Krosch am andern Morgen die Wohnung Tiegs verließ, kneipten Tiegs und Förster weiter. Nachmittags gegen 2 Uhr hörte man aus der Wohnung vier Schüsse. Ein Schuß ging durch ein Bierglas, drei Schüsse verletzten den Fahnenjunker. Zwei davon trafen die Brust, einer den Oberschenkel. Tiegs bestritt, geschossen zu haben, es wurde aber festgestellt, daß Förster sich die Schüsse nicht beigebracht haben konnte, daß sie vielmehr von dritter Hand herrühren mußten. Förster hat auch vor dem Untersuchungsrichter und anderen Zeugen ausgesagt, daß Tiegs dreimal auf ihn gezielt und dann geschossen habe. Das Gericht verneinte die Fahrlässigkeit und nahm vielmehr Vorsatz an. Die Motive sind nicht aufgeklärt. Das Gericht ist der Ansicht, daß eine Angelegenheit des Leutnants Krosch, bet der es sich um einen Meineid handeln sollte, bei der Tat keine Rolle gespielt habe, vielmehr habe eine andere Sache dabei mitgewirkt, nämlich eine gegen Tiegs schwebende Verfolgung wegen einer falschen Wachmeldung, bezüglich deren er vergeblich versucht hat, Leutnant Krosch zu bestimmen, zu seinen Gunsten auszusagen. Diese Angelegenheit ist, so nimmt das Gericht an, dem Angeklagten fortwährend durch den Kopf gegangen. Schließlich ist der Angeklagte wohl zu dem Entschluß gekommen, Hand an sich zu legen. Er ist aber hieran durch den Fahnenjunker Förster verhindert worden, der dem Gespräch zwischen dem Angeklagten und Krosch zugehört hat, wobei Leutnant Krosch das Ansinnen des Leutnants Tiegs ablehnte. Es möge dem Angeklagten, nach Ansicht des Gerichts, der Gedanke gekommen sein, den Zeugen Förster aus der Welt zu schaffen. Das Gericht hat deshalb Totschlag angenommen.
Vermischtes*
Der Kronprinz als Drechsler. In den Blättern war in diesen Tagen zu lesen, daß der Kronprinz jetzt das Drechslerhandwerk erlerne. Nach Erkundigungen der „Danziger Zeitung" verhält es sich damit folgendermaßen: Wie jeder preußische Prinz hat der Kronprinz in seinen Jünglingsjahren ein Handwerk erlernt. Damit soll gewissermaßen der goldene Boden des Handwerks symbolisiert und gezeigt werden, daß ein Prinz sich schlimmstenfalls auch buchstäblich durch seiner Hände Arbeit" ernähren kann. So erlernte der Kronprinz das Drechslerbandwerk. Das „erlernte" ist aber natürlich nur bildlich zu nehmen. Denn zu gründlichem Erlernen bleibt bei der vielseitigen Ausbildung eines Prinzen, insbesondere eines Kronprinzen, herzlich wenig Zeit. Immerhin ist das Interesse des Kronprinzen für das Drechslerhandwerk so stark geweckt worden, daß er jetzt in seiner Villa in Langfuhr sich eine Drechsler-Werkstatt hat einrichten lassen. Die Drehbank hat Motorbetrieb und alles Zubehör an Werkzeugen ist vorhanden. Anfangs wendete der Kronprinz seine Betätigung der Holzbildhauerei zu: er ist aber davon abgekommen und hat sich nur auf die Drechslerei verlegt. Sein Lehrmeister ist dabei der Danziger Drechslermeister Fritz Seidler, der zweiter Obermeister in der Drechsler- und Holzbildhauer-Innung ist.
