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angelegt. Zu seiner Ernährung wählte er möglichst leichte Speisen und nahm während der 25 Stunden sei­ner Fahrt nur belegte Butterbrote zu sich. Stöffler war bei seiner Landung sehr erschöpft und konnte über set- nen Flug kaum die notwendigsten Angaben machen. NameMlich die Kälte hatte ihn böse mitgenommen. Die Äc hEe ihn so angestrengt, daß er die Karos- des Doppeldeckers kaum ohne fremde Hilfe ver-

, Vermischtes*

Eine geheimnisvolle Geschichte. Ueber die Berhaf- ung eines mit Dolch und Revolver ausgerüsteten Ber- Utler Studenten, dem man zutraut, einen Anschlag auf den Großfürsten Kyrill beabsichtigt zu haben, wird aus Dresden gemeldet: Die Verhaftung eines Berliner Studenten in Dresden erregt hier großes Aufsehen, da er angeblich einen Anschlag auf den Großfürsten Kyrill von Rußland oder den König von Sachsen, geplant ha­ben soll. Ueber den Vorgang wird berichtet, daß Diens­tag nachmittag ein Fremder im Hotel Europäischer Hof ein Zimmer verlangt habe, das nach der Präger Straße zu liege. Da bald darauf der König mit fernem Gast in dieser Straße vorbeikommen mußte, und da der Fremde ohne Gepäck war, fiel dieses Verlangen auf, und man benachrichtigte die Polizei. Es wurde dafür Sorge getragen, daß während der Durchfahrt des Kö­nigs und des Großfürsten der Fremde nicht in seinem

Zimmer weilte, auch wurde ihm sein Wunsch, eine Karte für die Hofoper zu erhalten, nicht erfüllt, sondern ihm eine Karte zum Residenztheater verschaffst. Während der Fremde des Abends im Theater war, untersuchte die Polizei seinen Ueberzieher und fand darin außer einem Dolch einen mit sechs Schüssen versehenen Revolver. Daraufhin wurde er nach Schluß der Vorstellung ver­haftet. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, die Persön­lichkeit des Fremden festzustellen, doch teilt die Polizei mit, daß es sich um einen Studenten aus Berlin han­dele, der anscheinend Deutscher sei. Die Geschichte be­darf wohl noch näherer Aufklärung. Die Polizei w tet im allgemeinen nicht, bis ein derartig Veröächti

Die Polizei war-

tet im allgemeinen nicht, bis ein derartig Verdächtiger im Theater sitzt, bis sie die Untersuchung seiner Sachen vornimmt.

Das verhängnisvolle Lotterielos. Von schwerem Mißgeschick ist die Familie des Eisenbahnwagenwäschers Hermann W. in Pankow heimgesucht worden. Der Mann hatte seit Jahren ein Biertellos der preußischen Klassenlotterie mit einigen Bekannten zusammen ge­spielt. Da er aber niemals etwas gewann, meinte er im Scherz zu seiner Frau, er glaube, die Nummer sei­nes Loses sei gar nicht in der Gewinntrommel enthal­ten. Seine Frau nahm diesen Scherz für Ernst und ging ohne Wissen ihres Mannes zum Lotteriekollekteur, um das Los gegen ein anderes umzutauschen. Bald darauf kam aber das erste Los mit einem Gewinn von 20 000 X heraus. Als W., der keine Kenntnis von dem Umtausch hatte, heimkehrte und die frohe Botschaft über- brachte, brach seine Frau bewußtlos zusammen. Nach­dem sie sich wieder erholt hatte, unternahm sie einen Selbstmordversuch. Dann verfiel sie in Tiefsinn und verließ schließlich die Wohnung ihres Mannes, um nicht wieder zurückzukehren. Man befürchtet, daß sie sich ins Wasser gestürzt hat.

Flucht eines Deutschen aus der Fremdenlegion.

