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Sersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^M^ für den Kreis Hersfeld

Weiber Sreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Psg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 156.

Donnerstag, den 13. November

1913.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat.

Reklame.

Die Kunst der Reklame liegt nicht immer in ihrer marktschreierischen Betätigung. Seit man in der Ge­schäftswelt begonnen hat, die Reklame nicht mehr als Luxus, sondern als eines der notwendigsten Geschäfts­prinzipien zu betrachten, seit dieser Zeit hat sich die Kunst der Reklame zu einer förmlichen Wissenschaft ausgewachsen. Während der eine durch charakteristische Zeichnungen auf seine Inserate aufmerksam zu machen versucht, bevorzugt ein anderer eigenartige Ueber- schristen; ein dritter wieder bemüht sich, durch ständig gleichbleibenden Wortlaut seiner Annoncen diese dem Leser allmählich förmlich ins Gedächtnis zu schreiben. Aehnlicher Methoden gibt es noch mehrere, und es würde zu weit führen, sie alle einzeln aufzuzählen. Allen aber ist das eine gemeinsam: sie zwingen nach und nach den Leser in ihren Bann. Mit dem Tage, an welchem der Leser schon beim Anblick eines genial gezeichneten Bildes, beim Lesen einer Ueberschrift oder eines Leitsatzes sofort die Schlußfolgerung zieht: Aha, das ist wieder die Firma soundso", mit diesem Tage ist der Zweck der Reklame erreicht. Denn der neugierige Leser informiert sich nunmehr, ob er richtig geraten, und wird dadurch ganz von selbst zum Lesen des gesamten Inserats gezwungen.--Unsere Ge­schäftswelt wird hieraus ersehen, daß eine einmalige Annonce zwar den Zweck erreicht, auf das gerade darin offerierte hinzuweisen, daß aber eine dauernde Ver­trautheit des Lesepublikums mit seiner Firma nur durch ständiges Inserieren zu erreichen ist. Sobald nur erst einmal der Name einer Firma jedem Zeitungs­leser geläufig ist, ist damit schon viel für das betr. Geschäft getan. Kunden und Käufer finden sich dann ganz von selbst ein, und es liegt dann in der Hand des Geschäftsmannes, die durch die Zeitung ange­lockten Kunden durch Preiswürdigkeit, reiche Auswahl und sorgfältige Bedienung dauernd an sich zu fesseln.

* (Eine Neuerung für schwerhörige Radfahrer.) Der Deutsche Radfahrerbund, welcher in jeder Weise bahnbrechend vorgeht, bringt jetzt eine Neuerung für schwerhörige Radfahrer zur Einfüh­rung. Der Deutsche Radfahrerbund hat nämlich für schwerhörige Radfahrer Eisenblechschilder von rot­weißer Farbe anfertigen lasten, welche an den beiden Hinteren Röhren des Fahrradrahmens neben oder hinter dem Hinteren Kotflügel befestigt werden. Die Schilder werden paarweise an alle schwerhörigen Radfahrer, gleich, ob Bundes- oder Nichtbundesmit- glieder gegen eine Leihgebühr von 2 Mark abgegeben. Die Schilder haben den Zweck, Radfahrer, Motorrad­fahrer und Kraftwagenführer zu veranlassen, daß sie an den Radfahrern, welche diese Schilder an ihren Rädern tragen, mit der äußersten Vorsicht vorbei­fahren bezw. laute Warnungssignale geben. In England und Holland sind solche Schilder bereits einige Zeit im Gebrauch und haben sich zur Ver­meidung von Unfällen bestens bewährt.

* (Neue Mustervorschriften für Un- fallanzeigen.) Wie uns mitgeteilt wird, werden vorn 1. Januar 1914 ab neue Muster für Unfall­anzeigen obligatorisch zur Verwendung gelangen, die den Versicherungsnehmern große Erleichterungen bei Anzeigen von Unfällen bieten. Alle in Betracht kommenden Fragen über frühere Verletzungen sind wesentlich vereinfacht und klarer gefaßt worden, so daß ihre Beantwortung den Versicherungsnehmern leichter wird. Es sind fernerhin in Zukunft nicht nur die behandelnden Aerzte, sondern auch die Heilgehilfen anzugeben, welche bei Unfällen die erste Hilfe geleistet haben. Sehr wesentlich ist eine Neuerung, durch die eine beträchtliche Beschleunigung der Hilfe und Heilfürsorge in eiligen Fällen bezweckt wird.

