Nr. 165.
2. Blatt
s-l Neues zum Zaverner Zwischenfall. Bon sonst gut unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß der Feldwebel und neun andere Elsässer der 5. Kompagnie des 99. Infanterie-Regiments in Zabern unter dem Verdacht verhaftet worden sind, daß sie Mitteilungen über die schwebende Angelegenheit nach irgend einer Seite hin gemacht haben, von wo sie den Weg in die Presse fanden. Oberst von Reuter hatte bekanntlich das Hinaustragen der Sache in die Oeffentlichkeit als Verletzung des Fahneneides bezeichnet.
»a* Das neue Zeppelin-Luftschiff Z 6 ist am Sonnabend früh in Friedrichshafen unter Leitung des Ingenieurs Dürr nach Gotha ausgestiegen. An Bord ve- finden sich einige Herren der militärischen Abnahmekommission. Die Fahrtrichtung konnte mit Rücksicht auf die Witterung nicht genau bestimmt werden.
»-^ Ein Arbeitswilliger von Streikenden mißhandelt. Freitag abend fam es in Neukölln zwischen Arbeits- willigell und Streikenden einer Taschenlampenfabrik zu einem Zusammenstoß. Ein Arbeitswilliger wurde mit Pfuirufen und Drohungen empfangen. Bei dem Handgemenge, das sich entspann, wurde ein Arbeitswilliger schwer verletzt: er mußte durch Schutzleute befreit werden. Einige der Ausständigen wurden festgenommen. Die Polizei zerstreute die Menge.
o-* Die Gräfin Schimmelmann in Hamburg, eine auf dem Gebiete der inneren Mission hervorragend tätige Frau ist in Hamburg im Alter von 59 Jahren gestorben. Die Gräfin war besonders durch ihre Missions- tätigkeit unter den Seeleuten Besannt geworden.
Ein Wertbrief entwendet. Ein Wertbrief mit 24 000 Mark, der an ein Stendaler Bankinstitut gerichtet war, ist auf der Fahrt zwischen Mühlhausen und Stendal abhanden gekommen. Man vermutet einen Diebstahl, da die bisher angestellten Ermittlungen noch zu keinerlei Aufklärung geführt haben.
Unfall eines italienischen Kreuzers. Der Panzerkreuzer „San Giorgio" ist bei der Ausfahrt aus der Straße von Messina nach Neapel zu an der Küste von Santa Agata bei Messina auf Grund geraten. Die in der Nähe befindlichen Kriegsschiffe sind zur Hilfeleistung herbeigerufen worden. Das Schiff gilt nicht für gefährdet. Nach einer späteren Meldung hat sich der Panzerkreuzer auf die linke Seite gelegt. Das Vorderteil des Schiffes berührt in einer Länge von sechzehn Metern den Grund. Die Abbringungsarbeiten werden eifrig betrieben.
Verhaftung einer Diebesbande. Seit längerer Zeit sind an der belgischen Grenze Diebstähle an Bahnhofsgütern vorgekommen. Alles wies darauf hin, daß die Diebe unter dem Bahnpersonal zu suchen waren. Die belgische Staatsbahn entsandte einen Kommissar nach Lüttich, welcher Nachforschungen anstellte. Diese führten zu dem Ergebnis, daß die Wirksamkeit einer großen Diebes- und Hehlerbande festgestellt wurde. Zwölf Personen wurden verhaftet, darunter ein Lagermeister, drei Eisenbahnbeamte, ein Zollbeamter und mehrere andere Personen. Die Diebe sind geständig. Es sollen weitere Verhaftungen bevorstehen.
Ein erfolgloser Streik. Nach zweimonatiger Dauer ist der Ausstand der Stettiner städtischen Hafenarbeiter beendet. Die Ausständigen kehren zur Arbeit zurück, ohne etwas erreicht zu haben.
M Das Befinden der Königin von Spanien, die in Paris an Influenza erkrankte, hat sich weiter gebessert. Die Königin ist fieberfrei und konnte im Laufe des Sonnabends das Bett verlassen.
