gelüstete, bezwäng ich mich doch. Meine Gedanken richteten sich einen Augenblick auf die Heimat. Arme Eltern! Es krachte Schutz auf Schutz. Unsere Leute fluchten, daß sie die schwarzen Hunde nicht besser sehen konnten. Schon begannen sich unsere Reihen stark zu lichten, und mancher brave Kamerad lag stumm und still am Boden. Als mir die Patronen ausgegangen waren, beugte ich mich zu meinem Kameraden hinüber, um nur von ihm aushelfen zu lassen, der aber regte sich nicht mehr — armer Karl, unglückliche Eltern!
Auf einmal hieß es: Bajonett aufgepflanzt! und fort ging es im Sturmschritt, um die schwarze Kolonne zum Weichen zu bringen. Die aber waren uns an Zahl wett überlegen und hatten viele gute Schützen. Dreimal liefen wir Sturm, und dreimal wurden wir mit Verlusten zurückgeschlagen. Es blieb uns weiter nichts übrig, als uns wieder zu verschanzen, so gut es eben ging, und dem Tod furchtlos entgegenzusehen. Bald ließ das Feuer des Feindes nach und wir hatten Zeit, uns einmal nach unseren Verlusten umzusehen: von 128 Mann standen noch 43 im Gefecht, 56 waren gefallen und 29 schwer verwundet. Mein Freund hatte einen Schutz in das linke Auge erhalten und mußte sofort tot gewesen sein. Lange aber ließen uns die Kerle nicht Zeit, denn etwa 20 Araber hatten sich so nahe an uns herangeschlichen, daß sie nur noch 3 Meter vom Drahtverhau entfernt waren. Schießen konnten wir nicht mehr, also gingen wir mit dem Bajonett vor. Im selben Augenblick, wo ich aufsprang, traf mich aber ein Schutz in den Unterleib. Mir schwand sofort die Besinnung und als ich wieder erwachte, wimmelte das ganze Kamp von Soldaten, bunten Saphis, die noch in der letzten Minute gekommen waren — sonst wäre es um uns alle geschehen gewesen. 81 Tote, 41 Verwundete und sechs noch kampf- sähige Mann, das war die stolze Kompagnie, die abgeschickt worden war, um Colomb-Bechar zu verstärken, und in der Wüste, 150 Kilometer davor, ihr Ende fand. Wir Verwundeten befinden uns in Colomb-Bechar ganz wohl, nur kann ich nicht aufstehen und habe nichts 31t lesen und zu rauchen.
Wissenschaft, Kunft und Literatur.
Werden die Winter wärmer, die Sommer kälter? Von meteorologischer Seite wird geschrieben: Es ist eine eigenartige, seit Jahren zu beobachtende Erscheinung, datz unsere Jahreszeiten mehr und mehr den ihnen typischen Charakter zu verlieren scheinen. Rechte, harte Winterkälte wird immer seltener und gehört zu den Ausnahmen: umso häufiger verlaufen die der kalten Jahreszeit angehörenden Monate ganz mild. Dagegen fehlt es auf der anderen Seite im Sommer an wirklicher Wärme und an Sonnenschein. Die Annahme, daß sich im Laufe der letzten Jahrzehnte unser Klima geändert haben müsse, ein Ausspruch, den man ungemein oft hört, scheint durch diese Witterungsanomalien an Wahrscheinlichkeit zu gewinnen. Ein Forscher will nun gefunden haben, daß es periodische Klimaschwankungen mit einer mittleren Periodenlänge von rund 35 Jahren gibt, die sich deutlich von einander abheben. Für Berlin und Norddeutschland, wohl überhaupt für ganz Mitteleuropa, bildeten die Jahre 1700, 1740, 1775, 1815, 1845 und 1880 die Zentren der kalt-feuchten, die Jahre 1720, 1760, 1695, 1830 und 1860 die Zentren der warm-trockenen Periode. Schon heute kann man sagen, daß das letzte Zentrum der warm-trockenen Periode das Jahr 1900 gewesen ist, und daß wir dem nächsten Zentrum der kalt-feuchten Periode nicht mehr fern sind, das etwa um das Jahr 1915 zu erwarten ist. Wir dürfen uns deshalb nicht wundern, wenn jetzt schon seit einer Reihe von Jahren die Sommer kühl und naß, die Winter ebenfalls sehr regenreich und daher mild sind. Wenn wir erst die gegenwärtige feucht-kühle Periode, die man auch die der Veränderlichkeit nennen kann, überwunden haben, werden wir auch wieder einer trocken-warmen Periode mit mehr beständigem Wetter entgegensehen, einer Periode, deren Höhepunkt freilich erst um das Jahr 1930 zu erwarten sein dürfte.
