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als der behandelnde Arzt ihm das Herz durchbohrte, plötzlich nochmals die Augen aufschlug, einen entsetzten Blick auf die Umstehenden warf, und erst dann starb. Bei dem Anblick dieses Vorganges soll der Sohn des Grafen irrsinnig geworden sein und sich noch jetzt in einer Ir­renanstalt befinden. Die Furcht vor dem Scheintod ist in dieser Familie besonders stark ausgeprägt und hat schon manches Opfer gefordert.

Gericht und Recht«

Ein Freudenfeuer besonderer Art leisteten sich Ende Juni dieses Jahres die Bewohner des Dorfes Bieden- hausen in der Pfalz. Der Grund für die Freude war der Weggang des Lehrers Wohlleben, der mit der Mehrzahl der Dorfbewohner in heftigem Streit gelebt hatte. Das Verhältnis zwischen dem Lehrer und den Einwohnern wurde mit der Zeit so schlecht, daß man |o= gar vor Tätlichkeiten gegen den Lehrer nicht zurück- schreckte. Die Animosität gegen den Lehrer ist wohl zum Größten Teil auf allerlei Dorfklatsch zurückzuführen. )te Biedenhäusener waren aber jedenfalls froh, als sie hörten, daß der Lehrer versetzt worden sei. Es wurde beschlossen, die Nachricht durch ein großes Freudenfeuer zu feiern. Man schleppte vor dem Hause des Lehrers Bretter, Balken, Spähne und leere Tonnen zusammen und zündete das Ganze an. Um eine noch bessere Wir­kung zu erzielen, wurde auch Teer in die Flammen geworfen. Der Erfolg war denn auch, daß die Flammen die Höhe des ganzen Schullehrerhauses erreichten und dieses eine Zeitlang gefährdeten. Die Einwohnerschaft stand um das Feuer herum und brächte dem Lehrer noch eine regelrechte Katzenmusik, sogar Revolverschüsse wur­den abgefeuert. Als die Ortspolizei erschien, verschwand die Menge. Es konnten aber doch vier Teilnehmer an der eigenartigen Ovation ermittelt werden, die nun mit Strafmandaten bedacht wurden. Dagegen riefen die Be­troffenen die Entscheidung des Schöffengerichts an. Drei wurden des groben Unfugs und der Uebertretung der feuerpolizeilichen Vorschriften für schuldig befunden und ihre Strafe auf je 90 Mark erhöht.

Det Roman einer Hochstapler«».

Eine Schneiderstochter als Gräfin.

Vor dem Berliner Landgericht hat sich gegenwärtig eine Hochstaplerin zu verantworten, wie sie kaum je­mals vor einem Gerichtshof erschienen ist. Die ange­klagte Gräfin ist in Offenbach als Tochter eines Schnei­ders geboren. Als sie noch ein kleines Mädchen war, zogen die Eltern nach Frankfurt a. M. Dort bewohn­ten sie in einem Hintergebäude eine kleine Wohnung. Es waren die Eltern sehr rechtschaffene Leute. Allein, kaum war das Töchterchcn, ein allerdings auffallend hübsches Mädchen, den Schuljahren entwachsen, da war der Vater genötigt, die Hilfe der Polizei in Anspruch zu nehmen, da die erwachende Schönheit sich in sehr ver­dächtiger Gesellschaft befand und sich bis in die späte Nacht auf der Straße herumtrieb. Die Bemühungen des Vaters hatten feinen Erfolg. Nach einiger Zeit un­terhielt die Schneiderstochter in Frankfurt a. M. im feinsten Viertel eine hochelegante Wohnung. Ihre Sa­lons wurden der Treffpunkt der zahlungsfähigen Leve- welt. Ihre jüngste Schwester, eme junge Dame von seltener Schönheit, und eine Anzahl anderer jüngerer Damen wurden in den Salons des Fräulein Uhl, so hieß die Schneiderstochter, der Herrenwet zugeführt.

Fräulem Uhl kleidete sich aufs eleganteste. Sie un­ternahm Reisen nach München, Berlin, Paris, London, Baden-Baden, Ostende, Monte Carlo usw. Sie hatte es ja dazu. Ihre vornehmen Salons brachten enorme Summen. Plötzlich, eines Abends, wurden ihre Sa­lons, auf die die Polizei längst ein wachsames Auge hatte, geschlossen, und Anklage gegen Fräulein Uhl er­hoben. Wegen Mangel an Beweisen mußte sie aber freigesprochen werden. Alsdann lebte sie einige Zeit mit einem Hamburger Kaufmann. Schließlich wurde sie von diesem mit 20 000 Mark abgefunden. Darauf ver­heiratete sie sich mit einem Hamburger Hotelbesitzer. Dieser sah sich nach kurzer Zeit veranlaßt, die Eheschei­dung herbeizuführen und ihr die Führung seines Na­mens zu untersagen. Einige Zeit darauf verheiratete sie sich mit dem Oberleutnant zur See a. D. Ernst Gra­fen Fischler von Treuberg. Der Graf, dessen Vermö- gensverhältnisse etwas dürftig waren, hatte sich zur Ehe entschlossen, da ihm die Gattin 25 000 Mark dafür ver­sprach. Die Gräfin dachte aber nicht im Entferntesten daran, dem Gemahl auch nur einen Pfennig zu geben. Sie verließ sehr bald den Gatten und wandte sich der Weltstadt Berlin zu.

Hier verstand sie es, den Grafentitel weidlich aus- zunutzen. Da sie felBft schon etwas verblüht war, war ihre bildschöne Tochter, die sich als Komtesse ausgab, be­müht, junge, unerfahrene Offiziere, Studenten usw. auf den Leim zu locken, zumal sie auch in Berlin W. W. eine hochelegante Wohnung unterhielt. Sie trieb außer­dem als Agentin einiger Gelöverleiher Wuchergeschäfte in weitestem Umfange. Die Darlehnssucher hatten bis 4000 Prozent Zinsen und Provision zu zahlen, sie er­hielten aber zumeist nur Teppiche von fragwürdiger Qualität, Geld nur in geringen Beträgen. Außerdem betrieb die Gräfin den Heiratsschwindel engros. Ins­besondere waren es wieder gelöbedürftige Freiherren, Grafen usw., die sich der Hoffnung Hingaben, durch Ver­mittlung der Gräfin Fischler von Treuberg eine reiche Heirat machen zu können. Einem Regierungsbaumeister redete die Gräfin vor, sie werde ihm in Frankfurt fünf Hetratskandidatinnen, die sämtlich entzückend schön seien und zumeist über Millionen verfügen, vorstellen. Der Regierungsbaumeister zahlte der Gräfin einen hohen Vorschuß, fuhr mit ihr nach Frankfurt a. M. — die ge­samten Reisekosten bestritt der Regierungsbaumeister —, die angeblichen Heiratskandidatinnen befanden sich aber ^Derartige „Vermittlungen" hatte die Gräfin mehr­fach unternommen, die Bewerber waren aber stets die Betrogenen. Die Polizei machte dem Treiben der Grä­fin schließlich ein Ende. Sie mußte ihre eleganten Sa­lons mit den ungastlichen Räumen des Moablter Unter­suchungsgefängnisses vertauschen. Sie hat sich nun we­gen Wuchers, Betruges, Beleidigung, begangen gegen eine Telephonistin, vor eingangs bezeichnetem Gerichts­höfe zu verantworten.

Vermischtes«

Ein Schwan im Kampfe mit der Kleinbahn. Aus Osnabrück wird geschrieben: Ein merkwürdiges Aben­teuer hcstte dieser Tage der Zug einer Kleinbahn zu be- Sen. Mit graulichem Gefauche kroch das Bähnchen den ienenstrang entlang, der neben der Hase, einem klei­nen Flützchen, herläuft. Auf dem Flutenspiegel schau­kelte sich ein blütenweißer Schwan, der mit vielem Ge­tue um die Gunst zweier weiblicher Geschöpfe seiner Gattung warb. Ein richtiger Schwerenöter, ließ er alle seine Verführungskünste spielen, spreizte manierlich die Rockschöße, und drehte und wandte sich vor den Augen der entzückten Schönen nach allen Seiten. In dem Au­genblicke aber, da er den Trumpf ausspielte und mit edlem Anstand die Flügel ausbreitete, entfuhr den Nü­

