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Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Ä^l5lElv^l Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Feste 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20. Pfennig, Reklamen die Feste 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 184, Mittwoch den 17. Dezember 1913.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat.

Schonung der Augen.

Unter den Krankheitszuständen, die den wichtigsten Sinn der Menschen, das Auge, befallen können, be­sitzt die Kurzsichtigkeit zwar nicht die gefährlichsten, aber doch unzweifelhaft die störendsten Eigenschaften. Wenn sie auch von den damit behafteten Personen weder als eigentliche Krankheit empfunden wird, noch als ein Mangel zugegeben werden will, so ist und bleibt doch ein kurzsichtiges Auge nur ein halbes Auge, und zwar sowohl für die praktischen Beziehungen zur Außenwelt als auch für die ganze innere Geistes­entwickelung und Lebensanschauung der kurzsichtigen Person. Zieht man noch in Betracht, daß gegen dieses mit der Zeit immer an Ausdehnung zunehmende Uebel mit den Heilversuchen und Heilmitteln nichts zu machen ist, so wird man begreifen, daß die Aerzte recht haben, wenn sie sowohl bei der Bildung und Erziehung derJugend als auch bei den Arbeitsleistungen der Erwachsenen ihr Hauptaugenmerk neben der Sorge für gute Luft eben auch auf die Erhaltung der normalen Sehkraft richten. Die Leistungsfähigkeit der Augen wird durch viele äußere Umstände geschädigt und bei regelmäßiger Wiederkehr dieser Schädlichkeiten bleibend herabgesetzt. Wenn man bei zu spärlichem oder bei zu grellem Lichte arbeitet, oder bei richtiger Beleuchtung den Kopf in zu geringer Entfernung von der Arbeit hält, oder bei richtiger Beleuchtung und Entfernung zu lange hintereinander immer die gleiche Arbeit verrichtet, so entstehen hieraus schädliche Folgen für die Augen, die, wenn sie einmal einen gewissen Grad erreicht haben, gar nicht mehr zu be­seitigen sind und sich gern von den Eltern auf die Kinder fortpflanzen. Vor allen Dingen sei auf einen Uebelstand hingewiesen, der uns so häufig begegnet und leider gar nicht einmal als Uebelstand empfunden wird, nämlich die Kleinheit der Schrift oder des Druckes. Der regelmäßige Gebrauch von kleiner Schrift, sei es, daß man selber klein schreibt oder dre kleine Schrift von anderen liest, oder von kleinem Druck verdirbt die Augen in zwar unmerklicher und langsamer, aber sicherer Weise. Leider kann die staat­liche Fürsorge für die allgemeine Gesundheit dagegen wenig tun. Dagegen kann sich der einzelne doch gegen die kleine oder schlechte Schrift wehren, indem er sich selber einer möglichst großen und deutlichen Hand­schrift befleißigt, in feiner Familie unnachsichtlich da­rauf dringt und klein und undeutlich geschrobene Briefe oder Schriftstücke von anderen einfach als unlesbar zurückweist.

8Hersfeld, 16. Dezember. (Die Vermi ttlung von Jahres stellen in der Landwirt- schaf t.) In Verbindung mit den Landwirtschasts- kammern sind die öffentlichen Arbeitsnachweise un Großberzoatum Hessen, der Provinz Hepen-Naffau und dem Fürstentum Waldeck nach Kräften bemüht, der Landwirtschaft dauerndes, gut ^usgebildetes Per­sonal AUAufübren Zur Förderung der Vermittlung dauernden Personals wurden Arbeitsvertragsmuster und Fraaebogen zur Sicherstellung der wichtigsten Arbeitsb« bei den Arbeitsnachweisen an­geführt vergangenen Jahre wurden rund 11000

Nt darunter 6 Tagelöhner, 2098 Knechte, 418 Viehfutterer, Schweizer 49 Tagelöhnerinnen und 38 Magde. Be­kanntlich sind die Monate Dezember und Januar die geeignetsten Monate für die Vermittlung von Jahres- fteli sich daher dringend möglichst bald den^Beda/f'bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen anzumelden. Solche Stelle besteht in Bebra. Ee ge­nügt zunächst eine einfache Mitteilung über die Urt der aeiuckten Arbeitskraft; die weiteren Formulare unV&U»^ d"> 0n'«°"°nt°" mh geteilt.

