der deutschfeindliche Churchill.
Nachdem England den Bau der fünf Großlinien- schiffe des diesjährigen Bauprogramms vergeben und Vorbereitungen getroffen hat, die vom kanadischen Parlament einstweilen nicht bewilligten drei Großlinien- fchiffe vorläufig auf englische Kosten zu bauen, hält der britische Marineminister es für zweckmäßig, seinen früheren Vorschlag eines Feierjahres nochmals an Deutschland zu richten. Nach dem telegraphischen Auszug seiner Rede fügte er zur näheren Erläuterung seines Planes hinzu: „Wir würden im nächsten Jahre, abgesehen von den kanadischen Schiffen oder ihrem Aeqm- valent, ferner abgesehen von allem, was durch neue Entwickelungen erforderlich werden könnte, vier große Schiffe gegen zwei von Deutschland auf Kiel legen. Nun sagen wir in aller Freundschaft und Aufrichtigkett: Wenn Ihr den Beginn Eurer zwei Schiffe um zwölf Monate aufschiebt, wurden wir den Beginn des Baues unserer vier Schiffe in absolut gutem Glauben für die gleiche Frist aufschieben."
Nach den zahlreichen fachmännischen Erwiderungen, die Churchills Plan früher hervorgerufen hat, wäre es eigentlich überflüssig, von neuem auf ihn einzugehen. Da jedoch in ihr in direkt der Vorwurf liegt, daß Deutschland der Schrittmacher im allgemeinen Flottenbau sei, scheint eine erneute Stellungnahme zu ihr unentbehrlich zu sein. Was den genannten Borwurf betrifft, so richtet er sich selbst, da England doppelt so viel Schiffe wie Deutschland, lediglich gegen dieses und außerdem noch die kanadischen Schiffe und „was durch neuere Entwickelung erforderlich werden könnte" zu bauen gedenkt. Daß alle diese Schiffe zusammen eine Einheit bilden, öi» tm Kriegsfalle geschlossen gegen jeden Gegner Englands auf- zutreten vermag, wird auch Herr Churchill nicht in Abrede stellen.
Der Erfolg seines Vorschlages liefe also darauf hinaus, daß Deutschland 12 Monate lang keine Schlachtschiffe auf Stapel legte, während England mindestens drei (die kanadischen), wahrscheinlich aber eine ganze Reihe anderer z. B. für das Mittelmeer zum Ausgleich für die Flottenbaut^n unserer Verbündeten bauen würde, alles das unter der unhaltbaren Voraussetzung, daß diese nicht gegen die deutsche Flotte gerichtet seien. Es liegt auf der Hand, daß ein solches Vorgehen den englischen Werften sehr gelegen käme, die andauernd mehr Aufträge besitzen, als sie ausführen können, während in Deutschland infolge des Feierjahres viele Hunderte von Arbeitern brotlos würden- und ebenso würde es die Lösung der Mannschaftsfrage, die in England auf immer wachsende Schwierigkeiten stößt, erleichtern.
Dazu kommt, daß Frankreich in den Jahren 1913 bis 1916 dreizehn Grotzlinienschiffe auf Stapel legt, sowie daß Rußland gegenwärtig nächst England die größte Summe für den Aufbau seiner Schlachtflotte verwendet. Welcher deutsche Staatsmann könnte unter diesen Umständen die Verantwortung auf sich nehmen, Churchills Vorschlag auch nur in Erwägung zu ziehen? Für Deutschland ist es vielmehr eine Lebensfrage, daß an der Durchführung des Flottengesetzes nicht nur festgehalten, sondern daß sie mit aller Tatkraft gefördert wird.
Der Vorschlag Churchills war daher, so schreiben die „Mitteilungen des Deutschen Flottenvereins", so unzeitgemäß wie möglich und daher auch nicht deutschfreundlich. Churchills Vorschlag hat übrigens in England die denkbar schlechteste Aufnahme gefunden.
Der Kaiser und die Turner.
