Sie Arbeitslosenversicherung.
Stellungnahme eines bayerischen Ministers zn -er Frage.
Das schwierige Problem der Arbeitslosenversicherung ist in -er bayerischen Kammer auf Grund einer Interpellation der Liberalen, sowie infolge von Anträgen des Zentrums und der Sozialdemokratie zur Erörterung gelangt. Man forderte seitens der Volksvertretung angesichts der herrschenden Arbeitslosigkeit Maßnahmen zu deren Bekünwfung und vor allem die Einführung einer Arbeitslosenversicherung durch das Reich beziehungsweise Bayern. Die hierbei vom Regierungstische gemachten Ausführungen waren nicht ohne Interesse auch über die blau-weißen Grenzpfühle hinaus.
Der Minister des Innern, Freiherr von Soden, erklärte, daß an die Einführung einer durch Reichsgesetz geregelten Arbeitslosenversicherung in absehbarer Zeit nicht gedacht werden könne, wenn er auch zugeben müßte, daß eine solche ihm als die beste und zweck- mützigste Lösung des Problems erscheine. Unter diesen Umständen könne Bayern unmöglich auf dem Wege der Landesgesetzgebung vorgehen, insbesondere im Hinblick darauf, daß Bayern kein selbstständiges Wirtschaftsgebiet bilde. Weiter machte der Minister noch geltend, daß die bayerische Industrie sich in einer wenig günstigen Lage befinde und ohnehin schon mit nrißlichen Verhältnissen zu kämpfen habe. Aus dem gleichen Grunde könnten auch die Städte nicht auf dem Wege der Gesetzgebung gezwungen werden, eine Arbeitslosenversicherung einzuführen und obendrein die Arbeitgeber zur Beitragsleistung heranzuziehen. Gleichwohl will die bayerische Regierung ihre Hand zur Linderung der durch die Arbeitslosigkeit Bedingten Schädigungen reichen und staatliche Zuschüsse zu eventuellen kommunalen Arbeitslosenversicherungen gewähren: angesichts der ungünstigen Finanzlage seien die Mittel allerdings ziemlich knapp und könnten nur aus der Budgetreserve genommen werden.
Man muß zugeben, daß Herr von Soden an die Sache ohne Voreingenommenheit herangetreten ist, und nach Möglichkeit Vorkehrungen zu treffen sucht, um dem herrschenden Uebelstande der Arbeitslosigkeit abzuhel- fen. Man wird den Standpunkt der bayerischen Regierung erklärlich finden, zumal die Arbeitslosenversicherung gerade ein Problem ist, dessen Lösung nach wie vor auf Schwierigkeiten stößt, ohne daß man einen gangbaren Ausweg finden könnte. Auch ist es erklärlich, daß man in Arbeitergeberkreisen sich meist dagegen wendet, zu einer derartigen Versicherung selbst veizusteuern, indem man erklärt, daß dies Sache der Arbeitnehmer allein sei. In verschiedenen Orten hat man bereits Arbeitslosenversicherungen mit städtischer Subvention eingeführt, aber die gemachten Erfahrungen sind noch zu geringe, um auf deren Basis weiter aufbauen zu können. Auch kommen Hierbei häufig örtliche Verhältnisse in Frage, sodaß eine Verallgemeinerung nicht gut angäng ist, wenn nicht Mißstände hervorgerufen werden sollen. Auch aus diesem Grunde würde eine einheitliche reichsgesetzliche Regelung der Frage den größten Schwierigkeiten begegnen. Angesichts dieser ganzen Sachlage dürfte es noch lange dauern, bis die Frage den Gegenstand der Reichsgesetzgebung bilden wird.
Aus welchen Berufen stammen unsere Offiziere?