Graf Zeppelin und seine „jungen Freundinnen". Eine große Freude hat vor einigen Tagen Graf Zeppelin den Schülerinnen einer Mädchenschulklasse durch einen eigenhändigen Brief gemacht. Die Schülerinnen der vierten Klasse des Seyölitz-Gymnasiums in Halle a. S. hatten nach der Katastrophe des Marineluftschiffes „L 2" untereinander eine Geldsammlung veranstaltet und die kleine Geldspende, die das Ergebnis war, mit einem Begleitschreiben an den Grafen Zeppelin geschickt, in dem sie ihrer Verehrung und Begeisterung für ihn und sein großes Werk Ausdruck gaben. Eine Antwort darauf zu erhalten, hatten sie kaum erwartet. Um so größer war die Freude und Ueberraschung, als in diesen Tagen bei der vierten Klasse ein herzlicher Dankbrief von der Hand des Grafen Zeppelin eintraf, in dem er „feinen lieben, jungen Freundinnen" für ihre Spende und für den Ausdruck ihrer Gefühle dankte. Dieser Brief ist nach Form und Inhalt mehr, als der bloße förmliche Dank für eine erwiesene Aufmerksamkeit, er st zugleich ein schönes persönliches Dokument Zeppelins, das den alten Luftgrafen unerschüttert und voll des alten Glaubens an sein Werk zeigt. Graf Zeppelin schreibt unter anderem: „Was konnte mir größere Freude bereiten, als Ihr Ausdruck glaubensfroher Zuversicht zu dem Werke, in dessen Besitz die deutsche Jugend, wenn sie einst in reiferen Jahren fein wird, treten soll, um es dann in seiner bis dahin entwickelten Vollkommenheit anzuwenden zum Stolz und zum Segen unseres lieben Vaterlandes. . „ „
Vor Schrecken taubstumm geworden. In Hanum an der holländischen Grenze landete Dienstag nachmittag ein mit einem Insassen bemannter Ballon. Mit dem Insassen, der wohl infolge der uberstanöenen Fahrtschwierigkeiten krank geworden, war eine Verständigung nicht zu erzielen. Man verständigte einige Balloninsassen, die in Kevlar aufgestiegen waren, und, wie der Kranke, ebenfalls von Düsseldorf kamen, und die sich des Kranken annahmen. Ein hinzugekommener Arzt stellte fest, daß der Ballonfahrer wohl infolge emes überstan- denen Schreckens taubstumm geworden ist. ^etne Kollegen sorgten für die Rückfahrt in die Heimat.
Zwei Heiratsschwindler als „Fabrikunternehmer". Von der Berliner Kriminalpolizei wurden zwei Gauner festgenommen, die den Heiratsschwindel mit dem Gründungsschwindel verbanden. Der eine ist ein früherer Kellner namens Höppel, der wegen Heiratsschwindels wiederholt vorbestraft ist. Er setzte sich mit jungen Mädchen, die unter die Haube kommen wollten, in Verbindung, schwindelte ihnen vor. daß er als Geschäftsteilhaber eine große Fabrik gründen wolle, und veranlaßte die Vertrauensseligen, ihre Ersparnisse in dieses hinetn- zustecken. Als Socius stellte er fernen alteren Komplizen vor, einen Kaufmann Vizius. Dieser redete „den Mädchen, wenn sie sich bei ihm erkundigten, väterlich zu und machte sie ganz sicher. Dann wurde ein Vertrag aufgesetzt, wonach die Mädchen ihr Geld Höppel Übergaben mit dem Auftrage, es als Geschäftsanteil zu verwenden. Der Vertrag wurde ordnungsgemäß gestempelt und das Geld auf die Bank gebracht. Das Guthabenbuch der Bank wurde auch noch den Mädchen gezeigt. Von dem Gelde aber sahen sie nie etwas wieder. Die beiden Schwindler hoben es nach und nach ab und lebten davon, ohne an die „Fabrikgründung" weiter zu denken.
