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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Hersfelder

für den Kreis Hersfeld

KmsbM

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg, Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 133, Freitag, den 17. Oktober 1913.

Die Turner bei der Jahrhundertfeier.

Eilbotenlänfe nach Leipzig.

Im Vordergrund des Interesses bei den deutschen Turnvereinen stehen zurzeit die Eilbotenläufe, die Ende dieser Woche durch Deutschlands Gaue zum Völkerschlachtdenkmal gehen. Die Berliner Turner werden hieran tätigen Anteil nehmen, da zwei Haupt­läufe Berlin berühren, der dritte Lauf von Bergen auf Rügen aus, der programmäßig am Freitag abend 10.23 Berlin erreichen müßte, und der vierte Lauf von Memel aus, der um 8.23 von Berliner Turnern über­nommen werden soll. Während der 363,8 Km. lange Lauf von Bergen aus am Freitag morgen 2.10 beginnt, wird in Memel zum 934,4 Km. langen Lauf bereits am Mittwoch abends 6.10 gestartet. Die Laufzeiten sind so berechnet, daß auf je 100 Meter, Tag- und Nachtläufe in Betracht gezogen, 18 Sekunden entfallen. Von der Reichshauptstadt aus werden denn beide Läufe zu einem vereinigt und durch das Branden­burger Tor Berlin verlassen, alsdann Potsdam, Wittenberg und Bitterfeld berühren. Wenn die Zeit von 18 Sekunden eingehalten wird, müßten die drei­zehn Läufe aus allen Richtungen der Windrose am 18. Oktober pünktlich 8 Uhr morgens in Leipzig am Völkerschlachtdenkmal eintreffen. Die von den drei­zehn Läufen überbrachten künstlerisch ausgestatteten, in Köchern aufbewahrten Urkunden werden im Museum des Völkerschlachtdenkmals aufbewahrt werden. Die Kreisturnwarte und Gauleiter sind eifrig an der Arbeit, die Riesenorganisation derart zu gestalten, daß Fehler so gut wie ausgeschlossen sind.

Insgesamt werden in den Tagen vom 16. bis 18. Oktober die folgenden Läufe stattfinden:

1. Lauf: Dieser Lauf übernimmt die Urkunden aus Nordamerika und Brasilien und beginnt an der Landestelle des Postdampfers in Lehe-Bremerhaven. Es nehmen daran in Deutschland 2320 Läufer teil, die 468 Kilometer zurücklegen.

2. Lauf: Der Lauf beginnt im Kuivsberg bei Flensburg mit 3600 Läufern für 731 Kilometer.

3. Lauf: Start am Ernst-Moritz-Arnöt-Denkmal auf Rügen, 2780 Läufer für 535 Kilometer.

4. Lauf: Anfang in Tauroggen, 5109 Läufer, 1021 Kilometer.

5. Lauf: Anfang auf den Schlachtfeldern von Kulm-Nollenöorf, 5205 Läufer, 635 Kilometer.

6. Lauf: Anfang an der Ruhmeshalle in Kehl- Heim, 2418 Läufer, 502 Kilometer.

7. Lauf: Abläufe an der Zeppelinwerft in Fried­richshafen, von Hohenzollern, Hohenstaufen und von Stuttgart, 4390 Läufer, 877 Kilometer.

8. Lauf: Anfang auf dem Schlachtfelde zu Grave- lotte, Nebenläufe von Ems, vom Niederwalddenkmal und von Straßburg, 6349 Läufer, 1236 Kilometer.

9. Lauf: Anfang auf dem Schlachtfelde zu Waterloo, in Wesel, auf dem Hermannsdenkmal und auf dem Kyffhäuserdenkmal, 5514 Läufer, 1240 Kilometer.

An dem Hauptlauf Gravelotte-Leipzig werden sich auch Turner des Oberfulda-Werra-Gaues beteiligen, so werden unsere Hersfelder Turner und die aus Kalkobes die Strecke von Hünfeld nach Rasdorf besetzen. Der Durchlauf durch Hünfeld erfolgt Freitag nachmittag um 6 Uhr. Am Sonnabend morgen sind die Eilbotenläufe in Leipzig beendet. Alsdann laufen 9 Turner in angemessenem Laufe mit den Urkunden, nachdem der ChoralNun danket alle Gott" gesungen, die Stufen des Denkmals hinauf und übergeben die Köcher mit Urkunden dem Deutschen Kaiser und dem König von Sachsen. Diese hohe Würdigung der Eilbotenläufe durch ganz Deutschland und aus Belgien, Amerika und Brasilien muß die deutsche Turnerschast erneut anspornen alle Läufe zu einem glücklichen Ende zu führen.

Bus der Heimat

* (Weibliche Postbeamte.) Wie verlautet, sollen vom 1. Januar ab bei den Postämtern 3. Klasse in erhöhtem Maße weibliche Beamte angenommen werden. Für junge Mädchen mit guter Schulbildung findet sich eine angenehme, gut bezahlte Stellung. Auch ist für die jungen Postbeamtinnen die Möglich­keit vorhanden, später bei größeren Postämtern in pensionsberechtigte Beamtinnenstellen einzurücken.

):( Hersfeld, 15. Oktober. Für einen guten Kirmesbraten sorgte ein hiesiger Metzgermeister aus der Oberstadt. Derselbe schlachtete heute im hiesigen Schlachthaus einen Ochsen, der das respektable Gewicht von 8 Zentnern hatte.

):( Hersfeld, 16. Okt. Vor der Strafka m m e r in Ca s se l wurde gestern in der Berufungssache des Maschinenbauers R. von hier verhandelt. R. hatte gegen das Urteil des hiesigen Schöffengerichts, das ihn bekanntlich wegen verschiedener Vergehen

bei Versteigerungen mit 4 Wochen Gefängnis bestraft hatte, Berufung eingelegt. Das Urteil der Straf­kammer lautete auf 3 Wochen und 3 Tage Gefängnis, da ein Fall nicht genügend geklärt war. Zu der Ver­handlung waren eine ganze Anzahl Zeugen von hier geladen.

):( Hersfeld, 16. Oktober. Nach einer Bekannt­machung des Kreisausschusses ist dem Spediteur C. Drude hier die bahnamtliche Spedition derHersfelderKreisbahnübertragen worden.

):( Hersfeld, 15. Oktober. