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Sie Trinlsprüche in München.

Das Ende der Münchener Kaisertage.

Mit dem großen Galadiner in der königlichen Resi­denz, das Dienstag abend stattfand, erreichten die Ver­anstaltungen anläßlich des Münchener Kaiserbesuches ihr Ende. Die Abreise des Kaiserpaares erfolgte Diens­tag abend. Bei der Galatafel trug der König die Uni­form seines preußischen Infanterieregiments und führte die Kaiserin, der Kaiser in der Uniform seines Ulanen­regiments führte die Königin. Während der Tafel brächte König Ludwig einen T r i n k s p r u ch auf den Kaiser aus.

Der Kaiser erwiderte:

Mir ist es eine hohe Freude, hier in der Münchener Residenz Eure Majestäten als dem König und der Köni­gin von Bayern Meine und Meines Hauses und Meines Landes ehrerbietige Huldigung darzubringen. Bayerns Monarch, in dem die Güte und die Weisheit eines unvergeßlichen Vaters ruht, und die verehrungs- würdige hohe Frau, die Bayerns Krone trägt, haben sich ihren Platz gesichert im Herzen der deutschen Nation. Dankbar darf Ich ausfprechen, wie wohl es Mir tut, daß auch bei diesem Besuche in die liebens­würdige Gastfreundschaft Eurer Majestäten die Bevölke­rung Münchens und Bayerns mit herzlicher Gesinnung einstimmt. So sehr ich Mich dieser freundlichen Empfin­dungen für Meine Person freue, so sind sie mir hier­über hinaus wertvoll als Ausdruck der Treue zu Kaiser und Reich, in der das kernhafte Bayernvolk keinem deutschen Stamme nachstehen will. Mit Eurer Majestät vertraue Ich, daß in den Deutschen unserer Tage noch der Geist der Einigungskämpfe lebt, aus de­nen das Deutsche Reich hervorgegangen ist, als ein lebensvoller Bund der deutschen Einzelstaaten, die auf Grundlage wechselseitiger Achtung ihrer Eigenart und Selbständigkeit zusammenwirken, um neben der Pflege ihrer besonderen Interessen dem nationalen Gesamtbe- öürfnisse gerecht zu werden. In der Ausfüllung Meiner kaiserlichen Aufgabe, deutsche Ehre und deutsche Wohl­fahrt im Reiche und in der Welt zu schützen und zu mehren, habe ich Mich der Unterstützung Meiner hohen Verbündeten erfreuen dürfen. Ich weiß es besonders zu schätzen, daß in Eurer Majestät Mir ein Mitarbeiter von reicher Erfahrung zur Seite steht und ein F r e u n d, mit dem Ich Mich auch durch Zuneigung des Herzens verbunden fühle. Ich bitte Eure Majestät, Mir Ihre gnädige freundwillige Gesinnung auch fernerhin zu be­wahren. Innige Wünsche bewegen Mich und die Kaise­rin für das Glück Eurer Majestäten und des erlauchten Hauses Wittelsbach und des bayerischen Volkes, das sich viele, viele Jahre erfreuen möge an dem Walten des geliebten Königspaares.

Das Kaiserpaar im Gespräch mit Sozialöemokraten.

Beim Empfang waren dem Kaiserpaare auch der sozialdemokratische zweite Stadtverordnetenvorsteher Witti, Expeditionschef der „Münch. Post", vorgestellt. Der Kaiser schüttelte dem Sozialöemokraten die Hand und sprach zu ihm: „Walten Sie hier Ihres Amtes?" worauf der Sozialdemokrat erwiderte: „Jawohl, Maje­stät." Auch die Kaiserin zog den Sozialdemokraten in ein längeres Gespräch und erkundigte sich bei dieser Ge­legenheit nach den Kindern, die dem Kaiserpaare beim Eintritt in den Sitzungssaal den Chor: „Lob sei dem Herrn" als Begrüßung gesungen hatten.

