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WewbrSlke oder Weintunnel?

Strategische Erwägungen.

Bei Düsseldorf soll eine neue Brücke über den Rhein gebaut werden. Der seit den letztes Jahren mächtig gesteigerte Verkehr macht diese Maßnahme notwendig, da die jetzigen Brücken die Verkehrslasten nicht mehr zu bewältigen vermögen. Bei der Bedeutung, die der Rhein vor allem auch vom strategischen Standpunkte aus seit alten Zeiten besaß und die auch heute kaum um irgend etwas geringer geworden sein dürfte, ist es erklärlich, daß der Plan einer neuen Rheinbrücke nicht nur ästhetisch interessiert und die Aufmerksamkeit des Verkehrsfachmannes erweckt, sondern daß nicht in letz­ter Linie militärische Erwägungen ebenfalls eine be­deutende Rolle spielen. Seit den Tagen, da Cäsar über den Rhein nach Gallien einbrach, hat es kaum ein Jahr­hundert gegeben, in dem nicht der Uebergang über den mächtigen Strom im Westen Deutschlands besonderes geschichtliches Interesse bewahrt hätte. Und wenn heute beim Bau eines neuen Rheinübergangs weitgehende Rücksichten walten müssen, so entspringt diese Notwen­digkeit auch den Erfahrungen, die uns die Ereignisse vergangener Zeiten gelehrt haben.

Heute, wo man sich ernstlich mit Gedanken trägt, dem alten Projekt einer Tunnelverbindung Frankreich- England näher zu treten, in denen sogar Dichter mit dem Traum einer Untertunnelierung des Atlantic spie­len, ist es nicht verwunderlich, wenn die Errungen­schaften der modernen Technik auch beim Plan einer Rheinbrücke in Betracht gezogen werden und die Absicht auftaucht, bei Düsseldorf an Stelle einer Brücke einen Tunnel zu bauen. Die günstigen Erfahrungen des Elbetunnels bei Hamburg haben viel dazu beige­tragen, den Rheintunnel als Projekt aufzustellen. In der Tat hat dieses, macht man sich mit dem eigenartigen Gedanken völlig vertraut, soviel für sich, daß es nur zu begrüßen ist, wenn die maßgebenden Kreise mit fri­schem Mut von dem Bisherigen abgehen und die neuen Möglichkeiten ernstlich ins Auge fassen. Der Finanz­mann verrechnet die Billigkeit des Tunnels gegenüber einer Brücke, die namentlich bei starker Belastung Un­summen an Erhaltungskosten verschlingt; der Künstler freut sich an der Wahrung des Städtebilöes, das durch allzuviel Brücken unwillkürliche Einbuße erleiden muß; dem Rhein-Schiffahrtsverkehr käme es außerordentlich zu gute, wenn durch vielfache Ersetzung der Brücken durch Tunnels die Fahrbahn nicht unnötigerweise ein­geengt und damit die Fahrt selbst verlangsamt wird.

Das entscheidende Wort aber spricht wohl der Stra­tege. Welche Gefahren Brücken über mächtige Ströme im Kriegsfalle besonders für den Aufmarsch der Trup- penmassen bilden, davon erzählt die Kriegshistorie zahl­reiche Beispiele. Eine Stockung des Ausmarsches durch Zerstörung der Brücken, was immer eine der ersten Aufgaben der feindlichen Automobile oder Kavallerie­truppen sein muß, bringt ungeahnte Verwirrung mit sich, und kann die sorgfältig erwogenen Pläne für die ersten Begegnungsgefechte zunichte machen oder durch­kreuzen. Beöenkt man aber, wie leicht es erst einer noch vervollkommneten Luftwaffe sein muß, die größten Brücken durch Sprengkörper unbrauchbar zu machen, so ergibt sich ohne weiteres der Vorteil des Tunnels gegenüber den offenen Brücken, die in gewissem Um­fange eben ungeschützt sind. Gewiß ist der Einwand berechtigt, daß der Feind auch die Tunnels beschädigen kann, und namentlich mögen die feinöwärts gelegenen Ausgänge in Betracht kommen. Immerhin ist dort die Deckung durch vorgeschobene Truppenkörper eine weit vollkommnere, und der Schutz durch kleinere Befesti­gungen läßt sich bei weitem sicherer durchführen, als es bei der Brücke der Fall ist. Das Beispiel eines Rheintunnelbaues würde auch in Zukunft Nachahmung finden, und manche Besorgnisse, die in unseren Militär­kreisen betreffs des Rheinüberganges und seines / Schutzes lebendig sind, würden verschwinden.

Politische Rundschau«

Kaiserbesuch in München. Wie die Bayrische Staatszeitung mittellt, wird das deutsche Kaiserpaar am 15. Dezember nach München kommen zur Erwiderung des Besuches, den der jetzige König und seine Gemahlin Anfang März ö. I. in Berlin gemacht haben. — Mitt­woch nachmittag trafen der Kaiser und die Kaiserin mit Sonderzug auf Bahnhof Primkenau ein und wurden von dem Herzog und der Herzogin zu Schleswig-Hol­stein mit den Hofstaaten und dem Lanörat des Kreises Sprottau v. Kottwitz, empfangen.

Der neue Etat der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte für 1914 balanziert in Einnahme und Aus­gabe mit 155 000 500 JL Die Einnahmen aus Beiträgen sind mit 145 Millionen ^ in Ansatz gebracht. Die Reichsversicherungsanstalt hofft, daß die Beitragsein­nahme in Verbindung mit dem allmählichen Fortfall

Das neue Fräulein.

Original-Roman von F r. Lehne.

26) (Nachdruck verboten.)

Beteuernd legte er die Hand auf die Brust — „so denken Gnädigste von mir? Das schmerzt mich tief! Jedoch werde ich feurige Kohlen auf Ihr Haupt sammeln und Ihnen diverse Ansichtskarten schicken!"

Der Schelm lachte nur so aus seinen Augen — sein ganzes Wesen waren voller Uebermut und guter Laune — wohl eine Wirkung der vortrefflichen Pfirsichbowle, die Teichmann gebraut hatte.

„Uebrigens, Frau Anna, möchte ich auch mal mit Ihnen anstoßen — haben Sie denn Stoff?"

Statt aller Antwort zeigte ihm Gertrud ein großes, gefülltes Bowlenglas, das auf dem Tischchen stand.

„Das glaube ich," lachte er, „dann will ich nur schnell mein Glas holen!"

„Aber bitte, nein, Sie trinken von unserer Bowle mit," und Frau Anna füllte drei Gläser mit dem duf­tenden Naß, wovon sie eins Albrecht reichte. Mit tiefem Blick sah er in ihre glückstrahlenden Augen — „auf Ihr ganz besonderes Wohl, Pfalzgräfin, Schönste der Frauen!" Rot vor Freude trank sie ihm Bescheid,' er war doch zu reizend!

„Das schmeckt aber doch ganz anders, als drüben bei uns," sagte er, als er getrunken.

„Ja, glauben Sie denn, wir wollen hier Not lei­den?" lachte sie.

„Will Fräulein Gertrud denn nicht mit mir ansto- tzen?" fragte er da das junge Mädchen, das sich etwas weggewandt. Es tat ihr weh, zu sehen, wie er mit der Tante scherzte — oder war es gar Eifersucht, die sie emp­fand? —

„Gertrud, hörst Du denn nicht? Herr von Marburg will mit Dir anstotzen! — Ah, verzeihen Sie, Herr Leut­

zahlreicher Uebergangsgeschäfte die Einhaltung einer i Verwaltungskostengrenze von 2 Prozent der Beiträge für absehbare Zeit sicherstellt. Das wäre inr Vergleich zur Arbeiterversicherung als außergewöhnlich billig zu bezeichnen.

Regiernngsvermittlung zwischen Aerzten und Kran­kenkassen? Die „Frankfurter Zeitung" berichtete, daß die Vertreter der Krankenkassen neuerdings dem Reichs­amt des Innern den Wunsch unterbreitet hätten, in den schwebenden Streit zwischen Kassen und Aerzten ein- zugreifen. Diese Nachricht ist allgemein weiter verbrei­tet worden. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, ist die Nachricht unzutreffend. Die Vertreter der Kran­kenkassen haben einen derartigen Wunsch nicht aus­gesprochen. Die Krankenkassen - Hauptverbände sollen, nach derselben Mitteilung, vielmehr auf dem Stand­punkt stehen, daß nach den Erklärungen des Leipziger Aerzteverbandes ein Vermittlungsversuch der Regie­rung zu keinem Ergebnis führen könne, und daß eine solche Vermittlung nur geeignet sei, die Spannung zu vergrößern. — Diese Stellungnahme läßt eine baldige Verständigung allerdings nicht erhoffen.

Der Zaberner „Fall". Der Zaberner Berichterstatter der „Straßburger Neuesten Nachrichten" weiß folgendes zu melden: Mittwoch abend befarrden sich hier der kom­mandierende General des 15. Armeekorps v. Deimling und der Kommandeur der 30. Division, Generalleutnant v. Eben. Zu der Besprechung, die in der Angelegenheit des Leutnants Frhrn. v. Forstner stattfanö, war das ganze Offizierkorps hinzugezogen worden. Wie ich aus bester Quelle erfahre, hat Leutnant v. Forstner einen scharfen Verweis erhalten. Der Gebrauch des von ihm angewandten Wortes „Wackes" ist inzwischen durch Re­gimentsbefehl streng verboten worden.

Sachsen gegen weitere direkte Reichssteuern. Der sächsische Finanzminister v. Seydlitz betonte in seiner Etatrede in der Zweiten Kammer, Sachsen werde einer seiner wichtigsten Aufgaben darin sehen, künftig einer weiteren Einführung direkter Reichssteuern nachdrück­lichst entgegenzutreten. Nicht etwa aus Eigensucht, son­dern weil das Reich selbst leistungsfähiger Bundesstaa- ten bedürfe, deren Steuerquellen es daher nicht aus­schöpfen sollte.

Die dritte Friedenskonferenz 1916 oder 1917. Die offiziellen diplomatischen Kreise sind angesichts des Standes der Vorarbeiten zur dritten Friedenskonferenz der Ansicht, daß die Konferenz frühestens 1916 oder 1917 zusammentreten könnte.

Das Heer des neuen Griechenlands. Die Vorarbei­ten des griechischen Generalstabs für die Umgestaltung des Heeres gehen nach einem Bericht aus Athen schnell vonstatten. Das Heer wird künftig im Kriegsfalle 450 000—500 000 Mann zählen. Es wird sich in Zukunft zusammensetzen aus 54 Regimentern Infanterie, 72 Gebirgsbatterien, 7 Felöbatterien und 15 Haubitzenbat- terien. Die technischen Truppen werden in dem Maßstab der anderen Waffen verstärkt. Zu den 636 Geschützen kommen nun noch aus der Kriegsbeute 305 Geschütze. Griechenland wird also nahezu über 1000 Geschütze ver­fügen.

Kleine Iladirichten«

Fallschirmabstürze vom Luftschiff „Sachsen". Die Fallschirmabstürze des Leipzigers Thomick von dem Zep­pelinkreuzer „Sachsen" fanden Dienstag nachmittag auf dem Dresdener Flugplätze Kaditz statt. In 400 Meter Höhe stellte die „Sachsen" die Motoren ab, und Thomick setzte sich in den neben der Kabine angebrachten Fall­schirm, um sich zwischen Briesnitz und Kaditz abzustür- zen. Der Schirm rollte sich nach etwa 30 Meter Fall auf, und Thomick landete trotz heftigen Schwankens des Schirmes glatt. Das Manöver wurde wiederholt, wobei die Landung ebenfalls glatt erfolgte.

