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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Weiber

für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 153. lErfttS Blatt). Sonntag, den 9. November 1913.

Hus der Heimat.

Martinstag.

Nach dem Geburtstage Martin Luthers, des großen Reformators, wird der 10. November Martins­tag genannt, wenigstens in evangelischen Gegenden: während die katholische Kirche am nächsten Tage in Erinnerung an den heiligen Martin von Tours, einen durch seine Frömmigkeit und Milötätigkeit hervorragenden Bischof des 4. Jahrhunderts n. Chr. feiert. Unter dem gemeinsamen NamenMartini" ist dieser Tag durch seine althergebrachten Sitten und Gebräuche, nicht minder auch als beliebter Markttag und geschäftlicher Termin allgemein bekannt. Der Festbraten am Martinitag ist die gemästete Gans, die Martinsgans, die in vielen, besonders ländlichen Gegenden an diesem Tage unerläßlich ist. Daneben gibt es vielerorts ein besonderes Festgebäck, die sogenannten Martinshörnchen. Als Wettertag ist Martini wie mancher andere Tag für den Land­wirt von Bedeutung. Sternenklarer Himmel am Vorabend vor Martini verheißt im nächstfolgenden Jahre eine gute Weinernte, gutes Wetter am Tage selbst deutet auf einen kalten Winter, das gleiche gilt, wenn zu Martini das Laub noch teilweise an den Zweigen haftet. Haben alle diese Wetterregeln schließlich den Nachteil, daß sie auch einmal versagen können, so ist andererseits dafür die Tatsache unbe­stritten, daß vom Martinitage ab das Abnehmen der Tage überraschend stark fühlbar wird. Es liegt dies daran, daß gegen Mitte November die Sonne nur noch so hoch steigt, daß ihre Strahlen bereits in einem sehr schiefen Winkel auf die Erde fallen. Dadurch wird ein gutes Teil ihrer Leuchtkraft auf dem weiteren Wege durch die Erdatmosphäre verschluckt. Und da hierdurch auch der Wärmeverlust der Sonnenstrahlen sehr erheblich zunimmt, so kann Martini mit Recht als Beginn der rauhen Jahreszeit betrachtet werden.

* (GuteHausmittel beiErkältungen.) Trotz allen Tabletten, Kügelchen greift die altmodische Hausfrau noch immer zu den sogenanntenHaus­mitteln". Jetzt bei der erkältungsreichen Zeit ist gar mancher von Husten und Schnupfen befallen, hat einenschweren" Kopf und fiebert oft leicht. Heißes Zitronenwasser, so warm wie man es ertragen kann, trinkt man einige Male am Tage, die Wirkung ist überraschend. Gegen Heiserkeit hilft vorzüglich das Trinken eines rohen Eies, der Hals ist gleich wie be­freit von dem Uebel; viele Sängerinnen wenden dieses einfache Mittel stets vor ihrem Auftreten an. Vor­zügliche Dienste leistet der sogenannteMalztrank". 4050 Gr. geschrotenes Malz wird mit 2 Liter Wasser bis zur Hälfte eingekocht, filtriert und mit Zucker nach Belieben versüßt. Wenig Zitronensaft zum An- fäuren ist erforderlich. Dieser Trank muß recht warm genossen werden; der Hustenreiz ist sehr bald ver­schwunden. Ein weiteres erprobtes Mrttel ist Zwiebelsaft. Etwa Ve Pfö. Zwiebeln schneidet man in Scheiben, kocht diese mit Wasser und Zucker zu einer bräunlichen dicklichen Brühe, seiht diese durch und trinkt diesen Sirup noch warm. Die Heilung der entzündeten Schleimhäute geht sehr schnell vor sich.

Hersfeld, 8. November. Auf das morgen abend in der neuen Turnhalle stattfindende Gastspiel der hier bestens bekannten Leipziger Sänger «Direktion Belzer) machen wir nochmals aufmerksam. Da bekanntlich zu den Abenden des lustigen Volk­leins stets ein starker Andrang stattfindet, durfte es sich empfehlen, bei zeiten einen Platz im Vorverkauf zu erwerben.