stern des vorüberstampfenden Dampfrosses eine gewal­tige Wolke, die sich auf die Wasserfläche legte und dre Schwanendamen unverzüglich in die Flucht jagte. Als sich der gefiederte Kavalier um den Erfolg ferner Wer­bung betrogen sah, erboste ihn dies so sehr, daß er den Gegner zu vernichten beschloß. Die Wut verlreh :ym Riesenkräfte. In wildem Kamvfbegier erhob er sich aus seinem Element, um sich im nächsten Augenblicke an dem eisernen Panzer des rollenden Ungetüms den Schä­del zu zertrümmern. Blutüberströmt sank der Mutige in den Sand, und mußte noch int Sterben das schrrlle Triumphgeschrei des Gegners vernehmen, das der Wind ihm von fernher zutrug ....

Beraubung eines Geldtra,«Sports. Es wird gemel­det, daß an einer Sendung Goldbarren, welche die Os- manische Bank in Konstantinopel an die Osmanifche Bank in Paris gesandt hatte, ein Diebstahl begangen worden ist. Die Sendung bestand aus 40 Kisten, von denen jede ungefähr 120 000 Francs enthielt, also ins­gesamt fünf Millionen. Das Zollamt in Paris stellte am 13. November fest, daß eine Kiste nicht das angegebene Gewicht besaß, obgleich sie vollkommen verschlossen war. Die erste Untersuchung scheint zu ergeben, daß der Dieb­stahl im Auslande begangen worden ist, denn der Wa­gen, der die Kisten enthielt, kam in Paris mit allen Siegeln an, die in Jeumont angebracht worden waren. Der Wert des entwendeten Goldes betrügt 46 000 Fr. Gestohlen sind zwei Goldbarren von je 14,84 Kilogramm Gewicht, deren jeder 23 000 Francs Wert hat. —, D:e Untersuchung hat, wie eine spätere Meldung berichtet, ergeben, daß der Goldbarrendiebstahl allem Amchein nach zwischen Cöln und der belgischen Stadt Esquelines sich zugetragen hat.

Ein kühner Einbruch ist in einem Pariser Juwe­liergeschäft in der Nacht zum Sonntag verübt worden. Als vormittags der Laden des Juwelrers Aldebert ge­öffnet wurde, bemerkte das Personal, daß alle Futterale, die wertvolle Schmuckstücke enthielten, am Boden zer­streut umherlagen. In einer Wand, welche den Juwe­lierladen von den Verkaufsräumen des Pelzhändlers Golöstein trennt, klaffte ein Loch, das die Diebe gemacht hatten, um Eingang in den Juwelierladen zu finden, nachdem sie bisher aus noch unaufgeklärte Weise in das Geschäft Goldsterns eingedrungen waren. Die Einbre­cher mußten mit der Oertlichkeit genau vertraut gewe­sen sein, denn sie haben genau an der Stelle das Loch geschlagen, an der sie allein in die Räume des Juwe­liers gelangen konnten. Die Diebe hatten sich die wert­vollsten Schmuckstücke ausgesucht und im ganzen Ju­welen im Wert von annähernd 200 000 Franks ge­

stohlen.

Aufregender Vorfall in einem Löwenkäfig. In dem augenblicklich in Wien gastierenden Zirkus Henri kam es zu einem fürchterlichen Auftritt, der die Nerven der Zuschauer auf eine überharte Probe stellte. In ei­nem Löwenkäfig führte eine Dompteuse, Frl. Witten- berg, in Gegenwart von acht Löwen ein Pferd im Schul- reiten und schließlich im Galopp vor, wobei die Löwen von dem Gaul übersprungen wurden. Hierbei stürzte die Tierbändigerin vom Pferde und fiel so unglücklich, daß sie von einem der Hufe des Tieres am Kopfe ge­troffen und bewußtlos wurde. Des Publikums be­mächtigte sich eine Panik. Frauen und Männer wein­ten und es schien, daß das junge Mädchen dem sicheren Tode preisgegeben sei, denn schon begannen einige der Raubtiere lauernd die Bewußtlose zu umschreiten. Aus einer Wunde, die die Tierbändigerin sich beim Fall zu­gezogen hatte, tröpfelte Blut und man nahm an, daß dies der Artistin zum Verhängnis werden sollte. Kei­ner der Zirkusleute getraute sich, da die Wärter der Raubtiere abwesend waren, zu den Bestien. Endlich, nach minutenlanger, ungeheurer Spannung, schlug das junge Weib die Augen auf. Schnell begriff es die fürch­terliche Situation, in der es sich befand und sprang auf, um sich mühsam vor den Bestien zu schützen und lang­sam aus dem Käfig hinauszuwanken. Kaum war die Gittertür hinter der Artistin geschlossen, als sie in einer tiefen Ohnmacht zusammenbrach.