Mit dem französischen DampferCelte" traf am Diens­tag ein aus der Fremdenlegion entwichener Deutscher in Hamburg ein. Er wurde von der Polizei in Emp­fang genommen und wegen Entziehung von der Wehr-

«t in Untersuchungshaft gebracht. Der Verhaftete n Schreiber namens Alfred Joseph Weber, Her als Achtzehnjähriger nach Paris ging. Da er dort angeblich keine Arbeit finöen konnte, habe er sich mit drei anöe- ren jungen Deutschen öem deutschen Konsulat gestellt. Bon einem der Angestellten des Konsulats seien sie dann, wie er weiter erzählt, alle vier einem Werber für die Fremöenlegion in die Hände gespielt und be­trunken gemacht worden. Als sie wieder zur Besinnung kamen, seien sie in Marseille gewesen und hätten aus den ihnen vorgelegten Papieren ersehen, daß sie sich in der Trunkenheft auf fünf Jahre für die Fremdenlegion verpflichtet hatten. Weber erzählte, er habe drei Viertel­jahre in Marokko gekämpft und dabei einen Stich in den Oberschenkel erhalten. Kaum genesen, sei er dann

desertiert. Auf der Flucht will We^

mit drei

ber achtmal von Arabern gefangen genommen worden sein. Siebenmal hätten sie alle zusammen entfliehen können, zuletzt seien seine Begleiter niedergemacht wor­den und er allein entkommen. Mühsam habe er sich bis Malaga durchgeschlagen und dort den deutschen Konsul ausgesucht, der dann seine Ueberführung nach Hamburg veranlaßte. DasB. T.", das diesen Bericht bringt, fügt hinzu: Man wird abwarten müssen, ob der etwas phan- tasievoll klingende Bericht Webers durch die Unter­suchung bestätigt wird.

Ei« Bericht Blüchers über das Ende der Schlacht von Leipzig. Der eigentliche Sieger in der Schlacht von Leipzig, der «alte Blücher", hat selbst in einem seiner charakteristischen Briefe einen prachtvollen Bericht über die Leipziger Völkerschlacht und ihren glorreichen Aus­gang hinterlassen, der in diesen Tagen naturgemäß ganz besonderes Interesse verdient. Blücher schrieb den Brief am Tage nach der Schlacht mit Bleistift an seinen Freund Äenin. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: Die 2 großen und schönen Tage sind verlebt, den 18. und 19. Fihl der große Colosh wie die Eiche vom Stuhrm, er der große Tiran hat sich gerettet, aber seine knappen sind in unsern Henden. Poniatoffsky wurde Bleshirt und ist ertrunken man glaubt Äugerau des gleichen Rennie und Lauriston sind gefangen, der erste ist Bleshirt. Den 18. wurde zu ende des kampffs Leip­zig mit Stuhrm und großer Aufopffruna genommen, man wollte Leipzig in brand schitzen ich wider setzte mich die Russischen Batterien und sie durften nuhr mit kugell Schißen. an meiner seitte drank die Russische Infanterie zu erst in die Stadt an der andern seifte die braven Pomern, es wahr ein kampff ohne gleichen. 100 Ca- nonen sind in Leipzig genommen, unsre Monarchen daß heißt der östreichische, der Russische kaiser und unser könig haben mich uf öffetligen marote gedankt Alexan­der drückte mich ans Hertz. Schon am 16. lifferte ich allei bey den Dorffe Moeckern eine Schlacht, und Schmiß die Franzosen in Leipzig, einige 40 Canonen verschiedene Fahnen ein abdler, und gegen 4000 gefangene Fillen in meine Hende. Dieser tag wahr die einleittung zu den Vollgenden, ich Marchire diesen Augenblick wider ab, um den Feind bei Merseburg wider zu fassen, wo hin er Marchirt ist meine Expedition geht durch Thü­ringen die große Armee uft Würtburg. Der König von Saxen ist hir gefangen genommen, lebe wohl ich bin so matt, daß ich am ganzen leibe zittere, dein Frau Gemahlin küsse ich die hende grüße alle guten Freunde besonders deine Familie, lebenslang dein treüster Blü­cher."

