Krankenkassen und Aerzke.
Der Kriegszustand zwischen den Parteien.
Die Hoffnung, daß die seit Wochen geführten Verhandlungen der Aerztefchaft und der Krankenkassenver- Sande zu einer beiden Teilen annehmbaren Bertrags- einigung führen würde, ist vorläufig gründlich zerstört. Am letzten Sonntag hat, wie wir meldeten, ein außerordentlicher Aerztetag in Berlin einen Antrag angenommen, der es jedem einzelnen Arzte und jeder örtlichen Aerztevertretung zur heiligen Pflicht macht, von jetzt ab mit keiner Krankenkasse einen Vertrag abzu- chließen und die kassenärztliche Versorgung aller früheren wie auch der ueu hiuzutretenöen Versicherten unbedingt abzulehnen. Die Krankenkassen verbände haben prontpt mit einer Gegenerklärung geantwortet, sodatz der Kriegszustand zwischen den zu 95 Prozent im Leipziger Verbände organisierten Aerzten und den Krankenkassen perfekt ist.
Worin liegt denn nun der Grund, daß die langwierigen Verhandlungen, in denen zeitweise auch der Staatssekretär des Reichsamts des Innern die Vermittlerrolle übernommen, zu keinem Ergebnis geführt haben? Im Brennpunkt des Streites steht das Verlangen der freien Arztwahl, einer grundsätzlichen Forderung der Aerzte, der sich die Kassen nicht beugen wollen. Die Aerzteschaft fordert, daß alle Aerzte des Kas- senbezirks, die die Vertragsbedingungen anerkennen, als Kassenärzte zugelassen werden und den Kassenmit- gliedern im Krankheitsfälle die Wahl des Arztes überlassen bleibt. Dieses System hat neben dem Nachteil für die Kassen, daß es mehr kosten wird, als das Kassenarztsystem, den erheblichen Vorzug für die Versicherten, daß durch die freie Auswahl des Arztes im allgemeinen die Leistungen der Aerzte für die kranken Mitglieder gehoben würden.
Die Aerzteschaft hat nun die Forderung der freien Arztwahl nicht in der schroffen Form des Entweder, oder! erhoben, sondern hat sich auf den Vorschlag zurückgezogen: „Kassenarztverträge werden nach dem System der organisierten freien Arztwahl oder nach dem Kassenarztsystem oder nach dem Distriktsarztsystem abgeschlossen". 'Das in dieser Formulierung ausgesprochene Entgegenkommen der Aerzteschaft hat eine Anerkennung von feiten der Kassenverbände nicht gefunden. Die Bedenken der Kassenvertreter wurzeln wesentlich in der weiteren Forderung der Aerzteschaft, daß die Vertrags- schlietzungen nicht einzelnen Aerzten überlassen bleiben, sondern in die Hände der Organisation gelegt werden soll. Die Kassen fürchten aber, daß ihnen auf dem Umwege über die Lokalorganisationen dann doch die freie Arztwahl als Regel aufgezwungen werden, und günstigenfalls nur ausnahmsweise und für eine kurze Ueber- gangszeit das Kassenarztsystem bestehen bleiben würde. Die Kassenverbände glauben deshalb, dem Vorschläge der Aerzte trotz der liberalen Forumlierung nicht nachgeben zu können. Bei einer solchen Regelung würde den Kassenvorständen, so fürchten diese, vollends der Einfluß aus die Verwaltung genommen und eine erhebliche Verteuerung der ärztlichen Versorgung der Kassenmit- glieder die Folge sein.
