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^ssten und verschleiert das Auge, das durch seinen Blick schon die geistige Erkrankung verrät. Der König Zimmt nur unregelmäßig Nahrung zu sich. Es ist mehr Verschlingen als ein Esten. In einem Nebenzim­mer steht ein Tisch gedeckt. Das Tischtuch ist mit Eisen- klammern am Tisch befestigt. Trotzdem gelingt es manch­mal dem kräftigen Manne, es loszureißen mit allem,

klammern am

mal dem kräftigen Manne, es loszureißen mit allem, was darauf steht, um es in eine Ecke zu schleudert:.

Auch wahrend der Anwesenheit der beiden Abge- ^»^tt der Kranke, als er sich unbeobachtet

rasch in das Eßzimmer, um Tee zu trinken. Plötzlich bemerkt der begleitende Arzt: „Majestät wer- ^" Mirilhig und ersucht die Besucher, sich zu entfernen, ^euor sich die beiden umwenden, schleudert der Kranke das Tablett mit dem darauf stehenden massiven Geschirr — Porzellan usw. ist begreiflicherweise ausgeschlossen — cd unterhält sich dann damit, die

wuchtig in eine Ecke und unterhält sich dann damit, die einzelnen Stücke wieder aufzulesen und wieder zu schleudern. Sind es die unsichtbaren Feinde seiner Phan­tasiewelt, gegen die er sich wehren will? Dann besichti­gen die beiden Besucher die übrigen Räumlichkeiten, das Bad, die Schlafräume usw., und überall erhalten sie den Eindruck, daß auf das gewissenhafteste für das Wohl des Bedauernswerten gesorgt ist. Der Bericht schließt: Das war der Eindruck, den man im Königs- schloß erhielt, tief erschütternd, dauernd unvergeßlich, zum Mitleid zwingend, um so mehr, wenn man sich er­innert, daß es sich um das Schicksal eines Königs

Das Gutachten über den Znstarrd König Ottos, das den beiden Kammern des Landtags in geheimer Sitzung vorgelegt werden soll, besteht, wie die „Franks. Ztg." hört, aus zwei von psychiatrischen Autoritäten erstatteten Berichten von Ende Oktober und 1. Novem­ber dieses Jahres. Die Irrenärzte kommen auf Grund eingehend geschilderter Beobachtungen zu der Feststel­lung, daß König Otto an einem geistigenSchwächezustand mit lebhaften Sinnestäuschungen leide, der offenbar das Endstadium der unheilbaren Geisteskrankheit darstelle, die schon vor 42 Jahren zum Ausdruck gekommen sei und seitdem eine zunehmende Verschlimmerung erfahren habe. Das Gebiet, in dem sich die Vorstellungen des Königs bewegen, ist allmählich immer enger geworden. Der Kranke spricht nur selten noch zusammenhängende Worte. Langanhaltenöe stumpfe Ruhe wechselt mit kur­zen zornigen Gemütsaffekten. Die Nahrungsaufnahme geschieht unregelmäßig ohne Benützung von Tellern und Besteck. Der Sinn für Reinlichkeit ist gänzlich ge­schwunden und die Vornahme der notwendigen Waschungen ist mit großen Schwierigkeiten verbunden. Trotz alledem ist das körperliche Allgemeinbefinden des Kranken wenig gestört und feine Widerstandsfähigkeit derart, daß noch mit einer längeren Lebensdauer ge­rechnet werden muß.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Wie das Alter der Erde geschätzt wird. Für die geologische Zeit hat sich noch immer keine Uhr finden wollen, wahrscheinlich weil sie ein Zifferblatt und Zei­ger haben müßte, deren Maße über das menschliche Be­griffsvermögen hinausgehen. Die Geologen geben, wenn sie nicht sehr unvorsichtig sind, nur ganz oberfläch­liche Schätzungen für die Abschnitte der Erdgeschichte., wobei es auf eine Handvoll Jahrmillionen nicht an- kommt. Erst die wundersamen Enthüllungen der Ra- öiumforschung haben hier eine scheinbar zuverlässigere Grundlage geschaffen, wonach man das Alter verfchie- dener Gesteine der Erdkruste zu berechnen vermag. Ob diese Rechnungen auch stimmen, ist freilich eine Frage des Vertrauens. Von den geochemischen Mitteln, die zur Abschätzung des Erüalters benutzt worden sind, ist eine der gründlichsten dasjenige, das auf der Ansamm­lung von Kalkstein in den Gesteinen der Erde beruht. Danach ist das Alter der Erdkruste insgesamt auf we­nigstens 500 Millionen Jahre veranschlagt worden. Der beste Kenner des Vorkommens radiumhaltiger Mine­ralien in den Gesteinen, Professor Strutt, hat seine Ueberzeugung bescheiden dahin geäußert, daß man bis­her nur ein gewisses Minöestalter der Erde bestimmen könne. Die Biologen, die Erforscher der lebenden und ausgestorbenen Tier- und Pflanzenwelt, haben noch weniger Mittel, die AlterMusen der Erdgeschichte zah­lenmäßig einzuschätzen. Wenn man alles überschaut, was bisher an solchen Versuchen ausgeführt und ver­öffentlicht worden ist. so kommt man eben zu dem ent­mutigendem Ergebnis, daß die Wissenschaft in diesem Punkt nicht sehr viel weiter gekommen ist. Der Geologe freilich beunruhigt sich nicht sonderlich wegen dieser Un­zulänglichkeit seines Wissen, während der Laie bei je­der Gelegenheit, die seine Gedanken mit einem Ereignis der Erdgeschichte in Verbindung bringt, die Frage stellt, wieviel Jahre es wohl zurückliege. Der eche Natur­forscher wird alsdann mit mildem Achselzucken seine Unfähigkeit zur Beantwortung solcher Frage einge­stehen, denn er ist sich dessen bewußt, daß unendlich vieles für ihn unerklärbar bleibt, und daß es keine Schande für ihn ist, das einfach zuzugeben. Nur ganz im allgemeinen hat der Geologe eine gewaltige Vorstel­lung von der Dauer der Erdgeschichte, und die Schätzun­gen sind immer mehr an eine Milliarde von Jahren herangerückt.

