Braunkohlenfelder Bei Berlin. Der „Berl. Lokal- Anz." will in Erfahrung gebracht haben, daß am Schar- witzelsee 30 000 Morgen Kohlenfelder so gut als gesichert sind, in denen große Braunkohlenlager gewonnen werden können. Die Untersuchungen, die Graf Henckel zu Donnersmarck betreiben lasse, seien noch lange nicht av-
das
geschlossen.
Beim Spielen mit einem Geschoß getötet. Auf dem Truppenübungsplätze in Wesel fand ein achtjähriger Knabe ein nicht krepiertes Artrlleriegeschotz. Er spielte damit,' plötzlich explodierte das Geschoß und Kind wurde sofort getötet.
Zur Ueberschwemmung in der Umgebung von tersburg wird dem Berl. Tagebl. gemeldet, daß Hochwasser das Hafenviertel, den unteren Teil des serlichen Parkes in Peterhof und den größten Teil der Peterhofer Feste überschwemmte. In vielen Gärten und Parks wurden durch das Hochwasser zahlreiche Bäume entwurzelt und bedeutender Schaden angerichtet. Auf der Newa zerschellten zahlreiche Barken.
Ein sterbender Spion. Der Wachtmeister der russischen Grenzstation Jolkminowizk wurde, nach einer Meldung aus Krakau, auf österreichischem Gebiete sterbend aufgefunden. Die Erhebungen ergaben, daß der Wachtmeister sich zu Spionagezwecken aus österreichisches Gebiet begeben hatte. Dabei ist er infolge von Unkenntnis des Terrains mit seinem Pferde in einen Abgrund
Pe- das kai-
gestürzt.
Einbruch im Arsenal von Toulon. Nach einer Blät- termeldung aus Toulon wurde nachts im Arsenal ein Einbruch verübt und aus einer eisernen Kasse der Marine-Artillerie eine Summe von mehreren tausend Franks geraubt.
&* Schwerer Eisenbahnunfall in Ungarn. Bei Goleste stieß ein Personenzug mit einem Güterzuge zusammen. Dabei wurden mehrere Personen getötet und zahlreiche verletzt.
Wertere Postzugdiebstähle. Wie Brüsseler Blätter melden, wurde bei Abgang eines Postzuges festgestellt, daß ein Schränk, in dem Wertsachen aufbewahrt werden, erbrochen war, genau wie zwei Tage vorher, als eine Sendung im Werte von 350 000 Mark gestohlen wurde.
Ein jähzorniger Gatte. Zwischen einem Ehepaar in Brüssel entwickelte sich Freitag abend ein heftiger Streit, bei dem der jähzornige Gatte mit einem Brotmesser gegen die Frau losging. AIs der 17jährige Sohn dies sah, schoß er aus einem Revolver vier Kugeln auf seinen Vater ab und traf diesen am Kopfe, an der Brust und dem Unterleib tödlich.
^ Auf dem Wege zum Zuchthaus entsprungen. Auf der Fahrt von Butzbach in Hessen nach dem Zuchthause entsprang der zu vierzehn Jahren Zuchthaus verurteilte Arbeiter Tomisch. Die Verfolgung des Flüchtlings wurde sofort ausgenommen, blieb aber bisher erfolglos.
te^ Folgenschwerer Damm-ruch in Texas. In der Nähe von Bryan in Texas ist der Damm des Flusses infolge des Hochwassers geborsten. Hunderte von Schwarzen und Farmern mußten aus Bäume und Dächer fliehen. Dreißig Menschen sind ums Leben gekommen.
Gericht und Recht»
Ein verurteilter Kriminalschntzmann. Der frühere Berliner Kriminalschutzmann Alfred Boß, der einen seiner Bigilanten zu einem Einbruchsdiebstahl in seiner Wohnung aufgefordert und bei dieser Gelegenheit den 20jährigen Kontoristen Erich Hesse, den der Bigilant zu diesem Zwecke mitgebracht hatte, durch 5 Schüsse in schwerster Weise verwundet hatte, wurde am Freitag vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Berlin wegen vorsätzlicher, gefährlicher Körperverletzung mittels einer Schußwaffe zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, der Kontorist Erich Hesse wegen schweren Diebstahls unter Zubilligung mildernder Umstände zu einem Jahr Gefängnis, wovon zwei Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet wurden.
