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Marergehilfen kam es zu einem Streit, in dessen Verlauf MatMus seinen Revolver zog, im Handgemenge aber selbst erschossen wurde. In der Villa des Mathesius, der bis vor kurzem ein Baukgeschäft in der Friedrichstraße in Berlin betrieb, waren sechs dort beschäftigte Maler- sehilfen mit ihrer Arbeit fertig geworden. Vergeblich steten sie jedoch> auf ihren Meister, der ihnen den

auf der Arbeitsstelle auszahlen wollte. Schließlich wandten sie sich an oen Villenbesitzer und verlangten dem ^htmeif? iS&Öm Mathesius weigerte sich jedoch ^mit

Hinweise, daß die Leute sich mit ihrem Meister ab- Lmiilstcu uub er nur mit vielem au tun oie Maler sahen, daß sie bei M. nichts erreichenwür- Urlü' hJb^11 in das Stallgebäude ein

und wollten die dort stehende Eguipage demolieren. £Vn

69sM!?it ^og M jetzt seinen Revolver und drohte den Arbeitern, zu schießen, wenn sie nicht sein Gruno- stück verlassen würden. Ehe er sich aber versah hatte ihn der 32jährige Karl Barsil aus Berlin gepackt ^ versuchte, sich der Waffe zu bemächtigen. Im Handge­menge entlud sich der Revolver,- die Kugel drang dem Bankier mitten in den Kopf und tötete ihn auf der Stelle.

Vierfacher Mord eines Jugendlichen. In Rovato (Provinz Brescia) erschlug ein als Taugenichts be­kannter Bursche den eigenen Vater, den Bruder, dessen Frau und eine andere Frau. Die vier Leichen wurden vor dem Hause aufgefunden. Der Mörder ist geflüchtet. Die Mailänder Blätter bringen spaltenlange Meldun­gen über das furchtbare Verbrechen. Der in seiner Ju­gend zu 25 Jahren Gefängnis verurteilte Guisexpe Ba- setti hatte während feiner Gefängniszeit seiner Familie, die ihn von Zeit zu Zeit immer mehr vernachlässigte und schließlich gar nicht mehr achtete, Rache geschworen. Als er bereits vor einiger Zeit einmal aus dem Gefäng­nis entlassen wurde, drohte er seinen Vater ermorden zu wollen. Daraufhin wurde er von neuem verhaftet und wieder verurteilt. Als er nun abermals in Freiheit gesetzt worden war, suchte er zunächst bei seinem Schwa­ger Unterkunft und verschaffte sich später einen Revol­ver. Freitag nacht verließ er heimlich das Haus seines Schwagers und schlich sich nach dem elterlichen Hause. Sein Schwager, der das heimliche Entfernen Basettis beobachtet hatte, rief sofort einige Leute zusammen, um mit ihnen nach dem Hause der Eltern Basettis zu eilen und ein Verbrechen zu verhindern. Leider kamen die Leute zu spät an. Die Tat war bereits geschehen, und das Elternhaus Basettis stand in hellen Flammen. Der Mörder hatte vor der Haustür große Haufen Stroh an­gehäuft und diese ebenfalls entzündet, soöatz die Familie an ihm einzeln vorbei mußte. Er hatte nun hinreichend Gelegenheit, seine ganze Familie, Vater, Bruder, Schwester und Schwägerin, niederzuschießen. Dem Un­hold entwich nur das fünfjährige Kind seiner Schwester. Die herbeigeeilten Leute waren von der Tat so bestürzt, daß sie nicht wagten, an ihn heranzugehen und feine Festnahme vorzunehmen. Sie läuteten die Sturmglok- ken, um so polizeiliche Hilfe herbeizuholen. Der Mör­der hatte aber inzwischen das Weite suchen können. Bis jetzt hat man noch keine Spur von ihm.