Vermischtes.

Zusammenstoß zwischen Auto und Eisenbahn. Zwi­schen den Stationen Wildau und Königswusterhausen bei Berlin an der Görlitzer Bahn fuhr Mittwoch abend ein Automobil eines Warenhauses gegen einen Vorort­zug, nachdem es die heruntergelassene Schranke zertrüm­mert hatte. Das Automobil wurde völlig zertrümmert, der Eisenbahnzug erlitt starke Beschädigungen. Der Chauffeur und sein Begleiter wurden auf den Stratzen- damm geworfen und blieben wie durch ein Wunder un­verletzt. Der Gasbehälter an der Lokomotive geriet durch den Zusammenstoß in Brand. Die Fahrgäste des Zuges wurden zwar tüchtig durcheinandergerüttelt, blieben aber ebenso wie das Zugpersonal unverletzt.

Auszeichnungen für die deutschen Helfer bei der „Voltnrno"-Katastrophe. Das heldenmütige Rettungs­werk der Dampfer „Großer Kurfürst" und „Seydlitz" des Norddeutschen Lloyös gelegentlich der Katastrophe des „Volturno^ hat den Lloyd veranlaßt, den beteiligten Offizieren und Mannschaften besondere Auszeichnungen zukommen zu lassen. Der bisherige erste Offizier Span­genberg, der provisorisch das Kommando des „Großen Kurfürst" inne hatte, ist zum Kapitän ernannt worden. Die Offiziere, die die von den beiden genannten Damp­fern ausgesetzten Rettungsboote führten, haben ein Ge­schenk und sämtliche Bootsmannschaften der zwölf Ret­tungsboote beider Schiffe ein Monatsgehalt, außerdem die anderen am Rettungswerk beteiligten Leute, die an Bord des „Großer Kurfürst" und des „Seydlitz" ver­blieben waren, entsprechende Gratifikationen erhalten. Ferner sind jedem einzelnen der Bootsbesatzungen, den Matrosen, Heizern und Stewards, persönliche Dank- schreiben M ta» M LlsvS außWßtn,