Set neue Lehrer des Kronprinzen.

Ueber die Persönlichkeit des Generalstabschefs der Infanterie v. Moltke, der bekanntlich zum neuen Lehrer des Kronprinzen ausersehen ist, wird uns von mili­tärischer Seite gelschrieben:

Der Kaiser hat seinem Generalstabschef wieder ein neues Zeichen seines großen Vertrauens gegeben, das bei den hohen Anforderungen, die der Kaiser an die mili­tärische Ausbildung seiner Söhne stellt, nicht unterschätz^ werden darf. Die Beziehungen, die den Kaiser und den Chef des Großen Generalstabes schon seit vielen Jahren verbinden, sind von Jahr zu Jahr immer herzlicher ge­worden und haben erst nach dem letzten Kaisermanöver in dem aufrichtigen Danke, den der Kaiser nach Schluß der Manöver dem Generalstabschef abstattete, ihren Aus­druck gefunden. Schon nach Schluß der Manöver 1913 verlautete in militärischen Kreisen, daß der Kaiser die Absicht habe, den Kronprinzen zur Dienstleistung beim Großen Generalstabe zu kommandieren, damit er von dem General v. Moltke unterwiesen werde. Die Ge­rüchte wurden damals für unrichtig erklärt. Sicher ist aber das Eine, daß der Kaiser bereits damals mit dem General v. Moltke über diese Gestaltung der Zukunft des Thronerben gesprochen Hatte.

Der Generalstabschef hat es allerdings im Laufe der Jahre in ungewöhnlichem Maße verstanden, alle Befürch­tungen, die damals aus Anlaß seiner Ernennung laut wurden, zu zerstören. Es hat sich gezeigt, daß der neue Moltke nicht nur der Neffe und Namensvetter des „gro­

Das neue Fräulein.

Original-Roman von F r. L e h n e.

48) (Nachdruck verboten.)

„Gut, Gertrud, nun Du da bist — Du, an die ich mit Sehnsucht gedacht! Du weißt nicht, was Du mir durch Dein Kommen tust — wie danke ich Ihnen für die Erlaubnis, Schwester!" Unwillkürlich flog ein ra­scher Blick Gertruds zu dieser hin, die ihr begütigend zunickte. „Wie muß mein Liebling mit seinem Stolz gekämpft haben, ehe er diesen Schritt zu mir unter­nahm!"

„Leicht ist es mir allerdings nicht geworden," sagte Gertrud ernst, „aber Ihr Brief beunruhigte mich so, daß es mich mit aller Macht hierherzog. Mein guter Ka­merad darf aber nicht so mutlos und verzagt sein — er ist doch ein Mann, der einem widrigen Geschick nicht unterliegen darf, sondern dagegen kärßpfen muß."

Und in fast mütterlicher Weise redete sie ihm in ihrer tönenden, zu Herzen gehenden Stimme zu, ihr zu versprechen, alle düsteren, verzweifelnden Gedanken zu lassen und fest auf Gott zu vertrauen, der auch ihm alles zum Besten lenken würde. Sie saß an seinem La­ger: er streichelte ihre Hand, die sie ihm willig ließ, während die Schwester geräuschlos am Tisch hantierte und das junge Mädchen unbemerkt beobachtete.

Ihr anfängliches Mißtrauen war jetzt gänzlich ge­schwunden, nachdem sie Gertrud gehört. Wie freudestrah­lend sah doch der junge Offizier aus! Und wie düster und verzweifelt hatte er doch die ganze Zeit seines Hier­seins dagelegen. Als sie ihm das junge Mädchen ge­meldet, war er wie elektrisiert aufgefahren — „Gertrud hier? O, wo ist sie? Warum führen Sie sie nicht her­ein?" Dann hatte er ihr auf ihr Achselzucken Gertruds Brief zu lesen gegeben und hinzugefügt, diese oder keine solle sein Weib werden, vorausgesetzt, daß sie ihn noch wolle. Da war denn Schwester Therese beruhigt hin­