Dorfschullehrer und Straßenkehrer. Unter den Stra­ßenkehrern der ungarischen Stadt Szeged, so schreibt der „Pester Lloyd", gibt es seit einigen Tagen einen merk­würdigen Menschen. Er bezieht zwar auch nur etne Krone und achtzig Heller Taglohn, doch er verrät schon in seinem noch immer bürgerlichen Aussehen, daß er seinerzeit zu etwas geboren wurde, was man „etwas Besseres" nennt. Er war Lehrer. Aber er fand nicht, daß es etwas Besseres sei. Als er fast verhungert war, kam ihm der gute Gedanke, es einmal mit seiner Hände Arbeit zu versuchen, da seiner Gehirnarbeit in diesem Lande der ungenügenden Schulen und der dreiund- dreitzig Prozent Analphabeten niemand zu bedürfen schien. Ohne Hochmut, demütiger noch als alle anderen Hungrigen, bat er die Stadt Szeged um Arbeit. Aber nicht als Lehrer,- das versuchte er gar nicht mehr. Mit den: geschärften Spürsinn der langgehetzte«: Armut wandte er sich an das Straßenreinigungsinstitut, und siehe da! Seine guter« Manieren und seine Demut ver- halfen ihm sofort zu einer fixen Anstellung. Eine Krone und achtzig Heller ist sein Taglohn, aber eine Krone und achtzig Heller täglich machen im Monat siebenunö- zwanzig Gulden aus, und nach Jahre«: des bittersten Elends fühlt sich der deklassierte Lehrer dabei glücklich und zufrieden. Und dies ist das Traurigste daran: denn daran läßt sich erst ermessen, welches Schicksal er er- litter: haben muß. , ..

Am Niagara. Er, seine Frau und seine Schwagerir«, erzählt ein amerikanisches Blatt, zogen aus, um sich ein Stück der Welt anzusehen, und eines Tages kamen sie auch glücklich zum Niagara. Hastig nahmen sie im Hotel ihre Zimmer, und dann schleunigst hinaus, um die groß­artigen Fälle zu sehen. Aber während sie dahinschritten, entstand zwischen den beiden Schwestern ein angeregtes Gespräch über die Bequemlichkeit und die Unbequem­lichkeit moderner Röcke, das sich zu einem eifrigen Disput entwickelte. Der Zeuge, der die Szene mit ansah, hörte nur, wie sich plötzlich die Frau an ihren Mann wandte: „George," sagte sie, „wenn wir in die Nähe der Fälle kormnen, dann sage es uns." „Wir sind schon da," er­klärte George, „tatsächlich sind wir nur noch ein paar Meter von den Fälle«: entfernt und ich glaube, wenn Ihr beide jetzt einen Augenblick still sein wolltet, dann könnte man das Donnergetöse des Wassers ganz deut­lich vernehmen."

Einen hübschen Regimentsbefehl hat der Oberst des 116. Infanterie-Regiments in der bretonischen Klein­stadt Bannes an seine Rekruten erlassen: „Die Militär­uniform ist nur dann schön, wenn sie schneidig und stolz getragen wird. Da«««« allerdings ist sie unvergleichlich. Der Soldat muß Schick haben. Der französische Piou- piou hat viel Schick, denn er gilt in der Bretagne ebenso wie in anderen Provinzen. Also habt Schick und ge­wöhnt Euch gleichzeitig daran, die Ohren steif zu tragen. Es sind verschiedene Klage«« über die Haltung der Schild­wachen vor der Kaserne bei mir eingelaufen. Mm« be­hauptet, daß sie gegen die Personen des schönen Ge­schlechts, die an der Kaserne vorbeigehen, übertrieber: liebenswürdig sind. Diese Kundgebungen einer zweifel­haften Galanterie sind durchaus unschicklich. Die Schild- wachen haben nicht die Dienstanweisung, irgend femand Proben ihrer Salonerziehung oder Zeugnis ihres Schön- öLttsMyes Harzubietem^

Die Genfer Spionagezentrale.