Eine Neuauflage des Spuks von Resau. Eine Neuauflage des „Spuks von Resau" hielt die Stadt Fret- burg i. Schl. eine ganze Zeit lang in Aufregung. Genau so wie vor Jahren in jenem kleinen Nest wirbelten auch hier alle möglichen Gegenstände durch die Luft: Steine, Kohlenstücke, Holzscheite usw. Merkwürdigerweise richteten sich die Wurfgeschosse alle gegen ein bestimmtes Haus, dessen Fensterscheiben bald zertrümmert waren. Sobald die Polizei erschien, ruhte die Tätigkeit des Geistes, um nach ihrem Abzug um so kräftiger einzusetzen. Das „Spukhaus" wurde das Ziel vieler Neugieriger, die mit Gruseln das unheimliche Treiben verfolgten. Schließlich richtete die Polizei einen unauffälligen Beobachtungsdienst ein und entdeckte an dem Fenster eines Hauses, aerade M WÄ. litt großes KoMnstück arme«
flogen kam, ein junges Mädchen, das schämig seine Hände unter der Schurze zu verbergen suchte. Es war die erst 15 Jahre alte Marie Hahn, deren Hände Kohlen- spuren aufwiesen. Sie erhielt vom Schöffengericht wegen groben Unfugs eine Geldstrafe von 9 X welche die Strafkammer bestätigte. Da das Oberlandesgericht das Urteil aufhob, mußte sich die Strafkammer erneut mit der Sache befassen. Das Gericht war der Ansicht, daß es sich mehr um einen dummen Streich gehandelt habe und erkannte auf eine Geldstrafe von 5 JL.
In Nacht und Eis. Eine ergreifende Kunde von dem furchtbaren Schicksal, das die Besatzung des seit sechs Jahren verschollenen Dampfers „Centiennal" getroffen hat, bringt der Bericht des Kapitäns des in Queenstown angekommenen Cunarddampfers „Caro- nia". Bor ungefähr sechs Jahren war der Dampfer von Japan nach San Franzisko in See gegangen und seit dieser Zeit hat man nichts von ihm gehört. Es wurde daher angenommen, daß der „Centiennal" bei einem Taifun mit Mann und Maus untergegangen.sei. Jetzt haben Mitglieder einer russischen Expedition, die die Küste Sibiriens bereisen, in der Nähe der Insel Sachalin den Dampfer im Ochotskischen Meer, von Packeis vollkommen umschlossen, entdeckt. Das Schiff selbst befand sich noch in vollkommen gutem Zustande, aber von der Besatzung fehlt jede Spur. Einige Expeditionsmitglieder gingen an Bord des Schiffes und stellten fest, daß alle Rettungsboote fehlten und daß die Besatzung beim Verlassen des Schiffes auch die Bordbücher mit sich genommen hat. Die Besatzung, die aus 30 Mann bestand, hat das Schiff verlassen, wahrscheinlich um die Insel Sachalin zu erreichen. Es ist leider nicht daran zu zweifeln, daß die 30 Seeleute nach langen, harten Entbehrungen und nach Erüulöung ungewöhnlicher Strapazen in der Eiswüste des Ochotskischen Meeres ihren Tod gefunden haben
Der Brand des „Voltnrno" vor dem Handelsamt. Vor dem Handelsamt in London wurde am Dienstag über den Brand des „Volturno" verhandelt. Der Anwalt des Amtes erklärte, das Schiff, habe 19 Boote geführt, welche noch 150 Personen mehr hätten aufnehmen können, als an Bord waren. Gegenüber der bei dem Untergang »der „Titanic" gemachten Erfahrungen sei es bemerkenswert, daß der Verlust an Menschenleben geringer gewesen wäre, wenn die „Volturno" gar keine Boote geführt hätte, denn alle zu Wasser geschafften Boote wären verunglückt, sodaß viele Leute ertrunken wären. Die Ladung des Schiffes bestand aus Fässern mit Oel und Teer, aus Torf, Lumpen und mit Stroh bewickelten Flaschen. Daher glaubten der Kapitän und wer sonst von der Ladung Kenntnis hatte, das Schiff müsse jeden Augenblick zugrunde gehen. Der Kapitän, der Chefingenieur und zwei Matrosen arbeiteten die ganze Nacht hindurch an der Herstellung von Flößen, um einen Teil der noch an Bord befindlichen 300 bis 400 Menschen zu retten. Als die Boote der anderen Schiffe ankamen, rief der Kapitän den Auswanderern zu, sie möchten über Bord springen. Als diese sich jedoch weigerten, sprangen die Ingenieure und mehrere Matrosen voran, um ihnen den Weg zu zeigen. Der Vorsitzende erklärte, daß nach guter seemännischer Tradition gehandelt worden sei.