Hochzeitsfahrten im Straßenbahnwagen bürgern sich neuerdings in Groß-Berlin ein, nicht nur zum Standes­amt, sondern zur Kirche. Dort, wo diese in unmittelba­rer Nähe einer Straßenbahnhaltestelle gelegen sind, ist das ohne Schwierigkeit durchzuführen, abgesehen von dem Aussehen, das das Erscheinen einer Braut im Myr­tenkranz und Schleier auf der Straße und in der Stra­ßenbahn verursacht. Ein Kopftuch und ein langer Man­tel helfen aber auch darüber hinweg. Auch die Fahrt zum Festlokal wird mit der Straßenbahn zurückgelegt. Bei den knappen Zeiten will die Ersparnis an Fahr- kosten immerhin etwas besagen. In den Vororten Ber­lins sind solche Hochzeitsfahrten im Straßenbahnwagen etwas alltägliches. Bei den kleinen Leuten ist die Hoch­zeitskutsche ein Luxusartikel geworden, die HochzeUs- fahrt im Straßenbahnwagen ist billig und hat den Reiz des Neuen.

Massenentziehnngen vom Militär. Die Angelegen­heit der Schließung der österreichischen Agenturen der Union Pacific Linie und die damit verbundene Verhaf­tung des Chefs der Wiener Agentur, Altmann, ent­wickelt sich nach den letzten Erkundigungen zu einer Auf­sehen erregenden Angelegenheit allerersten Ranges. Vor allem hat man aus den beschlagnahmten Büchern der Gesellschaft festgestellt, daß insgesamt gege- """"" junge Mäner der Heerespflicht entzogen und nada verschickt wurden. Zu den Werbern te- , denen Agenturen Lehörten auch mehrere Geistliche in den ruthenischen Bezirken. Diese erhielten für jeden Passagier, den sie verpflichteten, zwei bis drei Kronen. Die in den Diensten der Gesellschaft werbenden russtMen Händler erhielten für jeden Passagier 1,60 Kronen. Ver­schiedene der Werber sollen sogar bei dem Versuche, junge Leute zur Reise nach Amerika zu bewegen, um sich der Militärpflicht zu entziehen, sich der Uniform bedient haben. In allen Filialbureaus der Gesellschaft wurden sämtliche Bücher und Papiere beschlagnahmt. Interes­sant ist, daß die ganze Affare durch das Kriegsministe- rium aufgedeckt wurde. Kriegsminister von Krobatin veranlaßte die Verfolgung der Schuldigen. Der Kaiser ist von der ganzen Angelegenheit unterrichtet worden.

Miezes Autofahrt «ach Brasilien. Vor etwa acht Wochen verschwand einer im Nordwesten Berlins woh­nenden Familie eine liebe Hausgenossin — die treue Mieze. Alles Suchen wie tagelange Lockrufe waren ver­geblich. Um so überraschender war die jetzt eingetroffene Aufklärung. Ob Mieze vom Reisefieber gepackt worden oder nur versuchen wollte, wie schön es sei, aus den weichen Lederpolstern eines Autos zu schlafen — kurz, eines Abends kletterte sie in eine auf dem Hofe stehende große Kiste, in die ein Auto versandtbereit eingepackt war Am andern Morgen kamen Männer tn Leder­schürzen mit Eisenwerkzeugen und schraubten die große Kiste zu Und nun begann die Reise mit Auto und Katze nach Brasilien Sechs Wochen dauerte die Ueber- W B &w Ä S einigt »oe stand Sie Kiste dann noch in einem Lagerschuppen, bis ste endlich ge­öffnet wurde. Zu aller Verwunderung. kam jetzt ^ie

,en 112 000 » nach Ka­nada verschickt wurden. Zu den Werbern der verschie-

der

Katze nach Brasilien. Knach Sao Paolo, noch in einem .. .

öffnet wurde. Zu aller Verwunderung Berliner Katze zum Vorschein, zwar sehr schww abgemagert bis auf die Knochen, aber sie lebte doch und hakte die sechs Wochen ohne jede Nahrung überstanden. Leider versteht Mieze als geborene Berlinerin nur Deutsch und konnte daher nicht erzählen, welche Qualen sie auSgestanden. Die Brasilianer errieten indessen auch ohne ihr klägliches Miauen den Zusammenhang, das entkräftete Tierchen wurde gelabt und erholte sich zu­sehends von den Strapazen der Reise. Jetzt ist beim Absender des Kraftwagens ein Schreiben eingetroffen, tn dem der Empfang des Autos bestätigt, zugleich aber die anfangs unverständliche Frage gestellt wird, ob man hier nicht eine Katze vermisse. Bei Miezes bisheriger Herrschaft findet jetzt Familienrat statt, ob nmn das teure Reisegeld für Miezes Rücktransport opfern oder das neugierige Kätzchen den mitleidigen Brasilianern überlassen soll.

und

Durch ein Alugzeug vom Dache gefegt.

