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Krankenversicherung der Dienstboten.

Die wichtigste« Bestimmnnge«.

Am 1. Januar 1914 tritt das zweite Buch der Reichs- versicherungsordnung, die Krankenversicherung betr., m Kraft. Bon diesem Zeitpunkt ab sind auch die Dienst­boten für den Fall der Krankheit versichert,' das ist eine wesentliche Neuerung. Nach dem jetzt geltenden Recht besteht nur eine privatrechtliche Fürsorgepflicht des Dienstherrn gegen das Gesinde. Wie die Herrschaft im einzelnen Falle diese Fürsorgepflicht erfüllt, ist ledig­lich Sache der Beteiligten. Freilich kann im Streitfälle der Dienstbote die Entscheidung des Gerichts anrufen, ebenso wie er andererseits seinen Anspruch gegen die Dienstherrschaft überhaupt nicht geltend zu machen braucht.

Diese Verfügungsmacht der Beteiligten, die nur im Streitfälle einer Kontrolle durch das Gericht unterlag, ist durch die Reichsversicherungsordnung befestigt. Mit dem Antritt des Dienstes ist der Dienstbote kraft Ge­setzes, ohne daß es einer weiteren Förmlichkeit bedarf, Mitglied der zuständigen Landkrankenkasse, und wo eine solche nicht besteht, der allgemeinen Ortskrankenkasse und muß zu dieser durch die Dienstherrschaft nach näherer Maßgabe der Meldeordnung angemeldet werden. Wie alle übrigen nach dem zweiten Buch der R.B.O. Ver­sicherungspflichtigen hat der Dienstbote Anspruch auf Gewährung von Krankenhilfe, die aus Krankenpflege (ärztliche Behandlung, Arznei usw.) und Krankengeld besteht, ferner auf Wochengeld und Sterbegeld. Mit der vorgeschriebenen An- und Abmeldung und mit der Zah­lung der Beiträge ist die Verpflichtung der Dienstherr­schaft gegenüber den Dienstboten in bezug auf die Kran­kenversicherung zunächst erfüllt. Alles übrige besorgt die Kasse. Erkrankt der Dienstbote, so muß er sich von der Kasse einen Krankenschein besorgen und kann mit diesem einen der Kassenärzte aufsuchen. Erhält der Dienstbote Krankengeld, so kann die Dienstherrschaft die­ses auf den Lohn anrechnen, den sie während der Krank­heit weiter zu zahlen hat. Eine Vereinbarung der Par­teien um die Ansprüche aus der Erkrankung ist künftig ausgeschlossen, da es sich um öffentliches Recht handelt.

Das Gesetz hat aber nun eine Befreiung von der Versicherungspflicht zugelassen. Auf Antrag des Arbeit­gebers wird befreit, wer an diesen bei Erkrankung einen Rechtsanspruch auf eine Unterstützung hat, die den Lei­stungen der zuständigen Krankenkasse gleichwertig ist. Voraussetzung ist zunächst, daß der Arbeitgeber die volle Unterstützung aus eigenen Mitteln deckt. An sich haben die Versicherungspflichtigen zwei Drittel und der Ar­beitgeber ein Drittel der Beiträge zu zahlen. Wie bei der Invalidenversicherung freisteht, den auf den Arbeit­nehmer entfallenden Teil von dessen Lohn in gewissem Umfange zurückzubehalten, so steht auch das gleiche Recht hinsichtlich zwei Drittel des Beitrages der Dienst­herrschaft zu. Wenn also z. B. der Beitrag rund 42 Mark jährlich beträgt, so ist die Dienstherrschaft berechtigt, zwei Drittel dieses Betrages mit 28 Mark dem Dienst­boten vom Lohn in Abzug zu bringen. Ob sie es im Ein­zelfalle tut oder aus persönlichen Gründen den ganzen Betrag selbst bezahlt, ist ihr überlassen. Wenn sie da­gegen die Befreiung von der Versicherungspflicht bean­tragt, so muß sie die volle Unterstützung aus eigenen Mitteln decken und darf irgendeinen Beitrag von dem Dienstboten überhaupt nicht einziehen.

