besteht darin, daß man zur Zeit zu arbeiten aufhören muß. Ich versichere, daß, wenn das letzte Opfer auf diesem Wege nicht so begierig gewesen wäre, so könnte der auf der ganzen Welt berühmt gewordene Skandal keinen Platz finden und das Opfer selbst, sowie alle seine Verwandten könnten jetzt ganz gemütlich irgendwo in einer herrlichen Villa das Glück im Reichtum und Luxus genießen. Ich biete Ihnen also an zu arbeiten. Die Arbeit wird mit größter Vorsicht geführt, und meinerseits tue ich alles, was nur möglich ist, daß Ihr Name nie auf keinen Fall bekannt wird. Um Adresse und baldige Antwort wird gebeten."
Der Briefumschlag zeigt einen österreichischen Auf- gabestemvel, der Text ist lithographiert. Die Militärbehörde ist sich klar darüber, daß es sich um Verleitung zur Spionage handelt. Das mangelhafte Deutsch kennzeichnet den Ausländer. Jedenfalls ist es bezeichnend, in welcher Weise man Offiziere durch glänzende Verheißungen zum Vaterlandsverrate verleiten will.
Die Krakauer Polizei ist einer Bande von Spionen auf die Spur gekommmen, deren Haupt ein in dem russischen Grenzorte Granica ansässiger gewisser Johann Rudzki war. Ruözki verstand es, österreichische Bahnbeamte und Postbedienstete für die Zwecke des russischen Generalstabes in Warschau zu gewinnen. Wegen Spionage wurden vorerst die Mithelfer Rudzkis, der österreichische Postbeamte Rudkiewicz, der Militärdeser- teur Palonka, die Eisenbahnbeamten Werbrowski und Kosti und der Arbeiter Bouczkowski verhaftet.
Politische Rundschau«
Hohenzollern als Generalstäbler. Kronprinz Friedrich Wilhelm ist nicht der erste Hohenzoller, der in den Generalstab tritt. Die Uniform des Generalstabes hat vielmehr auch der dritte Sohn des verstorbenen Fürsten Leopold von Hohenzollern, der jetzige Generalmajor a la suite des 1. Gardedragonerregiments, Prinz Karl von Hohenzollern, getragen. Er hat in der Eisenbahnabteilung, sowie in drei anderen Abteilungen des Großen Generalstabes gearbeitet und war zuletzt Sektionschef der ersten Abteilung.
Zur Frage der AnfwandsentschäSignngen an solche Familien, wovon bereits drei Söhne ihrer gesetzlichen Dienstpflicht als Unteroffizier oder Gemeine genügt haben oder genügen, werden zurzeit nach einer Meldung der „Nordö. Aug. Ztg." die Ausführungsbestimmungen ausgearbeitet. Augenblicklich kann daher über die zahlreichen Anträge hierzu noch nicht entschieden werden.
Zur preußischen Besoldungsordnung meldet die „Franks. Ztg.": Die Novelle zur preußischen Besol- dungsordnung ist in den Grundzügen fertiggestellt und wird voraussichtlich in nicht ferner Zeit dem Landtage zugehen können. Es handelt sich um eine Erhöhung der Gehälter der preußischen Assistenten-Klassen, die früher der gleichen Gehaltsklasse wie die Postassistenten angehörten und diesen nun wieder gleichgestellt werden sollen. Die ständigen Klagen über die Anstellungsverhältnisse der Diätare dürften gleichfalls Berücksichtigung finden: es kann erwartet werden, daß eine größere Anzahl von Diätarstellen in den nächsten preußischen Etat eingestellt wird.
Das Vorgehen der Mächte des Dreiverbandes in der Frage der deutschen Militärmission findet fortgesetzt in der türkischen Presse die schärfste Zurückweisung. Die Blätter heben hervor, daß selbst der englische Admiral Limpus seiner Verwunderung über das Vorgehen der Ententemächte in der Frage der deutschen Militärmission ausgesprochen habe. Er soll erklärt haben, daß seine Befugnisse beinahe weitergingen als die der deutschen Mission.
Siebentes Kapitel.
Endlich, nach langen, schweren Wochen wurde Leutnant von Marburg aus dem Krankenhause als gesund entlassen. Sein erster Gang war zu Gertrud. Er hatte ihr vorher geschrieben, sie möchte ihm mitteilen, wenn er sie ungestört sprechen könnte. Sie hatte ihm den Dienstag bestimmt, da Tante an diesem Nachmittag ins Kränzchen ging: so patzte es gerade. Mit Herrn Teichmann, der ihn erfreut begrüßte, wurde er bald fertig: er bat ihn, ihn ein paar Worte mit Gertrud sprechen zu lassen.
