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Am Telephon plötzlich die Sprache verloren. Von einem schrecklichen Zufall wird aus Paris geschrieben: Der Großindustrielle B. stand an seinem Telephonappa­rate in seinem Privatbureau und war eben im Begriff eine Verbindung zu verlangen, als er mitten in ettt Gespräch hineingeriet, das bereits außerhalb seiner Lei­tung bestand. Deutlich vernahm der Mann die Unterhal­tung zweier Börsenmakler, und er entnahm deutlich daraus, daß er nach dem Stand der Dinge sein ganzes Vermögen verloren hatte. Schon wollte er sich in das Gespräch einmischen, wollte fragen, ein Wort sprechen, allein die Zunge versagte den Dienst, er vermochte nicht ein Wort hervorzubringen. So sehr er sich mühte, er konnte nicht mehr sprechen. Da in der Leitung das Ruf­zeichen angekommen war, meldete sich das Amt, und als keine Antwort erfolgte, gab das Amt ein Klingelzeichen. Vergebens, der Mann saß an seinem Schreibtisch, unfä­hig auch nur ein Wort hervorzubringen. Auf das anhal­tende Klingeln stürzten die Beamten des Bureaus her­bei, aber ihr Chef konnte ihnen keinerlei Auskunft ge­ben, er wies nur auf den Mund und auf den Apparat, den er noch immer in der Hand hielt. Alsbald wurde ein Arzt herbeigerufen, der sorgte für die Ueberführung des Kranken in ein Sanatorium. Hier hofft man, ihn wieder von seinem Leiden zu befreien. Der Schreck und die nervöse Erregung hatten ihn seiner Sprache voll- kommen beraubt.

Der ausgeräucherte Flüchtling im Schornstein. Aus Oberlahnstein wird folgende Geschichte berichtet: Der tat Amtsgerichtsgefängnis Niederlahnstein untergebrachte Taglöhner Johann Schröder von hier war im Gefäng­nishof, als er plötzlich eine günstige Gelegenheit benutzte und entfloh. Die Polizei erhielt nun Kenntnis davon, daß Schröder sich auf dem Speicher im Hause seiner Großmutter aufhalte. Als mehrere Schutzleute erschie­nen, um ihn festzunehmen, kletterte er auf das Dach und dann in einen Schornstein alter Art. Ab und zu steckte er den Kopf oben heraus und hielt Umschau. Ausräu­cherung erschien nicht angebracht und die Polizei traf ge­rade Vorkehrungen, um ihn mit einem Wasserstrahl aus einer Schlauchleitung zum Verlassen des Schornsteins zu veranlassen, als aus dem Schornstein blaue Rauchwolken aufstiegen. Eine im Hause wohnende Frau wollte gewiß nicht länger mit der Kaffeezubereitung warten und hatte das Herdfeuer angezündet. Unter großer Spannung der hundertköpfigen wartenden Menschenmenge kam dann auch, was kommen mußte. Schröder kroch langsam und bedächtig aus dem Schornstein heraus und durch em Dachfenster zurück auf den Speicher, wo ihn einige Po­lizisten in Empfang nahmen. Schwarz wie ein Mohr wurde er dem Amtsqerichtsgefängnis wieder zugeführt.