Die Aerzte weisen zur Begründung der Berechtigung ihrer Forderungen auf die Tatfache hin, daß mit der erheblichen Erweiterung des Kreises der Versicherten — es werden vom 1. Januar 1914 ab 21 Millionen gegen bisher 13 Millionen gegen Krankheit versichert sein — die ärztliche Privatpraxis auf ein Minimum eingeschränkt wird. Es werden künftig jedenfalls über 90 Prozent aller Steuerzahler in Preußen und analog im Reiche von der Krankenkassenversicherung erfaßt werden. Tausende und Abertausende von Aerzten, die keine Kassenpraxis haben, würden deshalb unter solchen Umständen brotlos werden. Hier könne nur die freie Arztwahl einer Proletarifierung des Standes Vorbeugen. Neben dem Verlangen nach freier Arztwahl lehnen die Kassenverbände aber auch die geforderte Erhöhung der kasfen ärztlichen Gebühren ab.
Von beiden Parteien ist der Weg, der aus dem bedauerlichen Kriegszustande, wie er sich nach der heutigen Lage der Dinge vom 1. Januar 1914 ab ergeben muß, herausführen kann, noch nicht gewiesen.
Sie verzichlsurkunde des Herzogs von Cumberland auf Vrauvschweig
wurde vom braunschweigischen Staatsminister Hartwig in der Landesversammlung am Mittwoch zur Verlesung gebracht. Sie hat folgenden Wortlaut: „Wir Ernst August, von Gottes Gnaden Herzog von Braunschweig und Lüneburg, Königlicher Prmz von Großbritannien und Irland, Herzog von Cumberland usw., tun hiermit kund und zu wissen: Nach dem am 18. Oktober 1884 erfolgten Ableben unseres hochgeehrten Herrn Oheims und Vetters, des durchlauchtigsten Herzogs und Herrn Wilhelm, Herzog von Braunschweig, Hoheit und Liebden, ist uns als nächstem Thronfolgeberechtigten das Recht auf den
Das neue Fräulein.
Original-Roman von Fr. Lehne.
8) (Nachdruck verboten.)
„Ach was — Ihr — besonders Deine Mutter, seid unpraktisch! Ja, ja, sieh mich nicht so an, 's ist wahr! In diesem Falle kommt erst das Geschäft, dann die Verwandtschaft! Da gibt's nichts! Ihr habt's doch auch nicht so vollauf! Hattest Du nicht für ein Geschäft gestickt? Ja? Nun, was war denn da Dein Durchschnittsverdienst?"
„Wenn ich sehr fleißig war — und wenn das Fräulein gut bezahlte, was sie meistens tat — gegen 40 Mark. Ich bekam immer das Schwerste — Muster anfangen und auszählen, — das wird besser bezahlt," sagte Gertrud leise. Ihrer feinfühligen Natur widerstrebte die Art und Weise der Tante, wenn diese auch im Rechte war.
„Also siehst Du, den ganzen Tag gestichelt, und doch bloß 40 Mark verdient! Hier bekommst Du als Anfangsgehalt zwar nur 30 Mark — schlägst Du gut ein, legen wir bald zu — hast aber obendrein freie Kost und Wohnung, ohne daß Deine Mutter die Ausgabe dafür hat. Sie wird Dich auch ganz gut entbehren, da Erna ihr doch zur Hand gehen kann. Was macht diese? Ist sie noch immer so bleichsüchtig?"
„Nein, das gerade nicht mehr; aber sie ist doch sehr zart. Sie kann das viele anhaltende Sitzen nicht ver= tragen und gibt deshalb Nachhilfestunden."
„ „Auch n Unsinn! Kann sie sich denn nicht anders beschäftigen?"
„Nein, Tante, jetzt, wo ich fort bin, nicht mehr. Eine Ä b^i dn Mutter bleiben. Sie wollte eigentlich als Kinderfräulein zu Sanitätsrat Schön — Du kennst sie ~' aber da kam Euer Brief, der mich verlangte, ~ Ach freue mich recht, daß ich "titzlich sein kann! Habt nur im Anfang Geduld mit mir, dann wird es schon werben."