Vermischtes*
Verhaftung eines Raubmörders. Im Landgerichtsbezirk Flensburg war am 11. Oktober der Gutsbesitzer Hans Webden im Dorfe Tankewall ermordet worden, am 15. Oktober der Gemeindevorsteher Andreas Nissen im Dorfe Seewang ermordet und beraubt und am 17. Oktober der Landwirt Heinrich Andersen in Niederselk beraubt worden. Die Täter waren unerkannt entkommen. Wie aus Bonn telegraphiert wird, hat die dortige Kriminalpolizei am Sonntag einen der Täter, den am 11. Dezember 1892 in Potsdam geborenen Knecht Erich Kehne, verhaftet. Den Mord und den Raub gibt er zu. Es wurden aber auch Gegenstände bei ihm vorgefunden, die bei dem Raubmord tn Seewang abhanden gekommen sind. . ,
Der Einbrecher als Schaufensterpuppe. Eine originelle Diebeskomödie, die zur Verhaftung eines schweren Einbrechers, des 19jährigen Arbeitsburschen Paul Kieh- nast aus der OudenarderStraße, führte, hat sich in der Nacht zum Sonntag auf dem Berliner Wedding abgespielt. Das Klirren einer Schaufensterscheibe an der Ecke der Reinickendorfer Straße hatte die Aufmerksamkeit zweier patrouillierender Schutzleute erregt. Als sie der Ursache auf den Grund gehen wollten, sahen sie, wie ein Mann in das Konfektionsgeschäft der Beklerdungs- kompagnie im Eckhaus einbrechen wollte. Er hatte das eiserne Vorgitter der Ladentür bereits überstiegen und mit dem Fuß die Türscheibe eingetreten, um durch die Oesfnung in den Laden einzuörtngeu. Der Laden wurde umstellt, der Inhaber geweckt und dann eine Durchsuchung des Geschäfts vorgenommen. Zunächst fahndete man vergeblich nach dem Verbrecher. Dieser war inzwischen auf eine ganz raffinierte Idee gekommen. Er stellte sich im Schaufenster zwischen die bekleideten Puppen und wollte so den Anschein erwecken, als sei auch er eine Modepuppe. Regungslos stand der Einbrecher, die Armhaltung der Puppen nachabmend, im Fenster. So raffiniert der Trick auch ausgedacht war, er sollte doch nicht glücken. Als der Verbrecher einscch, daß man den Schwindel merkte, ergriff er eine der Puppen nach der anderen und schleuderte sie gegen die Schutzleute. Es gelang nur schwer, den sich wie rasend Gebärdenden zu überwältigen und zu fesseln. K. wurde von der Polizei schon langst wegen einer Reihe schwerer Einbrüche gesucht.
Der Goldschmuck der Kaiserin Gisela. Dem Kaiser ist vor einiger Zeit, dank der Beihilfe hochherziger Stifter, eine der bedeutsamsten Schöpfungen mittelalterlicher Goldschmiedekunst zur Verfügung gestellt worden, der Goldschmuck der Kaiserin Gisela. Geh. Rat Otto von Falke, der Direktor des Berliner Kunstgewerbe- museums, behandelte dieser Tage den überaus kostbaren Schmuck in der Berliner Kunstgeschichtlichen Gesellschaft. Im Jahre 1880 hatten Arbeiter bei Kanalbauten in der Gegend des früheren Judenviertels in Mainz in der verschütteten Nische alter Kellerrrüume einen aus mehr als 20 einzelnen Schmuckstücken bestehenden, mit Perlen und ffitieito mMextLn Goldschatz gÄrmöL».
