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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld Angelder KleisM

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 179. Donnerstag, den 11. Dezember 1913.

Bus der Heimat.

-b- Hersfeld, 10. Dezember. Der Bund der Landwirte für Kurhessen wird seine dies­jährige Provinzial-Versammlung am 18. d. Mts. im großen Stadtparksaale zu Cassel abhalten. Der ver­dienstvolle Bundesvorsitzende, Herr Landtagsabge­ordneter Dr. Roesicke, wird die aktuellen politischen Fragen vortragen, während sein Fraktionskollege aus dem Abgeordnetenhause, Herr Landrat von Gehren- Homberg sprechen wird über das in ganz Kurhessen außerordentlich interessierende Thema:Der Aus­bau der Wasserkräfte im oberen Quellgebiet der Weser und seine Bedeutung sür die Landwirtschaft und den gewerblichen Mittelstand." Außerdem werden in der Aussprache eine Reihe bekannter Männer des Parlamentariats das Wort nehmen. Da alle Land­wirte im Regierungsbezirk Cassel außerordentlich große Hoffnungen auf die Eüertalsperre setzen, dürfte ihnen hier Gelegenheit geboten sein, aus dem Munde des Schriftführers aus den Commissionsberatungen im Preußischen Abgeordnetenhause, Herr Landrat von Gehren, über diese Materie genauste Auskunft zu erhalten. Zweifellos stehen den Besuchern dieser Versammlung, zu welcher außer den Mitgliedern auch Freunde der Bundesbewegung höflichst eingeladen sind, lehrreiche und genußreiche Vorträge in Aussicht. Den knrhessischen Bauern wird es eine besondere Ehre und Freude sein, ihren altbewährten Führern in der Residenzstadt Cassel entgegen jubeln zu dürfen.

):( Hersfeld, 10. Dezember. Am nächsten Sonntag veranstaltet der hiesige T u r n v e r e i nI a h n" ein K r i e g s s p i e l in der Richtung nach Wüstfeld zu.

):( Hersfeld, 10. Dezember. Bei dem vom Ver­kehrsverband für Hessen und Waldeck in Verbindung mit dem Bund deutscher Verkehrsvereine veran- stalteten Wettbewerb für Photographien hat das Preisgericht in Leipzig beschlossen, eine Sammlung hessischer Aufnahmen des Herrn Hofphoto­graphen E. B i n g e l hier durch einen Preis auszu- zeichnen.

):( Hersfeld, 10. Dezember. An Stelle des Herrn Amtsrats Freise, welcher sein Amt als Kreis­tagsabgeordneter niedergelegt hatte, wurde heute vormittag Herr Domänenpächter Rabe von Pappenheim-Wilhelmshof vom Wahlver- bande der Großgrundbesitzer gewählt.

-m- Philippsthal, 7. Dez. Untergroßer Anteilnahme der Bevölkerung wurde heute in Gegenwart Ihrer Hoheiten des Landgrafen Ernst und Prinzen Carl von Hessen das neu erbaute GemeindehausViktorienheim" eingeweiht. Der Bau war bei dem günstigen Herbst­wetter durch die emsige Tätigkeit der fast durchweg

