Einzelbild herunterladen
 

Volkswirtschaftliches.

Kommunale Arbeitslosenfürsorge. Zu der Frage der Arbeitslosenfürsorge wird uns geschrieben: Es ha­ben bereits eine Reihe von Städten die Arbeitslosen­fürsorge zur Einführung gebracht und zwar Berlin- Schöneberg, Erlangen, Freiburg t. Br., Kaiserslautern, Leipzig, Mannheim, Mühlhausen i. E., Cöln, Schwä­bisch Gmünd, Straßburg und Stuttgart. Berlin-Schöne­berg leistet seit 1910 Zuschüsse an Verbände und Sparer, Erlangen seit 1909 Zuschüsse an Verbände, außerdem besteht in Erlangen reine Arbeitslosenunterstützung. Freiburg hat seit 1910 Zuschüsse an Verbände und Spa­rer geleistet, Kaiserslautern besitzt eine freiwillige Ver- sicherungskasse und leistet Zuschüsse an Verbände, Cöln hat eine Arbeitslosenversicherung bereits seit 1896, diese wurde im Jahre 1911 umgestaltet und besteht in frei­willigen Versicherungskassen und Rückversicherungen von Verbänden. In Leipzig besteht eine Arbeitslosen­versicherungskasse, jedoch nicht als städtische Einrichtung. Mannheims Versicherung, die seit 1911 besteht, wurde jetzt umgestaltet. Es ist eine reine Arbeitslosenversiche­rung vorhanden, außerdem werden Zuschüsse an Ver­bände gezahlt. Schwäbtsch-Gmünd hat seit 1911 eine freiwillige Versicherungskasse und leistet Zuschüsse an Verbände, ebenso wie Straßburg i. E., in dem dies Verfahren schon seit 1906 geübt wird. Stuttgart zahlt seit dem vorigen Jahre Zuschüsse an Verbände und Sparer. Mühlhausen i. E. seit 1909 Zuschüsse an Ver­bände. In folgenden Städten wird die Einführung einer Arbeitslosenversicherung erwogen oder bereits ge­plant: Berlin, Bischheim, Cassel, Colmar i. E., Dres­den, Düsseldorf, Essen, Eupen, Frankfurt a. M^Guben, Heidelberg, Jlkirch-Gravenstaden, Mainz, München, Neukölln, Neumünster, Nürnberg, Pforzheim, Schiltig- heim und Weißenfee.

Keine Modeneuheiten.

Die Tournüre kommt wieder! Man möchte auf die Knie fallen, wenn man dieses hört. Was einst in un­zähligen Karikaturen und Satiren verspottet worden ist, das wird heute wieder hervorgezogen. Und es ist kein Zweifel, daß die Tournüre wieder anrückt. Sie setzt sich bereits als ziemlich bedeutende Polsterung wreöer an den Hüften und am Rücken fest, was sie noch durch starke Fältelung zu vermehren sucht. Vorläufig halt sie ich noch in bescheidenem Umfange, hoffen wir alle in­brünstig, daß sie nicht weiter wächst!

Ein neuer Gürtel hat neuerötegs viel Anklang ge­funden und eine beachtenswerte Note in die Winter­mode gebracht. Er besteht aus breiten, ungefärbten Le- derstücken, die durch fchmieöeeiserne oder silbergeham- merte Platten zusammengehalten werden. Er trägt als besonderen Schmuck ringsherum eine Reihe von Leder- riemen, entweder in der Naturfarbe, oder dunkelgrün gebeizt. Diese Leöerriemen sind speziell für die gefalte­ten Röcke bestimmt. Sie sollen sich den einzelnen Fal­ten anschmiegen und ihnen einen besonderen Farbwert geben. Sehr originell ist eine neue Mantelform, ö. h. es ist eigentlich nur ein Ueberwurf, der spezrell für Ball- und Theatertoilette gedacht ist. Er besteht aus einem ziemlich dünnen, feinen Stoffe, und ist aus einem Stücke, das der Form der katholischen Meßgewänder sehr ähnlich gearbeitet ist. Er ist ein bis anderthalb Meter breit und ungefähr zweieinhalb Meter lang und besitzt in der Mitte eine Oeffnung, durch die der Kopf durchgesteckt wird. Aermel sind nicht vorhanden, dagegen legt sich der Ueberwurf noch ungefähr bis auf die Mitte des Oberarmes herunter. An seinem unteren Ende sind entweder Glasperlen oder Perlmutterstttcke eingelegt, um dem Mantel einen schönen Faltenwurf zu geben. Es wird meistens ein Gewebe mit zarter Zeichnung verwertet. Ein Hauptvorteil dieses neuen Mantels ist seine leichte Handhabung.

