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oh* Die Tat eines wahnsinnigen Schutzmanns. Ein Revierschutzmann des 5. Polizeireviers in Breslau, bei dem schon seit längerer Zeit Anzeichen von Geistes­störung bemerkt worden waren, erschoß Freitag abend seine Frau, seine beiden Kinder und dann sich selbst.

$-* Massenvergiftungen nach dem Genuß von Wurst. In einigen kleinen Orten Andalusiens erkrank­ten 150 Personen nach dem Genuß von Wurst unter schweren Vergiftungserscheinungen. Einige der Er­krankten sind gestorben.

o^> Tumulte bei einem Boxkampf. Als sich Freitag abend in einem Pariser Varietee der Boxkämpfer Jack Jpheson im Ringkampf maß und dabei verbotene Griffe anwandte, schließlich sogar seinen Gegner, einen Rus­sen, mit einem Faustschlage niederstreckte, kam es zu einem großen Tumult. Von allen Seiten flogen Gegen­stände auf die Bühne, das Publikum machte auch den Versuch, das Podium zu erklettern. Schließlich machte die Polizei dem Radau ein Ende.

o-* Wieder eine Diamautengeschichte. Der Leiter der Neuyorker Diamantenfirma David Bloch wurde in Krakau verhaftet, weil er dringend verdächtig ist, die ihm anvertrauten Brillanten im Werte von einer halben Million Mark unterschlagen zu haben.

Gericht und Recht»

«-* Verurteilung eines Dissidenten. Das Land­gericht in Dresden verurteilte am Sonnabend den Tisch­ler Gruscha aus Meißen zu einer Geldstrafe von zehn Mark, weil er als Dissident sich strikte geweigert hatte, die zum Religionsunterrichte erforderlichen Schulbücher für feine Kinder zu beschaffen.

Fahnenflüchtig — in der Kaserne. Mit einem eigen­artigen Fall von Fahnenflucht hatte sich das Kriegs­gericht der 2. Gar/>e-Division in Berlin zu befassen. Der Grenadier Ochs von der 4. Kompagnie des Königin- Elisabeth-Garde-Grenadier-Regiments ist ein Soldat, der sich gern vor dem Dienst drückt. So war er eines Tages, anstatt zum Dienst anzutreten, nach dem Keller heruntergegangen und hatte sich dort in einer Ecke ver­borgen. Nach zwei Tagen fand man den Vermißten in seinem Versteck auf. Er kam wegen dieser „Desertierung" noch mit einer örsziplinarischen Strafe davon. Aehn- lich liegt ein anderer Fall, dessentwegen der Grenadier jedoch vor das Kriegsgericht gestellt wurde. Im Juli war der Angeklagte fußleidend und revierkrank gemeldet worden. Als er wieder geheilt war, schwindelte er dem Feldwebel vor, er sei noch Rekonvaleszent und müsse sich schonen. Da die anderen Mannschaften von der Stube, auf der O. lag, in Jüterbog zur Uebung waren und die Stube infolgedessen geschlossen bleiben sollte, gab der Feldwebel dem Angeklagten den Befehl, den Schlüssel beim diensthabenden Unteroffizier abzuliefern. O. tat dies aber nicht und ging auch nicht auf das Re­vier. Er schloß sich vielmehr auf der Stube ein und hauste dort heimlich in beschaulicher Ruhe. Da er dienst­lich aber im Revier sein mußte und niemand ahnte, wo er sich aufhielt, so war er für die Vorgesetzten nicht erreichbar und machte sich auf diese Weise der unerlaub­ten Entfernung schuldig, obwohl er mitten im Kaserne- ment wohnte. Der Angeklagte will während dessen nur Wasser getrunken und nichts -gegessen haben. Bei einem Ausflug nach dem Grunewald griff ein Gendarmerie­wachtmeister den „Drückeberger" schließlich auf. Da dem Angeschuldigten nicht nachgewiesen werden konnte, daß er die Absicht hatte, sich dauernd seiner Dienstpflicht zu entziehen, erkannte das Gericht nur auf erschwerte un­erlaubte Entfernung und verurteilte O. zu einer Ge­fängnisstrafe von zwei Monaten, die durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurde.