«-$> In der spanischen Stadt der Unruhen, Barcelona, sind am Freitag neue Unruhen ausgebrochen. Die Unruhestifter versuchten einen Straßenbahnwagen um- zustürzen, wurden aber durch die Polizei vertrieben. In dem entstehenden Handgemenge wurden zwei Revolverschüsse abgefeuert. Der Anstifter, anscheinend ein Anarchist, wurde verhaftet. Ein Straßenbahnwagen wurde zertrümmert. Schließlich gelang es der Polizei, die Ordnung wieder herzustellen.
os* Die Studenten der spanischen Stadt Valencia erbaten telegraphisch beim Gouverneur die Freilassung der in Barcelona infolge der Zusammenstöße mit der Polizei verhafteten Studenten. Sie beschlossen, als Ausdruck der Sympathie mit den Studenten in Barcelona den Besuch der Vorlesungen einzustellen.
^ Der gefeierte Hnerta. Wie die Londoner Times aus Mexiko melden, entfachte die Eröffnung des Kongresses durch General Huerta einen Enthusiasmus, wie er seit den Tagen nicht vorgekommen ist, da der frühere Präsident Porfirio Diaz auf der Höhe seiner Macht stand. Huerta wurden außerordentliche Ovationen dargebracht. Die Abgeordneten begrüßten ihn als Er- halter der nationalen Unabhängigkeit.
Gericht und Recht«
Der Kampf um das Zeugnis. Die Möglichkeit, einen abgehenden Angestellten zu schikanieren, ist besonders beim Zeugnisse gegeben. Sie wird z. B. in vereinzelten Fällen dann als eine Art „Revanche" ausgeübt, wenn der Gehilfe selber gekündigt hat. Da die Angestellten meist sehr schwer den Grad der von ihnen angegebenen Führung und Leistungen beweisen können, so haben die Gerichte gegenüber diesen vereinzelten Zeug- nisschikaneuren einen schweren Stand, ja sie werden oft selber böse schikaniert, wie ein vor dem Cölner Kaufmannsgerichte verhandelter Fall zeigt. Dort stand ein Gehilfe zum sechsten Male wegen ein und derselben Forderung, nämlich wegen Ausstellung eines angemessenen Zeugnisses, vor Gericht als Kläger. Beim fünften Male war dem beklagten Prinzipal bei Androhung eindr Strafe aufgegeben worden, dem Kläger ein bestimmtes Zeugnis auszustellen. Der Beklagte kam diesem Verlangen auch nach, aber wie! Auf einem abgerissenen Papierfetzen war in Schriftzeichen, die zu entziffern erst eines besonderen Studiums bedurft hätte, und mit einer ebenso unleserlichen Unterschrift, ohne Firmenaufdruck und Firmenstempel, das „Zeugnis" geschrieben! Mit Recht betonte der Gehilfe, daß er leider zum sechsten Male das Gericht anrufen müsse, aber diesen Zettel, diesen Wisch, könne er nirgends als Zeugnis vorzeigen. Stellung bekomme er darauf ja doch nicht. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum er denn das Zeugnis auf solchem Papier und in so unleserlichen Schriftzügen aus- stelle, erwiderte der Prinzipal, einen besonders feinen Bogen zu nehmen, dazu sei er nicht verurteilt, und eine bessere Handschrift habe er nicht. Damit der unleidlichen Sache ein Ende gemacht werde, schrieb der Protokollfüh- rer das Zeugnis auf einen sauberen Bogen, und der Beklagte wurde veranlaßt, zu unterschreiben. Der Vor- sitzende machte aber vor Schluß der Verhandlung dem Z?ugnisschikaneur den berechtigten Vorhalt, daß es nicht fair sei, an einem Angestellten, über den man sich einmal, gleichviel ob mit Recht oder Unrecht, geärgert habe, dadurch sein Mütchen zu kühlen, daß man ihm ein unverdient schlechtes Zeugnis ausstelle und ihn dadurch an fernem Fortkommen hindere.
Verrat militärischer Geheimnisse. Das Marinege- richt in Kiel verurteilte den Obermatrosen Zipf vom Kanonenboot „Panther", der in Kapstadt Geheimsachen an Bord entwendet hatte, um sie einem Engländer zu verkaufen, und dann die Flucht ergriffen hatte, zu drei Jahren Zuchthaus.
Vermischtes.