ßen Schweigers" ist, sondern daß er auch aus Eigenem viel und Bedeutendes dem Heere zu schenken hat. Er hat viele soldatische Tugenden von seinem Oheim geerbt. Ihn zeichnen vor allen Dingen strenge Sachlichkeit, große Ruhe, schnelle Entschlußfähigkeit und Tatkraft aus. Sein Hauptverdienst darf wohl in der durchgreifenden Reform unserer Manöver erblickt werden. Er hat zum ersten Mal in wirklich großem Stile Manöver durchgeführt, die völlig jeden schönen Schein vermieden und bis in die kleinsten Einzelheiten kriegsmäßig gestaltet wurden. Die „Leere des Schlachtfeldes", die früher bet den Manövern nicht gekannt wurde, ist jetzt eine Selbstverständlichkeit geworden. Die moderne Ausgestaltung des Automobil­wesens, des Luftschiffwesens und der Fliegerwaffen ist von ihm schon frühzeitig als Notwendigkeit erkannt und mit Nachdruck befürwortet worden.

Besonders das starre System der „Zeppeline" hat in ihm einen warmen Verteidiger. Er hat selbst schon mehr­fach Luftfahrten in Zeppelinen unternommen, um sich persönlich von der Leistungsfähigkeit dieser Luftschiffe zu überzeugen. Moltke ist ein Feind aller schönen Worte und aller leerer Attrappen. Ein Ausspruch von ihm: „Wir brauchen rauhe Krieger" zeigt, daß sein Sinn nicht aus schöne Erscheinungen im Felde gerichtet ist, sondern aus das Sachliche und Wirkungsvolle. So ist er in stil­ler und emsiger Arbeit ein Erzieher des deutschen Heeres geworden und dürfte auch bet der künftigen Unterwei­sung des Kronprinzen, die sich sicherlich in denselben Bahnen der Sachlichkeit bewegen wird, große Erfolge er­zielen.

3n der Verwaltung des kaiserlichen Vermögens

(Sie natürlich mit der Zivilliste nichts zu tun hat) ist neuerdings eine Aenderung eingetreten. Bisher war das Bankhaus Delbrück, Schickler u. Co. in Berlin Ban­kier des Kaisers. Als Ludwig Delbrück vor einigen Mo­naten aus dem Leben schied, blieben als Inhaber der Firma, handelsrechtlich betrachtet, neben einem vom Pro­kuristen zum Sozius aufgerückten Herrn Freiherr Artur von Schickler in Paris und dessen Tochter, die Gräfin Margarete von Pourtales, geborene Freiin von Schick­ler. Baron Schickler und seine Tochter sind Fran­zosen. So wäre also das Vermögen des Kaisers im wesentlichen unter französische Kontrolle gelangt. Um diesem aus begreiflrchen Gründen nicht wünschenswer­ten provisorischen Zustande ein Ende zu bereiten, sind, wie ein Berliner Blatt von unterrichteter Seite erfährt, nunmehr alle Vermögensstücke des Kaisers ihrer bis­herigen Verwaltungsstelle entzogen und teils in der preußischen Seehandlung, teils in der Reichs- bank angelegt worden.

Politische Rundschau«

Zum Abschied des Kronprinzen von Danzig. Auf das Telegramm des Danziger Magistrats an das Kron­prinzenpaar ist dem Oberbürgermeister Scholtz folgende Dankantwort zugegangen: „Dem Magistrat der Stadt Danzig sagen meine Frau und ich den herzlichsten Dank für die freundlichen Worte. Es wird uns sehr schwer werden, die uns so lieb gewordene Stadt Danzig zu verlassen, denn die zwei Jahre, die wir in ihrer Mitte verleben durften, und in denen ich die Ehre hatte, meine geliebten Husaren zu kommandieren, werden wir stets zu den glücklichsten unseres Lebens zählen, und wir hoffen, daß das Band, das uns an das liebe Danzig knüpft, auch in der Ferne bestehen bleiben wird. Der Kronprinzessin wird es besonders schwer, sich von der wundervollen Gegend, in der sie sich so überaus wohl fühlte. Sie hofft, mit unseren Kindern noch oft im Som­mer an die hiesige Küste zurückzukehren."