Ein Spionagenetz gegen den Dreibund.

Zu der in Genf erfolgten sensationellen Verhaftung des Hauptmanns und Ingenieurs. Largmer im franzö­sische«« Kriegsministerium, welcher in Genf eine mterna- tionale Spionageagentur betrieb,, sowie des Genfer of­fizieller: Uebersetzers Rosselet w:rd gemeldet, daß die Untersuchung der Affäre bereits 25 Tage dauert und daß 40 Zeuge«: verhört wurden. Hieraus ergab sich eine in­ternationale Spionage im größten Umfange. Ein gan­zes Netz von Agenten arbeitete in Genf zugunsten Frankreichs gegen Deutschland, Oesterreich, Schwe:zund Italien. In einer Konferenz wurde nach telegraphischer Zustimmung des eidgenössischen Justizdepartements die Verhaftung beschlossen. Hauptmann Larguier wurde nach Erreichung der Altersgrenze vom französischen Kriegsministerium nach und nach in Paris, Marseille, Lyon, Air und Genf beschäftigt, in letzterem Orte seit fünf Jahren. Man fand bei der Haussuchung bei ihm Dokumente aller Art betr. die Verteidigung der verschie- denen Länder, Signalbücher, Mobilisationspläne. Tele- graphenkodizes, geheime Instruktionen über Schietzwe- sen und Artillerie der Schweiz, Deutschland usw. Lar- guier stand auch in Verbindung mit einem Landwehr­leutnant in Mannheim, mit dem er in Basel eine Zu­sammenkunft hatte. In der Wohnung des in Italien jüngst verhafteten Spions Menozzi wurden gleichfalls viele Dokumente gefunden. Der verhaftete Uebersetzer Rosselet lieferte Larguier Adressenmaterial, besorgte Agenten sowie besonders wertvolle Dokumente, von de­nen er als Uebersetzer Kenntnis erhielt.

Das weitere Material.

Was die gemeldeten Beziehungen des Verhafteten zu dem in Mannheim ansässigen Landwehrleutnant an­betreffen, so handelt es sich nicht um Pläne aus dem deutschen Luftschiffbau sowie der Kriegsflotte, sondern dieser hat nur, wie schon berichtet wurde, durch Ver­mittlung des Detektivbureaus eine Auskunft über die Fabrik Lanz erteilt. Larguier versuchte aber eine rein persönliche Zusammenkunft mit dem Offizier herbeizu- führen, den er nach Paris kommen lassen wollte. Da dieser nicht auf längere Zeit abkommen konnte, wurde er nach Basel bestellt, wo die Zusammenkunft tatsächlich stattfand. Alle nach Genf gekommenen deutschen Offi­ziere ließ er gleichfalls überwachen, um im geeigneten Augenblick mit ihnen in Beziehungen zu treten. Da­rüber ist die Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Wäh­rend längerer Zeit war er auch in Verbindung mit einer in Genf wohnenden Dame (die Korrespondenz hierüber wurde beschlagnahmt), die zu Gunsten Deutschlands Spionage betriebe«: hatte, und die versuchte, von einem Unteroffizier in Chalons für Saöne militärische Ge­heimnisse zu erfahren. Der Unteroffizier wurde später verhaftet und verurteilt. Im Bureau des Staatsan­walts ist ein Schweizer Oberst Eggli unausgesetzt be­schäftigt, das bei Larguier beschlagnahmte Material zu prüfen. Aus einigen Dokumenten geht einwandfrei hervor, daß Larguier auch mit der Anwerbung von Re- kruten für die Fremdenlegion beschäftigt war.

ob» neuestes vom Cage«

Blutvergiftung durch einen schlechte» Stiefel.

