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Arankeich und Wien.

Die wankelmütige gallische Gunst.

Seit einiger Zeit kann man die Wahrnehmung machen, öatz von der Seine nach Rom hinüber recht un- frenndilche Worte erschallen, während sonst lieblich lockende Flötentöne erklangen. Was hat diese scharfe Wendung herbeigeführt? Man hat in Paris 51t seinem größten Leidwesen sehen müssen, daß Italien allem Liebeswerben Frankreichs kein Gehör schenkte, sondern seit zum Dreibünde hielt und ihn miterneuerte. Ja, man erlebte noch eine weitere Enttäuschung, indem man die Wahrnehmung machen mußte, daß Italien, jetzt nachdem es in den Besitz von Lybien gelangt ist, den festen Willen hat, sich im Mittelmeer entschieden zur Geltung zu bringen. Hat doch auch der Minister des Aeutzeren, Sun Giuliano, ausdrücklich in der Kammer erklärt, daß Italien angesichts seiner großen Interessen nicht dulden sönne, daß irgend eine Macht eine Vor­herrschaft im Mittelmeer ausübe.

Das hat natürlich in Frankreich, wo man sich gern aG maßgebende Macht im Mittelmeer aufspielen möchte, gewaltig verschnupft, und diese Verstimmung nahm in den. letzten Monaten noch weiter zu, als Italien in den Balkanfragen ein recht gewichtiges Wort mitsvrach, während Frankreich keine Gelegenheit fand, sich in den Vordergrund zu stellen. Das verzeiht Madame Gallia so lercht nicht, und die Sprache Pariser Blätter gegen­über Italien wurde in den letzten Wochen immer ge­reizter. Im Zusammenhang mit der italienischen Mit­telmeerpolitik steht zweifellos auch die Entsendung eines starken französischen und eines englischen Geschwaders nach dem ägäischen Meere, und die französische Presse betont ausdrücklich, daß die französischen Kriegsschiffe die Mtssion hätten, das Prestige der französischen Flagge in jenen Gegenden energisch zu stützen.

Wie es in den Wald hineinfchallt, schallt es auch wreder heraus. Die Antwort der italienischen Blätter ist natürlich auch auf keinen allzu liebenswürdigen Ton gestimmt, und so geht die Prefsefehöe hin und her, und namentlich in Paris ist man sehr eifrig an der Arbeit, denn die Kampagne gilt nicht bloß Italien allein, sie gflt dem verhaßten Dreibünde überhaupt, der durch die Besitzerweiterung Italiens im Mittelmeer mehr zur Geltung kommt. Ein Gutes hat aber diese Angelegen­heit, sie zeigt wenigstens den Italienern, wie wankel­mütig die Gunst der Franzosen ist, und daß deren so ostentativ zur Schau getragene Liebe für Italien sehr eigennützigen Motiven ihren Ursprung verdankt. Auf der anderen Seite weiß man jetzt in Italien, daß man an Deutschland einen wirklichen Rückhalt hat, zumal, wie unwidersprochen geblieben ist, der Geltungsbereich des erneuerten Bündnisses auch die italienische Besitz­erweiterung in sich begreift.

Sie Aranzosen als Meister der Spionage.

Zu der Aufdeckung der französischen Spionage- Zentrale in Genf wird der Korrespondenz „Heer und Politik" von einem alten Veteranen geschrieben: Die Franzosen sind von jeher in der Spionage unerreichte Meister gewesen. Die größten Leistungen haben die fran­zösischen Spione im Kriege von 1870—71 erzielt. Be­sonders großartig waren ihre Spionageleistungen wäh­rend der Belagerung von Paris. Die Franzosen betrre- ben hier die Spionage mit einem geradezu unglaub­lichen Raffinement, sie verfielen auf die kompliziertesten Mittel, um ihren Zweck zu erreichen. Uebrigens hat ihnen alles Raffinement nicht viel genutzt, denn der Chef der Feldpolizei des deutschen Hauptquartiers, Re­gierungsrat Stieber, war ihnen über. Es ist ein amt­licher französischer Bericht über die Art und Weise, wie die französischen Spione ihre Aufgabe erfüllten, vorhan­den, der heute Interesse verdient.

