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Die Kommission mverbilllgnng der Hüffung.

Ein ernster Versnch.

Eben ist der Prozeß gegen Brandt und Eccins zu Ende gegangen und wenige Tage darauf soll in dieser Woche eine große Kommission zusammentreten, die ct= neu: Wunsch des Reichstages, im Anschluß an die De­batten über die dem Prozeß zu Grunde liegenden Dinge, ihre Entstehung verdankt. In den damaligen Erörte­rungen ist wohl von allen Zeiten des Hauses angeregt worden, einmal eingehend zu prüfen, ob die eigentlichen Rüstungsausgaben sich vielleicht herabsetzen ließen, wenn es gelänge, den Lieferungsmodus einer Revision zu un­terziehen.

Die Klagen über unsere teuere Rüstung, und zwar nicht nur die für das Landheer, sondern auch für die Marine sind nicht erst seit jetzt entstanden, sie dauern schon seit Jahren an, wohl bei jeder Etatsdebatte hat man sich darüber ausgesprochen, sich aber immer mit den Erklärungen der maßgebenden Stellen zufrieden gege­ben, daß es nicht gut anders gehe. Es läßt sich ja nicht verkennen, daß es sich bei den großen Lieferungen für Verteidigungszwecke um Fragen handelt, die nicht im­mer nach den allgemeinen Usaucen beurteilt werden dür- fen; vor allen Dingen muß man erwägen, welche Un­kosten für die betreffenden Firmen die Vorbereitungen und Konstruktion und deren Erprobung mit sich brin­gen, Versuche, die in die Kalkulation natürlich mit ein­geschlossen werden müssen. Tatsache ist allerdings, daß da von unseren Verwaltungen zuweilen ein etwas ho­her Preis bezahlt worden ist, im Vergleich gegenüber den Offerten, die dem Auslande bei ähnlichen Lieferun­gen gemacht wurden. _

All das im Zusammenhang mit den letzten Vor­kommnissen soll Gegenstand der Prüfung durch eine besonders eingesetzte Kommission sein. Ursprünglich hatte man an eme rein parlamentarische Kommission gedacht, nach dem Muster anderer Länder, und es hat Sarum auch in manchen Kreisen nicht an prinzipieller Ablehnung gefehlt. Wohl auch um die Version einer parlamentarischen Regierung nicht aufkommen zu las­sen, hat die Kommission jetzt eine Zusammensetzung er­halten. die über den früher geglaubten Rahmen hin- ausgeht. Man hat sich, wie aus der offiziös nritgeteilten Liste hervorgeht, nicht darauf beschränkt, außer den m Frage kommenden Ressortchefs, Vertreter aller Parteien hineinzudelegieren, sondern es sollen auch die Vertre­ter von Städten, der Landwirtschaft, der Finanz-, Han­dels- und Handwerkskreise hinzngenommen werden, die als Sachverständige fungieren sollen, darunter die Generaldirektoren der Hamburg-Amerika-Linie, des Norddeutschen Lloyd und mehrere maßgebende Bank- direktoren.

Diese Kommission soll nach der offiziösen Verlaut­barung die Aufgabe haben, die bisherige Entwicklung der Grundsätze und Methoden für die Rüstungslieferun- gen an Heer und Marine in ihrem Zusammenhänge mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung klarzule­gen und die Zweckmäßigkeit der gegenwärtigen Praxis unter vergleichender Betrachtung ähnlicher Staats- oder privater Großbetriebe des In- und Auslandes einer Untersuchung zu unterziehen. Die Zusammensetzung dieser Kommission birgt für eine unparteiische Prüfung, und es wäre zu wünschen, daß nicht bloß das Feld der Theorie durchgeackert würde, sondern daß man auch zu Resultaten käme, die für die Rüstungspraxis und vor allen Dingen für deren Verbilligung im Interesse des Reiches von Nutzen wären.

