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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^D^ für den Kreis Hersfeld SnsWer Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Telle 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 149. Mittwoch, den 5. November 1913.

Hus der Heimat.

* (Schutz den Ob st bäumen!) Gegen den Frostspanner, Apfelblütenstecher, Apfelwickler, und wie die Schädlinge unserer Obstbäume alle heißen, muß jetzt energisch vorgegangen werden. Der Frost­spanner ist ein Nachtschmetterling, der von November bis Dezember seine heimliche Arbeit verrichtet, indem er die Eier an die Zweige der Obstbäume ablegt, die kleinen Tierchen schlüpfen dann im Frühling aus, vernichten die Blüten oder die späteren Früchte. Das Weibchen kann nicht fliegen und krabbelt nun an dem Stamm empor, daher ist es eine Leichtigkeit, die eier- legenden Weibchen wegzufangen. Um den Stamm des Baumes legt man einen wasserdichten Gürtel aus Pergament- oder anderem Papier und bestreicht ihn ö.ick mit Brumataleim. Der Raupenleim muß erneuert werden, falls er nicht mehr genug klebt. Die Frost­spannerweibchen bleiben am Klebegürtel festhängen. Im Januar nimmt man diese ab und wird über die stille der gefangenen Tierchen verwundert fein. Die Gürtel werden dann sofort verbrannt. Der Kalk­anstrich der Obstbäume wird heute nicht mehr so viel angewandt wie in früheren Jahren; er soll den Unter­schlupf für tierische Schädlinge begünstigen, da die Risse und Schrammen, in denen die Larven sich be­finden, durch den Kalküberzug gedeckt sind. Moose und Flechten werden allerdings durch den weißen Anstrich gut vernichtet. Junge Bäume mit glatter Rinde können den Anstrich aber nicht entbehren, da­durch werden sie bekanntlicherweise gegen Frostrisse geschützt. Wer sich die geringe Mühe mit Anlegen von Klebegürteln einmal gemacht hat, freut sich über tadellose, wurmfreie Früchte-Exemplare.

* Die Wiedereinführung des Post - an kunfsstempels kann nicht i n A u s s i ch t gest eilt werden, so hat das Reichspostamt auf eine erneute Eingabe des Deutschen Handelstages und anderer Interessenten entschieden. In der Ein­gabe hieß es: Abgesehen davon, daß sich nach Weg­fall des Ankunftsstempels Verzögerungen in der Briefbestellung schwer nachweisen lassen, wird auch der Rechtsverkehr in häufigen Fällen dadurch be­troffen, weil der Postankunftsstempel früher als Beweismittel herangezogen wurde.

§ Hersfeld, 4. November. (Die Straflosig­keit für frühere falsche Steuerein­schätzungen.) Der Wortlaut des § 68 des Wehr­beitragsgesetzes, der bekanntlich bei der jetzt er­folgenden Einschätzung zum Wehrbeitrag den sogenanntenGeneralpardon" für bisherige Steuer­sünder erteilt, lautet:Gibt ein Beitragspflichtiger bei der Veranlagung zum Wehrbeitrag oder in der Zwischenzeit seit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes bei der Veranlagung zu einer direkten Staats- oder Gemeindesteuer Vermögen oder Einkommen an, das bisher der Besteuerung durch einen Bundesstaat oder eine Gemeinde entzogen worden ist, so bleibt er von der landesgesetzlichen Strafe und der Verpflichtung zur Nachzahlung für frühere Jahre frei." Der § 68 bestimmt also absolute Straffreiheit für frühere falsche Einschätzungen.