Thron des Herzogtums Brauuschweia kraft der in unserem fürstlichen Gesamthause Braunschweig und Lüneburg bestehenden Rechte üßerfoimncu. Die Regierung im Herzogtum Braunschwetg konnte von und nicht aus- geübt werden, da vorn Bundesrat unsere Behinderung zur Ausübung der Regierung ausgesprochen wurde. In der Voraussicht, daß der Bundesrat gegen den Regierungsantritt unseres vielgeliebten Sohnes Ernst Au- guft, Herzog zu Braunschweig uiti> Lüneburg, königlicher Prinz von Großbritannien und Irland, königliche Hoheit und Liebden, von Reichs wegen Bedenken nicht mehr erhoben werden, v e r z i ch t e n wir hiermit feierlich auf die uns überkommenen Rechte auf den braunschweigischen Thron und übertragen diesen in ihrem vollen Umfange auf unseren vielgeliebten Sohn Ernst August, von Gottes Gnaden Herzog von Braunschweig und Lüneburg usw. Urkundlich unserer eigenhändigen Unterschrift und aufgedruckten Siegeln. — Die Landesversammlung nahm einstimmig eine Erklärung an, in der es heißt: Die Landesversammlung spricht die zuversichtliche Erwartung aus, daß der im ganzen Lande mit Jubel begrüßte bevorstehende Regierungsantritt des Prinzen Ernst August unter Gottes gnädigem Schutze nicht nur oen Herzogtümern zum Segen gereichen werde, sondern mit ihm auch dem ganzen deutschen Reiche, und daß in der Bevölkerung des Herzogtums Bestrebungen keinen Boden gewin - u e n werden, welche das gute Verhältnis zu dem Nachbarstaate Preußen trüben könnten. Die Z i v i l l i st e wird auf 1125 322 Mark festgesetzt.
Politische Rundschau«
Zur Besprechung über die Frage der Abgrenzung von Fabrik und Handwerk hat der Reichskanzler an den Zentralverband Deutscher Industrieller, den Bund Deutscher Industrieller und den Deutschen Handelstag Einladungen ergehen lassen. Gegenstand der Beratungen wird im wesentlichen die Denkschrift des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages vom 5. Oktober 1912, betreffend Abänderung des Handwerkergesetzes vom 26. Juli 1897, bilden. Diese Denkschrift enthält noch weitere Wünsche. Der Reichskanzler hat sich den erwähnten Organisationen gegenüber bereiterklärt, die Besprechung auf einige dieser weiteren Fragen zu erstrecken, falls ein Wunsch nach dieser Richtung hin bestehen sollte.
Die gesamte feldgraue Bekleidung für unser Heer in Krieg und Frieden wird nach den neuesten Bestimmungen im Jahre 1915 fertiggestellt sein. Bereits jetzt liegt für alle Truppenteile die Kriegsgarnitur und für Infanterie und Jäger die Frieöensgarnitur vor. Die Friedensgarnitur für die Kavallerie wird im Jahre 1914 fertig sein, und zuletzt erhalten die Verkehrstruppen und die Pioniere die Friedensgarnitur. Daß die feldgraue Friedensuniform sofort allgemein zur Einführung gelangen wird, ist nicht anzunehmen. Es werden vielmehr erst mehrere Jahre hindurch beide Uniformen nebeneinander getragen werden, da man erst feststellen will, ob sich die graue Uniform für den Frieden eignet.
Der große Ausschuß des Zentralvereins für deutsche Binnenschiffahrt trat Mittwoch abend im Saale der Berliner Handelskammer zusammen und nahm eine Resolution an, die dahin geht, daß die Notstandstarife der Eisenbahn für Futter- und Streumittel, die durch die Trockenheit des Sommers 1911 verursachte Notlage der Binnenschiffahrt allgemein und dauernd, für einzelne Stromgebiete sogar in bedrohlicher Weise verschärft haben. Der Zentralverein muß mit Rücksicht auf etwaige künftige Fälle mit Entschiedenheit Einspruch dagegen erheben, daß die Interessen der Binnenschiffahrt und der zahlreichen in ihrrr Erwerbstätigkeit bedrohten Bevölkerung abermals unberücksichtigt gelassen werden.
