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M Sparkassen Im Jahre 1912.

Ersparte Milliarden.

Wir leben unbedingt in einer Zeit der allgemeinen Teuerung. Die Lebensmittelpreise sind gegen die frühe­ren bereits teuren Jahre noch gestiegen und auch die Preise für die verschiedensten Rohmaterialien sind er­heblich in die Höhe gegangen. Natürlich haben dadurch die verschiedensten Handelsartikel wieder eine Preis­steigerung erfahren müssen, und um den allgemeinen Teuerungsverhältnissen Rechnung tragen zu müssen, haben die Hauswirte die Mieten erhöht. Im Königreich Sachsen betragen die Kosten der wöchentlichen Ausgaben der Nahrungsmittel für eine vielköpfige Familie gegen­wärtig 26 .^ Im Jahre 1911 dagegen rund 31 .£ Die Ernährung ist also in den letzten sieben Jahren fast um ein Fünftel teurer geworden. Von allen sächsischen Städten hat Chemnitz mit 27 50 Pfg. Nahrungs- mittelaufwand für eine vielköpfige Familie als die teuerste zu gelten. Dann folgen Krimmitschau (26,58

Leipzig (26,55 ^0 und nun kommt erst Dresden mit 26 53 Pfg. Die Lebensmittelpreise gelten im König­reiche Sachsen allgemein als teuer; es werden sich aber am Rheinland die gleichen, wenn nicht noch höhere Preise finden.

Man glaubt allgemein, daß diese Teuerung auch für die eigene Vermögenskasse besonders empfindlich sei. Dieser Teuerung stehen aber auch erhöhte Gehälter und Arbeitslöhne gegenüber, die zwar ein Gleichbleiben des Einkommens, aber keine erhöhte Sparkraft ermöglichen. In den preußischen Sparkassen betrug am Jahresschluß 1912 der Einlagebestand 12,43 Milliarden X d. s. 299,84 Mark auf den Kopf der Bevölkerung. Die gesamten Einlagen sind am Schluß des Geschäftsjahres noch um 600 Millionen JL höher gewesen als am Anfang. Diese Steigerungsziffer ist aber doch wesentlich gegen die­jenige der drei Vorjahre'zurückgeblieben. Gegen 1909 um 164 Millionen .^, gegen 1910 um 174 Millionen ^K und gegen 1911 um 130 DNllionen ^ Man sieht also, daß die Sparkraft trotz einer anscheinenden Besserung doch noch im Abnehmen begriffen ist. Man rechnete an Zunahme der Einlagen 5,07 v. H. Die fleißigsten Sparer sind in Ostpreußen (Regierungsbezirk Gumbinnen und Königsberg), in Pommern (Regierungsbezirk Köslin), sowie in den Provinzen Westfalen und Rheinland mit den Regierungsbezirken Stade, Münster, Arnsberg und Koblenz zu finden. In allen übrigen Bezirken ist die Sparkraft gesunken; im Regierungsbezirk Potsdam um 12 und im Regierungsbezirk Düsseldorf sogar um 18 Millionen Mark.

Diese verminderten Spareinlagen sind nicht nur eine Folge der Teuerung; denn auch die Kriegsfurcht hat so manchen veranlaßt, sein Geld daheim aufzube- wahren, weil er glaubte, auch auf der Sparkasse sei das Geld nicht sicher. Es fanden auch in manchen Monaten in größeren Städten statt der Einlagen Rückzahlungen bis insgesamt einer Million statt. Das Geld auf der Sparkasse ist auch bei Kriegsgefahr in jeglicher Bezie­hung geschützt. Selbst ein Zinsverlust kann nicht ein­treten. Die preußischen Sparkassen erzielten im Jahre 1912 einen Zinsüberschutz von 104,07 Millionen Mark, gegen das Jahr 1911 ein Plus von 5,74 Millionen Mark, wobei aber mit einzurechnen ist, daß viele Spar­kassen ihre Gelder zu erhöhtem Zins ausgeliehen haben. Die Verwaltungskosten beliefen sich auf 23,14 Millionen Mark gegen 21,78 Millionen Mark im Jahre 1911.