Obwohl die Arbeiter den Fund geheim hielten und unter sich teilten, gelang es später, den Schmuck fast vollständig aufzukaufen. Er bestand aus einer Halskette, einem Brustgehänge, einer großen und einer kleinen Adlerfibel, Ohrringen, Filigranspangen mit Zellenschmelz, Stecknadeln, neun Fingerringen usw. — alles aus Feingold. Geh. Rat von Falke weist nur einen Teil des Schmucks dem Meister der Kaiserkrone (11. Jahrhundert) zu und kommt schließlich zu dem Ergebnis, daß das kaiserliche Geschmeide der Gemahlin Konrads, der schönen burgun- dischen Prinzessin Gisela, gehört habe.
Katzenplage in Australien. Seit langem haben dte Australier unter dem Ueberhandnehmeu der wilden Kaninchen zu leiden gehabt. Hierzu scheint sich jetzt auch die Katzenplaae zu gesellen. Bor Jahren führten die Australier wilde Kaninchen ein, erstens, um der Jagd nach gehen zu können, zweitens, um einen neuen Pro- duktionsartikel zu haben. Dieser Plan verlief jedoch wenig günstig. Die Kaninchen haben sich mit derartiger Schnelligkeit vermehrt, daß sie direkt zu einer Landplage wurden, die Weidegründe auffraßen und die Ernte in einem solchen Umfange vernichteten, daß alles mögliche angestellt wurde, um die Tiere wieder auszurotten. Alles war jedoch erfolglos. Jetzt sind es die Katzen, die den Australiern schlaflose Nächte bereiten. Freiwillig oder unfreiwillig haben sich diese Tiere von den Wohnungen der Menschen entfernt und neue Familien im australischen Busch gegründet. Einige der Schafzüchter hatten ganze Katzenkolonten auf ihren Farmen angesiedelt in der Hoffnung, daß diese Jagd auf die Kaninchen machen würden. Unglücklicherweise haben die Nachkommen der Hauskatze ihren Instinkt verloren. Sie sind verwildert, und mit der Verwilderung hat sich auch ihr Aussehen verändert. Sie sind größer, kräftiger und unnahbarer geworden, als ihre Vorfahren es waren. Da sie in Australien ihre natürlichen Feinde nicht finden, haben sie sich in überraschender Weise vermehrt. Sie machen Jagd auf alle kleinen Tiere, wie Eidechsen, Beutelratten und selbst Lämmer. Aus diesem Grunde haben die Australier beschlossen, das Katzengeschlecht in Australien auszurotten — wenns möglich ist.
Wieviel bringt ein Caruso-Abend der Berliner Hofoper ein? Die Gastspiele Enrico Carusos im Königlichen Opernhanse zu Berlin bedeuten für dieses Institut, das an sich schon mit bedeutenden Gagen rechnet, eine beträchtliche Mehrausgabe, die aber durch die erhöhten Einnahmen voll wieder eingebracht wird. Schon seit Jahren ist es selbstverständlich, daß das Haus bei einem Caruso-Gastspiel bis auf den letzten Stehplatz ausver- kauft ist. Die Preise der Königlichen Oper sind rund vervierfacht. Ein Parkettsitz, der unter normalen Umständen etwa 9 Mark kostet, kostet, wenn Caruso singt, gegen 40 Mark. Sogar die Stehplätze des vierten Ranges, die sonst bei keinem Gastspiel mehr als 2,50 Mark kosten, sind etwa 8—10 Mark teurer. Rechnet man nun, daß das Königliche Opernhaus unter Ausnutzung alles vorhandenen Raumes etwa 1600 Personen Platz bietet, so kommt bei diesen erhöhten Preisen ein sehr bedeutender Betrag als Kasseneinnahme heraus. Das Opernhaus rechnet für gewöhnlich mit einer Einnahme von 25 000 Mark für jeden Abend des Caruso-Gastspiels, und wenn man davon die 15 000 Francs, die Caruso pro Abend an Honorar bekommt, abzieht, bleibt ein Betrag übrig, der selbst nach Abzug aller Unkosten noch eine bedeutende Mehreinnahme für die Oper öarstellt. Zum Vergleich sei nur noch erwähnt, daß das Opernhaus bei gewöhnlichen Preisen, wenn es ausverkauft ist, etwa 9000 Mark bringt.