Monarchenbesuche in Rußland. In Petersburg verlautet, daß um die Zeit der russischen Ostern ein Besuch des Königs und der Königin von England mit dem Prinzen von Wales in Zarskoje Sselo bevorstehe, bei dem die Verlobung des Prinzen mit der Großfürstin Tatjana erfolgen foll. Der Besuch König Alberts von Belgien int kommenden Sommer in Peterhof gilt gleichfalls als feststehend.
Die Wirkungen der Altersversicherung in Frankreich. Der offizielle Bericht des französischen Arbeits- ministers Cheron über den gegenwärtigen Stand der obligatorischen Altersversicherung in Frankreich bestätigt trotz aller Versicherungen des Gegenteils den Mißerfolg dieser Einrichtung. Ende 1912 hatten nur 30,5 Prozent der eingeschriebenen 7 Millionen Versicherten alle Bedingungen erfüllt. In den übrigen Fällen hat entweder gar keine oder nur eine teilweise Zahlung stattgefunden. Der jährliche Austausch der Karten erfolgt fast nie freiwillig. Die Arbeitgeber sind gewöhnlich eifriger im Bezahlen ihres Anteils als die Arbeiter, aber die Entscheidung des Kassationshofes, daß die Arbeitgeber nicht gezwungen seien, die Einzahlungen der
„Das glaube ich, Trudchen," sagte Herr Teichmann, liebevoll ihr Gesicht streichelnd, „das glaube ich! Freilich, die schönen Patscheln werden nicht so weitz bleiben," dabei nahm er ihre schöngeformten, schlanken Hände, die sorgfältig gepflegt waren, in seine beiden Hände.
„Das tut nichts, Onkelchen," lachte sie, „aber zu den feinen Handarbeiten, die ich zu machen hatte, mutzte ich meine Hände fehr pflegen, sonst hätte es manchmal mit der Sttckseide gehapert!--Liebe Tante, möchtest Du mir jetzt bitte Anweisung geben, was ich alles zu tun habe!"
„Soviel ist das nicht! Also des morgens — Du bist doch an Frühaufstehen gewöhnt? — da hilfst Du Gusten beim Reinemachen; sie ist nämlich beim Staubwischen so ungeschickt. — Ihr richtet Euch so ein, baß Ihr gegen acht oder halb neun mit allen Zimmern fertig seid. Dann ziehst Du Dich adrett und einfach an und stehst mir zur Verfügung. Ich werde Dir dann vor allem das Ausschneiden zeigen, sowie Dich im Laden in allem unterrichten. In den Vormittagsstunden ist im Geschäft wenig zu tun; meistens werden da Konserven und so etwas geholt; das besorgt dann der Onkel allein. Dafür hilfst Du mir oben beim Kochen; Du kannst doch kochen? Denn es gibt viel zu braten für den Aufschnitt.
„Gewiß, Tante, ich habe es gelernt. Wenn Du nicht gar zu große Ansprüche stellst, könnte ich Dir sogar eine „Perfekte" ersetzen!"
„Das ist mir sehr lieb zu hören. — Zwischen elf bis zwölf Uhr, sowie zwischen fünf bis sieben Uhr ist im Laden mehr zu tun, da sich dann der Onkel den Gästen widmen muß, die Dich aber nichts angehen. Die Brötchen, Mayonnaisen usw. richte ich selbst an, da die Herren sehr verwöhnt sind und es nur von mir haben wollen. Aufpassen kannst Du aber, damit Du mich eventuell mal vertreten kannst, wenn ich verhindert sein sollte. — Alles auf einmal kann ich Dir nicht sagen; das wirst Du selbst am besten sehen.--Der Aufenthalt
Arbeiter, wenn sie versäumt werden, von ihrem Lohn« abzuziehen, hat auch hier den Eifer erkalten lassen.