Ueber das echte und rechte deutsche Vottsheer stellt Generalleutnant z. D. Litzmann in der „Täglichen Rundschau" einige, die Bedeutung des Heeres für Krieg und Frieden in gerechter Weise würdigende Betrachtun­gen an.

Unter „Volksheer" verstehe ich, so schreibt er, Sie Verkörperung der äußeren Kraft des Staates, das ein­zig sichere Mittel für ihn, feinen Willen Surchzusetzen, ferne gedeihliche Fortentwickelung trotz Neid und Miß­gunst mächtiger Gegner zu ermöglichen, seinen Fortbe­stand selbst bei großer Ueberzahl der Feinde sicherzu­stellen. Ein solches Volksheer haben wir Deutschen nö­tig! — Den Ideologen mit der „monistischen Binde vor den Augen" stehen andere gegenüber, denen der kriege­rische Geist aus Gründen des „Christentums" ein Greuel ist. Als ob Sie Helden der Befreiungskriege, ein Yorck und ein Körner — um nur zwei Typen für altpreutzi- sches Pflichtgefühl und für jugendliche Begeisterung her- auszugreifen — schlechte Christen gewesen wären! Wollte Gott, daß wir von solch wahrhaft Frommen recht viele in unserem Volksheere hätten! Mit der allgemeinen Menschenliebe allein kommen wir über die Schwierig­keiten unserer geographisch-politischen Lage nicht hin­weg. Wir wollen sie pflegen, aber dabei unser Schwert scharf und schlagbereit halten: denn nur, wenn Deutsch­land am Leben bleibt, kann es seine hohen Kulturauf­gaben erfüllen!

Das neue Fräulein.

Original-Roman von F r. L e h n e.

14) (Nachdruck verboten.)

Das junge Mädchen errötete. „Wir sind ja nicht öf­fentlich verlobt,' deshalb sage ich nicht gern mein Bräu­tigam."

„Aber Kinder, wir kommen ja ganz von der Musik ab, und ich möchte nicht gern darauf verzichten," rief Teichmann, dem Gespräch eine andere Wendung zu ge­ben, „es ist doch ganz gleich, wie Gertrud sagt,' die Hauptsache ist, daß sie sich gut sind, nicht wahr, mein Trudchen?" Und zärtlich streichelte er ihr Haar und Gesicht, — „sei gut," flüsterte er fast unhörbar.

Dankbar blickte sie ihn an und zwang die Unmuts­falte aus ihrem Gesicht. Dann wandte sie sich an den jungen Offizier.

„Herr von Marburg, ich bitte aber, recht viel Nach­sicht mit mir zu haben, da mein Gesang viel zu wün­schen übrig läßt, ich singe, wie der Vogel singt, der in den Zweigen wohnet."

„Und ich bitte um gütige Nachsicht für meine Be­gleitung," lächelte er, „also sind für uns die Chancen gleich! Was befehlen Gnädigste zu hören?" wandte er sich an Frau Teichmann.

Diese zuckte die Achseln. „Mir ist's gleich, da Ger­trud Koloraturarien doch nicht so gut singen kann, die ich so gern höre!"

Herr Teichmann hob, ungesehen von seiner Frau, den Zeigefinger gegen Gertrud, deren feines Gefühl un­ter den Nadelstichen der Tante litt und deren Stolz sich bäumte, — „na, Truding, dann sing' doch mal „Kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß," das patzt doch auf Dich!"

Heftig schüttelte sie den Kopf.

