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Seulschland um 1813 in Europa

Eine historische Betrachtung.

Die „herrliche" Schlacht, wie Arndt frohlockend das große Völkerringen bei Leipzig genannt hat, sah auf dem Feldherrhügel drei Monarchen, war ein gesamteuro­päisches Ereignis; aber für uns hatte sie noch eine be­sondere Bedeutung, daß sie den Begriff „Deutschland" wieder aus Acht und Bann erlöste. Seit 1806, seit dem Zusammenbruch des alten Reiches, war bei den Offi­ziellen dieses Wort verpönt. Noch in dem Teplitzer Vertrage der verbündeter! drei Mächte vom 9. Sep­tember 1813, in dem die künftige Landkarte festgelegt wurde, war nicht von den deutschen Staaten, sondern von Staaten „zwischen den Alpen und dem Rhein" die Rede. Noch trieb Oesterreich eine reine Hausmachts­politik. Es erhielt Tirol und Salzburg von den Bayern gegen die Zusicherung, daß im übrigen deren Besitzstand unverändert bleiben werde; so verlor Preußen seine alten Gebiete in Süddeutschlano, Ansbach und Bayreuth. On Wien wünschte man sich kein kaiserliches Deutschland, ieber wollte man eine Reihe souveräner Staaten im Schlepptau des Kaisertums Oesterreich sehen. Aber die Oktobertage von Leipzig legten Bresche in diese Zurück­haltung, die Grotzherzöge von Nassau, Baden, Würz-

Haltung, die Grotzherzöge von Nassau, Baden, Würz- burg usw. traten dem Bunde gegen Napoleon bei, der König von Württemberg und die norddeutschen Fürsten taten dasselbe: ein gemeinsames Deutschland war wie­der da. Wäre es nach den Gedanken der Kämpfer auf dem Schlachtfelde gegangen, so hätte man schon damals die Auferstehung des Reiches erlebt, — was das Schwert geschaffen, verdarb erst wieder die Feder auf dem Wiener Kongresse von 1815, der den losen „Deutschen Bund" uns schuf.

Die große Wende nach der Leipziger Schlacht machte wieder reinen Tisch auf der Karte Europas. Der „König von Westfalen" von Napoleons Gnaden, Jerome der „Jmmer-lustik", machte, daß er öavonkam, die ange­stammten Herrschergeschlechter in Braunschweig, Kur­hessen, Oldenburg wurden wieder eingesetzt, die jungen Großherzogtümer Frankfurt und Berg beschlossen ihr Eintagsdasein, und Preußen, zuletzt auf ein paar ost- elbische Lanöfetzen reduziert, bekam wieder Luft nach Westen und richtete sich von neuem häuslich in seinen Landen ein. Im großen und ganzen war also wieder die Güterverteilung hergestellt, wie sie vor dem franzö­sischen Weltreich bestanden hatte, nur daß Preußen das die Hauptlast des Blutzolls getragen hatte, keine -Neuerwerbung machte; nicht einmal das linke Rhetn- i£?6r hatten die Verbündeten in dem Teplitzer Verträge anzutasten gewagt und beließen es in ihrem Plane den Franzosen.

Der Marsch auf Paris und alles übrige, wozu schließlich ohne den Widerspruch Englands auch noch der Heimsall Elsatz-Lothringens gekommen wäre, war erst ein späterer Beschluß. Ende Oktober 1813 war den Oesterreichern und den Kleindeutschen die preußisch-rus­sische Draufgängerei und Angriffsenergie schon so un­heimlich, daß der kuriose Plan ausgeheckt wurde, die Hauptarmee unter Schwarzenberg solle über Basel — Mm Plateau von Langres marschieren, wo sie weit vom Schutz war und kaum in der Lage, Siege zu erfechten, die die Diplomatie nicht mehr wünschte. So war gegen Ende dieses Jahres, trotz der Schlacht von Leipzig, in der man bereits Napoleons endgültigen Zusammenbruch gesehen zu haben vermeinte, zwar in den kämpfenden Massen der Begrisf „Deutschland" wieder mit Fleisch und Blut umkleidet, aber in Staatskanzleien noch im­mer des Schreckgespenst. Den unbequemen Napoleon abschütteln — gut; darüber hinaus aber nichts. Es ist das Verdienst Blüchers und der Preußen überhaupt, daß