Es ist ferner für die Befreiung von der Versiche- rungspflicht Voraussetzung, daß die Leistungsfähigkeit des Arbeitgebers sicher ist. Da der Arbeitgeber alle Lei­stungen zu gewähren hat, die die Kasse im Falle der Versicherung zu rragen hätte, so bedarf es keiner wei­teren Ausführungen, daß z. B. Sei langwierigen Krank­heiten usw. recht erhebliche Aufwendungen in Frage kommen können. Mit Recht verlangt daher das Gesetz eine gewisse Garantie, daß tut Falle der Befreiung der Dienstbote für den Erkrankungsfall nun auch eine der R.V.O. entsprechende Fürsorge erhält. Worin die Lei- stnngsfähigkeit zu finden ist, sagt das Gesetz nicht, es überläßt das den ausführenden Instanzen, also dem über das einzelne Befreiungsgesuch entscheidenden Kas- fenvorstand und dem Oberversicherungsamt. Es wird abzuwarten fein, welche Mindestvermogen und -einkom- men angenommen werden, um die Leistungsfähigkeit als sicher erscheinen zu lassen. Es ist endlich nötig, daß der Arbeitgeber die Befreiung seiner sämtlichen Dienstboten beantragt, soweit sie durch Vertrag zu regelmäßiger Ar­beit für mindestens zwei Wochen verpflichtet sind. Die Befreiung gilt nur für die Dauer des Arbeitsvertrages. Sie muß also jedesmal, wenn ein neuer Dienstbote ein- tritt, von neuem beantragt werden. Wird die Befreiung ausgesprochen, so wirkt sie vom Eingang des Antrages bei der Kasse an.

Sie Schubfestigkeit Helgolands.

Bei der großen Wichtigkeit, welche Helgoland für unsere Marine besitzt, war die Frage von hoher Be­deutung, ob das Gestein der Insel auch völlige Schutz-

Sas nette FMnlein.

Original-Roman von F r. Lehne.

18) (Nachdruck verboten.)

Aber Gertrud arbeitete mit Lust und Liebe und war ihres Schaffens froh. Kein Grübeln hatte bisher ihren gefunden Schlaf gestört, aber merkwürdiger Weise auch keine Sehnsucht nach dem fernen Verlobten, dessen sie wie eines guten Freundes und Kameraden gedachte. Sie hatte sich niemals Rechenschaft über das Gefühl ab­gelegt, das sie für ihn beseelte. Sie war ihm herzlich gut, aber Leidenschaft empfand sie nicht für ihn.

Ueberhaupt schien ihr das etwas sehr Ueberflüssiges in ihrem strengen herben Denken, und gar harte ver­urteilende Worte hatte ihr rosiger Mund gefunden, wenn es sich um die Verirrung eines Mitmenschen in diesem Punkte handelte. Ihr Herz würde niemals über ihre Vernunft siegen — sie wollte es nicht — vielleicht, weil sie ihr Temperament und ihr im Grunde heiß empfindendes Herz ahnte, beherrschte sie sich. Und nun? — Sie lag da und weinte heiße Tränen in ihr Kissen.«

In dieser Stunde war ihr klar geworden, daß der junge Offizier einen Platz in ihrem Herzen hatte, der ihm nicht zukam. Sie rief sich das Bild des Verlobten ins Gedächtnis — umsonst — es wurde verdrängt von dem des andern — ihr Auge sah ihn vor sich, den blon­den, eleganten Mann mit seinen kecken, heißen Augen und seinen fast mädchenhaft anmutigen Bewegungen — in ihrem Ohr tönte seine weiche, wohllautende Stimme nach, wie er ihr mit so eigener Betonung jene Worte aus dem Rattenfängerliebe vorsprach.