wetter durch die emsige Tätigkeit der fast durchweg heimischen Handwerker so gefördert worden, daß die Kleinkinderschule, die der Vaterländische Frauen- verein heute mit über 50 Kindern darin eröffnet hat, noch jetzt vor Weihnachten in Betrieb genommen werden konnte. Das Haus enthält, außer dem großen Saal, noch zwei Vereinszimmer, ein öffentliches Lese­zimmer mit Volksbibliothek und circa 20 Zeitungen, darunter auch das durch die Güte des Verlags kosten­los zur Verfügung gestellte Hersfelder Tageblatt, ein Volksbad, sowie die Wohnung der Gemeindekranken­schwester und der Kindertante. Durch Beiträge ehe­maliger Philippsthaler, sowie durch Gaben und Geschenke von Ortsbewohnern jeden Standes, konnten alle Räume des Hauses vom Kuratorium des Viktorienheims und dem Frauenverein schön aus­gestattet werden. Das vom Herrn Architekt Seifert, Eisenach, erbaute stattliche Haus ist mit seinem schmucken freundlichen Aeußern eine Zierde des Orts und seine Einrichtungen fanden allgemeinen Beifall. Im bildergeschmückten Saale fand die Einweihung durch Gesang der Schulkinder mit Rede und Gebet des Herrn Pfarrers H e ß l e r statt. Ein Rundgang durch das Gebäude schloß sich an. Gäste und Ein­heimische versammelte darauf ein Festmahl im Zinn- schen Gasthofe, bei dem die Mitglieder der Gäste, des Baumeisters und aller, die am Hause mitgeholfen, der hochherzigen Spender für den Bau, nah und fern, besonders der Gemeinde Philippsthal und des Kali­werkes Hattorf mit herzlichem Danke gedacht und die Liebe zur Heimat gepriesen. Für den Abend hatte der Vaterländische Frauenverein die Frauen des Orts in das Gemeindehaus als sein neues Vereins­lokal zum Kaffee eingeladen, und die Mitglieder hatten Kuchenberge dazu gespendet. Die Vorsitzende, Frau Hauptmann B ö t t i ch e r, begrüßte die zahl­reiche Versammlung, worauf die Vertreterin der Frau Oberin des hessischen Diakonissenhauses-Cassel, die vorstehende Schwester des dortigen Kleinkinder- lehrerinnenseminars, fesselnd von ihrer Arbeit unter den Kindern erzählte. Mannigfache musikalische Dar­bietungen und Deklamation verschönten den Abend, der bei allen Anwesenden hohe Befriedigung hinter­

ließ. Möge das neue schöne Gemeindehaus ein rechter Segen für den Ort werden!

Fulda, 9. Dezember. In der gestrigen gemein­schaftlichen Sitzung der beiden städtischen Körper­schaften wurde Dr. Antoni als Oberbürgermeister der Stadt Fulda auf zwölf Jahre wiedergewählt, und zwar mit 33 von 38 abgegebenen Stimmen. Nach amtlicher Mitteilung wird der große Distelrasen­tunnel zwischen Flieden und Schlüchtern bestimmt am 1. Mai 1914 in Betrieb genommen werden.

Cassel, 9. Dezember. Znm Kommandeur der 22. Division ist an Stelle des zum Chef der deutschen Militärmission der Türkei ernannten Generalleutnants von Sanders heute der Oberquartiermeister im Generalstab der Armee, Generalleutnant Exzellenz Freiherr von Freytag-Loringhoven ernannt worden. Der neue Kommandeur wird wahrscheinlich am 15. Dezember schon das Kommando der 22. Division über­nehmen.

Gießen, 10. Dezember. Das Dienstmädchen Christine Gorben stieß eine brennende Lampe um und zog sich dabei so schwere Brandwunden zu, daß sie den Verletzungen erlag.

Frankfurt a. M., 9. Dezember. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Montag vormittag kurz nach 11 Uhr in einem Hause der oberen Friedberger Landstraße. Während der Ausläufer Friedrich Salzner und seine als Monatsfrau tätige Ehefrau ihrer Arbeit nachgingen, spielten die drei Kinder der Ehe­leute in der Küche. Die sechsjährige Maria machte sich an dem Herde zn schaffen, als plötzlich eine glühende Kohle vom Feuer herunter auf des Kindes Kleid fiel, das im Nu lichterloh brannte. Das Mädchen und seine jüngeren Geschwister erhoben nun ein lautes Hilfegeschrei, das eine auf dem aleichen Flur wohnende Frau auf den Vorfall aufmerksam machte. Die Frau eilte in die Nachbarwohnung, erstickte die Flammen durch ein über das Kind geworfenes Tuch und rief die Rettungswache herbei. Diese fand das Kind in vollständig geröstetem Zustande vor, legte die erforder­lichen Verbände an und verbrachte es nach dem Marienkrankenhause, wo es kurz nach der Einliefe- rung seinen Verletzungen erlegen ist.

