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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Hersselder Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. m. (Erster Matt.)

Dienstag, den 8. Dezember

1913.

Der (Donas Dezember

bietet die beste Gelegenheit zu einem Probeabonne­ment auf das Bersfelder Tageblatt. Beder kann sich dadurch selbst von dem reichhaltigen 3nhalte über­zeugen.

Wöchentliche Beilagen:Von Hab und Fern, achtfeitiges illustriertes Unterhaltungsblatt sowieDach Feierabend, vierseitige Romanzeitung.

Alle 14 Tage illustrierte Landwirtschaft!. Beilage.

*G äste willkommen!" In den Zeitungs­anzeigen von Vereinsfestlichkeiten findet man häufig die freundliche EinladungGäste willkommen!" Und doch enthalten diese beiden Worte eine große Gefahr für den Verein. Das Kammergericht erblickt in einer derart abgefaßten Einladung zu einer Vereinsfestlich­keit die Absicht einer öffentlichen Veranstaltung. Die BemerkungGäste willkommen" veranlasse Personen zur Teilnahme am Feste, die weder in persönlichen noch in sachlichen Beziehungen zu dem Verein stehen und deshalb die Festlichkeit zu einer öffentlichen stempeln. Eine derartige Veranstaltung ist ohne be­sondere polizeiliche Erlaubnis strafbar und die Poli­zeibehörde kann das Vereinsvergnügen einfach auf­heben. Die Vereine tun deshalb am besten, die ge­fährlichen WorteGäste willkommen" künftig in den Zeitungsanzeigen fortzulassen.

-l- Hersfeld, 1. Dezember. Der Verband der Haus- und Grunöbesitzervereine der Provinz Hessen-Nassau hatte Sonnabend den 29. und Sonntag den 30. er. seinen Verbandstag in F u l d a, bei welchem auch der Centralvorstanö Berlin durch einen Abgeordneten vertreten war. Unser Hersfelder Hausbesitzer- Verein hatte zwei Vertreter entsandt, die in der nächsten Generalversammlung Be­richt über die teilweise sehr interessanten Verhand­lungen geben werden. Hervor gehoben soll nur werden, daß der organisierte Hansbesitz Deutschlands eine eigne Haftpflichtversicherungsanstalt ins Leben gerufen hat, näheres über die sehr billig arbeitende Einrichtung, die nur für Mitglieder der Hausbesitzer­vereine geschaffen wurde, in der nächsten Zeit. Schon jetzt dürfte es sich empfehlen Haftpflichtver­sicherungen nicht mehr abzuschließen ohne den Vor­stand des Hausbesitzer-Vereins Mitteilung gemacht zu haben.

):( Hersfeld, 1. Dezember. Am Sonnabend abend gegen 6 Uhr entstand ein M o>n s ch e n a u f l a u f in der Webergasse und am Linggplatz dadurch, daß der hiesige Weißbinder Ph. Schüßler bei einem Diebstahl abgefatzt wurde. Er hatte sich in ein in der Weber­gasse belegenes Hintergebäude geschlichen und ver­schiedene Körbe mit Hafer entwendet, beim dritten mal wurde er abgefatzt. Man hätte glauben können, es sei derheilige Nicolaus", denn Sch. hatte sich im Gesicht schwarz gemacht und hinter einem Gestelle versteckt als man ihn entdeckte. Möglich ist, daß er diese Futterquelle für seine Kaninchen schon früher benutzt hat, denn schon öfters hattenRatten" einige Lücken in den schönen Hafer gefressen.