):( Hersfeld, 8. Nov. Se. Exzellenz General- leutnant Lrtzmann wird auf Veranlassung der Orts- und Kreisgruppe Hersfeld des Deutschen Wehrvereins am Montag den 1. Dezember in der neuen Turnhalle einen Vor trag halten über das Thema: Meine Reifeeindrücke vom Balkan 1912/13. Welche Lehren lassen sich aus den beiden Balkankriegen zu Deutschlands Wehrkraft-Entwicke­lung ziehen? Wir weisen schon jetzt auf diesen hochinteressanten Vortrag aus dem Munde eines be­währten Militärs hin. Das Nähere wird durch spätere Anzeigen noch bekannt gegeben.

§ Hersfeld, 8. November. Die als Spielwaren vielfach in den Verkehr gebrachten a u s g e st o p f t e n j a p a n i s ch e n H ü h n e r - u n d E n t e n k ü k e n sind nach dem Ergebnisse der amtlichen Untersuchung zum Zwecke ihrer Konservierung stark mit Arsenik bear­beitet. Hierdurch sind sie, sofern sie als Spielwaren für Kinder Verwendung finden, geeignet, Gefahren für die menschliche Gesundheit hervorzurufen. Es ist daher Vorsicht bei Verwendung dieser Gegenstände als Spielwaren für Kinder geboten.

):( Hersfeld, 8. November. Wir weisen schon heute darauf hin, daß der Evang. Arbeiterverein am Sonntag den 7. Dezember abends 8 Uhr in der Turnhalle einen Vortragsabend veranstaltet, in welchem Herr Hauptmann Döring.von der hiesigen Kriegsschule einen Lichtbildervortrag über seine Erlebnisse und Erfahrungen in Südwest- a f r i k a halten wird.

Buchenau, 6. November. Heute starb nach kurzem, schwerem Leiden der Mitinhaber der hiesigen Ziegelei, Herr Conrad, der von einem kranken Pferde derartig geschlagen und verletzt wurde, daß er fast zwei Tage im Starrkrämpfe lag. Die Genossenschaft der Buche- nauer Tonwerke verliert in ihm einen tüchtigen Fach­mann, der es nicht nur verstand, die Ziegelei durch gute Waren auf der Höhe der Zeit zu erhalten, sondern auch durch sein freundliches, entgegenkommendes Wesen für guten Absatz sorgte. Jedermann wünschte deshalb dem strebsamen Unternehmer sein gutes Aus­kommen und der Fabrik recht gute Erfolge.

Homberg, 7. November. Unter den Plänen, wie man die Bahnlinie Treysa-Leinefelde mit der pro­jektierten Linie Wabern-Homberg-Hersfeld verbinden könne, wird neuerdings der folgende ernstlich erwogen und besprochen: Nämlich die Strecke Sondheim- Homberg-Remsfeld mit dem kostspieligen Viadukt bei Remsfeld ganz eingehen zu lassen und die Berlin- Coblenzer Bahn von Sondheim direkt zum Anschluß an die neue Bahn nach Homberg und dann in einiger Höhe am rechten Ufer der Efze nach Remsfeld weiter- zuführen, wo dann wieder der direkte Anschluß an die weitere Strecke Remsfeld-Malsfeld der Berlin- Coblenzer Linie unschwer herzustellen wäre.

Marburg, 7. November. Am Mittwoch gingen die Jmmatrikulationstermine an der hiesigen Universität zu Ende. Insgesamt beträgt die Zahl der Studierenden (ohne die zum Hören der Vorlesungen Zugelassenen) 2176, darunter 159 Frauen. Es studieren 208 Theologie, 330 Jurisprudenz, 516 Männer und 23 Frauen Medizin und 963 Männer und 136 Frauen Philosophie. Im vorigen Wintersemester betrug die Zahl der Imma­trikulierten etwa 2080 und im letzten Sommersemester etwa 2400.

Eschwege a. ö. Werra, 7. November. Eine über­raschende Kunde durcheilte heute morgen die Stadt. Der vom 1. Januar 1914 ab zum Bürgermeister her Stadt Eschwege gewählte Beigeordnete Dr. Kühne aus Oberschöneweide bei Berlin hat dem Magistrat schriftlich mitgeteilt, daß er aus Gründen persönlicher Art und aus Familienrücksichten leider gezwungen sei, seine bereits erfolgte Zusage zur Uebernahme der Bürgermeisterstelle zurückzuziehen und hierauf Verzicht zu leisten.