Eine eigentümliche Flugzeugkatastrophe hat sich, wie Ms gMMM WL w ^ vorletzten Woche in HaM-

mondsport, dem amerikanischen Armeefliegerzentrum er- eignet. Einer der kühnsten und erfolgreichsten Flieger Amerikas Lincoln Beachey, der sich in Hammondsport und Umgebung ungeheurer Popularität erfreut, hatte durch dre Mitteilung, daß er mit seinem „Curpitz-Flug- Le«ö bie gewagten Kopfüberflüge des französischen Fliegers Pegoud nachahmen würde, eine große Men- schenmenge auf das Flugfeld gelockt. Er stieg um 2,16 auf und umflog zunächst mehrere Male das Feld, wobei er seine vielbestaunten gewagten Experimente zeigte, indem er zunächst wenige Fuß über der Erde dahinglitt, um im nächsten Augenblick vogelgleich in die Luft em- porzuschreßen utiD sich dann ebenso plötzlich wieder fallen zu lassen. Auf dem Dach des Hauptquartiers der Mariue- flieger hatten sich, um besser sehen zu können, zwei Da-

Fraulein Hildereth, und ihre Begleiter auf- gestellt. Beachey flog an ihnen vorüber und senkte zum Gruße seine Maschine. Dann setzte er den Flug bis zum äußersten Ende des Flugplatzes fort und kehrte wieder um. Als er sich wieder der kleinen Gesellschaft auf dem klemen Dache näherte, bemerkte man plötzlich, daß sich seine Maschine stark neigte. Im nächsten Augenblick sahen die entsetzten Zuschauer, wie der Hintere Teil des Flugzeuges die beiden Schwestern und ihre Begleiter vom Dache fegte. Sie alle stürzte etwa 30 Fuß tief bis zur Erbe. Die Maschine selbst fiel unmittelbar daraus ebenfalls zu Boden und wurde vollständig zerschmettert. Beachey gelang es, sich aus den Trümmern herauszu- arbeiten. Er war nur verhältnismäßig leicht verletzt und eilte sofort den beiden Schwestern zu Hilfe, die re­gungslos am Boden lagen. Ein sofort herbeigerufener Arzt stellte fest, daß die eine auf der Stelle getötet wor­den war. Sie wies eine tiefe Wunde an der Stirn auf und das Gehirn war vollständig blosgelegt. Ihre Schwe- ster hatte einen Arm- und Bernbruch sowie schwere in­nere Verletzungen und eine stark blutende Wunbe an der Brust erlitten. Sie wurde zunächst in ein Hospital überführt. Die beiden Offiziere ihrer Begleitung und der Flieger waren mit schmerzhaften Quetschungen öa- vongekommen. Der Flieger erklärte die Katastrophe damit, daß er für einen Augenblick die Kontrolle über einen der Fußhebel verloren hatte und die Maschine in» folgedessen niedriger fiel, als er erwartet hatte.

Am brennenden Schacht.

Szenen vom Unglück bei Cardiff.

Auf allen den Menschengestchtern liegt fast der gleiche Ausdruck: gestern mochten vielleicht noch leise Schimmer der Hoffnung aufleuchten, aber heute bindet müde trostlose Resignation, eine dumpfe, gleichsam zur Bewegungslosigkeit erstarrte Verzweiflung alle diese Wesen zu einer Einheit. Dort steht ein Mann, der gar nicht mehr zum Schachte hinblickt, er steht wie verstei­nert, und seine Augen blicken ins Leere. Regungslos, wie ein lebendes Standbild ratloser Trauer, steht dieser Mann da, seit Stunden schon, er weiß selbst nicht mehr, wie lange und wozu,- er weiß nur, daß seine beiden Söhne, der Stolz und der Trost seines Lebenswinters, irgendwo da drunten sind, dort, wo es brennt und wo keine Rettung möglich scheint. Dicht neben ihm stehen zwei junge Frauen, die sich eng umschlungen halten. Sie weinen nicht, sie haben sich ausgeweint, die Augen­lider sind geschwollen, und mit jeder Stunde der Un­gewißheit, mit jeder Stunde abnehmenden Hoffens, wird das Grauen mächtiger, sodaß die Tränenquellen versiegen.

