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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^H^ für den Kreis Hersfeld

herzfelder KreisM

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 182. (Erster Blatt). Sonntag, den 14. Dezember 1913.

Bus der Heimat«

* Eine neue Ordnung für die Ein­fuhr ungvonLehrbüchernandenhöheren Lehranstalten wird jetzt eingeführt,- sie versucht insbesondere, dem unnötigen Wechsel dieser Bücher zur Vermeidung von Ausgaben der Eltern entgegen zu wirken. Es dürfen nur solche Schulbücher in Ge­brauch genommen werden, deren Einführung aus­drücklich genehmigt worden ist. Die Zahl der Schul­bücher ist allmählich einzuschränken. Neue werden nur genehmigt, wenn sie von mindestens zwei An­stalten der Provinz vorgeschlagen werden. Andere genehmigte Bücher dürfen von den Schülern nicht gefordert noch empfohlen werden.

*(DasvordatierteTestament.) Zur Vor­sicht bei Abfassung eigenhändiger Testamente mahnt eine vor wenigen Tagen bei einem Berliner Land­gericht erlassene Entscheidung. Der Testator hatte ganz willkürlich das Testament um etwa vier Wochen vordatiert. Obwohl es bekanntlich höchst selten mit Sicherheit feststellbar ist, an welchem Tage tatsächlich eine mit bestimmtem Datum versehene letztwillige Verfügung getroffen ist, deckte ein Zufall die falsche Datierung auf. Das falsche Datum machte das Testament in Uebereinstimmung mit der konstanten Reichsgerichtspraxis ungültig. In jüngster Zeit hat die Rechtsprechung Einschränkungen dieser schroffen Praxis nur konzediert, wenn eine fahrlässig falsche Datierung vorlag und dieser Umstand aus dem In­halt der Urkunde selbst erkennbar war (z. B.: Ver­schreiben in der Jahrhundertzahl). Im übrigen er­gibt die von dem Landgericht getroffene Entscheidung als unverrückbaren Grundsatz unserer Gerichte: Die Datierung des eigenhändigen Testaments muß wahr­heitsgetreu sein. Mit dem eigenhändigen Testament das uns 1900 aus dem früheren Gebiete des französischen Rechts, den Rheinlanden, überkommen ist hat uns das Bürgerliche Gesetzbuch eine wesent­liche Verkehrserleichterung geschenkt, da es ganz geringe Förmlichkeiten verlangt. Kann es doch selbst in Briefform verfaßt werden. Aber das Publikum muß an seinen drei unwiderruflich unentbehrlichen Erfordernissen streng sesthalten: es muß eigenhändig geschrieben und unterschrieben sein, eine wahrheits­getreue Ortsangabe und ein wahrheitsgetreues Datum enthalten. Ein Mangel in dieser Hinsicht gefährdet die eingesetzten Erben auf Kosten gesetzlicher Erben, die der Testator nicht bedenken wollte.

):( Hersfeld, 13. Dezember. Am kommenden Sonntag nachmittag3Uhr hält die hiesige Z i egen züch­te rvere inigungim Lokal der Brauerei F. L. L>tein- weg eine V e r s a m m l u n g ab, in welcher ein Vortrag über die Verwendung der Ziegenmilch gehalten wird. Auch wird bei dieser Gelegenheit eine Mrlchzenlrnuge vorgeführt, so daß dieser Vortrag für alle Besitzer von Ziegen außerordentlich interessant sein wird.

):( Hersfeld, 13. Dezember. Zur Besichtigung der hiesigen Kriegsschule weilte dieser Tage S^. Excellenz Generalleutnant von Falk, der ^nspetteui der Kriegsschulen, hier und hatte im Hotel Hohen- zollern Wohnung genommen. Gestern benutzte L>c. Excellenz die Gelegenheit, um den -n den Offiziers­kreisen unseres Heeres rühmlichst bekamiten Gestüt des Herrn Rittmeisters der Reserve C. Baumann auf Eichhof einen Besuch abzustatten. Se. Excellenz ließ sich den derzeitigen Bestand an Reitpferden an Hand vorführen sowie auch vorreiten und äußerte seine größte Zufriedenheit über das Gesehene.