BeiM Frühstück im Leipziger Neuen Rathause hat der Kaiser, wie die „L. N. N." mitteilen, den allbekannten Senior der gesamten deutschen Turnerschaft, Herrn Geh. Sanitätsrat Dr. Ferdinand Götz, in die Unterhaltung gezogen. Der Karser lenkte das Gespräch auf die Eilbotenläufer, die ihm und dem König von Sachsen Kundgebungen aus allen Teilen des Reiches zur Denkmalsweihe überbracht haben. Geheimrat Dr. Götz erklärte dem Kaiser den Lauf der einzelnen Sendlinge und die Strecken, die zu durcheilen waren. Zur besseren Aufklärung bediente er sich einer die Eilbotenläufe genau verzeichnenden Karte. Des weiteren erstreckte sich die Unterhaltung auch auf das Turnen in bezug aus die Dienste, die es den in das Heer eintretenden Rekruten leistet. Der erste Vertreter der Deutschen Turnerschaft hatte dabei Gelegenheit, mit dem Kaiser ausführlich darüber zu sprechen, wie sehr das Turnen dem Heere zugute komme, wie der durch sachgemäßes Turnen vorgebildete Rekrut Disziplin, Kraft und Ausdauer erprobt und gelernt habe, und wie groß die Zahl derartig durch das Turnen vorgebildeter junger Leute sei, die alljährlich einberufen werden, um den Waffenrock mit der Turnerkleidung zu vertauschen Der Kaiser stimmte den Darlegungen des greisen Turner- führers allenthalben mitWohlwollenzu und pries selbst die Vorzüge körperlicher Uebungen, insonderheit bei der Jugend.
Aus dem Leben einer Einsamen.
Vaterländische Erzählung von C. Gerhard.
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(Nachdruck verboten.)
„Ja," fügte Kurt hinzu, „ich wünschte es auch. Und wenn jetzt der König sein Volk riefe, ich bin überzeugt, eS stünde einmütig auf wie ein Mann- ist doch der Haß überall gleich groß wider den Erbfeind deutscher Nation."
„Aber unser Land ist so arm, so ausgesogen durch die verheerenden Kriege, wie würde es möglich sein, neue Heere zu bewaffnen?" wandte Frau von Schmettau sorgen voll ein.
„O Mutter, darum zage nicht," rief Ferdinande in schöner Begeisterung. „Wir geben freudig all unser Gut dahin, wenn es des Vaterlandes Glück und Freiheit verlangt, nicht wahr, Vater?"
„Gewiß, meine Tochter, Du hast recht, bist ein echtes Soldatenkind- möchtest wohl am liebsten selbst hinausziehen in den Kampf?"
Eine heiße Röte übergoß ihr schönes Gesicht. „Ich möchte es wohl, doch die Sitte verbietet's, und ihr füge ich mich. Aber es ist -er Frauen Recht und höchste Pflicht, die Wunden, welche der Krieg geschlagen, zu heilen, die Sorgen, welche er entstehen läßt, zu lindern."
„Und darin wird es mein Schwesterlein allen Jungfrauen und Frauen im preußischen Lande zuvortun," rief Hans feurig und küßte Ferdinandens Hand. Kurt von Brandow aber blickte mit so selbstvergessenem Ent- zucken auf das in ihrem Enthusiasmus strahlend schöne Mädchen, daß der Freund ihm neckend zurief: „Du möchtest wohl dieses Dornröschens Prinz sein?"
Die letzten Worte waren zu Ferdinandens Ohren ge-rmrgen- die lichte Röte verschwand plötzlich von ih- Wangen, und unter dem Vorwande, die Kleinen zu BE W briWen, Mob sie sich hastig und verließ das
Politische Rundschau«
Der deutsche Kronprinz und die Leipziger Feier. Die von einem Berliner Blatte ausgestellte Behauptung, der deutsche Kronprinz sei den Leipziger Festlichkeiten infolge der bei ihm wegen der braunschweigischen Angelegenheit herrschenden „Verstimmung" ferngeblie- ben, beruht nach Mitteilungen Berliner unterrichteter Stellen auf einer durchaus irrigen Annahme. Eine Teilnahme des Kronprinzen an den Festlichkeiten gelegentlich der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals war ebensowenig wie die Teilnahme von Prinzen aus anderen deutschen Fürstenhäusern zu irgend einem Zeitpunkte ins Auge gefaßt worden. Von einer „Verstimmung" beim Kronprinzen zu reden, habe nur insofern eine Berechtigung, als tatsächlich beim Kronprinzen eine Mißstimmung über die Bekanntgabe seines Schreibens an den Reichskanzler und die Ausbeutung desselben vorhanden sei.
Der deutsche Marineetat für 1914 wird sich, wie die „T. R." erfährt, um einige Millionen niedriger gestalten, wie der Marineetat für das laufende Jahr, der bekanntlich 467 Millionen Mark beträgt. Die Erfordernisse belaufen sich zuzüglich der für das Jahr 1914 vorgesehenen Mehrausgaben durch die letzte Marinenovelle und der zweiten Rate für die neue „Hohenzollern" auf etwas tiber 460 Millionen Mark. Dazu treten noch Mehrausgaben, die durch die Erhöhung der Deckoffiziergehälter verursacht werden. Das neue Kaperschiff soll im Laufe des Jahres 1914 fertiggestellt und im Jahre 1915 seiner künftigen Bestimmung übergeben werden.
