Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^L für den Kreis Hersfeld
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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 163. Freitag, den 31. November 1913.
Bus der Heimat«
Einiges über die Vormundschaft.
Nach § 1773 des Bürgerlichen Gesetzbuches erhält ein Minderjähriger einen Vormund, wenn er nicht unter elterlicher Gewalt steht oder wenn die Eltern weder in den die Person, noch in den das Vermögen betreffenden Angelegenheiten zur Vertretung des Minderjährigen berechtigt sind. Ein Minderjähriger erhält aber auch dann einen Vormund, wenn sein Familienstand nicht zu ermitteln ist.
Der Vormund wird vom Vormundschaftsgericht verpflichtet, nachdem er durch vorherigen Vorschlag des Waisenrats als geeignet bezeichnet worden ist. Jeder Deutsche ist verpflichtet die Vormundschaft, für die er vom Vormundschaftsgericht ausgewählt ist, zu übernehmen, sofern feiner Bestellung als Vormund keine nach dem Gesetz begründeten Bedenken entgegenstehen. Zum Vormund kann nach dem Gesetz bestimmt werden: a. Wer vvn dem Vater des Mündels als Vormund benannt ist. b. Wer von der ehelichen Mutter des Mündels als Vormund benannt ist. c. Der Großvater des Mündels von väterlicher Seite, d. Der Großvater des Mündels von mütterlicher Seite. Dagegen kann die Uebernahme der Vormundschaft ablehnen: a. Eine Frau. b. Derjenige, der das 60. Lebensjahr vollendet hat. c. Wer mehr als 4 minderjährige, eheliche Kinder hat (ein an Kindesstatt angenommenes Kind zählt hierbei nicht mit), ö. Wer durch Krankheit oder Gebrechen verhindert ist, die Vormundschaft ordnungsmäßig zu führen, e. Wer wegen Entfernung feines Wohnsitzes vom Sitze des Vormund- fchaftsgerichts die Vormundschaft nicht ohne besondere Belästigung führen kann. f. Wer nach § 1844 B. G. B. vom Vormundschaftsgericht aus besonderen Gründen zur Sicherheitsleistung für das seiner Verwaltung unterliegende Vermögen angehalten wird. g. Wer mit einem anderen zur gemeinschaftlichen Führung der Vormundschaft bestellt werden soll. h. Wer mehr als eine Vormundschaft oder Pflegschaft führt,' hierbei gilt die Vormundschaft oder Pflegschaft über mehrere Geschwister nur als eine. Die Führung von zwei GegenvormundsHaften steht der Führung einer Vormundschaft gleich.
Das Ablehnungsrecht erlischt, wenn es nicht vor der Bestellung beim Vormundschaftsgericht geltend gemacht wird.
Der Vormund hat besonders bei unehelichen Kindern eine sozial unendlich wichtige Aufgabe, aber trotzdem sind erfahrungsgemäß die Fälle garnicht selten, daß der Vormund den Aufenthalt seines Mündels überhaupt nicht kennt, ja jahrelang nicht mit seinem Mündel in Berührung kommt. Der Vormund ist aber moralisch und gesetzlich verpflichtet, für die Person und das Vermögen seines Mündels zu sorgen und dazu gehört in erster Linie, daß er den Aufenthalt, das Tun und Treiben seines Mündels kennt. Es soll garnicht verkannt werden, daß die dem Vormund obliegende Arbeit und Sorge in vielen Fällen recht unerfreuliches mit sich bringt und zeitraubend ist, aber dafür bietet ihm diese Arbeit oft auch viel innerliche Befriedigung. Ein um das Wohl und Wehe seines Mündels besorgter Vormund wird in manchen Fällen sein Mündel vor einer etwaigen Verwahrlosung oder Neigung zu Untugenden bewahren können, wenn er beizeiten die erforderlichen oft nicht leichten Schritte unternimmt. Das Amt eines Vormundes ist ein Ehrenamt und bietet eher Gelegenheit zu innerer Befriedigung als manches andere freiwillig übernommene Ehrenamt.
Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß neben dem Vormunde auch noch ein Gegenvormund bestellt werden kann, wenn mit der Vormundschaft eine Vermögensverwaltung verbunden ist. W.