Grobe Ausschreitungen zweier Soldaten. Der Unteroffizier Duderstaedt von der 1. Kompagnie des Garde- Pionierbataillons und der Unteroffizier Easteeli von der 4. Kompagnie des Pionierbataillons Nr. 3, die beide beim Militärtelegraphen von Berlin kommandiert sind, bekamen nachts auf der Straße mit einem Berliner Studenten einen Streit, der in Tätlichkeiten ausartete. Beide Unteroffiziere wurden daher durch Schutzleute zur Feststellung ihrer Personalien auf die Kasernenwache des Regiments Kaiser Alexander an der Prinz Friedrich Karl-Straße gebracht. Hier benähmen sie sich weiter so renitent, daß sie durch den Wachthabenden festgenommen werden mußten. Inzwischen wurde der Vizefeldwebel Riesenkamp als Kasernendiensthabender herbeigerufen. Als dieser mit den festgenommenen Unteroffizieren ein Verhör vornahm, wurden sie gegen den Vorgesetzten handgreiflich und widersetzten sich ihrer Festnahme. Als nun der Vizefeldwebel ihre Verbringung m ine Arrestzelle anordnete, zog der Unteroffizier Easteeli sein Seitengewehr und versetzte dem Vorgesetzten Vizefeldwebel Riesenkamp einen schweren Hieb über den Kopf, der eine größere Wunde verursachte und die Ueberführung des Vizefeldwebels in das Garnisonlazarett nötig machte. Die beiden festgenommenen Unteroffiziere wurden als Verhaftete in die Arrestanstalt eingeliefert. Die gerichtliche Untersuchung, die für die beiden beteiligten Unteroffiziere ein sehr ernstes Nachspiel haben wird, wird beim Kommandanturgericht geführt.
Der Maurer als Nachtwächter und — Erzieher. Einem arbeitsfreudigen Manne, der allerdings über eine nicht alltägliche Vielseitigkeit verfügen muß, bietet sich, wie die „Bauwelt" berichtet, gegenwärtig eine seltene Gelegenheit, sein Glück zu machen: eine sächsische Lan- deserziehungsanstalt sucht zum baldigen Antritt einen gelernten Maurer — als Nachtwächter. Aber nicht genug damit, in dem Stellenangebot der Landeserzre- Hungsanstalt wird angekündigt, daß bei der Besetzung dieser Maurer-Nachtwachterstelle jene Bewerber bevorzugt werden, die sich für den — Erzieherberuf eignen. Die Vergütung für diese dreifache Funktion beträgt jährlich 1200 Mark. Alle Hochachtung vor dem Manne, in dem sich diese vielseitig vereinigten Talente finden werden. In der Nacht wachen, auf daß keiner der Zöglinge entwische, am Tage mauern und am Abend unterrichten: mehr kann man für 1200 Mark schwerlich verlangen .....
Fünf „Titanic"-Ueberlebende mit einem Motorboot ertrunken. Vor einigen Tagen ereignete sich auf dem Hudson eine Schiffskatastrophe, die durch die Beteiligten ein besonderes Interesse verdient. Ein Ehepaar Bishvp und eine Familie Smith, die seinerzeit der furchtbaren „Titanie"-Katastrvphe nur mit Mühe entronnen waren, unternahmen einen gemeinsamen Motorbootausflug auf dem Hudson-River. Auf noch unaufgeklärte Weise trat ein Bruch des Propellers am Motor ein und das kleine Fahrzeug war nun wehrlos dem ziemlich hohen Wellengang des Flusses preisge- geben. Nicht lange und das Schiff kenterte, die des Schwimmens nicht kundigen Insassen ertranken sämtlich. Es scheint, als hätte ein unabwendbares Schicksal die Unglücklichen dem für sie bestimmten Element geweiht.
