Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
Miller Ättislltil
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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 163. Sonnabend, den 22. November 1913.
Bus der Heimat.
* (Die Kaisermanöver 1914.) Kürzlich ging durch verschiedene Blätter eine Notiz, daß 1914 Kaisermanöver zwischen dem 7. und 8. Armeekorps stattfindet, die Kaiserparaden in Münster und Köln abgehalten werden. Aus dieser Nachricht wurde geschlossen, daß nur die genannten Armeekorps für die Kaisermanöver in Betracht kämen. Dies ist unrichtig. Die Kaisermanöver 1914 gehen im Bereich des 7., 8., 11. und 18. und des Königl. Bayerischen 2. Armeekorps vor sich und zum Teil über die Gegend, in dem das 18. Armeekorps im Herbst 1913 geübt hat und zwar in dem Gebiet, das begrenzt wird von der Linie Fulda - Schlüchtern, Schlüchtern - Friedberg, Fulda- Gießen-Lahn. Der oberste Kriegsherr nimmt die Parade nur über das 7. und 8. Armeekorps ab, da die übrigen preußischen Korps, wi? das 11. und 18., im Laufe der Zeit des öfteren vor dem Kaiser paradiert haben.
§ Hersfeld, 21. November. Der Kurhessische Schützenbund hielt am Sonntag, den 16. d. Mts. seinen diesjährigen Schützentag in Cassel im Wittels- bacher Hof ab. Die Versammlung, die der Vorsitzende Herr Hofbüchsenmacher Häfner leitete, war äußerst zahlreich von den Vertretern aller Bunöesvereine besucht. In der umfangreichen Tagesordnung wurde u. a. einstimmig beschlossen, im nächsten Jahre das 11. Kurhessische Bundesschießen in Cassel abzuhalten. Der Casseler Schützenverein hatte bisher infolge seiner unzureichenden Standanlagen noch kein Bundesschießen übernehmen können, umsomehr verspricht das nächstjährige Fest im neuen, so wunderbar schön im Park Schönfeld gelegenen Schützenhause besonders glanzvoll zu werden.
§ Hersfeld, 21. November. Eine für die Geschäftswelt interessante Entscheidung hat soeben der höchste preußische Verwaltungsgerichtshof, das Oberverwaltungsgericht, getroffen. Der Streit drehte sich um die Frage, welches Jahr nach 8 24 Abs. 2 des -Gewerbesteuergefetzes von 1891 der Gewerbesteuerveranlagung zugrunde zu legen ist, ob das letzte Geschäftsjahr unter allen Umständen oder nur dann, wenn es zur Zeit der Veranlagung bereits bilanzmäßig abgeschlossen ist. Die Klägerin, eine Aktiengesellschaft, wollte nach dem Ertrag des vorletzten Geschäftsjahres zur Gemeindegewerbesteuer veranlagt sein und nur etwa 8000 Mark zahlen. Die Gemeinde hatte sie zu einer Steuer von rund 14 000 Mark veranlagt. Die Aktiengesellschaft berief sich auf eine Entscheidung des Staatssteuersenats des Oberverwaltungsgerichtes, die im 12.,Bande der amtlichen Sammlung sStaatssteuerfachen) abgedruckt und in der ausgeführt ist, daß für die Gewerbesteuerveranlagung der Ertrag des letzten Geschäftsjahres in Betracht komme, dessen Ergebnisse zur Zeit der Veranlagung bereits sestgestellt werden können. Das Oberverwaltungsgericht wies jedoch die Klage ab. Zur Begründung der Entscheidung wurde darauf hingewiesen, daß das von der Klägerin angeführte Urteil eines Staatssteuersenats von diesem bei nochmaliger Prüfung nicht aufrecht erhalten sei. Der Senat habe vielmehr den in dieser Entscheidung ausgestellten Grundsatz verlassen und nehme neuerdings an, daß als maßgebend für die Steuerveranlagung nach § 24 Abs. 2 des Gewerbesteuergesetzes das letzte Geschäfts- und Kalenderjahr anzusehen sei, das bei Vornahme der Veranlagung abgelaufen sei, gleichviel ob seine Ergebnisse endgültig festgestellt seien oder nicht. Dieser neueren Auslegung schließen fid) der erkennende Senat an und danach sei die Veranlagung richtig vorgenommen worden.