Zu der Frage, aus welchen bürgerlichen Berufen die Offiziere des deutschen Heeres stammen, werden der Korrespondenz „Heer und Politik" von militärischer Seite die folgenden Mitteilungen gemacht: Aus dem amtlichen Zahlenmaterial geht mit unbestreitbarer Deutlichkeit hervor, daß von einer Bevorzugung irgend eines Standes in dieser Hinsicht nicht gesprochen werden kanm Es hat sich vielmehr gezeigt, daß unser Offizierkorps im großen und ganzen durchaus gleichmäßig aus allen Kreisen stammt. Bei der amtlichen Erhebung ergab sich, daß nur 9,7 Prozent sämtlicher deutscher Offiziere aus Landwirtskreisen stammen. Merkwürdigerweise zeigte es sich gleichzeitig, daß 5,2 Prozent der Offiziere Söhne von Unteroffizieren und Subaltern- beamten waren. Der Unterschied zwischen diesen beiden Klassen ist also so gering, daß allein schon diese Tatsache eine deutliche Sprache spricht. Die übrigen 85,1 Prozent der deutschen Offiziere waren Söhne von Offizieren, Staatsbeamten, Geistlichen, Rechtsanwälten, Kaufleuten, Fabrikanten usw. Davon entfielen auf die Kreise der Offiziere, der Staatsbeamten und der akademischen Berufe 62,5 Prozent, auf die kaufmännischen Kreise 15,2 Prozent und der Rest auf sonstige private Berufe. Aus dieser Statistik geht zur Genüge hervor, daß alle Klaffen, soweit sie für die Offizierslaufbahn in Betracht kommen, eigentlich gleichmäßig berücksichtigt sind. Daß nur gewisse soziale Schichten in Frage kommen, ergibt sich aus den ganzen Notwendigkeiten der Offiziersstellung.
Aus dem Leben einer Einsamen.
Vaterländische Erzählung von C. Gerhard.
5) (Nachdruck verboten.)
„Du lieber, guter Vater l" Freudestrahlend hing Ferdinande an seinem Halse, und am nächsten Morgen fahren sie nach der Residenz. Welch ein Leben herrschte dort, welch eine Aufregung! Berlin schien nur Soldaten zu beherbergen und jeden beseelte eine hoffnungsfrohe Stimmung. Auch Hans und Kurt waren glücklich, daß sich nun endlich der heiße Wunsch aller Patrioten erfüllen würde; letzterer erzählte seiner Braut, daß er sein Gut verkauft und einen Teil des Erlöses hingegeben. „Ist mir Gott gnädig, und läßt er mich heimkehren, so wird meine Ferdinande auch gerne des armen Leutnants Frau, nicht wahr?" fragte er, und sie bejahte, unter Tränen lächelnd.
Als sie danach einsam in ihrem Kammerlein war, ergriff sie ein lebhaftes Bedauern, es dem Geliebten nicht gleich tun zu können, nichts Kostbares mehr zu besitzen, was sie, wie er, opfern könnte. Da fiel ihr Auge auf ihre Flechten, die sie gerade zur Nacht ordnete, und ihr kam der Gedanke, dieses lange Haar, welches wohl hoch bezahlt werden würde, darzubringen. Aber Kurt liebte gerade diese schimmernde Pracht so sehr: würde er sie noch gerne haben ohne dieselbe? Doch nur einen Augenblick dauerte dies Bedenken. Kurts Liebe konnte nicht so schwächlicher Art sein, und schnell entschlossen schnitt Ferdinande ohne Seufzer das lange, goldige Haar ab und trug es am andern Tage in das zur Annahme aller Gaben bestimmte Bureau.
Als Kurt sie zum ersten Male statt der Flechten mit einem dünnen Flortüchlein geschmückt fand, fiel er ihr zu Füßen und küßte innig chre Hände. Sie wollte ihn aufheben, er aber bat: „Nein, laß mich vor Dir knieen; nicht mehr mein Dornröschen, meine Heilige bist Du!"