Es ist also ein Rückgang der Sparkraft zu ver­zeichnen, aber kein auffällrger. Die meisten Sparkassen besitzt das Königreich Sachsen. Auf hundert Einwohner entfallen in Deutschland 33,1 Sparbücher. Im ganzen Deutschen Reich kommen auf 188,9 Quadratkilometer eine Sparkasse, im Königreich Preußen auf 238,7 Qua­dratkilometer, im Königreich Sachsen dagegen auf 41,5 Quadratkilometer.

Die meisten Spareinzahlungen erfolgten in der Rheinprovinz mit 2560,64 Millionen Mark. Dann folg­ten Westfalen mit 2047,48 Millionen, Hannover mit 1448,11 Millionen und Brandenburg mit 1153,3 Millio­nen Mark. Von den Sparkassenbeständen waren 42,13 v. H. Ende 1912 in Hypotheken angelegt Es ist also ein gewaltiges Kapital, das die Sparer nutzbringend an­legen, und das wiederum durch die Sparkassenverwal- tungen selbst diesen und gelöbedürftigen Kreisen Nutzen bringt.

Die Verjährung von Forderungen.

Sorgen am Jahresschluß.

Die Ansprüche aus den Geschäften des täglichen Verkehrs, deren baldige Erfüllung üblich ist, so beson­ders die Forderungen der Gewerbetreibenden und Kaufleute für Lieferungen von Waren, soweit diese für den Privatgebrauch des Empfängers erfolgten, verjähren nach § 196 BGB. in zwei Jahren. Geschah die Lieferung für den Gewerbebetrieb des Schuldners, so tritt die Verjährung ebenso wie für die

Das neue Fräulein.

Original-Roman von F r. L e h n e.

38) (Nachdruck verboten.)

Einmal sagte er zu ihr: „Na, Kind, wie denkst Du Dir denn eigentlich mal Dein Leben zu gestalten?"

Erschreckt sah sie ihn an. „Ich soll wohl fort?"

„Nein, im Gegenteil! Wir möchten Dich so lange wie möglich behalten — am liebsten ganz! Ich dachte aber, Du wolltest nicht mehr hier bleiben, weil es Dir zu wenig Gehalt ist. Auch weiß ich ganz genau, daß Psaff, weißt Du, der das neue Geschäft in der Kaiser­straße hat, ein Auge auf Dich geworfen hat. Ihm zu- vorzukommen, sollst Du vom 1. Dezember ab pro Mo­nat hundert Mark haben; hoffentlich bleibst Du dann."

Gerührt blickte sie zum Onkel auf. Mit ihrer fein­fühligen Natur durchschaute sie seine Absicht.

„Wie kommst Du darauf, daß ich unzufrieden bin? Nein!"

„Na, laß man gut sein, Kleine! Aber es ist nicht mehr als recht, daß Du auch bekommst, was Du ver­dienst. Du schaffst ja sür zwei! Wir nutzen keine frem­den Leute aus, geschweige Dich, liebes Kind! Also ab­gemacht — es bleibt so, von allein hättest Du ja auch nichts gesagt."

„Dann nehme ich es dankend an, lieber Onkel!"

Sie freute sich wirklich darüber. Der Onkel war doch gut — wie oft schickte er ihrem Mütterchen Konser­ven, Wurstwaren und kleine Leckerbissen; sie hatte es garnicht gewußt, bis Erna es chr bei ihrem letzten Dort­sein gesagt hatte.

„Du, Trude, wirst Du mir eine Frage übel- nehmen?"

„Nein — warum?"