Ein Vatermörder freigesprochen. Erschütternde Szenen entrollte eine Verhandlung, die vor dem Schwurgericht in Ofen stattfanö. Angeklagt war ein junger Bursche, der kaum 14 Jahre alte Baron Toth, der beschuldigt war, seinen Vater erschossen zu Haben, als dieser .in der Trunkenheit nach Hause kam und seine Frau schwer mißhandelte. Als der Knabe sah, welche Qualen die Mutter wieder von ihrem Manne zu dulden hatte, nahm der Junge ein Jagdgewehr des Barons von der Wand und tötete seinen Vater durch einen Schuß in den Hinterkopf. Die Geschworenen verneinten die Schuld- frage, und das Gericht sprach den jungen Baron des Batermordes frei.
oe* Zweifaches Todesurteil. Das Schwurgericht in Straßburg verurteilte Freitag abend nach dreitägiger Verhandlung die Ehefrau Wendel und ihren Liebhaber Wirth aus Hagenau wegen Giftmordes, begangen an dem Ehemann Wendel, zum Tode und 10 Jahren Zucht- Haus. Die Angeklagten nahmen das Urteil ruhig auf.
Vermischtes
os* Rätselhaftes Verschwinden von Frauen in Amerika. In Neuyork und anderen großen mexikanischen Städten sind in letzter Zeit vielfach anständige junge Frauen aus unerklärliche Weise verschwunden. Kürzlich fühlte eine junge Frau, die in einer Loge eines Kinotheaters in Neuyork saß, plötzlich am Arm einen heftigen Stich. Gleich darauf wurde sie ohnmächtig, konnte aber ihrer Wärterin noch von ihrer Wahrnehmung Mitteilung machen. Es stellte sich heraus, daß ihr ein starkes Betäubungsmittel eingespritzt worden war. Der Täter wurde zwar verhaftet, aber gegen eine hohe Kaution wieder auf freien Fuß gelassen. Man glaubt, daß die zahlreichen Fälle des Verschwindens junger Frauen auf derartige Verbrechen zurückzusiihren sind, da es leicht war, die Opfer in der Betäubung fort- ^ E^ne^Lynchszene nach amerikanischem Muster hat sich in der Berliner Schützenstraße abgespielt. Ein erst am Dienstag aus dem Zuchthaus entlassener K' trat ein Geschäft in der Schützenstraße, riß sicher vom Regal und ergriff dieLlucht. D ler Fritz Ahnert, der den Bo.,..----...... ,— ^ ,-, sich an die Verfolgung des Diebes. Dieser wandte sich Plötzlich um, zog einen Dolch hervor und brächte seinem Verfolger tiefe Messerstiche bei. Inzwischen hatten sich mehrere Passanten angesammelt, die ein Lynchgericht an dem Diebe Vornahmen. Polizeibeamte, die hinzukamen, befreiten den Messerstecher aus der wütenden Menge. Mit blutüberströmtem Gesicht wurde der Schwerverletzte -»lammen mit Ahnert zur nächsten Hilfswache gebracht.
