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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^^ für den Kreis Hersfeld selber Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 154. Dienstag, den 11. November 1913.

Bus der Heimat.

Wolken und Nebel im November.

Der November ist derjenige Monat, der im allge­meinen die dichteste und andauerndste Bewölkung hat und in dem häufig Nebel die Luft erfüllen, die ja im Grunde nichts anderes sind als Wolkenbildungen, die an der Erdoberfläche sich vollzogen haben. Die Zeit vor dem November bringt durch ihre wärmenden Sonnenstrahlen immer noch eine beträchtliche Menge Wasser der Meere und Binnengewässer zur Ver­dunstung. So ist denn die Atmosphäre mit Wasser­dampf angefüllt. Aber während dieser im Sommer trotz seiner alsdann größeren Menge gasförmig bleibt, ist öie Luft bei der jetzt eingetretenen niedrigeren Temperatur eher mit Wasserdampf ge­sättigt, und es erfolgt daher reichlicher als im Sommer Kondensation oder Verdichtung, d. h. Bildung von Wassertröpfchen. Diese setzen in der Höhe die Wolken zusammen, an der Erdoberfläche den Nebel. Letzterer bildet sich vor allem des Abends, wenn der Erdboden keine Wärme mehr von der untergehenden Sonne empfängt und die vorher empfangene Wärme aus- strahlt. Von ihm aus wird auch die Luft von unten nach oben fortschreitend abgekühlt, und so lagert sich Nebelschicht auf Nebelschicht ab, was den Eindruck hervorruft, als senkten sich diese Schichten, die übrigens nicht streng getrennt sind, aufeinander herab,' wir sagen der Nebelfällt" des Abends. Umgekehrt sprechen wir von einemSteigen" des Nebels am Morgen, da das Sonnenlicht zuerst die feste Erdober­fläche erwärmt und von hier aus die Wärme durch Leitung (und Strahlung) der Luft von unten nach oben mitgeteilt wird. Je wärmer aber die Luft wird, desto mehr Wasserdampf ist sie imstande aufzunehmen (ihre Sättigungssähigkeit oder -Kapazität wächst), und so lösen sich denn die Nebeltröpfchen von unten nach oben fortschreitend auf. Wenn der Nebel wirklich stiege, wie es der Sprachgebrauch angibt, müßte er nachher oben in der Höhe der Atmosphäre als Wolke schweben, während er tatsächlich völlig verschwindet.

Der Dezember löst den finsteren Gesellen November meist mit heiteren Frosttagen ab. Dies könnte zunächst auffallen, da ja im Dezember die Temperatur noch weiter sinkt, also auch die Sättigungsfähigkeit der Luft noch mehr abnimmt. Wenn dies auch richtig ist, so bedenke man, daß die Atmosphäre dann weniger Wasserdampf enthält als zuvor, da die kälter und kälter werdende Jahreszeit weniger Wasser zur Verdunstung brächte. Somit kann die Luft wegen des absoluten Mangels an Wasserdampf nicht so leicht ihren Sättigungspunkt erreichen.

* (Von der P o st.) Im Reichspostgebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende Oktober 1918 auf 84 388 gestiegen. (Zugang im Monat Oktober 1021). Auf diesen Postscheckkonten wurden im Oktober gebucht 1632 Millionen Mk. Gutschriften und 1625 Millionen Mk. Lastschriften. Das Gesamt­guthaben der Kontoinhaber betrug im Oktober durch­schnittlich 177,7 Millionen Mk. Im Verkehr der Reichspostscheckämter mit dem Postsparkassenamt in Wien, der Postsparkasse in Budapest, der luxem­burgischen und belgischen Postverwaltung sowie den schweizerischen Postscheckbüros wurden 8,1 Millionen Mk. umgesetzt und zwar aus 3540 Uebertragungen in der Richtung nach und auf 16 410 Uebertragungen in der Richtung aus dem Auslande.

* (Keine laufende Unterstützung für Witwen von K r i e g s v e t e r a n e n.) In be­teiligten Kreisen herrscht vielfach die Ansicht, daß auch den Witwen von Kriegsveteranen auf Grund des Reichsgesetzes vom 19. Mai 1913 (R. G. Bl. S. 297) die sogenannte Veteranenbeihilfe oder eine laufende Unterstützung weitergewährt werden kann. Diese Ansicht ist unzutreffend. Nach § 2 des Gesetzes stehen nur den Witwen derjenigen Beihilfenempfänger, welche nach dem 1. Oktober d. J. verstorben sind bzw. noch versterben, die Bezüge der Verstorbenen für die auf den Sterbemonat folgenden drei Monate zu.

t );( Hersfeld, 10. November. Für die außer- ordentlrche Beliebtheit, welche Beizers Leipziger Sänger hier genießen, sprach gestern abend wieder der ttberfüllte Raum der neuen Turnhalle. Das Programm der humorvollen Leipziger war wieder sehr reichhaltig und fast jede Nummer bedeutete einen Schlager. Die Turnhalle dröhnte wieder von den Lachsalven der zahlreichen Zuhörer und bei den beiden vorzüglich gespielten Einaktern steigerte sich die Heiter­keit zu wahrem Sturme. Wie wir hören hat der hiesige Bürgerverein die Truppe für Ende Januar zu einem Gastspiel hier gewonnen.

-o- Hersfeld, 8. November. Der Abschluß der Allgemeinen Ortskrankenkasse der

Stadt Hersseld setzt sich für den Monat Oktober d. Js. wie folgtzusammen: BestandbisEndeSeptember 699,37 Mk. Einnahme: Eintrittsgelder 1 Mk, Ge- samtbeiträge (Anteil der Arbeitgeber und Arbeitnehmer) 6519,54 Mk., Ersatzleistungen für gewährte Kranken­unterstützungen 62,80 Mk., sonstige Einnahmen 3,95 Mk. Ausgabe: Für ärztliche Behandlung 2859,20 Mk., für Arznei und sonstige Heilmittel 102,58 Mk., für Krankengelder an Mitglieder 1054,15 Mk., für Kranken­gelder an Angehörige 40,50 Mk., für Wöchnerinnen- unterstützungen 16,25 Mk., für Knr- und Verpflegungs­kosten an Krankenanstalten 823 Mk., für Durchlaufende Posten 2,45 Mk., für Verwaltungskosten 559,13 Mk., für sonstige Ausgaben 156,90 Mk.

-m- Hersfeld, 9. November. (Gauvorturner­st u n ö e des Ober-Fulda-Werra-Gaues.) Gestern fand die diesjährige Herbst-Gauvorturner- stunde in Fulda in der städtischen Turnhalle statt. Gegen 10 Uhr traten über 100 Vorturner aus fast allen Vereinen (der Gau zählt jetzt über 60 Vereine) an. Nur wenige Vereine fehlten. Nach Begrüßungs­worten von feiten des Herrn Gauturnwarts Köhler- Fulda und des Herrn Gauvertreters Fernau - H e r s f e l d wurden zunächst die allgemeinen Frei­übungen durchgeturnt, welche der Schwierigkeit halber doch längere Zeit in Anspruch nahmen. Anschließend stellte der Turn- und Fechtklub Fulda eine Muster­riege am Sprungtisch, welche allseitigen Beifall durch ihre exakte Ausführung fand. Null folgte das Ge­räteturnen in verschiedenen Riegen. Der vorge­schriebene Uebungsstoff wurde genau durchgeturnt und eingehend erklärt, so daß die Zeit hierfür fast zu kurz war. Nach 1 Uhr trat eine Mittagspause ein, um dann später noch eine gemeinsame Wanderung vor- zunehmen. Es war das erstemal, daß in dem turne­rischen Programm ein gemeinsamer Turngang aus­genommen war. Um 3/43 Uhr traten zahlreiche Vor­turner in der Turnhalle an, um einen Gang in die Umgegend nach Horas zu machen, wo im Turnver­einslokal Einkehr gehalten wurde. Verschiedene An­sprachen und gemeinsame Turnerlieder wechselten miteinander ab, sodaß die Stunden allzu schnell ver­gingen. Mit den Abendzügen kehrten die Turner in ihre Heimat zurück, wohl alle mit dem Bewußtsein, bei dieser Vorturnerstunde wieder viel Neues gesehn und auch gelernt zu haben.Gut Heil!"