Weil ihm seine Frau zu alt war, hat sie der Bauer Xaver Pfab aus Branöelberg einfach aus der Welt ge­schafft. Er hatte sich dieserhalb vor dem Schwurgericht zu Regensburg zu verantworten. Der 56 Jahre alte Täter ist taubstumm und mußte daher durch Vermitt­lung eines Taubstummenlehrers vernommen werden. Aus der Beweisaufnahme ging hervor, daß Pfab den Plan wohl erwogen hatte. Er erwartete seine Frau, als sie aus der Kirche zurückkehrte, und schlug sie mit einem Beile nieder. Die Ueberfallene war sofort tot. Bei sei­ner Vernehmung gab er ruhig zu, die Frau getötet zu haben, weil sie acht Jahre älter war wie er und er sie los sein wollte. Der Angeklagte kam mit einer verhält­nismäßig milden Strafe davon. Nach dem Verdikt der Geschworenen verurteilte ihn der Gerichtshof zu sieben Jahren Zuchthaus.

Vermischtes«

Eiu neues Maschinengewehr. Auf dem englischen Truppenübungsplatz von Bisley wurde ein neues Ma­schinengewehr vorgeführt, das im Stande sein soll, in der Mrnute 800 Schutz ab zufeuern. Es wurde sowohl auf der Erde als auch von einem Aeroplan aus probiert. Das neue Maschinengewehr hat Ähnlichkeit mit einem grotzen Gewehr und rst die Erfindung eines amerikani­schen Obersten Lewis. Durch eine besondere Konstruk­tion des Laufes wird die Luft als Kühlmittel benutzt. Gewöhnlich ruht die Waffe auf einem Dreifuß, im Not­fall kann sie jedoch auch von der Schulter aus abgefeuert werden. Sowohl die Versuche auf der Erde, wie die vom Flugzeug aus sollen höchst beachtenswerte Resul­tate ergeben haben.

Milde Winter in der Vorzeit. In der Witterungs­geschichte, vom Jahre 1172 ab, finden sich viele äußerst milde Winter im nördlichen Deutschland verzeichnet. So trieben 1184 die Bäume und Weinstöcke schon im Februar Knospen und Blüten, die Baumfrüchte gelang­ten im Mai und die Weintrauben anfangs August zur Reife. 1289 trugen die Jungfrauen in den Weihnachts- seiertagen Kränze von blühenden Veilchen, und im Februar von blühenden Kornblumen in den Haaren. Im April blühte der Wein auch in Berlin, denn die Stadt besaß damals viele Weinberge. Im Jahre 1572 schlugen im Januar die Bäume aus, im Februar be­deckten sie mit ihrem Laube die Vogelnester. Anno 1622 war der Januar im nördlichen Deutschland so gelinde, daß die Oefen nicht geheizt zu werden brauchten: im Februar blühten die Bäume. Im Winter 1659 trat we­der Frost noch Schnee ein; 1782 kamen gegen Ende De­zember heftige Stürme, Blitz und Donner: im Januar 1788 trieben die Gartenpflanzen hervor und die Bäume schlugen aus.

Was ein Kindermagen verträgt. Im Bocholter Waisenhaus mußte an einem geistig nicht normalen Mädchen das ein Taschenmesser und zwei Schlüsselbunde verschluckt haben sollte, eine Operation vorgenommen werden. Wie erstaunt war man, als der Arzt nicht nur diese Gegenstände, sondern auch noch ein geöffnetes Ta­schenmesser mit abgebrochener Klinge sowie zwei Mes- singvlättchen zutage förderte. (?) Das Mädchen, dessen Geisteszustand sich verschlimmerte, sollte darauf in eine Heilanstalt gebracht werden: es entschlüpfte jedoch, not­dürftig bekleidet, seinen Wärtern und konnte bis jetzt nicht wieder ergriffen werden.