Hin und wieder gellt ein Schrei oder zuckt ein ver­haltenes Schluchzen durch die Menge,- dann entsteht an irgendeinem Punkte dieses Menschenmeeres eine schnelle hastige Bewegung, ein Wirbel bildet sich: und ein paar Augenblicke später sieht man, wie Männer mit grim­mig zusammengebissenen Zähnen eine weinende Frau fortführen, fort in ein Haus, dessen Herr wohl nimmer wiederkehrt. Nahe am Schachteingang drängen sich die Kinder,- vielleicht verstehen sie noch nicht die ganze Größe des Unglücks, das über sie hereingebrochen ist, sie warten nur auf „Vater", aber sie warten nun schon so lange, ohne daß er kommt, und die Menschen rings­um blicken so traurig, und sie sind so müde, diese Klei­nen, daß sie nicht mehr zu flüstern wagen und nur noch Angst haben, Angst vor etwas Rätselhaftem, Unerklär­lichen, das da naht. Da erscheint am Schachte eine kleine Männergruppe,- auf einer Tragbahre, von einem Tuch verhüllt, schleppen sie etwas davon, wieder nn= kenntlich gewordene Ueberreste eines Menschen, der vor zwei Tagen noch lachend seine Frau küßte und seinen Blondköpfen über Den Scheitel strich. Das Stück Sack­leinen, das diese irdischen Reste verhüllt, kommt durch eine ungeschickte Bewegung ins Gleiten,- und der Blick fällt auf ein verzerrtes menschliches Antlitz. Hastig schiebt eine Hand den großen Schleier wieder empor,- keiner erkannte den Toten, nur eine kleine Frau. Ihre Augen weiten sich, aus der Brust kommt ein entsetzlicher Schrei, der alle ringsum Die Köpfe senken läßt. „Mein Mann!" schluchzt sie auf und sinkt zusammen. Zwei Männer führen sie behutsam davon, man sieht, wie die derben Leute die Tränen verbeißen und die Frau mit einer Zartheit fassen, die nur ein grenzenloses Mit­leid diesen schwieligen Händen schenken konnte.

„Wann kommt Papi?" fragt dort eine helle Dünne Kinderstimme,- aber niemand antwortet, nur Die Frau, die hinter dem Kleinen steht, schluchzt auf und erstickt dann hastig ihr Weinen unter einem Tuch. Das Schlimmste war, daß bei Der ersten Nachricht aus den Tiefen das entsetzliche unbarmherzige Wort fiel, das da heißt: „keine Hoffnung". Was nutzte es, daß man es dann abzuschwächen suchte, es wäre verstanden wor­den, auch wenn es nie gefallen wäre. Sie alle, die hier stehen, sie fühlen es Dumpf: „keine Hoffnung": aber dahinter zittert immer noch ein banges Vielleicht und läßt die Tausende hier stehen, Stunde um Stunde. Und selbst das Dunkel Der Nacht läßt sie nicht heimkehren, hier stehen sie noch im Fackelscheine, warten und war­ten, und wissen doch, daß Die nahende Wahrheit furcht­barer sein wird, als diese Stunden der Ungewißheit und des verlöschenden letzten Hofsens . . .

Löwenschrecken in LeWg.

Acht Löwen bei Zertrümmerung eines Zwingers entflohen.

e-fb Leipzig, 20. Oktober. Ein Wagen der elektrischen Straßenbahn fuhr in vergangener Nacht in der Blücher­straße auf einen nach dem Bahnhof fahrenden Tierwa­gen des Zirkus Varnum auf, wobei Der Tierwagen zer­trümmert wurde und acht Löwen entsprangen. Unter dem zahlreichen Publikum entstand eine furchtbare Pa­nik. Ein Löwe sprang durch Die Tür des Hotels Blücher, lief Die Treppe hinauf und setzte alles in Schrecken. Ein Gast des Hotels, ein Franzose, Der bereits im Schlaf ge­legen hatte, hörte an seiner Tür ein starkes Kratzen und sah sich, als er Die Tür öffnete, dem Löwen gegenüber. Noch schlaftrunken, hielt er diesen zunächst für ein Kalb, b s er 5« seinem Schrecken das Raubtier erkannte. Von den acht entkommenen Löwen wurden fistrs von Polt- zeibeamten erschossen,, zwei sind m der Richtung nach Mockau entflohen, während ein Dritter in Der Gegend des Plöfsener Weges sich befinden muß. Von der Poli- LLt iü feine Streike vermitteltet worden. Wie die .L. N.

