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hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Weiber

für den Kreis Hersfeld

fireisMatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Psg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 144. Donnerstag, den 30. Oktober 1913,

Nur I Mark

kostet das Hersfelder Tageblatt für die Monate No­vember und Dezember für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus, durch die Post bezogen 1.08 Mk.

Allen denjenigen, die sich von dem anerkannt reichhaltigen interessanten Inhalt des Hersselder Tageblatts, der sich auf alle Ge­biete erstreckt, überzeugen wollen, ist für November und Dezember die beste Gelegenheit zu einem Probeabonne­ment gegeben.

In der kurzen Zeit seines Erscheinens hat sich das Hersselder Tageblatt stets als gut unterrichtet erwiesen. Die politischen und nicht politischen Berichte werden täglich auf Grund neuster Nachrichten zusammengestellt Alle bis zum Nachmittag vorliegenden wichtigen Tele­gramme finden an demselben Tage noch Aufnahme.

Hus der Heimat.

* Die allgemeine Konferenz der Ev. Fürsorge-Erziehungsorgane der Pro- vinzHessen-NassauundNachbargebiete, welche vorige Woche zum ersten Male im Ev. Ver- einshaus zu Cassel tagte, erscheint von besonderer Bedeutung. Anwesend waren Vertreter der staat­lichen und kommunalen Behörden, der Gesamtsynodal- ausschüsse zu Cassel und Wiesbaden, der Vorsitzende des Erziehungsamtes und der Vorsitzende des allge­meinen deutschen Erziehungstages-Hannover. Nach einer erbaulichen Ansprache des Herrn General­superintendenten Dettmering teilte der Vorsitzende der Konferenz, Herr Pfarrer Schuchard-Hephata, mit, daß bereits 17 Organisationen der Konferenz sich angeschlossen hätten und daß ein psychopatisches Er­ziehungsheim für schulpflichtige Knaben und Mädchen in Hephata errichtet werden soll. Großes Interesse weckte der Vortrag des Erziehungsinspektors Herrn Dr. Pönitz-Wiesbaden über die Frage:Was können wir tun, um unsere Fürsorgezöglinge nach dem 21. Jahre in geordneter Bahn zu erhalten?" Vortrag und Debatte ließen erkennen, wie bedauerlich es ist, daß noch so viele Vorurteile gegen die Fürsorge­erziehung vorhanden sind und wie wünschenswert es ist, an einer systematischen Aufklärung mitzuwirken. Ueber den Zweck und die Einrichtung von Fürsorge­konferenzen sprach Herr Pastor Siebold, Vorsitzender der Erziehungsanstalt zu Schweigeln in Westfalen. In Hannover, Westfalen, Wiesbaden erfreuen sich diese Konferenzen steigender Beliebtheit. Bei uns in Hessen, wo Fürsorgevereine nicht sind, hat die Sache eine andere Grundlage. Voraussichtlich wird noch in diesem Winter ein Versuch mit einer solchen Konferenz in Hephata gemacht werden. Der Kreisjugendpfleger Herr Diakon Menz in Schlüchtern zeigte in seinem Vortrag überDie Pflege der Heranwachsenden Jugend auf dem Lande unter besonderer Berücksichtigung der Fürsorgezöglinge", wie auch auf dem Lande Jugend­heime und Jugendpfleger nötig sind. Im Schlußwort sprach Herr Generalsuperintendent Dettmering den Wunsch aus, daß die Konferenz das werde, was sie zu werden verspreche, ein Mittelpunkt für alle, welche an der Lösung der großen Fragen der Fürsorge- und Jugenderziehung zur Ehre Gottes und zum Wohl unseres Vaterlandes mitwirken wollen.

* Die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen kann auch, so schreibt die Handwerks­kammer Düsseldorf, nach dem 1. Oktober 1913 von den Verwaltungsbehörden verliehen werden. Die viel­fach herrschende Ansicht, daß die Uebergangs- bestimmungen mit dem 1. Oktober 1913 ihre Geltung verloren hätten ist irrig. Die Bestimmungen bleiben in Kraft, so daß Handwerkern, die den Uebergangs- bestimmungen entsprechen, die Befugnis zur Anleitung nach wie vor verliehen werden kann.