Ist Rot die richtige Farbe für ei» Gefahrsignal? >s ist eine merkwürdige Tatsache, daß die rote Farbe on seit allen Zeiten, also lange vor der Erfindung der

Eisenbahn, dazu benutzt worden ist, Warnungssignale abzugeben. Man sollte deshalb meinen, daß die Eig­nung gerade dieser Farbe für einen solchen Zweck durch lange Erfahrung zuverlässig festgestellt sei. Und doch ist dem zu widersprechen. Nach der heutigen Kenntnis ist unter je 25 Personen schon eine, die kein hinreichendes Unterscheidungsvermögen für Rot besitzt. Auch sonst ist manches gegen die Farbe einzuwenden, da sie imment- lich vor dem Sonnenlicht leicht verblaßt und daher bei einer Herstellung durch Malerfarbe eine häufige Er­neuerung verlangt. Dr. Patterson hat daher den Vor­schlag gemacht, eine Farbe für Gefahrsignale zu wählen, für die im allgemeinen jedes menschliche Auge hin­reichend empfindlich ist, und er glaubt, daß dadurch die Zahl der Unfälle im Eisenbahnverkehr und auch in an­deren industriellen Betrieben verringert werden könnte. Patterson hält Gelb und Blau für die besten Farben beim Gebrauch von Warnungssignalen. Es gibt aller­dings auch eine Farbenblindheit gegen diese beiden Far­ben, aber sie ist sehr selten. Bei fast allen Menschen ru­fen sie mit großer Schnelligkeit die normale Farben­empfindung hervor und sie gehören außerdem zu den leuchtendsten Farben des Spektrums.

Der sechste Sinn der Blinden. In der Lombardia erzählt ein Mitarbeiter eine überraschende Geschichte von einer amerikanischen Blinden, Lelia Holterhof, die einen neuen Sinn zur Erkennung der Außenwelt besitzt. Sie erblindete, als sie ungefähr einen Monat alt war. Die Eltern ließen sie nun freier und selbständiger der Außenwelt gegenübertreten. Ihr Tastsinn wurde nicht ausgebildet, dafür desto mehr ihr Instinkt. Sie ließen sie allein das richtige Gehen lernen: sie gaben ihr Messer und Gabel in die Hand und förderten ihr instinktives Essen,- sie überließen ihr ganzes Werden dem Instinkt und der Empsindungsschärfe. Heute besitzt die junge Dame einen rätselhaften Sinn der Außenwelt gegenüber. Sie unterscheidet den Morgen vom Mittag, den Mittag vom Abend: sie macht sich von den kleinsten, auf schärs- ster Beobachtung beruhenden Zeichen ein Bild von Sa­chen, Personen und psnchischen Eigenschaften. Der Klang der Stimme sagt ihr, ob ein Mann, der mit ihr spricht, einen Schnurrbart trägt oder ob er rasiert ist. Sie äu­ßert sich zutreffend über sein Temperament und über sein Aussehen. Intuitiv erfaßt sie, ob der Sprechende fett oder mager, gut oder tückisch ist. Sie singt, spielt Klavier, tanzt, schwimmt, reitet und fürt auf dem Zwet- rad. Sie beherrscht das Lateinische, Französische, Deutsche und Spanische. Sie unternimmt mit großer innerer Ausbeute Reisen. Der Mitarbeiter der Lombardia be­hauptet sogar, daß sie dabei mehr profitiere als mancher Sehende. Bei dieser Gelegenheit möge auch an den Professor Edgar Guilbeau, einen Blindgeborenen, er­innert sein, der in vielen Beziehungen Fräulein Hol­terhof gleicht.

Aha! A.: „Ihr Freund ist ja, scheints, ein ausge­zeichneter Kenner der Stadt?" — B.: „Na und ob! Der zahlt nirgends den Mietzins und muß daher alle Viertel­jahre umziehen."

Die Gräfin Treuberg und ihr Gefolge.

Ei» Berliner Sittenbild.