sie dieses Gespinst zerrissen, und als der alte „Marschall Vorwärts" am letzten Tage des Jahres 1813 sich bei Caub zum Rheinübergang anschickte, da waren die Würfel gefallen: nun mußte es zum letzten Siege ge-

Vorwärts

Caub zum Rheinübergang anschickte, da waren die Würfel gefallen: nun mußte es zum letzten Siege ge­hen, und auf der Karte Europas würde auch „Deutsch­land" wieder Farbe gewinnen. Es wurde doch noch ein wenig anders, als man es sich gedacht hatte; und 1863, bei der Fünfzigjahrfeier der Völkerschlacht, klagte Treitschke: „Noch immer, derweil unser Volk fest und ester sich zusammenschließt, verharret der Deutsche Staat n der losen Form eines völkerrechtlichen Bundes; noch teht unser Volk rechtlos, unvertreten, wenn die Völker : agen; noch grüßt kein Salutschuß im fremden Hafen die deutsche Flagge, denn heimatlos ist sie auf dem Meere wie die Farben der Seeräuber."

Wien hatte uns eben verdorben, was Leipzig gut­gemacht hatte. Die ungeheure Enttäuschung der Deut­schen nach 1813, die soviel politische Wirrnis anrichtete, stammte daher, daß wohl die Freiheit, aber nicht die Einheit erkämpft war. Deutschland sollte in Europa wieder eine Macht werden, das war es, was die Her-

zen entflammte. Das war es auch, was aus den Liedern jener reichen Zeit emporquoll: Deutschland, Deutsch­land! Aber es hieß, noch zwei Menschenalter zu warten, bis Wilhelm der Große und Bismarck der Eiserne das Sehnen erfüllten.

N

Und dennoch.

Novelle von Ernst Busolt.

(Nachdruck verböten.s

Nach seinem frühen Tode — ihre Mutter hatte sie nicht gekannt — war sie einem alten, geistig wenig befähigten Oheim, der als Titularrat verabschiedet wurde, nach Deutschland gefolgt und dort, in Wiesbaden, mit Wlo­dawa bekannt geworden. Roman Wlodawa gehörte nach dem, was Adrian aus Virginiens Reden erfuhr, zu den Abenteurern, denen die Liebe zur zweiten Natur gewor­den ist. Die Ehe mit ihren Fesieln behagt ihnen ebenso­wenig wie jede redliche Arbeit, und da sie nicht bescheiden leben wollen, treten sie als vornehme Gaukler, als Pro- fesstonsspieler in die Welt hinaus. Eine solche Natur nun wie die Wlodawas hatte in Virginiens schwachem Oheim eine mächtige Leidenschaft für das Spiel zu entfachen ge­wußt, und bald fand sich dieser Wlodawa gegenüber tief verpflichtet. Das war der Augenblick, den Wlodawa vor­ausgesehen. Seit langen Jahren an eine kränkliche Frau verheiratet, hatte er dies niemandem verraten, und da

Arau ihres Leidens halber den Aufenthalt nicht zu wechseln vermochte, trat er als Freier um Virginiens Hand £ «Wnie wurde von dem Oheim bestürmt. Er

Leben nehmen zu wollen, wenn sie sich mcht entschließen wolle, Wlodawas Frau zu werden. So ^av ste sich zum Opfer hin. — Die Trauung fand im Aus­land statt.

.^r^“11 äur Seite versammelte Wlodawa dar von Kavalieren in seinen Salons d?e wirklich gute Familie, seine große ia ein gewisser dämonischer dazu bei, den mit einer geradezu ver- m ^^arheit Austretenden nie in einen Konflikt SÄ Polizei geraten zu lasten." Ein Tränenstrom un- ^^ahlung, dann sich fastend, berich- ete sie weiter. „Wir waren nach Baris gekommen: eines

Politische Rundschau.

