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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

MsW Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 146t Sonnabend, den 1. November 1913t

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Hus der Heimat.

* (Rückgang ö es Fleischverbrauches.) Der Fleischverbrauch ist im Jahre 1912 weiter zurück­gegangen. Es liegt jetzt die amtliche Berechnung da­rüber vor. Das verbrauchte Fleisch auf den Kopf der Bevölkerung siel von 53,63 Kilogramm im Vorjahre auf 52,75 Kilogramm im Jahre 1912. Dabei ist die mittlere Bevölkerungszahl 1911 auf 65,425,852, 1912 dagegen auf 66,282,753 angenommen. Der Gesamt­verbrauch fiel von 3509 auf 3496 Millionen Kilogramm. Der Verbrauch von inländischem Fleisch fiel von 3344 auf 3280 Millionen Kilogramm, auf den Kopf der Bevölkerung von 51,11 auf 49,49. Der Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr stieg von 1641/2 Millionen auf fast 216 Millionen Kilogramm, auf den Kopf der Bevölkerung von 2,51 auf 3,26 Kilogramm.

* (Darf man dem Schaffner Trinkgeld in die Hand drücken"?) Ein dem Eisenbahn­schaffner angebotenes Trinkgeld hatte eine Anklage gegen einen Kaufmann wegen Beamtenbestechung vor der Caffeler Strafkammer zur Folge. Der Kauf­mann, der mit einem zweiten Reisenden mit einer Fahrkarte dritter Klasse zweiter Klasse fuhr, bot dem kontrollierenden Schaffner ein Trinkgeld an, das er diesem stillschweigend in die Hand zu drücken ver­suchte ; der Schaffner aber lehnte unwirsch die Annahme des Trinkgeldes ab. Er machte dahingegen dem Zug­führer Meldung davon und gab weiter an, daß die beiden Reisenden trotz seines Vorhalts Zuschlagskarten nicht nachgelöst hätten. Die Reisenden mußten nach­zahlen und gegen den Kaufmann wurde Anklage wegen Bestechung erhoben. Die lange dauernde Beweis- aufnahmeendeteschließlichmit der VerUrteilungdes An­geklagten zu 30 Mark Geldbuße und Tragung sämtlicher Kosten. Der Staatsanwalt hatte sogar einen Monat Gefängnis beantragt.

):( Hersfeld, 31. Oktober. Auf Einladung des Herrn Landrat von Grunelius hatten sich gestern nachmittag eine Anzahl Damen und Herren im Hotel zum Stern eingefunden zwecks Gründung eines Kreisaus schuffes für Jugendpflege. Sämtliche Anwesenden traten diesem Ausschusse bet. Es wurden dann noch einige Unterausschüsse gebildet, so für Körperpflege, Bücherei, geistige Pflege etc. Ferner soll die Bildung von Ortsausschüssen in die Wege ge­leitet werden.

* (Zum Gautag des Gaues 17 a e. V. D. R. B.) Der in den letzten Jahren gerade im Interesse der Jugendbewegung überaus rührige und tätige Gau 17 a hält am 2. November in Mengeringhausen (Waldeck) in den Räumen des Hotels Böttcher seinen diesjährigen Gautag ab. Ebenso wie in den früheren Jahren, so bietet er auch den Sportsfreunden in diesem Jahre wieder mannigfache Anregungen zur Förde­rung der beachtenswerten Bestrebungen des hiesigen Gaues. Aus allen Teilen des Gaues werden an diesem Tage die Gönner und Verehrer des schönen Radsports in großer Zahl versammelt sein, und aus dem auf der Tagesordnung stehenden geschäftlichen Teil erkennen, daß der Gau auch im verflossenen Geschäftsjahre bestrebt gewesen ist, das von ihm ge­steckte Ziel zu erreichen. Es wäre zu wünschen, wenn der z. Zt. 600 Mitglieder zählende hiesige Gau weiter anwachsen möge und hierdurch seine Bestrebungen in der wirksamsten Weise unterstützt würden. Der Be­such der sehr interessanten Verhandlungen in Menge­ringhausen kann nur empfohlen werden.