Eine Tragödie im Spielsaal. Im Spielsaal des ele- ganten Kurortes Jalta, ereignete sich, wie aus Petersburg geschrieben wird, vor einiger Zeit eine furchtbare Szene. Hier in den südrussischen Badeorten leben die millionenreichen kaukasischen und armenischen Grund- benu-r die ttotz ihrer ungeheuren Reichtümer von der
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Spielteilnehmer stieren mit übernächtigtenGesichtern und wild erregten Augen auf den Kartentisch. Einer, der Armenier Nalbadian, hatte schon 400 000 Rubel verloren. Er hatte nun kein bares Geld mehr bei sich, konnte aber trotzdem von dem Spiel nicht lassen. Er bat um Kredit, um weiter spielen zu können. Eben hatte er aufs Neue eine Summe von 10 000 Rubel verloren, tue er nicht bezahlen konnte, als er sich plötzlich mit dem Rufe: „Geld her!" auf seinen Nachbar stürzte. Beroe springen auf und fassen sich an der Kehle. In tierstcher Wut wälzen sie sich auf dem Fußboden und jeder sucht, den anderen zu würgen. Plötzlich gelingt es Nalbadian den Dolch seines Gegners zu erfassen. Er reißt ihm denselben aus dem Gürtel und stößt ihn mit furchtbarer Wucht in den Hals des Gegners, der röchelnd zusammen- bricht. Alle sind starr vor Schrecken. Der Rasende reißt den Dolch aus der Wunde und stößt ihn noch 30 Mal in den Leib des Gegners. Endlich wird er von seinem Opfer fortgerissen und gefesselt. Man hatte einen Wahnsinnigen vor sich, ben die Leidenschaft des Spiels um
seine Vernunft gebracht hatte.
Goldfunde in Deutsch - Südwestafrika, Von neuen Goldfunden in Deutsch - Südmestafrika berichtet die „Deutsch-Süöwestafrikanrsche Zeitung". Wie ein angeb-
„Deutsch-Südwestafrikanstche Zeitung"
licher Augenzeuge dem Blatte mitteilt, si reichen Gebiete bei Neinei, in dem fein ‘ /
Betriebe Zinn bergmännisch zum Teil mit großen Ma- schinenanlagen und zum Teil im Kleinbetrieb gewinnen, vielversprechende Goldfunde gemacht worden. Es sollen Stücke teilten Goldes, sogenannte Nuggets, von erheblicher Größe gefunden sein. Eine Anzahl Felder, die
sind in dem zinn-
nm jetzt mehrere
bisher nur als gemeine Schürffelder auf Zinn abaesteckt und angemeldet waren, sind nun als Eoelmetallfelöer neu belegt worden. Die Bestätigung der Meldung bleibt abzuwarten.
Zehn Millionen Schadenersatz für Bruch des Eheversprechens. In den Gesellschaftskreisen von St. Louis erregt eine Schadenersatzklage wegen Bruchs des Eheversprechens in Höhe von zehn Millionen Mark gewaltiges Aufsehen. Die Klägerin, welche die Vorteile, die ihr aus einer Ehe mit dem Millionär Hurley entstanden wären, mit einer so hohen Summe bewertet, ist die Baronin Ursula Barbara von Kalinowska aus Wiesbaden. Die Baronin hat ihren ungetreuen Verlobten übrigens aus reckt sonderbare Weise kennen gelernt. Das Automobil Hurleos stieß im Juli 1912 mit dem der Baronin zusammen und Hurley flog von seinem Sitz aus unversehrt in das Automobil der Klägerin. Hurley glaubte, eine so originelle Bekanntschaft fortsetzen zu müssen und verlobte sich kurze Zeit darauf mit der Baronin. Da Hurley sich inzwischen die Sache anders überlegt hat, will die Verlassene wenigstens eine pekuniäre Entschädigung erhalten, zumal sie nach ihren Angaben für Hvch- zeitsvorbereitungen und Reisen nahezu eine halbe Mil- uon ausgegeben hat.
Die wertvollen Spitze» im Müllkasten. Einen ungewöhnlichen Fund machte ein Pariser „Naturforscher", als er im Hofe eines bekannten Mode-Etablissements die Müllkästen nach leeren Flaschen und Konservenbüchsen durchsuchte. Es war ein Bündel Spitzen, das ihm zusammen mit allerlei kleinen Stoffrestchen in die Hände kam. Merkwürdigerweise erkannte der Lumpensammler sofort den hohen Wert der nur leicht angeschmutzten Spitzenstücke. Während der Sprechzeit, die von der Geschäftsleiterin des Modehauses vormittags abgehalten wird, ließ sich auch der redliche Spitzensinöer melden. Er verlangte, als man ihn seiner wenig salonfähigen Erscheinung wegen nicht vorlassen wollte, so dringend, die Dame selber zu sprechen, daß der Türhüter ihm öffnete. Sehr ungnädig und verwundert sah Madame dem sonderbaren Besucher entgegen. Höflich und bescheiden, doch ohne die entrüsteten Blicke der parfümierten, seidenrauschenden Modistin zu beachten, reichte der Mann das Spitzenpäckchen hin und sagte: „Wenn ich Sie wäre, Madame, würde ich so etwas nicht fortwerfen lassen. Ich fand diese kostbaren Spitzen in Ihrem Mttllbehälter." Erstaunt untersuchte die Dame das Bündel und erkannte kurze Enden überaus wertvoller Points de Maltnes. Sie einer reichen Aristokratin gehörten. Ein neues Lehrmädchen hatte in seiner Unkenntnis die Reste, die mehrere tausend Francs wert waren, zu den Lumpen getan.