-t- Sersteld 16. Dezember. Der Beamten- verein hielt am vergangenen Sonnabend mne^ nur schwach besuchte V e r s amm l ung ab. Den Haupt- £ ®Sw über dir «erarbeiten wgelben ausgesprochen und Unklarheiten best ^ sgor= alle Anwesenden zu der Ueberzeugung ^ stand richtig und zur Zufrieden^ )

Von Seiten der Herrn P^?Arbeit aedan t. Bei wurde dem Vorstand für semeArbeit ßeo ^ dem nun folgenden ftdelen Schöpf _ H^H ihre sonders den beiden vorgenannten Sarßtetunaen die musikalischen und humoristliche Masten Punkt ^"» die heitere Gesellschaft.

-b- Hersfeld, 16. Dezember. Die Ausstellung F r a u e n f l e i ß" desVaterländischenFrauenvereins konnte in diesem Jahre wieder eine Fülle schöner und kunstvoller Handarbeiten aufweisen. Hervor­ragend waren die Leistungen auf dem Gebiete der Weiß- und Richelieu-Stickerei- auch hochelegante Sofakiffen, Smyrna-Teppiche, wundervolle Spitzen- blenden und Decken, Schnitzereien, Malereien und Intarsien entzückten das Auge. Eine kleine Aus­stellung von Trophäen und Holzarbeiten aus Süd­westafrika wurde gebührend gewürdigt, ebenso die Berge von Bett- und Leibwäsche, Schürzen und Puppen, die emsige Hände im Nähverein für die Armen angefertigt haben. Im Erfrischungsraum stärkten sich die Hungrigen und Durstigen und am Verkaufstisch, sowie später bei der Versteigerung, fanden die ge­schenkten Gegenstände bereitwillige Abnehmer. Alles in allem ist das Ergebnis so günstig, daß der Zweck aus dem Erlös, verschämten Armen eine unverhoffte Weihnachtsfreude bereiten zu können voll und ganz erreicht worden ist. Allen Damen, die sich um die Sache bemüht haben, sei hiermit herzlichster Dank ausgesprochen.

):( Hersfeld, 16. Dezember. Der Knüllklub veranstaltet am Sonnabend den 20. Dezember auf dem Knüll eine Sonnwendfeier. Nachmittags 6 Uhr findet auf dem Knüllköpfchen das Abbrennen eines Feuers statt, wobei eine Ansprache gehalten sowieDie Wutansnacht" zur Aufführung gelangen wird. In dem provisorisch hergerichteten Saale des neuen Hauses wird nach der Feier ein gemeinsames Essen stattfinden. Alles Nähere in der Anzeige der heutigen Nummer.

):( Hersfeld, 16. Dezember. Im Amtlichen An­zeiger der heutigen Nummer wird die Bekanntmachung betreffend Veranlagung zum Wehrbeitrag veröffentlicht. Bei der Wichtigkeit der Sache und zur Vermeidung von Unannehmlichkeiten möchten wir eine genaue Beachtung der Bestimmungen empfehlen.

):( Hersfeld, 16. Dezember. Nächsten Donners­tag nachmittag 4 Uhr wird eine Sitzung der Stadtverordneten - Versammlung im Rathaussaale stattfinden. Tagesordnung: Ein­führung und Vereidigung der beiden neugewählten Beigeordneten, Herrn Carl Schimmelpfeng und Heinrich Altenburg. Wahl eines Magistratsmit­gliedes an Stelle des ausgeschiedenen Herrn Heinrich Altenburg. Beschlußfassung über die Gültigkeit der Stadtverordnetenwahlen vom 24. und 25. November b. J. Beschlußfassung über die Vornahme von ErsaUwahlen zur Stadtverordneten-Versammlung. Wahl eines Ausschusses zur Prüfung der Jahres­rechnung des städt. Starkstromnetzes für 1912. Bewilligung von Kosten. Gründung einer neuen Schulstelle. Kohleneinkauf für das Gaswerk. Gasautomaten. Gemeinde-Zuchtbulle. Jahres- rechuungdes städt. Holzmagazins für 1912. Sonstiges.