H Hersield 13. Dezember. Unsere Leser machen wir auf einen Artikel im dritten BlatteWie muß man seine Di enstbo teu v ersich e ru"besonders aufmerksam. Derselbe enthält m kurzen Z"Gu alles wissenswerte der neuen Bestimmungen Ferner sei ein Artikel im vierten Blatte überW a s l i n n e u wir zur Verbesserung unserer Obst- bäume t u n" von Hern Dootermann-Hatteubach der besonderen Beachtung empfohlen. Dic BeilageNach Feierabend" wird bei Montagsnummcr beigegeben werben.

H Sovskeld 13 Dez. Das Ergebnis der dies­jährigen V i e h'- und O b st baumzähl u H in hie­siger Stadt war folgendes: Gehöfte 94- . -. , Viehstand 371 (417) der vieMltenöen Haushaltungen 402 (454), Pferde 310 (324, Rindvieh 231 (23a), Sc^sc 319 (265), Schweine 841 (676), Siegen295 (287). Dr eingeklammerten Zahlen sind die der Z«H 6

1912. An Obstbäumen wurden gezahlt . 21 3/4 gegen 14 624 bei der letzten Zahlung P Jahre GOll^n Anbetracht, daß seit der letzten ZMNg ein^großer Teil städtischer Obstbaume wegen Straßenbautenrc. gefällt werden mußte, ist die Zunahme von 6/50 Stuck ein erfreuliches Zeichen, daß die Nützlichkeit der »Ost- zucht immer mehr erkannt wird.

):( Hersfeld, 13. Dezember. Zu Hegemeistern wurden folgende Förster ernannt: Tangermann in Wippershain, Oberförsterei Hersfeld-Wippershain, SchmiötzuFriedewald,OberförstereiHersfeld-Meckbach, Kohl zu Niederaula, Oberförsterei Niederaula.

):( Hersfeld, 13. Dez. Herr Betriebsleiter Heinrich Schade begeht heute sein 25 jähriges I u b i l ä u m bei der Firma Benno Schilde Maschinen­fabrik hier. Anläßlich dieser Feier hat die Firma Benno Schilde sämtliche Beamte und Arbeiter für heute Abend zu einem Kommers in der neuen Turn­halle eingeladen.

Niederaula, 10. Dezember. Nach 40jähriger Amts­tätigkeit, von welcher er 34 Jahre in feiner hiesigen Stelle verbrachte, tritt am 1. Januar Herr Lehrer Mannß dahier in den Ruhestand. Mit seiner Ver­tretung ist seit 1. November b. J. die Lehrerin Frl. Römhild beauftragt.

Grotzenenglis, 11. Dezember. Das vierjährige Töchterchen des Maurers R. von hier verbrühte sich am Montag so mit kochendem Wasser, daß es noch am selben Tage starb. Die Großmutter hatte einen Topf mit heißem Wasser vor den Ofen gestellt. Das Kind fiel rückwärts in den Topf (es fuhr gerade fein Schwesterchen) und warf ihn um, sodaß der Körper von den Beinen bis zur Brust vollständig verbrüht wurde. Die Mutter ist infolge des Schreckens erkrankt.

Marburg, 12. Dez. Der Handlungslehrling Theodor M. von hier stahl seinem Lehrherrn im Laufe dieses Jahres aus dem Lager soviel Sachen, daß er unter der FirmaVersandhaus Rellüm" in seiner Wohnung ein eigenes Geschäft eröffnet hat. Wie aus feinem Post-Buche festgestellt wurde, hat er einen Umsatz von 2000 Mk. gehabt. Für 850 Mk. gestohlener Waren wurden in der Wohnung noch vorgefuuüen.

Marburg, 11. Dezember. Der Student der Zahn­heilkunde B. hatte in der akademischen Turnhalle einem anderen Studenten einen Geldbetrag sowie einen Ring entwendet. Vom Schöffengericht wurde er heute zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt, doch soll er der bedingten Begnadigung empfohlen werden.