Der Reichsetat für 1914 ist im Reichsschatzamt in seinen Grundzügen fertiggestellt. Die Herstellung des Gleichgewichts zwischen Einnahmen und Ausgaben für den neuen Etat ist nur nach Ueberwindung nicht un­erheblicher Schwierigkeiten möglich gewesen. Das Reichsschatzamt hat sich genötigt gesehen, von den An­meldungen der Ressorts ganz erhebliche Summen zu streichen, um die zu erwartenden Einnahmen mit den Ausgaben in Einklang zu bringen. Die endgültige Fest­stellung der Ziffern erfolgt erst im Bundesrat. Die Matrikularbeiträge sind wieder mit 80 Pfg. pro Kopf der Bevölkerung eingesetzt.

Der Kampf zwischen Aerzte« und Krankenkassen. Der Betrat des Leipziger wirtschaftlichen Verbandes er­klärte in seiner Mittwochsitzung einstimmig, daß nach der Ablehnung der Friedensvorschläge des Aerztevereins- bundes und des Leipziger Verbandes seitens der Kran- kenkassenverbände die deutsche Aerzteschaft genötigt ist, den ihr aufgezwungenen Kampf mit allen Kräften durch- zufechten. Näheres wird der außerordentliche Aerztetag m Berlin am 26. Oktober beschließen.

Die von der bayerischen Regierung beantragte Er­höhung der Zivilliste um rund 1 Million Mark auf 5.4 Millionen Mark soll nun unabhängig von der Kö­nigsfrage beschleunigt und demnächst in der Budgetkom­mission des Landtages verhandelt werden. Da die letzte Festsetzung der Zivilliste noch aus dem Jahre 1876 stammt, und ihr bet der verfassungsmäßigen Ordnung im Jahre 1831 bereits große Lasten überwiesen worden sind, wird in Anbetracht der völlig veränderten Zeit- und Geldverhältnisse die Ordnung der Zivilliste als ge­rechtfertigt erscheinen und in der Abgeordnetenkammer voraussichtlich eine große Mehrheit unter den bürger­lichen Parteien finden. Bei Uebertragung der Königs- würöe auf den Prinzregenten Ludwig werden übrigens für seine 3 Söhne und 6 Töchter rund 800 000 Mark Apanagen hinzukommen.

Die Feier der Völkerschlacht bei Leipzig wurde in Wien am Mittwoch abend mit einem Zapfenstreich, an dem sämtliche Regimentskapellen teilnahmen, eingeleitet. Die Kapellen marschierten mit klingendem Spiele über die von einer vieltausendköpfigen Menge erfüllte Ring­straße vor das Schwarzenberg-Denkmal, wo die Volks­hymne angestimmt und aus Tausenden Kehlen mitge- fungen wurde.

Französische Familienstgtistik. Das französische Ar­beitsministerium veröffentlicht soeben eine amtliche Sta­tistik, die einen sehr interessanten Einblick in die Ver­teilung der Kinöerzahl auf die einzelnen Familien ge­währt. Insgesamt zählte man in Frankreich 11317 434 Familien. Darunter befinden sich nicht weniger als 1805 744 Familen, die kinderlos sind, 2 967 571 Familien mit je nur einem Kinde, und 2 261978 Familien mit je zwei Kindern. Von hier ab gehen die Ziffern schnell zurück.

Kleine Iladirlcfiten«

Die älteste Frau in Deutschland. Im Dorfe Dor- novo im Kreise Meseritz feierte die dort am 5. Oktober 1793 geborene Frau Hedwig Stawa ihren 120. Geburts­tag. Die hochbetagte Frau ist trotz ihres Alters erstaun­lich rüstig. Sie flickt und stopft noch, ohne eine Brille zu benützen. Die Greisin, deren Alter amtlich beglau­bigt ist, war zweimal verheiratet und hatte auch Kinder, die aber alle gestorben sind.

