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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^A^ für den Kreis Hersfeld

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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-5lnschlutz Nr. 8

Nr. 150. Donnerstag, den 6. November 1913.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Hus der Heimat«

Wann kommt der Winter?

Die Allgemeinheit dürfte heute schon fy weit unterrichtet sein, daß die den Jahreszeiten eigenen Witterungsvorgänge sich nicht dann unbedingt ein­stellen müssen, wenn die entsprechende Zeit gekommen ist, sondern daß diese abhängen von einer entsprechenden Gestaltung der Wetterlage. Unter Wetterlage ver­steht man die Verteilung des Luftdruckes über einem möglichst großen Gebiete. Will man heute versuchen, festzustellen, ob Schnee oder Frost bald eintreten, so wird man für die Beantwortung dieser Frage in erster Linie die Wetterlagen zu Rate ziehen müssen. Die ersten Fröste kommen aus dem Osten, die ersten Schneefälle aus dem Nordosten. Diese Tatsache hängt damit zusammen, daß sich große Länderstrecken viel rascher abkühlen als die Meere. Das russische Fest­land zeigt also viel früher Frosterscheinungen als der Atlantische Ozean, wenn es auf letzterem in feiner ganzen Ausdehnung zu solchen überhaupt kommen könnte. Die Ostsee ferner kühlt sich intensiver und früher ab als das offene Meer. Entstammt nun der Wind, der uns trifft, dem Russischen Reiche oder gar dem asiatischen Kontinent, so bringt er uns um die Jetztzeit die dort herrschenden Temperaturen. Das gleiche gilt, wenn der Wind von der Ostsee oder vom Norden her über diese hinweggeht. Dann ist die Luft kühl, aber mit einer entsprechenden Menge Feuchtigkeit beladen, die sich bei uns, insbesondere bei dem Ausstieg nach dem Gebirge zu, als Schnee ausscheidet. Für den Eintritt der ersten Tagesfröste und der ersten Schneefälle sind also besondere Wetter­lagen bestimmend. Wenn man zunächst untersucht, ob nach dem früher Gesagten Frostbildung überhaupt möglich ist, d. h. ob Rußland überhaupt schon Frost besitzt, so gelangt man durch die russischen Wetter­karten zur Ueberzeugung, doß dort schon seit etwa 8 Tagen Temperaturen bis zu 10 Grad Celsius unter Nnll zu beobachten sind. Diese tiefen Temperaturen ziehen sich bis nach Jnnerrußland herab. Der Westen des genannten Reiches zeigt erst in den letzten Tagen Fröste. Was die Stationen an der Küste der Ostsee anbelangt, so hat auch hier die Temperatur in den letzten Tagen einen starken Rückgang gezeigt. Wenn auch das Meer selbst eine tiefe Temperatur noch nicht erreicht hat, so besitzt doch die Nordküste bereits Kältegrade. Nach alledem ist es heute schon möglich, daß Schnee und Frost bei uns eintreten. Ent­scheidend hierfür ist also nur noch die Wetterlage, das heißt also die entsprechende Lage von Hoch und Tief. ___________

):( Hersfeld, 5. November. Im Monat Oktober wurden durch das hiesige Landratsamt 29 I a h r e s - jagdscheine und 4 Tagesjagdscheine ausgestellt.