Die Zaberner Garnison. Im Gegensatz zu anders lautenden Meldungen wird in gut unterrichteten Krei­sen versichert, daß von einer Vermehrung der Zaberner Garnison keine Rede ist, da noch nicht einmal ine Frage entschieden ist, ob Zabern überhaupt eine Garnison be­halten wird. Die Entscheidung dieser Frage hängt von dem Ausfall der schwebenden Untersuchungen und Ge­richtsverfahren ab.

Keine Dentschlandreise Churchills. Der englische Marineminister Churchill hat dem Reuterschen Bureau mitgeteilt, die Meldung, daß er mehrere Wochen in Deutschland verbringen werde, sei gänzlich unbegründet. — Der Ankündigung des Besuches des englischen Ma­rineministers Lord Churchill in Berlin stand man in den deutschen Marinekreisen ziemlich gleichgültig gegenüber, nachdem sich gezeigt hat, daß den Anregungen Lord Churchills in Bezug auf ein internationales Flottenbau- übereinkommen und namentlich seinen Anregungen über eine Verständigung zwischen Deutschland und England in dieser Richtung kein greifbarer Gedanke zugrunoe liegt, der Deutschland veranlassen könnte, in eine Min­derung seines Flottenprogramms England gegenüber einzuwilligen.

Der Schritt des Dreiverbandes wegen der deutschen Militärmission dürfte praktisch als gescheitert anzusehen

ausgegangen: er hatte auch gesagt, nachher wolle er ihr ausführlich von Gertrud erzählen.

Die Schwester sah nach der Uhr — es war schon fünf vorüber: sie hustete etwas, um die beiden, ganz der Gegenwart Entrückten, wieder zur Wirklichkeit zu- rückzurufen. Gertrud wandte sich um — „o, verzeihen Sie, Frau Oberin, ich habe die erlaubte Zeit gewiß schon überschritten."

Sie erhob sich.

„Du willst gehen, meine Gertrud, schon?" klagte er, „aber Du kommst doch wieder?"

„Nein, Albrecht," sagte sie sanft, aber entschieden, „das kann ich nicht! Wäre meine Sorge nicht zu groß gewesen, wäre ich nicht gekommen. So aber habe ich Ihr Versprechen, wieder neuen Mut zu fassen und ge­sund werden zu wollen: und nicht wieder so schwarze Gedanken hegen, nicht wahr? Darauf bekomme ich die Hand! So, und nun muß ich gehen!"

„Aber Du schreibst doch wieder, Gertrud, bestimmt, sonst —"

„Keine Bedingungen, Albrecht! Selbstverständlich schreibe ich, und nun leben Sie wohl."

Sie konnte in Gegenwart der Schwester nicht „Du" sagen, trotzdem sie seinen Vornamen nannte. Er hielt ihre Hand fest umklammert und sah ihn bittend an. Sie las in seinen Augen, was er noch wollte, und beugte sich nieder, seine Stirn mit ihren Lippen berührend.

„Nun willst Du fortgehen," klagte er, „ach Gertrud, wenn Du wüßtest —" er brach kurz ab: fast hätte er die Gegenwart der Schwester vergessen — Tränen glänz­ten in seinen Augen und um seinen Mund zuckte es schmerzlich.

„Nicht weinen, Albrecht," sagte sie leise, erschrocken, „ich kann doch nicht bleiben, so gern ich auch möchte."

Sie legte ihre Hand auf seine Stirn.