Die Begründung eines deutschen Viehzüchterver» bandes. Im preußischen Landwirtschaftsministerium fand eine Konferenz von Viehzüchtern statt, die aus ganz Deutschland besucht war. Den Gegenstand der Beratun­gen bildete unter anderem die Begründung eines Züch­terverbandes mit staatlicher Unterstützung.

Verhaftung eines Frauenmörders. Dem „Berl. Lokalanzeiger" zufolge wurde in Moskau der Besitzer eines berüchtigten Hauses verhaftet, der sich an elf Frauen vergangen und sie ermordet hatte.

Die Lage des Arbeitsmarktes im September kann, wie der „Vorwärts" schreibt, zwar nicht durchweg als befriedigend bezeichnet werden, trotzdem sei nach den Be­richten der Arbeitsnachweise im allgemeinen eine Besse­rung gegenüber dem Vormonat zu konstatieren.

Gewerkschaften gegen einen Streik. Bet der Firma Humboldt in Cöln wurden in der Gießerei etwa zwan­zig Arbeiter entlasten, worauf Mittwoch nachmittag fast die gesamte Arbeiterschaft jener Abteilung, etwa vier­hundert Mann, die Arbeit niederlegte. In einer Ver­sammlung der Ausständigen ermähnte die Führerschaft der christlichen und der freien Gewerkschaften, die Ar­beit wieder aufzunehmen. Erst nachdem die Gewerk­schaften bei der Firma um Wiedereinstellung der entlas­senen Arbeiter vorstellig geworden, soll weiteres be­schlossen werden.

Beförderung der Post durch Flugzeuge. Am Mitt­woch ist die Ueberseepost in Frankreich zum ersten Male

Tages kehrte mein Mann von einer Ausfahrt in furcht­barer Aufregung heim. Er hatte mit einem Griechen Streit gehabt. — Mehr erfuhr ich nicht. Einige Tage da­rauf wußte sich mir im Bois de Boulogne dieser Grieche zu nähern."

„Frau Gräfin," flüsterte er mir zu, „ich habe Grund, Ihren Gatten zu hasten, Sie aber haben dazu einen noch größeren. Ich sehe Sie unglücklich. Ich will Ihnen die Waffe in die Hand geben, Ihre Ketten zu brechen."

„Entsetzt wich ich zurück, er aber fuhr fort: „Er ist an Ihnen zum Schurken geworden. Als er mit Ihnen vor den Altar trat, hatte er schon eine Frau."

„Das ist die Verleumdung eines Feindes!" fuhr ich auf.

„Es ist die volle Wahrheit!" fuhr er ruhig fort. „Ich kenne die Gräfin Wlodawa, sie lebt auf ihrem Landgute in Serbien, eine alte und kränkliche Dame. An Ihnen liegt es, die Klage wegen Bigamie zu erheben, und Sie sind frei!"

„Als ich das Entsetzliche vernommen, kämpfte ich mit mir einen langen Kampf. Ich wollte wieder meine Frei­heit erlangen, aber ein unüberwindlicher Abscheu ergriff mich bei dem Gedanken, mein Elend der Welt preiszu- geben. Den alten Bonifaz zog ich ins Vertrauen. Mit ihm und auf seinen Rat entfloh ich aus jenem Hause."

Virginie hatte geendet und schwieg.

„Und dennoch!" rief entschlossen Adrian, „als meine Gattin hat niemand das Recht, Dich scheel anzublicken. Wie lieb ich Dich habe, wußtest Du schon damals im ersten Augenblick, als der schüchterne Student sein Auge nicht fortzuwenden vermochte von jenem süßen, fremden Ge- sichtchen unter den Rosen des Kurgartens von Spa Und meine Neigung hat im Laufe dieser fünf Jahre keinen Wechsel erfahren. Die traurige Schrift Deiner herben Er­innerungen wird allmählich verlöschen, und Frieden und Glück werden mit leiser Hand den Kummer von der Stirn streicken."

dem Dämpfer Lurch die Luft zugeführt worden. Der Fliegerleutnant Rouin stieg um 7 Uhr morgens in Paris auf, landete um 12 Uhr 45 Minuten bei Pauillon (Gironde) und brächte die Post für Mittelamerika an Bord des transatlantischen Dampfers „Peru".

