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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Nsftibet

für den Kreis Hersfeld

Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 172.

Mittwoch, den 3. Dezember

1913.

Bus der Heimat.

Dezember.

Wenn die geheimnisvolle Andreasnacht vorüber ist, dann steigt der 1. Dezember herauf und leitet den Christmonat ein, den letzten Monat des Jahres. Christmonat! Das klingt so anheimelnd, so er- wartungs- und freudevoll. Die Kleinen träumen von Tannenbaum und Lichterglanz und reichlicher Be­scherung, und die Großen sind auch in besonderer Stimmung, so recht bereit zum Geben und Freude­machen, so voll von Erinnerung an eigene glückliche, weihnachtliche Kinderseligkeit. In keinem anderen Monat wird so gern und so viel gekauft wie im Dezember; möchte man sich es nur zur Pflicht machen, die Weihnachtsbesorgungen hübsch beizeiten vorzu- nehmen, man erleichtert es auf diese Weise nicht nur den geplagten Geschäftsleuten, sondern auch sich selber. Allerdings zur richtigen weihnachtlichen Einkaufs­stimmung gehört auch ein richtiges Winterwetter, wenigstens bei uns in deutschen Landen. Auch der Landmann wünscht sich im Dezember Frost und Schnee; denn in den alten Bauernregeln heißt es:

Dezember kalt mit Schnee Gibt Korn auf jeder Höh, und

Auf kalten Dezember mit tüchtigem Schnee Folgt ein fruchtbares Jahr mit reichlichem Klee.

Dagegen

Dezember lind und naß Gibt leere Speicher und Faß.

Nicht minder ist den immer zahlreicher werdenden Freunden des gesunden Wintersports echtes und rechtes Winterwetter erwünscht. Es braucht ja des­halb noch nicht so grimmige Kälte zu werden, wie im Dezember 1870, wo unsere wackeren Krieger fern von der Heimat in frierender Einsamkeit ihrer Lieben daheim gedachten. Der 22. Dezember bringt uns den kürzesten Tag des Jahres, die Wintersonnenwende, und gibt uns bereits einen Hinweis auf das siegende Licht. Mit dem 24. Dezember beginnen die volkstüm­lichen geheimnisvollenzwölf Nächte", und aus ihnen hebt sich wieder als etwas ganz besonders Bedeutungs­volles die Silvesternacht heraus, der Schluß des ganzen langen und schließlich doch so schnell ver­gangenen Jahres.

):( Hersfeld, 2. Dezember. Wie am Sonntag im Hauptgottesdienst bekannt gemacht wurde, werden die A b e n d g o t t e s d i e n st e in der hiesigen Hospitalskapelle Mittwoch den 3. d. Akts, wieder ihren Anfang nehmen und zwar wie immer abends 8 Uhr.

):( Hersfeld, 2. Dez. Dem heutigen Schweine- m a r k t waren 176 Schweine zugeführt. Da rege Nachfrage herrschte, so zogen die Preise gegen das letzte mal um einige Mark an.