FMinandMs großherzige Tat Wurde bald bekannt
Politische Rundschau«
Das Reiseprogramm des Kaisers. Der Kaiser trat seine Reise nach Oesterreich Donnerstag vormittag 8 Uhr 55 Minuten von der Station Wildpark aus an. Die Ankunft in Beneschau ist auf 5 Uhr 40 Minuten festgesetzt. Von dort begibt sich der Kaiser stach dem Jagdschlösse Konopischt. Für Freitag und Sonnabend sind Jagden festgesetzt. — Die Abreise von Beneschau erfolgt am Sonnabend abend. Am Sonntag 26. d. M. trifft der Kaiser vormittags 11 Uhr in Penzing ein und begibt sich von dort nach dem Schloß Schönbrunn. Die Rückfahrt von Penzing wird um 9 Uhr abends allgetreten. Der Kaiserliche Zug trifft am Montag nachmittag wieder in Station Wildpark ein.
Die politische Hofjagd. Zu der Teilnahme des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand bei den deutschen Hofjagden schreibt die Wiener „Reichspost": Dieser Besuch bedeutet den Austausch der herzlichen Beziehungen zwischen Kaiser Wilhelm und unserem Thronfolger. Derselbe bildet ohne Zweifel den Anlaß zu wichtigen politischen Aussprachen, die aufs neue die Bundes- treue und Festigkeit der Beziehungen der beiden großen Machtbereiche bekunden werden.
Das Ende des Kavalleriesäbels? Bei den neuen Jägerregimentern zu Pferde ist versuchsweise das Infanterie-Seitengewehr 84/98 eingeführt worden. Es wird un Dienst an der rechten Seite getragen, während der bisherige Kavalleriesübel nur außer Dienst angelegt wird. Es handelt sich um das früher bei der Infanterie getragene kurze und leichtere Seitengewehr. Es soll beim Fußgefecht der Kavallerie gegebenenfalls auf den Karabiner aufgepflanzt werden, der eine entsprechende Einrichtung erhalten hat. Damit bekommt der zn Fuß fechtende Kavallerist außer der Schußwaffe eine bet der Nahverteidigung wie beim Nahangriff wirkungsvolle blanke Stoßwaffe. Von dem Ergebnis der Versuche wird die endgültige Einführung abhängen.
Gibt es Kinderzulagen in Preußen? Bei allen preußischen Beamten, sowohl den etats- wie autzeretats- mätzigen, haben kürzlich Erhebungen über den Haus- und Familienstand nach dem Stande vom 1. Oktober stattgesunden. Es wird angenommen, daß es sich um die im Ministerium erwogenen Kinderzulagen gehandelt hat. Doch weiß man dies nicht bestimmt.
Französische „Ritterlichkeit". Ein Pariser Mittagsblatt entrüstet sich darüber, daß Präsident Poincaree der deutschen Regierung sein Mitgefühl beim Untergänge des „L 2" ausgesprochen habe, und schreibt dazu: „Wir haben nichts zu bedauern! Der Tod. der 28 deutschen Militärs rettet Hunderten von Franzosen das Leben, die — wenn der Zeppelin erfolgreich geblieben wäre — eines schönen Tages durch seine Bombenwürfe pulverisiert würden. Jedesmal, wenn einer dieser verdamm- ten „Zeppeline" in Stücke geht, reibe ich mir die Hände. Ich würde keinen Finger rühren, einen zu retten. Hof- sentlich wird der Himmel Europas von ihnen bald gesäubert sein!" Eine gute Probe der französischen „Ritterlichkeit". Uns kann der Wutausbruch der Franzosen gegen die „Zeppeline" nur stolz machen.
Frankreichs Angst vor den Anarchisten. Da die Anarchisten seit einiger Zeit von neuem eifrig antimili- taristische Treibereien entfalten, hat der Polizeipräfekt von Paris verfügt, daß die Umgebung der Kasernen und Kasematten streng überwacht wird. Alle Leute, welche den Soldaten armeefeindliche Flugschriften in die Hände zu schmuggeln versuchen, sollen sofort verhaftet werden.
