Hers Wer Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld
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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Zernsprech-5lnschlutz Nr. 8
Nr. 152.
Sonnabend, den 8. November
1913.
Bus der Heimat.
Hubertur-Zagden in Hersfel- und Fulda.
-r- Hersfeld, 7. November.
Zur Hubertusjagd vereinigte sich ein ganz ungewöhnlich starkes Feld Mittwoch nachmittag 2 Uhr auf der Domäne Bingartes. Durch einen kurz vorher niedergegangenen Regen war das Geläuf ganz ausgezeichnet. Nachdem der Master, Hauptmann Weid ermann, das Zeichen zum Aufbruch gegeben hatte, ging es zunächst am Johannisberg entlang durch den Wald. Die vielen verschiedenfarbigen Uniformen und die roten Röcke, das bunte Laub der herbstlichen Wälder, das alles zusammen war ein Bild von farbigem Reiz, das jedes Künstlerauge gefesselt und entzückt hätte. Dann ging es einen steilen Abhang, den die Pferde auf der Hinterhand herunterrutschen mußten, hinab, an dessen Fuße das Feld auf fairen Rasenboden gelangte. Unter Führung von Herrn Rech- berg, der abwechselnd mit Leutnant von Mau- beuge in diesem Jahre bei den Jagden als Fuchs reitet, ging es dann in einem guten Galopp über die von einigen faierlichen Gräben und Koppelricks durchzogenen Wiesen. An der Domäne Bingartes gab es einen kurzen Stopp. Dann kam noch ein Koppelrick und der sog. „Naumannsgraben", der als ein besonders grober Sprung immer nur in die Hubertusjagd eingelegt wird, und dann führte der Weg auf die Haune los, deren Durchquerung ganz saisongemäß an die Wasserpantomimen imKarlshorsterParforce-Jagd-Rennen erinnert. Gleich nachher ging es über zwei von Gräben eingefaßte Chausseen nach dem alten Exerzierplatz, wo nach der Steinmauer Hauptmann Weidermann die Jagd freigab. Den Fuchsschwanz griff Oberleutnant Schmidt, der Adjutant der Kriegsschule. Zwei Stürze verliefen ohne Nachteil für Reiter und Pferd, die betreffenden Herren saßen beide wieder auf, sodaß der Master am Halali Brüche an alle Mitreiter verteilen konnte. Trotz des schlechten Wetters hatten sich zahlreiche Zuschauer eingefunden, denn die Passion für den schönen Sport in Rot ist in allen Kreisen der Hersfelder Bevölkerung fest eingewurzelt.
* * *
-r- Fulda, 6. November.
Zur Hubertusjagd in Fulda hatte sich ein starkes Feld zusammengefunöen. Außer dem geschlossenen Offizierkorps des Feldartillerie-Regiments waren mehrere Herren der Umgegend der Einladung des Master, Oberstleutnant Landauer, gefolgt. Aus Hersfeld waren Herr Arnold Rechberg und Herr Hauptmann Weidermann erschienen. Die Jagd selbst, begünstigt durch herrliches Wetter, war eine selten interessante und abwechslungsreiche. Das Geläuf war in vorzüglicher Verfasfung und das Tempo ein sehr gutes. Unter den Sprüngen waren einige recht schwere Hochsprünge und sehr ordentliche Graben. Nach 6000 Meter wurde die Jagd zu einem Auslauf freigegeben. Am Halali konnte der Master Brüche an alle Mitreitenden verteilen, darunter einen an Frau vonderHardt, die als einzige Dame mit rücksichtslosem Schneid die ganze Jagd über ganz vorn am Felde gegangen war. Unter den Klängen des Trompeterkorps ging es durch die Straßen der alten Bischofstadt zurück, wo beim Hubertusmahl in den Räumen des Kasinos Oberleutnant K n e t s ch, der Sieger im Auslauf, das Hoch auf den Allerhöchsten Jagdherrn ausbrachte.