Bebra, 28. Oktober. Für den Güterverkehr ist jetzt auf dem hiesigen Umladebahnhof eine neue Vorrichtimg für das Umladen der Frachtgüter erbaut und m Be­trieb genommen worden. Die Umladebühne rst kreiv- förmig gebaut und dreht sich während des Em- und Ausladens fortwährend im Kreise. Dabei werden die Güter und die bereitstehenden Wagen geladen. Dadurch sollen Verschleppungen und Beraubungen ausgeschlossen und auch etwa 30 000 Mark an Arbeits­löhnen erspart werden. Die Anlage ist die erste im Betrieb der preußisch-Hessischen Staatsbahn.

Homberg, 30. Oktober. Nachdem die Linie für das Bahnprojekt HersfeldHombergWabern fest­gelegt ist und die ersten Ausmessungsarbeiten erledigt sind, ist bereits am vorigen Montag mit der vorläu­figen Schätzung der Grundstücke durch eine Kommission begonnen worden.

Röllshausen, Schwalm, 30. Oktober. Am gestrigen Nachmittage ereignete sich im hiesigen Elektrizitäts­werk ein schrecklicher Unglücksfall. Der zirka 19 Jahre alte Sohn des Elektrizitätswerksbesitzers S. geriet so unglücklich in die Transmission des Werkes, daß

ihm der linke Arm aus dem Schultergelenk vollständig ausgerissen und fortgeschleudert wurde. Nachdem der unglückliche Mensch durch zwei Aerzte verbunden worden war, wurde er in die HeilanstaltHephata" überführt.

Caffel, 30. Oktober. Heute mittag ereignete sich im Hause Wolfsschlucht 7 ein schweres Unglück. Das Dienstmädchen W., das bei einem Schriftsteller in Dienst war, lehnte sich über das hölzerne Gitter eines nach hinten befindlichen Balkons der zweiten Etage. Das Gitter brach, und das Mädchen stürzte mit dem Gitter herab. Es erlitt Rippenquetschungen, eine Quetschung des rechten Oberarmes und innere Ver­letzungen.

Caffel, 29. Oktober. Der gestern bei Morgen­grauen am Bilstein (Kreis Witzenhausen) abgestürzte Flieger Kühne (von dessen Unfall wir schon aus­führlich berichtet haben), gibt über seinen Unfall folgende Darstellung:Ich war etwa fünf Stunden geflogen und wußte nicht, wo ich mich befand, da es finster war und ich nur nach dem Kompaß flog. Plötzlich bemerkte ich es war V26 Uhr daß mein Motor nicht mehr die erforderliche Tourenzahl machte. Ich mußte notlanden, hoffte jedoch, mich bis Tages­anbruch halten zu können. Das Quecksilber zeigte mir, daß ich von 1500 auf 800 Meter hinabgegangen war. Daß unter mir ein großer Berg, der Steinberg, sich befand, sah ich nicht. Ich bemerkte plötzlich, daß ich über Baumwipfel von weit auseinanderstehenden Buchen flog, die ich berührte, so daß ich kopfüber zur Erde stürzte. Ich fiel über den noch arbeitenden Motor. Beim Stürzen sah ich schon die Maschine brennen. Als ich die Besinnung wieder erlangte, stand das Flugzeug in Hellen Flammen; meine Mütze hatte bereits Feuer gefangen. Schließlich kamen der Förster aus Roßbach und Bauern herbei, die mir bei- standen und das Feuer löschten. Kühne war nachts 12 Uhr 45 Min. von Johannisthal aufgestiegen. Er wollte sich um die Prämie der Nationalflugspende be­werben, indem er über Köln nach Biarritz flog. Das Befinden Kühnes ist den Umständen nach gut.

