Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- L^v^k^ld»« zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ^n5|uU"l Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
für den Kreis Hersfeld
k Kreisblatt
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 173. Donnerstag, den 4 Dezember 1913.
Bus der Heimat.
Zum Weihnachtseinkaus.
Daß unsere Geschäftsleute, unsere Verkäufer und Verkäuferinnen in diesen Wochen vor Weihnachten alle Hände voll zu tun haben, ist für Niemanden etwas Neues. Und doch, sieht man unsern sonst so selbstgewissen Hausfrauen auf ihren Weihnachtseinkäufen eine Weile zu, wie sie mit unzufriedenen Gesichtern an den Ladentischen stehen und aus hunderterlei Dingen kein einziges auszuwählen vermögen, so fragt man sich erstaunt, woher denn diese rätselhafte Hilflosigkeit, diese Entschlußunfähigkeit komme.
Man gestatte mir da, zum Vorteil beider Seiten einen Rat zu geben. Verehrte Käuferin, bevor du ein Geschäft mit deinem Besuche erfreust, frage dich: Was will ich kaufen? Sage nicht, gerade das sei schwer zu bestimmen. Immerhin besser als die Verkäuferin kennst du denjenigen, dem du etwas schenken willst. Und selbst, wenn dir gar nichts einfiele — haben unsere Geschäftshäuser nicht geradezu herrliche Auslagen, herrlich fürs Auge und herrlich bequem für den, der wählen will? Weißt du nach der Musterung einer oder mehrerer Auslagen nur soviel: einen Aschenbecher will ich kaufen, so ist geradezu alles erreicht. Mag man dir im Laden einen ganzen Schränk von Aschenbechern öffnen — immerhin, es ist leichter, unter hundert Aschenbechern zu wählen als unter hundert mal hundert Dingen verschiedenster Gattungen.
Und du, edler Gatte und Hausvater, der es dir nicht ganz gleichgültig ist, ob dich die Verkäuferin mit gnädigem oder ungnädigem Blick zur Türe begleitet — auch du wisse stets, was du willst! „Das ist ein Mann, denn er weiß, was er will!" — dieses Zeugnis in einem schönen Auge zu lesen, ist zum mindesten nicht unangenehm . . .
Und zum Schluß noch eine kleine, aber höchst wichtige Tatsache: Gediegenheit und schreierische Anpreisung, das geht gewöhnlich nicht zusammen. Dieser Anpreisung, genau wie der glänzenden Aufmachung, bedarf die gute Arbeit nie, wohl aber der Schund. Darum, deutsche Käuferin und deutscher Käufer, hüte dich vor ihm! Wie du das anzufangen hast? Geh niemals dahin, wo man dich mit gar zu durchsichtigen Mitteln anlocken möchte, sondern in ein gediegenes Fachgeschäft. Bernhard Siepen.
):( Hersfeld, 3. Dezember. Im Monat November wurden durch das Königliche Landratsamt hier 28 entgeltliche und 4 unentgeltliche Jahresjagdscheine ausgestellt. Außerdem wurden noch 7 Tagesjagdscheine gelöst.
):( Hersfeld, 3. Dezember. Am nächsten Sonnabend den 6. 6. Mts. hält die hiesige Ortsgruppe des Hansa-Bundes in der Lullusquelle eine Ver - s a m m l u n g ab, in welcher Herr Emil Brand aus Berlin über zwei sehr interessante Themas sprechen wird. Allen Angehörigen von Handel, Industrie und Gewerbe dürfte der Vortrag zu empfehlen sein. Alles nähere im Inseratenteil der heutigen Nummer.
):( Hersfeld, 3. Dezember. Der Evangelische Arbeiterverein veranstaltet am kommenden Sonntag in der neuen Turnhalle einen Unterhaltungsabend, in welchem Herr Hauptmann Döring von der hiesigen Kriegsschule über seine Erlebnisse und Erfahrungen in Deutsch-Südwestafrika sprechen wird. Der Vortrag wird durch Lichtbilder erläutert werden. Auch der Männergesangverein „Liederkranz" hat seine Mitwirkung durch Vortrag von einigen Chören zugesagt.