Was war es nur, was sie so unbezwinglich zu ihm zog? War es das Gleiche oder das Verschiedene in ih­ren Naturen? Es war das gerade Gegenteil zu ihrem im Grunde ernsten, schwerblütigen Wesen — aber das eben war es, was ihn chr so unwiderstehlich machte — krim sonnige Heiterkeit, das sorglos Fröhliche in ihm

festigkeit aufweist. Man dachte dabei ebenso sehr an eine Standhaftigkeit der Insel gegen Beschießung von feind­licher Seite, als an die Standhaftigkeit gegen die unge­heuren Erschütterungen, welche durch Abfeuern der Ka­nonen auf der Insel hervorgerufen werden. Bekanntlich war früher das Gestein gegen Einflüsse der Witterung sehr wenig standhaft, es fragte sich nun, wie es sich ge­gen die Gewalten des Pulvers verhalten würde. Bor einiger Zeit wurden nun in dieser Hinsicht auf Helgo­land neue Schießübungen vorgenommen, um die Wir­kung des Schießens schwerer Geschütze auf die neuen Be­festigungen der Gesteinsmassen zu erproben. Die Schieß- versuche haben die günstigsten Ergebnisse gehabt, denn die Wirkung der Schüsse war trotz größter Häufigkeit der Schüsse sehr gering, so gering, wie auf dem festen Lande. Die bisherigen Befestigungen haben sich also bewährt.

Ferner ist aber durch kriegsmüßige Uebungen des Seebataillons auf Helgoland, auch die Festigkeit des Ge­steins gegen Beschießen festgestellt worden. Es wurden Sprengversuche gemacht, bei denen festgestellt werden sollte, ob das Gestein der Insel der Sprengwirkung der Geschosse standhält. Auch diese Sprengversuche haben sehr günstige Ergebnisse gezeitigt. Das Oberland ist durchaus schußsicher und gibt zu Besorgnissen keinerlei Veranlassung. Die gesamte Insel umfaßt ungefähr 28 Millionen Kubikmeter, sodaß an sich bet der Größe des Gesteins ein Zusammenschießen ein schwieriges Unter­nehmen gewesen wäre, selbst wenn die Widerstands­kraft des Sternes gegen Sprengwirkung der Geschosse nicht so groß wäre, wie sie tatsächlich ist.

In dem jetzigen Zustand erscheint aber Helgoland als eine starke Festung, die besonders durch die umfang­reichen Befestigungen auf dem Oberlande und die Hafen­anlagen für Torpedoboote als ein guter Stützpunkt für Torpedounternehmungen und für die ganze Flotte ge­eignet erscheint. Die Befestigungen auf dem Oberland sind außerdem derart angelegt, daß sie sich der Sicht der Feinde entziehen. Durch Verwendung von Beton und Eisen ist außerdem die Befestigung völlig sturmsicher ge­macht worden. Diese Befestigungen erhalten ihren wah- ren Wert durch die Feststellungen, daß das Gestein je­der Schußwirkung von der Insel und auf die Insel widersteht. Es kommt noch dazu, daß durch die Im­prägnierung des Gesteins auch die Insel gegen die Un­bilden der Witterung und deren Einflüsse völlig ge­sichert erscheint.

Politische Rundschau.

Die deutsche Beteiligung an der Weltausstellung in San Franzisko. Der Ausschuß des Deutschen Handels- tages, der die beiden letzten Tage in Berlin zusammen­getreten war, hat, wie die „Frkf. Ztg." erfährt, gegen einen allerdings starken Widerstand eine Erklärung be­schlossen, die ungefähr besagt, auf Grund von Umfragen sei zwar festgestellt, daß die Mehrheit der Industriellen gegen die Beteiligung an der Ausstellung in San Fran­zisko sei, der Ausschuß begrüße aber doch die Tatsache, daß eine private Organisation sich gebildet hat, um die Interessen derjenigen, die ausstellen wollen, zu fördern und zu vertreten. Das Ziel dieser Organisation, eine des Ansehens unserer Industrie und des Deutschen Reiches würdige Ausstellung zustande zu Bringen, ver­diene jede mögliche Erleichterung und Förderung.