Der Sturzflieger Pegond hat sich Dienstag nachmit­tag mit einem etwa 40 Minuten langen Fluge in Fuhls- büttel bet Hamburg vom deutschen Publikum verab­schiedet. Er wird sich mit Ablauf der nächsten Woche nach Amerika einschiffen, um dort seine Künste zu zeigen.

Fürst Bülow als Publizist. Die Nachricht, daß Fürst Bülow ein Werk über die deutsche Politik geschrieben habe, wirkt, wie die „Vass. Ztg." schreibt, so überraschend, daß man sie zunächst mit einem Fragezeichen versehen darf.

Für 270 000 Kronen Brillanten gestohlen. Der Brillantenhändler Jakob Pinheiro aus Amsterdam, der mit dem Abenöschnellzuge tn Wien eingetroffen war, er­schien auf dem Polizeiamt und gab an, daß ihm auf der Fahrt nach Wien sein wohlverwahrtes Portefeuille mit Brillanten im Werte von ungefähr 270 000 Kronen ge­stohlen worden sei.

Unter einer einstürzenden Mauer begraben. Bei dem Abbruch zweier Häuser in Düsseldorf stürzte ein Teil des Mauerwerks ein, wodurch 4 Arbeiter von der Mauer begraben und schwer verletzt wurden, zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr. Zahlreiche andere Ar­beiter erlitten durch herabfallende Steine Verletzungen.

nant, ich sehe, soeben ist Herr von der Heyben gekommen, entschuldigen Sie mich einen Augenblick."

Sie eilte in den Laden; denn die Begrüßung des schönen Hauptmanns durfte sie sich doch nicht entgehen lassen. So stand Gertrud dem jungen Offizier allein gegenüber.

„Gertrud, zürnen Sie mir nicht," bat er, „ich sehe, Sie sind mir böse! Jedoch bin ich Heute so vergnügt, tragen Sie mir es nicht nach, wenn ich der Tante ein wenig den Hof mache! Ich meine es doch nicht böse! Also, mein guter Kamerad —? So ist's recht, wenn Sie lächeln! Ich sehe es gern; es steht Ihnen gut! Und die Grübchen in Ihren Wangen! Ach Gertrud--also auf das, was wir lieben!"

Wie magnetisch hielt er ihren Blick gefesselt — er verwandte kein Auge von ihr, während er trank. Un­willkürlich fast hielt er ihre Hand fest — selbstvergessen standen die beiden da, sich tief, tief in die Augen sehend. Ein Geräusch weckte sie aus ihrer Versunkenheit — Frau Teichmann war wieder zu Gertrud getreten; Al­brecht entfernte sich schnell; augenblicklich war er nicht in der Stimmung, wieder mit der Tante zu reden. Diese gab der Nichte verschiedene Aufträge.

„Gertrud, hole doch mal die Rebhuhnpastete; Herr Hauptmann soll davon kosten."

„Gewiß, Tante! Ich bringe dann gleich ein Büchs- chen Perlzwiebeln mit rauf." Und eilfertig schlüpfte sie aus dem Laden, an dem Hauptmann vorüber, der bei der Tante stand.

„Ah, delikat," sagte dieser. „Ich will Gnädigste aber weiter nicht aufhalten — wie ich sehe, haben Sie zu tun!" Und leicht grüßend entfernte er sich.