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Jagd. Leider fehlt uns noch immer eine zuverlässige Jagdstatistik. Nach den annähernden Ermittlungen für 1912 beziffert sich der Gesamtumsatz für Jagd und Jäger auf mindestens 830 Millionen Mark. Im übrigen mögen die einzelnen Posten sür sich selber sprechen: Die Jagd- pachten erreichten eine Höhe von 75 bis 80 Millionen Mark, für Jagdscheine wurden vereinnahmt 7% Millionen Mark, die Stempelsteuer beim Abschluß von Jagöpachtverträgen wurde mit 148 000 Mark bezahlt. Für den Wildschaden wurden vergütet 250 000 Mark, Jagdverwaltung, Jagdschutz und Wildhege erforderten 15 Millionen Mark, die Fütterung. Dressur und Pflege der Hunde kostete 17 Millionen Mark, der Wert des Wildprets dürfte 50 Millionen Mark erreichen, das Rauchwerk ergab 5 Millionen Mark an Wert, und die Trophäen, Geweihe, Gehörne usw. werden airf eine Million Mark geschätzt. Im Jagd- und Forstberuf wurden 1912 beschäftigt 46 287 Personen, die mit einem Gesamtgehalt von 58 Millionen Mark bedacht wurden. Die Zahl der Angestellten in der Munitions- und Waf- fenbranche, in den Geschäften für Jagdkleidung, Jagd- artikel usw. betrug 43164; ihr Einkommen dürfte sich insgesamt auf über 60 Millionen Mark stellen. Es existieren in Deutschland 22 Jagdzeitungen mit einer Auflage von 240 000 Exemplaren, 143 Jagdvereine mit rund 85 000 Mitgliedern. Beranstaltet wurden 1912 16 Geweihausstellungen, 116 kunologische Ausstellungen, 152 öffentliche Preisschießen und 32 Jagdkongresse. Der Wert des gesamten deutschen Wilöstanöes wird auf über 100 Millionen Mark geschätzt. Angesichts dieser Zahlen dürfte die amtliche Statistik nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Die Fahrt der verwundeten Flieger.
Heldentat spanischer Fliegeroffiziere.
Ueber die Fahrt, die zwei spanische Fliegeroffiziere, durch die Mauren schwer verwundet, mit seltener Kaltblütigkeit und Mut zurückgelegt haben, werden jetzt in den spanischen Blättern lebendige Einzelheiten veröffentlicht, die diese einzigartige Heldentat in helles Licht rücken.
Um die Zahl und die Verteilung der feindlichen Kräfte um Tetuan kennen zu lernen, waren vom spanischen Heere vier Flugzeuge abgesandt worden, unter denen sich auch ein Doppeldecker befand, geführt von Leutnant Rios, dem der Jngenieurkapitün Manuel Barreiro als Beobachter beigegeben war. Die beiden spähten eine Schar von Mauren aus, die auf einer Erhebung, dem sogenannten Contco-Berge, versammelt waren, und Rios lenkte sogleich den Apparat dahin. Aus der Fahrt nach dem Berge hielt sich das Flugzeug in einer Höhe von etwa 3000 Fuß, aber als man sich der Erhebung näherte, ging der Pilot bis auf etwa 1000 Fuß herab.
Auf der höchsten Spitze des Conico-Berges waren bewaffnete Mauren aufgestellt, die die Bewegungen des Flugzeuges mit gespanntester Aufmerksamkeit beobachteten. Die Flieger wollten in einem großen Bogen nach dem Lager von Dar Harcha, wo die Fliegerabteilung stationiert war, zurückkehren, und während dieses Manövers eröffneten die Feinde ein hitziges Feuer auf das Flugzeug, das von einer Wolke von Kugeln umschwirrt war. Die Flieger hörten, wie einige Kugeln in die Tragflächen des Doppeldeckers einschlugen und kühlten auch selbst eine heftige Erschütterung, ohne zunächst recht zu begreifen, daß sie verwundet waren.