„Ach Trude, wie gut das tut — siehst Du, wenn Du fort bist, kommen die schwarzen Gedanken wieder: und

sein. In dem BeschetS veS WdMMS an MB SretBot- festster wird der rein militärische Charakter der Mission betont, sowie Satz der Bosporus, die Dardanellen un­politische Fragen außerhalb ihrer Kompetenz stehen. Dies wird amtlich veröffentlicht.

König Ferdinand von Bulgarien antwortete auf die beim Amtsantritt des neuen deutschen Gesandten in Sofia, Michahelles, von diesem an den König gerichtete Ansprache: „Ich bin tief gerührt über die Gefühle der Freundschaft und Achtung der deutschen Nation gegen­über dem bulgarischen Volke, zu deren Dolmetsch Sie sich heute machen. Die von Ihnen ausgedrückten Wün­sche für die Zukunft meines Volkes, dessen gute Eigen­schaften und Fortschritte Sie so beredt preisen, bürgen mir dafür, daß Sie sich bemühen wollen, die guten Be­ziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und Bulga­rien aufrechtzuerhalten und noch enger zu gestalten."

Kleine nachrichten«

Eine Verzinsung der Dienstprämie für Unteroffi­ziere wird die Heeresverwaltung vom 1. April 1914 ein­führen. Die Dienstprämie, die von diesem Zeitpunkte an von 1000 auf 1500 Mark erhöht wird, wird den Militär- anwärtern nach vollendetem 12. Dienstjahre bis zum Ausscheiden aus dem Heeresdienste mit 4 Prozent pro Jahr verzinst werden.

Ein Rekord des „Imperator". Wie der „New Aork Herold" meldet, bedeuten die Zahlen, die das Londoner Bureau der Hamburg-Amerika-Linie über die bisherigen Reisen des „Imperator" veröffentlichte, einen Rekord: denn auf seinen sieben Fahrten beförderte das riesige Schiff zusammen 53 695 Personen, darunter 22 460 Ka- binenfahrgäste.

Ein neuer Rheinhafen für Düsseldorf. Die Stadt­verordneten in Düsseldorf beschlossen die Anlage eines Rheinhafens im Norden der Stadt. Die Kosten betragen, soweit bisher zu ermitteln ist, etwa 7% Millionen Mark für die Anlage und 10 Millionen für Grunderwerb.

Vom Schnellzuge überfahren. Bei Kourl in der Nähe von Dortmund wurden Dienstag vormittag zwei Rottenarbeiter, die, um einem Zuge auszuweichen, auf das Nebengleis traten, von einem Schnellzug überfah­ren und getötet.

Bet Borkum gestrandet. Die norwegische Barke „Amazone", die sich mit einer Ladung Holz auf der Fahrt von Sunösvall nach Melbourne befand, ist bei Borkum gestrandet und gänzlich wrack geworden. Von dc^r Be­satzung wurden neun Mann durch die Rettungsboote ausgenommen, neun andere sollen ertrunken sein.

Spargelder von Volksschulen unterschlagen. In Gahmen bei Dortmund wurde der Lehrer Schulte ver­haftet, weil er in seiner früheren Stellung Spargelder der Volksschüler in Höhe von etwa 8000 Mark unter­schlagen hat.

Der überempfindliche Lehrling. Wie aus Dresden gemeldet wird, hat sich am Montag abend ein kaum 16= jähriger Kaufmannslehrling, der am Jagöweg wohnte, erhängt. Er hat die Tat aus gekränktem Ehrgefühl be­gangen, denn er war kurz vorher ermähnt worden, sich mehr zusammen zu nehmen.

Ein Dienstmädchen als Jumelendiebin. Dem Dia­mantenhändler Barenski in Paris sind von seinem Dienstmädchen, der 22jährigen Else Vuschmann, Edel­steine und Perlen im Wert von 40 000 Mark gestohlen worden. Die Polizei fahndet nach der Diebin, die mit ihrem Raub flüchtig geworden ist.