Vom Verbände öffentlicher Lebensver- sicherungs-Anstalten in Deutschland
Geschäftsstelle: Caffel, Akazienweg 3 wurden im Kreise Hersfeld folgende Herren als Kommissare bezw. Vertrauensleute angestellt: Baumhardt, Bürgermeister Asbach, Metz Bürgermeister Ausbach, Thäter Lehrer Frielingen, Kaufmann Bürgermeister friedlos, Faulhaber Bürgermeister Gershausen, Schenk, Georg Landwirt Goßmannsrode, Groll, Hrch. Landwirt Grttersdorf, Heer Bürgermeister Heenes, Gebauer Bürgermeister Heringen, Becker, Fritz Büro- gehilfe Hermgen, Hofmann Bürgermeister Hattenbach, Mantel Straßenmstr. Hersfeld, Fasold Lanbesrentmstr. Hersfeld, Steckel n. Johs. Hersfeld Reckeröderstr. 19, Brandau, Konrad Hersfeld Breitenstr. 5, Deiseroth n, Hrch. Kaufmann und Landwirt Hilmes, Hahn Bürgermeister Hillartshausen, Rößing Bürgermeister Kerspenhausen, Heyer, Nik. Bürgermeister Kalkobes, Heß Bürgermeister Kirchheim, Möller vii. Johs. Bei
geordneter Meckbach, Malkomes Bürgermeister Lauten- Hausen, Wegfahrt Bürgermeister Mengshausen, Jff- land Bürgermeister Mecklar, Rüger l. Johannes Landwirt Motzfeld, Plant,Hugo Kaufmann Niederaula, Pfalzgraf, Paul Niederaula, Eckhardt Bürgermeister Niederjossa, Schnepp Kgl. Förster Obergeis, Kehres Landwirt Petersberg, Hildebrandt Bürgermeister Rohrbach, Bornemann Bürgermeister Reimboldshausen, Happel Lehrer Reckerode, Sunkel Gastwirt Reilos, Scheer Bürgermeister Ransbach, Heinz Bürgermeister Sorga, Höfer, Georg Landwirt Schenklengs- feld, Wiegand, N. Landwirt Tann, Croll Bürgermeister Untergeis, Großcurth, H. Bürgermeister Unterhaun, Steinhauer Lehrer Wippershain.
* (Warnung vor einem Schwindler.) Ein Schwindler, stattlich von Umfang und Größe, mit grauem Barte und Haar, sucht laut „Turnztg." die Turnvereinsvorstände heim und erschwindelt Reiseunterstützungen. In Pirmasens hat er sich als früherer Vorsitzender des Turnvereins Marburg ausgegeben und sich als Karl Wachsmuth, Oberlehrer a. D., vorgestellt. Auch pensionierte Geistliche, Lehrer und Offiziere legt er herein unter verschiedenen Angaben. Wahrscheinlich ist dieser Schwindler mit dem im Juli auch in Marburg aufgetauchten „Turner" identisch der die Turnvereine besuchte, um Unterstützungen zur Reise nach dem Deutschen Turnfest in Leipzig zu erhalten.
* An Viehseuchenentschädigungen anläßlich der Bekämpfung des Milzbrandes und Rausch- brandes, der Wild- und Rinderseuche oder der Tollwut wurden in Preußen im Kalenderjahre 1912 gegeben: bei Verlust von Pferden 71.100 Mark (Vorjahr 61.580 Mark), bei Verlust von Rindern 1.473.979 Mark (Vorjahr 1.418.574 Mark), insgesamt also 64.926 Mark mehr als im Vorjahre.
* (Die Fleischbeschau in Hessen-Nassau.) Im dritten Vierteljahr 1913 stellt sich die Zahl der Schlachttiere, die in Hessen-Nassau der Fleischbeschau unterworfen wurden, wie folgt: Pferde und andere Einhufer 566 (gegen 601 im zweiten Vierteljahr 1913), Ochsen 8523 (8063), Bullen 2283 (1747), Kühe 15107 (14 681), Jungrinder, über 3 Monate alte, 12 628 (10141), Kälber, bis zu 3 Monaten alte, 43 690 (48 458), Schweine 137,944 (135 098), Schafe 11521 (8404), Ziegen 1644 (4323).