Weder der Pilot noch der Passagier wendeten den Wunden, die sie kaum spürten, Aufmerksamkeit zu: sie achteten nur auf die Maschine und atmeten erleichtert auf, als sie merkten, daß diese keinen großen Schaden erlitten hatte. Ruhig fuhren sie in ihrer Beschäftigung fort. Dann aber fühlten sie einen dumpfen Schmerz: jeder sah, wie bei dem anderen das Blut in Strömen die Uniform befleckte, und nun erst empfanden sie das Furchtbare ihrer Lage, ahnten sie die Schwere ihrer Verletzungen.
Leutnant Rios, der sich durch den Blutverlust von Minute zu Minute schwächer fühlte, verlor dennoch nicht einen Augenblick die Gerstesgegenwart, stellte den Motor auf die größte Schnelligkeit em und hielt die Hand fest am Steuer, während er hinter sich die schwache Stimme des Kapitäns Barreiro hörte, der ihn mit Aufbietung der letzten Kräfte anfeuerte, den Flug fortzu- setzen. Mehr als 15 Kilometer hatten sie noch, zurück- zutegen, bevor sie das Lager erreichten, und Rios vermochte nur mit geradezu übermenschlicher Anstrengung sich und die Maschine aufrechtzuerhalten.
Unterdessen hatte man vom spanischen Lager aus mit Unruhe die rasche Rückkehr des Flugzeuges beobachtet und ahnte etwas Schlimmes. Man atmete jedoch wieder erleichtert auf, als die Maschine in einem bewundernswürdig geschickten Abstieg mitten zwischen den Zelten landete. Mühsam arbeitete sich Leutnant Rios heraus: Kapitän Barreiro aber blieb starr und stets sitzen wie ein Toter: man mußte ihn herunterheben. Rios hatte eine Kugel in die Rippen erhalten, die aus der rechten Seite des Körpers wieder herausgegangen war. Die Verletzung Barreiros, der zwei Kugeln in den Unterleib erhielt, ist viel schwerer, ja wohl tödlicher Natur. Die beiden heldenmütigen Flieger wurden ins Krankenhaus gebracht und sollen ob ihrer Bravour sogleich befördert werden.
--» neuestes vom Cage.
Termin für den Zusammentritt des Landtags.
Berlin, 27. November. Der preußische Landtag wird voraussichtlich auf den 13. Januar 1914 einberufen werden.
Unglücklich Liebende.
^ Berlin, 27. November. (B. Z.) Im Hause Grünauer Straße 32 zu Köpentck.wurden Heute vormittag die 16jährige Kark und der 22 Jahre alte Handlungsgehilfe Gitzer in schwer leidendem Zustande bewußtlos aufgefunden. Das Mädchen, das sich bald wte- der erholte, erklärte, daß sie beide Gift genommen hätten. Der Zustand des jungen Mannes ist hoffnungslos. Der Grund zu der Tat ist unglückliche Liebe.
Die Erziehung der sächsischen Prinzen.
^ Dresden, 27. November. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer gab der Kriegsminister Freiherr von Hausen auf eine Anfrage nach der militärischen Ausbildung des Kronprinzen Georg und des Prinzen Friedrich Christian die Erklärung av, daß beide Prinzen nach der Rekrutenvorstellung im Februar n. I. an einem in Dresden einzurichtenden Kriegsschulkursus teilnehmen und darauf vor der preußischen Militärprü- fungskommissivn das Offiziersexamen ablegen werden. Nach dem Manöver werden die Prinzen dann die Universitätsstudien beginnen.
Ein Wilderer im Handgemenge erschossen.
^ Hamburg, 27. November. Im Groß-Borsteller Gehölz überraschte in der vergangenen Nacht der Jagd- auff*r Sorgenfrei in der Nähe der Schietzstünde zwei WirKerer, die auf Fasanen jagten. Der Zimmermann Wentdorf-Ottensen wurde durch den Beamten im Handgemenge erschossen und der andere Wilderer, der 24 Jahre alte Gärtnereiarbeiter Rehbock verhaftet.
Ein doppeltes Todesurteil.