-h- Hersfeld, 1. Dezember. Der ordentliche Gauturntag des Obers u lda- Werra-Gau es fand gestern in Lispenhausen im Saale des Turnvereins statt. Um 11 Uhr eröffnete Herr Gau- vertreter Fern au den Turntag. HerrKantvr Böthe begrüßte zunächst im Namen des Turnvereins Lispen- hausen die Abgeordneten und hieß sie alle herzlich willkommen. Stach Feststellung der Anwesenheitsliste, nach welcher a7 stimmberechtigte Abgeordnete und 13 Stimmen vom Gauvorstand, im ganzen 70 Stimmen, vertreten waren, wurden die Jahresberichte von ^ten des Gauvertreters, des Gauturnwarts und der Bezirkvturnwarte verlesen. Aus denselben ist zu entnehmen, daß im verflossenen Jahre eine rege turnerische Tätigkeit im ganzen Gau geherrscht hat. Die Zahl der Vereine ist auf 59 gestiegen, außerdem sind noch ewige Vereine Mitglied, die jetzt nicht turnen, da es denselben an geeigneten Personen fehlt, die sich der Turnsache annehmen. Nach dem Bericht des Gaukaffenwarts betrugen die Einnahmen 3017,02 Mk., die Ausgaben 2203,17 Mk., so daß sich ein Bar­

bestand von 813,85 Mk. ergibt. Die Rechnung wurde von den gewählten Rechnungsrevisoren geprüft und für richtig befunden, worauf man dem Kassierer Ent­lastung erteilte. Punkt 3 der Tagesordnung betraf die Wahl des Vorstandes. Nach § 9 der Gausatzungen scheidet jedes Jahr die Hälfte des Vorstandes aus, und zwar in diesem Jahre die Herren E. F e r n a u - Hersfeld als Gauvertreter, B. Köhler- Fulda als 1. Gauturnwart. Diese beiden Herren wurden durch Akklamation einstimmig wieder­gewählt. Für Herrn C h r i st o p h - V a ch a, der eine Wiederwahl entschieden ablehnte, wurde Herr Adam W i tz e l - B e b r a als Gaukassenwart neugewählt. Die in den verschiedenen Turnbe- zirken gewählten Bezirksturuwarte wurden wieder einstimmig in den einzelnen Bezirken angenommen. Die Bezirksvertreter sollen dagegen von den einzelnen Bezirken in einer demnächst einzuberufenden Ver­sammlung noch bestimmt werden. Als gauturnerische Veranstaltungen für das Jahr 1914 wurde als Gau­turnfest das 5 0jährige Jubiläum d e s Turn - vereins Rotenburg festgelegt. Die Zeit wird noch näher bestimmt. Die Herbstgauturnfahrt soll im August nach Schloß Wildeck stattfinöen. Als Ort für den nächstjährigen Gauturntag wurde Friedlos bestimmt. Es fand dann noch eine rege Aussprache über die eingegangenen Anträge sowie über turne­rische Angelegenheiten statt und so schloß der Gau­vertreter gegen 5 Uhr mit einem dreifachenGut Heil" auf das fernere Blühen, Wachsen und Gedeihen des Oberfulda-Werra-Gaues den in allen Teilen wohl verlaufenen Gauturntag. Um auch noch einige Stunden gemütlich zusammen zu sein, hatte der Turn­verein Lispenhausen keine Mühe und Opfer gescheut, um den Abgeordneten den Aufenthalt so angenehm wie nur möglich zu machen. Die Rotenburger Stadt­kapelle unter Leitung ihres neuen Dirigenten, Herrn Staske, brächte mehrere Konzertstücke zum Vortrag. Von feiten des Turnvereins Lispenhausen wurden turnerische Vorführungen geboten, welche gut und exakt ausgeführt wurden und großen Beifall fanden. Nur zu schnell vergingen die Stunden und die Ab­geordneten mußten mit den Abendzügen in ihre Heimatsorte zurückkehren.

