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M Kampf gegen die ruberkulose.

Deutschlands Erfolge.

Zum zweiten Male ist in diesen Tagen die inter­nationale Tuberkulose-Konferenz in Berlm abgehalten worden. Das erste Mal tagte dieselbe in der Reichs­hauptstadt vor 11 Jahren, im Oktober 1902, und zwar wie dieses Mal unter dem Protektorate der Kaiserin. Bei der ersten Tagung der Konferenz wurde die inter­nationale Bereinigung zur Bekämpfung der Tuber­kulose ins Leben gerufen, um alle Stationen in dem Kampfe gegen einen der schlimmsten Feinde der Mensch- Heit zu vereinigen und das Joch zu brechen, welches die Tuberkulose seit Urzeiten und zwar in steigendem Maße den Völkern auferlegt hat.

Mit vollem Rechte konnte bei der diesjährigen tu» ternationalen Tuberkulose-Konferenz der Staatssekretär Dr. Delbrück darauf Hinweisen, daß in der verhältnis­mäßig kurzen Spanne Zeit, in welcher die Bekämpfung der Tuberkulose als Volksseuche in die Wege geleitet ist, in allen Kulturstaaten gewaltige Anstrengungen ge­macht worden sind, um diesen Würgeengel, der der Volks- gesundheit und der Arbeitskraft der Rationen so tiefe Wunden schlägt, zu beseitigen, und daß in diesem Kampfe bereits hocherfreuliche Erfolge erzielt sind, sowohl was die wissenschaftliche Erkenntnis der Tuberkulose anlangt, wie die Bestrebungen, den Erkrankten Heilung oder Linderung zu bringen und die Gesunden vor Ansteckung zu bewahren. Mit vollem Rechte konnte der Staatssekre­tär aber auch besonders die Erfolge der Tuberkulosebe­kämpfung in Deutschland rühmen, wo mit der Begrün­dung des deutschen Zentralkomitees der Kampf gegen die Tuberkulose rn planmäßiger, zielbewußter und weit- greifenöster Weise eingesetzt hat. Heute stehen in diesem Kampfe als Rüstung bereits 147 Volksheilstätten mit 15 278 Betten, 103 Anstalten für von der Tuberkulose be­drohte Kinder mit 9157 Betten und 114 Walderholungs- stätten und 17 Waldschulen zur Verfügung. Dazu treten 222 Spezialabteilungen in allgemeinen Krankenhäusern und besondere Pflegeheime für die Aufnahme von schwer­kranken Lungensüchtigen, sowie 1500 Auskunfts- und Fürsorgestellen, die überaus segensreich gewirkt haben.

In Hohem Maße wird die Tuberkulosebekämpfung bekanntlich durch sie deutsche Arbeiterversicherung ge­fördert, durch welche alljährlich viele Millionen zu die­sem Zwecke aufgewandt werden. Auf diese Weise hat man es in Deutschland erreicht, datz die Sterblichkeit an Tuberkulose seit den 80er Jahren des vorigen Jahr­hunderts um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist. Während in dem Jahrfünft von 1882 bis 1880 noch 346,2 Todesfälle an Tuberkulose auf 100 000 Einwohner ka­men, ist diese Ziffer im Jahre 1911 auf 172,7 herabge­drückt worden. Es sterben heute bereits in Deutschland um rund ein Drittel weniger Personen an Tuberkulose als an Krankheiten der Atmungsorgane einschließlich Diphtherie und Keuchhusten, und bei der Sterblichkeit in­folge von Magen- und Darmkatarrhen herrscht dasselbe Verhältnis.