T Ein „Schiffahrtsschreck". Im Hafen von Phila­delphia ist ein „Schifferfchreck" ausgebrochen, der eine sehr gefährliche Ursache hat. Allerdings handelt es sich hier nicht um wilde Tiere des Meeres, die den Schiffen und Schiffern gefährlich werden könnten, sondern um einen viel gefährlicheren Schreck. Ein seltsames Miß­geschick ist nämlich, wie erst jetzt bekannt wird und in Philadelphia große Unruhe hervorruft, vor kurzer Zeit bei der Probefahrt eines in Amerika gebauten chinesi­schen Kreuzers der Abnahmekommission zugestotzeu. Es ist nach Beendigung der Abnahmefahrten festgestellt worden, daß bei der kürzlichen Probefahrt des chinesischen Kreuzers „Fei Hung" ein abgefeuertes Torpedo ver­loren ging, das genügend Explosivstoff enthielt, um ein halbes Dutzend der größten im Hafen liegenden Handels­schiffe in die Luft zu sprengen. Unaufhörlich wird nach dem gefährlichen Projektil gesucht, von dem man ver­mutet, daß es irgendwo auf dem Grunde des Delaware River liegt. Die Probefahrt fand unter Aufsicht ver­schiedener Martneoffiizere statt und verlief zu ihrer voll­sten Zufriedenheit. Um die Torpedoröhren zu probieren, wurde ein Torpedo abgefeuert, das dann nicht wieder gefunden werden konnte. Inzwischen sind alle Hafenbe­hörden und die amerikanische Marineverwaltung eifrig am Werk, um das „durchgebrannte" Mordittstrument wieder einzufangen. Es gelingt bei diesem toten Gegen­stand aber ebensowenig, wie bei dem lebenden „Schreck" in der Steiermark.

Der Katechismus des jungen Geschäftsmannes. Der Präsident der Neuyorker Lincoln National Bank, Char­les Elliot Warren, der einst als junger Mensch ohne Vermögen und Beziehungen mit einem Wochengehalt von 20 Mark seine kaufmännische Laufbahn begann und heute als vielfacher Millionär und einflußreicher Finanz­mann in Amerika großes Ansehen genießt, hat vor kur­zem zu Nutz und Frommen aller angehenden Geschäfts­leute eine Art kleinen Katechismus aufgestellt. Wir ent­nehmen diesen interessanten Ratschlägen für die junge Generation nachstehende charakteristisch amerikanische Maximen: Strebe in deinem Berufe stets nach dem Höch­sten Posten. Jeder Lehrling und jeder Bureaujunge soll entschlossen sein, Präsident der Gesellschaft oder In­haber des Geschäftes zu werden, in dem er arbeitet. Es gibt nur wenige Menschen, die das nicht erreichen, was sie ernstlich und mit aller Kraft wirklich wollen. Küm­mere dich nicht um Beziehungen. Leistung und Arbeits­kraft werden dein Gehalt schneller erhöhen als die Pro­tektion der ganzen Welt. Halte dich nie zurück und warte nie auf die Hilfe anderer. Die anderen sind stets zu sehr mit sich beschäftigt, um sich mit dir abgeben zu können. Halte dir stets vor Augen, daß du tüchtiger sein mußt wie dein Kollege, wenn du die Spitze der Leiter errei­chen und behaupten willst. Nie können zwei Männer die gleiche Stellung bekleiden. Pünktlichkeit entartet nur allzuoft zur Durchschnittlichkeit. Wenn du Erfolg haben willst, mußt du die Pünktlichkeit überwinden können. Uhrenaufzieher besitzen keine Automobile. Latz dich nicht ablenken. Neid, Eifersucht und persönliche Gegnerschaft mögen dich bis zur Grenze des Erträglichen peinigen: aber laß dich nicht ablenken. Beginne alles mit Selbst­vertrauen. Fürchte dich nicht, Mißerfolg haben zu kön­nen. Selbst wenn du Mißerfolg hast, wirst du unend­lich viel daraus lernen. Spezialisiere dich. Der Spezta- list ist zehnfach mehr begehrt, als der Mann, der alles versteht und Handlanger bleibt. Der Spezialist bezieht ein Einkommen, der andere eine Löhnung.