-b- Rohrbach, 8. November. Auch unsere Gemeinde wird in Kürze in der glücklichen Lage sein eine Wasserleitung zu besitzen, es wurden heute die eingegaugenen Angebote eröffnet: Heinrich Gesing Hersfeld Los 1 8873,75 Mark, dto. Los 2 9696,00 Mk. W. Carl Rosenberg Hersfeld Los 1 4094,90 Mk., dto. Los 2 9841,60 Mk., Schäfer & Neuert Sontra Los 1 4312,93 Mk. dto. Los 2 9948,10 Mk., Jakob Bebra Los 1 4541,05 Mk. Der Firma W. Karl Rosenberg Hersfeld wurde der Zuschlag einstimmig zu ihrem Angebot für sämtliche Arbeiten und Lieferungen übertragen.

Cassel, 10. November. Ein Liebesdrama hat sich in der Nacht zum Sonntag in der Voraue abgespielt. Dort versuchte der 45jährige Schmied Ernst aus Wolfs­anger seine Geliebte, die 35 Jahre alte Frau des Ar­beiters A. aus der Klostergasie zu erschießen und sich dann selbst das Leben zu nehmen. Beide wollten gemeinsam in den Tod gehen, weil sich ihrer Heirat unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg stellten. Zunächst gab Ernst einen Revolverschuß auf die Frau ab und traf sie in die linke Kopfseite. Darauf richtete er die Schußwaffe gegen sich selbst, verletzte sich aber nur ungefährlich im Gesicht. Da auch die Verletzung der Frau nicht lebensgefährlich war, begaben sich beide auf das nächste Polizeirevier im Renthof, wo ihnen die erste Hilfe zuteil wurde. Sie wurden darauf dem Landkrankenhaus zugeführt.

Eschwege, 8. November. Zur Bürgermeisterfrage haben Magistrat und Stadtverordnete beschlossen, dem Ersuchen des Herrn Beigeordneten Dr. Kühn auf Entbindung von der Annahme der Wahl stattzugeben. Dr. Kühn war allerdings rechtlich gebunden, das Kollegium hatte aber unter den obwaltenden Um­ständen keine Veranlassung, ihn an Eschwege zu fesseln. Gleichzeitig wurde beschlossen, zwei der bereits vor der Wahl des Herrn Dr. Kühn in die engere Wahl gezogenen Bewerber aufzufordern, sich in den nächsten Tagen vorzustellen. Es sind dies dem Ver­nehmen nach der zweite Bürgermeister von Grau- denz Herr Stolzenberg, ein Casseler Kind, und Herr Stadtrat Hanswaldt in Halle.

Göttingen, 6. November. In der Nacht zum Mittwoch kam es auf der Weender Chaussee zu einer gefährlichen Revolverschießerei, die, demGöttinger Tagebl." zufolge, von Augenzeugen wie folgt ge­schildert wird: In einer von der Weender Chaussee liegenden Wirtschaft saßen einige Gäste beim Karten­spiel zusammen, als in schon vorgerückter Stunde

ein am Kreuzbergweg wohnender Student das Lokal betrat. Dieser hatte mit einem der Kartenspieler, einem Wäschereibcsitzer T., schon früher Differenzen gehabt, die sich von neuem wiederholten. Da beide im Gastzimmer nur wenig einig wurden, setzten sie auf der Straße ihre Auseinandersetzungen fort Um den Streit zu schlichten, trat ein Beamter dazwischen und bat den Studenten seines Weges zu gehen. Darauf zog dieser einen Revolver und gab auf den Schlichter des Streits einige Schüsse ab, von denen einer dem Beamten in den Arm drang, während ein anderer die Brust traf. Dieser Schuß hätte schwere Folgen haben können, wenn die Kugel nicht an einem Messingknopf abgeprallt wäre. Der Student gab noch einige Schüsse ab, von denen einer dem Wäscherei­besitzer in den Hals ging. Der Wäschereibesitzer wurde zur Klinik geschafft, befindet sich aber außer Lebensgefahr. Der Student wurde verhaftet und an das Gerichtsgefängnis abgeliefert.