Eine der hauptsächlichsten Mittel zur Verbergung größere Mengen von Depeschen waren die Schuhsohlen, Diese wurden eigens für diesen Zweck vorbereitet, in­dem man sie im inneren aushöhlte und die Depeschen hineinlegte. Um diese darin zu finden, war es nötig, daß man die Schuhe völlig in kleine Stücke zerschnitt. Andere Mittel waren z. B. hohle Knöpfe, die aus zwei gewölbten Kupferplatten hergestellt wurden, ausgehöhlte Stockgriffe oder -zwingen, doppelte Mützenschilder, hohle Zigarren, ja sogar falsche Zähne mußten dem Zweck der Spionage dienen. Auch Zigarettenpapier, dessen Blätter auf beiden Seiten mit chemischer Geheimtinte beschrie­ben waren, Schüssel mit Doppelböden, ausgehöhlte Geld­stücke, das Fischbein von Regenschirmen und ähnliche Dinge wurden bei französischen Spionen gefunden. Bei den ausgehöhlten Geldstücken wurde so verfahren, daß die Flächen qenau aufeinander passen mußten. Wenn die Depesche hineingelegt war, wurde das Geldstück in S gelegt: man hatte dann Mühe, die beiden Hälften er zu trennen.

Der Bericht sagt über die Fähigkeit der deutschen Polizei, den Franzosen hinter ihre Schliche zu kommen,

Das neue Fräulein.

Original-Roman von F r. Lehne.

21) (Nachdruck verboten.)

Ruhig ließ sie es über sich ergehen: mit einem Male zuckte sie zusammen — es war ihr, als ob Ferdinand ver­schwunden war und ein anderer an dessen Stelle sie im Arme hielt und dieser andere war Albrecht von Mar­burg.

„Genug, Ferdinand," flüsterte sie mit bebenden Lippen, ihn sanft von sich drängend.

„Gertrud, Geliebte, hast denn Du nicht Sehnsucht gehabt, bist Du noch immer so kalt —?" kam es vor­wurfsvoll von seinen Lippen.

„Geh, Ferdy," bat sie und in ihr Gesicht trat ein gequälter Ausdruck, „geh — was muß sonst Tante den­ken." Sie schloß ihm die Türe auf, „gute Nacht, schlafe wohl."

Er faßte ihre beiden Hände. — „Gertrud, wie kommst Du mir vor? Hast Du mich denn nicht mehr lieb?"

Sie legte die Arme um seinen Hals und küßte ihn. ,,O ja, Ferdy! Aber die Tante, Du kennst sie nicht! Sie wirft mir nachher das alles vor! Und morgen ist ja auch noch ein Tag!"

Am Sonntag stand Gertrud noch zeitiger auf, um mit ihrer Arbeit fertig zu werden, damit sie sich ihrem Verlobten widmen konnte. Vormittag ging sie ein Stündchen mit ihm spazieren. Dann aber mußte sie in der Küche helfen, und Ferdinand ging unterdessen ins Gastzimmer, in dem einige Offiziere saßen. Nachdem er vorschriftsmäßig gegrüßt, setzte er sich an einen Tisch, Zeitungen lesend.