Eine Männerfeindi«. Einer englischen Dame wurde beim Umzug ein Tisch beschädigt. Der Repräsentant der Speditionsgesellschaft konnte gar nicht ableugnen, daß die Tischbeine beim Transport abgebrochen waren. Es schien zuerst, als ob er zu der Ansicht neige, daß der Tisch ohne sie besser aussähe, und daß seine Gesellschaft eigentlich eine Kleinigkeit für die Verbesserung in Anrechnung bringen solle, aber die Eigentümerin des Mo- bilrars wurde ungeduldig. Also versuchte er's auf andere Art. „Wo ist Ihr Herr Gemahl?" fragte er. „Ich habe keinen!" war die Antwort. „Na, das ist schade," meinte er, „wenn Sie einen Mann hätten, der leimte Ihnen die Beine in zwei Minuten wieder an." „Ich sagte Ihnen schon, ich habe keinen," erwiderte die Dame erbittert, „und für solch eine Kleinigkeit nehme ich auch keinen!"
Große Durchstechereien im englischen Heere. Am nächsten Montag hätten in der Londoner Wellington- kaserne die kriegsgerichtliche Verhandlung gegen die fünf Offiziere beginnen sollen, die beschuldigt sind, von Lieferanten für die Kantine Schmiergelder angenommen zu haben. Es sind dies ein Major, ein Kapitän und drei Leutnants. Nunmehr hat aber der juristische Beirat der Heeresverwaltung entschieden, daß die Befügnisse des Kriegsgerichts in dem vorliegenden Falle zu einer erschöpfenden Untersuchung der Angelegenheit nicht htn- reichen. Auf Grund dieser Entscheidung ist der kriegsgerichtliche Termin aufgehoben worden. Anscheinend haben die bisherigen Untersuchungen einen ganzen Rattenkönig von Vergehen aufgedeckt, und es heißt, daß zahlreiche Lieferanten schwer belastet seien. Die Verhandlungen dürften somit einem Zivilgericht überwiesen werden.
Ein Literaturpreis von 6 Millionen Mark. Wer den Nobelpreis erhält, kann sich nicht darüber beklagen, eine zu geringe Geldsumme zu bekommen. Verschwindend klein aber ist der Nobelpreis neben einem Literatur-
. " , der im Jahre 1925 in Rußland verteilt werden soll. Im ganzen stehen da nämlich 6 Millionen Mark & Verfügung, und der erste Preis beträgt etwa 4 tonen Mark! Die Preisschrift, die verlangt wird, soll das Leben Kaiser Alexanders 1. behandeln. Das Kapital soll, wie der „Gaulois" zu melden weiß, im Jahre 1833 durch den Minister Axarkstescheff auf einer Petersburger Bank niedergelegt worden sein. Bon Jahr zu Jahr vermehrt es sich um Zins und Zinseszins, bis
preise.
ark er-
zu Jahr vermehrt es sich um Zins und Zinseszii es im Jahre 1925 die Höhe von 6 Millionen Mi_____ reicht. Nimmt man an, daß das Kapital nur 4 v. H. Zinsen bringt, so braucht im Jahre 1833 nur eine Summe zwischen 100 000 und 200 000 Mark vorhanden gewesen sein; denn bei diesem Zinsfuß verdoppelt sich das Kapital in etwas weniger als 17 Jahren, sodaß es sich bis zum Jahre 1901 schon um das 16fache vermehrt hatte, in 5 Jahren (1918) auf das 32fache angewachsen sein wird und 1933, zur Zeit der Auszahlung, auf das 40- bis 60fache der ursprünglichen Summe angewachsen ist ... glucÄiches Rußland, das solche Preise zu ver- gebrn MJ
Verfänglich. Kassierer: „Sakra, jetzt habe ich den Kassaschlüssel vergessen . . . Hat vielleicht einer von den Herren einen Dietrich mit?"