„Oder „ich will's Dir nimmer sagen, wie ich so lieb Dich hab'?", fragte Marburg mit eigener Betonung der

Auch die Friebensutopisten aus religiösem Empfin­den tragen dazu bei, die Mannhaftigkeit unseres Vol­kes zu gefährden,' innerlich erbitterte Gegner vereini­gen sich zu dieser verderblichen Arbeit an der Volksseele! Wer sein Vaterland lieb hat, der muß dazu helfen, daß solche Krankheitserscheinungen überwunden werden. Alle, die sich des Friedens erfreuen möchten, sollten doch bemüht sein, ihn sich zu verdienen! Der ungestörte Geld­erwerb, der frohe Lebensgenuß ist doch nichts Selbstver­ständliches! Und mit Steuerzahlung allein können diese so himmelhoch bewerteten Friedensgüter auf die Dauer nicht erworben werden. Arbeit an der Volksseele tut not, ehrliche und unermüdliche Arbeit, um uns zu wah­rer Sittlichkeit, ernster Lebensauffassung, sicherem Pflichtgefühl dnrchzuringen. Ist einmal der fromme und schlichte, tapfere und aufopferungsbereite Volksgetst von 1813 wiedergewonnen und unser Heer — das ja doch nur einen Teil des Volkes darstellt und sein tüchtigster sein muß! — von solchem Geiste erfüllt, dann nähert es sich dem Ideal, dann ist es unüberwindlich,' dann ist es die sicherste Bürgschaft des Friedens.

Politische Rundschau«

Die Etatveratungen im Bundesrat werden am nächsten Montag in den Ausschüssen beginnen und bis Freitag 21. November dauern. Das Plenum des Bun­desrates wird am Sonnabend 22. November den Etat endgültig verabschieden. Trotz dieser verhältnismäßig späten Fertigstellung im Bundesrat wird es möglich fein, das Etatsgesetz dem Reichstag bei seinem Zusam­mentritt am 25. ö. M. vorzulegen.

Der Streit zwischen Krankenkassen und Aerzten hat sich zu einem offenen Kampfe ausgewachsen, dessen Fol­gen sich noch nicht übersehen lassen. Bisher waren alle Vermittlungsversuche, die von berufenen Stellen ge­macht wurden, vergeblich. Die beiden streitenden Teile sind einem Frieden noch nicht geneigt. Nun wollen ei­nige süddeutsche Regierungen die wichtige Angelegen­heit im Bundesrat zur Sprache bringen. Aber auch im Reichstag wird das Thema gleich nach Wiederaufnahme der Verhandlungen angeschnitten werden, und zwar so­wohl vom Standpunkt der Aerzte aus als von dem der Krankenkassen. Denn beide Gruppen haben ja im Reichstag berufene Vertreter ihrer Interessen zur Ver­fügung. Wahrscheinlich wird der Weg einer Interpel­lation gewählt werden, um eine ausführliche Erörte­rung der bedeutungsvollen Streitfrage herbeizuführen.

Eine Eingabe der Militäranwärter. Der Vorstand des Bundes Deutscher Militäranwärter hat sowohl Sem Reichstage wie dem Abgeordnetenhause soeben eine Ein­gabe zugehen lassen, in der um folgendes gebeten wird: Die Ruhegehälter der zu oder vor dem 1. April 1908 pensionierten Beamten, sowie die Bezüge der Hinter­bliebenen sollen in der Weise gelöst werden, als wenn die Festsetzung erst nach dem Inkrafttreten der neuen Besoldungsgesetze erfolgt wäre,' und bis zur Durchfüh­rung einer solchen gesetzlichen Regelung den Notstand durch Gewährung entsprechender Teuerungszulagen zu beseitigen. Am meisten, so heißt es in der Eingabe wei­ter, leiden unter der jetzigen Teuerung die Witwen und Waisen verstorbener Beamten und Pensionäre. So un­zureichend, wie schon die Pension war, muß in noch hö­herem Matze auch das danach berechnete Witwen- und Waisengeld sein.

Der frühere Reichstagsabgeordnete Müller - Gotha ist in Gotha im Alter von 82 Jahren gestorben. Müller war lange Jahre Abgeordneter im gothaischen Landtag und vertrat von 1878—1881 den Wahlkreis Gotha im Reichstag.