Cassel, 8. November. Gestern abend 7,56 Uhr traf Ihre Majestät die Kaiserin mit dem fahr­planmäßigen Eilzuge BerlinHalleNordhausen Cassel auf dem hiesigen Oberstadtbahnhofe ein. Lange vor der angesetzten Zeit hatte sich auf dem Bahnhofs- platze und speziell an der Nordseite des Empfangs­gebäudes ein zahlreiches Publikum angesammelt, das die hohe Frau begrüßen wollte. Ein offizieller Empfang seitens der Behörden war abgesagt worden. Bei ihrem Erscheinen am Bahuhossausgange sowohl wie auch auf der Fahrt zum Schloß bereitete das Publikum der Kaiserin herzliche Ovationen, wofür sie nach allen Seiten lebhaft dankte. Beim Eintreffen der Kaiserin im Schloß wurde die Kaiserin-Standarte gehißt. Die Gemächer der Kaiserin waren von Seiten der Hof­gärtnerei mit herrlichem Blumenschmuck versehen worden, darunter insonderheit Teerosen, die Lieb- lingsblumen Ihrer Majestät.

Aus dem Werratal, 6. Nov. Mit Rücksicht darauf, daß durch die Einleitung der Endlaugen der Kaliberg­werke in die Werra sich im ganzen Werra- und Weser­gebiete große Mißstände durch die zunehmende Ver- salzung der Werra ergeben haben, soll am 15. November- tz. Js. in Vacha (Werra) ein chemisches Laboratorium errichtet werden, den: die Ueberwachung der Einlei­tung der Endlaugen in die Werra übertragen worden ist Das chemische Laboratorium ist ein Unternehmen der Universität Jena. Die an verschiedenen Stellen des Werratales zu entnehmenden Wasserproben werden daraufhin untersucht, ob der Salzgehalt der einge­leiteten Endlaugen den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. Dadurch soll der zunehmenden Versalzung der Werra gesteuert werden; besonders war es der Senat der freien Hansastadt Bremen, der gegen die zunehmende Versalzung des Werra- und Weser­wassers scharfen Protest erhob.

Waldeck, 7. November. Das Kraftwerk in Hemfurt wird schon ant 1. Juli 1914 zur Stromabgabe bereit sein. Da nun aber für die Elektrizitätsversorgung der entfernt liegenden Kreise vom preußischen Staat eine be ondere Zuführungsleitung bis in jeden Kreis

gebaut werden muß und diese Leitungen vor dem 1. Oktober 1914 wohl nicht vollständig fertiggestellt sein werden, so müssen diese Kreise mit dem Anschluß- an die Ueberlandzentrale vom 1. Oktober ab rechnen. Der Kreis der Eder entnimmt dagegen seine Elek­trizität direkt aus dem Kraftwerk Hemfurt. Die Aus­führung der Hochspannungsanlagen, sowie der Ortsnetze wird so gefördert werden, daß mit der Inbetriebnahme des staatlichen Kraftwerkes in Hemfurt, also am 1. Juli 1914, die gesamte Anlage dem Betrieb über­geben werden kann.

Wrexen, 7. November. Eine Spielerei mit auf­gefundenen Dynamitpatronen hat einen schweren Unglücksfall in dem benachbarten Marsberg zur Folge gehabt. Mehrere Schuljungen, die sich am Ufer der Diemel in der Nähe der Diemelbrücke Herumtrieben, fanden im seichten Wasser im Sande versteckt, eine Anzahl noch nicht krepierter Dynamitpatronen, wie sie im Bergwerksbetriebe zum Sprengen von Fels­partien usw. vielfach im Gebrauch sind. Die Jungen machten von ihrem gefährlichen Funde natürlich Niemanden eine Mitteilung, in der Absicht, dieselben knallen zu lassen, d. h. zur Explosion zu bringen. Als der Sohn eines Postschaffners in Gegenwart anderer Jungen dieses dann auch vor einigen Tagen tat und eine Patrone entzündete, entstand eine schwere Explosion, bei der die Stücke weit herumflogen und ein arges Zerstörungswerk anrichteten. Dem Jungen selbst wurden vier Finger der linken Hand abgerissen und die Hand bis zumHandgelenk zerfleischt; ferner wurde ihm durch die herumfliegenden Stücke der krepierten Patrone das linke Auge und die Backe schwer verletzt. Ein zweiter Schulknabe, welcher am nächsten als Zuschauer gestanden hatte, wurde eben­falls durch die Sprengst üßv nu Gesicht schwer verletzt, auch ist unterhalb des Auges ein Splitter eingedrungen, nach Aussagen des Arztes ist die Sehkraft jedoch er­halten geblieben.