Die innere Wiedergeburt Chinas. Im Schoße des Kabinetts und in Uebereinstimmung mit dem Präsidenten Juanschikai sind jetzt gewisse Richtlinien für die innere Politik der chinesischen Regierung festgelegt worden. Die Armee soll aus 20 Divisionen herabgesetzt werden; der Rest der Truppen ist zur Errichtung einer Gendarmerie bestimmt. Auch soll eine Flotte geschaffen werden. Auf dem Gebiete des Unterrichts ist die Einführung des Schulzwanges geplant und die allgemeine Gründung von Elementarschulen. Die Konsolidierung des Finanzwesens ist naturgemäß die größte Sorge der chinesischen Regierung.
Kleine Radiridifen«
Kaiser und Kronprinz. Die „Vossische Zeitung" berichtet: „Eine hübsche Szene, die im Hinblickck auf die Vorgänge der letzten Tage nicht ohne Interesse ist, spielte sich, wie Augenzeugen berichten, am Dienstag mittag unmittelbar vor der Trauerfeier für die Opfer der Marine-Luftschiff-Katastrophe in Berlin ab. Als der Kaiser vor der evangelischen Garnisonskirche ein- traf, begrüßte er zunächst den Kronprinzen mit einem Kuß, dann reichte er seinen anderen Söhnen die Hand zum Gruß."
Unter der Kriegsflagge. Das jüngst erschienene „Armeeverordnungsblatt" bringt nachstehende Verfügung: „Auf Befehl seiner Majestät haben die Luftschiffe der Armee von jetzt ab die Reichskriegsflagge zu führen." Sie wehte schon bisher stets am Heck der Marme-
und erregte allgemeine Bewunderung. Ihr Haar wurde zu Ringen gefaßt und zu hohen Preisen verkauft; natürlich war Kurt von Brandow der erste, der einen derselben erwarb. Tränen seligsten Glücks weinte Ferdinande, als man ihr mitteilte, daß von dem Erlöse der Ringe vier freiwillige Jäger bekleidet und bewaffnet werden konten, aber Tränen schmerzlichen Wehs vergoß sie, als sie zum letzten Male in Kurts Armen lag, ehe er hinauszog in Ben Kampf für König und Vaterland.
Die ersten Lenzesblüten erschossen ihre Augen dem sonigen Lichte, als die todesmutigen und doch Hoffnungs- freudigen preußischen Scharen den feindlichen Heeren die tapferen Stirnen boten, und das frische, junge Gras trank manches edle Blut. Die Sommersonne brannte versengend auf die Felder herab, und noch immer tobte der Kampf; der Herbstwind erhob seinen Klagegesang, und noch immer wollte es nicht Frieden werden. Aber manch ein herrlicher Sieg war erfochten worden, manch ein unverwelkliches Lorbeerreis dem preußischen Ruhmeskranze eingeflochten worden.
Während die Tapfern draußen kämpften, verfolgte man daheim mit bangender Seele jeden Schritt auf ihrer blutigen Bahn, und wenn brausender Siegesjubel durch das Land hallte, dann zitterte manches Herz Bet dem Gedanken: Ist der, den du liebst, auch mitten im mörderischen Gewühle gewesen, sprengt er noch freudig auf mutigem Rosse einher, oder liegt er bereits in kühler Muttererde?