Die großen Kämme, die die spanische Kolonie beim Besuche König Alfons in Paris während der Festvor­stellung in der Oper getragen hat, haben Mode gemacht. Die Pariser haben plötzlich die Schönheit dieses großen Haarkammes, in dem beinahe das ganze Haar des Hin- terkopses ruht, entdeckt und sind bereits eifrig mit sei­ner Reklame beschäftigt. Der spanische Kamm treibt das Haar sehr nach oben. Er ist kunstvoll geschnitzt. und ge­legentlich durchbrochen, wie eine feine Stickerei. Er be­dingt aber eine andere Haartracht. Die Frisur muß ganz auf den Oberkopf gelegt werden, wo sie in kunstvollen, möglichst losen Windungen aufgebaut und verschlungen wird. Der große Kamm schädigt aber die freie Wirkung des Haares, auch stört er den Hut. Er kann eigentlich nur zu Theater- und Balltoilette getragen werden.

Vermischtes

Maaß schon seit längerer Zeit ec- »errn v. Westernhagen befürchtete, stets einen Revolver bei sich trug.

Die Revolverszene im Landwehroffizierkasino zu Berlin, bei der, wie erinnerlich, Kammerherr und Ritt­meister der Reserve Lothar v. Westernhagen am Abend des 15. September erschossen wurde, wird kein gericht­liches Nachspiel haben. Gegen den Portratmaler Pro­fessor Heinrich Maaß, der den tödlichen Schutz auf den Rittmeister abgab, nachdem v. Westernhagen ihm eine Ohrfeige versetzt hatte, war seinerzeit eine Vorunter­suchung eröffnet worden. Professor Maaß ist jetzt dem Anträge der Staatsanwaltschaft gemäß durch Beschluß der fünften Strafkammer des Beniner Landgerichts 3 außer Verfolgung gesetzt worden. Die Untersuchung hat ergeben, daß Professor Maaß schon seit längerer Seit ei­nen Ueberfall durch Herrn v. Westernhagen befürchtete, und daß er deshalb stets einen Revolver bei sich trug. Durch die Bekundungen mehrerer Zeugen ist festge­stellt worden, daß Rittmeister v. Westernhagen dem Pro­fessor Maaß aufgelauert hat, und daß er zweifellos der Angreifer war. In der Untersuchung ist ferner zweifels­frei festgestellt worden, daß Professor Maaß zu den frag­lichen Artikeln, die den Anlaß zu dem Streit zwischen beiden Herren gaben, in gar keiner Beziehung stand.

Warnung vor einem Schwindler. Ein gefährlicher Schwindler, der schon viele Familien um erhebliche Be­träge geschädigt hat, wird vielleicht sein Treiben m näch­ster Zeit wieder aufnehmen. Der Betrnger arbeitete bisher immer von London aus. Er verstand es, sich iiber die persönlichen Verhältnisse und den verwandt­schaftlichen Anhang von in London lebenden Dentschen zu unterrichten, und eines Tages erhielten dann die in Deutschland lebenden Angehörigen ein gefälschtes Tele­gramm etwa folgenden Inhalts: „600 JL sofort tele­graphisch senden. Bin in größter Bedrängnis. Aufklä­rung erfolgt umgehend brieflich. Adresse . . . Name . .' Der daraufhin an die bezeichnete Adresse für den Bruder, Sohn oder Neffen, abgesandte Betrag wurde dann von dem Schwindler in Empfang genommen. Schaden kann entstehen dadurch, daß auf ein gefälschtes Telegramm die Abfenbung des Geldes erfolgt, als auch dadurch, daß auf ein echtes Telegramm im Falle wirklicher Bedräng­nis die Absendung unterbleibt oder verzögert wird. Das wird sich aber durch sofortige telegraphische Rückfrage an die dem Empfänger des Telegramms bisher bekannt gewesene Adresse seines Londoner Verwandten oder

geben konnte

Telegramms für solche Fälle oder durch Absendung des Geldes an eine bekannte zuverlässige Adresse und ent­sprechende Benachrichtigung des Angehörigen vermei­den lassen. _

Elfhundert Mark für einen Sonnenschirm. Vor einiger Zeit ist in Paris Jane Duparc gestorben. Einst war sie eine der gefeiertsten Lieöersängertnnen Frank­reichs. Sie diente der leichtgeschürzten Muse und trat in jenen Singspielhallen auf, in denen der Pariser am Abend Erholung und Zerstreuung von der Arbeit des Tages sucht. Wunderhübsch und mit einem zarten, aber sehr ausdrucksvollen Stimmchen begabt, trug sie nament­lich Walzer mit feinem Verständnis vor und war ein Liebling des Pariser Publikums. Ja, man konnte sie zu den Berühmtheiten von Paris rechnen. Berühmt war sie auch durch den fürstlichen Luxus, mit dem sie sich um­geben konnte. Jetzt, nach ihrem Tode, sind all die Herr­lichkeiten, die ihr Eigentum waren, öffentlich versteigert worden und die Ankündigung, daß sich darunter auch Gegenstände ihres persönlichen Gebrauchs, Kleider usw. befinden würden, hatte Scharen von Neugierigen, darun­ter viele Damen der besten Gesellschaft, herbeigelockt. Es wurden zum Teil fabelhafte Preise erzielt, die man sich nur dadurch erklären kann, daß es den Käufern darauf ankam, ein Andenken an Jane Duparc zu erwerben. So wurde ein Sonnenschirm, dessen Griff aus altem Chantilly-Porzellan bestand und für den anfangs nur 200 Franken gefordert waren, derart in die Höhe getrie­ben, daß er schließlich für 1380 Franken fortging. Also für rund elfhundert Mark. Wer der glückliche Käufer war, entzieht sich der Kenntnis, doch darf man wohl annehmen, daß es ein Sammler gewesen ist, in dessen Kollektion die Marke „Jane Duparc" noch fehlte . . . .

Eine Statistik der verbrannten Kinder. Man macht sich von den Verlusten an Menschenleben, die durch ge­wisse Ursachen hervorgerufen werden, keine auch nur entfernt richtige Vorstellung. Jeder vernimmt gewiß mit Erstaunen, daß in den Vereinigten Staaten jähr­lich 7—800 Menschen vom Blitz erschlagen werden ober daß in Indien jährlich mehrere Tausende durch Raub­tiere und Giftschlangen umkommen, aber es gibt noch Ueberraschungen, die weit näher liegen und fchon aus diesem Grunde viel mehr beherzigt werden sollten. Eine erstaunliche Statistik hat Dr. Brend im Londoner Lan- eet über die Sterblichkeit von Kindern durch Verbren­nung veröffentlicht. Wir erfahren daraus, daß in den

nung veröffentlicht. Wir erfahren daraus, daß in den 6 Jahren von 1906 bis 1911 allein in England und Wa­les rund 7800 Jugendliche im Alter bis zu 20 Jahren durch Verbrennung ums Leben gekommen sind, weitaus die meisten wahrscheinlich durch Entzündung der Klei­der. Was das Geschlecht betrifft, fo sind die Unglücksfalle bei Mädchen bedeutend häufiger als bei Knaben. Auf jene entfielen rund 4900, auf diese 2900. Man gebt kei­nesfalls fehl in der Annahme, daß dieser Unterschied zu Ungunsten der Mädchen hauptsächlich durch die Kleider verursacht wird. Diese Vermutung wird noch mehr ver­stärkt durch den Umstand, das vom vierten Lebensjahre an das Mißverhältnis zum Nachteil des weiblichen Ge­schlechts immer mehr wächst. m

Der Mann, der nicht lachen darf. Der oberste Ge­richtshof in Neuyork hat als letzte Instanz einen ge­wissen Fred Neun, der als der „Mann, der nicht lachen darf", beklnrnt ist, in diesen Tagen eine Unfallsentschä- digung von 100 000 Mark zugesprochen. Der Kläger er­schien vor Gericht in einen Stahlpanzer eingeschnallt, an dem ein Meßstab angebracht war, den der begleitende Wärter fortgesetzt im Auge behielt, um zu verhindern, daß der Kopf auch nur um Haaresbreite von der ihm an­gewiesenen Richtung abweiche. Der Unglückliche ist im übrigen der Sprache mächtig und erzählte dem Gerichts­höfe ausführlich, wie er vor fünf Monaten bei der Ar­beit auf einem „Wolkenkratzer" infolge der fahrlässigen Sorglosigkeit der Baufirma 50 Meter tief in einem Luft­schacht abgestürzt sei. Er brach bei dem Falle den zweiten Rückenwirbel. Er kann nach der Meinung der Aerzte trotzdem ein langes Leben haben, vorausgesetzt, daß er niemals lacht oder niest. Daß sich Neun nicht wohl in seiner Haut fühlt, beweist seine Bemerkung, daß es ihm stets so sei, als „wenn er an 1000 Zähnen Schmerzen

litte."

Aus der Jugend. Kurz vor der Abfahrt des Ber­liner Schnellzuges in Frankfurt läuft noch eine junge Dame aufgeregt am Zug entlang: „Ein Frauenabteil! Bitte, Schaffner!" — „Steigen Se nur ein!" ruft der. „Mer bringe Se schon unbescholte nach Berlin." — Der kleine Heinz spielt für sein Leben gern Eisenbahn, wo­bei er selbst gewöhnlich mit viel Gefauch und Getöse die Lokomotive darstellt. Kürzlich bringt ihm der Storch ein Schwesterchen. Er besichtigt das Kleine und meint befriedigt: „Na, — nu hab ich wenigstens 'n Kohlen­wagen."

Lurchs dunkelste Südamerika.

Reisebericht eines englischen Forschers.

Henry Savage - Landor, der bei uns hauptsächlich durch seine viel kritisierten tibetanischen Reisewerke be­kannt geworden ist, läßt soeben in englischer Sprache die Ergebnisse feiner südamerikanischen Entdeckungsfahrt unter dem Titel „Durch das unbekannte Südamerika" erscheinen. In diesem aufschlußreichen Werke schildert er das Innere von Südamerika — das heute mehr als Afrika den Namen des „dunklen Erdteiles" verdient — als außerordentlich reiches Land, das vielleicht einmal zur Fleischkammer der ganzen Erde werden kann. Vor­läufig allerdings ist es nach Lanöors Beobachtungen sehr weit davon entfernt, denn die Bewohner Brasiliens des Landes, das hauptsächlich erforscht wurde, wissen den Reichtum nicht auszunutzen: es ist ein schlaffes, beinahe verkommenes Volk, ja keiner der weißen Be­wohner war dazu zu bewegen, Landor auf seiner For­schungsreise zu begleiten, und so hat der Engländer denn die Durchguerung in Gesellschaft von 5 Mischlingen und einem Neger ausgeführt, die seinem eigenen Ge­ständnisse nach bessere Verbrecher, abergläubisch und un­zuverlässig im höchsten Grade waren.

Die Durchguerung des Landes begann in Uruguay, „einem der schmutzigsten, häßlichsten Flecken der ganzen Erde." Von da ging es zunächst 500 Kilometer land­einwärts nach Goytz. Dieser erste Teil der Reise war der interessanteste überhaupt. Besonders seine Erfah­rungen mit den Einwohnern Brasiliens sind im höchsten Grade interessant. Jung wie alt macht nämlich einen „seltsam vertrockneten, abgenutzten Eindruck. Was für fchmale Hühnerbrüste! Was für lange unsichere Beine und was für kurze Arme!" Durch fortwährendes Ju- einandecheiraten der Familien und der Vermischung mit Negern sind diese Leute vollkommen heruntergekommen, es sind „Halbidioten", die für nichts Interesse haben, weder Kunst noch Phantasie haben, dem schlimmsten Aberglauben huldigen und sich voreinander und vor Freunden derartig fürchten, daß sie ständig bis an die Zähne bewaffnet mit Revolver, Gewehr und Dolch ge­rüstet einhergehen. Fast alle sind übrigens mit einem mehr oder minder stattlichen Kröpf gesegnet, die Lepart herrscht bei ihnen, kurz weder Land noch Leute können irgend einen Europäer verlocken, sich dorthin zu be- geben.