Ma, ich meinte nur —" er räusperte sich, „ist es «MAS Drin ernster .Entschluß, nicht zu heiraten? Ich

runi

die vierjährige Verjährung beginnt nicht mit dem Tage Rückstände von Zinsenforderungen, Miet- und Pachtgel­dern erst nach vier Jahren ein. Die zwei-, ebenso wie der Entstehung des Anspruchs, sondern erst mit dem Schluß des Jahres, in dem der Anspruch entstan­den ist.

Mit dem 31. Dezember dieses Jahres verjähren mithin insbesondere die im Jahre 1909 entstandenen Forderungen aus Warenlieferungen von Gewerbetrei­benden gegenüber anderen Geschäftsbetrieben und im Jahre 1911 entstandene Ansprüche aus der Lieferung für den privaten Bedarf der Kundschaft. Außer diesen kur­zen Verjährungsfristen kennt das Bürgerliche Gesetz­buch die auf dreißig Jahre bemessene regelmäßige Ver­jährungsfrist. § 607 Abs. 2 BGB. bietet Gläubiger und Schuldner die Handhabe, diese dreißigjährige Verjäh- gsfrist auch für Waren- usw. Forderungen dadurch begründen, daß vereinbart wird, daß die Beträge dieser Forderungen als Darlehen geschuldet werden sollen.

Um eine Verjährung seiner Forderung zu ver­hindern, hat der Gläubiger Sorge zu tragen, daß die Verjährung unterbrochen wird. Dies kann ge­schehen durch Anerkennung der Schuld seitens der Ver­pflichteten mittels Abschlagszahlung, Zinszahlung, Sicherheitsleistung usw., oder insbesondere durch Erhe­bung der Klage bezw. Zustellung eines Zahlungs­befehls im Mahnverfahren. Die neue Verjährungsfrist infolge der Unterbrechung der Verjährung beginnt je­doch, wie das Reichsgericht erkannt hat, nicht erst mit dem Schluß des Jahres, sondern sofort nach Beendigung der Unterbrechung. Wird die Klage zurückgenommen oder rechtskräftig abgewiesen oder wird im Mahnver­fahren nicht ein Vollstreckungsbefehl erwirkt oder im Fall erhobenen Widerspruchs der Anspruch nicht im Klagewege weiter verfolgt, so gilt die Unterbrechung der Verjährung als nicht erfolgt.

Eine Mahnung des Schuldners, auch durch ein­geschriebenen Brief oder durch Vermittlung eines Rechtsanwalts bewirkt entgegen einer noch vielfach ver­breiteten Meldung keine Unterbrechung der Verjährung.

Nachrichten von der weslgrenze.

Frankreich ist voll Argwohn.

Der Pariser „Excelsior" lischt seinen Lesern eine eingehende Studie über die deutschen Grenzbefestigun- gen in Elsaß-Lothringen auf, wobei er u. a. auch er­wähnt, daß Zabern und Mutzig bald größere Garnisonen erhalten werden. Das Zunehmen der deutschen Befesti­gungen und Heeresvermehrungen an der elsatz-lotyrm- gischen Grenze scheine zu bewerfen, daß Deutschland hier Banz methodisch vorgehe. Von Jahr zu Jahr verstärke )eutschland die Befestigungen in Elsaß-Lothringen in sehr intensiver Weise, trotzdem der Charakter seines Heeres offensiv sei. Es scheine also, als ob Deutschland seine Attacke auf die andere Seite verlegen will. Es sei wohl nicht nötig, anzugeben, daß Frankreich hierzu das nötige Terrain liefern würde. Frankreich müsse also auf der Hut sein und jede deutsche Befestigung unweit der französischen Grenze mit einer französischen Befesti­gung unweit der Grenze beantworten.

Verirrte Geschosse.

