Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierreljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- \ Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ÄEl5lblvEI 5tIvl5Blull amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder-

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. I holungen wird Rabatt gewährt. Erfcheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Fernsprech-stnschlutz Nr. 8

Nr. 186. Freitag, den IN Dezember 1913.

Hus der Heimat«

* Für Jäger sehr beachtenswert ist eine Gerichtsentscheidung, auf die die Jagdzeitschrist St. Hubertus" hinweist. Danach wurde einem Jäger, der es unterlassen hatte beim Betreten eines Land­gasthofes sein Jagdgewehr zu entladen und deswegen angezeigt worden war, der Jagdschein auf die Dauer von drei Jahren entzogen und sein Widerspruch gegen diese Verfügung in allen Instanzen zurückgewiesen.

§ Hersfeld, 18. Dezember. Zur Wetterlage wird von der Wetterdienststelle Weilburg unter dem gestrigen Datum geschrieben: Endlich scheint ein durchgreifender Umschlag der seitherigen trübseligen Witterung bevorzustehen. Auf der Rückseite des eben vorüberziehenden Wirbels scheint sich eine Hochdruck­brücke von dem südwestlichen nach dem nordöstlichen Europa auszubilden. Es würden dann sehr bald bei uns nördliche und späterhin nordöstliche, kalte Winde einsetzen, so daß wir den Eintritt einer Frost­periode erwarten können.

):( Hersfeld, 18. Dezember. An der heutigen Schöffensitzung nahmen die Herren Rentner Konrad Bätz und Prokurist Ferdinand Altenburg von hier als Schöffen teil. Außer zwei Forst­strafsachen wurden noch sechs weitere Sachen ver­handelt. Die beiden ersten Sachen richteten sich gegen einen Arbeiter aus Friedlos und gegen einen hiesigen Fabrikarbeiter, beide waren wegen Körperverletzung angeklagt. Während ersterer zu einer Gefängnisstrafe von 3 Tagen .und zu einer Haftstrafe von 2 Tagen verurteilt wurde, kam der zweite mit einer Geldstrafe von 15 Mark davon. Sechs Burschen aus Friedlos unter 17 Jahren waren wegen Uebertretung der Kreispolizeiordnung (unerlaubtes Verweilen im Wirtshaus) angeklagt, sie wurden sämtlich freige­sprochen. Ein Schneider aus Allmershausen wurde wegen Uebertretung zu einer Geldstrafe von 3 Mark verurteilt. Eine Strafsache gegen einen hiesigen Einwohner, der wegen Beleidigung angeklagt war, wurde vertagt und die einzige heute anstehende Privatklagesache wurde zurückgenommen.

):( Hersfeld, 18. Dezember. Nur kurze Zeit konnten sich die drei Einbrecher, die in der vor­igen Nacht bei Herrn Gastwirt Neuhaus und Herrn Uhrmacher Schade eingebrochen waren, ihrer Beute erfreuen. Als Täter wurden die Arbeiter Paul Berlinski, Michael Modzelewski und Paul Jagusch ermittelt und in Cassel festgenommen. Die gestohlenen Sachen im Werte von fast 4000 Mk. wurden bis auf einige Gegenstände noch in ihrem Besitze gefunden. Da Berlinski mit seinen beiden Genossen vor der Tat wiederholt in dem Restaurant Neuhaus verkehrt hatten, lenkte sich der Verdacht so­fort auf diese Personen. Nachdem die hiesige Polizei noch weiter festgestellt hatte, daß Berlinski, der erst am Sonnabend bei seinen hier wohnhaften Eltern mit seinen Genossen angekommen war, seit der frag­lichen Nacht wieder verschwunden war, benachrichtigte sie sofort telefonisch die Polizeibehörden der benach­barten größeren Städte. Inzwischen wurde noch festgestellt, daß ein Bewohner der Kaplangasse die Täter gesehn und eine genaue Beschreibung derselben geben konnte. Auch wurden in dem Neuhausschen Garten Teile eines Briefes gefunden, welche zusammen­gesetzt eine Adresse von Modzelewski ergaben. Als man noch ermittelt hatte, daß drei verdächtige Männer morgens 6.23 Uhr von Friedlos aus nach Cassel ge­fahren waren, wurde dortselbst die Kriminalpolizei mit genauer Personalbeschreibung der vermutlichen Täter benachrichtigt. Herr Schade fuhr ebenfalls in Begleitung eines hiesigen Polizeibeamten, welchem die fraglichen Personen bekannt waren, nach Cassel, um an den Nachforschungen teil zu nehmen. Wahrend diese nun noch die Stadt durchstreiften, kamen dre drei Spitzbuben, von der Kriminalpolizei bereits ver­folgt, nach dem Casseler Bahnhof, um die Weiterrerse nach Westfalen anzutreten. Hier griff nun dre Kriminalpolizei ein und nahm die drei Burschen fest, die sich als sog.schwere Jungen" entpuppten, denn alle drei waren mit scharf geladenen Revolvern und mit schweren Einbruchswerkzeugen versehen. Einer versuchte noch im letzten Augenblick seiner Festnahme auf einen Beamten den Revolver abzuschießen, wurde jedoch durch einen kräftigen Schlag mit einem Gummi­knüppel an der Ausführung gehindert. Jagusch hatte sich am Tage vorher durch Einkauf einer Klemrgkert den Schadeschen Laden erst näher angesehen. Im Interesse der Beruhigung der Allgemeinheit kann man unsere Polizei zu der schnellen Ergreifung der Einbrecher beglückwünschen, die nur durch das schnelle und umsichtige Arbeiten sowohl der hiesigen wie auch der Casseler Beamten möglich war.