Koketterie des Zeitungslesers. Wir lesen in den Hamb. Nachr.": Wenn es einen Menschen gäbe, der niemals kokettierte, so tut er es doch ganz gewiß dann, wenn er ein Blatt aus inländischer oder gar ausländi­scher Ferne in der Hand hält. Die Koketterie mit dem Fremden, dem Ungewöhnlichen, ist nirgends alltäglicher zu beobachten, als beim Zeitungsleser. Sitze im Cafee oder in der Eisenbahn, der Leser einer fremden Zei­tung wird sie stets so halten oder falten, daß du den Titel des Blattes oft und deutlich erblickst! Er fühlt sich glücklich, wenn du recht oft zu seiner Zeitung guckst. Er weidet sich am Gefühl des Bestauntweröens. Wenn er eine ausländische Zeitung liest, tut er es mit dem gleichgültigsten Gesicht von der Welt, damit du davon überzeugt bist, daß er die fremde Sprache ohne jede Schwierigkeit liest.... Oder er will gar für einen Ausländer gehalten werden .... Deutschland, wer kennt nicht deine Pappenheimer . . . .? Studiert der Zeitungsleser eine gute deutsche Zeitung, so fühlt er sich von dir hoch eingeschätzt. Er hält ein Thermometer sei­ner Bildung in der Hand, und er zeigt es jedem, so vor­teilhaft wie möglich. Wie sich eine Dame im schönen Kleide zeigt .... Ganze Berge von Papier beherbergt der Mann in seinen Taschen, .... aber die Zeitung trägt er offen. Besonders der Oppositionist gibt sich Mühe, sein Blatt deutlich zur Geltung zu bringen, in dem stolzen Gefühle, zudemonstrieren". Nur dann hat die Koketterie ein Ende, wenn ein überzeugter Politiker sich im Organ desanderen Lagers" über die Gegen­strömung besonders eingehend unterrichten will. Dann stöhnt er in seinen vier Wänden einsam seiner Lese­wut . .

Pelzbeinringe" für Damen. Die amerikanischen Modeschöpfer beginnen ihren Pariser Rivalen immer gefährlicher zu werden, denn sie verknüpfen mit den Launen ihrer modischen Phantasie gar geschickt auch praktische Gesichtspunkte. Und einen praktischen Vorzug hat die neueste Erfindung der amerikanischen Moöisten, gleichviel, wie man auch sonst über die Neuerung denken möge, jedenfalls für sich: Die Damen sollen im Winter weniger frieren. Und so ersann man die Pelzbeinringe für Damen, schmale ringförmige Pelzstreifen, schüchterne Andeutungen längerer Gamaschen, die die Schönen um die Fesseln legen, wenn sie in abendlicher Winterstunde bei Frost und Kälte ins Theater, in den Salon und zum Diner eilen. Man macht geltend, daß die ausgeschnitte­nen Schuhe und die durchbrochenen, bisweilen auch durch dünne Seidenspitzen ersetzten Strümpfe die schönen Ame­rikanerinnen empfindlich an den Füßen frieren lassen, und da soll der kokette Pelzring Hilfe schaffen, indem er die zarten Fesseln wärmt und sie zugleich pikant be­tont. Auf weißen Strümpfen trägt man natürlich schmale schwarze Pelzringe, auf schwarzen Strümpfen Hermelin oder Rotfuchs, kurz, schöne Farbengegensätze sorgen da­für, daß der bewundernde Blick den Pelzbeinring mcht etwa übersteht.

Im Banne der Temperenz. In Texas sind am 18. November zwei neue, auf Spirituosenverkauf und -ver­sand bezügliche Gesetze in Kraft getreten, wodurch der bereits beschränkte Verkauf von Spirituosen im Staate noch mehr beschränkt wird. Das eine davon verbietet den Versand von Spirituosen nachtrockenen" Gebieten innerhalb des Staates, und versucht anscheinend, un= gegorenen Traubensaft in Konkurrenz zu bringen mit Spirituosen, indem es speziell Bestimmungen über den Versand von Traubensaft enthält. Es verbietet Spiri- tuosenhändlern, durch Briefe, Zirkulare oder in irgend­einer sonstigen Weise Kunden zu suchen. Manche Rechts­kundige legen diese Bestimmung so aus, daß dem An­noncieren von Spirituosen introckenen" Gegenden ein Riegel vorgeschoben werden kann. Das zweite Gesetz schreibt vor, daß Wirtschaften und irgendwelche andere Geschäfte, die tu demselben Lokal, wo sich Wirtschaften befinden, oder in neben solchen gelegenen Lokalen be­trieben werden, um halb 10 Uhr abends geschlossen wer­den müssen.