):( Hersfeld, 4. November. Einen außergewöhnlich frechen Einbruchsdieb stahl vollführten am gestrigen Nachmittag zwei fremde Arbeiter, die kurze Zeit hier beschäftigt waren. Als dieselben am Sonn­abend von ihrem Arbeitgeber entlassen waren, benutzten sie den Sonntag, um das noch vorhandene Geld in Flüssigkeiten umzusetzen. Am gestrigen Montag nun gingen sie darauf aus, sich wieder mtt frischem Gelde zu versorgen und begaben stch zu dresem Zweck in ein Haus am Marktplatz, wo sie auf dem Boden einen Kleiderschrank erbrachen und stch hier erst mit Anzügen, einem neuen Paletot usw. versahen. Ein im Anzug vorgefundenes Portemonnaie mit einigen 30 Mark Inhalt betrachteten die Gauner als willkommene Beute. Die gestohlenen Sachen wurden angezogen und das Haus seelenruhig verlassen, obwohl ihnen auf der Treppe noch der rechtmäßige Eigentümer begegnete. Da in dem betreffenden Hause gerade bauliche Veränderungen vorgenommen werden, so hatte man auf die beiden Spitzbuben kein besonderes Augenmerk. Als man einige Zeit darauf den Diebstahl bemerkte, stellte die Polizei sofort eingehende Nach­forschungen an. Hierbei fiel ihnen ein besonders wohlbeleibter Mann auf, der jedoch bei näherer Be­trachtung nicht weniger wie drei Anzüge auf dem Leibe trug, davon außer seinem eigenen zwei von den gestohlenen. Leider war der andere Spießgeselle bereits mit dem gestohlenen Gelde entkommen. Der eine Täter wurde in Haft genommen und dem hiesigen Amtsgerichtsgefängnis eingcliefert.

Homberg, 3. November. Aus Leichtfertigkeit spielte heute hier ein neunjähriger Knabe mit einem ge­ladenen Revolver, hielt auf einen fünfjährigen Knaben

und schoß ihm eine Kugel in die Brust. Schwerverletzt wurde dieser in die Anstalt Hephata überführt, wo er nach kurzer Zeit verstarb.

Von der Edertalsperre, 1. November. Mit dem Bau der Zentrale für Elektrizität bei Hemfurth ist auch die Herstellung eines Weihers notwendig ge­worden. Dieser solldas Wasser, welches zur Bereitung der elektr. Kraft verbraucht wurde, für die Schiffahrt in der Weser aber noch nicht nötig war, wieder auf­nehmen. Zugleich wird dadurch der Inhalt des großen Staubeckens noch vermehrt. Das von dem Talsperren­bauamt von Hemfurth ausgearbeitete Projekt hat die Genehmigung des Ministers gefunden, und der Weiher wird zwischen Affoldern und Hemfurth ange­legt werden. Die Bausumme soll zirka 250 000 Mk. betragen. Bei Affoldern wird eine neue Ederbrücke erbaut, deren Kosten auf 40 000 Mk. veranschlagt sind.

Cassel, 4. Oktober. Das schöne Wetter, das in der letzten Zeit herrschte, war Veranlassung, daß ein Be­such der Kaiserin auf Wilhelmshöhe noch für die Herbsttage vorgesehen wurde. Die Räume des Schlosses sind daher seit kurzem dem Publikum nicht mehr zu­gänglich, sie werden vielmehr für einen Aufenthalt der Kaiserin für etwa drei Wochen hergerichtet. Die Ankunft der hohen Frau, die von dem Prinzen Joachim begleitet sein wird, ist vorläufig auf nächsten Freitag festgesetzt worden.

Caffel, 3. November. Die 12 000. Lokomotive aus der Lokomotivenfabrik von Henschel u. Sohn wird gutem Vernehmen nach im nächsten Monat an die preußisch-hessische Staatseisenbahngemeinschaft zur Ablieferung kommen. Eigentlich ist schon die Nr. 12 400 in Arbeit; indessen verzögerte sich die Fertig­stellung der Lokomotive mit der Nr. 12 000 etwas und so gelangt diese erst im Dezember zur Ablieferung.

Caffel, 3. November. Das Urteil des Schwur­gerichts Cassel gegen den Ingenieur Alfons Fell aus Berlin lautete wegen Betrugs auf 2 Jahren und 7 Monaten Gefängnis und 150 Mark Geldstrafe sowie sofortige Verhaftung.

Caffel. 4. November. Der bisher bei den Henschel- werken als Schlosser tätige Herr Bachmann, der seit längerer Zeit als ausgezeichneter Sänger bekannt ist und gegenwärtig noch intensiven Gesangsstudien ob­liegt, ist von 1915 ab als Solist (seriöser Baß) an die Caffeler Hofbühne verpflichtet worden. Geheimrat Henschel hat den zu großen Hoffnungen berechtigenden Sänger bereits aus der Schlosserwerkstatt in das Bureau übernommen, um ihm die Vorbereitung auf den Beruf als Künstler zu erleichtern.