Die Kammerwahlen in Italien, die auf der Grundlage eines wesentlich erweiterten Wahlrechts vollzogen wurden, liegen jetzt aus fast allen Kreisen vor. Die Regierung hat bet den Wahlen eine starke Mehrheit erhal. ton, aber auch die Sozialdemokratie konnte einen we- sentlichen Zuwachs verzeichnen.
Schwere Unstimmigkeiten in türkischen Regierungskreisen. Dem ehemaligen Verteidiger von Adria- itopel, Schükrt Paschm der ein Gegner des jungtürkischen Komitees ist, soll ein hohes Amt versprochen worden sein, falls er mit dem Komitee zufammenarbeiten wolle. Schükrt hat darauf hingewiesen, er sei Soldat, nicht Parteimann. Darauf ist ihm der Rat gegeben worden, im Auslande eine längere Erholung zu suchen. — Der deutsche General der Kavallerie Liman von Sanders ist mit 30 deutschen Offizieren von der Türkei aufs neue verpflichtet worden. Es werden nunmehr insge- fmnt 42 deutsche Offiziere zur Organisation der türkischen Armee herangezogen.
Kleine fiachridifen«
Hamburgs Universitätsvorlage abgelehnt. In der Mittwoch-Abendsitzung der Hamburger Bürgerschaft wurde die Universttätsvorlage des Senats abgelehnt und ein Antrag angenommen, der um den Ausbau des Kolonialinstituts zu einem Forschungsinstitut ersucht.
Pegouds Flüge in Johannisthal. Der französische Flieger Peaoud stieg Mittwoch nachmittag zweimal auf. Er überschlug sich mit seinem Apparat etwa 15 Mal, und flog eine lange Zeit mit dem Kopf nach unten. Es wohnte wieder eine nach Zehntausenden zählende Menschemuenge den interessanten Vorführungen des Fliegers bei.
Eine große chemische Fabrik, in der Kalisalze und Nebenprodukte verarbeitet werden sollen, wird von der Privatvermögensverwaltung des Herzogs von Sachsen- Coburg und Gotha in der Bernburg er Flur errichtet.
Zwei Invaliden von einem Schnellzug getötet. Ein schreckliches Unglück ereignete sich Mittwoch mittag in der Nähe des Bahnhofes Dormagen (Rheinland) an dem Bahnübergang nach Horrem. Ein Schnellzug von Cöln fuhr an dem Bahnübergang gegen einen Karren, aus welchem zwei Personen Platz genommen hatten. Die beiden Leute wurden auf der Stelle getötet. Es sind dies zwei Invaliden namens Karis und Pütz aus dem katholischen Krankenhause in Dormagen. Das Pferd des Karrens blieb unversehrt, da die Deichsel bei dem Zusammenstoß abbrach.
Das Leben für den Enkel. In Obersedlitz bei Aussig hatte sich der Enkel der 74jährigen Arbeiterin Marie Stetschek aus Krammel auf die Gleise der Eisenbahn begeben und spielte dort. Sie schlüpfte durch die geschlossene Schranke, aber während der Knabe sich schon hatte in Sicherheit bringen können, wurde das greise Mütterchen vom Zuge erfaßt und einige Meter weit geschleudert. Sie war sofort tot.