Die Löwenjagd im Stnvalpgebiet. Am Mittwoch be­gann im Stubalpgebiet, und zwar von Greisdorf bei Stainz aus, eine größere Treibjagd auf die dortigen Raubtiere. Däs in Betracht kommende Gebiet ist, wie gesagt, sehr grsß und ist stellenweise mit dichten, nahezu

em-

undurchdringlichen Wäldern bedeckt. Allerlei wild zer­rissene Gräben und Schluchten machen es ebenfalls un­wegsam. Neben dem Wolf, dessen Vorhandensein bei der Untersuchung des Auswurfs in Graz festgestellt wurde, muß eine große Wildkatze in jenem Gebiete schweifen. Um den Raubtieren beizukommen, hat man auch einen Versuch mit Arsenik gemacht. Hierbei ging man von der Annahme aus, daß, wenn es sich um ent­sprungene Menagerietiere handelt, diese Tiere auch Fleisch nehmen werden. In zwei Fleischstücke hat man einen tiefen Einschnitt Arsenik, das in Darmstücke ein- gehullt war, gebracht. Dann wurden die Gedärme ei­nes getöteten Schafes auf dem Boden eine stundenweite Strecke geschleift, und so eine Witterung zu den auf starken Baumästen in Manneshöhe aufgehängten Fleisch- brocken hergestellt. Am 10. Oktober früh zeigte sich bei der Nachschau, daß die Schnur, womit ein Brocken auf- gehaugt war, abgerissen und das Fleisch weg war. Der vorberectete Boden zeigte die Fährte eines großen Raub­tieres. Die Nachsuche war jedoch bisher erfolglos. Das bohnengrotze Stück Arsenik dürfte, samt der Darmhül- lung verschluckt, seine Wirkung erst später zeigen. Viel­leicht übt auch die übliche Verfälschung des Giftes eine zu wenig schnelle Wirkung aus. Man kann aber an= nehmen, daß das Raubtier irgendwo krank liegt. Mög­lich ist freilich auch, daß dem Raubtier ein Wild vvrbet- kam und es den Brocken fallen ließ, um Jagd nach dem Wilde zu machen.

AIs Arrestant im Schilderhaus.

Abenteuer eines Oberlehrers beim Besuch eines Flugplatzes.

Oberlehrer Dr. Ernst Foerster in Hamburg veröf­fentlicht in derFrkf. Ztg." seine Erlebnisse beim Betre­ten des Griesheimer Flugplatzes bei Darmstadt, die so seltsam sind, daß eine rasche Untersuchung und Aufklä­rung des Falles dringend nötig ist. Es heißt in den Mitteilungen:

, «Ich ging im Walde so für mich hin und nichts zu suchen, das war mein Sinn," als ich am 10. Oktober bei einem Ferienaufenthalt mit einem bekannten 6jährigen Knaben einen kleinen Spaziergang nach dem Grieshei­mer Haus bei Darmstadt machte. Von hier sahen wir ganz unerwartet einige Flieger durch die Lüste sausen. Da keinerlei Warnungstafeln oder Einfriedigungen den eilenden Fuß hemmten, so ging ich mit meinem kleinen Pflegebefohlenen über eine weite Sandwüste, damit der Junge die Flieger möglichst in der Nähe sehen könnte. Nach etwa einer Viertelstunde waren wir am Flugzeug­schuppen angelangt, und wir eilten zum Start, wo sich schon eine Anzahl Zuschauer eingefunöen hatte, als wir von einem Soldaten angehalten wurden, 6er mich fragte, ob ich eine Erlaubniskarte besäße, was ich ver­neinte, worauf mich der Soldat vom Startplatz fort- führte. Nach wenigen Schritten aber erscholl der scharfe Befehl eines Offiziers wie ich nachher hörte, ist es ein Hauptmann der Fliegerabteilung gewesen zu dem Soldaten herüber, daß er mich alsArrestant" abzufüh- ren hätte.