§ Hersfeld, 3. Dezember. 300 Mark Prämie für d i e E n t ö e ck ung eines j e d e n Brandstifters hat der Landesausschuß des Reg.-Bez. Cassel in seinen letztwöchigen Beratungen ausgesetzt, da in der letzten Zeit einzelne Gemeinden des Bezirks durch große Brandschäden heimgesuchtworden sind.
Aus dem Werratale, 1. Dezember. Infolge des Emporblühens der Kali-Industrie im Werratal und >m Rhöngebiete hat sich in den letzten Jahren, namentlich auch seit Eröffnung der Rhönbahnen, der Postverkehr in den Städten Bacha nnd Gerstungen ™ . P9n$. außerordentlicher Weise gesteigert. Die Reichsposiverwaltung hat sich darum entschlossen, die Postämter 3. Klasse in Vacha und Gerstungen im nächsten Jahre in solche 2. Klasse umzuwandeln und sie anstatt der jetzigen Postverwalter durch Postmeister leiten zu lassen. Neben der Vermehrung der Postbeamten wird auch in beiden Städten die bauliche Erweiterung der vorhandenen Postanstalten nötig werden.
Bon der Werra, 2. Dezember. Ein verheerendes Großfeuer hat in der vergangenen Nacht den Ort
Gräfinau heimgesucht und binnen wenigen Stunden sieben große Scheunen mit allen Wirtschaftsgebäuden, Erntevorräten, Maschinen und Inventar vollständig eingeäschert. Man vermutet Brandstiftung.
Ottrau, Kr. Ziegenhain, 1. Dez. Eine Hochzeitsfeier nach alter Schwälmer Sitte wurde aus Anlaß der Vermählung des hiesigen Landwirtes Johann Jost Bloch mit Frl. Bosch aus Herzhausen veranstaltet. An der Hochzeitsfeier, die acht Tage dauert, nehmen 100 Gäste teil, eine Musikkapelle ist engagiert. Zu dem Hochzeitsschmaus sind geschlachtet: Ein Ochse, zwei Schweine, vier Kälber und 50 Gänse. Die Gäste werden daher eines guten Appetites bedürfen, um dieses reichhaltige Speiseprogramm zu bewältigen.
Lauterbach, 30. November. In einem hiesigen Sägewerk wurde dem Arbeiter Christian Ritter von Maar ein Stück Holz mit großer Heftigkeit gegen den Leib geschleudert. Er wurde schwerverletzt, sodaß an feinem Wiederaufkommen gezweifelt wird.
Leimsfeld, 2. Dezember. (DerHas e.) Bei einer in der hiesigen Flur abgehaltenen Treibjagd wurden 1 Hase und 1 Eichhörnchen zur Strecke gebracht.
Hartenrod, 1. Dezember. Gestern nachmittag ereignete sich hier ein bedauerlicher Unglücksfall. Einem etwa 10—12 Jahre alten Jungen wurde von einem Spielkameraden mit einem Luftgewehr das eine Auge ausgeschossen, so daß das spitze Geschoß höchstwahrscheinlich das Gehirn verletzt hat. Der Bedauernswerte wurde sofort nach Marburg in die Klinik gebracht. An seinem Wiederaufkommen wird gezweifelt.
Frankenhain bei Treysa, 2. Dezember. Der 4jährige Sohn des Wagnermeisters H. Ferreau von hier, welcher die Steintreppe vor dem elterlichen Hause abgestürzt war und sich durch den Sturz eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen hatte, ist seinen Verletzungen erlegen. Der plötzliche Todesfall rief allgemeine Teilnahme hervor.
Cassel, 2. Dezember. Heute nachmittag gegen 3 Uhr stürzte auf dem Fabrikneubau Baumann u. Lederer in der Wolfsanger Straße Nr. 10 der Schlosser Simon Landefeldt von einer Leiter aus sechs Meter-Höhe ab und brach die Wirbelsäule. Außerdem erlitt er noch andere schwere innere Verletzungen. In hoffnungslosem Zustande wurde er in das Unfallkrankenhaus Wolfsanger transportiert.
