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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

selber ^

für den Kreis Hersfeld

Armblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 170

(erstes Blatt.)

Sonntag, den 30. November

1913

Der Monat Dezember bietet die beste Gelegenheit zu einem Probeabonne­ment auf das Bersfelder Tageblatt. ieder kann sich dadurch selbst Don dem reichhaltigen inhalte über­zeugen.

Wöchentliche Beilagen:Von Dah und Fern, achtteiliges illustriertes Unterhaltungsblatt sowieDach Feierabend, vierseitige Romanzeitung.

Alle 14 Tage illustrierte handwirtfchaftl. Beilage.

Hus der Heimat«

* Ueber die Kleinbahnen des Regie­rungsbezirks Cassel äußert sich ein Bericht des Landesausschusses folgendermaßen: Bis jetzt sind vom Bezirksverbande Cassel als Darlehen über­haupt bewilligt 4 359 781.84 Mk. und davon bis Ende des Etatsjahres 1912 gleich 4 236 368.84 Mk. zur Aus­zahlung gekommen. Hiervon sind 148112.76 Mark durch Tilgung zur Rückzahlung gelangt. Es sind zu Kleinbahnzwecken bei der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau überhaupt 5 333 000 Mk. ausgenommen und hiervon 244 187.83 Mk. durch Tilgung abgetragen. Da 5 333 000 Alk. ausgenommen und bis jetzt als Darlehen überhaupt 4 359 781.84 Mk. bewilligt sind, stehen zur Unterstützung neuer Kleinbahnunter­nehmungen noch 5 333 000 Mk. abzüglich der bewilligten Darlehen von 4 359 781.84 Mark und 8094.10 Mk. Kurs­verlust von den im Jahre 1912 innerhalb der Ver­waltung verkauften Wertpapieren gleich rund 965 000 Mark zur Verfügung.

* (DieWanderarbeitsstätten des Reg.- B e z. Cassel.) Ueber die Ergebnisse der Wander- arbeitsstätten im Etatsjahr 1912 ist aus einer dem Lanöesausschusse zugegangenen Nachweisung zu er­sehen, daß die Wanderarbeitsstätten im Berichtsjahr von 592 Kolonisten mit 41314 Verpflegungstagen, von 26 681 Wanderern mit 36 730 Verpflegungstagen, zusammen von 27 273 Personen mit 78 044 Verpflegungs­tagen, gegen 24 318 Personen mit 67195 Verpflegungs­tagen in 1911 in Anspruch genommen worden sind. Durchschnittlich waren täglich in den Wanderarbeits­stätten im Sommerhalbjahr: 113 Kolonisten gegen 93 im Vorjahr, 86 Wanderer gegen 59 im Vorjahr, zu­sammen 204 Personen gegen 152 im Vorjahr,- im Winterhalbjahr: 109 Kolonisten gegen 106 im Vor­jahr, 116 Wanderer gegen 111 im Vorjahr, zusammen 225 Personen gegen 217 im Vorjahr.

):( Hersfeld. 29. November. (V o n einer E v a s Tochter.) Man schreibt uns: In einem benach­barten Dorfe hatte ein Einwohner seiner Frau eine Tracht Prügel zudiktiert. Kurz entschlossen wollte er dies ausführen, jedoch welch ein Schreck. Seine liebe Gattin drehte den Spieß um und gab dem re­bellischen Gatten eine wohlverdiente Tracht unge­brannter Asche. Zum Vergnügen der Zuschauer schlich er sich beschämt davon. Wenn jede Hausfrau ihren Gatten bei derartigen Anlässen so kurz behandeln würde, wäre es in mancher Familie besser.