) :( Hersfeld, 20. November. Zu den am nächsten Montag stattfindenden Wahlen zurStaötver- o r ö n e t e n v e r s a m m l u n g haben sich die Vertreter des Gewerbes, der Beamten und des Arbeiterstandes auf gemeinsame Kandidaten für die dritte Abteilung geeinigt. Für die Ergänzungswahl sind es die Herren Metzgermeister Ernst Herda, Färb- meister Gg. Wolfs und Lehrer Löwer, für die Ersatzwahl Herr Schaumeister H i l s ch e r t. Durch diese vier Herren ist man den Wünschen aller an der dritten Klaffe Beteiligten gerecht geworden, so daß wohl von Aufstellung weiterer Kandidaten Abstand genommen wird. Wir möchten hierbei besonders auf den gemeinsamen Wahlaufruf in der heutigen Nummer hinweisen.
) :( Hersfeld, 20. November. Das bereits schon angekündigte Künstler-Konzert des Herrn Professor Kneisel (Violine) und Fräulein Kneisel (Klavier) wird am nächsten Sonnabend unter gütiger Mitwirkung von Herrn Alfred Fischer hier in der neuen Turnhalle stattfinden. Nach den vorliegenden Rezensionen hat man es in Herrn Professor Kneisel mit einem sehr talentvollen Künstler zu tun, der sein Instrument vollkommen beherrscht und Meisterwerke der Komposition mit größter Kunstfertigkeit vorträgt. Aber auch in Fräulein Kneisel tritt eine vollendete Künstlerin auf, die bereits als achtjähriges Mädchen glänzende Triumphe feiern konnte. Es wäre zu wünschen, daß dem Künstlerpaare ein volles Haus beschieden sein wird.
) :( Hersfeld, 20. Nov. Einer hier durchreisenden polnischen Arbeiterin wurde gestern ein Reisekorb entwendet, in welchem sich Wäsche und ein Geldbetrag befand. Bon dem Täter konnte bis jetzt nichts ermittelt werden.
Ziegenhain, 17. November. Ein auf dem nahen Schafhof seit kurzem beschäftigter polnischer Arbeiter hatte sich gestern abend in der Gastwirtschaft am Bahnhof rabiat bewiesen und drang auf den Wirt und seine Frau derartig ein, daß sie sich nicht zu helfen wußten. In der Notwehr ergriff Herr Groß seinen Revolver und feuerte zwei Schüsse auf den Angreifer ab, durch welche derselbe erheblich verletzt wurde, sodatz er nach dem Krankenhause zu Hephata gebracht werden mußte.
Obersuhl, 17. November. Während noch in vergangenem Sommer der Absatz in der Kali-Industrie ein sehr starker war, daß die zahlreichen Arbeiter
und Bergleute zu Ueberschichten herangezogen wurden ist er jetzt dermaßenKzurückgegangen, daß/die Werke gezwungen sind, einen Teil ihrer Leute zu entlassen. So wurden auf der benachbarten Gewerkschaft „Alexandershall" gestern 70 Bergleuten gekündigt. Von der Kündigung sind nicht nur junge Leute, sondern leider auch viele Familienväter, darunter auch eine ganze Anzahl aus der hiesigen Gemeinde, betroffen. Dies ist umso beklagenswerter, als der Winter vor der Tür steht und andere Arbeitsgelegenheit hier nicht zu finden ist.
Marburg, 17. November. Bei der endgültigen Immatrikulation der Studierenden hielt Rektor Geh. Justizrat Pros. Dr. Ludwig Dräger eine Ansprache, in der er die zahlreich Studierenden ermähnte, sich des Vorzugs, den sie vor Millionen Volksgenossen hätten, würdig zu zeigen und in fleißiger Arbeit Befriedigung zu suchen. Er erinnerte, oft minutenlang von Beifall unterbrochen, an die ernste Zeit und besonders daran, daß der Kampf gegen den Erzfeind wohl früher oder später einmal ausgefochten werden müsse. Dann sei es die Jugend Deutschlands, die wie vor hundert Jahren der Welt zeigen müsse, was sie leisten könne.