Daß trotz aller dieser Erfolge auch in Deutschland der Kampf gegen die Tuberkulose dringend der Fortsetzung und der Erweiterung bedarf, ergibt sich schon daraus, daß auch heute noch bei uns unter allen Todesfällen etwa jeder zehnte, bei dem im erwerbsfähigen Alter Gestorbenen jeder vierte Todesfall durch Tuberkulose herbeigeführt wird, und daß bei den bis zum 35. Le­bensjahre der Industrie-, Berg- und Bauarbeiter sich erstreckenden Todesfällen sogar mehr als die Hälfte auf die Tuberkulose zurückzuführen ist. Unter diesen Um­ständen kann man nicht oft und nicht eindringlich genug die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit ei­ner Unterstützung der Bestrebungen zur Bekämpfung der Tuberkulose hinlenkem Wenn an irgend einem ?Zunkte die Bemühungen zur Herabdrückung der Sterb- ichkeitsziffer in Deutschland uüt Aussicht auf Erfolg be- tätigt werden können, so ist es noch immer beim Kampfe gegen die Tuberkulose. Auch der Niedergang der Ge­burtenziffer muß zu einer Verstärkung dieses Kampfes Anlaß geben. Es sollte sich Jeder bewußt sein, daß er durch eine Unterstützung der Bekämpfung der Tuber­kulose nicht nur dem kranken und leidenden Teile seiner Mitbürger Gutes tut, sondern auch dazu beiträgt, das Vaterland zu stärken.

Die Truppensühruug in Frankreich und bei uns.

Ein interessanter Vergleich.

Die französischen großen Manöver haben die Verab­schiedung mehrerer französischer Generale zur Folge gehabt, weil ihre Leistungen als Führer nicht mehr den berechtigten Anforderungen entsprachen. Ueber diese Maßnahme ist in Frankreich eine heftige Polemik ent­standen, die sich auch auf sonstige Mängel in der Trup- penführung erstreckte. Diese Dinge sind ein charakteri­stisches Merkmal der Verhältnisse der französischen Ar­mee. Mögen die Franzosen noch so sehr auf die Vor- züglichkeit ihrer Armee Hinweisen, so können sie doch die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß es mit ihren

Jm Satfun«

Bon A. Wienholdt, Oberleutnant z. See a. D.

(Nachdruck verboten.)

Im fernen Osten, an der chinesischen und japanischen Küste, treiben wieder einmal jene gefürchteten Wirbel­winde ihr unheilvolles Spiel. Alljährlich fallen Hun­derte von größeren und kleineren Fahrzeugen und tau- ssnde von Menschenleben diesem furchtbaren Orkan zum Opfer. Auch die deutsche Marine hat vor Jahren zwei ihrer Schiffe, die „Frauenlob" und den „Iltis" in einem solchen Taifun verloren. Und wenn damals der Kreu­zer „Hertha" als Sieger aus dem ungleichen Kampfe hervorging, so hatte er dies außer dem ausgezeichneten Maschinenmaterial nur der bewährten Führung seines Kommandanten zu verdanken.

Es war an einem Sonntagnachmittag im Oktober. Spiegelglatt das Meer, stahlblau der Himmel, die Sonne zwar ein wenig zu liebevoll glühend, aber heute störte uns das nicht, denn außer dem Wachpersonal an Deck und in den Maschinen- und Heizräumen lag die ganze Besatzung unter dem Sonnensegel im beliebten „öolce far niente,,. Plötzlich trommelt uns der Adjutant zu- sammen. Nanu, was war denn los? Wir standen doch außerhalb sunkentelegraphischer Verbindung mit der nächsten Landstation und auch am ganzen Horizont war kein Pünktchen zu entdecken, das Anlaß zu dieser un­erwarteten Störung hätte geben können. „Die Herren Offiziere in die Messe!" Dort wurde uns des Rätsels Lösung. Da standen der Kommandant und der Navi­gationsoffizier über einen Apparat gebeugt und berie­ten eifrig mit nachdenklicher Miene. Dieser Apparat war ein sogenanntes „Taifunbarometer", ein recht kompliziertes Ding, das erst vor kurzem an Bord ge­kommen war und über dessen Wirkungsweise wir uns,

höheren Führern und der Uebereinstimmung unter den Generalen eben nicht zum Besten bestellt ist.