§ Hersfeld, 29. November. (Z n m Einkauf der Festgeschenke.) Der Verein für Handlungs- Commis von 1858 (Kaufmännischer Verein) richtet auch in diesem Jahre an das kaufende Publikum die Bitte, den Weihnachtseinkauf möglichst frühzeitig vor- zunehmen. Wird der Einkauf auf die letzten Tage verschoben, so leiden nicht nur die Arbeiter und Arbetterinnen in den Fabriken und Werkstätten und das Verkaufspersonal in den Ladengeschäften unter bey kaum zu bewältigenden Arbeit, sondern auch der Käufer hat Nachteile, weil manche Waren vergriffen oder nur noch in minderwertigen Restbeständen vor­handen sind. Auch kaufe niemand nach 8 Uhr abends und am Sonntag. Der geringfügige Zwang, den sich jeder hierdurch auferlegt, trägt dazu bei, daß viele taufende Geschäftsinhaber und Angestellte vor Er­schöpfung bewahrt werden und ihnen dadurch die eigene Freude am Weihnachtsfeste nicht genommen wird. Durch Abkehr von Konsumenten-Rücksichts- losigkerten tut das kaufende Publikum ein gutes Werk zum Wohle des Nächsten. Um es den Ange­stellten zu ermöglichen, zum Besten von Chef und Personal der Detailgeschäfte die Weihnachtsgeschenke nicht in den letzten Stunden vor dem Fest zu besorgen,

werden schließlich die Prinzipale gebeten, entweder eine etwaige Weihnachtsgratifikation oder einen Teil des Monatsgehalts rechtzeitig auszuzahlen.

):( Hersfeld, 29. November. Anläßlich seiner goldenen Hochzeit wurde Herrn Hegemeister a. D. Schuppelius heute ein kaiserliches Gnaden­geschenk in Höhe von 50 Mark überreicht.

):( Hersfeld, 29. November. Die gestern hier in der Nähe der Domäne Eichhof gelandetenbeiöen Militärflieger Leutnant Haupt und Leut­nant von M o ck i aus Cöln hatten auf ihrem Fluge von Cöln aus wegen Motordefekts bereits zwei Not­landungen vornehmen müssen. Auch hier war das unsichere Arbeiten des Motors der Grund zur Lan­dung. Als die Nachricht gestern Mittag bekannt wurde, da begann eine Völkerwanderung nach dem Landungs­plätze, der jedoch bereits durch zufällig in der Nähe übende Kriegsschüler abgesperrt war. Bis zur ein- brechenden Dunkelheit hielt eine große Menschen­menge den Platz belagert. Das Flugzeug blieb die Nacht über unter militärischer Bewachung auf dem Felde stehen. Am heutigen Vormittag unternahm der Führer des Flugzeugs, Herr Leutnant Haupt, eine Anzahl Probeflüge, an denen sich jedes­mal ein Offizier der hiesigen Kriegsschule sowie auch Herr Brückmann von der Domäne Eichhos als Be­gleiter beteiligte. Die Probeflüge zeigten jedoch, daß der Motordefekt nicht recht behoben werden konnte und einen Weiterflug nach Gotha, wie erst beabsichtigt war, nicht ratsam erscheinen ließ. Infolgedessen wurde der Apparat gegen 12 Uhr mittags abmontiert und in einen auf das in der Nähe vorüberführende

Gleis der Treysaer Strecke ge

,gon ver- eder eine

laden. Auch heute morgen

Menge Zuschauer eingesunden, welche die eleganten und sicheren Flüge bewunderten. Der Apparat er­

schien auch einige mal über der Stadt.

Treysa, 28. November. Die Adventszeit mit ihren Freuden naht. Einen besonderen Grund, sich über ihren Beginn zu freuen, Haben die hiesigen An­stalten Hephata. Denn seit einer Reihe von Jahren darf am 1. Adventssonntag in den Kirchen unseres Hessenlandes eine Kollekte für die Anstalten erhoben werden. Wie sehr Hephatha mit seinen mehr als 700 Insassen in diesen teuren Zeiten dieser Liebesgabe bedarf, braucht wohl nicht hervorgehoben zu werden. Die Anstalt wächst von Jahr zu Jahr. Vor wenigen Wochen konnte ein neues Kinderkrankenhaus bezogen werden, das den schwächsten und elendesten der schwachsinnigen Knaben ein Heim bietet. Das Haus ist nur aus Gaben der Liebe erbaut. Aber die Kosten sind noch längst nicht gedeckt. Ein großer Dienst wird auch der Anstalt erwiesen, wenn sie durch rege Unterstützung ihrer Freunde allen ihren vielen leiblich und geistig Kranken eine Gabe unter den Weihnachts­baum zu legen vermag. Die ihr anvertrauten Kinder entbehren ja durch ihre Leiden so vieler Freuden. Da ist es eine Liebespflicht, am Fest der Liebe so viel Freude als nur möglich über sie auszuschütten und so weit es geht, ihre bescheidenen Wünsche zu erfüllen.