* (Wichtig für Schlafwagen reisende.) Schlafwagenreisende haben nach neuen Bestimmungen keinen Anspruch auf andere Plätze. Es bestehen jedoch keine Bedenken, dergl. Reisenden vorübergehend Plätze in D- Zugwagen zu überlassen, wenn in diesen freie Plätze vorhanden sind. Sollte indessen spater wieder Platzmangel eintreten, sind die Schlafwagen- reisenden aufzufordern, nunmehr ihre Plätze im Schlafwagen einzunehmen.
* (Verschriebene Postkarten.) Es ist bekannt, daß verschriebene Postkarten von der Post nmgetauscht werden, was als große Erleichterung im Postverkehr empfunden wird. Neuerdings ist von der Post zugelassen, daß Aenderungen an den Adressen und sonstige Radierungen auf Postkarten vorgenommen werden dürfen. Wenn man z. B. den Namen, die Firma oder den Bestimmungsort unrichtig geschrieben hat, kann man fortan das Geschriebene durchstreichen oder fortradiren und das Richtige niederschreiben. Auf diese Weise erspart man sich das Umtauschen der Postkarten, was die Post sich mit 1 Pfennig für das Stück vergüten läßt. Oft kommt es vor, daß man die Adressen auf Postkarten bereits niedergeschrieben hat und dann die beabsichtigte Textniederschrift unterläßt. Da ist die eingeführte Neuerung von großem Vorteil.
* (Der neue Oberpo st direktor.) Als Nachfolger des verstorbenen Oberpostdirektors Geh. Oberpostrats Hoffmann wurde Herr Postrat Bergener in Hannover zum Oberpostdirektor der Oberpost- direktion Cassel ernannt.
-g- Hersfeld, 7. November. Die neue Polizeiverordnung für den Regierungsbezirk Cassel über die Einreichung von Verzeichnissen der Hausarbeiter vom 30. Oktober 1913 (R. A. Bl. S. 361) verpflichtet alle Gewerbetreibenden, welche Hausarbeiter unmittelbar oder durch Zwischenpersonen beschäftigen, Verzeichnisse der Hausarbeiter gemäß dem Hausarbeitsgesetz vom 20. Dezember 1911 (R. G. Bl. S. 976) einzureichen. Verzeichnisse müssen einreichen : Gewerbeunternehmer, Leiter von Zweigstellen der Betriebe, soweit sie unmittelbar Hausarbeiter beschäftigen, Zwischenmeister für die von ihnen außerhalb ihrer Arbeitsstätte mit Hausarbeit beschäftigten Personen und die Ausgeber (Personen ohne eigene gewerbliche Arbeitsstätte) für diejenigen Hausarbeiter, welchen sie für Gewerbetreibende Hausarbeit übertragen. Die Verzeichnisse müssen die Familien- und Vornamen, Arbeitsstätte nebst Wohnung, Straße und Hausnummer, die genaue Art der Beschäftigung derjenigen Personen enthalten, welchen Hausarbeit übertragen wird oder durch welche außerhalb der Arbeitsstätte des Gewerbetreibenden die Uebertragung erfolgt. Die Verzeichnisse sind alljährlich nach dem Stande der Heimarbeit am 1. Mai und 1. November bis zum 15. Mai und 15. November dem zuständigen Gewerbeinspektor und der zuständigen Ortspolizeibehörde in je einer Abschrift einzureichen. Die Verzeichnisse sind ferner für jeden Stadt- und Landkreis gesondert anzulegen, die Namen sind nach den Gemeinden und innerhalb dieser alphabetisch aufzuführen. Die Polizeiverordnung ist sofort in Kraft getreten. Die Unternehmer mit Hausarbeitern haben die Verzeichnisse zum 15. November d. J. erstmalig einzureichen.
-b- Hersfeld, 7. November. Die Hersfelder Schützengesellschaft hielt am gestrigen abend in ihrem Vereinslokal im Hotel Stern eine außerordentlich gut besuchte Generalversammlung ab. Aus der Tagesordnung, welche glatte Erledigung fand, ist zu erwähnen, daß der Verein beschlossen hat, am 10. Januar im Kreise seiner Mitglieder und einiger Freunde im Hotel Stern eine Abendunterhaltung mit nachfolgendem Tänzchen zu veran- stalten.