):( Hersfeld, 21. November. Einen Zusammenstoß zwischen einem Milchwagen und einem anderen Gespann erfolgte heute vormittag in der Weinstraße. Hierbei wurden einige gefüllte Milchkannen auf die Straße geworfen und entleerten hier ihren Inhalt.
§ Hersfeld, 21. November. Der Kalenderdes D e u t s ch e n F l o t t e n - V e r e i n s liegt, geschmückt mit zwei reizenden Bildern im Vierfarbendruck sowie einer Anzahl weiterer Illustrationen, für das Jahr 1914 vor. Zum Teil der Belehrung, vorzugsweise aber der Unterhaltung gewidmet, bringt er neben einer knappen Darstellung der Entwicklung der Marinen im letzten Jahre einen sehr übersichtlichen ^lütenstarkevergleich, eine Liste der deutschen Kriegs- stBffe und kurzgefaßte Angaben über die verschiedenen bahnen zur See. und daneben eine Reihe von Aufsätzen und glücklich gewählten Erzählungen und Skizzen aus Kriegs- und Handelsmarine und den Kolomen. In dem reichhaltigen Abschnitt „Wiffens- wertes für das tägliche Leben" ist auf die Marineverhaltnisse besonders Rücksicht genommen, z. B. bei den Bestimmungen über den Postverkehr mit den Schiffen, so daß der Kalender, auf dessen Titel,
„Kalender des Deutschen Flotten-Vereins", man genau achten wolle» für jeden Flottenfreund hochwillkommen sein wird, zumal da der Preis, 50 Pf. — bei 10 und mehr Stück 35 Pf. — für das Gebotene erstaunlich niedrig ist. Zu beziehen von der Präsidial- geschäftsstelle des Deutschen Flotten-Vereins, Berlin W. Karlsbad 4.
Philippsthal, 20. November. Das etwa 4jährige Söhnchen des Bergmanns Mohr spielte am Dienstag vormittag mit einem kleinen Trennmesser, das es sich in einem unbewachten Augenblick ins rechte Auge rannte. Der bedauernswerte Kleine mußte nach Meiningen in die Klinik gebracht werden.
Fulda, 20. Nov. Der Einjährig-Freiwillige K. von der 1. Batterie Feldartillerie-Regiments Nr. 47 fehlt seit Dienstag. Er ließ sich 600 Mk. schicken, verwandte davon 71 Mk. für eine Autofahrt nach Hanau und kehrte bis heute nicht wieder zum Regiment zurück. Er war wiederholt Lazarettgast.
Fulda, 20. November. Der Magistrat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, für das Leucht-, Kraft- und Kochgas der Stadtverordnetenversammlung die Festsetzung eines Einheitspreises vorzuschlagen. Der Einheitspreis soll betragen für das Kubikmeter 13 Pfennig. Seither waren die Gaspreise Leuchtgas 20 Pfg., Koch- und Heizgas 13. Pfg., Kraftgas 12 Pf.
Göttingen, 19. November. Die schon seit'geraumer Zeit in Göttingen herrschende Selbstmordmanie unter den jungen Mädchen hätte beinahe wieder ein neues Opfer gefordert. Ein junges Mädchen glaubte sich von ihrem Verlobten vernachlässigt und machte ihm eine heftige Szene. Als sie hierdurch den von ihr gewünschten Erfolg nidn erriechte, trank sie vor den Augen des Bräutigams eine Strichnyn-Lösung. Es gelang jedoch das Mädchen am Leben zu erhalten.
Groue bei Göttingen, 17. November. Der Sohn des Landwirts H. aus Hetgershausen fuhr gestern mit seinem Gespann nach Göttingen. In Grone scheute das Pferd und ging durch. An einem Eckstein anprallend, wurde der Wagen umgeworfen und H. etwa 200 Meter weit geschleift. Schwer verletzt mußte er zur Göttinger Klinik geschafft werden.