Frau Pankhursts Heimkehr. In Plymouth gab es am Donnerstag lächerliche und aufgeregte Szenen im Zusammenhänge mit der Heimkehr uou Frau Emmeline Pankhurst von ihrer erfolglosen Agitationsreise nach den Bereinigten Staaten. Das Ministerium des 3Wru hatte der Polizei Auftrag gegeben, Frau Pankhurst bei ihrer Landung zu verhaften auf Grund des sogenannten Katze- und Mausgesetzes, das deu Behörden gestattet, politische Gefangene auf Zeit zu entlassen und bei schlech­tem Betragen wieder festzunehmen. Frau Pankhurst hat von ihrer Strafe, die sie wegen der intellektuellen Ur- beüerscbaft von Brandstiftungen erhalten hat, erst den

kleinsten Teil verbüßt. Die militanten Suffragetten be­schlossen, ihre Verhaftung zum Anlässe einer großen Schlacht zu machen. Seit mehreren Tagen waren des­halb am Quai in Plymouth große Abteilungen von Stimmrechtlerinnen anwesend. Die Vorbereitungen für einBlutbad" erstreckten sich bis auf die Beschaffung kriegsmäßiger Sanitätskolonnen. Fraglos hätte es zu bösen Auftritten kommen können, aber die Polizei hielt den DampferMajestic" vor der Einfahrt an und brächte Frau Pankhurst, die übrigens von ihren Anhängerinnen drahtlose Warnungen erhalten hatte, aus einem Tender an einen ganz anderen Punkt des Landes. In Plymouth und Umgegend werden die öffentlichen Gebäude stark bewacht, weil Racheakte befürchtet werden.

Unbedacht. Frau (zur Nachbarin, die zum zweiten­mal geheiratet hat):Was Sie noch für einen lieben, braven Mann gekriegt haben!" Nachbarin (gerührt): Ach ja, wenn mein guter Seliger das hätt' erleben können!"

Aus der Jugend! Klein Gottlieb kommt mit gehö­rig verwundetem Knie nach Hause, und es entwickelt sich folgendes Zwiegespräch: Mutter:O, bist Du ge­fallen?" Gottlieb:Ja!"Jetzt auf dem Schul­wege?"Ja!"Hast Du geweint?"Och, 's war ja keiner da!"

Pegasus im Loch.

Maurice Rohmer ist ein begabter und vielver­heißender junger französischer Poet, und sein Schaffen wie auch die geschäftliche Würdigung seiner Werke leidet nur unter dem einstweilen nicht zu beseitigendem Hin­dernis, daß der Lichter, etwas unfreiwillig, die Welt innerhalb der Gefüngnismauern studiert. Er hat, wahr­scheinlich in seinen poetischen Mußestunden, eine An­zahl von Einbrüchen und Diebstählen begangen, und die Folge ist eine Verurteilung zu vier Jahren Gefängnis und zu fünf Jahren Verbannung von Paris. Nun sitzt der junge Uebeltäter im Gefängnis von Loos: Pegasus im Loch.

Denn Maurice Rohmer hat ein Theaterstück ge­schrieben, das der Direktor eines der führenden Pariser Theater als geradezu vortrefflich bezeichnet, und das er, nach dem Berichte eines französischen Korrespondenten, wennmöglich noch im Laufe dieser Saison, aufzuführen beabsichtigt. Allein ehe das geschehen kann, müssen Di­rektor und Dichter die näheren Einzelheiten und Be­dingungen besprechen, der Direktor schrieb also einen Brief an den Dichter, in dem er ihn zu einer Be­sprechung einlud, und da die Post mehr wußte als der Theaterdirektor, ging der Brief von der ehemaligen Privatwohnung des Poeten geradewegs nach dem Ge­fängnis von Loos. Der Dichter bat die Gefängnisver­waltung um Urlaub nach Paris, aber getreu den Be­stimmungen mußte ihm das abgeschlagen werden.

Doch Maurice Rohmer war damit keineswegs am Ende seiner Wissenschaft: alsbald beschuldigte er sich, verschiedene weitere Diebstähle in Paris begangen zu haben, nannte einen Mitgefangenen als Helfershelfer, der Staatsanwalt nahm gebührend von der Selbstbezich- tiung Notiz, und verfügte, daß der junge Verbrecher und sein Komplize zur Vernehmung durch den Unter­suchungsrichter nach Paris übergeführt werden sollten. Ehe er die Fragen des Untersuchungsrichters beantwor­tete, bat der Dichter um die Möglichkeit einer Bespre­chung mit dem Theaterdirektor, allein der Richter war erbarmungslos, und so konnte der Vertrag über das Stück, das den TitelJennys Herz" führt, nicht ge­schlossen werden.Und nur darum kam ich hierher," erklärte der enttäuschte Poet,denn die Diebstähle, deren Jet) mich bezichtigte, habe ich nie im Leben begangen." Nun wird der Dichter noch Gegenstand eines Verfahrens wegen Ungebühr vor Gericht. . .