-b- Hersfeld, 1. Dezember. Am 29. November beging zu Hersfelö Herr Königlicher Hegemeister a. D. Schuppe lins mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. Seine 5 Söhne und eine Tochter sowie 3 Enkelkinder, wovon ein Enkel beim Garde-Jäger-Bataillon dient, kamen hierher, um dem glücklichen, noch recht rüstigen Ehepaare persönlich ihre Glückwünsche darzubringen. Von morgens früh bis abends spät trafen Telegramme und Glückwünsche ein. Vormittags 11 Uhr fand im engsten Familienkreis in der Wohnung des Jubel­paares eine kirchliche Feier durch Herrn Superintendent Feyerabend statt. Damen und Herren hiesiger Gegend kamen und brachten persönlich ihre Glückwünsche, unter ihnen auch Herr Hegemeister Buge aus Heenes und überreichte unter Glückwünschen im Namen des VereinsAlter Garde-Jäger, Berlin", welchem beide Herren angehören, ein wundervolles Rosenbukett. Sein ehemaliger Chef, Herr Forstmeister a. D. Faber aus Friedewald, welcher 86 Lenze zählt und bereits die silberne Hochzeit des Jubelpaares mitfeiern konnte, hatte es sich nicht nehmen lassen, auch persönlich zu erscheinen. Abends fand im Hotel Stern Familien- Tafel statt, bei welcher Herr Hegemeister Buge auf das goldne Ehepaar einen schönen Toast ausbrachte und die Hoffnung aussprach, daß man bei einer der­artigen Rüstigkeit des Jubelpaares in einem Jahr­zehnt die diamautne Hochzeit feiern möge. Das Fest verlief in der schönsten Weise und man trennte sich mit der Hoffnung auf ein gesundes Wiedersehen zur diamantenen Hochzeit.

):( Hersfeld, 1. Dezember. Die Zahl der Fremde n, welche im Monat November in den hiesigen Gasthäusern übernachtet haben, betrug 535.

-k- Niederaula, 30. November. In diesem Jahre kann der hiesige Kuüllklub-Zweigverein bereits auf ein fünfjähriges Bestehen zurück­blicken. Aus diesem Anlaß soll am Sonntag den 7. Dezember im Nnhnschen Saale ein musikalischer A b e n d stattfinden, zu dem außer einigen einheimischen Mitwirkenden auch verschiedene hervorragende aus­wärtige Künstler gewonnen worden sind. Der Abend wird sich dadurch zu einem sehr genußreichen gestalten.

Borken, 29. Stov. Während in anderen Gegenden der Streit zwischen Krankenkassenärzten sich immer weiter ausbreitet, ist im Kreis Fritzlar alles aufs beste geordnet worden. Vor einigen Tagen haben in Wabern der Vertreter der neuen Landkrankenkasse, Gutsbesitzer Rasche, Kleineuglis, und die sog. Ver- tragkvmmission der Aerzte, an deren Spitze der hiesige Arzt Dr. Reßmeier steht, über Regelung der Ange­legenheit verhandelt. Das gute Verhältnis, das m&

her zwischen Aerzten und Krankenkassen hier bestand, half noch über die bestehenden Schwierigkeiten Hinweg­es wurde eine Einigung erzielt, die beide Teile be­friedigen kann; nämlich dahin: die Krankenkasse zahlt an die Aerzte-Vereinigung pro Kopf und Jahr der versicherten Personen 5,50 Mk. Die Verteilung unter die Aerzte erfolgt von dem Vorsitzenden dieser Ver­einigung nach Maßgabe der Tätigkeit der einzelnen Aerzte nach einem von diesen unter sich verabredeten Modus. Die freie Aerztewghl ist hier bereits in den meisten Bezirken durchgeführt,- bezüglich der noch fehlenden Orte schweben Verhandlungen; im Prinzip ist man auch dort freie Arztwahl zu genehmigen ge­neigt. Reisekosten erhalten die Aerzte nicht; sie haben darauf und auf manche andere an sich berechtigte Forderungen im Interesse des Zustandekommens der Einigung verzichtet. Damit haben wir in unserem Bezirk einen für andere Bezirke vielleicht vorbildlichen Zustand hergestellt.