Gensungen, 2. Dezember. In Borken beim Spar- kassenverein sind in dieser Nacht 7500 Mk. gestohlen worden. Der Wachtmeister Körber von hier mit seinem Polizeihund „Brünhilde" war dort. Der Hund hat die Spur von vier Radfahrern ausgenommen und bis Wabern verfolgt. Die Spur führt von dort aus nach Cafsel. — Wie zu der Affäre weiter mitgeteilt wird, sind den Einbrechern, die einen Kassen- behälter gesprengt haben, hauptsächlich Wertpapiere in die Hände gefallen. Die auswärtigen Banken wurden telegraphisch von dem Diebstahl in Kenntnis gesetzt und die Papiere gesperrt. Der Borkener Sparkassenverein ist gegen Diebstahl versichert. Auch die Caffeler Kriminalpolizei wurde von dem Diebstahl in Kenntnis gesetzt. Es wurde festgestellt, daß heute mit einem der Frühzüge 4 Fahrräder nach Göttingen weiter expediert worden sind, die gestern aus der Richtung von Borken her ankamen. Gleichzeitig sind auch vier Fahrkarten nach Göttingen gelöst worden. Der Diebstahl in Borken war jedoch zu spät entdeckt worden, sodaß diese Feststellungen nicht mehr zur Festnahme der vermutlichen Einbrecher führen konnten, da diese bereits in Göttingen ausgestiegen waren, als man ihnen auf die Spur kam.
Gießen, 2. Dezember. Der Oberbürgermeister Necum hat ganz überraschender Weise ohne Angabe von Gründen sein Entlassungsgesuch eingereicht.
Heiligenstadt, 2. Dezember. Die schreckliche Tat einer jungen Frau, die (wie berichtet) Sonntag nachmittag aus dem in voller Fahrt befindlichen Personen- zuge der Strecke Halle-Cassel sprang, während sie ihre beiden kleinen Kinder im Coupee zurückließ, stellt sich als ein Schritt der Verzweiflung infolge unglücklicher Eheverhältnisse heraus. Es handelt sich um eine Frau Hartmann aus Düsseldorf, die wegen ihrer unglücklichenFamilienverhältnisse einen ihrer früheren Verehrer in Gernrode (Kreis Worbis) aufgesucht hatte. Dessen Vater forderte aber die Frau auf, zu ihrem Manne nach Düsseldorf zurückzukehren. Die bedauernswerte Frau hat eine schwere Gehirnerschütterung infolge Schädelbruchs erlitten und liegt noch besinnungslos im hiesigen Johanniterkranken- Hause. Man hofft jedoch sie am Leben zu erhalten.
Höchst a. M., 2. Dezember. Heute nachmittag stürzte auf dem Neubau der katholischen Kirche in Hattersheim eine Mauer ein, wobei ein Arbeiter g'e- tötet und neun verletzt wurden.
Winterberg, 1. Dezember. Im benachbarten Küstelberg trug sich am vergangenen Freitag ein Unglücksfall zu. Ein Schulknabe hatte einen geladenen Revolver mit in die Schule genommen und zeigte ihn während des Unterrichts seinen Mitschülern. Plötzlich entlud sich die Waffe und die Ladung drang einem 13jährigen Knaben in den Rücken, sodaß er schwer verletzt wurde.
Neuhaus im Solling, 1. Dezember. Nachdem bereits in der Göhrde, dem bekannten großen Wald, wo der Kaiser alljährlich Hofjagden abhält, der Versuch gemacht worden ist, Mufflons einzuführen, der auch von einigen Erfolgen gekrönt worden ist, hat jetzt auch die Obersörsterei Neuhaus den Versuch unternommen, im Solling, dem noch von der Kultur wenig berührten Waldgebirge im Süden der Provinz Hannover, zwischen Leine und Weser, Mufflons einzuführen. Das Mufflon, eine Art Gebirgsschaf, hat seine Heimat in südlichen wärmeren Gegenden, namentlich auf Sardinien und Korsika, und es bleibt daher abzuwarten, ob es sich bei uns akklimatisiert. In einem mehrere Morgen großen Waldkomplex bei Neuhaus sind vorläufig 8 dieser Tiere eingegattert worden. Man will ihre Zahl so bald als möglich auf 12 ergänzen, muß aber abwarten, bis wieder ein Transport dieser wertvollen Tiere eintrifft, ein jedes wird mit 500 Mk. bezahlt. Die Mufflons vermehren sich stark und sollen dann über das ganze Solling- Gebirge verbreitet werden. Die Mufflons sind sehr schwer einzufangen, sie sind äußerst furchtsam und scheu und haben einen ungewöhnlich scharf entwickelten Gehör- und Geruchsinn, so daß die Jagd auf dieses Wild sehr schwierig, aber für weidgerechte Jäger umso reizvoller und interessanter sein wird.