Die Be^ammlung des Volksversicherungsverbau- des, die in Berlin ihre Tagung hielt, faßte folgenden Beschluß: Das zwischen dem Verbände der öffentlich- rechtlichen Lebensversicherungsanstalten und privaten Volksversicherungsgesellschaften am 11. Januar 1913 getroffene Abkommen über eine Volksversicherung wird aufgehoben. Der Verband der öffentlich-rechtlichen Le­bensversicherungsanstalten scheidet mit gegenseitigem Einverständnis aus dem Volksversicherungsverbande aus. Der Volksversicherungsverband wird von den pri­vaten Volksversicherungsgesellschaften fortgesetzt.

Gegen die bodenreformerischen Bestrebungen richtet sich eine Kundgebung des neugergünöeten Schutzver- banbes für den deutschen Grundbesitz, der am Dienstag im Kaisersaal des Lanöwehroffizter-Kasino in Charlot- tenburg unter dem Vorsitz des Fürsten zu Salm-Horst- mar eine Delegiertenversammlung abhielt. Es gelangte eine Resolution zur Annahme, in der es heißt: „Unsere gesamte Volkswirtschaft treibt dem Kommunismus ent­gegen. Der durch die Verfassung garantierte Schutz des Privateigentums ist ins Wanken geraten. Die Irrwege bodenreformerischer Bestrebungen untergraben die Bo- öenstänöigkeit der Bevölkerung. Der im Schutzverbanö für den deutschen Grundbesitz vereinigte städtische und ländliche Grundbesitz bringt heute öffentlich zum Aus­druck, daß er gewillt ist, einer solchen, für unser ganzes

Worte, tief in Gertruds Augen sehend, auf deren Grund ein seltsam Flimmern und Leuchten lag.

„Nun denn, Herr Leutnant, „Krambambuli," — sie warf den Kopf in den Nacken und um ihren Mund zuckte es — war es Weinen oder war es Lachen?

„Gertrud, Du bist nicht bei Trost," zürnte Frau Anna, „solch' ein gewöhnliches Lied! Was soll Herr von Marburg von Dir denken?"

„O, bitte sehr, auch ich liebe die Studentenlieder," sagte dieser, und unter seinen Händen erklangen auch schon die Anfangstakte jenes Liedes.

„O nicht doch, Herr von Marburg," unterbrach ihn Gertrud da errötend, „nein, ich scherzte ja nur! Onkel hört so gern, wenn ich das Mignonlied singe, würden Sie mir das begleiten können?"

„Gewiß, umso mehr, da ich das Lied ebenfalls sehr liebe, überhaupt die ganze Oper. Im vergangenen Winter ist sie hier mehrmals aufgeführt worden. Also, — darf ich anfangen?"

Gertruds schöne, weiche Stimme klang innig und glockenrein durch das Zimmer. Die ganze verhaltene Sehnsucht ihrer Seele strömte in ihren Gesang über und zwang die Hörer gleichsam in ihren Bann. Albrecht Marburg wandte keinen Blick von der Sängerin,' er griff einmal fehl, das tat aber nichts. Ihre Augen leuch­teten und lockten, ihr Ausdruck schien in weite Fernen verloren — dachte sie vielleicht des fernen Geliebten? Mit einem schrillen Mitzakkord schloß er plötzlich die Begleitung, — warum brächte ihn jener Gedanke so auf und erfüllte ihn mit — ja — mit Neid? Das blüheno schöne Mädchen stand so nahe bet ihm, daß er nur die Arme auszustrecken brauchte, um sie zu fassen. Mit hei­ßem Blick sah er sie an.