Kanzler unö presse.

Zu dem am Donnerstag im Reichstage angenom­menen Mißtrauensvotum für den Reichskanzler be­merkt dieTägl. Rundschau": Der Reichskanzler ist nach Donaneschingen zum Kaiser gefahren und wird ihm wahrscheinlich seine Demission anbieten. Man darf an­nehmen, daß sie abgelehnt werden wird. Was aber dann? Dann beginnt der fessellose Kampf der Sozial- demokratie und wahrscheinlich auch des Freisinns gegen den Reichskanzler.

ImTag" führt Hugo Bötcher aus: In der guten Absicht, unser Militär in dieser kritischen Stunde nicht im Stiche zu lassen und für unsere Offiziere mit war­mem Herzen einzutreten, begeht ein Teil der bürger­lichen Presse den Fehler, die Verteidigung einer Posi­tion zu übernehmen, die zu verteidigen weder dem Reichskanzler noch dem Kriegsminister gelungen ist. Hier ist zurzeit auch die bürgerliche Kritik schlechthin un­entbehrlich und namentlich derjenigen Partei, welche je­des Opfer für die Entwickelung von Armee und Flotte gebracht und sich redlich im Lande für militärische Ideale herumgeschlagen hat.

DerLokalanzeiger" meint: Die Rede des Reichs­kanzlers habe keinen Zweifel gelassen, daß die ernsten Lehren der Zaberner Vorgänge für unsere Militär- und Zivilverwaltung nicht verloren gehen werden.

DieKreuzzeitung" findet es auffallend, daß der Reichskanzler seine Ausführungen über den Zufammen- Hang der Vorfälle mit seiner Verfassungspolitik an die Konservativen richtete. Falls seine Absicht gewesen sein sollte, etwaigen Angriffen in dieser Richtung von dort zuvorzukommen, so sei das eine irrige Voraussetzung gewesen.

DerVorwärts" sagt: Schon die nächsten Tage wer­den zeigen, ob die bürgerlichen Parteien fest bleiben. Der Reichstag steht vor den Etatsverhandlungen. Der gestrige Beschluß kann nur ein Anfang sein, aus dem die Konsequenzen mit unbeugsamer Euergie gezogen werden müssen. Die Uebergriffe der Militärmacht müssen ihre Sühne finden.______________________________________

** neuestes Dom Tage.

Der Tag von Donaneschingen.

»-»> Donaneschingen, 5. Dezember. Der Kaiserliche Statthalter von Elsaß-Lothringen Graf Wedel und Generalleutnant von Deimling sind heute vormittag kurz nach 10 Uhr hier eingetroffen und haben sich alsbald ins fürstliche Palais begeben. Auf dem Bahnhöfe waren zum Empfange erschienen der Kommandant des Kaiser­lichen Hauptquartiers Generaloberst von Plessen und der Chef des Militärkabiuetts General der Infanterie Freiherr von Lyncker. Der Reichskanzler ist in Begleitung seines Adjutanten Freiherrn von Sell um 12,20 Uhr hier eingetroffen. Von Jmmerdingen ab hatte der Reichskanzler einen Sonderzug benutzt. Auf dem Bahnhöfe waren der Fürst zu Fürstenberg, General­oberst von Plessen und Gesandter von Treutler erschie­nen. Der Kanzler begab sich ins fürstliche Schloß zum Vortrag beim Kaiser.