):( Hersfeld, 2. Dezember. Zu dem gestern abend von der hiesigen Ortsgruppe des Deutschen Wehrvereins in der neuen Turnhalle veran- stalteten Vor trage hatte sich eine zahlreiche Zu­hörerschaft eingefunden. Nachdem der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, Herr Dr. O v e r b e ck, die er­schienenen Damen und Herren herzlich willkommen geheißen und in kurzen Zügen den Zweck des Deutschen Wehrvereins klargelegt hatte, eröffnete er die Veranstaltung mit einem Hoch auf unsern obersten Kriegsherrn. Hierauf ergriff Se. Excellenz Herr Generalleutnant Litzmann das Wort zu dem Vortrage Welche Lehren lassen sich aus den beiden jüngsten Balkankriegen fürDeutschlandsWehrkraft-Entwicklung ziehen". Redner verstand seine Zuhörer mit seinem von hohem patriotischem Geiste getragenen Aus­führungen zu fesseln. Zunächst besprach er seine per­sönlichen Reiseeindrücke und die dabei gemachten Be­obachtungen über das türkische Heer. Als besonders auffallend schildert er die schlechte Verfassung der oft bedauernswerten Soldaten, die Gleichgiltigkeit und öftere große Pflichtvergessenheit der Offiziere sowie dit^t^tchgültigkeit der Bevölkerung. Viel gutes berichtete er von den in türkischen Diensten ge- standenen deutschen Offizieren, die leider bei Ausbruch des Krieges beiseite geschoben wurden. Es sei eine Verleumdung, wenn man die Schuld der Niederlagen auf türkischer Seite den deutschen Offi­zieren zuschieben wolle. Nachdem noch der Redner- tiber die Wirkung der unter den Türken ausge- brochenen und rasch um sich gegriffenen Cholera be­richtet hatte, faßte er seine gewonnen Lehren wie folgt zusammen: Ein Staat, der Großmacht ist und bleiben will, muß aktive Politik betreiben, eine wohl­geordnete genügende Wehrmacht besitzen und die Be­völkerung muß von einer wahrhaft glühenden Vater­

landsliebe durchdrungen sein. Eine weitere Lehre sei, daß man im Ernstfall auf Bundesgenossen wenig rechnen könne und seine Feinde nicht unterschätzen dürfte. Sodann zeigte der Herr Redner an Hand einer aufgestellten Skala die Stärke des deutschen Heeres im Vergleich zu Rußland und Frankreich. Wenn auch Deutschland mit seiner Heeresvorlage ein gutes Stück vorwärts gekommen sei, so ständen unsere 25 Armeekorps immer noch 54 russischen und fran­zösischen gegenüber. Trotz der Millionen Unter­schiede dürfe man doch an der Ueberzeugung festhalten, daß unser Heer mit seiner bewußten Treue und Tapferkeit es mit den Gegnern aufnehmen werde. Nach eines Pause sprach dann Herr Generalleutnant Litzmann noch über das Land und Leben in Montenegro. Seine auch hier so interessanten Ausführungen schloß er mit einem Hinweis auf das tapfere Ringen der Norkschen Truppen vor hundert Jahren. Reicher Beifall lohnte den Redner am Schlüsse für seine glänzenden Schilderungen.

-l- Asbach, 9. Dezember Auf dem Bahnkörper in der Nähe unseres Ortes fand man heute früh die Leiche des 70jährigen Auszügers Grunenewald von hier. G., welcher in sehr dürftigen Verhältnisfen lebt, ist wahrscheinlich noch gestern abend von dem Zuge überfahren worden, ohne daß jemand etwas gemerkt hat. Ob nun ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, wird die sofort eingeleitete Unter­suchung ergeben.

Dermbach (Rhön), 30. November. Beim Kanalbau in der Nähe von Zella wurde in etwa Va Meter Tiefe das Skelett eines Menschen gefunden. Wer der Tote ist, konnte bis jetzt nicht festgestellt werden) die Untersuchung ist im Gange.

Gießen, 1. Dezember. Am Samstag gegen 12 Uhr vormittags betraten zwei vornehm sich gebende Herren den an der Ecke des Kreuzplatzes und der Kapelansgasse, also in der lebhaftesten Geschäftslage befindlichen Laden des Goldarbeiters Brück und wünschten goldene Uhren vorgelegt. Der Inhaber des Geschäfts legte vier wertvolle Uhren vor. Die feinen Kunden wollten erst eine derselben für 300 Mark kaufen, doch gefiel ihnen schließlich die im Preise am teuersten am besten, worauf sie erklärten, in einer Stunde zurück zu kehren, sie hätten nicht Geld genug eingesteckt. Der Goldarbeiter begleitete die Herren bis zur Tür, als er von dort hinter den Ladentisch zurückkehrte, merkte er, daß eine Uhr ver­schwunden war, und zwar dieselbe, die den Herren so gut gefallen hatte. Der Polizei, die sofort benach­richtigt wurde, glückte es nicht, die Diebe zu fassen, dieselben konnten vielmehr in einem Juwelierladen in Bad-Nauheim am gleichen Tage um 3 Uhr nach­mittags denselben Gaunerstreich wiederholen und haben auch dort eine goldene Herrenuhr auf die gleiche Weise gestohlen.