Jm Miller« M Landes..wohnen eigentlich nur die

Abkömmlinge jMr Portugiesen, die wegen irgend wer* cher Verbrechen dorthin deportiert waren und sich mit den afrikanischen Sklaven vermischt haben. Selbst in der Nähe der größeren Städte soll das Land in eiNem Zustande sein, der hinter dem der kulturärmsten Gegen­den von Mittelasrika oder Zentralasien weit zurück- steht. Bei dem Teil der Reise, der durch fast unbewohnte Gegenden führte, hatten die Reisenden nicht so sehr un­ter Raubtieren zu leiden, — obwohl einer der Forscher davon erwachte, daß ihm ein Jaguar die Pranken auf die Brust setzte — sondern hauptsächlich unter den In­sekten. „Es ist kaum möglich," erzählt Landor, „die Qualen zu beschreiben, die ich bei astronomischen Beobachtungen zu erleiden hatte. Wenn beide Hände beschäftigt sind, indem die eine den Sextanten hält, die andere den Nonius einstellt, ziehen Hunderte von Mos­kitos aus dieser Hülflosigkit Vorteil und setzen sich aus Nase, Ohren, Hals, Augenlider und Stirn und stechen, so sehr sie nur können."

Die schlimmste Plage des Landes aber ist die Sau- ba-Ameise, ein räuberisches kräftiges Insekt von 2^ Zentimeter Länge mit giftbewehrten Kiefern, das in vielen Millionen Exemplaren anzutreffen ist. „Wenn einem Tausende dieser Tiere an den Beinen in die Höhe kriechen und sich von den Zweigen die förmlich von ihnen wimmeln, auf einen herunterfallen lassen und mit ihrer ganzen Kraft beißen, dann merkt man erst, was für ein Narr man war, daß man sein behag­liches Haus in England verlassen hat." Schlimme Dinge berichtet Landor über die Sklaverei im Innern Brasiliens. Während früher nur Neger Sklaven wa­ren, sind jetzt in Brasilien Schwarze, Mischlinge von Schwarzen und Weißen, ja selbst Europäer als Sklaven tätig, und Landor hat sogar einen gebildeten Deutschen kennen gelernt, der im Gummilanöe in Sklaverei schmachtete, weil er eine Schuld von 300 Pfund nicht hatte bezahlen können!

** neuestes vorn Sage.

Ministerpräsident Kokowzow in Berlin.

«-£ Berlin, 17. November. Heute vormittag %8 Uhr ist der russische Ministerpräsident Kokowzow mit seiner Gemahlin hier eingetroffen. In seiner Begleitung be­findet sich der Vorsitzende der besonderen Kommission für das Finanzwesen.

Die Orden können den Hinterbliebenen verbleiben.

o«^ Berlin, 17. November. Der Kaiser hat die Or- denskommission ermächtigt, die vor dem Feinde erwor­benen Ordens- und Ehrenzeichen in geeigneten Fällen den Hinterbliebenen zur Aufbewahrung als Andenken zu belassen.

Selbstmord eines Brüderpaares.

w> Chemnitz, 17. November. (B. Z.) Die beiden Brüder Paul, Inhaber einer Drogengroßhandlung, im Alter von 52 und 51 Jahren, verübten in ihrem Ge­schäftslokale Selbstmord durch Erhängen. Ueber die Gründe des Doppelselbstmordes ist bisher nichts bekannt geworden.

König Ferdinand von Bulgarien in Deutschland.

o-s> Coburg, 17. November. Heute vormittag 9 Uhr ist der König von Bulgarien mit Sonöerzug hier einge­troffen. Er hat im Bürglas-Palais Wohnung ge­nommen.

Drei Opfer einer Kohlengasvergiftung.