-h- Jesberg, 6. November. Anläßlich seines 25= jährigen Bestehens verunstaltete der hiesige Gesangverein im Umbachschen Saale eineentsprechendeFeier mit gemeinschaftlichem Essen. Abends zogen die Sangesbrüder im Festkleid mit ihrer Fahne vor das Haus ihres langjährigen Dirigenten Herrn Lehrer Otto. Nach Vortrag des Liedes: „Mit dem Herrn fang alles an", zogen sie mit ihrem Dirigenten in den festlich erleuchteten Saal des Herrn Gastwirts Umbach. Hier ergriff Herr Schuhmachermeister Rimer, der Vorsitzende des hiesigen Gesangvereins, das Wort zu einer schönen Ansprache, in welcher er der verdienstvollen Tätigkeit des Herrn Lehrer Otto gedachte. Der Verein überreichte ihm ein schönes Geschenk.
Fulda, 6. November. Der Eisenbahnminister hat die Eisenbahndirektion Frankfurt mit der Vornahme der allgemeinen Vorarbeiten der Rhönbahn Fulda- Dipperz-Poppenhausen beauftragt. Die Beamten sind nunmehr bereits zur Absteckung der Bahnlinie Fulda-Dipperz-Pvppenhausen hier eingetroffen.
Eschwege, 6. November. Bei den heute mittag beendeten Stadtverordnetenwahlen in der dritten Abteilung siegte die Liste der bürgerlichen Kandidaten mit hundert Stimmen Mehrheit über die Sozial- demokraten. Es wurden gewählt: Professor Dr. Krull, Obertelegraphensekretär Harmony und Tischler- Lenz.
Cassel, 7. November. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich gestern abend gegen WJ Uhr in dem Hause Nr. 27 der Mühlengasse. Der dort wohnende 68jährige Invalide Carl Küster stürzte infolge eines Fehltrittes die steile Treppe hinab und fiel angeblich gegen einen auf dem Hausflur stehenden kleinen Leiterwagen. K. brach hierbei das Genick, so daß ein sofort herbeigerufener Arzt nur den alsbald erfolgten Tod feststellen konnte.
Heiligenstadt, 6. November. In Jlfeld ist der Rendant der Postkasse seit mehreren Tagen verschwunden. Da er die Kassenschlüssel mitgenommen hat, mußten die Geldschränke durch Schlosser geöffnet werden. Die Revision der Bücher hat größere Unregelmäßigkeiten ergeben. Man spricht von 100 000 Mk. Fehlbetrag. Die Staatsanwaltschaft hat die Sache in Händen.
Großalmerode, 5. November. Gegen den Gastwirt W. aus Giesenhagcn ist ein gerichtliches Verfahren im Gange, weil er seiner Zeit, wie der „Bote an der Loste" meldet, als Beamter der Lanöeskreöitkaste von ihm außer Kurs zu setzende Obligationen wieder in den Verkehr gebracht haben soll. W. ist flüchtig. Ueber sein Vermögen ist bekanntlich das Konkursverfahren eröffnet.
Hann.-Müuden,6. November. Heute früh erhielten 7 hiesige Bürger Briefe von einem hiesigen Journalisten, in denen ihnen dieser mitteilte, in dem Augenblick, in denen sie die Briefe läsen, weile er nicht mehr unter den Lebenden. Es liege eine Klage gegen ihn vor, die ihn zwinge, aus dem Leben zu scheiden. Tatsächlich war der Betreffende auch verschwunden. Er wurde aber wenige Stunden später in Hilwartshausen mit nassen Kleidern, aber lebend aufgefunden. Bei dem Versuch, in die Weser zu gehen, hatte er nicht den Mut gefunden, seinen Vorsatz aus- zuführen.