Frankfurt a. M., 7. November. Der zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilte Schlosser Bernhard Röder, dem die Ironie des Schicksals so übel mitge­spielt hat, daß er jetzt 30,000 Mk. gewann, ohne das schöne Kapital in den nächsten 11V- Jahren angreifen zu können, scheint eine düstere Vorahnung von dem kommenden Ereignis gehabt zu haben. Er legte nach seiner Verhaftung seinem Anwalt wiederholt ans Herz, er möge versuchen, das mit seinen anderen Effekten polizeilich beschlagnahmte Los an sich zu bringen, um einen etwaigen Gewinn zu reservieren. Da nun aber die Behörde im Besitz des Loses ge­blieben ist, so wird Röder nach seiner Strafverbüßung nur noch einen kleinen Teil des Gewinns ausgezahlt erhalten. Der preußische Justizfiskus ist nämlich sehr darauf bedacht, die Kosten, die ihm durch einen Verbrecher erwachsen, beizutreiben. Da Herr Röder jetzt Geld hat, muß er wohl oder übel nicht nur die Kosten der Untersuchung und die auf ihn entfallenden Gerichtskosten bezahlen, sondern er muß auch das dem Fiskus vergüten, was er im Zuchthaus verzehrt. DiePensionskosten" im Zuchthaus sind nicht gerade erheblich. Die Bettstatt wird gratis gewährt, aber die Kost wird pro Tag mit etwa einer Mk. berechnet. Zwölf lange Jahre muß Röder sitzen. Er verliert also, wenig gerechnet, 4380 Mk. für die Verköstigung, vermindert um die Kapitalzinsen. Im Laufe seines Aufenthalts im Zuchthaus er verbüßt die Strafe im Zuchthaus Lichtenburg dürfte er sich durch seiner Hände Arbeit noch ein sogenanntes Arbeits- aeschenk erwerben, sodaß wiederum ein Plus auf seinem Konto entsteht. Es ist aber nicht ausge­schlossen, daß ihm noch ein weiteres erhebliches Minus an seinem Vermögen dadurch erwächst, daß der Fiskus auch noch Anspruch auf Erstattung früher entstandener Kosten geltend macht. Der glücklich-unglückliche Ge­winner kam nämlich erst am 29. Oktober 1912 aus dem Zuchthaus Wehlheiden, wo er wegen eines Ein­bruchs in die protestantische Kirche in Oberrad sieben Jahre saß. Die Verpflegungssätze für diesen Zeit­raum werden möglicherweise jetzt auch noch einge- foröert, denn eine Verjährung dieser fiskalischen Ansprüche ist noch nicht eingetreten. Zuguterletzt werden sich schließlich noch Personen bei Gericht melden, die auf Grund der Taten des Verbrechers Schaden erlitten und nun Ersatz fordern. Röder wurde vor dreißig Jahren in Gräfenthal geboren. Was also sein Alter betrifft, so kann er es noch erleben, die Restsumme aus dem Gewinn als 42jähriger Mann in die Hände zu bekommen.

Mainz, 6. November. Einem dreizehnjährigen Jungen fiel gestern abend beim Spielen am Eisernen Tor ein Kanalschachtdeckel auf den Körper. Der Junge wurde derartig schwer verletzt, daß er sofort ins Rochushospital gebracht und dort eine Operation vor­genommen werden mußte. Kurz nach der Operation ist der Junge gestorben.