-e- Hersfeld, 5. November. Im Saale der Lullusquelle hielt gestern abend der H e r s f e l d e r Hausbesitzervereinseine diesjährige Jahres- Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Wilhelm Heil, eröffnete gegen 9 Uhr die Versammlung. Punkt 1 der Tagesordnung betraf die Rechnungs­ablage, welche durch den Kassierer Herrn Adam Sander erstattet wurde. Die Rechnung wurde geprüft und dem Kassierer Entlastung erteilt. Wegen Neuwahl des Vorstandes beschloß die Versammlung den seitherigen Vorstand noch bis nach den Stadt­verordnetenwahlen zu belassen und erst in einer späteren Generalversammlung darüber zu beschlreßen. Eine längere Debatte verursachte der nächste Punkt betr. Besprechung über die bevorstehenden Stadt- verorönetenwahlen. Schließlich wurde eine Kommipion, die aus dem Vorstand und 5 weiteren Herren bestand, gewählt, welche sich mit der Kandidatenfrage zu den Stadtverordnetenwahlen Besassen soll. Herr Gerichts­vollzieher Becker fragt an, ob es auf Wahrheit beruhe, daß die beiden Beigeordneten unserer Stadt, die Herren Auel und Hrch. Gesing, ihre Aemter Niedergelegt hätten, welche Gründe dazu vorlägen und bejahendenfalls welche Stellung der Hausbesitzer­verein hierzu nehmen wolle. Herr Becker gab der Meinung Ausdruck, daß bei den Stadtverordneten mit allen Kräften daraufhin gewirkt werden müsse, daß die beiden Herren wiedergewählt würden. Die Versammlung beschloß, die Angelegenheit aufmerksam zu verfolgen. Als Delegierte zu dem am 23. November in Fulda stattfindenden Verbandstag der Haus- und Grundbesitzervereine wurden die Herren Wilhelm Heil und Wilhelm Gutheil gewählt. Nach Mitteilung einiger geschäftlicher Angelegenheiten wurde die Versammlung gegen 12 Uhr geschlossen.

-n- Hersfeld, 5. November. Einen auserlesenen Kunstgenuß bot das am Montag abend stattgefundene erste Abonnementskonzert des hiesigen Chorvereins. Dasselbe fand vor einem aus­verkauften Hause statt und bedeutete für den streb­samen Verein einen durchschlagenden Erfolg. Das Programm des Abends wurde durch Fräulein Edith von Vogtländer-Berlin (Violine), Herr Professor Albert Fischer-Sondershausen (Baß-Bariton) und Herrn Alfred Fischer-Hersfeld ausgeführt. Fräulein von Vogtländer, eine Berühmtheit in der musikalischen Welt, zeigte eine ganz hervorragende Technik und verstand durch ihr meisterhaftes Spiel die Zuhörer vollständig zu fesseln. Der reiche Beifall, der ihr Spiel lohnte, ließ die Künstlerin noch eine Zugabe machen, durch welche sie ihre zahlreichen Zuhörer aufs neue entzückte. Ueber ein ganz vortreffliches Stimm- material verfügte Herr Professor Albert Fischer, der es meisterhaft verstand, seine Vorträge ausdrucksvoll zu gestalten. Auch ihm wurde reicher Beifall gezollt. Herr Alfred Fischer, unser einheimischer schon so oft bewährter Künstler, zeigte sich auch an diesem Abend wieder all den schwierigen Aufgaben, die ihm durch seine Begleitung gestellt waren, voll und ganz gewachsen. Als Solist konnte man an ihm wiederum seine meisterliche Ausführung' bewundern. Der stürmische Beifall am Schlüsse seiner Darbietungen veranlaßten Herrn Fischer noch zu einer Zugabe.

):( Hersfeld, 5. November. Ueber die am Sonntag den 9. November hier gastierenden Beizers- Leipziger Sänger schreibt die Nordh. Allg. Ztg.: Beizers Original Leipziger Sänger gaben gestern abend im großen Spangenbergsaale ihren ersten humoristischen Abend bei ausverkauftem Hause. Auch gestern kamen alle Besucher wieder reichlich auf ihre Kosten, und da die Stärke der Leipziger in der Haupt­sache auf humoristischem Gebiete liegt, so waren die Lachmuskeln den ganzen Abend in Tätigkeit. Nach dem üblichen Eröffnungspotpourri aus den neuesten Operetteuschlagern führte sich Herr Lorenz mit seinen aktuellen Vorträgen aufs beste ein. Sehr gut waren die Charaktertypen des Herrn Paul, und Herr Brauer hatte mit seiner SoloszeneDer Arbeitsscheue" und den folgenden Zugaben die Lacher auf seiner Seite. Der beliebte Damen- Imitator Herr Arp bot wieder einmal im Vortrag wie in Kostümen etwas ganz be­sonderes und hatte hier wie später im Verein mit Herrn. Beizer (Der kleine dicke Nante mit seiner langen Tante" usw.) stürmischen Erfolg. Das Beste des Abends waren die beiden SchwänkeDer fliegende Freier" undDie Rache der Künstlerin", die infolge ihres vorzüglichen flotten Spieles und der tollen Verwechslungen wahrhaft zwerchfellerschütternd wirkten. Heute findet der zweite humoristische Abend im selben Lokale statt. Wer einmal recht herzhaft lachen will, verfehle nicht, ihn zu besuchen.