Draußen aber in dem halbdunklen Gang, der von dem hellerleuchteten Hausflur aus nach dem Keller führte, wartete er. Wahrscheinlich mußte das Mädchen, dessen Schönheit ihn in hohem Grade gefangen genom­men hatte, hier vorüber. Tag und Nacht dachte er an

Mit der Fortführung des Mittellandkanals bis Magdeburg beschäftigte sich der große Ausschuß des Zen- tralvereins für deutsche Binnenschiffahrt. Er faßte ei­nen Beschluß, in dem es heißt, der Ausbau des Mittel­landkanals von Hannover bis Magdeburg würde so­wohl im Interesse der deutschen Industrie wie der deut­schen Landwirtschaft und des Handels liegen.

Der Kontrolleur als Räuber. Wegen Beraubung der ihm zur Abrechnung übergebenen Sammelbüchsen der Straßenbahnwagen wurde in Zittau ein städtischer Stratzenbahnkontrolleur verhaftet.

Eine arme Witwe als Gewinnerin eines Haupt­treffers. Der Hauptgewinn der Naturschutzpark-Lotte­rie in Höhe von 100 000 Mark fiel an eine arme Witwe in Berlin, die für sieben unmündige Kinder zu sor­gen hat.

Zwei französische Militärflieger verbrannt. Ein Militärdoppeldecker mit zwei Insassen ist bei Mour- melon an der Grenze der Departements Marne um Aube abgestürzt. Dabei explodierte der Benzinbehälty und beide Flieger verbrannten. Es ist unmöglich, U völlig verkohlten Leichen der beiden Flieger zu erken­nen. Nur ein Militärtaschentuch und die Schuhe sini unversehrt geblieben. Aus ihnen schließt man, daß es sich um ein Militärflugzeug gehandelt Hat.

3er geheimnisvolle Tod des Admirals.

Eine Admiralswitwe unter Anklage des Gattenmordes.

Ein sensationeller Prozeß wurde, wie aus Neuyork geschrieben wird, soeben zu Ende geführt. Es handelte sich um den geheimnisvollen Tod des Admirals Joseph Giles Eaton. Unter der Anklage des Gattenmordes hatte sich vor den Geschworenen die Witwe des Admirals, Frau Jennie May Eaton zu verantworten. Die Ver­handlungen erreichten mit der Vernehmung der Frau Eaton ihren Höhepunkt. In eindringlicher, selbstsicherer Form gab sie ihre Aussagen zu Protokoll, aus denen hervorging, ein wie schweres Dasein sie an der Seite ihres Gatten, des Admirals, führen mußte.

Nachdem ihre erste unglückliche Ehe mit einem Herrn D. H. Ainsworth aufgelöst war, kam sie in Admirals Eatons Haus als Pflegerin feiner schwerkranken Gattin. Nach deren Tode wurde sie des Admirals zweite Gattin; von dem Tage ihrer Verheiratung an begann, wie sie tu der Verhandlung betonte, ihr überaus schweres Dasein im Eaton'schen Heim. Schon als Krankenpflegerin konnte sie die Beobachtung machen, daß der Admiral im höchsten Maße dem Trunke ergeben war, daher suchte sie auch nach ihrer Vermählung mit ihm in jeder Weise auf ihn einzuwirken, das unmäßige Leben in den Klubs aufzugeben und ihren Wohnsitz auf das Lgnö zu ver­legen. Aber nicht nur, daß Admiral Eaton ein überaus starker Trinker war, sondern er fröhnte auch in außer­ordentlichem Matze dem Arsenikgenutz, den er sich auf alle mögliche Art und Weise zu verschaffen wußte.