Mexikanische Kriegsführung.
Nach den Mitteilungen eines Kriegsberichterstatters.
Man darf bei den mexikanischen Kämpfen nicht etwa an einen Zusammenstoß gegnerischer europarscher Trup- penmassen denken: Massenführung und Maßenberve- gung kennt die eigentümliche mexrkamsche Strategie überhaupt nicht, ja, dem europarschen Beobachter will es erscheinen, als gäbe es nur sehr wenig Strategie und Taktik in diesen Kämpfen. „Ich will versuchen,/ so berichtet ein englischer Kriegsberichterstatter, „ein Bild dessen zu geben, was ich während eines zweitägigen Kampfes um Monterey sah. ,
Die Schlacht wurde zwischen 4000 oder 5000 Aufständischen und einer Garnison von 800—900 Mann geschlagen. Ein paar Freiwillige verstärkten die kleine Verteidigungsarmee. Diese Freiwilligen hielten sich schließlich ganz wacker: anfangs aber waren sie die Schrecken der Bürger, denn die meisten von ihnen hielten zum ersten Male in ihrem Leben ein Gewehr in den Händen. Als ich an jenem Morgen einen Hügel erklommen hatte und die Lage überblickte, war es mir klar, daß die Aufständischen innerhalb 24 Stunden die Stadt genommen haben würden: ich sprach dann auch einen Deutschen, der durchaus meine Ansicht teilte und meinte, daß die Bundestruppen während der Nacht heimlich ausmarschieren und die Stadt dem Feinde überlassen würden. Aber es kam ganz anders. Im Anfang wunderte ich mich, daß ich immer nur ganz vereinzelte kleine Sonderplänkeleien sah: später mußte ich entdek- ken, daß diese mexikanischen Schlachten nichts anderes sind, als kleine Scharmützel zwischen einzelnen Schützengruppen.
Ein allgemeiner Vormarsch hätte nicht aufgehalten werden können, selbst nicht durch die Maschinengewehre, die eifrig feuerten: aber es gab keinen allgemeinen Vormarsch. Kleine Gruppen von 15 oder 20 Leuten arbeiteten selbständig für sich und, so weit ich das überblicken konnte, ohne jeden gemeinsamen Plan. Die Rebellen sind beinahe wie die Buren in kleine „Kommandos" geteilt. Ein Hauptmann hatte als Fahnenträgerin eine Frau — ein hübsches, anmutiges Mädchen, die eine militärische Kopfbedeckung trug, trefflich zu Pferde saß, Revolver am Gürtel und das Gewehr vor sich am Sattel. Zwei Tage nach der Schlacht war sie mit ihrem Kommando auf einer Farm vor der Stadt. Plötzlich gab es Alarm, Bundeskavallerie war gesichtet, und in der Aufregung konnte sie ihr Pferd nicht finden. So galoppierten die anderen ohne sie davon. Sie rannte in den Hof, versteckte ihre Mütze und ihren Revolver und trat vor das Haus, wo die feindlichen Kavalleristen an ihr vor- überritten. „Nur eine Frau." 10 Minuten später galoppierte sie ungehindert ihren Gefährten nach."