Die Saccharinschmugglerin als — Kranken­schwester! Aus Feldkirch (Vorarlberg) wird gemeldet: Dieser Tage kam in der Grenzstation Buchs mit dem Nachtschnellzuge Zürich-Jnnsbruck-Wien eine Kranken­schwester an, die wegen ihrer außergewöhnlichen Körper- entwicklung den österreichischen Zollbeamten auffiel. Die „Krankenschwester" mußte sich daher in das gewisse Zimmer begeben und wohl oder übel die Leibesvisitation über sich ergehen lassen. Dabei stellte sich nun heraus, daß der Zollbeamte sich nicht geirrt hatte, denn der Ober­körper der Schwester war mit zehneinhalb Kilo Saccha­rin ausgestopft, das sich in einem eigenen Schmuggler­korsett befand. ,

Eine ungewöhnlich tüchtige Mutter heiratsfähiger Töchter und dabei eine sparsame Geschäftsfrau scheint die französische Bäckerswitwe Renee Valereis zu sein, der der Ehegemahl vor einiger Zeit starb, wenn man auch diesen so betätigten Tugenden wenig Geschmack wird abgewinnen können. Sie verstand es nämlich, die Todes­anzeige, auf der sie das Ableben ihres Gatten ankündigte, in höchst sinnreicher Weise mit einem Heiratsgesuch für eine noch nicht verehelichte Tochter zu verbinden. Damit aber noch nicht genug, empfahl sie in derselben Anzeige aufs wärmste ihr Geschäft den geehrten Kunden, und tat zugleich kund und zu wissen, daß sie es am 1. näch­sten Monats verlegen würde, da sie in der Miete ge­steigert würde. Diese vielseitige Todesanzeige, die tn mehreren französischen Blättern erschien, lautet folgen­dermaßen: Heute morgen wurde mein Gatte, unser treuer und liebevoller Vater, der Bäckermeister Henry Valereis nach schwerer Krankheit in ein besseres Jen­seits abberufen. Er hinterläßt außer einer trauernden Witwe noch zwei Töchter, von denen die ältere Helene verheiratet ist, während die jüngere Hortense im besten heiratsfähigen Alter steht und durch die Fürsorge ihres Vaters sich im Besitz einer guten Ausstattung befindet, die sie für jeden Mann zu einer begehrenswerten Gattin macht. Die Beerdigung findet am Sonntag statt. Die untröstliche Witwe Renee Valereis und die beiden Töch­ter Helene Dupont und Hortense Valereis. P. S. Das Geschäft wird von der Witwe ohne Unterbrechung fort­geführt werden, da durch tüchtige Hilfskräfte dafür gesorgt ist, daß die geehrten Kunden auch weiterhin zu ihrer größten Zufriedenheit bedient werden. Jedoch wird es am 1. nächsten Monats nach Rue de Midi 12 verlegt werden, da der Hauswirt die Miete ohne jeden Grund beträchtlich erhöht hat.

Aus dem Reiche der Technik«

Die größte Wasserleitung der Welt. In den nächsten Wochen, spätestens Anfang Dezember, wird in Amerika ein neues gigantisches Meisterwerk der Jngenieurkunst vollendet sein, die große neue Neuyorker Wasserleitung, die einstweilen den Ruhm beansprucht, die größte Was­serleitung der Welt zu werden. Aus den fernen Cats- kill-Bergen wird in einem mächtigen Rohre von 17 Fuß Durchmesser das Wasser über eine Strecke von 127 eng­lischen Meilen nach der Metropole am Hudson geleitet werden. Das „Catskill-Aquadukt" wird als Leistung der Technik von vielen Fachleuten sogar höher bewertet, als der Panamakanal, wo eigentliche schwierigere technische Probleme nicht zu bewältigen waren und die Bedeutung der Leistung mehr in der entfalteten Tatkraft der Letter und in der kühnen Finanzierung liegt. Beim Bau der Neuyorker Wasserleitung aber mußten ganze Bergketten durchstochen, Flüsse unterminiert, tiefe und breite Täler überwunden und schließlich ganz Neuyork unterirdisch durchquert werden. Wenn in dem Haupt-Reservoir in den Catskill-Bergen das erste Wasser abgelassen wird, werden drei Tage vergehen, bis die Flut in ihrer Röhre die Reise nach Neuyork zurücklegt. Die Leitung wird täglich 500 Millionen Gallonen Wasser abzugeben Haben- für besondere Fälle. große Brände usw. siebt noch eine