Hana«, 3. November. Heute nacht wurde auf der Kirchweih in Rimbach i. O. der 28 Jahre alte Obst­händler Blatt von dem Landwirt Michael Mader im Streite erstochen. Der Täter ist flüchtig gegangen.

Hana«, 3. November. Auf dem Nachhausewege geriet im benachbarten unterfränkischen Orte Hain der 63jährige Landwirt Fleckenstein in den durch den Ort führenden, hochangeschwollenen Bach und ertrank, ehe Hilfe kam.

Hana«, 3. November. Wie feiner Zeit berichtet, wurde in der Nacht vom 8. zum 9. Juni der ver­heiratete Maurer Johann Schmidt aus Killianstätten auf dem Heimweg überfallen und durch Messerstiche in den Kopf so schwer verletzt, daß er bald danach starb. Dieser Nacht ist nun der später als Täter er­mittelte Dienstknecht Emil Zins, der sich in der nächsten Woche vor dem hiesigen Schwurgericht wegen Körper­verletzung mit tödlichem Ausgange verantworten sollte, im hiesigen Lanökrankenhause plötzlich gestorben.

Lengenfeld, 2. November. Während einer Treib­jagd schoß ein hiesiger Jäger auf ein auffliegendes Rebhuhn und traf dabei den Flurschützen Schwarz aus Blankenhain so unglücklich, daß er auf der Stelle zusammenbrach. Er ist im Gesicht, an Brust und Arm schwer verletzt. Sein Zustand ist bedenklich.

Eschwege, 1. November. Ein recht empfindlicher und häßlicher Schabernack wurde einem hiesigen Fabri­kanten zugefügt. Als er morgens sein Hühnerhaus betrat, lagen 33 Stück der besten Legehühner tot im Stalle. Man vermutet, daß die Tiere vergiftet worden sind.

Camburg, 2. November. Was die reiche Pflaumen- ernte für verschiedenartige Existenzen in der Um­gegend versammelte, möge eine kleine Zusammen­stellung aus einem Nachbarorte zeigen. Als Pflaumen- pflücker waren dort bei einem Obstpächter u. a. beschäftigt: ein Korrespondent, der vier Sprachen be­herrschte, ein früherer Marineingenieur, ein Bruder eines Jenenser Professors, ein Klaviervirtuos und der Prokurist einer Großstadtfirma, der in seiner guten Zeit, wie bekannt wurde, sich öfter den Scherz erlaubte, seine Zigarette mit einem Zehnmarkschein

anzuzünden. Einige waren nur vorübergehend außer Stellung und hofften, wieder solche zu erhalten, die meisten aber waren dem Trunke, dem Alkohol, bereits so ergeben, daß sie an ihr Hochkommen nicht mehr glaubten.

Frankfurt a. M., 4. November. Die Verhand­lungen mit Pegoud sind gescheitert, obgleich der Franzose seine Forderung auf 20 000 Mark für den Tag herabgesetzt hatte. Das Komitee glaubte, in der kurzen Zeit das Geld nicht zusammenbringen zu können, außerdem machte der Flugplatz Schwierig­keiten, da die Rennbahn, die allein in Betracht kommen konnte, nicht zur Verfügung gestellt worden wäre.

Schlachtungen und Fleischbeschau in Preußen.

Das Königliche Statistische Landesamt hat in einer umfangreichen besonderen Abhandlung die Er­gebnisse der Schlachtvieh- und Fleischbeschau im preußischen Staate für das Jahr 1912 veröffentlicht und dabei wie früher zu Vergleichszwecken durchgängig die Zahlen des Vorjahres beigefügt. Von besonderem Interesse ist die Uebersicht, die die Zahl der Schlacht­tiere, an denen im Jahre 1912 die Beschau vorge- nommen wurde, enthält,- ihr seien die folgenden An­gaben entnommen.