Die AustrrttsSewegung ans der Staatskirche. Zum Verbot von 12 Volksversammlungen, die zur Propa­gierung des Messenaustritts aus der Staatskirche die­nen sollten, erfährt die Natl, Ztg., daß diese Bewegung die Aufmerksamkeit der Kaiserin erregt hat, die ihr Be­dauern darüber ausgesprochen habe. Wie die Nat. Ztg. weiter schreibt, haben inzwischen unter Teilnahme der Kaiserin Konferenzen zur Verhütung der Massenflucht aus der Landeskirche stattgefunden, gegen die man sich durch eine Erhöhung der Gerichtsgebühren für Kirchen- austritte nach dem Vorgang der Thüringischen Staaten einen Erfolg verspreche. Ein ähnlicher Plan für Preu­ßen habe unter anderem die Zustimmung der Kaiserin gefunden.

Kokowzew über Rußlands auswärtige Politik. Im Augenblick, da der russische Ministerpräsident sich von den Pariser leitenden Persönlichkeiten verabschiedet, hat der Staatsmann eine Erklärung über seine Auffassung der internationalen Lage abgegeben. Danach befür­wortet er den Anspruch der Pforte, von den ägäischen Inseln jene zu behalten, die für die Verteidigung Klein­asiens unentbehrlich sind. Die jüngst vernommenen Alarmrufe, daß Japan neuerlich Feindseligkeiten gegen Rußland plane, seien unberechtigt. Daß das mit seiner inneren Umgestaltung beschäftigte China an auswärtige Abenteuer nicht denken könne, versteht sich von selbst. Im Jahre 1914 werde von Frankreich kein anderes russisches Anlehen beansprucht als die 4^prozenttge Eisenbahnanleihe im Betrage von 500 bis 700 Mil­lionen, die in einer einzigen Emission aufgelegt werden sollen.

riß sie hin, trotzdem sie sich sonst doch nicht leicht Blenden ließ. Ferdinands Nüchternheit hatte ihr manchmal nicht gefallen,' aber sie hatte darüber hinweggesehen, weil er so gut und treu war!

Daß sein Bild allmählich in ihr verblaßte, lag viel­leicht daran, daß sie sich so selten sahen. Deshalb wollte sie ihn bitten, es einzurichten, einmal an einem Sonn­tag nach hier zu kommen. Ja, das war das richtige, und morgen gleich wollte sie ihm schreiben. Wurde dann der Zwiespalt in ihr nicht gelöst, dann wollte sie fort von hier, wollte Albrechts Nähe fliehen. Noch war es Zeit.

Liebte sie denn eigentlich den jungen Offizier? Nein, nein, schrie es in ihrer Seele, nein--aber hatte sie jene süße Verwirrung, die sie beim Druck seiner Hand und beim Blick seines Auges spürte, jemals tu der Nähe ihres Verlobten gefühlt? Nein, noch nicht einmal bei seinem Kuß. Ruhig hatte sie ihm den Muno öargeboten, unbefangen seine Küsse geduldet und auch erwidert, ohne daß ihr Blut in Wallung gekommen war. Und jetzt, bei dem bloßen Gedanken an einen anderen Mann, mit dem sie nur gleichgültige Worte gewechselt — der sie gar nichts anging, fühlte sie es heiß zu ihrem Herzen strömen! Wenn das die Liebe war, so hatte sie ihren Verlobten niemals geliebt, nicht mit der Liebe, die das Weib zum Manne zieht — dann war es nur Freundschaft und geschwisterliche Liebe gewesen.

Das wurde ihr in dieser Nacht klar und erfüllte sie mit tiefer Bekümmernis und mit Bangen vor der Zukunft. Wie sollte das enden?

Drittes Kapitel.