Vom herabsansenden Eisenblock getroffen. Beim Aufbau eines Kranens bei der Akt.-Ges. Ttgler in Duisburg riß, als man mit einer Dampfmaschine einen schweren Block hochhob, das Drahtseil der Maschine. Von dem herabfallenden Stück wurden vier Arbeiter getroffen. Drei davon wurden lebensgefährlich, der vierte leichter veletzt. . , ,
Unfall bei einem Versuchsschießen. Bei Versuchen mit einer 28-Zentimeter-Haubitze auf dem Artillerieschießplatz in Petersburg flog das Hintere Verschlußteil ab. Das Geschoß flog rückwärts und explodierte dicht bei dem Geschütz. Ein Offizier und sieben Soldaten wurden schwer verletzt. "
Ein teures Schietzobjekt. Die englische Heimatflotte hat im Beisein des Marineministers Churchill Schießübungen auf das abgetakelte Kriegsschiff „Jmpreß of Jndia" vornehmen lassen, das noch vor kurzem als erstklassiges Kriegsschiff galt und vor 20 Jahren für 20 Millionen Mark erbaut wurde und noch jetzt einen Ber- kaufswert von 1 Million hat.
Große Ueverschwemmungen in Salvador. Nach einer Meldung aus San Salvador haben in der Republik ungewöhnlich starke Regenfälle stattgefunden, wodurch große Ueberschwemmungen verursacht wurden. Wie bisher festgestellt wurde, sind 54 Personen ertrunken, doch wird befürchtet, daß noch weit mehr umgekommen sind. Die Landwirtschaft hat großen Schaden erlitten.
Gerieft! und Recht*
Das Urteil im Rordhäuser Silbercherry-Prozetz. Die Strafkammer Nordhausen beendete am Mittwoch nachmittag nach zehntägiger Verhandlung den Aufsehen erregenden Silbercherry-Prozetz gegen den Brennerei- besitzer Paul Heise und seinen Reisenden Virneburg mit der Verurteilung des Angeklagten Heise wegen vollendeten Betrugs in 7 Fällen zu vier Monaten Gefängnis und 3500 Mark Geldstrafe, des Angeklagten Virue-
bei uns wird Dir schon gefallen; freie Zeit hast Du ebenfalls — kurz, wir betrachten Dich nicht als Verkäuferin oder Stütze, sondern als Tochter. Wenn wir eine hätten, müßte sie das Gleiche tun. Es ist eine angenehme Stellung hier; wir wollten es Euch ein bißchen erleichtern!"
„Ich bin Euch für diese Güte sehr dankbar," sagte Gertrud mit einem leisen Beben ihrer Stimme, „ich will alles tun, was in meinen Kräften steht, Euch zufrieden zu stellen — wir sind Euch doch Dank schuldig!"
„Das will ich hoffen, liebe Gertrud, Du siehst ja so kräftig aus, daß Du mir wirklich eine Stütze sein kannst; ich bin sehr nervös, daß ich oft nicht so kann, wie ich wohl möchte — in einem Geschäftshaus gibts weder Ruhe noch Rast; da ist die Frau immer geplagt!" — erwiderte Frau Anna; dann setzte sie etwas zögernd hinzu: „bei uns verkehren das Offizierkorps, sowie die Juristen — die jungen Referendare und Assessoren usw. Da wird es wohl nicht ausbleiben, wenn Du gerade im Laden bist, daß einer ober der andere versuchen wird, Dich —"
„Ohne Sorge, Tante," unterbrach Gertrud dieselbe, sich hoch aufrichtend, „ohne Sorge, ich weiß, was ich Euch schuldig bin — sowie mir! Und Dir zur vollständigen Beruhigung, daß ich nicht mehr frei bin — ich habe jemand mein Wort gegeben." „
„Ach, was Du sagst — wer und was ist er denn- fragte Frau Anna neugierig. _
„Verzeiht, daß ich jetzt noch nicht darüber spreche, es weiß noch niemand darum. Euch muß ich es aber sagen damit Ihr in jeder Beziehung Vertrauen an mir haben könnt!"
„Aber, Gertrud, so habe ich es nicht gemeint," sag" Frau Anna etwas verlegen, „es war auch Teilnahme- nicht müßige Neugierbe, die mich danach fragen ließ.
(Fortsetzung folgt.)