Der türkische Held Enver Bei Mußte sich kürzlich einer Blinddarmoveratton unterziehen. Obwohl die Operation gut verlaufen ist, hat sich Enver Beis Zu, stand^verschlimmert. Es wird eine Bauchfellentzündung

Schweres Eisenbahnunglück in England. Der Er- preßzug nach Manchester stieß Mittwoch nachmittag auf dem St. Jamesbahnhof in Liverpool mit einem ande­ren Zuge zusammen. Sechs Leichen sind geborgen. Man befürchtet, daß 10 Personen tot und viele verletzt sind.

Hochzeit im englischen KönigWause. Im St. Ja- Mes-Palast in London fand am Mittwoch die Hochzeit des Prinzen Arthur von Connaught mit der Herzogin von Fife statt. Große Menschenmengen füllten die Stra­ßen in der Nähe des St. James-Palastes, um der An­kunft der Gäste beizuwohnen, unter denen sich auch der König und die Königin befanden.

Der Weitstes des deutschen Flugzeugs.

Bedeutung, .. und Flugzeug nicht der vom

Zu dem großartigen Weltrekordfluge des Aviatik. Piloten Paul Viktor Stoeffler wird uns aus Luftschif­ferkreisen geschrieben: Der Erfolg Stoefflers hat eine Bedeutung, die über den Wert der Leistung von Führer und Flugzeug weit hinaus geht. Auch darin liegt noch nicht der volle Wert dieses Riesenfluges, daß es nun endlich einmal einem deutschen Flieger gelungen ist, die Höchstleistung im Flugwesen den ausländischen Kon- kurrenzen zu entreißen. Der wahre Wert des Zweitau- fendkilometerfluges beruht vielmehr darauf, daß das deutsche Prinzip im Flugzeugbau sich gegenüber den Grundsätzen des Auslandes siegreich durchgesetzt hat.

Die „schwere deutsche Maschine" war lange, noch bis in die letzte Zeit hinem, ein Objekt des französischen Spottes, und auch in Deutschland selbst waren die Stim­men in der Ueberzahl, die behaupteten, die deutsche Flugtechnik sei auf einem Irrwege, denn allein der Be­sitz der kleinen leichten Sportmaschine ermögliche den französischen Fliegern ihre Rekordleistung. Schon der Flug Friedrichs nach Paris und London brach das Eis. Franzosen und Engländer sahen mit Erstaunen, wie der Pilot mit seiner „schweren" Etrich-Taube spielend Kunstflüge machte, die selbst den französischen Fliegern und Konstrukteuren Bewunderung abnötigten. Die an­deren großen Flüge deutscher Flieger in den letzten Wo­chen veränderten dann das Bild weiter, und namentlich Stoefflers unterbrechungsloser Flug von Mülhausen nach Warschau ließ keinen Zweifel mehr darüber, daß die Unfähigkeit der deutschen Maschinen nur ein Mär­chen war.

Nun hat Stoeffler durch feine neue Leistung mit dem schweren Aviatik-Pfeil sich selbst und alle gehegten Hoffnungen und Erwartungen, ebenso wie alle bisher so angestaunten Flüge der Franzosen Brindejonc, Äuoe- mars, Letort, Garros usw. weit übertroffen und eno- «bewiesen, daß die „schwere und unbeholfene je Flugmaschine", die viel Betriebsstoff mit sich führen kann, für große Ueberlandleistungen nicht nur ebenso gut, sondern noch weit besser brauchbar ist, als die kleine, leichte und wenig tragfähige französische Sportmaschine. Die militärischen Folgerungen aus die­ser Tatsache liegen auf der Hand. Deutschland hat also im Flugwesen jetzt den Platz an der Sonne gewonnen, und das deutsche Flugzeug wird sich jetzt den Weltmarkt erobern.