Reserve von 900 Millionen Gallonen zur Verfügung. Das Ashakan-Reservoir, in dem die Hauptmenge des Wassers abgestaut wird, ist mitten in den Catskill-Ber- gen errichtet, bedeckt eine Fläche von 8180 Acres und vermag 132 000 Millionen Gallonen Wasser aufzuneh- men. Der Bau dieses Reservoires erforderte rund 75 Millionen Mark- 7 Dörfer mußten vom Erdboden ver­schwinden, mehr als 2000 Menschen waren genötigt, ihre Wohnstätten aufzugeben, Dutzende von Meilen weit waren Bahnkörper zu beseitigen, Straßen zu verlegen, neue Brücken zu bauen. Der durch die Felsen im Neu­yorker Boden gehende Tunnel hat eine Länge von 34 englischen Meilen und gilt als der größte der Welt. Die Gesamtkosten der Wasserleitung erreichen rund 710 Mil­lionen Mark, und sieben Jahre lang war ein Arbeiter­heer von weit über 17 000 Köpfen Tag für Tag am Werke, um die Riesenaufgabe zu bewältigen.________

Die Opfer der Katastrophe von Melan.

Bis Mittwoch abend wurden aus den Trümmern der Eisenbahnwagen noch weitere sieben Leichen hervor- gezogen, sodaß im ganzen bisher vierzig Leichen ge, borgen sind. Man befürchtet, daß sich unter den Trüm­mern noch mehr Tote befinden.

Um 7 Uhr abends dauerten die Bergungsarbeiten unter dem Scheine von Azethylenlampen noch an. Ver­mittels eines Hebekranes gelang die Hebung des Tenders der Schnellzugslokomotive, unter dem mehrere Leichen lagen. Nach unendlicher Miche gelang es den Soldaten, alle Opfer des Eisenbahnunglücks aus den Trümmern zu bergen.

e» neuestes vom Cage.

Der Franenmord in Berlin aufgeklärt.

Berlin, 6. November. (B. Z.) Die an der Waisenbrücke aufgefundene Leiche ist als die der im Jahre 1883 geborenen Frieda Gerlach aus Neudamm festgestellt worden, die mit dem Schlosser Julius Hodske zusammenlebte. Dem Verhältnis waren zwei Kinder entsprossen. Die Gerlach stand unter Sittenkontrolle. Nach den Angaben Hodskes hat sich die Gerlach in der Nacht zum 27. Oktober aus der Wohnung entfernt und ist nicht zurückgekehrt.

Ein Jagdausflug des Kaisers.

te^ Berlin, 6. November. (B. Z.) Morgen nach­mittag 4^ Uhr wird der Kaiser von Station Wildpark aus zur Jagd nach Königs-Wusterhausen fahren. Er wird dort auch an der Abendtafel und einem Bier- und Rauchabend teilnehmen. Als Gast des Kaisers nimmt der König der Belgier an der Jagd teil.

Geheimnisvolle Vergiftungsaffäre.

o-*> Coburg, 6. November. (B. Z.) Wie gemeldet, waren vier Schwestern des Landwirts Vaelker, die bet ihm zu Besuch weilten, unter schweren Vergiftungser- scheinungen erkrankt. Drei der Frauen waren gestorben. Jetzt sind auch noch der Landwirt Georg Btiraer und dessen Bruder und der Wirtschaftsgehilfe Kahnselder offenbar an Vergiftung gestorben. Die im Landkranken­hause befindliche vierte Schwester liegt lebensgefährlich erkrankt darnieder. Die Ursache der Vergiftung ist noch nicht aufgeklärt.

Der Beihilfe zur Militärhinterziehung augeklagt.

^ Wien, 6. November. Wie eine Korrespondenz aus Krakau meldet, ist der ehemalige Reichsratsabge­ordnete Scponder wegen Beihilfe zur ungesetzlichen Aus­wanderung verhaftet worden. Bei seinem Verhör wollte er sich mit einem Messer die Kehle durchschneiden, konnte aber noch rechtzeitig daran gehindert werden.