Sofort wurde ich in ein Schilderhaus gebracht, das nur wenige Schritte entfernt war. Als der Offizier dicht daran vorbeikam, ging ich höflich grüßend auf ihn zu, um ihn zu fragen, ob Hier nicht ein Versehen in der Art meiner Behandlung vorläge und um ihn überhaupt über meine Person aufzuklären. Ich wurde angeherrscht: Sie Haben mir hrer garnichts aufzuklären, Sie können alles nachher dem Gendarmen sagen!" Darauf drehte ich mich um und ging wieder ins Schilderhaus. Die arme Schildwache wurde nun in einer Weise angeschrten, daß man nicht einmal mehr das Sausen der Propeller hörte:Sie schlapper Soldat! Habe ich nicht befohlen, daß der Mann im Schilderhaus wie vorgeschrieöen zu warten hat! Pflanzen Sie Ihr Seitengewehr auf, und wenn nicht sogleich die gegebenen Befehle aufs genaueste befolgt werde«, so stechen Sie den Mann nieder!" Und wütend schritt der Gewaltige von Sannen, während der Soldat mit aufgepslanztem Seitengewehr sich mir gegen- überstellte.

Dann wurden wir von zwei Mann mit geschulter­tem Gewehr nach einer Wache abgeführt. Nachdem wir eine Zeitlanggesessen" Hatten, wurden wir von einem Unteroffizier nach einer anderen Wachstube geleitet, wo wir, nach längerem Warten, auf Borzeigen meiner Pa­piere unö nach meiner eingehenden Klarlegung der Sachlage endlich entlassen wurden. Ausdrücklich möchte ich aber noch bemerken, daß mir sonst von allen Offi­zieren bis hinauf zum Feldmarfchall v. d. Goltz bei mei­nen Bestrebungen um nationale Jugendpflege stets in der höflichsten Weise begegnet worden ist. Auch hier haben alle Militärpersonen vom Offizier bis zum ge­meinen Soldaten mich durchaus rücksichtsvoll behandelt, mit Ausnahme dieses Herrn Hauptmann von der Flie- gerabteilung.

Das Drama von Lardiss.

Das Tal von Senghenyöö, in dem die Unglücks- grube Universal liegt, bietet einen Anblick von ichreck- licher Tragik. Auf den Hügeln erwarten zahlreiche Menschen erregt den Ausgang des Dramas. Ununter­brochen lösen sich die Rettungsmannschaften ab, um mit Hilfe von Sauerstoffapparaten durch das Meer von Rauch nach dem Feuerherde vorzudringen. Eine ältere Frau, der mitgeteut werden mußte, daß ihr Gatte, ihre vier Söhne und drei ihrer Brüder unter den noch in der Grube Befindlichen seien, verübte aus Gram einen Selbstmordversuch. Trotz der größten Anstrengungen werden die Zweifel, daß man des Feuers Herr werden könnte, immer größer, und man fürchtet das Schlimmste für das Schicksal der 420 noch vermißten Bergleute.

Die letzten Meldungen lassen befürchten, daß tat- fächlich 434 Bergarbeiter in dem brennenden Schacht ums Leben gekommen sind. Das Feuer fand durch aus- strömende Gase fortwährend neue Nahrung, und unauf­hörlich waren starke Detonationen weithin hörbar. Ob­wohl das Feuer gelöscht ist, wird es doch längere Zeit dauern, bis das ganze Bergwerk durchsucht werden kann, da einzelne Teile der Grube mehr als zwei Meilen vom Schachteingang entfernt liegen und die Gänge durch Trümmer versperrt sind.

An mehreren Stellen wurden Leichen aufgefunden, die fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt waren, an­dere hielten sich umschlungen. Wetter fand die Rettungs­mannschaft noch ein angeschirrtes lebendes und unver­sehrtes Pferd. Die noch lebend aufgefundenen Bergleute waren fast bewußtlos und mußten unter großen Schwie­rigkeiten aus dem Schacht hinausgeschafft werden. Die ganze Gegend feiert. Bergleute in Sonntagskleidung geben den Leichen das Geleit zu ihren Wohnungen, wo sie von den Frauen erwartet werden. Mindestens 100 Frauen und Kinder sind ohne Hilfsmittel. Man rüstet jetzt Rettungsmannschaften aus, um das Bergwerk zu durchstechen. Die Gesamtzahl der Geretteten beziffert sich auf 487.