Auch Ferdinande und die Ihrigen sahen jeder Nachricht vom Kriegsschauplatze mit Sorgen entgegen; aber bisher hatten sie immer nur gute Botschaft empfangen. Seite an Seite hatten die jungen Helden bei Kulm, an der Katzbach, bei Großbeeren und Dennewitz gefochten und schrieben siegestrunkene, glückesfrohe Zeilen; dennoch wollte ein schwerer Druck eine seltsame Vorahnung aber nicht von Ferdinande weichen, wenn sie sich der trüben Stimmung auch nicht hingab, sondern
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luftkreuzer, — ein erhebender Anblick für feden ^^Euc neues Telegraphenkabel zwischen England
Deutschland wurde am Dienstag unter entsprechenden Feierlichkeiten dem Verkehr übergeben. Der deutsche Endpunkt ist Ernden, der englische Noneffh. Das deutU Kabelschiff „Stephan" hat unter Leitung des I». genieurs B?üller das Kabel gelegt, daß durch den enorm gesteigerten Verkehr einem großen Bedürfnis abhelfen wird.
Ein Denkmal für die Besatzung des verunglückte« Marineluftschiffes. Gelegentlich einer Feier des, Ge. denktages der Leipziger Schlacht wurde in Johannis- thal in einer Versammlung der Anfang mit einer Sammlung für ein Erinnerungsdenkmal für die Opfer des „L. 2" gemacht. Das Ergebnis wurde an dett Staatsminister von Tirpitz gesandt.
Begnadigung des Mörders des Abgeordnete» Schuhmeyer. Der Kaiser Franz Josef hat den wegen Ermordung des Wiener Abgeordneten Schuhmeyer zum Tode durch den Strang verurteilten Eisendreher Paul Kunschak begnadigt. Kunschak wurde daraufhin vom Gericht zu zwanzig Jabren schweren Werfers verurteilt.
Das Massengrab der Opfer des Marineluftschiff, Unglücks auf dem Garnisonfriedhofe in der Hafenheiöe bei Berlin wurde am Mittwoch vom frühen Morgen bis in die späten Abendstunden von ungezählten Personen besucht. Keine laute Neugier machte sich breit. Still und in sich gekehrt gingen alt und jung an dem Hügel mit den kostbarsten und einfachsten Kranzspenden vorbei.
Wieder eine Grubenkatastrophe. Auf der Hirschschlucht-Kohlengrube bet Dawson (Neumexiko) find zweihundert Bergleute durch eine Explosion verschüttet worden.
Für unterirdische Ferusprechkavel-Liuie» werden weiterhin für eine Reihe von Jahren Raten angefordert werden. Im Etat für 1914 handelt es sich nach der „Vos. sischen Zeitung" insbesondere auch um eine dritte Baurate für die Wetterführung der Fernkabellinien nach dem Westen.
Glanzleistung eines deutschen Fliegers. Der Ingenieur Schlegel hat am Mittwoch auf einer Gotha- Taube mit einem Passagier 1470 Kilometer durchflogen. Bei der Landung hinter Labia im Nebel und in der Dunkelheit setzte der Apparat zu hart auf und Schlegel erlitt einen Bruch des Nasenbeins. Die Maschine wurde schwer beschädigt.
Verkauf russischen Fleisches in Berlin. Bei 35 Berliner Ladenschlächtern und in insgesamt siebzig Markt- Hallenständen wurde am Donnerstag wieder mit dem Verkauf des russischen Fleisches begonnen.
Der Neuyorker Madchenmörder Kapla« Schmidt, der seine Geliebte Anna Aumüller erstochen und zerstückelt hat, ist von der Jrrenkommission für zurechnungsfähig erklärt worden. Der Prozeß gegen ihn soll demnächst beginnen.
Gericht und Recht«
Verurteilung einer gefühllosen Mutter. Por der Erfurter Strafkammer hatte sich am Dienstag die ledige Marie Heise aus Erfurt wegen fortgesetzter schwerer Körperverletzung zu verantworten. Sie wurde Beschul« digt, ihr vier Jahre altes uneheliches Kind, das lahm war, derart mißhandelt zu haben, daß es schließlich ins städtische Krankenhaus gebracht werden mußte, wo es an seinen Verletzungen starb. Nach Aussage des medizinischen Sachverständigen war der Körper des armen Kindes schrecklich zugerichtet,' er trug viele blutunterlaufene Stellen und Beulen, die von Mißhandlungen herrührten. Besonders der Kopf wies Spuren grausamer Behandlung auf, weil die Rabenmutter ihr Kind einmal mit dem Kopf an eine Säule geschlagen, ein andermal es mit einem Brikett beworfen hatte. Die Angeklagte wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und sofort verhaftet.