Helsa, 9. Dezember. Ein unglücklicher Zufall hat sich kürzlich hier ereignet. Beim Bogenschießen trat ber Sohn eines hiesigen Bahnbeamten einen 9jährigen Spielkameraden, Sohn eines Forstbeamten, mit dem Pfeil über das linke Auge. Die Verletzung erwies sich nach zwei Tagen als derart schwer, daß der Ver­letzte in einem Automobil ins Caffeler Rotekreuz- Krankenhaus gebracht werden mußte.

Eisenach, 11. Dezember. Der Zusammenbruch der Mühlenfirma G. Reinemann, Inhaber Karl Heinrich Richard Reinemann, von dem schon seit einer Woche hier gerüchtweise verlautete, muß als neue Miglucks- nachricht im wirtschaftlichen Leben Eijenachs ver­zeichnet werden. Eine Gläubigerversammlung, die aestern stattfand, soll eine Unterbilanz von annähernd einer Million festgestellt haben. Von einer Konkurs- anmeldung soll Abstand genommen werden und wollen die Beteiligten einen Akkord zustande bringen. Eine Fortführung des Geschäftes soll völlig ausge­schlossen sein. Die Mühle steht bereits still.

Eisenach, 12. Dezember. Der Eisenacher Gemeinde­rat satzte einen bemerkenswerten Beschluß. Er war der Ansicht, daß die gegenwärtige große Teuerung besonders von den unteren Gemeindebeamten mit zahlreicher Familie am drückendsten empfunden wird. Deshalb wurde vom Gemeinderat beichlopen, daß diejenigen Gemeindebeamten, die ein Mindestgehalt bis zu 1400 Mk. beziehen, für jedes Kind mne Ge- baltszulage von 50 Mk. erhalten Jollen. Dagegen ollen bklentgen Beamten, die ein Anfangsgehalt bis zu 1800 Mk. haben, erst vorn 3. Kinde ab für jedes weitere Kind unter 16 Jahren eine Zulage von 50 M. Erhalten Die Zulagen dürfen höchstens 200 M. betragen.

Deutscher Reichstag.

Das Haus hielt am Freitag seine letzte Sitzung vor den Weihnachtsferien ab. Auf eine Anfrage des Aba Hoff (fortfchr.) antwortete Geheunrat Müller, daß die Ergebnisse der Viehzählung vom 1. Dezember 1813 bis Ende Januar 1914 veröffentlicht werden sollen, sofern das Material der Bundesregierungen rechtzeitig eingehe. Auf die Anfrage des Abg. Jrl (Ztr.) erklärte Direktor Caspar, daß die für 1913 versprochene Denkschrift über die Rücklagen der Be- rufsgenossenschaften dem Reichstage im Laufe der Session zugehen werde. Darauf nahm das Haus die Uebereinkunft betreffend Maßregeln gegen Pest, Cholera und Gelbfieber in dritter Lesung an, und wandte sich zur zweiten Lesung des Antrages Bafser- mann (ntl.) auf Gewährung von 2 Millionen Mark