Das bayerische Handwerk zur Königsfrage. Der bayerische Handwerkskammertag hat eine Resolution beschlossen, in der er im Namen der acht bayerischen Handwerkskammern und des von ihnen vertretenen Handwerks- und Gewerbestandes den lebhaften Wunsch auf Beseitigung der Regentschaft und Umwandlung derselben in das Königtum ausspricht und an die bayerische Regierung und an die Kammern des Landtages die Bitte richtet, die erforderlichen Maßnahmen alsbald ern- zuleiten und durchzuführen.
Der Verband der Unterbeamten des Deutschen Reiches hat eine Eingabe an das preußische Staatsministerium gerichtet, in der unter Berufung auf die herrschende Teuerung eine ganze Reihe von Wünschen in bezug aus die Besoldung, Sonntagsruhe und Anstellung zum Ausdruck gebracht werden. Die wichtigste Forderung ist die, es möge das Anfangsgehalt der geringst- besoldeten Unterbeamten auf mindestens 1400 festgesetzt werden. Weiterhin wird beantragt, den Unter- beaurten nicht in Zeiträumen von drei Jahren, sondern alljährlich die festgesetzten Zulagen zu gewähren. Es wird ferner vorgeschlagen, die jetzt bestehenden zahlreichen Besolöungsklassen der Unterbeamten in drei zu- sammenzufassen mit den Gehaltsstufen von 1400 bis 2100 ^ für Schaffner, 1500 bis 2400 ^ für Meister und Aufseher, 1600 bis 2700 7/. für Unterassistenten.
Beleidigung der deutschen Flagge. Der deutsche Konsul in Lausanne, Filsinger, hatte aus Anlaß der Feier der Völkerschlacht bei Leipzig seine Flagge gehißt und sie auch während der Nacht nicht eingezogen. Am Sonntag morgen wurde festgestellt, daß die Fahne, die von der Straße aus erreicht werden konnte, zerrissen war und daß ein Stück vom Tuch fehlte. Eine gerichtliche Untersuchung wurde sofort eingeleitet. Ein Mitglied des Regierungsrates des Kantons Waadt begab sich zum Konsul Filsinger, um ihm offiziell sein lebhaftes Bedauern über den Vorfall auszusprechen.
Um gegen die Ritustmordbeschuldigung von Kiew zu protestieren, hatte der Reichsverband der deutschen Juden für Montag abend in Berlin zwei Versammlun- gen einberufen, zu denen der Andrang so groß war, daß schließlich sechs Versammlungen abgehalten werden mußten. Die in ihnen angenommene Resolution, die gleichlautend war, erhebt Protest gegen die Beschuldigung, daß es Juden gebe, die zu Religionszwecken Menschenblut verwenden.
Kleine üacfiridifen«
Die Prinzessin Ernst August, Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg, ist am Montag abend vom Neuen Palais wieder nach Rathenow übergesiedelt. Prinz Ernst August wird am Dienstag in Rathenow zurückerwartet.
Das Vermögen -es Herzas von Cumberland schätzt der frühere Regierungsrat Rudolf Martin in seinem „Jahrbuch der Millionäre" auf 116 Millionen Mark. Der Herzog von Cumberland besitzt daneben noch heute als Privateigentum das Schloß Herrenhausen bei Hannover, dessen Verwaltung aber der Krone Preußens so lange zusteht, bis er auf die hannoversche Königskrone für sich und seine Erben ausdrücklich verzichtet hat.
Das propellerlose Luftschiff, das, von Oberleutnant a. D. Meier konstruiert, in der Kieler Luftschiffhalle für den ersten Aufstieg bereitlag, wird sich vorläufig nicht in die Lüfte erheben. Nachdem in der vergangenen
Die Weihnachtsfetertage vergingen in behaglicher Stille- es kam wohl eine der befreundeten Aöelsfamt- lien zu Besuch, aber zu lauter Fröhlichkeit war niemand gestimmt. Herr und Frau von Schmettau gewannen den ernsten Freund ihres allezeit munteren Sohnes bald lieb, die Kinder waren glücklich, wenn er sich mit ihnen beschäftigte- nur Ferdinande blieb ihm äußerlich fern, und doch stand sein Bild, seine männliche Erscheinung, sein blasses, von dunklen Haaren umgebenes Antlitz Tag und Nacht vor ihrem geistigen Auge, doch folgte sie ihm mit sehnenden Blicken, wenn er mit Hans einen Ritt unternahm, doch bewunderte sie den Adel seiner Seele, der chr aus all seinen Worten entgegenklang, und nur der Gedanke an jenen Kuß ließ sie immer wieder vor dem jungen Offizier zurückbeben. Es wäre so einfach gewesen, den Bruder zu fragen, aber eine seltsame Scheu schloß ihr die Lippen, zumal sie es deutlich fühlte, daß Kurt von Brandow ihr mehr als Hochachtung zollte.