$-£ Allendorf a. W., 17. November. Durch Kohlen- gas erstickt sind in der Nacht zum Sonntag drei Fami- lienmitglieder des Landwirts Bauer hier. Am Sonn­abend abend war in einem Ofen Feuer angezündet und der Ofen zugeschraubt worden. Während der Nacht sind diesem Ofen giftige Gase entströmt, die drei Personen, die in dem Zimmer geschlafen hatten, unheilvoll wurden. Als man am Sonntag morgen nichts Gutes ahnend die Fenster einschlug, fand man die Hausfrau und ein drei­jähriges Kind sowie ein Mädchen regungslos vor. Zwei sofort herbeigerufene Aerzte bemühten sich um die Un- glücklichen, doch war das Kind und das Mädchen bereits tot. Den Bemühungen der Aerzte gelang es leider nicht, die Frau zu retten. Sie starb heute morgen, nachdem ihr gestern abend noch ein Kind tot geboren war. Der Haus­herr war verreist und kam erst gestern abend wieder zurück.

Verhaftung eines ungetreuen Buchhalters.

o-^ Bochum, 17. November. (B. Z.) Wegen Unter­schlagungen in Höhe von 15 000 Mark ist ein früherer Buchhalter der Firma Balcke & Co. verhaftet worden. Die durch Scheckfälschungen veruntreute Summe ist durch Versicherung gedeckt.

Ein dreister Schwindler.

Posen, 17. November. (B. Z.) In Schrinnn wurde ein jüdischer Mann verhaftet, der bet seinen Glaubensgenossen Gelder sammelte unter dem Vor- wande, er müsse wegen eines Kindesmordes in Königs­berg ins Ausland flüchten.

Der Nobelpreis für Literatur.

#-£ Stockholm, 17. November. Der Sekretär der schwedischen Akademie Dr. Carlfeldt erklärte einem Be­richterstatter, daß gegen die Kandidatur Peter Roseggers sowohl von tschechischer als auch von deutscher Seite Telegramme bei der Akademie eingelaufen seien. Diese hätten selbstverständlich keineswegs bet der Wahl des Nobelpreisträgers Geltung gehabt. Die Wahl hätte aus­schließlich vom literarischen Standpunkt stattgefunden. Die Preisverteilung sei durch keinen Druck von aus­wärts beeinflußt worden.

Diebstähle auf einem Pariser Bahnhof.

o-#> Paris, 17. November. Seit einigen Monaten wurden auf dem Noröbahnhofe wiederholt Postsäcke mit Wertsendungen gestohlen. Die Diebe blieben aber bis­her immer unentdeckt. Jetzt wurde ein Postbeamter namens Hugol unter dem dringenden Verdacht des Diebstahls verhaftet. Die Wertbriefe soll er kurz vor seiner Verhaftung im Ofen verbrannt haben. Der Scha­den wird auf über 50 000 Mark geschätzt.

Ueberschwemmungen in Frankreich.

a-$> Paris, 17. November. Die Überschwemmung der Marne, Saone und Seine hat an Ausdehnung zu­genommen. Eine große Anzahl Fabriken mußte ge- schlosseu werden, da die Betriebe verschiedentlich von Wasser überflutet find und ein Arbeiten unmöglich ist. In vielen Dörfern macht sich bereits große Not bemerk­bar, die auch auf den Arbeitsausfall und auf den da­durch erheblich reduzierten Verdienst zurückzuführen ist. Auch von der Maas werden Ueberschwemmungen ge­meldet.

Die Gründe der bulgarischen Niederlage.

oe* Sofia, 17. November. In einer gestern vormit­tag abgehaltenen großen öffentlichen Verfammlung er­klärte der Finanzminister, daß die Ursache für das schwere Unglück Bulgariens in dem verfehlten Bündnis mit Serbien zu suchen sei. Der Minister des Aeußeren legte in einer dreistündigen Rede die Ursachen des nationalen Unglücks dar. Man hätte unter den von der Türkei bei Lttleburgas angebotenen Bedingungen Frieden schließen müssen. Nach der Schlacht bei Tschataldscha seien die Be­dingungen schon weniger wertvoll, aber immer noch ausgezeichnet gewesen. Darin, daß Bulgarien damals keinen Frieden, sondern nur einen Waffenstillstand ge« schlössen hatte, erblickte der Redner einen große« Vetzür.