Rotenburg, 4. Nov. Von einer geheimnisvollen Verhaftung erzählt man sich hier. Am vorigen Donnerstag Mittag trafen im Automobil ein Herr und eine Dame hier ein und kehrten in einem hiesigen Gasthofe ein. Fast zu gleicher Stunde wurde die Polizei telephonisch von Gaffel darauf aufmerksam gemacht und um sofortige Festnahme der Reisenden ersucht. Das geschah und alsbald erschien ebenfalls im Kraftwagen ein Casseler Kriminalbeamter. Das Paar mußte nunmehr im Wagen des Kriminalbeamten trotz heftigen Widerstrebens mit nach Cassel zurück. Ueber den Vorfall wird strenges Schweigen beob­achtet, doch soll es sich um die Unterschlagung eines bedeutenden Geldbetrages handeln.

Dorndorf (Rhön), 4. November. Auf dem hiesigen Bahnhöfe wurde dem Maschiuenputzer Kirchner aus Vacha von einer Maschine ein Bein abgefahren. K. war mit einem Zuge von Vacha hier eingetroffen, um nun zu seiner Arbeitsstätte zu gelangen, ging er, statt der Strecke entlang, über die Geleise. Von einer daherkommenden Rangiermaschine wurde K. rückwärts erfaßt, zu Boden geworfen und ihm ein Bein abge­fahren. An dem Aufkommen des Verletzten wird ge­zweifelt. K. ist Mitte der 60er Jahre und bereits über 34 Jahre im Bahndienst.

Cassel, 4. November. Heute nachmittag gegen 4 Uhr ereignete sich im Hause Cölnische Straße 52 C eine schwere Gasexplosion. Installateure hatten die Gasleitung durch elektrische Drähte ersetzt und dabei vergessen, die Gasleitung durch Stopfen zu verdichten, sodaß das Gas ausgeströmt war. Als nun Verwandte der Inhaber der Wohnung, eines jungen, anf der Hochzeitsreise befindlichen Paares, die Wohnung be­traten, um die Möbel einzuräumen, verspürten sie einen starken Gasgeruch und benachrichtigten den Hauswirt. Dieser betrat mit einem brennenden Licht die Wohnung, worauf die Explosion erfolgte, und zwar mit solcher Gewalt, daß sämtliche Möbel stark beschädigt wurden und die Decke einstürzte. In der

Küche wurden außerdem die Wände verschoben und fast alle Fensterscheiben des Hauses zersplittert. Der Hauswirt Hildner wurde schwer verletzt.

Hann. Münden, 3. November. Ein verwegener Einbruchsdiebstahl ist gestern nacht in dem Geschäfts­lokal der Gebrüder Schleimer in der Langestraße ver­übt worden. Die Diebe drangen durch die Flurtür, die doppelt verschlossen war, ein und räumten in dem Damen-Konsektionslager auf. Im ganzen wurde für etwa 1800 Mark Ware gestohlen. Auch für 18 Mark Rabattmarken hießen die Diebe mitgehen.

Gemünden, 3. November. Der 7jährige Knabe eines Dienstknechts aus Haina wollte auf ein Pferd steigen, fiel zu Boden und erhielt vom Pferd einen solchen Schlag, daß er schwere innere Verletzungen erlitt, die seine Ueberführung nach Marburg not­wendig machten.

Duderstadt, 4. November. Der Dachdeckerlehrling Robert Heine aus Bilshausen war an einem Hause der Paulinenstraße in Lage mit Reparaturarbeiten beschäftigt. Durch einen Fehltritt stürzte er in die Tiefe. Er blieb mit zerschmettertem Körper tot liegen.