Ueber die Welt, in die uns der Prozeß gegen die Namensgräfin Treuberg führt, plaudert die „Kölnische Zeitung":

Der Prozeß und die Gestalten, die er vor die Schran­ken ruft, führen uns in wenig empfehlenswerte Kreise der Reichshauptstadt. Die spezisische Atmosphäre der Berliner Lebewelt, aus der der Geruch einer verschleier­ten Brutalität nie wegzubekommen ist, umfängt uns hier. Es sind die Leute, die im tadellosen „Dreß" des Nachts um 2 Uhr an der Bar der Nachtlokale sitzen, aus ihrem Strohhalm irgend einen amerikanischen „Drink" schlürfen oder in den sogenannten Luxusrestaurants eine Flasche Champagner nach der anderen trinken, aus deren Mitte sich aber auch auf einmal ein wüster Zank erheben kann, bei dem der Sprache und der Seele Hüllen wun­derbar gleichmäßig fallen. Bei den meisten spielt der Kampf um die Erwerbsquellen für dieses Leben eine be­deutende Rolle, und während sie ihrer Freundin zutrin­ken und sich scheinbar wie Erdengötter fühlen, beherrscht sie innerlich nur der eine Gedanke: „Wenn nun der Wechsel, der morgen fällig ist, nicht prolongiert wird, was dann?" Oder: „Wenn „3lfe morgen in Karls­horst nicht gewinnt, bin ich futschikato —"

Geld muß her, gleichviel woher, es muß geschafft werden, um das betäubende Leben, an das man sich ge­wöhnt hat, fortzusetzen. Aus diesem Hintergründe, in­mitten dieses Lebens warf die Gräfin Fischler v. Treu­berg ihr Netz aus, deutete die einen aus, pumpte den anderen Geld — gegen sehr hohe Zinsen — vermittelte Verkäufe und Heiraten — gegen sehr hohe Provisionen — und verschaffte sich die Mittel zu dem eleganten Lebe», das sie seit mehr als 20 Jahren führt. Sie ist jetzt be­reits über 40 Jahre alt: es scheint aber, daß die Macht ihrer Reize für einige immer noch nicht aufgehört hat. Eine wirkliche Gräfin? wird der Leser mißtrauisch fra­gen. Daran ist wohl nicht zu zweifeln: da sie sich im Jahre 1911 in England mit dem Schiffsoffizier Grafen Fischler v. Treuberg verheiratet hat, der jetzt allerdings in Scheidung mit ihr liegen soll. An sich heißt sie Elisa­beth Emilie Uhl, ist die Tochter eines unbemittelten Mannes aus einer Stadt am Main und hat die regel­rechte Laufbahn einer Halbwelterin hinter sich. Immer­hin hat sie auf diesem Wege mit der Gräfinnenkröne ein ganz hübsches Ziel erreicht, das ihr natürlich nur als Unterlage und Kapital für weitere Unternehmungen dienen soll. Denn im lieben Deutschland ist's noch im­mer so, daß ma jedem Hochstapler, der Erfolge haben will, nur erst einmal empfehlen kann, sich einen Titel anzuschaffen, dann glauben ihm soundsoviel gläubige Schafe alles.

Der Fischler-Treuberg, die in allen Lagen ihres Lebens unternehmend, rücksichtslos und geschäftstüchtig war, fehlte es, als sie nach Berlin kam, bald nicht an guten Verbindungen. Auf der Liste der Zeugen, die der Prozeß aufgerufen hatte, stehen die Namen von Ritter­gutsbesitzern, ehemaligen Offizieren, vermögenden Stu­denten, sogar der einer Prinzessin. Manche der Zeugen hatten sich gedrückt und zum Teil „ärztliche" Zeugnisse aus dem Ausland eingeschickt, daß sie verhindert waren. Die Anbeter einer hübschen Frau lassen sich merkwürdi­gerweise stets nur mit großer Mühe vor die Schranken der Themis bringen. Auch einige Geldverleiher, die mit der Angeklagten in Verbindung getreten waren, waren als Zeugen geladen. Die Gräfin Fischler-Treu­berg, die im Anfang eine sehr zuversichtliche Haltung bewahrt hatte, wurde nach einigen Tagen merklich un­sicherer. Sie war so gescheit, sich gegen die Borwürfe, die ihren Lebenswandel betrafen, gar nicht weiter zu wehren, dagegen sich in jedem einzelnen Falle, der Be­trug oder Erpressung betraf, zur Wehr zu setzen. Als man den Aufwand erörterte, den sie gemacht haben sollte, ergaben sich wieder einmal jene unvermeidlichen Gegensätze, die die Anschauungen unserer Gerichtshöfe und das wirkliche Leben jener Kreise so oft ergeben.