Frau Pankhurst und der Hungerknustler. Die kampflustige englische Suffragettenführerin, die sich gegenwärtig in Amerika aufhält, um für ihre Stimm- rechtsfache Propaganda zu machen, hat dabei einen Erfolg erzielt, mit dem sie schwerlich gerechnet haben wird. Wie nämlich amerikanische Zeitungen berichten, hat der Hungerkünstler Dr. Tanner den Wunsch ausgesprochen, um Frau Pankhursts Hand anzuhalten. Der Hungermann ist der Meinung, daß keine Frau als Gattin für ihn geeigneter sei, als Frau Pankhurst, die in den englischen Gefängnissen ihre Hungerfähigkeit ausgiebig erprobt und damit bewiesen hat, daß sie die Frau eines Hungerkünstlers zu werden wert und würdig ist. Frau Pankhurst ist auf die Eroberung, die sie da gemacht hat, begreiflicherweise gar nicht stolz. Sie hat sich den amerikanischen Berichterstattern gegenüber höchlichst entrüstet über den Antrao des heiratslustigen Hungerkünstlers geäußert. „Der Antrag," erklärte sie, „ist einfach eine Unverschämtheit. Er ist eine Beleidigung für mich und es lohnt nicht der Mühe, viele Worte darüber zu verlieren. Ich bin eine Politikerin, aber keine Frau, die auf den Männerfang ausgeht."
Affen als Ballgäste. Der bekannte Multi-Millionär Edward T. Stotesburn in Philadelphia hat vor einigen Tagen die erste große Festlichkeit dieses Jahres ver- änstaltet, die zu den verrücktesten gehören dürfte, die selbst das moderne Amerika der überspannten Milliardäre je gesehen hat. Als sich die Gäste im „Bellevue Strattord" zu dem Souper einfanden, sahen sie zu ihrem Erstaunen, wie sich im Saal eigenartige Gestalten in tadellosem Frack in seltsamer Weise bewegten. Bei näherem Zuschauen fanden sie, daß es richtige Affen waren, die gleichfalls als Gäste zu dem Ball „geladen" waren. Neben diesen menschlichen Urahnen belebten zahlreiche Papageien das bunte Bild. Sie zeichneten sich besonders dadurch aus, daß sie fast ausnahmslos eine Sprache führten, die einem Maultiertreiber alle Ehre gemacht hätte. Der Bankettsaal war mit wundervollen, äußerst wertvollen Orchideen dekoriert, die von den Assen mit Vorliebe zerzupft wurden. Es braucht wohl nicht hervorgehoben zu werden, daß für die Affen auch selbstverständlich die Tafel gedeckt war, trotzdem das Gedeck 75 Dollars kostete. Die „Herren Affen" scheinen aber nicht den rechten Geschmack an dem Essen gefunden zu haben, denn sie begannen, sich und die Gäste mit Speisen zu bewerfen, bis endlich ihr Wärter sie zur Ruhe und Vernunft mahnte. Beim Tanz dagegen streikten sie und waren nicht zu bewegen, den Tango usw. mitzutanzen.
Die moderne Sibylle. Frau von Thebes, die Pariser Prophetin, hat sich, wie sie das seit einigen Jahren in jedem Herbst zu tun pflegt, wieder auf den Dreifuß gesetzt, um in einem Kalender, der ihr hübsches Geld bringt, die großen und die kleinen Ereignisse des kommenden Jahres zu verkünden. Das Blut, das im Laufe dieses Jahres auf dem Balkan so reichlich vergossen worden ist, gibt ihr Gelegenheit, in aller Bescheidenheit festzustellen, daß ein großer Teil ihrer vorjährigen trüben Prophezeiungen in Erfüllung gegangen sei. Leider üße der Planet Mars noch immer seinen kriegerischen Einfluß aus, und Europa werde im kommenden Jahre von neuem unter dem Zeichen des Krieges stehen. Frankreich brauche sich darum aber nicht zu sorgen, da es verschont bleiben werde: dagegen werde es die Welt wieder mit etlichen politischen Skandalen überraschen (das ist schon längst keine Ueberraschung mehr!). Trüber lauten die Prophezeiungen für das mit Frankreich so befreundete England: es wird mit einem großen Aufstand in Indien zu rechnen haben. Ganz Brunter und drüber wird es in Deutschland gehen (das verkündet die brave Frau schon seit mindestens fünf Jahren). Zuletzt verkündet die geschäftstüchtige Seherin wieder einmal, daß Stöntg Manuel feierlich in Portugal einziehen werde ...