Lich (Oberhessen), 20. Nov. In der Sonntag Nacht wurde der Arbeiter Lederer, der ein Mädchen von der Tanzmusik heim begleitete, von dem von seiner Ehefrau getrennt lebenden Arbeiter Fay durch zwei Schüsse schwer verletzt. Das Motiv zur Tat soll Eifersucht gewesen sein.
Auleuhausen (Oberlahnkr.), 19. Nov. Das 2jährige Kind des Bergmanns Wilhelm Jung stürzte in einem unbewachten Augenblick in einen Topf mit kochendem Wasser und erlitt so erhebliche Brandwunden, daß es nach zweitägigem Leiden verschied.
Dierdorf, 18. Nov. Zu Großmaischeid drangen zwei Hunde aus einem Nachbardorfe in einen Schafpferch ein, zerrissen 24 Schafe und zersprengten die ganze Herde, so daß noch jetzt 25 Stück fehlen.
Bad Orb, 20. Nov. Der neue Orber Truppenübungsplatz wird der fünftgrößte im Deutschen Reiche fein; er umfaßt 4600 Hektar. Größere sind folgende Uebungsplätze: Grafenwöhr bei Regensburg 9000, Posen 5197, Münster 4805 und Altengrabow 4802 Hektar.
Hanau, 20. Nov. Vor dem hiesigen Schwurgericht begannen vorgestern die Verhandlungen in einem umfangreichen Meineidsprozeß. Auf der Anklagebank sitzen vierzehn junge Burschen und Mädchen aus Bad Orb, alle im Alter von 20 bis 22 Jahren. Davon sind elf Burschen und Mädchen wegen wissentlichen Meineids, drei wegen Verleitung zum Meineid angeklagt. Die letzteren waren im August 1912 in ein Strafverfahren wegen Körperverletzung verwickelt ; sie sollen durch Versprechungen und andere Mittel die übrigen Angeklagten bewogen haben, vor dem Schöffengericht zu Bad Orb wider besseres Wissen zu ihren Gunsten auszusagen. Trotzdem wurde einer von ihnen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil der Verletzte diesen bei der Tat mit aller Bestimmtheit erkannt hatte und mit unwiderlegbaren Angaben hervortrat. Dagegen wurden die beiden anderen wegen mangelnden Beweises freige- sprochen. Der Verurteilte legte gegen das schöffen- gerichtliche Erkenntnis Berufung ein, und die danach folgenden Ermittelungen der Hanauer Staatsanwalt- fchaft führten zur Einleitung des jetzigen Meineids- verfahrens. Man rechnet damit, daß die Verhandlungen mindestens eine Woche lang dauern werden. Das oben erwähnte Berufungsverfahren ist einstweilen bis zur Erledigung des Prozesses vor dem Schwurgericht zurückgestellt worden.
Frankfurt a. M., 19. November. Während die Straßenbahn und die Eisenbahn durch die beiden
Flugtage Pegouds glänzende Einnahmen erzielten, schließt die Veranstaltung für die Unternehmer mit einem anscheinend gewaltigen Fehlbeträge ab. Nach vorläufigen Berechnungen wurden an beiden Tagen zusammen rund 30 000 Mark eingenommen, am Freitag 14 000 und am Sonntag 16 000 Mark. Diesen Einnahmen stehen Ausgaben von 90 000 Mark gegenüber, und zwar an den Flieger 80 000 Mark und für mancherlei Nebensachen 10 000 Mark. Bleibt also ein Defizit von 60 000 Mark, das die Garantiezeichner zu decken haben.
Northeim (Hann.), 17. November. Der Schaffner Abich von hier, der einen Güterzug als Zugführer nach Göttingen begleitet hatte, geriet beim Rangieren zwischen die Puffer zweier Wagen und wurde totgequetscht. Er hinterläßt eine Frau und fünf unversorgte Kinder.
Gotha, 20. November. Auf schreckliche Weise verunglückte heute früh der Geschirrführer Trübenbach. Er wollte aus einer Sandgrube mit dem Wagen unter einen Trichter fahren, durch den der Wagen gefüllt werden sollte und blieb dabei auf dem Bocke sitzen. Als er unter den Trichter kam, zermalmte ihm dieser den Kopf und riß ihn vom Rumpfe.