Demjenigen, der sich eingehend mit der französi- schen Armee beschäftigt hat, bietet, wie von militärischer Seite geschrieben wird, dies keine Ueberraschung. Es wiederholen sich eben dieselben Verhältnisse wie 1870/71. Die Armee als solche ist ant der einzelne Soldat vor­züglich, die Nation voller Aufopferung und Begeiste­rung, aber die höhere Führung ist mangelhaft. Diese Ansicht gewinnt jetzt auch in Frankreich Geltung, wie das u. a. aus einem kürzlich erschienenen Buche des Oberstleutnants Ragueneau über das militärische Stu­dium und die Vorbereitung für die höhere Führung hervorgeht. Dort wird klipp und klar gesagt, daß es den französischen höheren Führern an der nötigen militär- wtssenschaftlichen Bildung fehlt und daß in der Armee keine Uebereinstimmung in den taktischen und strategi­schen Grundsätzen herrscht. Jeder höhere Führer hat feine eigene Taktik und Strategie.

In dieser Bemerkung liegt viel Wahres. Im Grunde kommt es darauf hinaus, daß es in einem republikanischen Heerwesen an der notwendigen Autori­tät fehlt, wie sie sich in monarchischen Staaten vorfindet. Gerade die straffe, von höchster Stelle ausgehende Füh­rung, die, auf langjähriger Friedensgewohnheit be­ruhend, sich auch im Kriege bewähren wird, die durch die Kriegsakademie, den Generalstab, die Kaisermanöver usw. herbeigeführte Gleichartigkeit und Uebereinstim-- mung aller strategischen Ansichten bilden für uns im Zukunftskriege eine große Stärke. Wir sind uns ihrer voll bewußt und sicher, daß sie uns die Ueberlegenheit verschafft. *

Die Ausbildung der höheren Führer für den Zu­kunftskrieg mit Millionenheeren wird immer wichtiger. Es ist deshalb mit Freude zu begrüßen, daß im näch­sten Kaisermanöver wiederum Armeen auf jeder Seite aufgestellt werden, die in bisher noch nicht dagewesenem Umfang aus je drei Armeekorps und Kavallerie-Divi­sionen bestehen werden. Hierbei soll den Führern, im Gegensatz zu dem diesjährigen Manöver, wiederum volle Freiheit in den Entschlüssen gelassen werden.

Politische Rundschau«

Ueber den Jagdaufenthalt des Kaisers in Kono- pischt meldet der offiziöse Draht: Bei anfang nebeli­gem, später aber prächtigen Wetter begaben sich am Frei­tag Kaiser Wilhelm und der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand ins Jagdrevier, um sofort in drei Trieben auf Fasanen und Rebhühner zu jagen. Um 12,30 Uhr wurde die Jagd unterbrochen und die Herr­schaften begaben sich nach Birkentor, um in einem dort aufgeschlagenen Jagdzeit das Frühstück einzunehmen. An demselben nahm auch die mittlerweile eingetroffene Herzogin von Hohenberg teil. Um 2 Uhr wurde die Jagd fortgesetzt. — Ein Hofkurier mit für Kaiser Wil­helm bestimmten Aktenstücken ist Freitag früh aus Ber­lin eingetroffen.

Eine Ledigenstener wird den oldenburgischen Land­tag bei seinem Wiederzusammentritt am 4. November beschäftigen. Eine der üeni Landtag zugehenden Vor­lagen enthält die lang erwartete Novelle zum Einkom­mensteuergesetz, und mit ihr soll als vornehmliche Neue­rung der Ledigenzuschlag eingeführt werden. Es sollen erhoben werden bei 2000 bis 3000 Mark Einkommen 20 Prozent, bei 3000 bis 4000 Mark 25 Prozent, bei 4000 bis 5000 Mark 30 Prozent, bei 5000 bis 6000 Mark 35 Prozent und bei Einkommen mit mehr als 6000 Mark 40 Prozent Zuschlag zur Einkommensteuer, jedoch mit der Maßgabe, daß dieser Zuschlag 4000 Mark nicht über­schreiten darf. Bei der Verteilung der öffentlichen La­sten nach Maßgabe der direkten Staatssteuern ist die er­höhte Steuer in Ansatz zu bringen.