Enver Bei, der Bielbegehrte. Nach einer in Lom don veröffentlichten Konstantinopeler Depesche wird Enver Bei, der Held von Adrianopel, so mit Herratsantra- gen überhäuft, daß er es vorgezogen hat, sich zu, verbergen, „bis sein Ruhm einigermaßen verblaßt rst. Bekanntlich war der Sultan gewillt, seine Nrchte dem Feldherrn zur Frau zu geben: aber dre Mutter der Prinzessin war nicht mit der Heirat einverstanden, und Enver soll selbst nicht gerade entzückt davon gewesen sein, in so enge Verbindung mit dem Sultanshame zu kommen, weil das seine politische Tätigkeit behindert hatte. Inzwischen, sollen ihm neben anderen auch zwer agyptrst
ÖlUllUJCll juucn ium uwvu unvviv».
Prinzessinnen Heiratsanträge haben machen lassen. Sein Herz ist indessen längst an eine sehr schöne urw reiche Dame vergeben, die es mit keiner anderen zu teilen wünscht.
Ein verlockendes Angebot. Das „Rendsburger Wochenblatt" brächte vor kurzem folgende Anzeige: „Große öffentliche Tanzmusik mit doppelt besetztem Orchester, Militärmusik. Für die sehr geehrten Damen, die zu diesem Feste erscheinen, gebe ich um 10 Uhr eine wirklich feine Extrabowle mit Konfekt. Gespielt werden nur die ersten Schlager. Außerdem verpflichte ich mich, für jede Verlobung, die auf diesem Feste zustande kommt, wenn die Hochzeit in meinem Lokal gefeiert wird, die Kosten auf dem Standesamt zu tragen. Mein Liebchen, was willst du noch mehr? Brennecke, Konvent garten."
Flieger und Apotheker. Wie eine Fabel hört sich das niedliche Geschichtchen an, das jüngst ein französischer Flieger in Südfrankreich erlebt hat. Der Flieger, der zu einem Wettkampfe nach Reims fliegen wollte, bemerkte unterwegs, hoch in den Lüften, daß sein Oeler leer geworden war. Er ging sofort im Gleitfluge nieder, in der Hoffnung, bei dem Apotheker des Städtchens sich das nötige Quantum Rizinusöl, das bekanntlich wegen seiner chemischen Vorzüge als Schmieröl verwendet wird, zu beschaffen. Er fand einen alten, verschrumpf- ten Apotheker vor sich, den er freundlich begrüßte: „Können Sie mir 20 Liier Rizinusöl geben?" Das Männchen sprang zurück und machte ein entsetztes Gesicht. „20 Liter Rizinusöl, mein Herr, 20 Liter? Sie sind wohl verrückt! Oder sind Sie ein Selbstmörder. Ich gebe Ihnen nur 20 Gramm, das wirkt genügend."
Noch einfacher. A.: „Ach, wissen Sie, Freundschafts- schulden — wie's da mit dem Zahlen steht, das weiß man ja. Wenn ich einem Freund etwas leihe, mache ich immer sofort nachher einen Strich durch meine Rechnung." — B.: „Da halte ich's einfacher: ich mache schon vorher einen Strich durch seine Rechnung und geb' ihm nichts!"
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Set neue lkeichselal.
Der ordentliche Reichshaushaltsetat für 1914 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 3 403 011671 Mark ab. das ist gegen die Summe des Vorjahres einschließlich Nachtragsetat ein Weniger von 174 387 044 Mark. Aus Anlaß der Wehrvorlage von 1913 sind eingestellt an fortdauernden Ausgaben 152 782119 Mark, an einmaligen Ausgaben 208 820 871 Mark, also im ganzen 421602 990 Mark. Auf den Wehrbeitrag sollen von den in Rede stehenden Ausgaben 393 820 871 Mark übernommen werden. Zur Schuldentilgung werden 68 683 399 Mark berettqestellt. Die Anleihe ist mit 17 691160 Mark gegen 39159 035 Mark im Vorjahre in Aussicht genommen. Die fortdauernden Ausgaben des ordentlichen Etats betragen insgesamt 2 662 921095 Mark (mehr 213161968 Mark), darunter für die Verwaltung des Reichsheeres 871805 785 Mark (mehr 96 420 503 Mark), für die Verwaltung der kaiserlichen Marine 221 062 617 Mark (mehr 23 666 274 Mark), für die Reichsschuld 249 413 806 (mehr 11630 676 Mark). Die einmaligen Ausgaben Betragen insgesamt 740 090 575 Mark (weniger 387 549 012 Mark), darunter bei der Verwaltung des Reichsheeres 344 823 048 Mark (weniger 235 776 909 Mark), bei der Verwaltung der Marine 237 479 550 Mark (mehr 4 271999 Mark).