Verdutzt sah ihm dieser nach, als er die Treppe hin- aufging — dann stieß er einen leisen Pfiff aus, als ob ihm eine Erleuchtung käme. „Das kommt mir aber sonderbar vor, na, werden ja sehen — bin doch wirklich neugierig!"
Gertrud saß am Fenster und stickte. Sie hörte ihn die Treppe heraufkommen, und alles Blut strömte ihr zum Herzen bei dem Gedanken, ihn wiederzusehen. Unfähig, noch einen Stich zu tun, legte sie die Arbeit aus der Hand und stand auf, beide Hände auf die Brust gepreßt. Da klopfte es, und ehe sie etwas zu sagen vermochte, wurde die Tür geöffnet und Albrecht trat ins Zimmer. Wortlos standen sie sich gegenüber. Wie blaß und ernst aussah: doch sprach aus seinem Gesicht ungebrochene Kraft und fester Wille — ein Ausdruck, der j früher nicht darin gelegen.
Auch in dem dunklen, eleganten Zivil, das er trug, ! verleugnete seine Figur die ihr eigene Vornehmheit nicht. Mit innigem Mitleid und unaussprechlicher Liebe ruhten ihre Blicke auf seinem schmalen Gesicht. Die innere Erregung hatte ihre Wangen gefärbt und ihren Augen erhöhten Glanz verliehen. Verzückt sah er in ihr schönes Gesicht — da beugte er plötzlich das Knie vor ihr, faßte nach ihren Händen und drückte sie an seine 1 Lippen. Leise MM sie ihm die eine und legte sie zärt-
KrregseMäiMks e« r^nwrow iwr«^ «a ihren Minister. Der allgemeine Verband der Post- und Telegraphenbeamten Frankreichs hat alle Beziehungen zu dem neuen Postminister Malvy und den Verwaltungsbehörden für abgebrochen erklärt, -a Malvy sich weigerte, ein von seinem Vorgänger aufgestelltes Avancementstableau zugunsten der Angestellten abzuändern. Der Beamtenverband behält sich vor, die Angelegenheit vor die Oeffentlichkeit zu bringen. Ein ernsterer Konflikt droht auszubrechen.
Kleine Hadirlchfen»
Münchener Berlobungsgerüchte. Am Münchener Hofe wird von einer bevorstehenden Verlobung der Prinzessin Adelgunde von Bayern mit dem Herzog von Urach gesprochen. Es heißt ferner, daß der Kronprinz Rupprecht sich nun doch wieder vermählen werde, und zwar wird, wie früher schon, so auch neuerdings, als seine Auserwählte die Herzogin Maria Annunciata von Oesterreich, eine Stiefschwester des Thronfolgers Franz Ferdinand aus der dritten Ehe seines Vaters Karl Ludwig mit der Prinzessin Maria Theresia von Braganza genannt.
Eine Steuer für Leichenvervrennung? Von Gegnern der Feuerbestattung ist in einer Petition an den Reichstag vorgeschlagen worden, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten, durch den für jede Leichenverbrennung in Deutschland eine Stempelsteuer von 30 bis 50 Mark erhoben werden soll. Es ist wohl ausgeschlossen, daß ein solcher Vorschlag überhaupt ernst genommen wird.
Das neueste Zeppelinsche Luftschiff „Z 6", das unter dem Kommando des Hauptmanns George seit dem 22. November in dem Gothaer Luftschiffhafen stationiert ist, und das in der letzten Zeit eine Reihe von Abnahmefahrten unternahm, hat sich so gut bewährt, daß es jetzt von der Militärverwaltung abgenommen und der Reihe der Militärluftschiffe angeschlossen ist.
Schluß des Verkaufs russischen Fleisches. Der Berliner Ausschuß zur Beratung von Maßnahmen gegen die Lebensmittelteuerung hat beschlossen, mit Rücksicht auf den derzeitigen hohen Preisstand von der Fortsetzung der Einfuhr russischen Fleisches abzusehen und den Verkauf Anfang nächsten Monats einzustellen.
Ein neuer Sprengstoff erfunden. Der „Münchener Zeitung" zufolge hat der Münchener Ingenieur Fritz Gehre einen neuen Kriegssprengstoff erfunden, der als vollgültiger Ersatz der Schießbaumwolle zu betrachten ist. Der neue Sprengstoff ist statt in 60 Stunden Arbeitszeit in nur vier Stunden herzustellen.