Caffel, 30. Oktober. Saßen da am Sonnabend in einem hiesigen Restaurant des Westviertels vier hiesige Geschäftsleute gemütlich bei einem kleinenSpielchen" beisammen. Die Stimmung war die allerbeste, Geld war auch in genügender Höhe vorhanden, so vergnügte man sich denn an den wechselvollen Launen Fortunas, wie sie bei dem ebenso verbotenen, als beliebten GlücksspielMeine Tante, deine Tante" zum Aus­druck kamen. Die Einsätze waren mit der Zeit immer höher geworden, kleine Berge von Gold- und Silber­münzen hatten sich auf dem Spieltische aufgehäuft, als mit einem Mal der interessante Zeitvertreib eine unangenehme Störung erfuhr. Es war nämlich der stets wachsamen heiligen Hermandad gelungen, die Spieler bei ihrem Treiben zu überraschen. Nicht weniger als 800 Mark wurden von den Hütern des Gesetzes beschlagnahmt. Das so jäh unterbrochene Spiel dürfte noch ein weniger amüsantes Nachspiel vor Gericht haben.

Melsungen, 30. Oktober. Heute mittag gegen 12 Uhr trafen hier vier russische Offiziere des Jssumschen Husaren-Regiments in Zivil und ein russischer Geist­licher ein. Sie begaben sich auf den Friedhof und suchten dort das Grab des Obersten Bedriagga auf, der beim Sturme Tschernitschews auf Caffel vor 100 Jahren seinen Tod fand. Der Geistliche hielt in deutscher Sprache eine Rede, in dem er ein Bild von dem Einzüge der russischen Truppen in Deutschland gab. Darauf sprach Bürgermeister Klein - Melsungen. Die russische Deputation und die Vertreter der Stadt legten Kränze am Grabe des Gefeierten nieder. Zu der Feier hatte sich ein großes Publikum eingefunden.

Marburg, 29. Oktober. Beim Hantieren mit einem Revolver löste sich einem jungen Maler aus der Waffe einen Schuß, der ihn tödlich traf. Der Vorfall ist um so tragischer, da der junge Mensch kurz vor der Hochzeit stand.

Witzenhausen, 30. Oktober. Die Ursache des ge­meldeten Brandes auf dem Rittergut Freudental ist nunmehr ermittelt. Das vierjährige Söhnchen des Schasmeisters hatte mit Streichhölzern gespielt und das Feuer entzündet. Die Eltern trifft keine Schuld.

Hammelburg (Rhön), 29. Oktober. Die 19 Jahre alte Tochter des Bürgermeisters Marx in Morlesau half nach dem Ausdrusch die Dreschmaschine weiter- fahren, dabei kam sie zu Fall und ein Rad ging über den Rücken des Mädchens, so daß es lebensgefährliche Verletzungen erlitt.

Breitenmorbis, 29. Oktober. Ein Zusammentreffen mit Wilddieben hatte der Hegemeister Peschner von hier. Er überraschte einen Wilddieb mit der Flinte im Walde. Auf dreimaligen Anruf blieb dieser nicht stehen, sondern floh. Der Förster schoß und verletzte

ihn durch einen Schrotschuß ziemlich^schwer. Mit Hilfe des Polizeihundes wurde festgestellt, daß der Betreffende die Flinte in einer Sähmaschine verborgen hatte und von seinem Lande aus in den Wald ge­gangen war. Der Wilddieb konnte ermittelt werden.

Dörnberg, 29. Oktober. Gestern abend ereignete sich hier ein betrübender Unglücksfall. Der bei dem Dampfdreschmaschinenbesitzer Brede in Zierenberg be­schäftigte Heizer Chr. Ritze verunglückte dadurch, daß derselbe durch Ausrutschen einer an die Lokomobile gestellten Leiter in das aus bem Kessel strömende heiße Wasser fiel. Er verbrannte sich beide Füße derart, daß er in seine Wohnung gefahren werden und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.

Allendorf a. d. Werra, 30. Okt. Ein Großfeuer, wie es in unserer Stadt noch nie vorkam, brach gestern abend 51/2 Uhr in einem Hintergebäude der Kirchstraße aus. Durch das in den angrenzenden Scheuern befindliche Heu und Stroh fand es so rasche Nahrung, daß in wenigen Minuten sechs Gebäude in Flammen standen. Zum großen Glück herrschte vollkommene Windstille, auch war die Feuerwehr sehr rasch zur Stelle, welche die angrenzenden Gebäude schützten. Sehr hoher Schaden wäre entstanden, wenn das direkt an den Feuerherd grenzende kolossal große Warenlager der Firma Chr. Hartmann vom Feuer ergriffen worden wäre; das rasche und energische Eingreifen der Feuerwehr hat dieses verhindert. Der Schaden ist zum großen Teil durch Versicherung gedeckt. Die Ursache des Großfeuers hat sich schon aufgeklärt: Der Lehrling eines Friseurs hat ein brennendes Streichholz ins Stroh geworfen, ob ab­sichtlich oder fahrlässig wird die Untersuchung ergeben.

