Deutsche MililSrmlsslonen.
Der Neid Frankreichs.
Bei einem südamerikanischen Feste, das dieser Tage in Bersin stattfand, hat der Militürattachee der Brasilianischen Gesandtschaft, Oberst Jullien, darauf hingewiesen, welchen Dank die südamerikanischen Staaten dem Kaiser schuldeten als dem obersten Kriegsherrn der „unvergleichlichen Armee", die für sie alle — mit der einzigen Ausnahme von Peru — zur Lehrmeisters geworden sei. Oberst Jullien hat deutsches Blut iu den Adern — unter fernen Vorfahren befindet sich einer der ersten deutschen Einwanderer in Brasilierr, die seinerzeit aus dem Hunsrück kamen — und ist stolz darauf. Er bezeichnete sich aber auch ausdrücklich als deutschfreundlichen Brasilianer und deutete damit immerhin an, daß seine Landsleute nicht alle so gesinnt sind wie er.
Das weiß man in der Tat. Es gibt dort wie allenthalben Leute genug, die auf die führende Rolle Deutschlands auf diesem Gebiete besonders neidisch und eifersüchtig sind und für französische Lehrmeister Propaganda machen. Man erinnert sich, mit welcher Begier sich diese Elemente auf das angebliche Fiasko der deutschen Instrukteure im Balkankriege gestürzt und wie heiß sie rch bemüht haben, die Mißerfolge der Türkei auf das deutsche Konto zu schreiben. Welch bittere Enttäuschung nun, daß die Türkei selbst mit der Bitte um eine militärische Mission wieder an dieses angeblich für ihre Niederlagen verantwortliche Deutschland sich wendet und sich bereit erklärt, das Verlangen der deutschen Offiziere nach einem fest und klar umrissenen Wirkungskreis mit genau bestimmten Rechten und Pflichten zu erfüllen!
Verwunderlich ist das ja im Grunde nicht. Wenn auch einige Franzosenblätter am Goldenen Horn sich gestellt haben, als kennen sie den wahren Sachverhalt nicht, so weiß man doch in der ganzen osmanischen Welt, der bürgerlichen wie der militärischen, erstens, daß die unschlüssige Halbheit, die das frühere türkische Regime kennzeichnete, dem Wirken der deutschen Reformer die engsten Grenzen gezogen hatte und sie geradezu eine Sysiphusarbeit verrichten ließ, und zweitens, daß die türkischen Niederlagen von Kirkkilisse und Lüleburgas und -er Fall von Adrianopel gar nicht möglich gewesen wäre, wenn nicht der Feldzugsplan des Freiherrn v. ö. Goltz von einem türkischen Besserwisser und strategischen Nichtskönner in sein Gegenteil verkehrt worden wäre. Man kann in der Tat heute ohne Gefahr eines Widerspruchs sagen: Hätte die türkische Armee den Feind in der Tschataldscha-Linie erwartet, wie Herr v. ö. Goltz in genauer Kenntnis der Bedächtigkeit der osmanischen Mobilmachung verlangte, so wäre wohl alles, alles anders gekommen.
Die Versuche unserer guten Freunde, unserem militärischen Weltruf aus den Erfahrungen des Balkankrieges einen Strick zu drehen, haben es also über einen flüchtigen Scheinerfolg nicht hinausgebracht und können als abgetan gelten. Unbedingt notwendig war jedoch, daß einer etwaigen neuen Militärmission von vornherein eine Stellung gesichert wurde, die die ihr zu- fallende Verantwortlichkeit in ein richtiges Verhältnis zu dem ihr eingeräumten Rechte brächte, und so wird General Liman von Sanders die Stellung eines Kommandeurs des 1. Armeekorps in Konstantinopel einnehmen. Darüber hat nun die französische Presse Lärm zu schlagen begonnen, weil sie den wahren Grund des Lärms, den Aerger über diese glänzende Genugtuung für die verleumdeten und verlästerten deutschen Armee- Inspekteure, hinter angeblichen politischen Bedenken gegen das Unerhörte, Niedagewesene versteckte.
Die neue Mission wird also an sichtbarster Stelle tätig sein. Zugleich aber wird sie Befugnisse genug haben, um auch die volle Verantwortung übernehmen zu können. Daß es manchen Leuten nicht patzt, ist begreiflich, aber es ist ihnen nicht zu helfen, denn wie die jungtürkische Presse deutlchi zu erkennen gibt, sieht man an den leitenden türkischen Stellen die Berechtigung der deutschen Forderungen völlig ein und findet den für die deutsche Reformarbeit gezahlten Preis nicht zu hoch.
giltst Mow als Schriftsteller.