-h- Jesberg, 17. Dezember. In seiner letzten Sitzung wurde vom hiesigen Bürgerverein dre An­

stellung einer Krankenschwester beschlossen und zwar mit dem Nachbarorte Densberg zusammen. Die günstige Bahnverbindung dürfte der Wirksamkeit der Schwester gewiß vorteilhaft sein. Im Februar wird eine Wanderkochschule hierherkommen, wozu schon zahlreiche Anmeldungen ergangen sind.

-h- Densberg, 17. Dezember. Wegen Pockerrer- krankung ist hier die evangelische Schule geschloffen.

Mengsberg 6. Treysa, 17. Dezember. Zwei Ein­wohner unseres Dorfes, W. und D., gerieten Sonntag abend in einer Wirtschaft in heftigen Wortwechsel, der in eine blutige Schlägerei ausartete, bei der W. dem D. von hinten mehrere Messerstiche beibrachte. Die Verletzungen des D. waren so schwerer Natur, daß er der AnstaltHephata" zugesührt und dort operiert werden mußte.

Eisenach, 17. Dezember. Heute vormittag 5,01 Uhr entgleiste bei der Einfahrt in den Bahnhof Mechterstedt-Sättelsteöt vom D-Zug 289 Aachen-Eger der Schlafwagen Cöln 074 mit einer Achse. Der Zug hatte vor dem Bahnhof gehalten, weil das Einfahrts­signal infolge einer Störung nicht auf freie Fahrt gestellt werden konnte. Bei der Weiterfahrt des Zuges wurde die Weiche vorzeitig gestellt, wodurch die Entgleisung hervorgerufen wurde. Personen sind nicht verletzt. Der Materialschaden ist gering. D-Zug 289 fuhr mit einer Stunde Verspätung weiter, nach­dem die Reisenden aus dem Schlafwagen gestiegen waren. Das durchgehende Hauptgleis ist gestört.

Vom Eichsfelde, 16. Dezember. Bei den Abteuf- arbeiten am Kalischacht 2 zu Cracha (Krs. Worbis) er­eignete sich ein schwerer Unglücksfall. Durch eine abstürzende Bohle wurde der auf der Schachtsohle arbeitende Bergmann August Gaßmann aus Pust­leben erschlagen und der Bergmann Ottens aus Breitenworbis lebensgefährlich verletzt. Der Schwer­verletzte wurde in das Krankenhaus nach Bleicheroöe geschafft.

Aus Thüringen, 16. Dez. Ein glücklicher Ort ist das 470 Einwohner zählende Dorf Gössitz bei Ranis. Der Ort besitzt 120 Hektar Gemeindeland, davon etwa 110 Hektar Holz. Es werden keine Kirchen- und Schulabgaben, keine Gemeindeumlagen und Armen­lasten erhoben. Vielmehr erhalten noch 88 Bezugs­berechtigte Holz und 7,50 Mk. bar. Der Bullenhalter erhält 10 Acker Feld und eine Wiese pachtfrei. Auch im Eisenacher Oberland finden sich einige Dörfer, in denen die Bürger nicht nur keine Steuern zu zahlen brauchen, sondern von der Gemeinde noch Holz, Län- dereien und Wiesen erhalten. Ein solcher Ort ist z. B. Sondheim v. d. Rhön.