Bet einem der letzten gefechtsmäßigen Scharf­schießen, das von dem Metzer Infanterie - Regi­ment Nr. 130 bei dem deutsch - lothringischen Dorfe Marieulles abgehalten wurde, follen sich zahlreiche Jn- fanteriegeschosse in das Dorf Marieulles verirrt haben. Nach der Schilderung des „Temps" hagelte es Geschosse auf die Häuser von Marieulles. Unter der Bevölkerung brach eine Panik aus und die Leute flüchteten in die Keller. Der Bürgermeister des Ortes telephonierte sofort dem Obersten des Regiments nach Metz, worauf die Schießübungen aufhörten. Eine strenge Untersuchung sei eingeleitet worden. Man nimmt an, daß sich die Soldaten in der Richtung geirrt haben, denn an dem Morgen herrschte starker Nebel. Der „Temps" nennt diesen Vorgang, der sich auf deutschem Boden abgespielt hat, einen Grenzzwischenfall.

Politische Rundschau«

Das Gehalt des Reichskanzlers. Nach Aeußerungen der maßgebenden parlamentarischen Kreise haben die Be­strebungen der sozialdemokratischen Presse und einiger demokratischer Blätter, den Reichstag zu Streichungen im Etat des Reichskanzlers zu veranlassen, die eine Fort­dauer der Mißstimmung gegen den Kanzler zum Aus­druck bringen würden, nicht die geringste Aussicht auf Erfolg. Nicht einmal der Freisinn ist einem derartigen Vorgehen geneigt.

Der Schutz der Arbeitswilligen. Die Meldung eines bayerischen Blattes, daß im Reichsamt des Innern ein Gesetzentwurf betreffend den erhöhten Schutz der Ar­beitswilligen ausgearbeitet werde, trifft nicht zu. Im

denke, Du besinnst Dich noch mal — Ihr werdet Euch schon wieder vertragen."

„Onkelchen, vergißt Du ganz —" bat sie.

„Nein, nein! Sieh, ich wollte Dir nur sagen, wenn Du also nicht heiratest, sollst Du nicht daran denken, von uns fortzugehen. Wir haben doch keine Kinder, und ich habe Dich so lieb gewonnen, daß ich Dich als mein lie­bes Töchterchen behalten möchte. Du erbst dann das Geschäft — na, und das andere wird sich finden."

Tränen traten in ihre Augen; zärtlich umfaßte sie ihn, ihn dankbar auf beide Wangen küssend; sie war zu gerührt, um etwas sagen zu können. Verlegen wehrte er —• „laß nur gut sein, Trudchen, laß nur!"

Nach und nach hatte Gertrud ihr seelisches Gleich­gewicht wieder erlangt. Nun durfte sie ohne Selbstvor- würfe an Albrecht denken. Manchmal wurde die Sehn­sucht nach ihm so mächtig, daß sie meinte, sie könnte ohne seinen Anblick nicht leben. Aber sie zwang das Verlan­gen nieder, wenn sie auch dachte, er hätte doch einmal trotz ihres Verbots schreiben können! Zu Ferdinand schweiften ihre Gedanken ebenfalls; er war ihr jetzt nä­her als früher —, und gern hätte sie von ihm gehört; sie hatte noch immer großes Interesse für ihn; sie hätte ihn gern als Freund behalten. Die Erinnerung an jene Stunde, in der sie sich von ihm losgesagt, schmerzte noch immer — sie hatte ja nicht anders handeln sönnen!

Es war Ende November — ein trüber, naßkalter Sonntag vormittag, an dem viel zu tun war, doppelt, da Frau Anna krank im Bett lag und die Anforderungen des Haushaltes wie des Geschäftes alle an Gertrud allein herantraten. Sie befand sich in dem kleinen An­richteraum, im Vorrat belegte Brötchen zurecht machend, als die Ladenklingel ertönte. Sie eilte hinaus-- das Blut stieg ihr siedendheiß zu Kopf — Albrecht von Marburg in Begleitung des Hauptmanns von der Hey- den stand vor ihr — sonnig und heiter wie immer. Mit innigem Ausdruck hasteten feine Augen auf ihrem er­

«amt des Innern beschäftigt man sich natMich auch :fer in der Oeffentlichkert vielfach erörterMr Frage, aber bisher nur in der Weise, daß das erfordMiche Ma­terial zur näheren Prüfung der Angelegenheit bearbeitet wird. Von der Ausarbeitung einer Borlage ist vorläu­fig noch keine Rede.

Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages wird in der mecklenburgischen Verfassungsfrage eine Interpellation einbringen. Die Fraktion hat am Mitt­woch den Genossen Scheiöemann anstelle Beöels zum Vorsitzenden gewählt.

Neue Einigungsversttche zwischen Aerzten um» Krankenkassen. Nach dem B. T. hätten sämtliche medi­zinischen Fakultäten der deutschen Universitäten sich mit einer Eingabe an den Reichskanzler gewendet, um eine allgemeine Einigung zwischen den Aerzteorganisationen uns den Krankenkassen im Reiche in die Wege zu leiten.

Schritte des Dreiverbandes w^en der deutschen Militärmission werden in folgender Meldung des Reu- terschen Bureaus angekündigt: Es ist beschlossen wor­den, daß die englische, die französische und die russische Regierung in Konstantinopel Erkundigungen einziehen, ob es wahr sei, daß die türkische Regierung einem deut­schen Offizier ein Oberkommando in der türkischen Ar­mee übertragen habe, und bis zu welchem Grade dies die Lage in Konstantinopel berühren werde. Die Unterre­dungen über diese Frage, die zwischen dem russischen Botschafter und der deutschen Regierung in Berlin statt- fanden. trugen ein sehr freundschaftliches Gepräge, und Deutschland nahm Kenntnis von der Absicht der drei Mächte, in Konstantinopel Erkundigungen einzuziehen.

Deutsche Lehrmeister für Bulgarien. Der Pariser „Temps" meldet, daß die bulgarische Regierung beschlos­sen habe, die bulgarischen Offiziere zu ihrer Ausbildung nur nach Deutschland zu schicken und keine mehr nach Frankreich und Rußland.

Innere türkische Schwierigkeiten. Die Wiener Neue Freie Presse meldet aus Konstantinopel: Der Groß- vezier unterbreitete Mittwoch vormittag dem Sultan seine Demission. Der Sultan bat ihn, sein Gesuch zurückzuziehen, jedoch beharrte der Großvezier auf sei­nem Gesuch. Generalstabschef Hadi Pascha, ein Gegner der deutschen Militärmission, soll beabsichtigen, zurück- zutreten.

Kleine nadirichfen«

Keine Versetzung des Lentnants von Forstner. Mit Bezug auf die Meldung, Leutnant von Forstner sei nach Gleiwitz versetzt worden, wird dem Straßburger Ver­treter des „Dtsch. Kur." seitens des Generalkommandos mitgeteilt, daß dort von einer Versetzung des Leutnants von Forstner nichts bekannt sei. Nach einer Blättermel- öung aus Hagenau tut Leutnant von Forstner bet der 4. Kompagnie Dienst.

Ein Opfer von Gesundbetern? Wie die „Nat. Ztg." zu dem plötzlich erfolgten Tode der Berliner Hofschau­spielerin Nuscha Butze erfährt, ist die Verstorbene das Opfer von Gesundbetern geworden, die sie in der un­sinnigsten Weise behandelten und der Zuckerkranken rei­nen Zucker zu essen gaben. Wie die Zeitung weiter er­fährt, beabsichtigt der Hausarzt der Künstlerin gegen diese Sekte mit einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft vorzugehen.