Die Bossische Zeitung teilt mit, in Reichstagskreisen herrsche die Auffassung vor, daß Herr von Bethmann- Lollweg nicht zurücktreten werde. Vermutlich werde ein

Ausweg aus der kritischen Lage in öer Weise gesucht werden, daß sowohl Graf Wedel als General von Destm ling einen Wink bekommen werden, nicht ganz korrekt gehandelt zu haben, und daß beide nach einiger Zeit ihre Posten verlassen werden, General von Deimling wahr­scheinlich unter Beförderung.

Geheimnisvoller Leichenfnnd in Berlin.

o-^ Berlin, 5. Dezember. Heute vormittag 10 Uhr wurde aus dem Stadtschleusenkanal an der Oberwasser­torstraße der Unterleib einer weiblichen Leiche geborgen. Am Unterleib befanden sich noch die Oberschenkel. An­scheinend handelt es sich um die sehlenden Körperteile der Frieda Gerhardt aus Neukölln, deren Kopf und Oberkörper am 4. September an der Waisenbrücke ge­funden wurden.

Ein verschollener Hamburger Dampfer.

w Hamburg, 5. Dezember. Der Dampfer Acilia von der Hamburg-Amerika-Linie, der seit dem 28. Ok­tober vermißt wird, ist jetzt von der Schiffahrtsgesellschaft vollständig verloren gegeben. Das Schiff hatte 45 Passa­giere und 49 Mann Besatzung an Bord. Unter den Um- gekommenen soll sich eine große Anzahl Deutscher be­funden Haben, doch wird Genaueres erst festzustellen sein, wenn die Bemannungs- und Passagierlisten aus Val­paraiso hier eingetroffen sind.

Sturm an der deutschen und dänischen Küste.

fe* Cuxhaven, 5. Dezember. In der Nordsee und an der Elbmündung herrscht seit einigen Tagen stür­misches Wetter mit Hagel und Schnee. Bei Wittsand strandete ein bereits zum Wrack geschlagenes Segelboot, dessen Name noch nicht bekannt ist.

^ Kopenhagen, 5. Dezember. (B. Z.) An der Küste Jütlands herrscht seit gestern abend ein orkan­artiger Sturm. In Skagen wurden die Molen und die Küste überschwemmt. In Aalborg und Aggersunö stehen viele Straßen unter Wasser. Die Bevölkerung mußte die Häuser verlassen.

Unterschlagungen eines Bnreanvorstehers.

^= Hagen i. W., 5. Dezember. (B. Z.) Der bei einem hiesigen Rechtsanwalt beschäftigte 35 Jahre alte Bureauvorsteher Josef Schlubach ist nach Verubung von Unterschlagungen plötzlich geflüchtet. Die im Laufe von mehreren Jahren veruntreute Summe soll sich nach den bisherigen Feststellungen auf über 50 000 Mark be­laufen.

Tod eines Industrielle«.

o-^ Cöln, 5. Dezember. (B. Z.) Hier starb der Begründer des Faconeisenwalzwerkes L. Mannstädt & Co., Louis Mannstädt sen. an einer Lungenentzündung im Alter von 74 Jahren.

Ein Dampfer im Seebeben.

»e# Paris, 5. Dezember. Der Kapitän des in Mar­seille eingetroffenen DampfersLothun" erzählt, daß das Schiff, als es die Meerenge von Messina passierte, in der Nähe von Reggio sekundenlang in die Höhe ge­schleudert wurde. Unter den Passagieren sei eine große Panik entstanden. Nach Ansicht des Kapitäns handelte es sich um ein unterirdisches Beben.

Verschwinden eines reichen Amerikaners in Berlin.

9-£ Paris, 5. Dezember. (B. Z.) Seit einigen Ta­gen wird hier der amerikanische Sportsmann Wads- mouth Rogers vermißt. Die Polizei glaubt, daß Rogers, ein reicher Mann, aus irgend einer Ursache Selbstmord verübt habe, dagegen nehmen die Angehörigen an, daß er in einen Hinterhalt gelockt und einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei.

Das nentrale Aegäische Meer.

^ Rom, 5. Dezember. In politischen Kreisen wird mit Rücksicht auf die Meldung des Temps darauf hin­gewiesen, daß nicht England allein es sei, das die Auf­fassung vertrete, die Großmächte dürften im Aegäischen Meere keme Erwerbungen machen. Diese Ansicht decke sich mit der Politik aller Großmächte und insbesondere mit der Politik Italiens.