Gudensberg, 5. November. Eine eigentümliche Wilddiebsgeschichte, die des humoristischen Beigeschmacks nicht entbehrt, hat sich laut „Gudensb. Ztg." vor einigen Tagen in der Nähe des Mader Holzes ereignet. Ein Jagdpächter aus Cassel pirschte und überraschte zwei Wilddiebe, die mit dem Aufbrechen eines Rehes beschäftigt waren. Bei seinem Nahen ergriffen sie schleunigst die Flucht und ließen ihre Jagdbeute im Stich. Der Pächter brächte das Reh in den Wgld, legte zwei von ihm geschossene Hasen, seinen Rucksack und Mantel dazu und versuchte das Jägerglück weiter. Als er nach einiger Zeit nach dem Platze zurttckkehrte, war alles spurlos verschwunden. Die Gendarmerie wurde sofort benachrichtigt, doch ist es bisher noch nicht gelungen, Licht in diese Wilddiebs- und Spitzbubengeschichte zu bringen.
Göttingen, 6. November. Beim Spielen auf der Straße geriet gestern das zweijährige Töchterchen des Lehrers Woltmann in Parensen unter ein schweres Fuhrwerk und erlitt tödliche Verletzungen.
Hofheim i. T., 4. November. Um einer seltsamen Ursache willen hat hier der Arbeiter Scharmann seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Scharmann, ein leidenschaftlicher Kaninchenzüchter, hatte als solcher zahlreiche Preise auf Ausstellungen davongetragen. Neulich fanden seine Tiere nun keine Gnade vor den Preisrichtern einer Ausstellung. Das soll ihn so gekränkt haben, daß er sich im Kaninchenstall erhängte. Scharmann hinterläßt eine Witwe mit fünf Kindern.
Jlfeld a. Harz, 6. November. Seit einigen Tagen ist der hiesige Forstkassenrendant des Fürsten von Stolberg-Wernigerode, Voß, unter Mitnahme sämtlicher Kassenschlüssel spurlos verschwunden. Eine Kasten- revision hat ergeben, daß Voß größere Unterschlagungen begangen hat. Bis jetzt ist ein Fehlbetrag von annähernd 20 000 Mk. festgestellt. Die Revision wird durch unordentliche Buchführung sehr erschwert. Die Spur des Flüchtigen, der hier eine Familie mit 4 Kindern mittellos zurückläßt, ist noch nicht ermittelt. Vermutet wird, daß er nach Rußland geflohen ist.
Hanau, 5. November. Ein trauriger Unfall mit tödlichem Ausgang trug sich im Juni d. Js. in Sannerz (Kreis Schlüchtern) zu. Während die Maurer Adolf und Stephan Gärtner mit dem Reinigen des Bassins der Gemeindewasserleitung beschäftigt waren, stürzte eine 6 Zentner schwere Steinplatte, der Deckel des Bassins, welche von den Maurern auf die Kante des Wasserbehälters aufgestellt worden war, um und begrub den sich mit mehreren Spielkameraden an der Arbeitsstätte tummelnden 8 Jahre alten Sohn Gregor des Landwirts Wilhelm Eurich von Sannerz unter sich. Dem bedauernswerten Jungen wurden durch den nmstürzenden schweren Stein außer einem Beckenbruch innere Verletzungen zngefügt, die eine Verblutung im Gefolge hatten, an der er in den Armen des Vaters während des Transportes in das Fuldaer Landkrankenhaus verstarb. Die beiden Maurer, welche durch ihre Leichtfertigkeit großes Leid über eine Familie gebracht, wurden heute von der Strafkammer wegen fahrlässiger Tötung zu je 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Vertreter der Anklage hatte gegen jeden der Angeklagten 5 Monate Gefängnis beantragt.
Eisenach, 5. November. In der letzten Zeit sind verschiedentlich in Thüringen falsche 10 Markstücke angehalten worden, die mit besonderem Geschick angefertigt worden sind. Die falschen Geldstücke tragen das Bildnis des Königs Albert von Sachsen, das Münzzeichen E. und die Jahreszahl 1875. Die Stücke bestehen aus einer Goldlegierung im Feingehalt von etwa 745/1000 und sind in von einem echten Goldstück abgenommenen Formen gut abgegossen. Die Randarabesken sind nach dem Guß gefeilt oder eingestichelt. Die Falschstücke haben einen Wert von 6 Mk. 80 Pfg.