Späte Tagung des preußischen Landtags. Das preu­ßische Staatsministerium hat sich nunmehr dahin schlüs­sig gemacht, der Krone in Vorschlag zu bringen, den Landtag erst nach Weihnachten zusammentreten zu las­sen. Maßgebend für diese Entschließung ist gewesen, daß der Staatshaushalt vor Neujahr nicht zur Vorlage ge­bracht werden könne.

Die diesjährige Hansawoche beginnt Mittwoch den 5. November mit einer Sitzung des Vorstandes der Sub­missionszentrale. Außerdem findet eine Tagung des An­gestelltenausschusses statt, der solche des Einzelhandels- ausschusses, des Jndustrierats und des Handwerkeraus- schusses folgen. Der Handwerkerausschutz tritt am Frei­tag, den 7. November zusammen. Auf feiner Tagesord­nung steht u. a. die Frage des preußischen Wahlrechts.

Zur Arbeitslosenversicherung wird die sozialdemo­kratische Fraktion beim Zusammentritt des Reichstags folgende Interpellation einbringen: Welche Maßregeln gedenkt der Herr Reichskanzler zu ergreifen, um den schlimmen Folgen der Arbeitslosigkeit entgegenzuwir- ken, die durch immer wiederkehrende wirtschaftliche Kri­sen verschärft werden? Ist er insbesondere bereit, eine alle Arbeiter und Angestellten umfassende reichsgesetz-

da jeder praktische Versuch fehlte, noch nicht recht im Klaren waren. Und nun ging es von selber los, d. h. alle möglichen Zeiger drehten sich hin und her, das Quecksilber in einem gewöhnlichen Barometer zeigte eine sonderbare Unruhe, kurz, wir merkten unschwer, daß wir uns in der Nähe eines Taifuns befanden. Wie weit er weg war und in welcher Richtung, das wurde durch Rechnungen festgestellt. Darauf wurde Kurs ge­nommen, denn selbstverständlich wollte der Komman­dant versuchen, aus dem gefährdeten Gebiet herauszu- kommen, sehr zum Aerger von uns Jüngsten, denn so ein richtiger Taifun, das war doch mal was anderes! Natürlich, wir dachten auch an Tod und Untergang, aber wenn es uns schon nicht beschieden sein sollte, in der Schlacht zu sterben, so war der Tod im Kampf mit den Elementen noch immer der zweitschönste. —

Wohl eine Stunde liefen wir den neuen Kurs, wir lagen schon längst wieder in unseren Stühlen, da gellte ein Mark und Bein durchdringender Pfiff durch das Schiff: „Alle Mann auf, klar zum Manöver!" Was war passiert? In seiner gewöhnlichen vornehm-ernsten Art klärte uns der Kommandant auf. Wie aus dem Tai­funbarometer zu ersehen, hatte der Wirbelsturm plötz­lich einen Knick in seiner Bahn gemacht und lief nun in emer der unseren ziemlich gleichen Richtung, aber mit dreifach größerer Geschwindigkeit, als sie auch die stärk­sten Maschinen einem Schiff zu geben vermögen, hinter uns her. Ein Ausweichen erschien jetzt so gut wie aus­geschlossen. Der Kommandant beschloß daher, da einen Sturm von Achtern über sich ergehen zu lassen, ein höchst gefährliches Experiment bedeutet, Kehrt zu machen und dem Gegner die Stirn zu bieten.

Im Nu war der Schlaf aus den Gliedern geschüttelt und eine fieberhafte Tätigkeit trat an dessen Stelle, um den unheimlichen Gast zu empfangen. Die Geschütze wurden sorgfältig eingepackt, die Geschützpfosten ver- ! Wpft, alle Niedergänge von Oberdeck nach den unteren 1

liche Arbeitslosenversicherung in die Wege zu leite«, f^ wie zur Bekämpfung der zur Zeit besonders sich gel- tenö machenden nachteiligen Folgen der Arbeitslosigkeit geeignete Abhilfemittel zu ergreifen?