* (Der Eisengehalt der Gemüse.) Nach Untersuchungen, die Dr. Hänsel imArchiv für physikalische und diätetische Therapie" veröffentlicht, ist die nicht nur in Laien-, sondern auch in Aerzte- kreisen weitverbreitete Ansicht, daß der Spinat das eisenhaltigste Gemüse sei, irrig. Danach hat von allen pflanzlichen Nahrungsmitteln der Spinat den geringsten, dagegen der Kopfsalat den größten Gehalt an Eisen. Auch die Kartoffeln sind eisenhaltig. Nächst dem Kopfsalat haben die Blätter des Kohlrabi den größten Eisengehalt. Es folgen dann in absteigender Linie: Winterkohl, Endivien, Kartoffeln und Spinat. Bei der Bedeutung der Mineralstoffe für die Er­nährung sind diese Tatsachen nicht ohne Bedeutung.

):(Hersfeld, 29. Oktober. Gestern abend kurz nach 1/29 Uhr fand eineAlarmierung der gesamten Feuerwehr statt. Kaum war der erste Schlag des Alarmläutewerks erklungen, als auch schon die Mann­schaften dem Marktplatze zueilten. Von hier wurden die Geräte nach dem angenommenen Brandherde, dem Kaiserlichen Postgebäude, dirigiert, welches nach kurzer Zeit bereits von unserer Feuerwehr mit gewohnter Schneidigkeit unter Wasser genommen wurde. Nach der Uebung rückten die Löschzüge geschlossen nach dem Marktplatze ab, woselbst Herr Oberbrandmeister Auel die Kritik abhielt und die Uebung als in allen Teilen bestens gelungen bezeichnete. Die Uebung stand unter der Leitung des Komanöanten der Feuerwehr, Herrn S ch ü ß l e r.

):( Hersfeld, 29. Oktober. (Meisterkursus). Jedenfalls wird diesmal kein Meisterkursus zustande kommen, da sich bis jetzt nur 12 Teilnehmer an- gemeldet haben. Es müssen sich wenigstens 15 Herren melden.

):( Hersfeld, 29. Oktober. Das Hersfelder L i ch t s ch a u s p i e l h a u s hat für Donnerstag und Freitag abend einige hochintereffante Films erworben, welche ihre Anziehungskraft auch hier bewähren dürften. Ein DramaSo ist das Leben" mit der berühmten Schauspielerin Suzanne Grandais in der Hauptrolle ist außerordentlich spannend. Ferner zeigt ein 400 Meter langer Film wohlgelungene Auf­nahmen von der Caffeler Tausendjahrfeier, sowie Aufnahmen von dem furchtbaren Unglück des Zeppelin­kreuzers in Johannisthal und von den Trauer­feierlichkeiten für die dabei ums Leben gekommenen.

Eschwege, 28. Oktober. In der Angelegenheit des gestern aveitv gemeldere« Auffindens der Leiche eines 8jährigen Knaben eines hiesigen Fabrikbesitzers haben die polizeilichen Nachforschungen ergeben, daß ein Unglücksfall vorliegt, der sich aller Wahrscheinlichkeit nach in folgender Weise zugetragen hat: Neben der elterlichen Wohnung des getöteten Knaben befindet sich auf der anderen Straßenseite ein mit Eisengitter eingezäuntes Materiallager einer Baumaterialien- Handlung. Im Laufe des Nachmittags hatten hier Arbeiter dieser Firma einen mit Tonröhren beladenen Wagen zur Hälfte entladen und mit dieser Arbeit gegen 5 Uhr, also zu einer Zeit, in der der Junge noch lebend gesehen worden ist, aufgehört und die Arbeitsstätte auf kurze Zeit verlassen. In diesem Augenblick ist der Junge hinzugekommen und hat wahrscheinlich versucht, über das Eisengitter hinweg- zuklettern. Hierbei ist er abgestürzt und hat sich lebensgefährlich am Kopf verletzt. In seiner Todes­angst ist dann das Kind wohl unter das von dem Wagen heruntergefallene Strohverpackungsmaterial j der Tonröhren gekrochen und hier gestorben. Die Arbeiter sind dann später wiedergekommen, haben den Wagen fertig entladen und immer noch mehr Stroh auf die Leiche geworfen, die sie selbst aber wegen der Dunkelheit nicht bemerkt haben. Später ist dann der leere Wagen von den Arbeitern ein Stück fortgefahren und hierbei wurde der bereits tote Junge überfahren. Beim Wegbringen des Strohes fand man dann die Leiche.