Als Herr Teichmann den Wünschen seiner Gäste nachgekommen war, näherte er sich Ferdinand, eine Flasche sowie zwei Maser in -er Hand tragend.

selbst in sehr bezeichnender Weise: So schlau unsere Kunstgriffe auch ersonnen waren, so halfen sie uns doch nichts gegen einen Feind, der auf diesem Gebiete sach­verständig war. Wenn ein Bote von dem preußischen Vorposten gefangen genommen worden war, wurde er völlig entkleidet. Dann durchsuchte man seine sämtliche Kleidung, seine Mütze und Schuhe einzeln und zerschnitt sie, wenn nötig. Erst nach einer Lelbesvisitatwn gab man dem Gefangenen die Kleider zurück. Wie streng die deutsche Polizei gegen die französischen Spione vor- ging, zeigt ein Brief, den der erwähnte Regrerungsrat Stieber aus dem Felde an seine Gattin schrieb: „Ich werde wohl morgen eine bildschöne, allgemein bewun­derte Gräfin de la Torre, die geschiedene Frau eines Gesandten, eine geborene Italienerin und bekannte diplomatische Agentin verhaften müssen. Auch einen Staatsanwalt und einen Rat des hiesigen Tribunals habe ich arretiert. Es sind geheime Briefe zwischen hier und Paris gewechselt worden. Der Staatsrat und der Tribunalrat tun mir leid. Nicht ohne innere Bewegung hörte ich heute, als ich die Sache dem kommandierenden General vortrug, daß man die Leute vor ein Kriegs­gericht stellen und erschießen lassen will. Ich mag jedoch streng meine Pflicht erfüllen, hier gibt es keine Scho­nung. Auch uns wird man nicht schonen, sobald man die Macht hat. Ich kann nicht den augenblicklichen Jam­mer der Familien beachten, ich muß an uns denken, die wir hier plötzlich überfallen werden können."

Politische Rundschau«

Leichte Erkältung des Kaisers. Der Kaiser leidet zur Zeit an einem starken Schnupfen, der ihn zwingt, das Zimmer zu hüten. Er hält sich aber außer Bett auf. Grund zu irgend einer Beunruhigung liegt nicht vor. Aenderungen in den Dispositionen für die nächste Zeit sind nicht getroffen worden.

Wo ist Prinz Heinrich? Das Pariser „Journal" wußte zu melden, daß P«nz Heinrich von Preußen, der Bruder des Deutschen Kaisers in Paris eingetrof­fen sei. Der Prinz habe im Hotel Louvois in der Rue Lutue Wohnung genommen. In das Fremdenbuch habe er sich als Baron Armand Rogans, 49 Jahre alt, ein­getragen. Aus Budapest liegt eine Meldung vor, nach der Prinz Heinrich dort am Donnerstag mit dem Erz­herzog Joseph eine Kunstausstellung besuchte, wobei er ein paar interessante Worte über Kunst gesprochen ha­ben soll. Am Abend soll der Prinz dann auf die unga­rischen Jagdgüter des Erzherzogs in dessen Begleitung gefahren sein.

Der Reichsetat vor dem Bundesrat. In der letzten Sitzung des Bundesrats wurden neben der Erledigung einer Anzahl kleinerer Sachen angenommen: die Etats für 1914 der Reichspost- und Telegraphenverwaltung, der Reichsjustizverwaltung, des Reichskanzlers und der Reichskanzlei, des Auswärtigen Amtes, der Verwal­tung der Kaiserlichen Marine, des Reichskolonialamtes, der Schutzgebiete und eine Anzahl kleinerer Etats.

, Neuer Beratungsstoff für den Reichstag. Der Ge­setzentwurf über die Wiederaufnahme eines Diszipli­narverfahrens bei Beamten ist nunmehr in den Aus­schüssen des Bundesrats durchberaten und dürfte dem­nächst im Plenum verabschiedet werden. Er wird bei Wiederzusammentritt des Reichstags sofort diesem vor­gelegt werden. Auch die Gewerbeordnungsnovelle zur Bekämpfung der Schundliteratur wird in der nächsten Woche fertiggestellt werden.