„Hier, Fräulein Neuroth, ein Brief für Sie!" Mit diesen Worten überreichte am anderen Morgen der Briefträger Gertrud einen Brief, den sie schnell öffnete und las. Die Tante kam gerade dazu.

„Nun, siehst Du, er ist nicht gestorben," bemerkte diese. „Wie gehts ihm denn?"

Die bevorstehende Lösung der mexikanische« Frage. In Paris ist ein Telegramm aus der Stadt Mexiko ein­getroffen, welches besagt, daß General Huerta die Note der Vereinigten Staaten, welche er am Mittwoch er­halten sollte, erst am Donnerstag erhalten hat, da er bekanntlich einen Tag verschwunden war. Er habe auch dem Präsidenten Wilson sofort telegraphisch geantwor­tet. Bryan erklärte während eines diplomatischen Em­pfanges am Freitag den Vertretern der Großmächte, daß man mit Huerta in Unterhandlung getreten sei, und daß die Antwort Huertas eine günstige Lösung der Angelegenheit erhoffen lasse. — In der Stadt Mexiko ist die Lage gespannt. Die Gattin des französischen Ge­sandten hat sich nach Veracruz begeben. Die Leiter der amerikanischen Oel-Gesellschaft sind angewiesen worden, alle Frauen und Kinder und auch die Männer, die es verlangen, nach Veracruz zu senden.

Kleine Iladirichfen«

Ein neues Familiendrama erregt in Dresden gro­ßes Aufsehen. Der Monteur Emil Götze drang Sonn­abend abend in die in der Tittmannstraße gelegene Woh­nung seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau, die mit ihren zwei Kindern zusammen wohnt, ein, und ver­wundete sie nach kurzem Wortwechsel durch Messerstiche in Brust und Hals lebensgefährlich. Auf das Geschrei der Kinder eilten Nachbarn herbei, die den Wütenden bändigen wollten Es kam zu einem regelrechten Kampf zwischen diesem und den Leuten, wobei von letzteren ei­nige Verletzungen davontrugen. Inzwischen war die Polizei herbeigerufen worden, die Götze bewußtlos, aus einer tiefen Stirnwunde blutend, auf dem Fußboden liegend, vorfand.

Schwerer Unfall durch ein führerloses Gespann. Sonnabend abend raste in Halle ein mit zwei Pferden bespannter Bierwagen die steile Liebenauer Straße ohne Führer hinab und rannte in der Beesener Straße in ein Spielwarengeschäft, vor dem sechs Kinder standen. Die Pferde rissen die Kinder mit sich ins Schaufenster. Zwei Kinder wurden schwer verletzt. Ein Pferd mußte sofort getötet werben.

Die Einfuhr aller deutschen Zeitungen in Rußland verboten. Laut einer Meldung der Kölnischen Zeitung hat die russische Zensurbehörde die Einsuhr aller deut­schen Zeitungen in Rußland verboten. Für deutsche Zeit­schriften ist eine strenge Prüfung eingeführt worden.

Sabotage an Bord eines Ozeanfahrers. Nach einem Funkentelegramm von dem Dampfer „Lutetia" sind an Bord dieses Schiffes zwei Matrosen bei einem Sabotage­akt ertappt worden,' sie hatten nämlich die Sützwasser- tanks geöffnet und ließen das Wasser auslaufen. Die Täter wurden in Rio öe Janeiro den Behörden über­liefert.

Flüchtiger Postassistent. Der Postassistent Taube in Altona ist nach Unterschlagung von 87 000 Mark ent­flohen. Bisher hat man den Flüchtigen noch nicht er­griffen.

Der Rhein steigt weiter. Bei Mainz hat er die Hochwassergrenze bereits überschritten. Sonntag nach­mittag gingen im Großherzogtum Hessen, der Pfalz und Baden schwere Wolkenbrüche, verbunden mit orkan­artigem Sturme nieder.