Kleinalmerode, 28. Oktober. Für den s. Zt. im Gewittersturm verunglückten Caffeler Luftschiffer Weyland wird jetzt an der Unfallstelle ein Denkmal errichtet. Herr Maurermeister Burhenne in Roßbach hat die Ausführung desselben übernommen.

Malsfeld, 28. Oktober. Gestern wurde der vor etwa IV2 Jahren hierher verzogene Heilkundige W. durch den Gendarm Bartsch aus Melsungen und einen Kriminalbeamten aus Caffel verhaftet. Gegen W. besteht der Verdacht, die in letzter Zeit vorgekommenen Brandstiftungen begangen zu haben.

Witzenhanseu, 28. Oktober. Auf dem zwischen Witzenhausen und Gertenbach gelegenen Rittergut Freudenthal, das dem Grafen Berlepsch gehört und von Herrn Badenhausen gepachtet ist, brannte heute nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr eine große Scheune ab. Die Scheune war vollständig mit Erutevorräten angefüllt. Die benachbarten Stauungen konnten ge­rettet werden. Das Feuer ist wahrscheinlich durch eine Dreschmaschine verursacht worden.

Rotenburg, 27. Oktober. Seit mehreren Wochen sind unter den Kindern hiesiger Stadt die Masern ausgebrochen. Nachdem anfangs der Verlauf der Krankheit ein normaler war, tritt dieselbe in den letzten Tagen bösartig auf. Durch die mit den Masern in" Verbindung stehenden Krankheitserscheinungen wurden in den letzten Tagen 5 Kinder vom Tode dahingerafft.

Gelnhausen, 27. Oktober. Ein tödlicher Unfall ereignete sich bei Dreschmaschinenarbeiten in Berns­feld (Oberhesseu). Die 62 Jahre alte Bäuerin Korr- mann, die Spreu unter der Maschine Hervorrechte,

wurde vom Schwungrad erfaßt und wiederholt herum- geschleudert. Sie brach Arme und Schultern und der Schädel wurde ihr zertrümmert, daß sie bald darauf verschied. s

Göttingen. 28. Oktober. Heute vormittag wurde in einem Geschäft in der Cronerstraße angestellter 21jähriger Handlungsgehilfe in seinem Bett erschossen aufgefunden. Das Motiv des Selbstmordes ist noch unbekannt. Stabsarzt Dr. Höhne vom hiesigen 2. Kurhessischen Infanterieregiment Nr. 82, welcher nach dem Artillerie-Schließplatz Walm bei Mülheim a. Rh. kommandiert war, stürzte dort so unglücklich mit dem Pferde, daß er auf der Stelle seinen Geist aufgab.

Elm, 28. Oktober. Der neuerbaute große Distel­rasentunnel Schlüchtern-Flieden wird bestimmt am 1. Mai 1914 seiner Bestimmung übergeben werden. Die Züge Frankfurt-Bebra und umgekehrt werden dann nicht mehr die Kopsstation Elm zu passieren brauchen, sondern direkt über Schlüchtern durch den neuen Tunnel fahren. Zwischen Schlüchtern und Elm und Flieden und Elm werden Pendelzüge einge­richtet werden. Der neue Tunnel verkürzt die Fahr­zeit zwischen Frankfurt und Bebra schon wesentlich,- sie wird noch weit mehr für die D- und Eilzüge ver­kürzt werden, wenn erst die Umgehungsbahn bei Bebra dem Betriebe übergeben ist.