Carlshafen, 18. November. Daß der Volksaberglaube hin und wieder immer noch die merkwürdigsten Blüten und Früchte treibt und in krassester Form auf der Bildfläche erscheint im menschlichen Handeln und Tun, sollte man in unserer aufgeklärten Zeit des 20. Jahrhunderts einfach nicht mehr für möglich halten, und doch ist dem so. Der Glaube an Hexerei und die Möglichkeit der Besprechung von Krankheiten usw. ist aus unserem Volte noch nicht ganz geschwunden. Dazu auch ein Beispiel von hier als Beweismaterial. Die Ziege eines hiesigen Einwohners hatte in letzter Zeit an Milchergiebigkeit sehr nachgelassen, was ja in dieser Jahreszeit bei Ziegen aus verschiedenen Gründen keine Seltenheit ist. Anstatt nun diesen Ursachen nachzuforschen und sich evtl. belehren zu lassen, behauptet die Frau einfach: „Die Ziege ist behext worden." Die Uebeltäterin ist natürlich eine Frau, die es mit ihr nicht gut meint. Um nun die Ziege wieder „zur Milch zu verhelfen", wird eine ältere Frau geholt, die das verhexte Tier besprechen und den bösen Geist austreiben soll. Die Besprechung blieb jedoch ohne Erfolg, und die unschuldige Ziege mußte dies mit ihrem Leben büßen. So hier geschehen im Jahre des Heils 1913.
Nörtern (Südhannover), 20. November. In dem Schachte Königshall der Gewerkschaft gleichen Namens ist in einer Teufe von 820 Metern das große abbau- fähigeHartsalzlagerangefahren worden. Dies freudige Ereignis wurde durch 21 Salutschüsse bekannt gegeben. Der Kurs der Kuxe ist infolgedessen von 75 auf 450 Mk. in die Höhe geschnellt, und die Kuxe werden jetzt viel gekauft. Die Erdarbeiten für die Grubenbahn zum Anschluß an den Bahnhof Nörtern sind nahezu beendet, auch die erforderlichen im Rodetale sind fertiggestellt, sodaß bereits mit dem Legen der großen Bahnschienen begonnen werden konnte. Man hofft, Ende Februar den Betrieb in vollem Umfange im Gange zu haben. Das große Kalilager ist um volle vier Wochen früher erreicht worden, als man erwartet hatte. Das Kaliwerk Reyershausen ist überhaupt das erste Bergwerk im Kreise Göttingen.
Hess. Lichtenau, 19. Nov. Ein grausiger Fund wurde in der Nähe des Bahnhofs gemacht. In einem Straßengraben fanden Vorübergehende ein Paket, in dem nach der Oeffnung die Leiche eines neugeborenen Kindes entdeckt wurde. Von der Mutter hat man noch keine Spur.
Neustadt, Kr. Kirchhain, 20. November. Bei dem hiesigen Bürgermeisteramt traf heute nachmittag von dem Regimentsbureau des 13. Kürassierregiments in Münster i. W. die telegraphische Benachrichtigung ein, daß der erst vor wenigen Wochen, bei dem Regiment als Rekrut eingetretene, von hier gebürtige Sohn der Witwe Gerhard Selbstmord verübt habe. Die Gründe sind unbekannt.
Wandervorschläge für Sonntag.
lL ^estour: Hersfeld, Alpen, Tageberg, Laxturm, Drei Platten, Auerhahnskopf, Kingsberg, Kleba (31/2 ®tö.) Von hier mit der Bahn zurück.
Tagestour: Hersfeld, Wehneberg, Mittelkopf, Taun, Hohe Buche, Rotenburg (4 Std.j Zurück mit der Bahn.
b.
c. Tagestour: Hersfeld, Obersberg, Solz-Fluß, Gellen- ^6, Kathus, Gißlingskirche, Friedewald, Nadelöhr, Hönebach 6 Stö.) Vor hier über Bebra mit der Bahn zurück.
Wetteraussichten für Sonnabend 22. November
Noch vereinzelt Regenfälle, mild, später abnehmende Bewölkung, kühler, westliche Winde.