Der Auswanderer-Skandal in Oesterreich-Ungar« Jm Budgetausschuß des österreichischen Abgeordneten- Hauses gab der Landesvertetdigungsminister Georat eine Uebersicht der Gestellungspflichtigen, die sich in den letzten Jahren ihrer Militärflicht mit Hilfe der Schiff- fahrtsgesellschaften durch Auswanderung entzogen ha­ben. Die Zahl der ausgewanderten Gestellungspflichti­gen beträgt in den Jahren 1901 bis 1912 in Oesterreich allein 90 000 bis 118 000 Mann, noch größer aber ist die Zahl in Ungarn, wo in einem einzigen Jahre 125 ooo Mann auswanderten.

Ein französisches Geschwader ohne Anker. Wie der „Matin" berichtet, geriet ein französisches Geschwader am einer Kreuzfahrt in eine merkwürdige Lage. Etwa die Hälfte der Schiffe verlor nämlich nach und nach die An­ker. Das Blatt behauptet nun, daß die Schuld an schlech­tem Kettenmaterial liege. Die Ketten rissen stets am Ankerschäkel. Da sich angeblich keine Reserveanker an Bord befinden, wird man erst für alle diese Schiffe die fehlenden Sinter anfertigen müssen.

Verstaatlichung der englischen Eisenbahnen? Die Londoner Blätter kündigen an, daß die Regierung eine Kommission eingesetzt hat, die dazu bestimmt ist, alle Fragen zu studieren, deren Kenntnis zu einer Verstaat­lichung des englischen Eisenbahnnetzes notwendig ist. Der von der Kommission zu erstellende Bericht wird dann dem Parlament vorgelegt werden. Offenbar will die Regierung auf diese Weise endlich einmal auch die ewig drohende Streikgefahr auf dem Netz der englischen Bahnen beseitigen.

Der Friede mit Griechenland soll nahe bevorstehen. Nach einer Meldung aus Konstantinopel darf der Ab­schluß des Friedens mit Griechenland bis nächsten Mitt­woch mit Sicherheit erwartet werden. Auch aus den letzten Meldungen aus Athen ging hervor, daß die bei­derseitigen Friedensdelegierten in den wichtigsten Punk­ten eine Einigung gefunden haben und daß der M- schluß dieser Verhandlungen nahe bevorsteht.

Kleine nadirichten«

Ein deutscher Offizier in Neukamerun gefallen.

Aus Neukamerun wird amtlich gemeldet, daß der Ober­leutnant der Schutztruppe v. Raven auf einer Dienst­reise in Nola bei Nguku durch einen Lungenschuß ge­fallen und bereits in Nola beerdigt worden ist. Nähere Angaben fehlen noch. Der gefallene Offizier stand vor seinem Uebertritt in die Schutztruppe bis November 1910 bei dem Infanterie-Regiment Graf Tauentzien von Wittenberg (3. Brandenburgisches) Nr. 20 in Witten- berg. Er ist genau am Tage der zehnjährigen Wieder­kehr seiner Patentierung gefallen.

Ueber neue Ausstandsgefahren auf den deutschen Werften meldet der „B. Lok.-Anz." aus Bremerhaven: Möglicherweise stehen den deutschen Werftbetrieben nochmals schwere wirtschaftliche Kämpfe bevor. Etwa 150 Nieter und Bohrer der Firma Tecklenborg, A.-G., in Geestemünde, haben nämlich die Arbeit niedergelegt, weil die Einstellungen nach dem letzten Ausstand zu langsam vor sich gingen. Dir Firma hat, da sie unter diesen Umständen ihren Betrieb nicht aufrechterhalten kann, ihren Arbeitern gekündigt.