Schmalkalden, 28. November. Trotz umfangreicher Untersuchung hat sich bis jetzt noch nicht feststellen lassen, wie der Steinbrucharbeiter Huhn aus Schnell- bach, der, wie gemeldet, am Montag früh bei Tambach tot aufgefunden wurde, ums Leben gekommen ist. Zwei Burschen aus Tambach, die sich verdächtig ge­macht hatten, leugnen die Tat. Wie der Kreisarzt bekundete sollen die an der Leiche wahrgenommenen Wunden nicht von Schlägen herrühren, sondern durch den Sturz von dem etwa 30 Meter hohen Felsen herbeigeführt worden sein. Aufgabe der weiteren Untersuchung wird es nun sein, zu ermitteln, ob Huhn durch eigenes Verschulden von dem Felsen, der sich seitlich der Straße befindet, gestürzt ist oder ob doch ein Verbrechen vorliegt.

Fritzlar, 30. November. In schwere Trauer wurde die Familie des Metzgers F. hier dadurch versetzt, daß ihr 14jähriger Sohn gestern morgen tot im Bette aufgefunden wurde. Wie die Polizei nun festgestellt hat, ist Vergiftung die Todesursache und zwar hat sich der Junge unbeabsichtigt selbst vergiftet. Er hat auf Grund eines sog. Giftscheins, den er selbst mit dem Namen seines Vaters unterzeichnete, Rattengift in der Apotheke geholt. (Phosphor.) Die Mitschüler des Jungen, der die hiesige Lateinschule besuchte, erzählten, daß er Hunde habe vergiften wollen, andere wieder erzählen, daß er sich mit dem Zeug habe be­streichen und in der Dunkelheit andere Jungen habe erschrecken wollen. Diese Angaben werden auch durch andere Feststellungen unterstützt. Der Junge soll sich auch im Gesicht, um den Mund herum und an den Zähnen bestrichen haben und dabei habe er, wie er selbst angegeben haben soll, etwas geschluckt. Er erkrankte auch in der Nacht an Erbrechen.

Fulda, 28. November. Der auf Bahnhof Elm stationierte Rangierführer Reinhard Kreß wurde heute früh gegen 6 Uhr überfahren und sofort getötet.

Fulda, 28. November. In Sachen des Kanal­beitrages hat der Prvvinzialrat in Caffel den Beschluß der städtischen Körperschaften, sämtliche Kosten durch die Kanalbenutzungsgebühren zu decken, nicht ge­nehmigt. Die Stadtverordnetenversammlung wird sich also in Kürze wieder mit dieser Angelegenheit beschäftigen müssen.

Herzhausen, 27. November. Die Strombauver­waltung in Hemfurt erhielt vorgestern das erste Motorboot für den Talsperrensee, später werden weitere folgen. Dieselben sollen dem Personenverkehr auf dem Eoersee dienen.

Eisenach, 30. November. Das Schwurgericht ver­urteilte in seiner gestrigen Sitzung den Kaufmann Oswald Adler aus Caffel und den Ingenieur Paul Schneegans aus Halle zu je 2Va Jahren Zuchthaus wegen Konkursverbrechens.

Frankfurt a. M., 28. November. Wegen fahr­lässiger Tötung wurde ein Chauffeur gestern zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Frankfurt a. M., 29. November. Gelegentlich der der letzten Fahrt derViktoria Luise" ist mit Hilfe eilles besonders konstruierten Apparates, der alle verdünnten Gasgemische unter oder bei dem Ballon­körper anzeigt, eine Untersuchung über die Knall- gasbildung bei Luftschiffen angestellt worden. Während der verschiedenen Fahrten wurde das Vorkommen von Entzündungen der Wasserstoffgasgemische in ein- zelnen Teilen des Luftschiffes, besonders an den An- triebsstellen, nicht konstatiert. Der Motorenkorb wird derart stark ventiliert, daß ein Vordringen aus- geschlossen erscheint. Auch die Laufgänge Schiffskörper, die Gestelle, die Kabinen d

e unter dem

Schmskorper, die Gestelle, die Kabinen der Passagiere und alle Verbindungen unmittelbar unter den Gas­zellen waren fast frei von den schnell sich verflüchtenden Gasgemischen. In der mit Blech umgebenen Kammer für drahtlose Telegraphie und in den Passagierkabinen wurden keine Spuren gefunden.