Wie in früheren Jahren stehen bei weitem an erster Stelle die Schweine, von denen 10 978 788 geschlachtet und beschaut wurden ; im Vorjahre waren es 11173 378, so daß sich ein Rückgang der Schweine­schlachtungen von 194 590 oder 1,74 v. H. ergibt. Dieses Ergebnis mag befremden; denn man hätte bei dem jähen Absturz der Schweinezahl im Jahre 1912 eher eine Steigerung der Schlachtungen erwarten sollen. Tatsächlich sind auch in den ersten beiden Vierteljahren des Jahres 1912 mehr Schweine (-j- 337 469 oder 6,45 v. H.) als in der gleichen Zeit des Vorjahres geschlachtet worden,- dagegen bleiben die Schlachtungen der zweiten Hälfte des Berichts­jahres um über eine halbe Million hinter den Ziffern der gleichen Zeit des Vorjahres zurück.

Die Rinderschlachtungen sind seit dem Jahre 1910 (4 729 513) bei gleichzeitigem Wiederansteigen der preußischenRinöerbestandsziffer ununterbrochen zurück­gegangen und beliefen sich im Berichtsjahre auf insgesamt 4 361520 gegen 4 531085 im Vorjahre.

Von den Unterarten des Rindviehs stehen in allen Jahren die unter 3 Monate alten Kälber bei weitem an erster Stelle. Ihre Schlachtungsziffer ist, wie die der Rinder überhaupt, seit dem Jahre 1910 (2 496 205) im Sinken begriffen, was im Interesse einer baldigen Wiederauffüllung der Bestände nach den Verlusten der Jahre 1908 und 1909 als günstiges Ergebnis angesprochen werden kann. Im Berichts­jahre sind im ganzen 2 298 022 Kälber gegen 2 427 939 im Vorjahre geschlachtet und beschaut worden.

Dann folgen die Kühe mit einer Schlachtungs­ziffer von 1054160; im Vorjahre sind insgesamt 1069 628 Kühe geschlachtet und beschaut worden; es ergibt sich somit eine Abnahme der Schlachtungen von 15 468 oder 1,45 v. H. Auch im Vorjahre war die Schlachtungsziffer der Kühe und zwar um 22 856 oder 2,09 v. H. zurückgegangen.

Als einzige Unterabteilung der Rinder haben die über 3 Monate alten Jungrinder eine sreilich nur ganz geringe Zunahme der Schlachtungen aufzu- weisen, nachdem auch ihre Schlachtungsziffer in den Jahren 1910 und 1911 zurückgegangen war. Ge­schlachtet wurden insgesamt 485 994, das sind 802 oder 0,17 v. H. mehr als im Vorjahre (485192).

Es folgen dann die Bullen mit 271273 und die Ochsen mit 252 071 Schlachtungen. Für beide Unter­arten bedeuten die diesjährigen Ziffern eine aber­malige Abnahme der Schlachtungen, und zwar bei den Bullen um 3969 oder 1,44 v. H., bei den Ochsen um 21013 oder 7,69 v. -H.

Immer noch bedeutsam trotz der fortschreitenden Abnahme des Lebendbestandes sind die Schlachtungen der Schafe, deren Ziffer mit 1535 759 gegenüber dem Vorjahre sogar noch ein Mehr von 26 269 Schlachtungen oder 1,74 v. H. aufweist.

Die Schlachtungsziffer der Ziegen hat in den letzten 5 Jahren abwechselnd eine Zu- und eine Ab­nahme zu verzeichnen. Im Berichtsjahre (165159) sind 9282 Tiere oder 5,32 v. H. weniger als im Vor­jahre (174 441) geschlachtet worden.

Die Pferdeschlachtungen sind gegen das Vorjahr (101635) verhältnismäßig beträchtlich, um 21192 Stück oder 20,85 v. H., gestiegen und gewinnen mit ihrer Gesamtziffer von 122 827 im Berichtsjahre immerhin schon eine gewisse Bedeutung für die Volksernährung.

Wetterausstchten für Mittwoch den 5. November.

Veränderliche Bewölkung, strichweise Niederschläge, keine Temperaturveränderung, westliche Winde.