Generaloberst von Scholl in Berlin beging am Sonnabend in körperlicher und geistiger Frische sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum gleichzeitig mit.seinem 68. Geburtstag. Die erste Kriegserfahrung sammelte der Jubilar 1866 aks junger Offizier in Diensten seines engeren Vaterlandes, des Großherzogtums Hessen. Er gehört zu den markantesten Persönlichkeiten im mili­tärischen Gefolge des Kaisers.

Ein aviatischer Leuchtturm wird gegenwärtig in Tauschwitz bei Liebenwerda (Provinz Sachsen) errichtet. Er wird mit einem Blinkfeuer von 2000 Kerzen Starke ausgerüstet. Es ist dies der erste aviatische Leuchtturm im Reiche, der der Luftschiffahrt wertvolle Dienste leisten dürfte.

Eine Gewerkschaft der Aerzte ist in Brüssel gegrün­det worden. Der Verband beabsichtigt die Proletarisie­rung des Aerztestanöes zu verhindern und die Aerzte vor der Ausbeutung durch die Versicherungsgesellschaf­ten zu schützen.

Die Lerche der Wirtschafterin Galle gefunden? I Berlin liefen am Freitag abend Gerüchte um, daß die Leiche der wahrscheinlich von dem verhafteten Former Henk ermordeten Wirtschafterin Galle, in einem Koffer verpackt, in einer Laube bei Dabendorf in einem Fich- tengelänöe aufgefunden worden sei. Eine amtliche Be­stätigung dieses Gerüchts liegt noch nicht vor.

_ Von einem wütenden Bullen getötet. Auf einem Gute in Schrutzlau ber Colberg überfiel ein Bulle zwei Mädchen, nahm sie auf die Hörner und richtete sie schrecklich zu. Das eine Mädchen wurde auf der Stelle getötet, das andere tödlich verletzt.

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Räumen fest verschlossen. Die Boote erhielten eine drei­fache Umschlingung von Ketten und Trossen, die Ven­tilationsschächte wurden, wie überhaupt alles, was nicht Niet- und nagelfest war, unter Deck geschafft. Die Kam­mern und Messen, die sonst mit Bildern, Basen und allerlei exotischen Krimskrams ein so wohnliches Aus­sehen bekamen, sahen in kurzer Zeit öde und kahl aus. Es war gegen 7 Uhr abends, als sich die Vorboten des Taifuns in Gestalt eines sehr unangenehmen Schau- kelns infolge langgestreckter Wellen einstellten, wäh­rend die Luft noch wenig Bewegung zeigte, ein Umstand, der aber dazu beitrug, in uns eigenartige und unbe- kannte Gefühle auszulösen. Da der Aufenthalt in der Messe infoge des starken Rollens und Schlingerns im­mer ungemütlicher wurde, trennten wir uns bald und auch der Mannschaft wurden die Hängematten ausge- geben. Anders auf einem Segelschiff, da muß natürlich in solchen ungewöhnlichen Situationen die ganze Be­satzung „klar" bleiben, um jederzeit für die notwendigen Segelmanöver zur Verfügung zu sein. —

@in donnerndes Hämmern an meiner Kammertür weckte mich mit einem: Fünfzehn Minuten vor 4, Zeit our Morgenwache! — aus dem Schlafe, der, so unfaß- lich dies auch dem Laien klingen mag, fest und gesund gewesen war. Raus aus der Koje, 'rein in die Kleider, war das Werk dreier Sekunden, in der vierten hatte ich mir am Schreibtisch ein Loch in den Kopf gestoßen - eine Folge meines noch etwas schlaftrunkenen Zustan­des und der fürchterlichen Bewegungen des Schiffes dessen Bordwände auf die anstürmenden Seen mit Aech- zen und Stöhnen antworteten. Dann trat ich meinen Weg durch das Batteriedeck — das Oberdeck war wegen der fortwährend dartiber wegströmenden Wassermassen unpassierbar — nach der Wendeltreppe des Gefechts Mastes an.

(Schluß folgt,).