Gelungener Hungerstreik der Miß Pankhurst. Miß Silva Pankhurst, die Tochter der bekannten Suffraget- tenführerin, mußte nach achttägigem Hungerstreik aus dem Gefängnis entlassen werden. Sie war infolge der hartnäckigen Verweigerung der Nahrungsaufnahme so entkräftet, daß sie sich nicht allein aufrecht zu halten ver­mochte.

Ueber dem Kanal verirrt. Die englische Fliegerin Miß Assheton Harborö ist mit einem Passagier am Montag von dem Flugfelde in Henüon abgeflogen, um über den Kanal nach Paris zu fliegen. Die Pilotin ist über dem Kanal in einen dichten Nebel geraten und irrte 2^ Stunden über dem Meere umher, bis sie endlich in der Nähe von Rouen landete. Nachdem sie neues Ben­zin ausgenommen hatte, setzte sie ihren Flug nach Paris fort, wo sie gegen Abend glatt landete.

Ein Denkmal für die Burenfrauen. Frau Steyn, die Gattin des früheren südafrikanischen Präsidenten, enthüllte am Dienstag bei Bloemfontain ein Denkmal für die Burenfrauen und -Kinder, die im südafrikani­schen Kriege ums Leben gekommen sind.

Das Gerücht von einem Morde war am Dienstag nachmittag im Westen Berlins verbreitet. Dasselbe entstand dadurch, daß der Portier eines Hauses in der Regensburger Straße nach einem Streit mit vier Lumpensammlern tot aufgefunden wurde. Die einge­leitete Untersuchung ergab, daß der Portier, ein zwar kräftiger, aber feit Monaten schwer leidender Mann, infolge der Aufregung einem Herzschlag erlegen fei.

Du nur kannst sie mir bannen," seufzte er, ihre Hand fester auf seine Stirn pressend.

„Albrecht, nicht so sprechen: das tut mir weh! Ver­gessen Sie doch nicht, was Sie mir versprochen haben! Vor allem'gesund werden wollen! Nochmals ein Behüt Gott."

Sie wandte sich schnell ab und ging hinaus, da sie fühlte, wie es heiß in ihren Augen aufstieg. Er durfte das nicht sehen, damit er sich nicht aufregte. Beim Aus­gang faßte sie der Schwester, die ihr gefolgt war, beide Hände:

„Taufend Dank, daß Sie mir vergönnt haben, ihn zu sehen," sagte sie mit bebender Stimme.

Die Oberin strich liebkosend über ihr heißes Gesicht.

„Keine Ursache, liebes Kind," sagte sie herzlich, „hoffentlich habe ich Sie nicht zum letzten Male gesehen!"

„Ich kann doch nicht —"

„Nein, das sollen Sie auch nicht, ihn wieder besuchen, ihn vor seiner Genesung wieder sehen! Aber von mir könnten Sie sich wohl Bescheid holen, wie es ihm geht! Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Ihr liebes Ge- sichtchen noch öfters sehen würde. Wenn mir auch an­fangs Ihr Besuch seltfam erschien, jetzt ist er es nicht mehr, und ich bin ordentlich glücklich, daß Sie vermocht haben, unserem Patienten zuzureden, was uns allen nicht gelungen ist. — Ein froh' Gemüt ist unser bester Helfer! Wir können hier gar nicht genug Sonnenschein haben! — Nun Gott mit Ihnen, liebes Kind!"

Die Oberschwester konnte am selben Tage und den darauffolgenden nicht genug von Gertrud hören. Es tat Albrecht sichtlich wohl, von ihr zu sprechen, und gerne lauschte die milde sanfte Frau seinen Ergüssen, um so mehr, da sie sah, von welchem günstigen Einfluß jener Besuch des jungen Mädchens war. Er las ihr sogar Stellen aus ihren Briefen vor, aus denen sie sah, wie rein und lauter die Beziehungen waren, die die beiden jungen Menschenkinder verknüpften. (Forts, folgt.)