Fulda, 14. Dezember. Heute nachmittag fand hier zum ersten Male der hessische Handwerkertag des Bundes der Handwerker, Landesabteilung Heßen, statt. Der Landesvorsitzende, Malermeister Martin- Alsfeld (Oberhessen) eröffnete die Tagung. Er schloß seine Begrüßungsansprache mit einem dreifachen Hoch auf Kaiser Wilhelm und den Großherzog Ernst Ludwig von Hessen. Nachdem noch das Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Fulda, Hofbäckermeister Simmer, die mblreicben fremden Handwerksmeister begrüßt hatte, ergriff der Bundesvorsitzende Voigt-Berlin-Friedenau das Wort zu seinem Vortrage:Schwebende Tages- frageu des Handwerks". Er führte in seiner Rede aus daß gerade die Handwerker in alle bürgerlichen Parteien immer mehr einöringen müßten, um auf- tuklären über die Ziele des Handwerkerstandes. Zurzeit stehen sich zwei Organisationen im Hand­werkerstände feindlich gegenüber, und zwar die Freie ^nnuna und die Zwangs-Jnnung. Umwälzungen in den Innungen sind stetig zu beobachten. Freie ^nnunaen lösen sich auf, Zwangsinnungen werden aearündet und umgekehrt, der Bund der Handwerker verlange eine einheitliche Organisation für alle Be­rufe im Handwerk. Redner trat warm dafür ein, daß das Lehrlingswesen im Handwerkerstände besser aereaelt werden muffe. Von der wirtschaftlichen Sebuna des Meisterstandes stände auch noch.nichts im Gesetz. Ferner betonte Redner, daß die Hauptanf- aabe des Bundes der Handwerker die Beseitigung des § 100 a der Gewerbeordnung fei. Der Bund der Handwerker verlange, daß den Zwangsinnungen mit Einverständnis der Aufsichtsbehörden gestattet sei, Mindestpreise für die Arbeiten ihrer Mitglieder fest­zusetzen, um eine bessere Entlohnung im Handwerk zu erreichen. Ferner betonte Redner, daß der Bund der Handwerker auch fernerhiu die Einführung des allgemeinen Befähigungsnachweises als die grund­legende Frage für die Existenz des deutschen Hand­

werks betrachte. Das Ehrenmitglied des Bundes der Handwerker, Herr Landtagsabgeoröneter Schreiner­meister Euler-Bensberg, hielt sodann einen längeren Vortrag über das ThemaUnsere Aufgaben im Landtage". Er führte u. a. aus, daß zwar das Gesetz von 1897 manches gute für den Handwerkerstand ge­bracht habe, daß es aber noch vieles zu wünschen übrig lasse. Auch er streifte die Einführung des all­gemeinen Befähigungsnachweises und verbreitete sich sodann über das Zwangswesen im Handwerk. Das Fortbildungs- und Fachschulwesen sei unbedingt nötig für einen zukünftigen Handwerksmeister. Reichstags­abgeordneter Werner betonte in seinen Ausführungen, daß der Bund der Handwerker im Landtag das Sub­missionswesen in seiner heutigen Verfassung energisch bekämpfen werde. Er wandte sich sodann gegen das Warenhaus- und Konsumvereinswesen. Abermals ergriff Landtagsabgeordneter Euler-Bensberg das Wort und sprach über die schwere Belastung zahlreicher Schlachthäuser durch die Stadtverwaltungen. Der Landesvorsitzende Martin-Alsfeld brächte sodann zwei eingegangene Anträge zur Verlesung. Der erstere war gestellt von der Ortsgruppe Witzenhausen zwecks Gründung einer Krankenkasse für diese Ortsgruppe, und bat um Unterstützung des hessischen Handwerker­tages. Der Antrag wird der nächsten General-Ver­sammlung am 22. Februar 1914 unterbreitet werden. Der zweite Antrag war gestellt von der Ortsgruppe Ziegenhain und betraf: Unterstützung der Einkaufs­und Kreditgenossenschaften. Von der Verlesung des Antrages wurde Abstand genommen, da dessen Inhalt im Verlaufe der heutigen Verhandlungen kurz erörtert wurde. Rittergutsbesitzer Baron von Bodelschwingh ermunterte für energische Organisationstätigkeit der Handwerker. Mit Dankesworten schloß der Vorsitzende kurz vor 7 Uhr abends die Tagung.