Deutscher Reichstag.
Das Haus erkbigk am Dienstag zunächst einige. kurze Anfragen. Auf eine Anfrage der Abgg. Hoppe und Held (natl.) über den Ankauf von Remonten antwortete Generalmajor von Hohenborn, daß trotz der höheren Preise eine ungünstige Beeinflussung des Remontierungsmarktes nicht eingetreten sei. Auf eine weitere Anfrage des Abg. Feldmann (Soz.), ob in einigen schlesischen Kreisen das Klauenvieh infolge der Seuche massenhaft abgeschlachtet und den Laud- Wirten Entschädigung gewährt worden sei, antwortete Ministerialdirektor von Joucquieeres, daß Entschädigungen in vollem Umfange gewährt worden und die Seuche im Erlöschen sei. Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Haegy (Elf.) über die Vorgänge in Zabern verwies Generalmajor von Hohenborn auf die Erklärung des Kriegsministers vorn Montage. Die auf der Tagesordnung stehende Interpellation der Konservativen über die Dienstbotenversicherung wurde nach der Erklärung des Ministerialdirektors Richter, daß die Interpellation in nächster Woche beantwortet werde, von der Tagesordnung abgesetzt. Nunmehr nahm das Haus die Abstimmungen über die schon verhandelten Wahlprüfungen vor. Die Wahlen der Abgg. Graf von Carmer-Osten (kons.) von Bonin (kons.), Hegenscheidt (Rp.), Burckhardt (W. Vg.), Herzog )W. Bg.) wurden für gültig, die Wahlen der Abgg. Haupt (Soz.) und Kuckhoff (Zentr.) dagegen für ungültig erklärt. Das Haus ging über zur ersten Lesung des Etats. Reichsschatzsekretär Kühn gab eine allgemeine Uebersicht der Finanzen. Er führte aus, daß es das Bemühen der Verbündeten Regierungen gewesen sei, die innere Festigkeit aufrecht zu erhalten. Die Höhe des Wehrbeitrages sei für diesen Etat noch nicht bekannt: es mehrten sich jedoch die Stimmen, die ihn auf mehr als fünfviertel Milliarden einschützen. Die Inanspruchnahme der Steuerzahler werde in den nächsten Jahren nur schonend erfolgen dürfen und die Kunst der Finanzierung werde in der Beschränkung der Reichsausgaben bestehen. Die Lage der Reichsbank sei glänzend, der Warenverkehr habe erheblich zugenommen. Der Branntweinsteuerrückgang bedeute zwar ein Passivum im Reichshaushalt aber ein Aktivum für unsere Volkswohlfahrt. Die deutsche Zuckerernte bedeute eine Weltrekvrdernte. Der Schatzsekretär schloß: Für die breite Masse der Bevölkerung sowohl wie für die gesetzgebenden Körperschaften gelte das alte Wort: Die Menschen wollen nicht einsehen, eine wie große Einnahmequelle die Sparsamkeit sei. Jeder müsse unerfüllbare Ansprüche zurückschrauben, darnach müsse gehandelt werden. (Beifall.) Darauf vertagte sich das Haus auf Mittwoch: Interpellationen über die Vorgänge in Zabern. "
Wetteraussichten für Donnerstag den 4. Dezember.
Vorwiegend trüb, zeitweise Niederschlüge, keine Temperaturanderung, westliche Winde.