Wie Stöffler flog.

Es klingt fast wie ein Märchen, wenn man liest, daß- Mensch mit einem Flugzeug innerhalb 25 Stunden eine Strecke von fast 2200 Kilometern zurückgelegt hat. Wohl nur die wenigsten können sich eine Vorstellung davon machen, welche Energie, welch eiserne Kraft dazu notwendig war, um den Doppeldecker durch tiefste Fin- sternts, durch Nebel und Wind 22 Stunden und 47 Mi­

ein Mensch

nuten lang sicher zu steuern. Das ist eine Nervenprobe, die kaum der hundertste Flieger bestehen wird. Stöffler, der zwar breit und sehnig gebaut ist, ist durchaus kein Muskelmensch oder Athlet, wie man wohl annehmen sollte. Aber er hat es in sachgemäßem Training ver­standen, seinen Körper so zu stählen, daß er selbst die größten Anstrengungen auszuhalten vermag. Während man in allen Sports bei anstrengenden Leistungen den Alkohol zur Anreizung der Nerven durchaus zu ver­meiden sucht, huldigt Stöffler diesem Prinzip nicht. Bei seiner Abfahrt in Johannisthal hatte er sich mit einer größeren Quantität Kognak versehen, der in eine Ther­mosflasche gefüllt war, um bei den niedrigen Tempera­turen ein Einfrieren zu vermeiden. Ab und zu stärkte sich Stöffler, namentlich um die während der Nachtzeit besonders empfindliche Kälte zu überwinden. Zum Schutz gegen die Zugluft und Kälte hat er statt dicker, behindernder Pelze wollenes Zeug und Leoerkletöung

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Lange vermochte Virginie nicht zu antworten. „Und wäre es Dein Ernst? Wäre es wahr?" flüsterte sie end­lich, erglühend und scheu durch Tränen zu ihm auf­blickend.

Adrian hielt sie lange in inniger Umarmung. Dann sie umfassend, trat er mit ihr auf den Balkon. Der Mond hatte den Nebel bezwungen und schimmerte und glänzte auf der weiten Wasserfläche. Und schienen nicht die Wellen jauchzend und stürmisch zu rauschen: Was ist Leben, was ist Sterben, wenn man Liebe gefunden hat? „Ich habe keinen Ring, ihn Dir an Deinen Finger zu stecken," sprach Adrian, „allein hier schreiben wir unser Gelöbnis auf den Fittich des sausenden Windes, der es um den rollenden Erdball trägt."

Auf seinem Zimmer fand Adrian eine Depesche von dem Prokuristen seines Vaters vor . Eine plötzliche Krank­heit hatte den alten Vater befallen; er bat, schnell zu kommen. Am nächsten Morgen stand Adrians Wagen vor der Tür. Er hatte noch reichlich Zeit, Virginie zu sehen. Tiefer, stiller Friede lag über ihrem kleinen Hause. Durch eine der geschlostenen grünen Jalousien schimmerte der matte Schein einer Ampel in die blaste Morgenluft. Eine unwillkürliche Rührung stieg in Adrian auf, und mit einer gewissen Scheu setzte er die Glocke in Bewegung. Baw Hörte er eine Tür gehen und die Stimme des alten Dieners, der herausrief, wer da sei. Als er Adrians Stimme er­kannt, ließ er ihn ein. Adrian fragte, ob er seine Herrin sprechen könnte. Bonifaz nickte und schlürfte in seinen großen Schuhen voran. Nicht lange, und Adrians schone Verlobte erschien, halb fragend, halb ängstlich zu ihm aus- blickend und doch mit einem Ausdruck strahlenden Ginne» in den Zügen. In fliegender Eile setzte ihr Adrian aus­einander, weshalb er abreisen müsse.

(Fortsetzung folgt.)