Der Fürst über die Gymnasien und seine Schuljahre.
Fürst Bülow, der demnächst ein Buch über Deutschlands Politik erscheinen lassen wird, hat schon früher seine Mußezeit dazu benutzt, um sich schriftstellerisch zu betätigen. Er hat nämlich vor einiger Zeit Gelegenheit genommen, sich über seine Schuljahre und seine Stellung im Gymnasium in eingehender Weise in der Zeitschrift „Die Lese"' zu äußern. Die interessantesten Abschnitte aus diesem Aufsätze lauten:
Mein Lieblingsfach war Geschichte. Für Mathematik empfand ich geringe Neigung. Ein schöner Augenblick meines Lebens war es, als ich nach abgelegtem Abi-
Das neue Fräulein.
Original-Roman von F r. Lehne.
28) (Nachdruck verboten.)
Sie drehte sich kurz um und ging wieder nach oben — äußerlich ruhig und unnahbar — innerlich aber erregt — in seiner Gegenwart abgekanzelt wie ein Schul- mäöchen, und dazu in einer Sache, in der sie vollständig im Recht war. Wenn er wüßte —
Sie glauben gar nicht, Herr Leutnant, was ich unter Gertruds Starrsinn zu leiden habe," seufzte Frau Anna, „was sie nicht will, tut sie nicht — und das Schlimmste — Teichmann protegiert und verwöhnt sie zu sehr!"
„Ja, ja, Temperament hat sie," entgegnete er, „aber sonst ist sie doch fleißig und tätig und hilft Ihnen! Der Eigensinn wird schon vergehen." > t q
„Nun ja, aber ich bitte Sie, was bleibt ihr übrig? Ihr Verlobter war zwar dagegen, daß sie das Ladengeschäft mit besorgte — aber fällt ihr da eine Perle aus der Krone? — Er meinte, es schicke sich für seine zukünftige Frau nicht! — Das ist ja Unsinn; ich tue es doch auch. Na, Gertrud war ja in dieser Beziehung vernünftig, trotzdem sie sonst vom Hochmutsteufel geplagt ist!"
Es war zu schon sehr vorgerückter Stunde. Die Wogen der Fröhlichkeit unter den Gästen gingen hoch: jedoch war für Gertrud nichts zu tun, da Frau Anna alles allein besorgen konnte. Diese gab ihr Erlaubnis zum Schlafengehen, und das junge Mädchen schickte sich an, nach oben zu gehen, als ihr mitten auf der Treppe, an einem Absatz derselben, Albrecht von Marburg in den Weg trat. Sie fuhr erschreckt zusammen.
„Erschrecken Sie nicht, Fräulein Gertrud," sagte er leise, „ich habe hier auf Sie gewartet, da ich gehört habe, daß Sie mit Ihrem Tagwerk zu Ende sind. Ich wollte mich ohne Zeugen von Ihnen verabschieden, weil mir morgen dir Zeit fehlen wird, noch einmal zu kommen.
turientenexamen die Logarithmentafel mit dem Bewußtsein in den Ofen schob, daß ich sie nie wieder erblicken würde. Ich fühlte mich während meiner Schulzeit körperlich wohl und frisch (wir unternahmen kleinere und größere Fußwanderungen, turnten, kegelten, ritten), seelisch glücklich und zufrieden. Ich bewahre daher mei- nen Lehrern eine gute und dankbare Erinnerung. Was das persönliche Verhältnis zu den Mitschülern betrifft, so kann ich mir sagen, daß in den von mir besuchten Schulen unter den Schülern ein gesunder und frischer Ton herrschte. Von größeren häuslichen Arbeiten während der Schulzeit halte ich nicht allzuviel, sondern glaube, daß es mehr darauf ankommt, in der Schule zu lernen, einem Vortrag mit Aufmerksamkeit zu folgen, den Kernpunkt einer Frage zu erfassen, rasch und präzis zu antworten, klar zu denken und sich klar und deutlich auszudrücken. Unter allen pädagogischen Aufgaben stelle ich die Pflege des Charakters weitaus obenan.