Aachen, 27. November. Das Schwurgericht hat heute nacht den 23 Jahre alten Arbeiter Martin Steegers und die 38jährige Witwe des Ackerers Koch zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Außerdem erhielt die Witwe Koch wegen Giftmordversuchs in drei Fällen fünf Jahre Gefängnis. Die beiden Angeklagten wurden überführt, in der Nacht zum 22. Juli in Blaustein gemeinsam und mit Ueberlegung den Landwirt Peter Koch ermordet zu haben. Die Witwe des Ermordeten allein ist überführt worden, in drei Fällen versucht zu haben, ihren Mann zu vergiften.
Die Geheimnisse des ehemaligen Balkanbnnöes.
ö=-£ Wien, 27. November. Die vom Matin veröffentlichten Geheimverträge des ehemaligen Balkanbunöes haben hier in politischen Kreisen großes Aufsehen erregt. Sie haben die Tatsache festgestellt, daß der Balkanbund seine Spitze zunächst gegen Oesterreich-Ungarn und Rumänien gerichtet habe. Man könne daraus ersehen, rote nahe die Kriegsgefahr und wie notwendig die Rüstungen der Monarchie gewesen seien. Die Blätter erheben zum Teil sehr schwere Vorwürfe gegen den in Wien weilenden König Ferdinand, drücken andererseits aber ihre Befriedigung über das Verhalten Griechenlands gegenüber Oesterreich-Ungarn aus.
Gefährlicher Flug eines französischen Piloten.
os* Konstantinopel, 27. November. Der französische Flieger Daucourt ist bei seinem Fluge über das Tau- rusgebirge von einem Sturme überrascht worden und abgestürzt. Das Flugzeug wurde zertrümmert. Daucourt und sein Begleiter blieben unverletzt.
Franenmord in der Schweiz.
w> Genf, 27. November. (B. Z.) Heute vormittag wurde in einem Hause des Zentrums der Stadt eine aus Zürich stammende Lebedame ermordet aufgefunden. Die Täter hatten ihr Opfer an Händen und Füßen gebunden. Schmucksachen und Wertgegenstände waren geraubt.
Ein Zwölfjähriger unter Anklage des Mordversuchs.
Parts, 27. November. In Abbeville wurde der 12^jährige Knabe Magne verhaftet, der beschuldigt wird, am 12. November in Cayeux mit feiner Schwester einen Mordversuch an einer 70 Jahre alten Rentnerin versucht zu haben.
Die Einkommensteuer in Frankreich.
Paris, 27. November. Der Finanzausschuß des Senats wird heute im Plenum den von ihm nach fünftägiger Beratung ausgearbeiteten Einkommensteuergesetzentwurf einbrmgen. Durch den Entwurf werden die bisherigen Personal-, Tür- und Fenstersteuern aufgehoben und die Einkommensteuer mit freiwilliger Erklärung und mündlicher Schätzung nach den bestehenden gesetzlichen Grundlagen und äußeren Anzeichen eingeführt.
Eröffnung des italienischen Parlaments.
s-r- Rom, 27. November. Das Parlament ist heute vormittag durch den König feierlich eröffnet worden. Die Königin hatte sich bereits vorher zum Parlament begeben, um der Eröffnung beizuwohnen. Der König verlas eine Thronrede, die auf die innere und äußere politische Lage Bezug nimmt.
Vereitelter Anschlag gegen Costa.
*^ Lissabon, 27. November. Zwei Portugiesen, Chirorro und Cuncha, sind unter dem Verdacht, eine Verschwörung gegen das Leben des Ministerpräsidenten Costa angezettelt zu haben, gestern an Bord des von Brasilien kommenden Dampfers „Amorosa" verhaftet worden.
Der Neger als blinder Passagier.
a-s- London, 27. November. (B. Z.) Als der englische Dampfer „Tieger" im Dock von Kapstadt löschte, ragte plötzlich aus einem Kohlenhaufen eine menschliche Hand hervor. Bei näherem Zusehen wurde festgestellt, daß es sich um die Hand eines Negers handelte, der elf Tage lang unter dem Kohlenhaufen gelegen hatte. Der Neger erholte sich unter den Händen eines Arztes bald wieder.