N." melden, rasten die Bestien brüllend in dem Hotel die Treppen auf und ab, während man das Haus um­stellte, um dann auf die Tiere eine regelrechte Jagd zu veranstalten. Gellende Schreie verletzter Tiere lenkten plötzlich die Aufmerksamkeit Der Leute wieder auf die Straße. Mit Entsetzen bemerkte man, daß einer der Löwen aufs Neue auf der Straße umherirrte. Er fiel ein Geschirr Der Möbeltransportfirma Hötzfch & Sohn aus L.-Plagwitz an und brächte mehreren Pferden ge­fährliche Bisse bei. Eifrig machte man nun auf das rasende Tier Jagd, währenddessen Feuerwehr und Po­lizei planmäßig in das von den Löwen besetzte Hotel ein» drangen. Schließlich hatte man Die Löwen bis auf den Boden getrieben.

, ** Lerpzig, 20. Oktober. (B. Z.) Durch Den Aus­bruch der Löwen geriet das ganze Stadtviertel in große Aufregung und durch die Zurufe und Aufschreie der Menge tönte das Gebrüll der planlos in Den Straßen umherirrenden Löwen. Schnell wurde die Feuerwehr alarmiert, die mit Hilfe vcn Schutzleuten und den Zir- kusangestellten eine regelrechte Jagd auf Die wütenden Bestien veranstaltete. Der in das Hotel etnaeDrunac , Löwe konnte auf dem Boden des Hauses eingefangen werden. W wurden auf Die Bestien etwa 150 Schüsse ab­gegeben. Die Dompteure versuchten vergeblich, die Tiere zu retten und das Erschießen " "' ‘ —

bedrohten einen Stratzenbo

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zu retten und das Erschießen zu verhindern. Die Löwen beorohten. einen Straßenbahnwagen. Die Passagiere örcngten schreiend ms Innere, worauf sich Die Bestien aus eine Droschke stürzten. Der Kutscher hieb verzweifelt um sich, Die Tiere ließen von Dem Pferde ab und trab­ten weiter. Der Vorfall ist dadurch herbeigeführt wor­den, daß Der eine Wagen des Zirkus zu nahe am Stra­ßenbahngleis stand und der Führer des Straßenbahn­wagens wegen des Herrschenden Nebels den Wagen nicht sehen konnte. Es wird noch berichtet, daß eins Der wü­tenden Tiere auf einen Autoomnibus kletterte, schließlich aber wieder heruntersprang und erschossen wurde. Der angerichtete Schaden soll 80 bis 90 000 Mark betragen. Wie nach einer weiteren Meldung nunmehr feststeht, entsprangen zusammen fünf Löwen, Die sämtlich von der Polizei erschossen worden sind. Menschen sind bei dem . aufregenden Vorgang nicht verletzt worden.

Lefterreichs Ultimatum an Serbien.

Die serbische Halsstarrigkeit hat zu einem Schritt Oesterreichs geführt. Der hoffentlich in Belgrad seine Wirkung nicht verfehlen wird. Die Wiener „Neue Freie Presse" meldet: Der österreichisch-ungarische Geschäfts­träger in Belgrad, von Storch hat Den Auftrag erhalten, seine Demarche wegen Der Näumttug Albaniens durch Die serbischen Truppen angesichts Der ausweichenden Antwort, welche auf Den ersten Schritt erfolgte, nach; drücklich zn wiederholen und hierbei Der serbischen Re­gierung für ihre diesbezügliche Entschließung eine Frist von acht Tagen zu setzen.

Das Wiener K. K. Telegraphen-Korrespondenz- Bureau ist zur Mitteilung ermächtigt, daß Die Demarche des östereichtsch-ungarischen Geschäftsträgers in Belgrad Sonnabend mittag erfolgt ist und daß somit von diesem Zeitpunkt an die achttägige Frist läuft, innerhalb welcher das Gebiet des autonomen Albaniens von serbischen Truppen vollständig geräumt sein muß.