Ich habe den Eindruck bewahrt, daß es schwer ist, auf der Schule fremde Sprachen sprechen zu lernen. Die Aussprache war wenigstens damals mangelhaft: die meisten Schüler konrrten sich nur recht holperig aus- drücken. Es wird m. E. immer schwierig sein, eine lebende Sprache wirklich zu beherrschen, wenn umn sie nicht von Kind auf gesprocheu, so Ohr und Zunge an sie gewöhnt oder wenigstens später sie im Lande selbst geübt hat. Das Gymnasium, aus dem viele künftige Führer der Nation hervorgehen, soll mit der Liebe zur Heimat Begeisterung und Treue für unser Vaterland von Jugend auf in die Herzen pflanzen. Hingegen habe ich den Eindruck bewahrt, daß für das religiöse Denken und Empfinden die Einwirkung des Elternhauses wichtiger ist, als der Religionsunterricht in der Schule. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, und dies am 29. Juni 1907 gegenüber einer Abordnung akademisch gebildeter Lehrer öffentlich ausgesprochen, daß ich ein treuer Anhänger des humanistischen Gymnasiums bin. Daß das humanistische Gymnasium, wie ich es gekannt habe, in mancher Beziehung reformbedürftig war, daß insbesondere das Ueberwiegen grammatischer und mechanischer Gesichtspunkte das Eindringen in Geist, Inhalt und Schönheit der Werke erschwerte, bin ich weit entfernt zu bestreiten. Eine Reform des humanistischen Gymnasiums sollte aber immer mit schonender Hand vorgenommen werden, denn ihm ist die Blüte des deutschen Geistes entsprossen.
Politische Rundschau«
Die Aerzteorganisationen zum Verhandeln bereit. Der sächsische Minister Graf Vitzthum teilte in der zweiten sächsischen Kammer ein Schreiben der Leipziger Aerzlekammer mit, die erklärt, nach eingehenden Verhandlungen mit dem Leipziger Verband seien sämtliche deutschen Aerzteorganisationen jederzeit an jedem Orte zu weiteren Verhandlungen mit den Krankenkassen bereit. — Der Zentralverband der Kassenärzte von Berlin erteilte nach Blättermeldungen seinem Vorsitzenden wegen der bekannten Verhandlungen mit der Ortskrankenkasse ein Mißtrauensvotum. Es wird mit einem Wie- derausbruch des Berliner Krankenkassenärztestreiks gerechnet.
50 Millionen Mark für kolonialen Eisenbahnban. Der neue Kolonialetat für das Jahr 1914/15 fordert für koloniale Eisenbahnbauten insgesamt die Summe von 49 800(106 Mark. Davon entfällt der Löwenanteil in Höhe von 36 800 000 Mark auf Deutsch-Ostafrika, der Rest von 13 000 000 Mark auf Kamerun, während Deutsch-Südwestasrika und Togo leer ausgehen. Der gesamte Betrag von rund 50 Millionen Mark soll durch eine Schutzaebretsanleihe ausgebracht werden.
Für eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit sind die Groß-Berliner Gemeinden in einer Eingabe an den Reichskanzler mit der Bitte vorstellig geworden, die reichsgesetzliche Regelung der Zwangsversicherung alsbald in die Wege zu leiten.
Ein neuer Antrag Westarp für Arbeitswilligenschutz. Dem Reichstag ist folgender Antrag des Grafen v. Westarp und Genossen zugegangen: Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, noch vor der in Aussicht gestellten allgemeinen Revision des Reichsstrafgesetzbuches dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen ein wirksamer gesetzlicher Schutz gegen den zunehmenden Mißbrauch des Koalitionsrechtes geschaffen, dem immer schärfer ausgeübten Terrorismus gegenüber arbeitswilligen Arbeitern entschieden entgegengetreten, insbesondere aber das Streikpostenstehen verboten wird.
Graf von Wedel und General von Deimling. Auch gegenüber der neuen Behauptung einiger Blätter, der Statthalter von Elsatz-Lothringen, Graf von W-del, denke ebenso wie der Staatssekretär Freiherr Zorn von Bulach an einen Rücktritt infolge der Zaberner Vorgänge und des Vorgehens der Militärbehörden in dieser Angelegenhcst wird von bestunterrichteter Seite noch-
Vor allem aber, Gertrud — was hatten Sie mit Hauptmann Heyöen?"
Er beugte sich sehr nahe gegen sie, ihr Gesicht zu sehen, das in der schwachen Beleuchtung nur sehr schwer erkennbar war.
„Er hat mich belästigt!"
„O, der Schurke!" stieß Albrecht hervor, „ihm ist nichts heilig." — Er war empört, daß seiner Gertrud jemand zu nahe getreten war. Leise legte er den Arm um sie. „Nicht weinen, liebe Gertrud," tröstete er sie, „nicht weinen! Ich kenne Sie ganz genau und beneide den Mann, dem Sie angehören werden!"