„Wie schön Sie singen, und wie schön ist Ihre Stimme!" sagte er, „nun singen Sie mir noch mein Liev- lingslied! Ich möchte es gern einmal von Ihnen hören." Und er spielte das Rattenfäugerlied! „Du rote Ros' auf

Volksleben verderblichen Entwickelung entgegenzutre-- ten. Die öffentlichen Organe müssen sich wieder bewußt werden, daß der private Grundbesitz in Stadt und Land die festeste Grundlage unseres Staatslebens ist, daß seine Erhaltung und Kräftigung die sicherste Gewähr für die Aufrechterhaltung unserer Gesellschaftsordnung bie­tet und daß sie Haushalten müssen mit der Kraft und Leistung der Privatwirtschaft, deren für das Gemeinwohl unentbehrlicher Unternehmungsgeist nicht durch über­mäßige Belastung gelähmt werden darf."

Die Gründe des Offiziersmangels in Frankreich. In dem im Namen des Budgetausschusses erstatteten Bericht über die Erhöhung des Soldes der Offiziere und Unteroffiziere wird hervorgehoben, daß die Rekrutie­rung der Offiziere infolge ihrer schlechten materiellen Lage sehr schwierig geworden sei. Bisher hätten die Offiziere dagegen nur durch ihren Austritt aus der Armee Einspruch erhoben. Es sei Sache der Kammer, die Bedeutung dieses stummen Protestes zu würdigen und zu verhindern, daß die Sie Armee bedrohende Ge­fahr unheilbar werde, weil nicht nur die Zahl, sondern auch der Wert der Offiziere abgenommen habe. So sei 1912 die überwiegende Mehrheit der jungen Offiziere aus den Unteroffizieren hervorgegangen. Die von dem Budgetausschuß vorgenommene Solöerhöhung macht für das Budget 1913 Nachtragskredite von rund drei Millionen Francs nötig.

Kleine nadiricfifen«

Hauptmann Kostervitsch ist das Betreten deutschen Bodens verboten. Laut Blättermeldungen teilte der deutsche Botschafter in Petersburg dem russischen Aus­wärtigen Amte mit, daß dem russischen Kapitän Koste- witsch, der in Deutschland in einen Spionageprozetz ver­wickelt gewesen war, fernerhin das Betreten deutschen Bodens aufs strengste verboten wurde.

Ein neuer Generalsekretär des Evangelischen Bun­des. Wie gemeldet wird, gibt der Pastor Riemenschnei- öer in Pristäblich im Kreise Delitzsch am 1. Dezember sein Amt auf, um als Generalsekretär in den Dienst des Evangelischen Bundes (Sitz Halle a. S.) überzutreten.

Eine neue Spur des Mörders Ebenoer? Die Ber­liner Kriminalpolizei begab sich auf die Nachricht, daß sich in der Nähe der langgesuchte, wegen Mordes ver­folgte Zigeuner Ebender herumtreibe, nach Bötzow, ei­nem kleinen Otre bei Velten. Acht Kriminalbeamte überraschten mit vorgehaltenen Revolvern eine Zigeu­nerkapelle mitten im Spiel und nahm sie fest. Unter den Verhafteten sechs Zigeunern befindet sich ein Mann, der der Beschreibung nach der gefährliche Ebender ist, der alle Angaben seiner Personalien verweigerte. Der Ver­dächtige wurde mit einem zweiten verhafteten Zigeuner dem Polizeipräsidium zugeführt.

Aus Eifersucht von der Gattin erstochen. In der Nacht zum Dienstag wurde in Düsseldorf der 35 Jahre alte Schneider Cauhausen im Schlafe von seiner zehn Jahre älteren Gattin aus Eifersucht mit einem Brot­messer so schwer verletzt, daß er sterbend ins Kranken­haus gebracht wurde. Die Frau ist verhaftet worden.

Ein städtischer Stenererheber vermißt. Der Steuer- erheber Johannes Strenger in Gretfswald, der 14 Jahre im Dienst gewesen ist, ist seit Sonnabend verschwunden. Es werden 10 000 städtischer Gelder vermißt. Die Spuren Strengers scheinen nach Berlin zu führen, von wo er Abschiedsbriefe nach Greifswald geschrieben haben soll.