Was heißt Aufwand? Die Kunst, den Leuten Sand in die Augen zu streuen, erfordert nun einmal in einer

Weltstadt einen anderen Rahmen als das Leben eine« pflichtgetreuen Beamten. Die Angeklagte nahm den Leuten, wenn sie Heiraten und Darlehen vermittelte, Hunderte und Tausende ab,- besonders gern aber suchte sie im Leben ihrer Beziehungen nach irgendeinem schwachen Punkte, der sich zur Ausübung auch eines stärkeren „Druckes" benutzen ließ. Die besonders in­teressanten Fälle betrafen bis jetzt einen früheren Pionier-Oberleutnant, einen reichen Steinbruchbesitzer und einen Regierungsreferendar, der sich erschossen hat. Und da wundert man sich bei der Betrachtung der Hand­lungsweise dieser Männer immer über eins. Nicht, daß sie den ersten Schritt taten, mit der Angeklagten in Beziehung zu treten — wem wäre eine menschliche Schwäche nicht verzeihlich? —, sondern daß ihre aner- zogenen Ehrbegriffe ihnen erlaubten, die diesen Ver­bindungen mit faulen Geldleuten, zweifelhaften Ver­mittlern und Halbweltdamen, die den Ring um sie schlössen, zu bleiben. Es ist ja leider bei uns zu häuft«, daß diese Ehrbegriffe, auch in den besseren Kreisen, oj viel mehr dazu dienen, den Kastengeist und das Stan­desgefühl des einzelnen zu heben, als die Selbstachtung und die innere Selbstzucht zu fördern. Aus derartigen morschen Elementen hat sich der Kreis zusammengesetzt, in dem die Fischler-Treuberg lebte, und den sie aus- beutete, und darum gibt dieser Prozeß immer hin ein Sittenbild im kleinen Kreise.

Neue Zwischensälle in Zabern.

Fortbildungsschüler als Urheber.

0;* Freitag abend ist es in Zabern wiederum zu erregten Szenen, zum Einschreiten des Militärs und zahlreichen Verhaftungen gekommen. Ueber den Anlaß dazu wird berichtet: In der Nähe der Wohnung des Leutnants von Forstner standen einige Offiziere zu­sammen, als gerade die Fortbildungsschule geschlossen wurde. Aus der Mitte der jungen Leute fielen Schmäh, rufe auf Leutnant von Forstner, worauf Leutnant Schade die Wache alarmieren, die Bajonette aufpflanzen und die Straße abpatrouillieren ließ. Unter den Ver­hafteten sollen sich auch einige richterliche Beamte be­finden, die sich auf der Straße aufhielten, weil im Land- gerrchrsgevauoe gerade ein großer Prozeß zu Ende war. Eine amtliche Darstellung über den Zwischenfall liegt noch nicht vor. — Die „Frtf. Ztg." gibt eine Schilderung des Vorfalls, in dem es heißt: Die Stadt machte den Eindruck, als wäre sie im Belagerungszustand. Man weiß noch nicht genau, was eigentlich vorgefallen ist. Man sah, wie es heißt, am Abend plötzlich ein Dutzend Leutnants mit gezogenen Degen einen Mann verfolgen, der schließlich auch verhaftet wurde, sich aber wieder be­freite und entkam. Sofort wurde die Wache alarmiert, die sich mit aufgepflanztem Seitengewehr an die Verfol­gung des Flüchtigen machte. Er wurde eingeholt und auf die Wache geführt. Was er getan, weiß man augen­blicklich noch nicht. Auf dem Schloßplatz hatte sich in­zwischen eine große Menschenmenge angesammelt. Dort erschien Leutnant Schaöt mit 50 Mann, an die er, wie gemeldet wird, Patronen verteilen ließ. Er habe dann befohlen, auszuschwärmen und der Menge zugerufen: „Wenn Sie den Platz nicht verlassen, lasse ich schießen!" Der Tambour habe hierauf die Trommel zum Angriff geschlagen, worauf die Menge zurückströmte. Ungefähr dreißig Personen wurden verhaftet. In diesem Augen­blick ging im Landgericht ein großer Prozeß zu Ende und das Publikum strömte aus dem Gebäude. Dabei wurden zwei Landesgerichtsräte und der Staatsanwalt verhaftet.