Die Rettungsarbeiten eingestellt.

na* London, 16. Oktober. Die Arbeiten zur Ret­tung der noch in der Grube eingeschlossenen Bergleute haben hMte W 2 Mr eingestellt werden müssen.

Heuische Malrosen als Setter.

Der Lloyödampfer Großer Kurfürst mit 103 Ge­retteten des Bolturno ist in Neuyork eingetroffen. Tau­sende von Menschen hielten dieKais schon stundenlang vor seiner Ankunft besetzt. Die Ankunft des Dampfers wurde mit großem Jubel ausgenommen. Die Deutschen werden als die Helden bezeichnet und die Geretteten sagen, daß die deutschen Seeleute unter den größten Schwierigkeiten ihre Rettungsaktion durchführten. Der erste Offizier des Lloyddampfers tadelte scharf dieCar- mania" und andere Schiffe, die an der Unglücksstelle weilten. Diese haben, so sagte er, keine Rettungsboote ausgesetzt, obgleich wir ihnen zeigten, daß dies möglich sei, denn unsere Rettungsboote nahmen zwei Meilen vom Großen Kurfürst entfernt das Rettungswerk vor. Die englischen Dampfer verweigerten uns hierbei jede Unterstützung und schickten erst am andern Morgen Boote aus. Die Angaben werden durch die Aussagen der Passagiere bestätigt, die sagen, daß dieCarmania", die bald nach dem Ausbruch des Feuers eintraf, nur einen Mann gerettet habe, der bis zu ihr hingeschwom­men war.

Explosionen an Bord.

^ Neuyork, 16. Oktober. Der dritte Offizier des Bolturno, der an Bord des Großen Kurfürsten mit 104 weiteren Geretteten hier eingetroffen ist, erzählte die Ursache des Feuers sei eine Explosion des Oelbehalters und von Chemikalien im Vorderschiff gewesen. Die Wirkung der Explosion war derart, als wenn das Schiff von einem schweren Geschoß getroffen worden wäre. Unmittelbar darauf fanden noch weitere Explosionen statt, soöatz man den Eindruck einer großen Kanonade hatte. Niemand hatte an die 80 bis 90 Zwischendecks­passagiere gedacht, die sich im Raum darüber besauden und von jedem Ausgang abgesperrt waren.

Neues Wetterleuchten am Balton.

Ein österreichischer Schritt in Serbien.

Der ausfällige innere Widerspruch in der serbischen Politik der letzten Tage gegenüber der albanischen Frage hat in Wien das Echo der Beunruhigung und Sorge geweckt, das zu erwarten war. Während Pa- schttsch selbst noch bei seinem Besuche in Wien ver­sicherte, daß Serbien die territoriale Integrität Alba­niens unangetastet lassen werde. und während bis vor kurzem offiziöse Belgrader Meldungen versicherten, daß die über die albanischen Grenzen gedrungenen serbischen Truppen wieder zurückgezogen werden würden, da Ser­bien keinerlei Gebietserweiterung auf albanischem Bo­den beabsichtige, wurde plötzlich in Belgrad die Losung von einer Grenzberichtigung nach strategischen Gesichts­punkten ausgegeben, und Herr Paschitsch selbst war es, der im Belgrader radikalen Klub in ausfälligem Wider­spruch zu seinen früheren Versicherungen diese Losung . ausgab. Es war klar, daß dieser plötzliche Umschwung der serbischen Politik vor allem in Wien Unruhe und

Besorgnis wecken mußte, und demgemäß kommt nun aus Wien die Nachricht eines bevorstehenden Einschrei­tens der Donaumonarchie gegen diese serbische Politik hinterhältiger Zweideutigkeit:

olitik

Der österreichisch-ungarische Geschäftsträger in Bel­grad ist angewiesen worden, bet der serbischen Regie­rung auf die Notwendigkeit der Respektierung der in London bestimmten Grenzen Albaniens sowie auf s ch l e u n i g st e Räumung jener Stellungen zu drin­gen, welche, obwohl zum autonomen Albanien gehörig, von serbischen Truppen besetzt gehalten werden. Gleich-

Sist der serbische Gesandte in Belgrad angewiesen en, der serbischen Regierung in freundschaftlicher Weise die Respektierung der Londoner Beschlüsse über die Abgrenzungen Albaniens anzuraten.