Unfälle auf der Rennbahn. Auf der Rennbahn des Märkischen Reiter- und Pferdezucht-Vereins in Rathe- now ereigneten sich Sonntag nachmittag fünf Stmze. Leutnant von Behlendorf vorn dritten FelüartiileriMgi- ment zog sich einen komplizierten Brrrch des linken Schienbeins, Leutnant v. Hoberg vom 13. Jägerregi­ment zu Pferde und Leutnant von Diäten von den 15. Jägern erlitten Schlüsselbeinbrüche.

Der Südpolentdecker Amundsen hielt am Sonn­abend in Flensburg seinen Vortrag in deutscher Sprache, am Sonntag in norwegischer. Der letzte Vor­trag verlief ohne jeden Zwischenfall. Der Beifall war ebenso stürmisch wie am Abend zuvor, an dem sich das Publikum nur aus Deutschen, darunter vielen Offizieren des Heeres und der Marine, zusammensetzte. Amundsen entzog sich allen Ovationen, indem er sofort nach Schluß des Vortrags durch eine Hintertür verschwand.

Feuer auf einem spanische» Dampfer. Im nörd­lichen Teile des Atlantischen Ozeans ist, wie gemeldet wird, der spanische Dampfer „Balmos" in Brand gera­ten. Den drahtlosen Hilfssignalen ist es zu danken, daß der englische Dampfer „Pannonia" zur schnellen Hilfe­leistung herbeieilen konnte, der die Passagiere und die Besatzung des brennenden Schiffes an Bord nährn. Auf dem Unglücksschiff blieben nur der Kapitän und ein Teil der Besatzung zurück, die es versuchen wollen, des Bran­des Herr zu werden.

Ein englischer Rückenflieger. Der englische Flieger Hucks führte am Sonnabend bei Versailles zwei Flüge aus, wobei er zu wiederholten Malen mit dem Kops nach unten flog und vier Looping the Loop beschrieb.

„O, er hatte sehr viel zu tun, Tante, es war Feld- dienstübung,' er hatte deshalb keine Zeit zum Schreiben/ entgegnete das junge Mädchen, „zum Schluß bemerkt er, es wäre möglich, daß er zum nächsten Sonntag Urlaub bekäme — ob es Euch angenehm wäre, wenn er dann nach hier kommt?"

„Aber gewiß! Schreib nur, daß er uns willkommen ist. Ich bin wirklich neugierig, Deinen Zukünftigen kennen zu lernen!"

Gegen Mittag kam Albrecht von Marburg zum Frühschoppen. Gertrud war gerade noch im Laden. „Morgen, Fräulein Trude," rief er fröhlich, „gut ge­schlafen? Ja? Das freut mich! Ich nicht! Und wissen Sie, warum? Nein, ich sag es doch lieber nicht, sonst würde mir am Ende eine gewisse junge Dame ihren An­blick entziehen."

Tief sah er ihr dabei in die Augen und bemerkte einen abgespannten, müden Ausdruck in ihrem Gesicht

„Wie blaß Sie aussehen! Haben wohl doch nicht ge­schlafen?" — er uerftummte vor dem kühlen, abweisen­den Blick, mit dem sie ihn streifte.

„Sie verzeihen, Herr von Marburg, ich habe zu tun, damit verließ sie den Laden. Er folgte ihr auf dem Fuße, und draußen auf der Hausflur erfaßte er ihre Hand.

„Nein, Gertrud, so begegnet man mir nicht! Was haben ich Ihnen getan, daß Sie so — so — sind. Im weiß selbst nicht wie; ich finde keinen Ausdruck dafür-

Sie suchte ihre Hand frei zu machen,' es gelang ihr nicht — fest hielt er dieselbe umklammert.

„Antworten Sie," sagte er herrisch, „Launen habet Sie nicht, dazu sind Sie zu vernünftig! Also liegt ein anderer Grund vor — was haben Sie?" ,

„Nichts, gar nichts! So lassen Sie mich doch los>

(Fortsetzung folgt.)