Stimmen zur Erklärung des Kriegsminister^^

Einige Berliner Blätter bringen Aeußerungen über die Erklärung des Kriegsministers von Falken- Hayn auf die Interpellation der Elsässerpartei im Reichs- i tage bezüglich der Zaberner Affäre. So schreibt ine F „National-Zeitung", daß die Erklärung des Kriegs- - Ministers über die Zaberner Affäre vernünftig und ker­nig sei. Der nationalliberale „Deutsche Kurier" urteilt: . Man darf dem Kriegsminister glauben, als er sagte, daß kein deutscher Militär von Charge je die Absicht ge­habt hat, die reichsländische Bevölkerung zu beleidigen - oder herauszufordern. Die überwältigende Mehrheit des Reichstages stehe zweifellos auf der Seite der Mili­tärverwaltung. Daher ist der große Beifall, den der Kriegsminister schließlich fand, als erfreuliche Zustim­mung des deutschen Volkes selbst zu dem scharfen Vor­gehen der reichsländischen Militärbehörde in der Za­berner Angelegenheit zu betrachten. Die demokratische „Morgenpost" äußert sich: Wenn den Leutnant keine er­hebliche Verantwortung treffen soll, so trifft um so größere Verantwortung die Militär- und Zivilkrerse, die eine Kasernenhofaffäre zu einer Weltaffäre sich aus- wachsen ließen, nur, um das „glückliche Alter" eines Leutnants nicht mit einem richtigen Rüffel zu beschwe­ren. Der „Vorwärts" führt aus: Nachdem der Kriegs­minister die elsässische Frage im Reichstage beantwortet hatte, wurde er energisch und erklärte, an der ganzen Erregung seien die Soldaten schuld, die die Sache in die Oeffentlichkeit gebracht hätten und die Hetze, die man unter Nichtbeachtung des ossiziösen Dementis betrieben habe. Sprachs und enteilte geflügelten Schrittes. Na, | es kommen ja noch Interpellationen in dieser Sache. In I der zweiten Hälfte der nächsten Woche geht der Tanz | von Neuem los.

Stapellauf eines neuen Kreuzers.

Die Taufrede für den „Lützow".

Auf der Kaiserlichen Werft zu Danzig fand Sonnabend mittag unter den üblichen Feierlichkeiten der Stapellauf des als Ersatz für den großen Kreuzer „Kaise^ rin Augusta" erbauten neuen großen Kreuzers „Lützoro statt. Die Tausrede hielt der Oberküchenmeister U Kaisers, Graf Pückler, der an die große Zeit vor Jahren und die wackeren Waffentaten der Lützower am knüpfte. Er führte dann weiter aus: „Vom Vaterland geliebt, vom Feinde grimmig gehaßt, so brauste LützoM wilde verwegene Jagd durch Deutschlands Marken, b!» nach Frankreich hinein, tapfer kämpfend, sich durch keim Strapazen, durch kein Mißgeschick niederwerfen lassen", bis zu dem Augenblick des Zusammenbruchs »abA leonischer Macht und Herrlichkeit. Nun, was soll ew Kreuzer? Soll er nicht auch in die Flanken des Feindes gehen, aufklären, rückwärtige Verbindungen stören um in offener Seeschlacht, angelehnt an das noch mächtig^ Schlachtschiff, dem Feinde trotzen? Aber vor allem, wen soll es an Bord haben, wenn nicht schneidige blaue pn^ gen, denen das Herz auf der rechten Stelle treu und tapfer durchhalten, auch in schleck die für Deutschlands Ehre, wenn es sein mus einsetzen und hohen Zielen nachstreben-, auch — zu opfern im Stande sind. Mit Gott für Kaiser un Reich kämpft unsere herrliche Marine. So webe ^ über dir, du stolzes Schiff, allezeit die Devise Mit für Kaiser und Reich, und wenn du hinabtauchst, NA dem du deinen Namen empfangen haben wirst, in m>. Element, so mögen deine Wimpel „Hell" bedeuten u« deine Masten „Kraft". — Nunmehr folgte der Lamm der mit drei Hurras für den Kaiser avschlob.

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