Der Ausschutz des Deutschen Handelstages verhan­delte über die Vorschläge, die ein besseres Verhältnis zwischen Industrie und Handel, der Regierung und den politischen Parteien erreichen und den Reichstag zu ei­ner zweckmäßigeren Behandlung gewerblicher Fragen bestimmen sollen. Er stimmte einer Reihe Forderungen bei, die von der Handelskammer Düsseldorf formuliert waren. Danach sollen die Industriellen in den Parteien, denen sie angehören, ihre Interessen entschiedener ver­treten, als das jetzt geschieht, die Abgeordneten und par­lamentarischen Kommissionen gründlicher unterrichten nötigenfalls durch besondere Sachverständige, vor Er­laß von Gesetzentwürfen die Anhörung der Industrie und Handelsvertretungen verlangen und auf eine schleunige offizielle Veröffentlichung der Beschlüsse par­lamentarischen Kommissionen gründlicher unterrichten, ebenso schnell zugängig zu machen seien wie den Par­lamentsmitgliedern selbst, dringen, wie für zuverlässige Berichterstattung aus diesen Kommissionen sorgen.

Eine neue Enteignung? Wie ein polnisches Blatt berichtet, forderte die Ansiedlungskommission den pol­nischen Bauern Tyrakowski in Ocions bei Ostrowo auf, die unlängst von einem Deutschen erworbene Wirtschaft wieder an einen Deutschen abzugeben. Im Weigerungs­fälle würde die Wirtschaft abgeschätzt und enteignet werden.

Ein Sieg des Frauenstimmrechtes in Bayern. Die bayerische Abgeordnetenkammer hat den Antrag Cassel-

„So, mein lieber, junger Freund, nun wollen wir erst mal auf gute Freundschaft anstoßen."

Er öffnete die Flasche und schenkte den Wein ein, der goldig im Glase perlte.

„Ein guter Tropfen, so etwas bekommt man nicht alle Tage," bemerkte Ferdinand, nachdem sie angestoßen und getrunken.

„Das will ich gerne glauben," lachte der andere, „na, nun wollen wir ein bischen gemütlich plaudern: öle Weiber haben oben zu tun. — Ich sage Ihnen, die Ger­trud ist ein Prachtmädel, und mir richtig ans Herz ge­wachsen! Ordentlich böse könnte ich auf Sie sein, daß Sie sie uns nehmen wollen! Wann soll denn geheiratet werden? Doch hoffentlich nicht so bald?"

„Ein paar Jahre wird es immerhin noch dauern. Wie ich gestern abend schon sagte, will ich ja noch nach dem Ausland. Und am liebsten möchte ich nachher Do­zent an einer Universität werden. Das sagt mir mehr zu als direkt Lehrer an irgend einer Schule sein! Na, mal sehen: kommt Zeit, kommt Rat! —"

Er wurde unterbrochen, denn zwei Offiziere betraten das Lokal, die Teichmann erst begrüßen mußte. Der eine von ihnen fixierte Dr. Wehner auffallend, währeno er dessen Gruß freundlich erwiderte, und trat schließlich an seinen Tisch — es war Marburg.

„Ah — ich hab' recht gesehen, 2. .. .!" Dann fragte er ihn nach einigen Offizieren in dem betreffenden Re­giment, die er sehr gut kannte, sprach noch einige gleich- giltige Worte über gleichgiltige Sachen, bis Teichmann ihm das Bestellte gebracht. „Na, dann grüßen Sie also Herrn Hauptmann von Sallbach von mir — von seinem früheren Leutnant Stetten-Warburg —", dann setzte sich Albrecht wieder zu seinen Kameraden.

Der Grund, weshalb er sich Ferdinand genähert, war, einen Eindruck von Gertruds Verlobtem zu be­kommen: das Resultat war — ganz netter Kerl — patzt aber nicht für das Mädel! Er gönnte sie ihm nicht: er

mann betreffend Einführung des Frauenstimmrechtes für die Wahlen zu den Kaufmanns- und Gewerbe, gerichten und zu den Handelskammer- und Gewerbe- wahlen mit großer Mehrheit angenommen, während die Regierung nur für die Handelskammer- und Gewerbe­wahlen ein Entgegenkommen in Aussicht gestellt hatte.