Eine Heirat auf Wechsel. Eine eigenartige Ehe wurde, nach amerikanischen Blättermeldungen, in diesen Tagen in Buffalo geschlossen. Der Mann heiratete nämlich ein Mädchen, das er vorher nie gesehen hatte, und zwar nur deshalb, weil sie einen Wechsel von ihm in der Hand hatte, in dem er sich verpflichtete, zu einem bestimmten Termin die Vorzeigerin des Wechsels zu heiraten. Der Mann, ein Schneidermeister aus der Umgegend von Buffalo, war bereits einmal verheiratet gewesen, hatte aber, da er nicht sehr glücklich lebte, einem jungen Mädchen seiner Bekanntschaft gegenüber sich verpflichtet, sie spätestens vier Wochen nach dem Tode seiner Frau zu heiraten, und ihr darüber den Wechsel ausgestellt. Das junge Mädchen erlebte aber den Tag der Einlösung nicht und vermachte das Papier einer Freundin. Diese aber hatte keine Verwendung dafür, weil sie sich anderweitig besser verheiratete, und schenkte den Wechsel wiederum einer Freundin. Diese nun hatte nichts Eiligeres zu tun, als ihn zur Einlösung zu präsentieren. Und so kam es, daß sich zwei Menschen vor dem Altar fanden, die nicht Liebe, sondern ein Papier zusammenführte. — Man muß annehmen, daß sie einander gefallen haben: denn selbst das amerikanische Gericht würde im Ernstfalle den Wechselaussteller nicht gezwungen haben, eine Dame zu heiraten, für die der Wechsel nicht bestimmt war.
Die Rache. Einem Fleischermeister wurde fortwährend Fleisch entwendet von der großen Katze seines Nachbarn. Schließlich verlor er die Geduld, er vergiftete das Tier. Am nächsten Morgen fand der Eigenttimer der Katze sie tot vor seiner Tür liegen. Er wußte sofort, wer die schwarze Tat vollbracht hatte, hob aber ohne ein Wort die Katze auf und trug sie ins Haus. An dem Abend stand der Laden gedrängt voll Wurstkäufern. Plötzlich bahnte sich der Nachbar einen Weg durch die Menge und warf den Kadaver der großen schwarzen Katze auf den Hackblock. „Da, lieber Freund," sprach er, „Das macht fünfundöreitzig, die andern fünfzehn bringe ich, wenn Sie nicht so stark beschäftigt sind."
Enfant terrible. Es ist ein Gast bei Tisch, und die süße Speise ist bereits gegessen. Da sagt der kleine Hans mit seiner liebenswürdigsten Miene: „Möchten Sie nicht noch ein Stück Apfeltorie, Herr Lehmann?" Der Besucher lacht: „Na, Hans, weil Du mich gar so freundlich bittest, will ich noch ein Stück haben!" „Gut!" sagt Hans strahlend. Jetzt, Mama, denk dran, was Du mir versprochen hast. Du sagtest, wenn Du die zweite Torte auch noch anschneiden müßtest, dann sollte ich noch ein Stück kriegen."
Franenspekulation. „Mein Gott, ist mein neuer Assistent ein dummer Kerl!" „Sei doch froh! Der nimmt dann wenigstens unsere Hilöa."
Aufgelöste Verlobungen.
Das Spiel des Lebens.