&er Art und der Bedeutung der Verletzung bei Unfällen die entsprechende Beachtung zu schenken und insbesondere eine alsbaldige Heilfürsorge herbeiführen zu können, ist nämlich die bisher ungenügende Fassung rn Spalte 4 ersetzt durch eingehende Fragen unter 4 b.

§ HerA^ld» 12. November. (Sternschnuppe n.) Um die Mitte des Monats November sind wieder zahlreiche Sternschnuppen zu beobachten,' am zahl­reichsten in den Nächten vom 13., 14. und 15. November, in denen man von förmlichen Sternschnuppenschwärmen sprechen kann. Es sind dies die sogenannten Leoniden, nach Auffassung unserer Astronomen Reste des Kometen von 1866, da sie dessen Bahn genau innehalten. Jrgend- wo draußen im ewigen Weltenraum muß s. Zt. dieser schöne, helleuchtende Komet, dessen sich unsere älteren Leser noch gut erinnern werden, mit einem anderen

Weltenkörper zusammengeprallt und dabei in Hundert­tausende von Atomen zersprungen sein. Die ehernen Naturgesetze jedoch halten auch diese kleinsten Bruch­stücke noch immer streng in der alten Bahn, und all­jährlich in den obigen drei Nächten jagen Hunderte bis taufende dieser Bruchstücke durch unseren nächt­lichen Himmel. Zehn Tage später, vom 24.-27. No­vember, streifen die Reste des Bielaschen Kometen unsere Erde und verursachen abermals einen reichen Sternschnuppenfall. Unseren Naturfreunden ist somit in diesem Monat reichlich Gelegenheit zu interessanten Beobachtungen geboten, die man am besten zwischen 1 und 3 Uhr nachts auf freiem Felde anstellt. In diesen beiden Stunden ist die Zahl der Sternschnuppen erfahrungsgemäß stets am größten.

):( Hersfeld, 12. November. In einer gestern abend in der Lullusquelle abgehaltenen Versammlung beschäftigte sich auch der hiesige Gewerbeverein mit den bevorstehenden Stadtverordneten- wählen. Der Vorsitzende des Gewerbevereins, Herr Schüßler, führte aus, daß der eigentliche Handwerkerstand, der gewerbtätige Mittelstand, heute nur mit 4 Herren in den hiesigen städtischen Körper­schaften vertreten sei, während die anderen Mitglieder aus Fabrikanten, Kaufleuten und Akademikern bestände. Es sei daher anzustreben, daß bei den bevorstehenden Wahlen die Vertreter des Handwerks unbedingt wiedergewählt und, wenn irgend möglich, noch vermehrt würden. Die diesjährigen Wahlen fänden bei einer auffallenden Verschiebung der Wählerzahl in den einzelnen Klassen statt. Während früher ca. 13 Wähler die erste Klasse bildeten, seien es diesmal 33, die Wählerzahl der zweiten Klasse sei von rund 80 auf ca. 180 gestiegen und dem­gemäß sei in der 3. Klasse die Arbeiterschaft stärker wie früher. Die Versammlung trat alsdann in eine rege Aussprache über die Kandidatenfrage ein und alle stimmten darin überein, daß der Gewerbeverein darauf hin wirken müßte, den Handwerkerstand in den städtischen Körperschaften bester wie seither ver­treten zu sehen. Dazu sei natürlich vor allem die Mitwirkung aller dem Gewerbestand Angehörigen notwendig. Die Versammlung wählte schließlich eine Kommission, bestehend aus dem Vorstände und einigen anderen Herrn, die wegen der Kandidaten- frage mit den andern hiesigen Vereinen und Innungen Fühlung nehmen soll.