Fritzlar, 9. Dezember. Wegen Vergehens gegen 8 74 Absatz 3 des Viehseuchengesetzes vom Jahre 1909 hatte das Landgericht Cassel am 9. Juni d. Js. den hiesigen Viehhändler Sauer zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. Sauer hatte am 12. November 1912 ge­legentlich des Ankaufes einer Kuh mit einem Land­wirt in Bergel (Amtsgerichtsbezirk Gudensberg) auch Rücksprache über den späteren Kauf einer damals noch trächtigen Kuh genommen. Nachdem am 10. Dezember 1912 das Geschäft abgeschlossen worden war und die Kuh inzwischen gekalbt hatte, holte S. wenige Tage danach Kuh und Kalb und überbrachte sie einem Re- flekanten im Bezirk Fritzlar. Hierdurch verstieß er gegen eine wegen der herrschenden Maul- und Klauen­seuche erlassene Viehseuchenpolizeiliche Anordnung des Landrates, die in § 23 den Hausierhandel mitKlauen- vieh in den Bezirken Fritzlar und Gudensberg ver­bot. Die Strafkamer stellte fest, daß Sauer nicht zu dem Verkäufer bestellt gewesen sei und somit auch eine Ausnahmebestimmung nicht Platz zu greifen habe. Die gegen das Urteil von S. eingelegte Re­vision, welche die Rechtsgiltigkeit der Anordnung be- stritt, hat das Reichsgericht gemäß dem Anträge des Reichsanwaltes als unbegründet verworfen.

Deutscher Reichstag.

In seiner Sitzung vom Dienstag erledigte das Haus zunächst einige kurze Anfragen. Abg. Baffer- mann (natl.) fragt, ob tatsächlich englische Unter­nehmer in Arabien, Syrien und Mesopotamien be­deutende Petroleumkonzessionen von der Türkei erworben und sich verpflichtet haben, das gewonnene Rohöl nur an die englische Admiralität zu verkaufen, wobei beabsichtigt sein soll, den Wettbewerb anderer Länder in diesen Gebieten auszuschlietzen. Staats­sekretär v. Jagow erwiderte, daß die Türkei mit einer deutschen und mit einer englischen Jntereffentengruppe verhandle, und daß das deutsche Interesse dabei ge­wahrt würde. Auf eine weitere Anfrage des Abg. Bassermann, erwiderte Staatssekretär v. Jagow, daß bei dem Abkommen zwischen Rußland und China vom 5. November 1913, durch welches die Suzerenität Chinas über die äußere Mongolei und die Autonomie der letzteren anerkannt wurde, dem Deutschen Reiche die Meistbegünstigung gewährt worden sei. Auf eine Anfrage des Abg. Gnnsser (fvrtschr.) teilte Direktor Caspar mit, daß ein Entwurf über die Aenderung des 8 33 der Reichsgewerbeordnung (Schankkonzessionen im Gastwirtsgewerbe) ausgearbeitet und dem Bun­desrat vorgelegt sei. Auf eine Anfrage des Abg. Blankenhorn (natl.) antwortete Direktor v. Joncqnieres,

werde vorbereitet.

daß es möglich und angezeigt erscheine, der Fabrikation der Malzweine entgegenzutreten. Eine Vorlage

Auf die letzte Anfrage, die des Abg. Wurm (Soz.) erklärte Direktor Müller, daß der Reichskanzler nicht die Absicht habe, das Gesetz über die vorübergehende Zollerleichterung über die Fleisch­einfuhr, das am 31. März 1914 ablaufe, zu verlängern. Nunmehr wandte sich das Haus der ersten Lesung des Etats zu, die schon in voriger Woche durch eine