Göttingen, 17. Dezember. Der Sensationsprozeß gegen die Bäckermeisterswitwe Rosa Kurz, früher Besitzerin des großen KinematographentheatersEden­theater" in Göttingen, jetzt in Dortmund, deren Sohn August Kurz, den Filmverleiher Artur Mest in Hannover, den Kinogeschäftsführer Ernst Mest in Hannover und den Rechtsanwalt Willi Stöckmann in Göttingen wegen Konkursverbrechens und Beihilfe dazu wurde heute abend zu Ende geführt. Bekannt­lich war Frau Kurz beschuldigt, als Schuldnerin, die ihre Zahlungen einstellte, oder über deren Vermögen Konkurs eröffnet war, in der Abstcht, ihre Gläubiger Alt schädigen, Schulden oder Rechtsgeschäfte erdichtet und in derselben Absicht Vermögensstücke bei Seite aeschafft oder verheimlicht zu haben. Die übrigen An­geklagten waren beschuldigt, mit Rat und Tat wissent­lich Beihilfe geleistet zu haben. Artur und Ernst Mest sowie der Rechtsanwalt Willi Stöckmann wurden freigesprochen. Frau Kurz wurde zu 6 Monaten Ge­fängnis, ihr Sohn August Kurz zu 3 Monaten Ge­fängnis verurteilt.

en

cn.

Weimar, 17. Dezember. Wie groß in manchen Gegenden Thüringens die Hamsterplage ist, erhellt u. a. aus den amtlichen Fangergebnissen im Ver­waltungsbezirke Jena-Apolda. Dort wurden im vorigen Jahre nicht weniger als 142 000 Hamster ge­fangen und getötet. Ihre Zahl ist keineswegs im Ab­nehmen begriffen. Welchen Schaden diese gefräßigen Tiere der Landwirtschaft zufügen, ist leicht zu ermessen. Ein Hamster soll durchschnittlich täglich etwa 50 Gramm Getreide verbrauchen, im Jahre also 22 Pfund Die 142 000 Hamster würden also im Jahre rund 30 000 Zentner zu verzehren in der Lage sein. Stellt man den niedrigsten Getreidepreis dafür rn Rechnung, so belauft sich der Schaden auf 210 000 Mk. Das Groß- herzogtum Sachsen würde demnach in fernen 5 Ver­waltungsbezirken dnrch die Hamsterplage einen jähr­lichen Schaden von nahezu einer Million Mark haben. Von den zur Vernichtung angewandten Mittel wurde Phosphorlatwerge als das geeigneste anerkannt. Sie soll auf Stroh gestrichen in den Hamsterbau ernge- sührt werden.

Eisenach, 17. Dezember. Der zu zwölf Jahren

Zuchthaus verurteilte Landwirtschaftsgehilfe Gustav Bruder aus Burbach, der die Dienstmagd Jöa Burcack durch Schüsse getötet haben soll, hat gegen das Eise­nacher Schwurgerichtsurteil Revision beim Reichs­gericht angemeldet.

Bringhause» (Talsperrengebiet), 16. Dezember. Nach den gestrigen Sprengungen in Berich wurden die Sprengarbeiten heute auch hier vorgenommen. Morgen werden sie in Asel beginnen. Trotz der Ab­sperrung durch 167 er Infanteristen wohnten viele Zuschauer den Sprengarbeiten bei.

Eingesandt.

(Unter Verantwortung des Einsenders.)

Sehr geehrter Herr Redakteur!