):( Hersfeld, 12. November. Der Weißbinder Sch. von hier hatte gegen ein Urteil des hiesigen Schöffen­gerichts, durch das er wegen Hausfriedensbruchs mit einer Geldstrafe belegt worden war, Berufung eingelegt. Bei der heutigen Verhandlung vor der Strafkammer in Casfel erkannte dieselbe gegen Sch. auf eine Gefängnisstrafe von 4 Tagen.

§ Hersfeld, 12. November. Z u r Wetterlage wird von der Wetterdienststelle Weilburg geschrieben: Das zeitweise Einsetzen östlicher Winde in den letzten Tagen hat manche zu der Annahme verleitet, daß wir mit baldigem Eintritt von Frost zu rechnen hätten. Nach der allgemeinen Wetterlage und ihrer Aenderung in den letzten Tagen ist der baldige Eintritt von Frost jedoch sehr unwahrscheinlich. Frost kann jetzt nur eintreten, wenn sich über Mitteleuropa oder über Nordosteuropa ein großes Hochdruckgebiet ausbildet. Im ersteren Falle würde Frost durch starke nächtliche Ausstrahlung, im letzteren durch Nordostwinde, die aus dem kalten nordöstlichen Europa stammen, ein­treten können. Das gegenwärtige Hochdruckgebiet hat sich jedoch nach dem schwarzen Meere hin zurück­gezogen, so daß vorläufig zum Uebergang zu jenen beiden Wetterlagen sehr wenig Aussicht vorhanden ist. Im Gegenteil scheint die vorwiegend trübe und nasse Witterung noch eine zeitlang anzuhalten.

):( Hersfeld, 12. November. Unterzahlmeister Weidmann von der hiesigen Kriegsschule wurde zum Zahlmeister befördert und zum Garde-Grenadier- Regiment Nr. 4 in Berlin versetzt.

):( Hersfeld, 12. Nov. Wegen einer Neupflaste- rung im Orte Niederaula ist der Wegezug N i e d e r a u l a - M e n g s h a u s e n bis zum 15. d. Mts. für den Verkehr gesperrt.

Aus der Rhön, 10. November. Wie die Bayerische Landeszeitung schreibt, sind in neuester Zeit Unter­nehmungen in Vorbereitung, welche die in der Rhön vorhandene Braunkohlen dazu benutzen wollen, sie in Elektrizität umzusetzen und die elektrische Energie bis hinein nach Franken mittels Ueberlandzentralen zu leiten und mehr Licht und Kraft zur Verfügung zu stellen. Daß die Rhön an mehreren Orten Braun­kohlen birgt, ist eine nltbetannte Tatsache. Die Vor­gefundene Kohle ist aber meist geringerer Qualität, welche die Verwertung bisher nicht als lohnend genug erscheinen ließ. Seitdem die Elektrizität sich aber immer mehr das Feld erobert, kommen auch die Rhöner Braunkohlenlager zur volkswirtschaftlichen

Geltung. Es ist bereits bekannt geworden, daß der Großindustrielle Richard Müller in Fulda durch Mutung und Kauf ein größeres Braunkohlenlager bei Wüstenfüchsen erworben hat, und daß dasselbe für eine elektrische Zentrale, die sich auch weit nach Franken hinein erstrecken soll, ausgenutzt werden soll. Gleiches ist der Fall bezüglich der längst bekannten Braunkohlenlager bei Hausen und Roth im Streutal bei Fladungen. Ferner hat man berichtet, daß auch das alte Braunkohlenlager am Bauersberg bei Bischofsheim vor der Rhön zu gleichen Zwecken um­worben wird, und daß zwischen dem bayerischen Staats­minister und jenem der Verkehrsanstalten Differenzen über den Weg der Nutzbarmachung der Rhöner Braun­kohle entstanden sind. Auch aus dem dem bayerischen Landtage jüngst vorgelegten Budgetentwurf konnte entnommen werden, daß für die Erwerbung des Braunkohlenlagers am Bauersberg bei Bischofsheim und wohl dann auch für Anlage eines Elektrizitäts­werkes zwecks Bahnbetriebs mit elektrischer Kraft eine Geldforderung gestellt wird.