Marburg, 29. Nov. Das Landgericht verurteilte einen Kaufmann aus Ziegenhain, der, um eine Forderung nicht verjähren zu lassen, in einem Ein­trag in seinem Geschäftsbuch eine Datumsänderung vornahm und das Buch bei der Klage benutzte, wegen schwerer Urkundenfälschung und versuchten Betrugs zu 10 Tagen Gefängnis. Bemerkt sei, daß das Ge­richt Milderungsgründe in Betracht zog. Ein fremder Reisender, der in einem hiesigen Hotel ab- stieg, wurde am andern Morgen als Leiche im Bett aufgefunden. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende bereitet.

Hanan, 30. November. Der 36 Jahre alte Gold­arbeiter Hilmar stürzte, als er sich vorn Besuche einer Wirtschaft nach Hause begeben wollte, die Kellertreppe hinunter und erlitt einen schweren Schädelbruch, an dem er bald darauf verschieden ist.

Frankfurt a. M., 1. Dezember. Auf dem hiesigen Flugplatz ereignete sich gestern ein Unglücksfall. Beim Anlassen des Motors eines Flugapparates wurde der 28 Jahre alte verheiratete Mechaniker Ballenberger vom Propeller erfaßt und sehr schwer­verletzt. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.

Frankfurt a. M., 1. Dezember. Gestern fand hier im Steinernen Haus eine außerordentliche Versamm­lung der Vereinigung der Ortskrankenkassen der Provinz Hessen-Nassau statt. Dieselbe war von 35 Kassen, welche 217 000 Mitglieder zählen, durch 26 Arbeitgeber, 42 Arbeitnehmer und 30 Beamten be­schickt. Herr Gräf-Frankfurt berichtete über den augenblicklichen Stand der Arztfrage. In Hessen- Nassau sei fast durchgängig die Hauptforderung der Aerzte, die freie Arztwahl, durchgeführt. Man habe deshalb gehofft, daß unsere Provinz von dem Aerzte- Konflikt verschont bleiben würde, umsomehr, als noch bis vor kurzem die Aerzte sich mit unseren Zu­ständen zufrieden erklärt hätten. In einzelnen Städten und auch in Reffen und Baden hätten die

Kassen, um den Frieden zu erhalten, die Honorare bis auf das Doppelte erhöhen wollen, doch hätten die Aerzte den Vertragsabschluß verweigert. Die Er­füllung der ärztlichen Forderungen, die Redner einzeln besprach, würde den Kassen die Familienhilfe unmöglich machen und die Beiträge bis auf 6 Prozent hinauftreiben. Er sei früher stets für die freie Aerzte- wahl eingetreten, doch jetzt mit vielen anderen zu der Ueberzeugung gekommen, daß dadurch nicht zu einem Frieden mit den Aerzten zu kommen sei. Die Diskussion beschäftigte sich hauptsächlich mit Maßnahmen, welche bei einem etwaigen am 1. Januar durch den Generalstreik der Aerzte eintretenden vertragslosen Zustand zu treffen seien.

Sandershansen, 1. Dezember. Am Sonnabend ereignete sich hier ein bedauerlicher Unglücksfall. Das 10jährige Töchterchen des Arbeiters K., das mit andern Kindern spielte, kam unvorsichtigerweise mit der Hand den Messern der Häckselmaschine des Gärt­ners S. zu nahe und schnitt sich zwei Finger ab. Die Kinder waren unbeaufsichtigt.