Soeben wird mir die Nr. 160 desHersf. Tage­blatt" übersandt, das einen Angriff des Bündleragi- tators Buhl auf meine Person enthält. Sie gestatten mir darauf folgendes zu erwidern:

Da meine wissenschaftlichen (juristischen, politischen und landwirtschaftlichen) Arbeiten unter meinem Schriftstellernamen Hans L. Rudloff (zuweilen, aber ohne mein Zutun, mit dem Zusatz Gens oder Genf- Aeacias) erschienen sind, so konnte man dem bündle- rischen Angestellten, der nur den Politiker L. Rudloff- Grandenborn, nicht aber auch den Schriftsteller kennen kann, bei seinen Angriffen auf den Unterfertigten bis zu einem gewissen Grade den guten Glauben zubilligen wenn man wollte.

Nach meiner ausdrücklichen Erklärung aber in derHersfelder Zeitung", daß derin der Schweiz lebende Schriftsteller Rudloff" und der Gründer der hessischen Bauernpartei, L. Rudloff-Grandenborn, ein und dieselbe Person sind, ist das nicht mehr möglich, um so mehr, als meinkürzlich" in derZeitschrift für Politik" (nichtZeitung" wie Buhl sagt) ver­öffentlichter Artikel überBäuerliche Bevölkerung und politische Parteien in Deutschland und Frank­reich", auf den Buhl anspielt, zum Teil schon Ende Juni d. I. imDeutschen Bauernbund" mit meiner Unterschrift erschienen ist, mithin dem Angestellten desBundes der Landwirte" bekannt sein mußte, daß derHans L. Rudloff aus Genf" mit dem L. Rudloff-Grandenborn identisch sein muß. Aus diesen Feststellungen, die jedermann nachprüfen kann, geht also bis zur Evidenz hervor, daß Herr Buhl vor seinen Zuhörern in Hersfeld zum zweitenmalzweifel­los" die Unwahrheit gesagt hat.

Ueberdies ist es doch höchst seltsam, daß meine Gegner denin der Schweiz lebenden Schriftsteller Rudloff" noch nicht zur Stelle geschafft oder ihm noch nicht Kenntnis davon gegeben haben, wie schändlich er von dem L. Rudloff-Grandenborn geplündert und um die Früchte seiner wissenschaftlichen Arbeit gebracht wird. Ja, warum tun sie das nicht? Weil sie es nicht können, weil sie sehr gut wissen, daß eine an den HerrnHans L. Rudloff aus Genf" gerichtete Mitteilung unfehlbar bei dem Unterzeichneten in Grandenborn landen würde, kurz, weil sie den in der Schweiz lebenden Schriftsteller Rudloff eigens in der Absicht erfunden haben, einen gefürchteten Gegner herunterzureißen und dadurch noch einige Mitläufer unter denen zu finden, die nicht alle werden.

Um jetzt diesem geradezu grotesken Schwindel der Bündler den Garaus zu machen, kann ich leider wegen Ablaufes der Verjährungsfrist Herrn Buhl nicht mehr verklagen, sofern er seine Beschuldigungen nicht wiederholt. Ich lobe aber hiermit 1000 Mark aus, die ich demjenigen zahlen werde, der mir den angeblich in der Schweiz lebenden Schriftsteller Rudloff, an dem ich ein Plagiat begangen haben soll, gegen- überstellt oder sonst einwandfrei nachweist, daß dieser Herr und der Unterfertigte nicht ein und dieselbe Person sind. Gelingt das nicht, so werden meine Freunde und ich nicht umhin können, Buhl und Ge­nossen bei Wiederholung ihrer Anschuldigungen Lügner und Verleumder zu nennen.

Cassel, am 5. Dezember 1913.

L. Rudloff-Grandenborn.

Der Unterzeichnete war erst recht berechtigt, die Identität des Herrn Hans L. Rudloff in Genf mit dem L. Rudloff in Grandenborn anzuzweifeln, weil trotz öffentlicher Ankündigung durch eine Annonce in No. 5 dieser Zeitung vom 7. Januar d. J. eine gerichtliche Klage gegen mich nicht erfolgte und kein Grund angegeben wird, weshalb Herr Rudloff die Klage unterließ. Wir haben übrigens durch Aufragen bei Herrn Professor Dr. Edler- Jena, bei Exellenz Dr. Thiel- Berlin, beim Heymann'schen Verlag in Berlin pp. festgestellt, daß dieselben mit einem Hans L. Rud­loff- Genf Accacias korresspondiert und Artikel des­selben veröffentlicht haben. Buhl.

Meist heiter und trocken, kalt, Nachtfrost, nord­westliche Winde.