Ausdehnung des englischen Eisenbahnerstreiks.

^ London, 5. Dezember. Der Eisenbahnerausstand in Südwales hat sich weiter ausgedehnt. Gegen 1500 Lokomotivführer und Heizer streiken. Ebenso viele Berg­arbeiter sind infolgedessen ohne Arbeit.

Berliner Getreide- und Viehmarkt.

Der Getreidehandel in der am 3. Dezember abge­schlossenen Bcrichtswoche ließ die Neigung zu Preisab- schwächungen erkennen. Einen wesentlichen Einfluß wird das Verhalten Rußlands für die Preisbewegung am internationalen Markte ausüben. Nach amtlichen und privaten Berichten hat dieses Land eine sehr be­trächtliche Ernte an Weizen gemacht: wenn gleichwohl das Angebot von dorther wenig fühlbar ist, so hat das seine Ursache in der weitgehenden Bevorschussung der auf die Speicher genommenen Ware seitens der russischen Staatsbank. Falls die Ernteaussichten sich günstig ge­stalten sollten, dürften die Offerten int Frühjahr wohl ziemlich dringend werden und den Preisstand dann recht nachteilig beeinflussen. Neben der Abschwächung ant Auslandsmärkte wirkte in Berlin auch reichlicheres An­gebot vom Jnlanöe auf den Preisstand des Weizens ungünstig ein. Die Preise verloren 23 j£ Bon Rog­gen sind größere Dezember-Andienungen seitens einer hiesigen Mühle ausgenommen morden, und das Ausblei­ben weiterer Andienungen gab schließlich zu Deckungen für den Dezembertermin bei einer Preisbesserung von zirka 2 JL Anlaß. Spätere Lieferung stellte sich gegen die Vorwoche etwas niedriger. Hafer wurde Anfangs von Exportfirmen stark gekauft, später aber wurde das Aus­land flau, und das Geschäft gestaltete sich unrentabel. Gleichzeitig vermehrte sich das Angebot aus dem Jn­lanöe namentlich an vergleichsweise billiger schlesischer Durchschnittsware. Die Preise büßten infolgedessen 3 .// und darüber ein. Inländische Futtergerste in geringer Qualität wurde stark angeboten und war schwer ver­käuflich, dagegen war russische Gerste fester gehalten. Mais schwächte sich bei Zurüphaltung des Konsums ab. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für den Dezembertermin wie folgt: Weizen 191,00, Rog­gen 160,00, Hafer 153.00, Mais 144,00.

Preise des städtischen Schlachtviehmarktes. Ochsen: vollfl. ausgemäst., höchst. SKlachtw. 9093 X junge fleisch., nicht ausgem. und ältere ausgem. 8591 X mäßig genährte junge und gut genährte ältere 8387 Bullen: ausgewachsene, höchsten Schlachtw. 9093 X vollfl. jüngere 8489 X mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 8587 ^ Färsen: vollfl., ausgem. Färsen höchst. Schlachtwertes JL Kühe: vollfl., aus­gem. höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 8186 X ältere ausgem. und wenig gut entwickelte jüngere 7578 Mark, mäßig genährte Kühe und Färsen 6672 X ge­ring genährte Kühe und Färsen bis 72 Jungvieh: gering genährtes 7882 JL Kälber: Doppellener feinster Mast 143157 X feinste Mastkälber 120123 X mitt­lere Mast- und beste Saugkälber 105112 X geringere Mast- und gute Saugkälber 93105 X geringere Saug­kälber 7387 ^ Schafe: Mastlämmer u. jüngere Mast- Sammel 96100 X ältere Masthammel, geringere Mast­lämmer und gut genährte junge Schafe 8292 X mäßig genährte Hammel und Schafe 7181 ^ Schweine- Fettschweine über 3 Ztr. 71 X vollfleischige 240300 Pfd. 68-69 X 200-240 Pfd. 66-68 X 160-200 Pfd 64-66 X unter 160 Pfd. 60-63 X Sauen 6365 X