Und zärtlich strich er ihr über ihr weiches Haar. Sie erschauerte unter seiner Berührung.
„So gehen Sie doch, Herr von Marburg!" flehte sie.
„Nun denn, leben Sie wohl, Gertrud! Vergessen Sie mich nicht ganz! Nicht wahr, Sie denken öfter an mich?" bat er innig, ihre beiden Hände drückend.
»Ja."
„Auch wenn ich nicht mehr hier bin? Nach dem Manöver werde ich wahrscheinlich nach H. versetzt: ich wollte es vorher nicht sagen, sonst wäre ich traurig geworden, wenn ich Ihre lieben Augen —"
Er brach kurz ab: ihm war es so weh ums Herz, und er sah, wie Gertrud bei seinen Worten bebte. Der Atem drohte ihr still zu stehen: sie brächte kein Wort hervor.
Ihn nicht wiedersehen? Undenkbar! Aber das war doch die beste Lösung — warum konnte sie nicht darüber jubeln? Sie hatte es doch so oft gewünscht! Ohne daß sie darum wußte, stahl sich ein Seufzer über ihre Lippen.
„Mir tut es so leid, von hier fortzugehen," fuhr er fort, „aber ich komme öfter nach hier, dann sehe ich Sie ja auch wieder! Ich habe mich so an meinen guten Kameraden gewöhnt, daß ich ihn sehr vermissen werde!
— Gute Nacht, Gertrud, bleiben Sie gesund, und ge- denken Sie meiner!"
malS versichert, daß diese Meldung durchaus gründ« los sei.
Gegen die Verutögenszuwachssteuer. Mit Bezug auf die Rede des sächsischen Finanzministers gegen weitere direkte Reichssteuern erfährt die „Tgl. Rdsch.", -aß Erklärungen gegen die Vermögenszuwachssteuer auch von den Finanzministern anderer Bunöesstaaten abgegeben werden dürften. Gelegentlich der Etatberatung im Reichstage ist die Anwesenheit mehrerer bundesstaat- lichen Minister zu erwarten, die den Standpunkt ihrer Regierungen öarlegen werden.
Die politischen Ideale des neuen Dumapräsidentey. Nach seiner Wahl zum Präsidenten der Reichsduma hielt der neue Präsident Rodzianko eine Rede, in der er aus- führte, die Tätigkeit des Präsidenten in der Duma müsse getragen sein von dem Geiste unerschütterlicher Loyalität gegen den Kaiser, von uneigennütziger Liebe zum Vaterlande, von der Treue gegen die vom Monarchen gegebene Verfassung und dem Bestreben, die militärisch Macht des Landes und die moralischen und produktiver Kräfte des Volkes zu fördern. Die Ausführungen des Präsidenten wurden mit lebhaftem Beispiel ausgenommen.
Eine neue Zabern-Jnterpellation. Dem Reichstag ist folgende Interpellation des Abgeordneten Delsor und Genossen zugegangen: Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um die elssaß-lothringischen Soldaten und die Bevölkerung Elsaß-Lothringens vor Beleidigungen zu schützen, wie sie sich ein Offizier des Infanterie-Regiments Nr. 99 in Zabern ihnen gegenüber hat zuschulden kommen lassen? Hält der Reichskanzler die Strafe, die über diesen Offizier verhängt worden ist, für eine Sühne, die geeignet ist, der Wiederholung solcher Fälle vorzubeugen?
Kleine üacfiridifen«
Schweres Unglück bei der Einfahrt in die Grube. Auf der Zeche „Wilhelmine Viktoria" bei Gelsenkirchen steckten bei der Einfahrt in die Grube die beiden Bergleute Schneider und Maul unvorsichtigerweise die Köpfe zu weit aus dem Förderkorb. Bei der rasenden Schnelligkeit des Korbes wurde dem Bergmann Schneider der Kopf glatt abgeschlagen, der andere erlitt so schwere Verletzungen, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.
Deutschlands Dank für die Pflege Winterfeldts. Der deutsche Botschafter von Schön hat der französischen Regierung den Dank der deutschen Regierung für die Pflege und die gute Aufnahme des Oberstleutnants von Winterfeldt in Grisolles ausgesprochen. Herr v. Schön machte einen persönlichen Besuch bei Kriegsminister Etienne. .