Gießen, 17. Nov. Ein trauriges Schicksal hat der Ausflugsort „Windhof" bei Seuchelheim, der besonders in akademischen Kreisen Hessens bekannt ist. Vor etwa 10 Jahren wurde er von dem früheren Kantinenwirt Duill-Gießen mit einem Kostenaufwand von rund 175 000 Mk. erbaut. Nachdem er seit den letzten 5 Jahren wiederholt seinen Besitzer gewechselt hat, wobei der Preis immer mehr herunterging, wurde er vorige Woche abermals zwangsweise verkaust, und zwar für etwa ein Viertel seines ursprünglichen Preises, nämlich für 41000 Mk. Meistbietender wurde die Schlitzer Bierbrauerei.
Von der Edertalsperre, 18. November. Die Brücken bei Berich und Bringhaujen wurden Montag für die Sprengung vorbereitet. Bekanntlich waren sie schon seit einiger Zeit gesperrt. Die Friedhöfe beider Ortschaften hat man dadurch vor dem Aufwühlen durch die Fluten geschützt, daß man sie vollständig mit einer Zementschicht überdeckte. Sarkophagdeckel aus Zement in der Größe der Gräber sind auf den alten Grabstätten eingelassen und mit Nummern versehen worden. — An der linken Flußseite, am Fuße der Sperrmauer werden jetzt die Turbinen für die Ueberlandzentrale eingebaut. Vorgesehen sind im ganzen 12 Turbinen (6 Hoch- und 6 Tiefdruck-Turbinen), von denen aber vorläufig nur 8 (4 Hoch- und 4 Tiefdruck-Turbinen) zur Ausführung kommen. Jede dieser Turbinen entwickelt 4000 Pferdestärken, sodaß insgesamt 32 000 Pferdestärken erzeugt werden können. Zunächst sollen jedoch nur 12000 Pferdestärken nutzbar gemacht werden. Die Turbinenanlage wird schon in Kürze vollendet sein. Im Frühjahr wird über der Anlage das Gebäude für die Ueberlandzentrale errichtet.
Vom Eichsfelde, 19. November. Die Witwe Huch in Seeburg (Kreis Duderstaöt) ging mit der brennenden Petroleumlampe in der Hand über den Hausflur und kam dabei zu Fall. Die Lampe explodierte und die Frau stand im Nu in hellen Flammen. Zum Unglück war die Haustür verriegelt, so daß Hilfe erst gebracht werden konnte, nachdem man ein Fenster eingeschlagen hatte. Die Frau hatte inzwischen schreckliche Brandwunden erlitten, an denen sie heute starb.
Frankfurt a. M., 18. November. Die Gattin des Kaufmanns Kahn in Mannheim stach sich beim Nähen mit der Nadel in den Finger und zog sich hierdurch eine Blutvergiftung zu. Man brächte sie ins Krankenhaus, wo mehrere Operationen vorgenommen werden mußten. Alles war vergebens, in verflossener Nacht starb die Bedauerswerte an den Folgen des Nadelstiches.
Jena, 18. November. Die Auszählung der bei der gestrigen Gemeinderatswahl abgegebenen Stimmen hat ergeben, daß die Liste des Bürgerausschusses mit großer Mehrheit glatt gewählt wurde. Sozialdemo- kraten bisher im Stadtparlement in der Mehrheit, verlieren sieben Sitze.
Briefkasten.
M. G. Soweit aus dem s. Zt. versandten Zirkular hervorgeht, erscheint der Kalender in einer Auflage vou 2000 Stück, die nach einer sorgfältig aufgestellten von hiesigen Geschäftsleuten geprüften Liste an das kaufkräftige Publikum von Stadt und Umgebung bis auf das letzte Stück umsonst verteilt werden. - Allerdings ist auch uns in diesen Tagen schon mehrfach Mitteilung gemacht worden, daß die Kalender durch Schulkinder von Haus zu Haus zum Preise von 25 Pfg. verkauft werden.