Bad Soodeu, 30. Oktober. Auf die ausgeschriebene Stelle des Bürgermeisters und Kurdirektors sind bislang 120 Bewerbungen eingegangen. Es sollen demnächst einige der Bewerber zur engeren Wahl gestellt werden.

Göttinge», 29. Oktober. In einem anonymen Briese an den Oberbürgermeister der Stadt Göttingen war ein städtischer Tiefbauingenieur beschuldigt worden, daß er bei der Vergebung der städtischen Arbeiten einen bestimmten Unternehmer bevorzuge weil er von diesem Schmiergelder erhalte, auch habe er es wiederholt nicht verschmäht, sich von auswärtigen Lieferanten der Stadtverwaltung bei großen Liefe­rungen, wie Wasserleitungs- und Kanalröhren rc. Provisionen zahlen zu lassen. Alle diese Beschuldig­ungen haben sich als haltlose Verleumdungen er­wiesen. Auf Grund von Handschriftveraleichen wurde der Briefschreiber in der Person des Schwagers eines Göttinger Steinsetzmeisters ermittelt. Die Anklage ging von der Annahme aus, daß der Briefschreiber, ein auswärtiger Gastwirt, lediglich einen ihm von seinem Schwager aufgesetzten Brief abgeschrieben habe, der dann von Hannover aus an den Ober­bürgermeister abgesandt worden ist. Während das Schöffengericht dem Gutachten des Sachverständigen nicht folgte und den Angeklagten freisprach, gewann die Strafkammer die Ueberzeugung, daß dieser und kein anderer der Schreiber des Schmähbrieses sei. Der Angeklagte wurde daher der verleumderischen Beleidigung des Stadtingenieurs schuldig befunden und zu der empfindlichen Geldstrafe von 300 Mark verurteilt. Auch gegen den Urheber des Schmäh- briefes will der Beleidigte vorgehen.

Frankfurt a. M» 30. Oktober. Eine internationale Gaunerbande, anscheinend 5 Italiener, die gestern mit unerhörter Frechheit am Hellen Tage und in den belebtesten Straßen der Stadt zwei schwere Taschen­diebstähle ausführten, und die schon seit Monaten sämtliche deutsche Großstädte bereisten und überall nach demselben Trick arbeiteten, konnte gestern hier auf frischer Tat ertappt und verhaftet werden.

Frankfurt a. M., 30. Oktober. Die Verhandlungen des hiesigen Vereins für Flugsportveranstaltungen mit Pegoud, ihn zu einem Schaufluge in Frankfurt a. M. zu gewinnen, sind von Erfolg gewesen.

Wiesbaden, 28. Oktober. Die Strafkammer ver­urteilte heute den praktischen Arzt Dr. Hans Jost in Rüdesheim wegen über 5 Jahre sich erstreckender Stenerhinterziehung zu einer Geldstrafe von 12 063,60 Mark als dem sechsfachen Betrage der hinterzogenen Steuer und im Falle der Zahlungsunfähigkeit für je 15 Mark einen Tag Haft. Eine Umfrage bei den Wiesbadener Metzgermeistern, ob sie gefrorenes Hammelfleisch einführen wollten, zeitigte ein negatives Ergebnis. Nach ihrer Berechnung kommt das Fleisch von dem im Inland gezüchteten Hammeln der Qualität des aus Australien importierten gleich und es ist kaum teurer für die Konsumenten. Ferner wollen die Metzger keine australischen Hämmel, weil diese zu seit sind. In Australien richtet sich die Zucht überhaupt mehr nach Wollertrag als nach Fleisch.