Frecher Raubüberfall auf Kassenboten. Als die Boten der Jutespinnerei in Delmenhorst Freitag abend das Geld zur Lohnauszahlung von der Bank geholt hatten, wurden sie auf offener Straße von 3 Männern angefallen. Der zu Hilfe herbeieilende Nachtwächter wurde durch einen Schuß auf der Stelle getötet: ein Kassen- bote erhielt einen tiefen Stich in die Stirn. Die drei schweren Silbersäcke fortzuschaffen, ist den Räubern nicht gelungen, da sie zu schwer waren. Mit einem Sack, der Gold im Werte von 8750 Mark enthielt, verschwanden die Räuber.
Taktlosigkeiten in Luxemburg. Die Pariser „Liberty" meldet aus Luxemburg: Am Donnerstag wurde bei dem Bahnhof Luxemburg der Abguß eines Standbildes des preußischen Eisenbahnministers v. Breitenbach aufgestellt. Das Publikum pfiff jedoch das Standbild aus, soöatz man es wieder entfernen mußt?. (Di-' Luxemburgischen Eisenbahnen unterstehen bekanntlich der preußischen Eisenbahnverwaltung.)
Ein japanischer Spion in Rußland. In Jrkutsk (Ostsibirien) erregt die Verhaftung des Burschen eines Generals großes Aufsehen. Der Bursche stand unter dem Verdacht der Spionage zugunsten Japans und wurde in dem Augenblick verhaftet, als er einige Geheimdokumente über die Verteidigung der Grenze und die russischen Truppen einer der vielen in Jrkutsk bestehenden japanischen Waschanstalten, die für die japanischen Militärbehörden arbeiten, zustellen wollte.
Lynchgericht an Zigeunern. In dem Kosakendorf Zesarewitschska bei Nowotscherkatzk ergriff die Volksmenge fünf des Pferdediebstahls verdächtige Zigeuner und tötete einen von ihnen. Die übrigen wurden schwer verletzt, ehe sie die Polizei in Gewahrsam nahm.
Deutsche Säugerreise nach Aegypten. Die Berliner Liedertafel unternimmt in der Zeit vom 22. Februar bis 15. März eine Konzertreise nach Aegypten.
An die Methylalkoholaffäre in Berlin erinnert ein Vorfall, der sich in einer Hamburger Gastwirtschaft zugetragen hat. Dort wurden nach reichlichem Alkoholge- nutz vier Arbeiter besinnungslos aufgefunden. Ein her- beigeeilter Arzt konnte bei zweien von ihnen nur noch den bereits etngetrefeiien Tod feststellen.
„Gute Nacht!" kam es tonlos von ihrem Munde.
So standen sie Hand in Hand. Beider Herzen schlugen heftig: sein Blut war erregt, und sie fühlte seinen heißen Atem an sich vorüberwehen. — Wenn er sie doch nur einmal in seine Arme hätte schließen dürfen, er wußte genau, er fühlte es, jetzt hätte sie ihm nicht widerstehen können — aber doch bezwäng er das Verlangen! Nein, dazu war ihm Gertrud zu heilig — er wollte ihre Schwäche nicht benutzen. So zog er nur ihre Hand an seine Lippen und drückte einen innigen Kuß darauf. „Liebe, süße Gertrud," flüsterte er, und wie um Schutz vor sich selbst zu suchen, eilte er hastig die Treppe hiunter wieder zu den Kameraden, deren lustiges Lachen zu ihnen Herauftönte.
Gertrud lehnte wie betäubt am Geländer. Es war ihr, als ob er ein Stück ihres Herzens mit fortgenommen hätte. Sie hätte ihn zurückrufen mögen, ihm sagen, daß sie ihn liebe mit ihrer ganzen Seele, daß ihm jeder Gedanke, jeder Pulsschlag gehöre! In diesem Augenblick fühlte sie erst ganz die Größe ihrer Liebe und den Schmerz, von ihm lassen zu müssen, von ihm, den sie noch nicht besessen und der doch ihrem Leben erst Inhalt gegeben. Jhrs Starrheit löste sich endlich in heißes Weinen, als sie in ihrem Stübchen angekommen und wie gebrochen an ihrem Bett niedergesunken war. An Ferdinand dachte sie nicht: der war ihr so weltenfern — nur Albrecht und immer wieder Albrecht, — das war der Punkt, um den ihre Gedanken sich drehten — alles andere war so klein, so unbedeutend neben ihm, dew ihre Seele zu eigen war, dem sie gehörte, gehören mußte, trotz Kampf und Widerstreben.
Es war jetzt bei Teichmanns bedeutend stiller geworden, seit die Offiziere im Manöver waren: die Juristen hatten Gerichtsferien, und so war wenig zu tun für Frau Anna, die auf vierzehn Tage zur Erholung nach Thüringen ging.
(Fortsetzung folgt.)