Von der Oberweser, 1. Dezember. Der 15jährige Schiffsjunge Luöewig aus Bodenfelde hatte am letzten Donnerstag den nachHann. Münden fahrenden Schlepp­kahnMinden 33" bestiegen. Das Schiff legte abends in Oedelsheim an. Als der Junge am andern Morgen Asche ausschütten wollte, fiel er in die Weser und er­trank. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden.

Bleicherode, 30. Nov. Das in der Nachbargemeinde Kleinbodungen gelegene Nagelsche Rittergut ist nebst Zubehör für weit üb« eine halbe Million Mark, nämlich 586 000 Mark, in den Besitz der Frau Dr. Hermann Weber in Berlin-Wilmersdorf überge­gangen und sogleich übernommen worden.

Biedenkopf, 30. November. In Simmersbach starb an den Folgen eines Messerstiches ein junger Mann, der vor etwa 8 Tagen in eine Schlägerei ver­wickelt wurde.

Zeulenroda, 1. Dezember. Am Sonnabend vor­mittag geriet hier auf dem Güterbahnhof der in den 30er Jahren stehende Hilfsweichenwärter Emil Wermig von Böhmersöorf beim Abkoppeln eines Viehwagens unter die Räder. Er wurde so schrecklich verstümmelt, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Wermig ist ver­heiratet und Vater von fünf unerzogenen Kindern.

Deutscher Reichstag.

Auf der Tagesordnung der Sitzung vorn Montag stand die Interpellation der Elsässer über die Vor­gänge in Zabern. Reichskanzler v. Bethmann Holl- weg erklärte, daß er die Absicht gehabt habe, die Interpellation zu beantworten. Da sich aber in Zabern erneut bedauerliche Vorgänge zugetragen haben und er den größten Wert darauf lege, dem Lande Auskunft zu geben, um jeden Zweifel daran zu beseitigen, daß Gesetz und Ordnung geschützt werde, werde er die Antwort geben, sobald das Ergebnis der eingeleiteten Untersuchung vorliegt. Das Haus ging nunmehr zur Regelung der Handelsbeziehungen mit England über. Abg. Hoesch (tonf.) erklärte sich gegen die weitere Verlängerung des Handelsprovisoriums auf zwei Jahre. Ein mit Energie durchgeführter zollpolitischer Kampf werde bessere Verhältrisse schaffen. Staatssekretär Dr. Delbrück betonte, daß es dem gesamten Handel mit England nur nützlich sein könne, wenn Kanada Konzessionen gemacht werden. Die Abgg. Molkenbuhr (Soz.j, Herold (Ztr.j, Dr. Paasche (nl.) und Pachnicke (Fortschr.) stimmten dem Entwürfe zu. Abg. Hoesch (kons.) betonte nochmals, daß sich die Konservativen durchaus nicht mit einer unübersteigbaren Schutzzollmauer umgeben wollen. Mit der Ausfuhr nach Kanada hätte Deutschland dagegen eine gute Waffe, um bessere Handelsverträge zu erzielen. Handelsverträge von Englands Gnaden seien nicht nach dem Geschmack seiner Parteifreunde. Damit schloß die Erörterung, und der Gesetzentwurf wurde in erster und zweiter Lesung angenommen. Es folgte die erste Lesung des Entwurfs über das Wiederaufnahmeverfahren bei Disziplinarverfahren. Der Entwurf, vom Staatssekretär Dr. Delbrück kurz begründet, fand in seinen Grundzügen die Zustimmung der Abgg. Dr. Landsberg (Soz.j, Dr. Bolz (Ztr.j, Dr. Thoma (nl.), während Dr. Liesching (Fortsch.) erheb- Liche Mängel darin sah. Schließlich wurde die Vor­lage an eine Kommission von 21 Migliedern verwiesen. Nach Erledigung einiger Petitionen ver­tagte sich das Haus auf Dienstag: Erste Lesung des

Wetterausfichten für Mittwoch den 3. Dezember

Vorwiegend geringe Niederschläge, keine Tempe­raturveränderung, westliche Winde.