Cassel, 15. Dezember. Der Honighändler Kasten aus Dudenrode am Harz hatte in den Jahren von 1911 bis 1913 bei zahlreichen Kolonialwarenhändlern in Cassel, Witzenhausen Efchwege, Reichensachsen, Wanfried, Großalmerode, Waldkappel, Bebra und im Kreise Rotenburg Honig als reinen Bienenhonig verkauft, obwohl es sich um ein Gemisch von Kunst­honig mit einem allerdings starken Zusatz von Bienenhonig gehandelt hatte. Die Strafkammer sah in der Art und Weise des Angeklagten, der aus dem Verkauf von verfälschtem Honig ein Gewerbe betrieb, einen Betrug und Nahrungsmittelfälschung und ver­urteilte den bisher unbescholtenen Angeklagten zu drei Monaten Gefängnis, wobei das Gericht ausführte, daß gerade ein solches Naturprodukt vor Verfälsch­ungen geschützt werden müsse.

Heiligenstadt, 14. Dezember. Der Maurerpolier Kücking in Nesselröden wollte ein Schwein in den Stall jagen und schlug das Tier mit einem Stocke, wobei ein Stück abbrach und ihm ins Auge flog. In der Klinik zu Göttingen, wohin sich der Bedauerns­werte sofort begab, wurde das Auge entfernt, da sonst das andere Auge in Mitleidenschaft gezogen worden wäre.

Duderstadt, 14. Dezember. Ein schreckliches Brandunglück ereignete sich gestern nachmittag in Breitenberg bei Duderstadt. Der Maurer August Rhode hatte im Laufe des Tages seine Frucht aus­gedroschen. Das Stroh brächte er in dem neben seinem Neubau stehenden alten Häuschen unter, welches auch als Viehstall diente. Gegen ^26 Uhr nachmittags schlugen aus dem alten Gebäude die Flammen. Rhode begab sich, um das Vieh zu retten, mit seiner Schwester in das brennende Gebäude. Während die Schwester wieder zum Vorschein kam, blieb Rhode verschwunden. Bei den Aufräumungs­arbeiten fand man den 25 Jahre alten Mann als verkohlte Leiche unter den Trümmern.

Gotha, 14. Dezember. Im Thüringer Wald herrschte heute den ganzen Tag über ein furchtbarer Weststurm und andauernd Schneefall. Die Schnee­höhe betrügt durchweg 20 Zentimeter, auf dem Jusels- berge stellenweise 50 Zentimeter.

Sondershausen, 15. Dezember. Vorvergangene Nacht ist bei der Postagentur im benachbarten Berha ein schwerer Einbruch verübt worden. Die Einbrecher haben das Wertgelaß des Agenten förmlich aus dem Arbeitstisch herausgebrochen undsinddamitentkommen. In dem Wertgelaß befanden sich 420 Mark Bargeld, 300 Mark Wertzeichen, ein Geldbrief über 620 Mark, der bei der Agentur niedergelegte Mobilmachungsbrief, sowie das Betriebssiegel und einige Schlüssel. Von den Dieben fehlt noch die Spur, doch vermutet man, daß die Einbrecher die Richtung nach Greußen zu eingeschlagen haben, weil auf dem Wege einige Wert­zeichen gefunden worden sind.

Wetteraussichten für Mittwoch den 17. Dezember.

Wolkig, vereinzelt Regenschauer, kühler, frische nordwestliche Winde.