Ein amerikanisches Feuilleton plaudert über aufgelöste Verlobungen. In England zieht fast jede aufgelöste Verlobung Schadenersatz nach sich, in der Voraussetzung, daß der Mann, zur Zeit als er sich verlobte, bereits volljährig war. Vor Erreichung der Großjährig- keit können somit unternehmende Jünglinge selbst „brieflich bestätigte" Verlobungen auflösen, ohne die sonst unausbleibliche Geldbuße befürchten zu müssen. Diese ist oft sehr bedeutend, manchmal aber auch sehr gering. Bei Mr. Arthur St., der seine Verlobung mit Miß Mathilde W. auflöste, weil er sich mit deren Mutter nicht vertragen konnte, betrug sie in Anbetracht erwiesener Boshaftigkeit der letzteren bloß einen Far- thing. Aber es sind z. B. irr einem Falle, wo der Ver- kröte LMücktrgtz wdil_ es sich. SLrausüelljL, daß Nur
Braut arm war, 2000, und in einem anderen Falle 50 000 Pfund Sterling der Beschädigten zugesprochen worden. In England gilt die Verlobung eben als rechtsverbindlich, und ihre Auflösung wird als so rechtswidrig angesehen, daß sie, wie ein englischer Anwalt einmal sagte, selbst der Tod nicht zu entschuldrgen ver- ^^^Prozesse wegen willkürlicher einseitiger Auflösung einer Verlobung kommen nächst England am zahlreichsten in Amerika vor. Vor einem Neuyorker Gericht ist auch wohl die älteste schmählich Entlobte der Welt als Klägerin aufgetreten. Sie war bereits volle 88 Jahre alt, erhielt aber als Pflaster auf die, wie sie sagte, be- sonders tiefe Wunde, die ihr ein gleichaltriger Kaufmann geschlagen, 800 Dollars. Der Verurteilte zahlte diesen Betrag mit Wonne, denn, meinte er, sie habe gedroht, ihm die Hölle auf Erden zu bereiten. Seltsam sind auch die Gründe, die für eine Berlobungsauflösung angegeben werden. In Birmingham lebte ein Herr, namens Mollin, der mit einer reizenden jungen Dame verlobt und von dem Verlangen beseelt war, die Feier seiner Hochzeit so großartig als möglich zu gestalten. Daher wollte er sich inbezug auf die Zeremonie in der Kirche auch nicht auf den Pastor verlassen, sondern verlangte eine Generalprobe, um Einzelheiten, die ihm mißfallen könnten, noch beizeiten abzuändern. Nachdem sich Mr. Mollin beim Kirchenamte verpflichtet hatte, die doppelte Taxe zu zahlen, fand sich der Pfarrer auch zur Hochzeits-Generalprobe bereit. Die Braut erschien inmitten ihrer Verwandschaft, der Zug bewegte sich langsam zum Altare, dort harrte der Priester im Ornate. Mr. Mollin erklärte sich nach einigen Abänderungen endlich zufriedengestellt, allein, damit alles wie am Schnürchen gehe, setzte er eine Wiederholung der Generalprobe auf den nächsten Tag fest. Es kam aber nicht mehr dazu, denn seine Braut löste mit der Erklärung, sie verzichte darauf, sich mit einem Manne trauen zu lassen, der alles so peinlich genau nehme, das Verlöbnis auf.
Nicht übel ist auch folgende Entlobungsgeschichte: Ein in San Franzisko lebender Marinearzt wurde zu einer längeren Fahrt beordert. Während seiner Abwesenheit hörte seine Verlobte medizinische Vorlesungen und wurde Homöopath. Der Marinearzt, ein Allopath, warf nach seiner Rückkehr seiner Braut vor, daß sie eine Quacksalberin sei, während sie ihn einen altmodischen Schlächter nannte. Und so haben beide wegen Unzu- träglichkeiten in den Ansichten über medizinische Schulen ihre Verlobung aufgehoben.
** neuestes vom Cage*
Blutiges Drama in der Reichshauptstadt.
0-^ Berlin, 25. November. Die Blutchronik Berlins ist gestern abermals um eine grausige Tat bereichert worden, deren Ursachen noch nicht genügend aufgeklärt sind. Die 34 Jahre alte Witwe Klara Kerger ist von dem bei ihr wohnenden 28 Jahre alten Schlafburschen Schlezag durch Beilhiebe getötet worden. Dann hat der Mörder alle in der Wohnung befindlichen Gashähne geöffnet, sich zuerst die Pulsadern an beiden Händen und dann die Kehle durchschnitten. Er ist an Verblutung gestorben.