So gingen die Tage in schnellem Fluge dahin, zu schnell für die ganze Familie und für ihre Gäste- denn diese mußten schon am 1. Januar aufbrechen, um zur Zeit ihre Garnison zu erreichen. Am Silvesterabend sollten noch einmal die Lichter am Tannenbaum er- glänzeu, wie es uralte Sitte bei den Schmettaus war. Ferdinande war allein in des Bruders Zimmer und packte schweren Herzens seine Koffer. Tränen verdunkelten sogar den Glanz ihrer Augen, und sie galten nicht allein Hans, sondern auch dessen Freund. Wie ein Frühlingssturm, rasch belebend, war die Liebe in ihr bisher unberührt gebliebenes Herz gezogen, und sie gedachte mit bitterem Weh des baldigen Scheidens. Als sie ihre Arbeit vollendet, begab sie sich in das Wohnzimmer, doch auf der Schwelle stockte ihr Fuß, denn ihren Blicken bot sich ein anmutiges Bild. In der Nähe des lodernden Kaminfeuers saß Kurt von Brandow, neben ihm auf niederen Sesseln Elfriebe und Otto, die beiden Lwilliuae ritte» veranüat auf des tunaen Öl-
Woche der Ballon "- zum zweiten Male — mit 16 oot Kubikmeter Gas aufgefüllt worden war, entstand ein Riß in der Hülle, der einen Aufstieg unmöglich machte. Vor Februar 1914 ist ein Proöeaufstieg nicht zu erwarten.
Das Luftschiff Sachsen, das am Montag von fünfzig, tausend Personen aus ganz Nordböhmen auf dem Flug, platze Haida bei Tetschen erwartet wurde, mußte, laut dem „Berl Tagebl." in Königstein umkehren.
Eine Mädchenleiche im Brunnen. In einem Brun- nen an einer Weide in der Nähe von Kleinborstel bei SantBurg wurde die Leiche der 19jährigen Dienstmagd richsen aus Flensburg aufgefunden. Ein Landmann, der Wasser aus dem Brunnen schöpfen wollte, entdeckte die Leiche, die keinerlei Verletzungen aufwies. Von dem Mörder fehlt jede Spur.
Erfinderlos. In Paris ist Charles Tellier, der Er- inder der Lebensmittelerhaltung durch künstliche Kälte, m Alter von 85 Jahren gestorben. Trotz der Bedeutung seiner Erfindung verlebte der geniale Mann seine etzten Jahre in den kümmerlichsten Verhältnissen und in bitterster Armut.
Fran Pankhurst in Nenyork. Die Erlaubnis zum Betreten des Landes ist der englischen Suffragetten- königin Frau Pankhurst unter der Bedingung erteilt worden, daß sie sich verpflichtet, in den Vereinigten Staaten keine Kampfpolitik zu propagieren und das Land nach Erfüllung der eingegangenen Borlesungsver- pflichtungen zu verlassen.
Was führte zur Katastrophe des £. 2?
Ein Urteil Dr. Eckeners.
iton entzündete, konstruktive Ei-
Die Ursache des Unglücks des L. 2 wird von Dr. Eckener, dem bekannten Mitarbeiter Graf Zeppelins, in den „Leipz. N. N." einer eingehenden Untersuchung unterzogen, bei der er zu folgendem Ergebnis gelangt:
„Es ist also sicher anzunehmen, daß das Luftschiff im Augenblicke der Entzündung sozusagen von einem Knallgasmantel umgeben war, und daß dieser in der vorderen Maschinengondel an einem Funken oder dergl. zur Explosion gelangte. Da der L. 2 gleich auf feiner ersten Fahrt sich durch Knallgasexplosi -- -
so ist der Schluß nicht abzuweisen, daß konstruktive Eigentümlichkeiten des L. 2 es waren, die die Katastrophe herbeiführten. In der Tat ist der neue Typ des L. 2 Gegenstand fehr ernster Debatten zwischen dem Grafen Zeppelin und seinen sowie der Marine - konstruktiven Sachverständigen gewesen, und es darf offen gesagt werden, daß Graf Zeppelin in jenen Debatten diesen Typ nicht als ganz so sicher anerkennen wollte, wie seine früheren Konstruktionen, und mit einigem gefühlsmäßigen Widerstreben den Bau in Angriff nahm, der sich sonst durch außerordentliche Vorzüge in bezug auf seine Leistungsfähigkeit und Geschlossenheit empfahl.