Ein neues französisches Armeekorps. Die franzö- sische Kammer nahm ohne Debatte die Schaffung eines neuen Armeekorps, des 21., an, das zwischen dem 7. und 20. eingefügt werden soll. Die Kammer hat ferner der Aufnahme eines Kredits in Höhe von 30 000 Francs zugestimmt zwecks Schaffung einer Abteilung für Luft- schlffwesen im Kriegsministerium.

Taft warnt vor Abenteuern in Mexiko. Der frü­here Präsident Taft warnte in einer in Neuyork gehal­tenen Rede den Präsidenten Wilson vor dem Wagnis einer Intervention in Mexiko. Er meinte, sie würde mehr Geld und Blut kosten als die Eroberung der Philippinen. — Präsident Wilson legt die Lage in der Stadt Mexiko dahin aus, daß die Regierung Huertas in der Zersetzung begriffen sei und daß die schließlich« Abdankung Huertas sicher erscheine. . , ,

Kleine Iladiridifen«

Eine Stiftung des Herzogs von Brannschweig. In der letzten Sitzung des Stadtverordnetenkollegiums von Rathenow wurde die Annahme einer Stiftung des Her­zogs Ernst August von Brannschweig in Höhe von 5000 Mark beschlossen, die zum Teil sofort an Bedürftige der Stadt Rathenow ausgezahlt wird. Die Zinsen des grö­ßeren Betrages sollen nach dem Wunsche des fürstlichen Gebers alljährlich an seinem Geburtstage an Not­leidende, in erster Linie an Witwen, verteilt werden.

Das finanzielle Ergebnis des Deutschen Turnfestes läßt einen Fehlbetrag von 11381 Mark verbleiben. Dieser wird gedeckt durch die Garantiefonöszeichnung der Stadt. Alle anderen Garantiefonöszeichner werden nicht in Anspruch genommen.

Ein neues Opfer der Fremdenlegion. Wie aus Waibstadt im badrschen Amt Bischofsheim gemeldet wird, hat der Studierende Tropf, der zur Fremden­legion entführt wurde, aus Paris an eine Familie in Waibstadt eine Karte geschrieben, daß er ohne jede Bar­mittel auf dem Wege nach Afrika sie. Ob dies Ziel sein freier Entschluß ist, oder ob er von Werbern entführt wurde, ist aus der Karte nicht zu entnehmen.

Begnadigung eines Kindesmörders. Der im Som­mer vorn Schwurgericht in Freiburg i. B. wegen Er­mordung seines Kindes zum Tode verurteilte verhei­ratete Bäcker Meyling aus Sulz wurde vom Großher- zog von Baden zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe be­gnadigt.

Bei Sprengarbeiten in Stücke gerissen. Bei den Sprengarbeiten des Nordischen Bergungsvereins im neuen Hafen zu Cuxhaven entlud sich eine Sprengpat­rone zu früh, wobei der Leichtmatrose Drewes in Stücke gerissen und sofort getötet wurde und zwei andere Per­sonen leichte Verletzungen erlitten.

Eine nnsinnige Wette. Aus St. Jngbert in der Pfalz wird gemeldet: In einer hiesigen Wirtschaft ver­schlang ein Mann auf Grund einer Wette die Köpfe von 50 Heringen, welche eben eingemacht worden waren. Mit dem gewonnenen Faß Bier löschte der Mann mit dem guten Magen dann den „Brands den er auf diese Speise erhielt.