9e* Im Etat der Post- und Telegraphenverwaltung sind Grund stücksankäufe u. a. für Hanau und für Fulda in Aussicht genommen.
Volksschullehrer als Seserveosstziere.
Ueber die Frage, wieviel Volksschullehrer zu Re- serveoffiziren befördert werden, wird uns von militärischer Seite geschrieben: Bei dem verhältnismäßig kurzen Bestehen der Vorschrift, daß die Volksschullehrer mit erfolgreicher Abgangsprüfung vom Lehrerseminar auch die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst erhalten, lassen sich bemerkenswerte Zahlen erst aus den letzten 2 bis 3 Jahren aufstellen. Es kommt dazu, daß sehr viele Lehrer besonders in den ersten Jahren ihre Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nicht ausnutzten, da sie das Recht hatten, auf Staatskosten zu dienen und dabei auch nur eine Militärdienstpflicht von einem Jahr hatten. Früher brauchten bekanntlich Volks- schullehrer nur eine 10wüchentliche Uebung zu machen, die späterhin auf ein Jahr erweitert wurde.
Noch jetzt, in den letzten Jahren, hat der einjährigfreiwillige Dienst bei den Volksschullehrern auch noch nicht eine solche Ausbreitung erfahren, wie nach den früheren Klagen der Volksschullehrer über das Fehlen der Berechtigung zum Einjährigendienst zu erwarten war. Im Jahre 1908 haben von rund 2150 Volksschullehrern rund 925 als Einjährig-Freiwillige im Sinne der anderen Einjährig-Freiwilligen ihr Jahr abgedient. Es waren also 44 Prozent sämtlicher Lehrer. Im Jahre 1909 ist diese Zahl auch nur verhältnismäßig sehr wenig gestiegen, da 44,4 Prozent aller Volksschullehrer als Einjahrig-Freiwillige dienten. Auf die einzelnen Landesteile kommen folgende Verhältniszahlen: In Berlin, Sachsen-Coburg-Gotha und Schaumburg-Lippe dienten 100 Prozent als Einjährig-Freiwillige. Hier nutzten also sämtliche Lehrer das Vorrecht aus. In Pommern waren es nur 25 Prozent, in Braunschweig waren es dagegen wieder 88 Prozent, da auch hier mit Ausnahme von dreien alle Volksschullehrer einjährig-freiwillig dienten. In Bayern waren es 84 Prozent, in Hamburg 40 Prozent, in Hannover 38 Prozent, im Königreich Sachsen nur 24 Prozent, in Westfalen 12 Prozent und in Mecklenburg nicht ein einziger.
Am tiefsten steht also in dieser Beziehung Mecklenburg, da während der ganzen Zeit des Bestehens der Einjährigenberechtigung für Volksschullehrer dieser Landesteil noch nicht einen einzigen Lehrer aufzuweisen hatte, der von der Berechtigung Gebrauch gemacht hätte. Aus diesen Mitteilungen über die Beteiligung am einjährig-freiwilligen Dienst geht schon hervor, daß es sich nicht um allzuviel Lehrer, die zu Reserveoffizieren befördert werden, handeln kann. Schon jetzt kann man aber sagen, daß der Prozentsatz derjenigen Lehrer, welche die Qualifikation zum Reserveoffizier haben, dem allgemeinen Stand völlig entspricht. Die Qualifikation zum Reserveoffizier erhielten im Jahre 1904 38 Prozent aller Lehrer, die einjährig-freiwillig dienten, im Jahre 1905 waren es 37 Prozent, im Jahre 1906 gar 41 Prozent, im Jahre 1907 43 Prozent, also ein höherer Prozentsatz, als er im allgemeinen zu verzeichnen ist. In den letzten Jahren ist er noch um ein geringes gestiegen