Von der Schwalm, 11. November. Eine Ein­brechergesellschaft macht seit einigen Tagen dieSchwalm- gründe unsicher. Unter anderem haben die Diebe gute Beute bei einem Einbruchsdiebstahl in dem Rats­keller zu Borken gemacht, wobei ihnen eine große Anzahl Lebensmittel in die Hände gefallen ist.

Casfel, 11. Nov. Wie an zuständiger Stelle ver­lautet, wird der Kaiser Sonnabend mittag oder nach­mittag auf Wilhelmshöhe eintreffen und wahrscheinlich mit der Kaiserin der Aufführung im Königlichen Hoftheater beiwohnen. Sonntag früh dürfte der Kaiser dann zur Jagd nach Schlesien abreisen, sodaß die Kaiserin voraussichtlich die Reise nach Braun­schweig allein antritt.

Worbis, 11. November. Hier wurde kürzlich bei der Stadtverordneten-Ersatzwahl der Kreisbrand- meister Kellner gewählt. Gegen seine Wahl war dann auf Grund des § 17 Absatz 6 der Städteordnung Protest eingelegt. Nachdem der Lanörat des Kreises Worbis nunmehr erklärt hat, daß derKreisbrandmeister keine polizeilichen Funktionen auszuüben habe, er­klärte das Stadtverordnetenkollegium die Wahl Kellners für giltig.

Gelnhausen, 10. November. Im Basaltwerk von Wörner in Steinau geriet der Arbeiter Schneider durch einen unglücklichen Zufall in das Räderwerk einer Maschine, das ihn furchtbar verstümmelte. Der Tod trat sofort ein.

Göttingen, 11. November. Als der Maurer Siegmund, der diesen Herbst seine Dienstzeitbe im 82. Jnf.-Regt. beendete, am Sonnabend abend im Hinter- Hause Papendieck 29 die Treppe herunter gehen wollte, stürzte er so unglücklich, daß er besinnungslos liegen blieb. Dem Unglücklichen war durch den Sturz der Schädel gespalten,' er starb bald darauf.

Hann. Münden, 11. November. Fahnenflüchtig ist der Rekrut Posaunenbläser Schmedding, gebürtigt aus Münster, vom hiesigen Pionier-Bataillon Nr. 11. Er hatte sich heute früh nach Beendigung der Probe im schwarzen Gehrock und steifen Hut von seinem Truppenteil entfernt.

Frankfurt a. M., 10. Nov. Zu einer militärischen Uebungsfahrt, deren Ziel Mainz war, stieg heute nachmittag dieViktoria Luise" unter Führung des Kapitäns Blew auf. An Bord befanden sich mehrere auswärtige Offiziere. Nach l^ftünbigcr Fahrt landete das Luftschiff wieder glatt in der hiesigen Luftschiffhalle.

Göttingen, 8. November. Die Georg-August-Uni- versität wird in diesem Semester von 2905 imma­trikulierten Studierenden besucht. Hiervon werden im Laufe des Semesters noch etwa 100 gestrichen, doch ist auf jeden Fall gegen das vorige Wintersemester, das nur 2709 Immatrikulierte zu der gleichen Zeit aufwies, ein Zugang zu verzeichnen. Voraussichtlich wird die Zahl der Studierenden bei der nächsten Immatrikulation Ostern 1914 3000 übersteigen; die Georgia Augusta hat in acht Jahren um etwa 1100 Studierende zugenommen, ein Wachstum, wie es außer Kiel (im Sommer) keine deutsche Universität in ähnlichen Verhältnissen aufzuweisen hat.

Dingelstädt, 11. November. Zu dem gestern von uns gemeldeten Großfeuer, dem acht Anwesen zum Opfer fielen, wird noch berichtet: Da der Brand die meisten Abgebrannten im tiefsten Schlafe überraschte, spielten sich am Vrandplatze erschütternde Szenen ab. An Möbeln, Frucht- und Futtervorräten konnte nur wenig gerettet werden. Der Schaden beträgt weit mehr als hunderttausend Mark. Die Abgebrannten sind die Landwirte H. Müller, Johs. Heddergott, Joh. Heinbrodt, Franz Heddergott, C. Kirchberg, der Handelsmann C. Dette, der Viehhändler P. Dölle und der Fleischermeister Franz Dölle.