Ein neuer Riesendampfer des Norddeutschen Lloyd. Auf der Danziger Schichauwerft findet am 17. d. M. in Anwesenheit des Krmrprtnzenpaares der Stapellauf ei­nes 35 000 Tonnen großen Fracht- und Passagierdamp­fers für den Norddeutschen Lloyd statt. Die Taufe des Riesendampfers, der den Namen „Columbus" erhält, vollzieht die Kronprinzessin Cecilie.

Eine neue Spionageaffäre in Oesterreich-Ungarn. In Wiener militärischen Kreisen verlautet, daß man einer neuen kolossalen Spionageaffäre auf die Spur ge­kommen sei, doch weigern sich die zuständigen Stellen entschieden, der Presse eine Auskunft darüber zu geben.

Wieder ein Raubtieransbruch bei einer Kinoauf- «ahme. In Turin brachen zwei Löwen, die unter Auf­sicht der Wärter an einer Kinoszene teilnahmen, aus. Der eine wurde ergriffen, als er sich auf ein Pferd stürzte, der andere entkam in den Turiner Staötpark. Die Anlagen wurden von Schutzleuten und der Feuer­wehr umstellt.

Ein kostbarer deutscher Diamant. Die Vereinigten Diamantminen in Lüderitzbucht haben angeblich auf dem Südfeld einen Stein von 12,5 Karat im Werte von 90 000 Mark gefördert.

Meuterei auf einem spanischen Dampfer. Während der Ueberfahrt des Dampfers „Alfonso 12" von La Co- runa nach Cadix meuterten die Maschinisten und die Heizer gegen die Offiziere. Im Verlaufe des entstehen­den Tumultes wurden ein Offizier und mehrere Heizer verwundet. Die Meuterer sind bei Ankunft auf der Reede von Cadix verhaftet worden.

Ein englisches Unterseeboot gesunken. Wie gemel­det wird, ist das englische Unterseeboot „C 14" infolge

glühenden Gesicht, und immer wieder drückte er ihre beiden Hände.

„Wie glücklich bin ich, Sie zu sehen, Fräulein Ger­trud," sagte er, und die Freude darüber leuchtete nur so aus seinen Augen. „Wie geht es Ihnen? Sie sehen so wohl aus!" Selbstvergessen ruhten ihre Blicke in­einander; endlich befreite sie ihre Hände aus den sei- nigen. Sie bemerkte, wie des Hauptmanns Augen mit verzehrendem Ausdruck auf ihr ruhten, und sie zwang sich, Albrecht ihre Freude nicht gar so deutlich zu zeigen.

„Wundern Sie sich nicht, mich schon wieder hier zu sehen?" fuhr er fort, „ja? Ich hatte Sehnsucht nach dem lieben X. und allen seinen Bewohnern — da bin ich also schnell mal herübergekommen!"

„Könnten wir das mit der Sehnsucht nicht auf eine gewisse, bestimmte Person beziehen?" fragte der Haupt­mann, während ein bezeichnender Blick zu Gertrud flog.

„Wenn Sie es denn so genau wissen, will ich Ihnen schon recht geben, Herr Hauptmann," entgegnete Albrecht. A propos, wie geht es Frau Tante?"

„Sie ist erkältet und liegt seit gestern zu Bett!"

„O, ich bedaure! Hoffentlich haben Sie nachher ein paar Minuten Zeit für mich, Fräulein Gertrud?" Und grüßend gingen die beiden Herren nach der Weinstube, da soeben einige Dienstmädchen gekommen waren, die Gertrud bedienen mußte. Mit langem Blick sah Ger­trud dem Geliebten nach und seufzte tstf auf — was für Stürme rief doch dieses Wiedersehen in ihr wach!

„Ich möchte gar zu gern wissen, Marburg, was Sie mit der Kleinen haben," begann der Hauptmann, „das muß ja ein Blinder merken, daß Sie beide einig sind, möchte man beinahe behaupten. Sie Glückspilz, Sie — Ihnen strahlen jene süßen Augen in so unverhüllter Zuneigung zu." —

(Fortsetzung folgt.)