Inzwischen geht die Schlacht von Montery weiter. Die Leute kämpfen am liebsten in der Straße, denn hier ist Deckung, man feuert von den Dächern: aoer seltfam, keiner der Soldaten zielt. Und wirklich, trotz einer Kampfesweise, bei der der gute Schütze entscheidet, ist es Tatsache, daß den Soldaten nicht einmal das Zielen gelehrt wird. Es fehlt den Offizieren nicht an Mut und Tatkraft, aber sie erhalten keine Gelegenheit, ihre Truppe zu erziehen oder auszubilöen. Selbst die Maschinengewehre werden unnütz verwendet: eines von ihnen feuerte beispielsweise minutenlang mit voller Kraft auf vier Soldaten, die jenseits des Flusses vollkommen außer Schußweite waren. In der Nacht zogen dann Verstärkungen in die Stadt. Warum verlegte der überlegene Angreifer dieser Entsatztruppe nicht den Weg? Und warum zog die Truppe in die Stadt, statt draußen den Angreifer in den Rücken zu fassen? Das wäre nicht mexikanisch, und nichtmexikanische Kriegskunst mißfällt dem Neuerungen abholden Geist dieses Landes.
Kein Wunder, daß bei diesen Kämpfen die Zahl der Opfer sehr gering ist, viel, viel geringer, als die später erscheinenden Siegesmeldungen das behaupten wollen. „Als ich am Morgen, nachdem die Angreifer endgültig abgeschlagen waren, hinausging und die Kampfplätze besichtigte, sah ich ganz wunderbar wenig Tote," schreibt der Kriegsberichterstatter, der nach einer zweitägigen Schlacht, in der gegen 10 000 Soldaten Hunderttausende von Patronen verschossen, gefürchtet hatte, ein schlimmes Leichenfeld zu finden.
Donaneschingen in der Presse.
Zur Entscheidung des Kaisers in der Zaberner Sache sagt die „Vossische Zeitung", sie sei als Anfang der Wiederherstellung geordneter und friedlicher Verhältnisse an- zusehen. Es sei der erste Schritt auf einer Bahn zu gutem Ziele. Das Ziel werde erreicht werden, wenn die anderen Schritte in derselben Richtung nicht ausbletben. Indem die Truppen aus Zabern zurückgezogen werden, beugte man einer Verschärfung der Lage und neuen Zwischenfällen vor.
Die „Kreuzzeitung" beruft sich darauf, daß sie schon vor einiger Zeit die Verlegung des Regiments befürwortet habe. Damals wäre die Wegnahme der Garnison als eine berechtigte Maßregel anzusehen gewesen.
sie auch jetzt als eine solche aufzufassen. Das Blatt betont: Die Hauptsache ist, daß die Verlegung oer 99er nicht als ein Nachgeben der Heeresverwaltung aufgefaßt wird.
In der „Post" wird ausgeführt, es könne nicht die Rede davon sein, daß der Kaiser die Stellung des Reichskanzlers gemißbilligt habe und daß Anordnungen getrosten würden, die sich mit des Reichskanzlers Auffassung nicht vereinbaren ließen und ein Zurückweichen vor der Demokratie bedeuten könnten. Der Reichskanzler kehrt mit dem Vertrauen des Kaisers zurück. Seine Haltung sei gebilligt worden. Das Mißtrauensvotum habt Reichstages habe staatsrechtliche Folgen nicht s
Die „Rundschau" meint, ganz Deutschland, soweit nicht planmäßig Böswillige ein unsauberes Interesse daran haben, die Heilung der geschlaaenen Winrden hindern, werde die Entscheidung des Kaisers mit leL festem-Dank begrüßen. Sie mache den Weg zu jed« nach Recht und Gesetz iioch zu fällenden ©ntiebeiduna frei. Auch das Verhältnis des ReichskanzlerS ziÄ BesserttftßC n’eröe $ur$ ^ kaiserliche Entscheidung ge» .M „Berl. Tageblatt" glaubt nicht, daß die Ent» scheidung geeignet iet, die verworrene Situation wtedcL einzurenken. Der „Vorwärts" besteht daraus Reichstag ganze Arbeit mache und die Milttärverwa^ tung zu weiteren Konzessionen zwinge,
_ "Der Eindruck im Elsaß.
den der Kaiserliche Erlaß, betreffend die Verlegung des 99. Regiments von m StratzburgS hervorgerufen hat,
Ata Der frÄö'A Ä&S