Der Petersburger Korrespondent des „Matin" schreibt: Am Sonnabend wurde hier die Demarche Oesterreich-Ungarns in Belgrad bekannt, betreffend die Räumung des albanischen Gebietes von Den serbischen Truppen. Dieser Schritt Oesterreich-Ungarns ruft in Petersburg große Aufregung hervor, Da dieser Schritt äußerst überraschend und unerwartet kommt. Man hoffte, daß nunmehr eine Periode der Ruhe unD des Friedens eintreten würde, und nun sähe man sich wieder vor neuen Schwierigkeiten eines Friedens auf Dem Bal­kan. Die russische Sensibilität könne durch diesen Schritt leicht verletzt werden, und könnte dann Europa aber­mals vor neuen Komplikationen stehen, die allen Grund Hütten, zu Befürchtungen Anlaß zu geben.

„Die Mächte mögen ihre Pflicht tun."

Der serbische Gesandte in Rom, Mihailowitsch, äu­ßerte in einer Unterredung iiber Die Lage, Serbien wird Die Londoner Entscheidungen achten. Aber es muß in Verteidigungsstellung bleiben, bis jede Gefahr vorüber ist, bis Albanien, das bisher nur auf Dem Papier steht, organisiert ist, und Die Ruhe an seinen Grenzen ge­währleisten kann. Das hängt größtenteils von Europa ab. Die Mächte mögen ihre Pflicht tun. Serbien werde gern auf neue große Opfer verzichten. Der jetzige Lärm der österreichischen Presse sei unangebracht und schädlich. Bestimmte Probleme seien in Ruhe und gutwillig leicht zu löseu.

Frankfurt a. M., 20. Oktober. Der „Frkf. Ztg." wird aus Belgrad gemeldet: Mit Rücksicht auf Den ern­sten Charakter Der österreichischen Demarche wird in politischen Kreisen der Ansicht Ausdruck gegeben, daß Serbien Der Forderung Oesterreich-Ungarns entsprechen werde, da es einer weiteren Verschärfung der Grenz- frage vorzubeugen wünsche.

fe* neuestes vom Gage

Entgleisung eines Eilznges.

®-$> Hagen (Westfalen), 20. Oktober. Gestern nach­mittag entgleiste auf Der Strecke Hagen—Dortmund auf Bahnhof Vorhalle Der um 2,62 Uhr von Hagen abfah­rende Eilzug 153 aus bisher unaufgeklärter Ursache. Die Maschine und Der Gepäckwagen fielen um. Ein Perso- neuwagen grub sich in Den Bahndamm. Der Lokomotiv­führer wurde schwer verletzt in das Krankenhaus ge­bracht. Der Heizer wurde geötet. Mehrere Reisende und der Zugführer wurden leicht verletzt.

Die Geliebte erschollen.

Charlottenbnrg, 20. Oktober. (B. Z.) Ein in ei­nem Hause der Wallstratze beschäftigter - Bildhauer ver­suchte heute vormittag feine Geliebte zu erschießen. Er verletzte sie schwer miD erschoß sich dann selbst.

Ein Greis im Gefängnis. ;

Bantzen, 20. Oktober. Der Gerichtssekretar Faust in Herrnhut, der 40 Jahre am dortigen Amts­gericht tätig war, hat 100 000 Mark Mündelgelder un­terschlagen. Der 81 Jahre alte Defraudant wurde in das Untersuchungsgefängnis nach Bautzen gebracht.

Ein Priester in der Kirche Überfälle«.

Paris, 20. Oktober. Aus St. Johns (Neufund­land) wird gemeldet: Der Bischof Markh wurde gestern nachmittag während des Gottesdienstes in der Kirche "irace von einem gewissen Gare durch r verletzt. Der Täter, der

von Harl.... ------

einen Revolverschuß schwer verletzt, geistesgestört sein soll, wurde verhaftet.

Pestepidemie im Kaukasus.

$-> Nowotscherkask, 20. Oktober. Ju einem Vororte von Nowotscherkask brach eine Pestepidemie aus, bei welcher bisher elf Personen den Tod gefunden haben. Die Lage soll ernst sein.

^in verunglückter Militärzug.

»»s- Nenyork, 20. Oktober. Nach einem Telegramm aus Meridian (Texas) ist ein Zug, in dem sich eine Ar­tillerieabteilung befand, auf der Fahrt nach Meridian infolge Einsturzes einer Holzbrücke in die Tiefe gestürzt. 20 Soldaten sind getötet und etwa 100 verletzt.