Worin bestehen die Abänderungen des L. 2 gegenüber dem bewährten alten Typ? Es sind vornehmlich drei Punkte, die hier in Betracht kommen: der Laufgang ist nach innen verlegt, die Gondeln sind im Zusammenhänge damit näher an den Schiffskörper herangezogen und schließlich ist die vordere Maschinengondel, die zwei Motoren trägt, mit einem umfangreichen Windschirm versehen, der die Gondelinsassen gegen die Zugluft schützt. Sinter diesem Schirm aber biuiet sich ein Sog, der die Luft von der Unterseite des Schiffes und damit auch hier befindliches Knallgas direkt in die Gondeln hinein absaugt. Die Katastrophe des L. 2 läßt mithin kaum eine ander Deutung als diese zu:
Das Schiff, das schnell emporstieg, blies stark Gas ab. Ein explosibles Gemisch wurde in die vordere Maschinengondel abgesaugt, und als nun ein unglücklicher Umstand es wollte, daß hier eine Vergaserflamme oder dergleichen entstand, da war das Unheil da. Diese Ursache erkennen, heißt sie auch beseitigen. Es muß wieder für frische Ventilation gesorgt werden, die man im Interesse der Bedienungsmannschaft glaubte beseitigen zu müssen, dann wird an den künftigen Schiffen ebensowenig eine Explosion sich ereignen, wie an den alten. Vielleicht geht man dabei noch gleich einen Schritt weiter und sucht die Abblasgase sicher dorthin zu leiten, wo sie ungefährlich sind."
Der Kaiser über das Unglück.
Verschiedene Wiener Blätter wissen zu melden, und zwar aus der Umgebung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand, daß Kaiser Wilhelm sich während der Leipziger Einweihungsfeier dem öster- reichischen Thronfolger folgendermaßen über die Kata- strophe des Luftschiffes „L. 2" geäußert haben soll: „Es ist furchtbar, es ist trostlos. Mich dauern die vielen
ist furchtbar, es ist trostlos. Mich dauern die vielen Opfer der Katastrophe. Nun werden alle die Besserwisser und dre ganze öffentliche Meinung gegen die grandiösen Luftschiffe Front machen... als ob noch nie ein Dampfer oder ein Zug verunglückt sei." —Diese angebliche Aeu- tzerung des Kaisers geht den Blättern aus allerbester Quelle zu, soöatz man ihr, wie auch einzelne Zeitungen erwähnen, Glauben schenken müsse.
fiziers Knien, aller vier Augenpaare aber hingen mit glänzenden Blicken an seinen Lippen, denn er erzählte ihnen das Märchen vom Dornröschen. Soeben schloß er mit den Worten: „Da beugte sich der Königssohn zu Dornröschen herab und küßte es- und wie es erwachte, nahm er es in seine Arme, und sie wurden Braut und Bräutigam."
„O, das war schön," rief Elfriede, Otto aber fragte neugierig: „Onkel Kurt, hättest Du auch Dornröschen wach geküßt?"
Ferdinande lauschte gespannt, mit stockendem Herzschlag auf seine Antwort, doch ehe diese noch erfolgte, rief Hans, der im Hintergründe bequem im Sofa ruhte: »Nein, Kinder, der wagt's nicht, der sieht Dornröschen nur an wie ein Heiligenbilds
trat um ein
an-
Ferdinande atmete tief, wie befreit auf- dann sie in den Lichtkreis, und als Kurt nun aufsprang, sie zu begrüßen, da dachte sie: „Er ist wirklich wie Königssohn, so schön, so ritterlich, so klug, so gut!*
Danach wurden die Kerzen am Tannenbaum gezündet, sie faßten sich alle an den Händen, die Großen und die Kleinen, umschritten ihn und sangen das alte, wohlbekannte Lied: „O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter!"
Nachdem die Kinder den Baum geplündert, wurden sie zu Bett geschickt, die Erwachsenen aber sammelten sich um Frau von Schmettau, die übliche Silvesterbowle ward bereitet, und unter mancherlei Gesprächen entschwanden die Scheidestunden des alten Jahres. Ein« ernste Stimmung machte sich bei allen geltend. Hans suchte wohl die Mutter durch einige Scherze anfzuhei- tern, aber immer wieder rannen Tränen über ihr« blassen Wangen.
(Fortsetzung folg^Z