Amnndsens „Fram", die als erstes Schiff den Panamakanal durchfahren sollte, hat die Fahrt nach dem nördlichen Stillen Ozean über die Magelhaenstratze angetreten. Das Schiff konnte die Eröffnung des Kanals nicht abwarten, da es sonst für seine arktische Fahrt im nächsten Sommer zu spät geworden wäre.
Napoleons Wohnhaus auf St. Helena als Offiziersheim. Die französische Regierung prüft gegenwärtig das Anerbieten mehreren ehemaliger französischer Offiziere, die sich bereit erklärt haben, unentgeltlich das dem französischen Staat gehörige Napoleon-Haus aus St. Helena zu betreuen. Das bisher stark vernachlässigte Haus wird mit einer vom französischen Parlament zu bewilligenden Summe von 20 000 Francs wohnlich gemacht werden.
Der Wahnsinnige im Opernhaus. Während des dritten Aktes von „Lohengrin" erschien Mittwoch abend im Opernhaus zu Budapest im Parkett ein völlig unbekleideter Mensch. Er drängte sich eilends durch die Reihen, schwang sich über die Barriere in den Orchesterraum, entriß dem Dirigenten den Taktstock, wendete sich zum Publikum und begann zu dirigieren. Besonders unter den Damen entstand eine große Panik. Mit Mühe gelang es, den Mann festzubcOten. ihm eine Hülle über- zuwerfen und für seine Fortschaffung aus dem Saal zu sorgen. Es stellte sich heraus, daß er ein wahnsinnig gewordener Chauffeur ist, der dann in eine Irrenanstalt gebracht wurde.
Die Vertreter der Studierenden der Zahnheilknnde haben am Mittwoch den Beschluß gefaßt, daß der Streik an den preußischen und sonstigen deutschen Universitäten beendet werden soll. Am Freitag wird die Arbeit wieder ausgenommen. Eine Ausnahme soll in Leipzig gemacht werden, weil hier die Professoren alle Forderungen der Studenten glatt abgelehnt haben, und laut Voss. Ztg. in Jena.
Enver Bei wurde am Mittwoch im deutschen Krankenhaus zu Konstantinopel am Blinddarm operiert. Die Operation ist gut verlaufen.
2 er Kaiser über das deutsche Turue«.
Ein Besuch beim Münchener Männerturnverein.
Bei seinem Münchener Besuch hat der Kaiser Gelegenheit genommen, einem Schauturnen des Münchener Männerturnvereins von 1879 auf besondere Ver- anlassung des Königs Ludwig, welcher der Protektor dieses Vereins ist, beizuwohnen. Es war wohl das
lich auf seinen blonden Scheitel, während ihre Augen sich vor tief innerer Bewegung feuchteten.
„Gertrud," flüsterte er mit halberstickter Stimme, „Trude!"
„Stehe doch auf, Albrecht," sagte sie leise.
„Nicht eher, bis ich Dir gedankt, Du Einzige — nicht eher, bis Du mir nochmals gesagt hast, daß Du mir meinen Leichtsinn verziehen hast — daß Du mich liebst!"
Und in heißem Flehen blickte er zu ihr empor. Da leuchtete es wundersam in ihren Augen auf, während ihr Mund hinreißend lächelte, und in bebenden Lauten kam es von ihren Lippen:
„Ja, Albrecht, ich liebe Dich mit der ganzen Kraft meiner Seele — ich habe keinen anderen Gedanken als Dich — seit ich Dich kenne, liebe ich Dich!"
„Und Gertrud, darf ich Dich nun fragen, was mich die ganze Zeit bewegt hat — Gertrud, willst Du mein Weib werden, mein süßes, angebetetes Weib? Willst Du warten, bis ich einst wiederkomme und Dir ein Heim bieten kann, ein Heim, durch eigene Kraft errungen?"
„Ja, ich will alles, alles, was Du willst, Albrecht!"
Da zog er sie jubelnd in seine Arme: in stummem Eutzttcken schmiegte sie sich an ihn und erwiderte seine heißen Küsse in voller Liebe und Hingebung.
Glückselig saßen sie Hand in Hand nebeneinander, und er entwarf seinen Zukunftsplan. Seine Familie grollte ihm wegen seines Mißgeschickes und würde sich wohl vollends von ihm lossagen, wenn sie erfährt, daß er beabsichtigte, ein „Farbenkleckser" zu werden, statt den einzigen anständigen Ausweg zu erfassen, sich durch eine Heirat mit Kusine Melanie zu rehabilitieren und dadurch Grundbesitzer zu werden. Zunächst wollte er nach seiner früheren Garnison, das Nötige daselbst erledigen und dann als freier Mensch nach München reisen, um sich dort prüfen zu lassen
lFyrtsetzung folgt.)