Cassel, 28. November. In der Mühlengasse zog sich eine Frau eine kleine Fingerverletzung zu, ohne die Wunde zu beachten. Nach einigen Tagen stellte sich eine starke Blutvergiftung ein, deren Folgen die Frau jetzt im Krankenhause erlegen ist.

Heiligenstadt, 27. November. Durch einen vor­zeitig losgegangenen Schuß bei den Sprengarbeiten für den Wasserleitungsbau im benachbarten Geisleden wurde der Arbeiter Leo Behrens schwer verletzt. Ihm wurde die Nase weggerissen, auch hat er einen Oberkieferbruch erlitten und beide Augen sind anscheinend verloren. Der Schwerverletzte wurde nach Heiligenstadt in das Krankenhaus geschafft. Er dürfte schwerlich mit dem Leben davon kommen.

Corbach, 27. November. An der neuen Bahnstrecke CorbachBrilon (Wald) ereignete sich gestern abend gegen V2? Uhr ein Unglücksfall. Als um diese Zeit ein Zug nach Rhena fuhr, benutzten 4 Arbeiter einen Plattwagen, um schneller nach ihrer Wohnstätte in Corbach zu kommen, die abfallende Strecke nach Cor­bach zu. Von dem Zuge, der nach Rhena fuhr, lösten sich auf unaufgeklärte Weise einige Wagen und sausten hinter dem Plattwagen her, mit dem sie in der Nähe der Eisenbahnbrücke der Dingeringhäuser Straße zusammenstießen. Durch den heftigen Anprall wurden die Arbeiter heruntergeschlendert und erlitten teils schwere, teils leichtere Verletzungen. Schwaner aus Allendorf, der Beinbrüche und schwere Kopf­verletzungen davontrug, ist bereits den Verletzungen erlegen. Schachtmeister J. Kammerschmidt aus Monfernheim bei Worms und zwei erhielten leichtere Verletzungen.

andere Arbeiter

Hanau, 28. November. Zu dem Hanauer Putzmacherin Melzer, die

Selbstmord der sich bekanntlich

uge überfahren ließ, wird noch be-

bei Caffel vom Z kannt, daß das ji

unge Mädchen mit einem auswärts,

jedoch nicht in Cassel ansässigen Beamten ein Liebes­verhältnis hatte, das eine Trübung erfuhr. Aus diesem Grunde dürfte die Lebensmüde die Tat ver­übt haben.

Mainz, 27. November. Im Bahnhof Main-Süd geriet heute vormittag eine Frau unter den um 7,20 Uhr nach Bodenheim abgehenden Personenzug und wurde sofort getötet. Die Frau besaß eine Fahrkarte nach Gustavsburg und war ohne Kopfbedeckung. Sie ist 32 Jahre alt und von mittlerer Gestalt. Ueber ihre Persönlichkeit konnte bis jetzt nichts Näheres festgestellt werden.

Deutscher Reichstag.