Schlotheim (Thür.), 28. Oktober. In der hiesigen Bürstenfabrik kam der achtzehnjährige Hugo Treppe beim Andrehen des Schwungrades in den Treib­riemen, wurde mehrmals herumgeschleudert und tödlich verletzt, sodaß er bald darauf seinen Geist aufgab.

Gotha, 28. Oktober. Hier hat der Zeichenlehrer Feyler an der herzoglichen Baugewerkschule Selbst­mord verübt, indem er sich einen Stich ins Herz bei- brachte. Feyler soll an einem schweren Ohrenleiden gelitten haben. Er war ein begabter Künstler, der mit Aufträgen des Herzogs stark bedacht war.

Erfurt, 28. Oktober. Das hiesige Landgericht ver­urteilte den ehemaligen sozialdemokratischen Partei­sekretär, Chefredakteur Walter Matheus, wegen Be­leidigung des Großherzoglich weimarischen Hofjagd- amts zu einem Monat Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte nur 100 Mk. Geldstrafe beantragt. Wie er­innerlich sein wird, hatte der Verurteilte behauptet, daß bei einer großherzoglichen Jagd bei Weimar eine Menge erlegter Hasen dem Verderben ausgesetzt worden wäre, da ein angemessener Preis nicht erzielt werden konnte.

Bleicherode, 28. Oktober. Unter dem Verdacht, ihre elfjährige Pflegetochter durch Gift ums Leben gebracht zu haben, wurde hier die 51jährige unver­heiratete Charlotte Mund verhaftet.

Braubach, 26. Oktober. Der Bergmann Karl Vriburg ist gestern in der Erzgrube dahier in einen tiefen Schacht gestürzt. Der Körper war an mehreren Stellen schwer verletzt, so daß der Tod augenblicklich eintrat. Ein Verschulden von dritter Seite liegt nicht vor. Frieburg hat Frau und zwei Kinder hinterlassen.

Höchst a. M., 27. Oktober. Auf eigentümliche Art und Weise verübte heute der 17jährige Metzger­lehrling Rinner, gebürtig aus Diez a. d. L. uud be­schäftigt bei dem Metzgermeister Betzel in Hofheim, Selbstmord. Der junge Mann setzte sich den Schieß- apparat, wie er zum Schlachten des Großviehs benutzt wird, auf die Brust und erschoß sich. Im Höchster Krankenhaus ist er heute vormittag seinen schweren Verletzungen erlegen.

Wittelsberg, 28. Oktober. Als gestern abend der Oekonom Kiefer mit seinem 15jährigen Knecht das Hoftor zu machen wollte, brach an diesem die Führung und stürzte um. Der Knecht kam so unglücklich unter das Tor zu liegen, daß der Tod auf der Stelle ein­trat. Das Tor war von einigen Tagen erst neu aufgestellt worden und wog fast 9 Zentner.

Weinheim a. d. B., 28. Oktober. Zwischen Schries- heim und Leutershausen wurde der Knecht Lettner aus Rimbach i. O. als Leiche aufgefunden. Die In­sassen eines Autos, das über ihn hinwegfuhr, brachten ihn nach Weiuheim, behaupten aber, daß sie nur eine Leiche überfahren hätten. Er wäre wahrscheinlich von einem anderen Auto überfahren worden, oder infolge Trunkenheit auf der Straße gestorben. Ob diese An­gaben auf Richtigkeit beruhen, wird die eingeleitete Untersuchung ergeben.

Weende bei Göttingen, 27. Oktober. Als heute vormittag ein Warenhausauto auf der Landstraße einen Rübenwagen des Klostergutes überholte, scheuten die Pferde. Der Knecht wurde vom Bock geschleudert und von dem schwer beladenen Wagen überfahren und getötet.