Ein Mord nm sechs Mark. Im vergangenen Jahre wurde in einem Strohhaufen bei Park Meusöorf (Kreis­hauptmannschaft Leipzig) ein Mann mit einem Hosen­träger um den Hals tot aufgefunden. Man nahm an, daß es sich um Selbstmord handelte. Jetzt hat oe^ FUr- sorgezögling Arnold aus Leipzig-Lindenau ein Geständ­nis abgelegt, daß er zusammen mit einem Komplizen, als sie im Vorjahre aus einer Leipziger Fürsorgean­stalt ausgebrochen waren, den Mann überfallen, erdros­selt und beraubt hatten: sie erbeutete dabei eine Uhr und sechs Mark Bargeld. Die Leiche schleppten sie dann in den Strohhaufen und zündeten ihn an.

Auf der Straße erblindet. Ein tragisches Geschick ereilte den 80jährigen Monteur Franz Warm, der am Donnerstag aus Eisenberg in Sachsen-Altenburg nach Berlin gekommen war, um hier Arbeit zu suchen. Auf dem Wege vom Bahnhof in die Friedrichstraße verlor der Unglückliche plötzlich die Fähigkeit zu sehen. Hilf­los kauerte sich W. an der Passage hin, bis sich das Pub­likum seiner annahm. Ein Schutzmann brächte den Un­glücklichen zur Charitee. W. hat vor Jahren schon ein­mal eine gleiche Sehstörung erlitten, die damals jedoch nach fünf Tagen behoben werden konnte.

Der mißglückte Fernflug nach Polen. Der Flieger Emile Vedrines, der über Deutschland bis Russisch-Po­len fliegen wollte, sah sich am Donnerstag infolge einer Explosion seines Motors gezwungen, in steilem Gleit« finge in der Nähe von Reims zu landen. Der Apparat fing Feuer und verbrannte, während Vedrines mit leich­ten Verletzungen öavonkam.

gönnte ihm nicht, jene roten Lippen zu küssen, nach denen er selbst ein so heißes Verlangen trug.

Den Nachmittag verlebte das Brautpaar gemütlich oben im Wohnzimmer, nachdem Frau Anna es sich nicht hatte nehmen lassen, ein feines Mittagsmahl herzu­richten, an dessen Herstellung allerdings Gertrud das größte Teil hatte.

Während sie in lebhaftem Geplauöer beim Kaffee saßen, schweiften Gertruds Gedanken unwillkürlich zu dem vergangenen Sonntag zurück--als ein anderer in ihrem Kreise weilte — aber dann empfand sie Scham darüber, daß sie dem Verlobten im Herzen die Treue brach und bemühte sich, durch verdoppelte Herzlichkeit gegen Ferdinand jene sündigen Gedanken zu vertreiben. — Am Abend geleitete sie ihn nach der Bahn.

„Also, mein Liebling, Weihnachten verloben wir uns dann öffentlich. Am liebsten wäre es mir ja, sobald ich frei vom Militär bin. Ueberlege es Dir nur nochmal. Wie gesagt, Du würdest mir einen großen Gefallen tun. Warum willst Du nur nicht? Schreibe mir noch darüber: Tante Teichmann findet es auch richtig!--Fatal, u« kommen wieder die beiden Offiziere, die uns vorhin schon begegnet sind — Leutnant von Stetten-Warburg, der mir Grüße an meinen Hauptmann aufgetragen hat: ach ja, ich sprach Dir ja schon davon! — Gott sei Dank, sie kommen hier nicht vorüber: sie bleiben stehen! — Also, mein Liebling, schreibe mir nur recht bald Deine hoffentlich veränderte Ansicht! Was ich noch sagen wollte, lasse Dich von der Tante nicht so sehr ausnützen; die versteht es! Du hast gerade genug zu tun!"

„Ferdy, Du mußt einsteigen: es ist Zeit," drängre Gertrud, „schreib gleich, wie Du angekommen bist! Aengstige Dich nicht um mich!" — Das Zeichen zur Ab­fahrt ertönte, — „ohne einen Kuß fahre ich aber nicht, und trotz ihrer Abwehr küßte er sie heiß auf den Mund, ehe er einstieg.

(Fortsetzung folgt.)