Eine bayrische Bauernschlacht. Nach dem Jahrmarkt in Dietfurt (Oberpfalz) veranstalteten etwa dreiM Bauernburschen eine großartige Rauferei, die zum Blut­bad wurde. Ein Arbeiter, Vater von sechs^Mu^ern, wurde auf der Stelle erstochen. Als die Wütendenmerk- ten, daß sie den Falschen getötet hatten, stachen sie auch noch den „Richtigen" und drei andere Männer nieder. Diese vier wurden lebensgefährlich verletzt. Zudem gab es noch manche Schwerverletzte.

Verleihung der Nobelpreise. Die königlich schwe­dische Akademie hat den diesjährigen Nobelpreis für Physik an Professor Camerlingk Onnes an der Univer­sität Leyden und den Nobelpreis für Chemie dem Pro­fessor Alfred Werner an der Universität in Zürich ver­liehen. Jeder Preis beträgt in diesem Jahre etwa 197 000 Francs. „ ,

Furchtbare Tat eines Arbeitsschenen. Der 37jahrige Kutscher Bogan in Berlin erdrosselte am Dienstag die mit ihm zusammen lebende vierzigjährige Frau Prustest und deren dreijährige Tochter in seiner Wohnung. Die elfjährige Tochter der Frau wurde lebensgefährlich ver­letzt. Der Täter ist geflüchtet. Der Mörder, ein ar­beitsscheuer Mensch, hat sich von der Frau ernähren lassen und sie trotzdem ebenso wie die Kinder aufs roheste mißhandelt. Bogan lebte mit der Frau Prusseit seit zehn Jahren in wilder Ehe.

Typhusfälle in einem Infanterie-Regiment. In der dritten Kompagnie des 150. Infanterie-Regiments in Mülheim a. d. Ruhr haben zwei tödliche Typhusfalle ftattgcfunöerL^SteJt^^ grüner Heiü'", — immer zu ihr emporsehend. „Sie kön­nen es doch sicher?"

Eine leise Röte trat da in ihr Gesicht.

„Kennen — ja, aber können —?"

„Aber Trudchen, hast es doch neulich erst gesungen, sagte Teichmann.

„Aber fragt mich nur nicht wie?" zitierte Gertrud.

„Ich bitte Sie, Fräulein Gertrud, singen Siel"

„Dann will ich es wenigstens versuchen! Bitte, aber eine Terz tiefer,- wie Sie angefangen haben, ist es mir zu hoch, Herr von Marburg."

Er gehorchte, und sie begann das leidenschaftdurch- glühte Lied mit ihrer ganzen Seele zu singen. Wie selbstvergessen ruhten seine Augen auf ihr, und bei Be­ginn der dritten Strophe blickte sie unwillkürlich nach ihm hin. Als sie aber seinem feurigen Blick begegnete, schlug eine flammende Röte über ihr Gesicht,' sie wurde verwirrt und konnte nicht weitersingen,' — „mir ist der Text entfallen,' ich weiß nicht mehr —" suchte sie ihre Befangenheit zu entschuldigen.

„Ich helfe Ihnen, Fräulein Gertrud! Es heißt:

„Um meinen Nacken schling' den Arm,

Preß Mund auf Mund —

Ruh'st anders nicht so süß und warm

Im weiten Rund!" _

Und immer mit demselben heißen Blick sah er m an, während ihr seine Lippen jene leidenschaftlichen Worte in seltsam eindringlicher Sprache vorsprachem Er meinte auch, was jene Verse sagten — und ein fast übermächtiges Verlangen überkam ihn, dieses Mädchen in seine Arme zu nehmen, und einen heißen Kuß am ihren blühenden Mund zu drücken. Da begegneten aber ihre Augen den seinen mit einem so flehenden Blick, uno in ihr Gesicht trat ein so gequälter Ausdruck, daß er sich mit einem leisen Gefühl der Beschämung abwandte. Was wollte er tun? Wohin verwirrten sich seine Ge­danken? (Fortsetzung folgt.)