Eine Varomn vor Gericht. Vor der Wiesbadener Strafkammer kam am Dienstag die Betrugsanklage ge« gen die 50jährige Baronin von Salöern-Ahltmb aus Bornhagen (Kreis Hetligenstadt) zur Verhandlung, die Mutter des vor einiger Zeit von der Anklage des Be- trugs wegen Unzurechnungsfähigkeit freitzesprochenen Grafen Saldern. Die Angeklagte soll an einer Reihe von Fällen, die dem Sohn zur Last gelegt wurden, beteiligt gewesen sein. Als sie anfangs 1912 nach Wiesbaden kam, verfügte sie über ein Einkommen von etwa 3000 Mark pro Jahr aus Pacht, Majorswitwenpension usw., von dem ein Teil verpfändet war. Sie hatte 1910 bereits den Offenbarungseid geleistet. Nach Wiesbaden kam sie, um die Heiratsprojekte ihres Sohnes besser betreiben zu können. Daß sie eine Villa für 6000 Mark mietete, sei aus Rücksicht auf die fünfzehnjährige Russin geschehen, mit der sich der Sohn verlobte,' überdies habe die Großmutter der Braut eine Tagesmiete von 24 Mark selbst bezahlt und sie habe auch für alle Schulden auskommen wollen. Wegen der inzwischen erfolgten Verhaftung des Sohnes ging die Verlobung auseinander.
eifriger denn je ihren vielseitigen Pflichten nachkam. Dann traf die Kunde ein von der herrlichen Völkerschlacht bei Leipzig, und überall wurden Dankgebete gehalten: war doch Deutschland durch diesen glorreichen Sieg bis zum Rhein frei geworden von der drückenden Fremdherrschaft. Auch im Schmettauschen Hause herrschte Heller Jubel, sowohl über die gewonnene Schlacht, wie darüber, daß Hans und Kurt unversehrt aus derselben hervorgegangen waren. Sie hatten nur flüchtige Botschaft senden können, denn ihr Regimen» gehörte zu denen, welche den fliehenden Feind in rastloser Eile verfolgten.
Lange fehlte dann jede Nachricht; wohl sagten sich Ferdinande und ihre Eltern, daß in so bewegten Zeiten Briefe leicht verloren gehen könnten, aber man feierte doch in sehr gedrückter Stimmung das Weihnachtsfest, selbst die Kinder ließen sich durch den Ernst der Erwachsenen Beeinflussen.
Müde schlichen die Tage bis zum Silvesterabend Ferdinande dahin: immer wieder schweiften ihre Gedanken zum vergangenen Jahre zurück. Wo weilte er nun, der stolze, liebe Mann, der ihr Herz im Sturm gewonnen, ihr Königssohn?
Als die Dämmerung ihre grauen Schatten auf die Erde senkte, begann sie, die Kerzen am Weihnachtsbaum anzuzünden. Da trat der alte Diener ein und überreichte ihrem Vater einen großen, mehrfach gesiegelten Brief. Herr von Schmettau öffnete denselben nachdenklich, plötzlich wurden seine Lippen starr, ein dumpfer Laut entrang sich seinen Lippen — zwei Hiobsposten auf einmal waren es, die ihn bis ins Herz trafen! IN einem Rettergefecht, nicht weit von der französischen Grenze, war Hans von Schmettau schwer verwunde» worden und Kurt von Brandow einen ehrlichen Sol" datentod gestorben.
(Schluß folgt.)