Es ist leider kaum anzunehmen, daß eine solche An­frage in Belgrad die in Wien gewünschte Klarheit und den Verzicht Serbiens auf seine albanischen Pläne her­beiführen wird. Und dann ist Europa wiederum der beunruhigte Zeuge einer neuen Spannung zwischen Oesterreich-Ungarn und seinem begehrlichen Nachbar, und die Gefahr internationaler Verwicklungen steigt aufs neue als dunkles Gewölk am unglückseligen Bal­kanhimmel empor.

«-» neuestes Dom Tage.

Besuch der griechischen Königin am Kaiserhofe.

Potsdam, 16. Oktober. Die Königin der Hellenen wird mit ihren Töchtern und den Prinzen Alexander und Paul dem Kaiserpaare im Neuen Palais vom 27. bis 29. Oktober einen Besuch abstatten.

Beschwerdeführer beim Postminister.

^ Berlin, 16. Oktober. Staatssekretär Kraetke em­pfing gestern eine aus Dresdener Staöträten und Stadt­verordneten bestehende Deputation, die über das noch immer fortdauernde Telephonelend Beschwerde führte. Die Herren haben dem Reichspostamt ein sehr reichhal­tiges Material übergeben. Der Staatssekretär wies auf den Berliner automatischen Betrieb hm, der angeblich tadellos funktionieren soll.

Die Villa Begas weicht der Großstadt.

^ Berlin, 16. Oktober. (B. Z.) Die in der Stüler- straße 3 bis 4 gelegene Villa Vegas ist verkauft worden. Auf dem Grundstück soll ein großes herrschaftliches Wohnhaus errichtet werden.

Beginn der Leipziger Erinnernngsfeiern.

^ Leipzig, 16. Oktober. Heute früh 7 Uhr fand in Möckern als Eröffnung der Feiern des Ortes zur Er­innerung an die blutigen Kämpfe vor hundert Jahren großes Wecken durch ein Militärinusikkorps statt.

Wien, 16. Oktober. Unter großen Feierlichkeiten und mit Entfaltung eines großen militärischen Geprän­ges sowie unter Teilnahme der ganzen Bevölkerung Wiens wurde heute vormittag die Gedenkfeier der Völ­kerschlacht bei Leipzig begangen. Auf dem Schwarzen- berg-Platz vor dem Denkmal des Fürsten und Heer- führers Schwarzenberg versammelten sich der Hof, die Minister, die Generafttüt, der Bürgermeister mit der Stadtvertretung und die Mitglieder der Familien Schwarzenberg und Radetzky sowie Deputationen der Regimenter, die einst bei Leipzig mitgefochten haben.

Familientragödie aus Nahrungssorgen.

Bochum, 16. Oktober. (B. 3 ) Der Arbeiter Chr. Kunkel tötete heute früh seine Frau, indem er ihr ein Taschenmesser in den Bauch stieß und mit einem stum­pfen Gegenstand den Schädel zertrümmerte. Das Kind, welches die Frau in den Armen hielt, tötete er gleich­falls, worauf er Selbstmord beging. Nahrungssorgen sollen die Ursache der grausigen Tat gewesen sein.

Dauersitzung des steirischen Landtags.

fe*- Graz, 16. Oktober. (B. Z.) Die gestrige Lanö- tagssitzung, die sich mit der Erhöhung der Brausteuer von zwei auf vier Kronen beschäftigte, deren Erlös zur Bestreitung der Teuerungszulagen für Landlehrer ver­wendet werden soll, dauerte von gestern vormittag ^11 Uhr bis heute früh ^8 Uhr, da die Sozialdemokraten gegen die Borlage Obstruktion machten. Schließlich Ä W VMM Ä hoch gMMmmey.