Todesurteil gegen einen Lnstmörder.

&-# Glast, 6. November. Das Schwurgericht verur­teilte den Bäckergesellen Mar Weigelt aus Zadel (Kreis Frankenstein) wegen Ermordung der sechsjährigen Ma­rie Kirchner zum Tode und wegen eines Sitttlchketts- verbrechens zu zwei Jahren Zuchthaus.

Ein Fall von Beulenpest tn Triest.

«^ Triest, 6. November. Der Verlader des Damp­fers „Sophie Hohenberg,, der Austria-Linie namens Plaspelez ist nach viertägiger Krankheit gestorben. Die Obduktion ergab Beulenpest. Es wurden sofort alle er­forderlichen Maßnahmen getroffen.

Riesenanssperrnng in Dänemark.

e-^ Kopenhagen, 6. November. Wegen Nieder« legung der Arbeit in verschiedenen Gewerben hat der dänische Arbeitgeberverein die Aussperrung von etwa 30 000 Arbeitern beschlossen, die nach etwa 14 Tagen in

Kraft treten soll. , , __

Russisch-französische Vorstellung bei der Pforte.

^ Paris, 6. November. Nach einer offiziösen Mel­dung haben die Regierungen Frankreichs mi& Rußlands auf Ersuchen Griechenlands in Konstanttnopel nachdrück­liche Schritte unternommen, um die Türkei zu veran­lassen, sich gegenüber Griechenland versöhnlicher zu zei­gen, damit die durch Abbruch bedrohten Verhandlungen in normaler Weise fortgeführt werden können.

Ein Güterbahnhof niedergebrannt.

Bordeaux, 0. November. (B. Z.) Der Güter­bahnhof der Companie Orleans ist gestern abend ein Raub der Flammen geworden. Das Feuer fand im Lagerhause unter den Waren reiche Nahrung. Der Scha­den ist beträchtlich.

Brand eines Armeearsenals.

Bnkareft, 6. November. Gestern abend entstand in der Holzabteilung des Armeearsenals ein Brand. Das Feuer verbreitete sich rasch. Die Gefahr liegt vor, daß das Pulver- und Dynamitdep tzer Teil der Stadt ist durch

vt sich entzündet. Ein gro- den Riesenbrand hell be-

leuchtet.

Die amerikanische Flotte vor Beracrnz.

Washington, 6. November. Der Schnellspäher- kreuzer „Ehester" hat Befehl erhalten, nach Veracruz in See zu gehen. Wahrscheinlich wird er a s Depeschenboot zwischen den amerikanischen Schlachtschiffen und Tam- pico fungieren. Er hat die stärkste funtentelegraphische Anlage der gesamten amerikanischen Flotte. Nach der Ankunft des Kreuzers in Veracruz wird eine Verbin­dung mit Washington hergestellt werden. Bor Vera- cruz liegen jetzt vier amerikanische Panzerkreuzer, ein Kanonenboot und ein Hilfsschiff.

Veracruz, 6. November. Das deutsche Schlacht­schiff Hertha hat den Hafen verlassen, nachdem der Kreu­zer Bremen dort eingetroffen ist. Bremen wird bis auf weiteres in Veracruz bleiben.__

Bandei und Verkehr«

Kartoffelpreise. Nach der vom Deutschen Land- wirtschaftsrat veröffentlichten Uebersicht über die ge­zahlten Preise an 21 inländischen Märkten wurden nach Angahe der Kartoffelhändler Ende Oktober gezahlt für Etzkartoffel weißfleischige rote Daber 1,50—2,25 X andere rote Sorten 1,40—2,40 X Magnum Bonum 1,40 bis 2,40 X und weiße runde 1,50—2,40 X für gelb­fleischige 2,00—2,40 X Futter- und Brennware, wie sie das Land liefert, wurde bezahlt mit 1,10—1,60 JL für rote Daber, 1,10—1,60 ä für andere rote Sorten und 0,90—1,60 JL für weiße Sorten. Die höchsten Preise für Ehkartosfeln wurden in Saarlouis mit 2—2,40 X die niedrigsten in Berlin mit 1,40—1,85 ^ bezahlt.