Warbnrg, 9. November. Wenn aus der Main­ebene und dem Vortaunusland, wo allerdings infolge des Rübenkrieges der Anbau nur in engsten Grenzen stattfand, Nachrichten über eine relativ geringe Zucker­ernte kommen, so kann doch für die Warburger Börde nur von einem außerordentlich günstigen Verlauf der Ernte berichtet werden. Während sich sonst schon oft im Oktober schwere Fröste entstellten, welche die Ein- erntung unmöglich machten und viele Rüben im Boden erfrieren ließen, herrscht noch jetzt frostfreies Wetter. Auch starke Regengüsse, die den schweren Lehmboden zu Brei aufweichen und die Ernte der Rüben sehr zeitraubend gestalten, sind in diesem Herbste ganz ausgeblieben, so daß die Rüben in reinem Zustande, frei von Erdabfall, der hiesigen Zuckerfabrik zugeführt werden. Die Landwirte äußern sich über Quantität und Qualität sehr befriedigt.

Bad Harzburg, t xwemoer. Heute wurden 2 Leichen ausgefunden. Die Polizei hat festgestellt, daß es sich um den Postdirektor Berson aus Kamen bei Dortmund und eine Dame aus dem gleichen Orte handelt.

Coburg, 7. November. Eine hübsche Geschichte ist kürzlich in einer thüringischen Residenz passiert. Um die dort in der letzten Zeit allzu emsig arbeitenden Einbrecher fangen zu können, hatte man sich einen Berliner Detektiv verschrieben! Aber was die weg- unöstegkundige einheimische Hermanöad nichtvermochte, das konnte auch der reichshauptstädtische Sherlock Holmes nicht. Während seines etwa 14tägigen Wirkens" passierte ihm das Malheur, von einem Polizeisergeanten verhaftet zu werden. Der Ber­liner hatte sich nämlich inverdächtiger" Kleidung |verdächtig" herumgedrückt, jedenfalls, um so die nächtlichen Einbrechermäuse auf den Detektivspeck locken zu können. Als er sich dann auf der Polizeiwache legitimierte, soll ein Platzregen von Lachtränen nieder­gegangen sein.

Bestwig, 8. November. Kurz vor der Station Bergisch-Vorn sprang der 17 Jahre alte Hölzer aus Wermelskirchen von der Plattform eines Personen- zuges und wurde sofort getötet. Ein gleiches Geschick traf deu 18jährigen Paul Müller, der aus Lebens­überdruß von demselben Zuge auf der Strecke vor­her sich hatte überfahren lassen. Auf dem Stahl­gußwerk Hamborn stieß ein Arbeiter seinen Arbeits­kollegen, mit dem er in Streit geraten, in flüssiges Eisen. Letzterer erlitt einen furchtbaren Tod.

Pößneck, 7. November. In einer hiesigen Fleischerei warf ein Geselle mit einem großen Schlachtmesser nach dem Lehrling, wodurch dieser am Kopfe schwere Ver- letzuugeu erlitt. Der Arzt mußte 16 Klammern zur Hilfe nehmen, um die heftigen Blutungen zu stillen.

Mainz, 9. November. Gestern vormittag 93/4 Uhr, kurz nach Beginn des Unterrichts, geriet der 16jährige Untersekundaner an der hiesigen Oberrealschule Ernst Kaufmann, der Sohn eines städtischen Gasgelder­hebers in einen Wortwechsel mit dem Lehramts­assessor Wittig. Wittig hatte dem Schüler einen Ver­weis erteilt, worauf dieser plötzlich einen Revolver aus der Tasche zog und einen Schuß auf ihn abgab. Der Angegriffene schlug die Schußwaffe mit dem Arm in die Höhe, so daß die Kugel in die Decke drang. Trotzdem gelang es dem Schüler, noch einen zweiten Schuß abzugeben, der den Lehrer am Aermel streifte und in die Wandtafel ging. Hierauf richtete der Schüler die Waffe gegen sich selbst und brächte sich eine schwere Kopfverletzung bei; er wurde sofort in das Krankenhaus transportiert, wo ihm die Kugel auf operativem Wege entfernt wurde. Sein Zustand ist nicht lebensgefährlich. Der Lehrer blieb unverletzt.

Wetteraussichten für Dienstag den 11. November.

Zeitweise aufklärend, meist trocken, kälter, vielfach Nebel.