Auf der Tagesordnung der Sitzung vom Freitag standen kleine Anfragen, unter denen die des Abg. Delsar (Els.) über die Vorgänge in Zabern die stärkste Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Die Beantwortung hatte der preußische Kriegsminister v. Falkenhayn selbst übernommen. Er führte aus, daß in der Armee keinerlei Ungehörigkeiten geduldet würden, gleichviel, gegen wen sie sich richten. Es müsse aber verneint werden, daß in Zabern eine Beleidigung oder Heraus­forderung der Bevölkerung vorgekommen sei. Die be­anstandete Aeußerung sei nicht in Beziehung auf die Bevölkerung gebraucht worden. Wie dem jungen Offi­zier, so sei auch ihm (dem Kriegsminister) die Bedeutung des WortesWackes" unbekannt gewesen. Die ernsteste Seite der Angelegenheit sei wohl die, daß Soldaten interne Angelegenheiten in die Oeffentlichkeit trugen, und die Vorgänge in nu UMer Weise aufgebauscht worden seien. Daß solche Verhältnisse in der Truppe nicht geduldet werden können, sei klar. (Beifall.) Eine weitere Anfrage über die Angelegenheit des Neubaues des Botschafterpalais in Washington beantwortete Staatssekretär v. I a g o w dahin, daß das Auswärtige Amt einen Auftrag zur Bearbeitung irgend eines Ent­wurfes noch nicht erteilt habe und dies auch nicht konnte, da die Entwürfe der Begutachtung der preu­ßischen Bauakademie unterliegen. Deshalb enthalte der neue Etat keine entsprechende Forderung. Aus die An­frage des Abg. Bock (Soz.), ob gesetzgeberische Vor­schläge beabsichtigt seien, die auf eine Einschränkung des Handels mit Waffen abzielten, antwortete Mini­sterialdirektor Dr. L e w a l d, daß voraussichtlich noch in dieser Session eine Vorlage eingebracht werde, die eine Erschwerung des Waffenhandels zum.Zweck des Schutzes der öffentlichen Sicherheit mit sich bringen würde. Eine Schädigung des legalen Waffenhandels liege der Regierung aber völlig fern. Die Inter­pellationen der Sozialdemokraten über die Rüstungs- kommission und die Vorgänge in Zabern sollen in der nächsten Woche erörtert werden. Zu der letzteren er­klärte Generalmajor v. Hohenborn, daß, trotzdem die Interpellation zum Teil durch die Rede des Kriegs­ministers zur kleinen Anfrage erledigt sei, der Reichs­kanzler in der nächsten Woche aus Einzelheiten eingehen werde. Es folgen mehrere Wahlprüfungen, darunter auch die des Abg. Haupt (Soz.), deren Ungültigkeit die Kommission beantragte. Die Abstimmung darüber wurde aus die nächste Woche verschoben, ebenso die über die Wahlen der Abgg. Graf v. Carwer-Osten (kons.), v. Bonin (kons.), Kuckhoff (Ztr.), Burckhardl (v. Sg.) u. a. Bei der Wahlprüfung des Abg. Kopsch (Fortsch.) warf Abg. Dr. Ablaß (Fortsch.) den Konser­vativen vor, daß sie einen Pakt mit der Sozial- demokratie geschlossen hätten, um die Wahl des Abg. Kopsch zu verhindern. Abg. Graf v. W e st a r p (kons.) wies diesen Vorwurf entschieden zurück. Darauf ver­tagte sich das Haus auf Sonnabend : Rechnungssachen, Einschränkung des Hausierhandels.

Wandervorschläge für Sonntag.

a. 12 Tagestour: HersfeldBingartesJohan­nesbergHilperhausenKerspeuhäuser Kuppe MengshausenNiederaula (3 bis 4 Std.) Rück­fahrt mit der Bahn.

b. V2 Tagestour: Hersfeld bis Neukirchen mit der Bahn, dann OberstoppelStoppelsberg UnterstoppelSteinbach (Nhön)GrubenBurg- Haun (3 bis 4 Std.). Rückfahrt mit der Bahn.

e. T a g e s t o u r: HersfeldWehnebergGiegen- berg (Kanzel)MittelkopfHaukuppe (Zeichen h) Allmershausen Hühlgans Stellerskuppe Forsthaus MönchesReckeröder StraßeHers­feld. (5 bis 6 Std.)