Der Sohn des chinesischen Präsidenten.
o-* Berlin, 25. November. Der Sohn des Präsidenten der chinesischen Republik, Juan Ketsi, der sich wegen eines Armbruches in der Villa eines Arztes in Wannsee befand, ist gestern abend plötzlich abgereist.
Interessante mittelalterliche Funde.
»-^ Halle, 25. November. (B. Z.) In der Nähe von Naumburg wurden bei Ausschachtungsarbeiten mehrere Kästen gefunden, die mittelalterliche Münzen und vier Flaschen mit Wein enthielten. Nach einer Aufschrift stammt der Wein aus dem Jahre 1687.
Unterschlagungen eines Kassierers.
^ Frankfurt a. M., 25. November. Die „Franks. Nachr." melden aus Rickenbach: Bei dem ländlichen Kreditverein Rickenbach fehlen über 200 000 X die der Rechner und Bürgermeister Hofmann unterschlagen hat. Hofmann besaß großes Vertrauen und so war es ihm leicht, die Bürger, die das Geld einlegten und bei denen er in hohem Ansehen stand, um ihre sauer ersparten Groschen zu bringen. Die aus drei Personen bestehende Prüfungskommission beschäftigte sich seit Mitte August, seit welcher Zeit Hofmann auch in Untersuchungshaft sitzt, mit dieser Angelegenheit.
Ein Leutnant unter Anklage des Mordversuchs.
»e* Metz, 25. November. Heute vormittag 9 Uhr begann vor dyn Kriegsgericht der dritten Division die Verhandlung gegen den Leutnant Tiegs vom Lothringischen Fuß-Artillerre-Regiment Nr. 16 in Diedenhofen. Die Anklage lautet auf versuchten Mord, begangen am 28. September an dem Fähnrich Foerster vom gleichen Regiment. Die Oeffentlichkeit wurde bei Beginn der Verhandlung wegen Gefährdung militärischer Interessen ausgeschlossen. 25 Zeugen und zwei Sachverständige sind geladen. Soviel bisher bekannt geworden ist, bestreitet Leutnant Tiegs, den Fähnrich in der Absicht, ihn aus der Welt zu schaffen, auf sein Zimmer gelockt zu haben. Er behauptet, der Fähnrich habe sich aus Unvorsichtigkeit selbst erschossen.
Abermals eine Perlenhalsbandgeschichte.
o-r- Paris, 25. November. (B. Z.) In einem großen Warenhause wurde gestern eine junge Dame bei einem Spitzendiebstahl verhaftet. Man fand bei einer Leibesvisitation mehrere wohlgefüllte Portemonnaies und ein Etui mit einem kostbaren Perlenhalsband. Bald darauf meldete sich dann auch die Dame, der das Perlenhalsband gestohlen worden war.
Die einstige serbisch-bulgarische Freundschaft.
Paris, 25. November. Der Matin veröffentlicht den Wortlaut des seinerzeit zwischen Serbien und Bulgarien in Varna getroffenen militärischen Abkommens, in dem sich die beiden Länder nicht nur gegen die Türkei, sondern auch ausdrücklich gegen Oesterreich-Ungarn und Rumänien der militärischen Unterstützung versichern. Es heißt in dem Artikel 2 des Uebereinkom- mens: Falls Rumänien Bulgarien angreift, ist Serbien verpflichtet, Rumänien sofort den Krieg zu erklären. Der Artikel 3 verpflichtet Bulgarien, falls Oesterreich Serbien angreift, ersterem den Krieg zu erklären.
Unter Felsgeröll begrabe».
v-^Paris, 25. November. In St. Cloud (Departe- ment Manche) wurden mehrere Streckenarbeiter durch Auen Felssturz verschüttet. Zwei von ihnen wurden getötet, drei andere lebensgefährlich verletzt.
Unruhige Studenten.
Madrid, 25. November. Studenten veranstalte- ten gestern lärmende Kundgebungen. Die Polizei schoß auf die Demonstranten. Zwei Studenten und ein Polizist wurden verwundet.
Todesstnrz im Flugzeug.
.. Nenyork, 25. November. Ein Aeroplan, in dem die Leutnants Ellington und Kelley in North Island Ernten) aufbestiegen waren, stürzte ab. ~ " lö wurden getötet.
Beide
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