Salmünster, 4. November. In den Blättern wurde dieser Tage berichtet, daß die Stadt Bad Orb, die 70 Prozent Gemeindesteuer erhebt, die geringste Ge­meindeumlage von den Städten der Provinz benötige. Das dürfte nicht zutreffen. Die Stadt Salmünster erhebt nämlich gar keine Gemeindesteuer, sie erhebt nur 38 Prozent Kreissteuer, allerdings unter dem Namen Gemeindesteuer. Der Bestand der Stadt­waldungen, aus deren Erträgen Salmünster seine Ausgaben deckt, ist so günstig, daß von einem Ueber- hauen auch dann nicht die Rede sein könnte, wenn die Nutzung um einige Prozent gesteigert würde. So dürften selbst bei größeren Mehrausgaben der Stadt die Bewohner von einer Gemeindesteuer ver­schont bleiben.

Hanau, 3. November. Der angeblich etwa 43= jährige Kaufmann Wilhelm Uhland aus Bissingen a. ö. Ems, der sich hier seit etwa 4 Wochen einlogiert hatte, ist plötzlich spurlos verschwunden. Unter seinem zurückgelassenen Gepäck hat die Polizei auch einige hundert Briefe gefunden, aus denen ersichtlich ist, daß sich Uhland anscheinend mit Warenschwindeleien in großem Umfange befaßt hat, indem er sich Muster­sendungen kommen ließ, die er dann veräußerte. Weiter geht aus den hinterlassenen Papieren hervor, daß er auch wegen Vergebung von Stellungen gegen Kaution in auswärtigen Zeitungen fleißig inseriert hat.

Frankfurt, 3. Nov. Die Millionenstadt Frankfurt, die den drittreichsten Deutschen in ihren Mauern hat (Baron Max von Goldschmidt-Rothfchild) wird das hübsche Sümmchen von 25 Millionen Mark als einmaligen Beitrag zur Wehrsteuer nach Berlin schicken.

Arnstadt, 4. November. Die Stadt Arnstadt war, wie dieDorfztg." mitteilt, gezwungen, Grund anzu- kaufen, und erwarb auch mehrere Grundstücke zum Preise von 2,50 bis 3. Mk. für den Quadratmeter. Ein Besitzer aber forderte 60 Mk. für den Quadrat­meter und diesem schrieb der Magistrat, er beweise mit seiner hohen Forderung, daß sein Nationalstolz und sein Nationalgefühl sehr viel geringer seien als dies in der Bürgerschaft Arnstadts allgemein der Fall sei. Daraufhin wurde der Bürgermeister, der das Schreiben unterzeichnet hatte, wegen Beleidigung zu 30 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Meiningen, 3. November. Ein hiesiger Unter­offizier befahl, weil die Leute angeblich zu langsam zum Empfang des Essens angetreten waren, auf die Stube zurückzukehren und schneller treppab zu laufen. Um seinen Befehl jedenfalls eindringlicherund wichtiger zu machen, zog er, wie berichtet wird, das Seiten­gewehr. Hierbei übersah der Unteroffizier, daß hinter ihm auch noch ein Mann war. Er stieß diesem mit der Waffe das eine Auge aus.

Gotha, 3. November. Wie bestimmt verlautet, kommt die Aktiengesellschaft für Bau einer Luftschiff­werft Ungerscher Stahlluftschiffe nunmehr zustande. Der Herzog Karl Eduard von Coburg-Gotha stellt Bauplatz und Flugfeld bei Coburg frei zu Verfügung und übernimmt das Protektorat, die deutsche Stahl- und Großindustrie gibt zum Bau des ersten Luft­schiffes dieses Typs das Material umsonst, und das Kricgsministerium hat einen Vertrag mit der Gesell­schaft abgeschlossen, demzufolge es Gasfüllungen zu den ersten Versuchen und Mannschaften zu den Werk- stättenflügen stellt.

Wetterausfichten für Donnerstag den 6. November.

Trübung, regnerisch, keine Temperaturverände rung, westliche Winde.