zur Beteiligung Deutschlands an der Ausstellung in San Franzisco. Abg. Baflermann (ntl.) berichtete über die Verhandlungen der Budgetkommission. Die Regierung trat dem Anträge entgegen und machte vertrauliche Gründe zur äußeren Politik geltend, aus denen hervorging, daß ein politischer Schaden für Deutschland bei einer Nichtbeteiligung nicht entstehe und erklärte, daß es technisch nicht möglich sei, in der kurzen, noch zur Verfügung stehenden Frist eine würdige Ausstellung herzustellen. Die Kommission beschloß daher, von einer Beschlußfassung abzusehen. Geheimrat Lewald legte noch einmal die technischen Schwierigkeiten im einzelnen dar. Fünf Millionen würde die Ausstellung mindestens kosten. Wenn aber nicht sicher sei, eine würdige Ausstellung schaffen zu können, dann sei jeder Betrag dafür in den Stillen Ozean geworfen. Darauf wurde der Antrag zurück­gezogen, und das Haus setzte die erste Lesung des Etats fort. Abg. Behrens (w. Vg.) bezeichnete den Rückgang der Einnahmen aus der Branntweinsteuer als einen Fortschritt für die Volkswohlfahrt und mißbilligte die Vorkommnisse in Zabern. Der amtliche Apparat habe versagt. Gegen das Mißtrauensvotum haben seine Freunde gestimmt, weil die Sozialdemo- kraten es von vornherein als vollendetes Mißtrauens­votum behandelten, um draußen Stimmung zu machen. Der Weg zum parlamentarischen Regiment sei ungangbar. Was den Arbeitswilligenschutz angehe, so erscheine ihm ein besserer Schutz gegen Beleidigungen durch die Presse wichtiger. Man müsse zuerst die Quelle des Terrorismus durch ein besseres geheimes Wahlrecht verstopfen. Den schlimmen Koalitions­zwang üben die Unternehmer zugunsten der gelben Gewerkschaften aus. Abg. Seyda (Pole) nannte es beschämend, daß der Reichskanzler das Mißtrauens­votum so geringschätzig behandelt habe und meinte, die Balkankämpfe seien ein Menetekel für alle Völker, die nationale Minderheiten unterdrücken, wie Preußen. Vizepräsident Dr. Paasche rügte den Ausdruck. Abg. Alpers (Welse) trat für die Möglichkeit der Schaffung eines Königreichs Hannover ein, das neben den übrigen Königreichen Deutschlands wohl bestehen könne. Abg. Dr. David (Soz.) nannte ein friedliches Verhältnis zu Frankreich die Grundlage des europäischenFriedens. Der Kanzler sei nur ein Werkzeug der Konser­vativen. Die Sozialdemokratie wolle eine demo­kratische Verfassung und kämpfe um die Volks­seele, damit das Volk zur Herrschaft gelange.

Des Redners Wendungen gegen die Armee, für ein parlamentarisches Regiment, veranlaßten Reichs­kanzler v. Bethmann Hollweg zu einer kurzen Rede. Er führte aus, daß die sozialdemokratischen Wünsche eine völlige Verschiebung der Gewalten, eine Schwächung der kaiserlichen Macht bedeuten. Die Behauptung, daß eine tiefe Kluft zwischen Offizieren und Mannschaften des Heeres bestehe, zeuge von Unkenntnis der Verhältnisse. In keinem Heere der Welt werde das gute und vertrauensvolle Verhält­nis zwischen Offizieren und Mannschaften so gepflegt wie im deutschen. Die Geschichte beweise, daß gerade darin die größte Stärke des Heeres gelegen habe. Was die Zaberner Angelegenheit anlange, so ver­kenne er die sachlichen Motive bürgerlicher Sorge um Recht und Gesetz durchaus nicht. Aber die Be­hauptung, daß er das Recht nicht geschützt habe, sei eine Umkehrung des wirklichen Sachverhalts, gegen die er Verwahrung einlegen müsse. (Beifall.) Abg. Hoff (fortfchr.) meinte, die Großagrarier schädigen die deutsche Volkswirtschaft durch Hineinziehung aus­ländischer Arbeiter und stemmen sich der inneren Kolonisation entgegen. Nach kurzer weiterer Er­örterung schloß dieselbe und der Etat wurde der Budgetkommission überwiesen. Das Haus wandte sich nun der sozialdemokratischen Interpellation über die Zusammensetzung der Rüstungskommission zu. Abg. Ledebour (Soz.) begründete sie. Staatssekretär Dr. Delbrück schilderte das Zustandekommen der Kommission und seine Verhandlungen mit der sozial- demokratischen Fraktion. Letztere schlug u. a. den Abg. Liebknecht vor, den der Reichskanzler wegen seiner scharfen Stellungnahme ablehnte. Der Reichs­tag könne wohl Wünsche äußern, aber keine Forder­ungen aufstellen, wer der Kommission angehören solle. Das hätte auch den Wünschen der Mehrheit des Reichstages nicht entsprochen. Die Kommission soll in Ruhe die Verhältnisse prüfen; der Abg. Lieb­knecht aber hätte eine solche ruhige und unvoreinge­nommene Stellungnahme nicht erhoffen lassen. Daher sei seine Aufnahme abgelehnt worden. Das Haus besprach die Interpellation und nach mehr als acht­stündiger Sitzung ging das Haus in die Weihnachts­ferien.

Wetteraussichten für Sonntag den 14. Dezember.

Wolkig, trocken, später Trübung, Regenfälle, kühler, westliche Winde.