Gotha, 18. November. Der Landwirt Albert Herfurth in Merkewitz hatte sich kürzlich durch einen schlechtsitzenden Stiefel eine Verletzung des Fußes zu­gezogen. Die anfänglich nicht beachtete Wunde hatte eine Blutvergiftung zur Folge, deren der Mann in kurzer Zeit erlag.

Opfer des Hochwassers der Lahn.

o^- Dietz, 18. November. (B. Z.) Infolge des Hoch­wassers ertrank Hier ein Kind. Beim Brückenbau in Balduinstein stürzten zwei Arbeiter in die hochgehenden Fluten. Der eine ertrank, der andere konnte m:t Mühe gerettet werden.

Unter einem Eisenmast begraben.

Dortmund, 18. November. (B. Z.) Bei der im Bau Begriffenen Eisenbahnstrecke Velbert-Heiligenöamm stürzte ein 22 Meter hoher Mast eines SampffraBnS in­folge des heftigen Sturmes um und riß zwei Arbeiter mit in die Tiefe. Einer der Verunglückter: war sofort tot, der andere verstarb auf dem Transport ins Kranken­haus.

Brand eines Militärlazarettes.

Metz, 18. November. (B. Z) Seit Heute nacht brennt hier das Militärlazarett 2. Nähere Nachrichten darüber fehlen noch.

Noch einmal die Breslauer Sittenaffäre.

Breslau, 18. November. Die beiden minder- jährigen Mädchen, die Bei der vielbesprochener: Bres­lauer Sittenaffäre die Hauptrolle spielten, hatten sich heute vor dem Jugendgericht wegen gewerbsmäßiger Unzucht zu verantworten. Das Gericht gelangte zur Freisprechung, weil es für zweifelhaft ansah, ob die Mädchen bei Begebung der Straftat die zur Erkenntnis dieser ihrer Handlungsweise erforderliche Einsicht be­sessen hatten.

Die Macht des Rubels.

w Strajalkowo, 18. November. (B. Z.) An der preußisch-russischen Grenze wurden zwei Angestellte ei­nes Eisenwarengeschäfts von russtschen Zollbeamten beim Schmuggel mit scharfen Patronen ertappt. Sie hatten also eine hohe Strafe zu gewärtigen. Nach Zah­lung vor: tausend Rubeln wurden sie indessen auf freien Fuß gesetzt.

Generalausstandspläne in Frankreich.

Paris, 18. November. Wie aus Lens gemeldet wird, hat der Ausschuß der Bergarbeitersyndikate be­schlossen, die Bergleute aufzuforöern, in den General­streik einzutreten, um gegen die Beschlüsse des Senats über die Zurückweisung von Ueberstunden zu prote­stieren.

Das neue französische Wahlgesetz.

o-* Paris, 18. November. Die Kammer nahm in chrer gestrigen Sitzung mit 350 gegen 216 Stimmen einen Paragraphen an, der besagt, daß jeder Wahlkreis über 22 500 eingeschriebene Wähler einen Deputierten wählt und daß darüber hinaus auch jeder Bruchteil, der die Zahl von 11250 übersteigt, gleichfalls einen Deputierten wählt.

Fiasko einer Arbeitsgenossenschaft.

0»* Paris, 18. November. Die vor sechs Jahren in Boissy le Roi von einer Arbeitsgenossenschaft gegründete Glasfabrik mußte trotz der vor sechs Monaten nun der Regierung gewährten Unterstützung infolge finanzieller Schwierigkeiten den Betrieb einstelle«: und ihre Arbeiter sofort entlassen.

Die französische Militärmisiion in Athen.

»^ Athen, 18. November. Der König der Hellenen hat die französische Militärmission mit General Edoux an der Spitze empfangen und den Mitgliedern der Mis­sion ihre Patente als griechische Offiziere persönlich über- re:cht.

Die Nachrichten aus Mexiko.

** Neuyork, 18. November. Nach einem Telegramm aus Mexiko ist dort die Nachricht verbreitet, daß General Huerta von der Präsidentschaft zurückzutreten beabsich­tige, sobald der Kongreß zu einer regelmäßigen Session am Donnerstag zusammengetreten sein werde.