Rede des Reichsschatzsekretärs eingeleitet wurde. Unter großer Spannung des stark besetzten Hauses nahm zunächst Reichskanzler von Bethmann-Hollweg das Wort. Er besprach die Vorgänge auf dem Balkan, die die deutsche Politik auch in den letzten Monaten stark beschäftigt Haben. Durch die Friedensschlüsse seien die Ereignisse zwar aus dem Zustande der akuten Konflikte herausgetreten, die Folgen der welt­geschichtlichen Umwälzung aber noch nicht abgeschlossen. Deutschland sei bemüht, durch Benehmen mit anderen Großmächten die demnächstige Lösung der albanischen Frage vorzubereiten. Die Großmächte hätten in allen Phasen der Balkankrisis schließlich doch so fest zu­sammengehalten, daß sie auch die noch ausstehenden Schwierigkeiten überwinden werden. Die Erkenntnis, daß die Weltlage durch die Balkanverhältnisse nicht erschüttert werden dürfe, habe sich unter den Groß­mächten nicht vermindert, sondern verstärkt. Eine Erschütterung der Freundschaft zu Oesterreich sei nicht eingetreten. Das Verhältnis zu England und Frankreich werde auch in Zukunft ein ruhiges sein, jedoch geschehe das nicht auf Grund einer einseitigen Verzichtleistung Deutschlands. Die auswärtige Politik Deutschlands liege klar und offen da und stehe im Einklänge mit den großen Gesichtspunkten, von denen diese Politik geleitet werden müsse. Sie verlange aber zugleich für die Aufrechterhaltung unserer Macht­stellung die Einsetzung 'gütlicher politischer, mora­lischer Kräfte und nur unberechtigter Mißmut könne verkennen, daß in den letzten Jahrzehnten erfolgreich an dieser Kulturaufgabe gearbeitet worden sei. Diese große Aufgabe fordere ein großes Ziel, das nur erreicht werden könne in stetiger und geduldiger Arbeit. (Beifall.)

Abg. Scheidemann (Soz.), der nun folgte, meinte, daß der Reichskanzler nicht der rechte Mann zu einer solchen Politik sei, wie die Vorfälle der letzten Zeit gezeigt haben. Jede Feindschaft gegen den Reichs­kanzler liege ihm fern, jedoch müßte seine Partei sich gegen die sonstige Politik des Kanzlers wenden, die in der Wahlrechts- und Fleischeinfuhrfrage völlig ver­sagt habe. In keinem Lande würde ein Staatsmann am Ruder bleiben, der so behandelt würde wie der Reichskanzler,' ein Zusammenarbeiten mit ihm sei unmöglich. Präsident Dr. Kaempf rief den Redner zur Ordnung, weil er im Verlaufe seiner Rede aus- führte, der Kriegsminister habe das saubere diplo­matische Spiel in der Zaberner Angelegenheit unter­strichen. Reichskanzler v. Bethmann Hollweg er­widerte, die Sorge, ob er noch die Autorität zur Vertretung der auswärtigen Politik des Reiches be­sitze, möge der Abg. Scheidemann getrost ihm, dem Kanzler, überlassen. Gegen die vom Vorredner be­liebte Verschiebung der verfassungsrechtlichen Zustände müsse er Verwahrung einlegen. Der vom Hause an­genommene Mißtrauensantrag bedeute eine Ver- kehrung der verfassungsrechtlichen Zustände. Diese vor anderthalb Jahren vom Reichstag beschlossene Neuerung sollte nur die Feststellung erleichtern, wie das Haus iiber den Gegenstand einer Interpellation denke. In der Kommission sei auch ausdrücklich aus­gesprochen worden, daß niemand an eine Machter­weiterung des Reichstags denke. Heute solle nach der Meinung des sozialdemokratischen Redners eine Herrschaft des Parlaments aufgerichtet werden. Wegen des treulichen Beschlusses werde er seine Demission nicht geben, sondern die weitere Entwick­lung der Dinge ruhig abwarten und jedem Versuch einer Einschränkung kaiserlicher Rechte Widerstand entgegensetzen. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Spähn (Ztr.) führte aus, daß im Falle Zabern der Reichs­kanzler nicht genügend betont habe, daß die verletzte Autorität der Gesetze in Zukunft besser gewahrt werde. Die Verlegung des Regiments sei eine Bestrafung der Gemeinde, während die Offiziere die Schuldigen seien. Zu begrüßen sei die feste Verknüpfung des Dreibundes. Bedauerlich bleibe es, daß für den Mittelstand immer nur Erwägungen vorhanden seien, ohne daß man sich zu Taten aufraffen könne. Abg. Bassermann (nl.) gab ebenfalls seiner Freude über den festen Bestand des Dreibundes Ausdruck und erhoffte auch in Zukunft ein freundliches Verhältnis desselben zur Türkei. Mittwoch Fortsetzung.

Wetteranssichten für Donnerstag den 11. Dezember.

Wolkig, meist trocken, später Trübung und Regen­fälle, keine Temperaturänderung.