Schwer belastend für den Admiral waren auch die Aussagen hoher Marineoffiziere. So bezeugte Admiral Charles E. Clarke, daß ein Gesuch Admiral Eatons um Versetzung nach einem bestimmten Posten abgelehnt wer­den mußte, weil seine Unmäßigkeit in der amerikanischen Marine allgemein bekannt war. Leutnant Richardson gab einen Vorfall zu Protokoll, demzufolge der Admiral auf einer Fahrt nach den Azoren auf der Kommando­brücke erschienen sei und Befehle gegeben haben soll, die bei ihrer Befolgung das von ihm befehligte Schlachtschiff in unbedingte KollissionsgefaHr gebracht hätten. Nicht minder schwerwiegend waren die Aussagen -es Herrn Ralph Keyes, der der Gatte der ältesten' Stieftochter des Admirals ist. Wie er bekundete, hätte der Admiral oft gegenüber seiner Stieftochter Aeußerungen dahingehem fallen lassen, ob sie sich viel daraus machen wuroe, wem er ihren Gatten oder ihre Mutter beseitige, sodaß schließ­lich Frau Eaton in ständiger Angst um ihr Leben war.

Die Jury erkannte in einer acht Stunden währen­den Beratung auf Grund aller dieser Aussagen Frau Eaton als der Ermordung ihres Gatten nicht schuldig. So wird denn das Rätsel des geheimnisvollen Todes des Admirals kaum noch gelöst werden, es bleibt in Dunkel gehüllt, ob bei dem Tode ein Zufall waltete, oder ob selbstmörderische Absicht vorlag.

Geridht und Recht

Das Urteil gegen den Leutnant Tiegs. Das Kriegs­gericht in Metz hat den Leutnant Tiegs vom Lothrin­gischen Futzartillerieregiment Nr. 16 in Dieöenhofen wegen Totschlags, begangen an dem Fahnenjunker För­ster, zu zehn Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf zehn Jahre sowie Ent­fernung aus dem Heere verurteilt. In der Begründung des Urteils, die öffentlich erfolgte, wurde u. a. ausge- führt: Nach feinem Freispruch durch das Oberkriegs­gericht von einem ihm zur Last gelegten Vergehen hat Tiegs mit dem Fahnenjunker Förster und dem Leut­nant Krosch gekneipt und die Kneiperei dann mit den beiden in seiner Wohnung fortgesetzt. Als Leutnant

sie; je zurückhaltender sie sich zeigte, desto begehrlicher wurde er.

Sollte er hier vergebens werben? — Da kam sie auch schon aus dem Keller, in der einen Hand sorg­fältig die Pastete, in der anderen eine Büchse mit Perl­zwiebeln tragend. Er trat ihr entgegen.

„Immer so fleißig, liebes Fräulein? Ich bewun­dere Sie darum!"

„— weil ich nichts als meine Pflicht tue, Herr Hauptmann? Dann hindern Sie mich auch nicht daran und lassen Sie mich vorüber! Ich bitte Sie darum!" sagte sie scharf.

„Einen Augenblick," flüsterte er mit vor Aufregung heiserer Stimme, „einen Augenblick hören Sie mich an! Gertrud, ich bete Sie an — ich liebe Sie wahnsinnig! Seien Sie wenigstens etwas freundlicher gegen michsi

„Herr Hauptmann —"

„— nein, lassen Sie mich ausreden —," er legte seinen Arm so fest um sie, daß sie sich nicht rühren konnte, — „Gertrud, Ihre Schönheit hat mich berauscht; ich bin ganz von Sinnen, wenn Sie mir doch ein wenig gu sein wollten, Sie sollten es nicht zu bereuen haben! Auf meinen Händen würde ich Sie tragen, jeden Wunsch Ihnen erfüllen —" „

„— noch ein Wort weiter und ich rufe um Hilfe, unterbrach sie ihn mit zornbebender Stimme — „ich stelle Sie vor Ihren Kameraden bloß —"

„Gertrud!" flüsterte er, „seien Sie doch nicht so grausam gegen mich! Ich bin eifersüchtig auf diesen Marburg! Den beglücken Sie mit Ihrer Güte!" Er näherte sein Gesicht dem ihrigen, und sein heißer Atem strich über sie hin, „ich weiß keinen anderen Gedanken als Sie! — Nur um Sie zu sehen, bin ich heute noa) einmal gekommen; ich mußte Sie endlich sprechen."

(Fortsetzung folgt.)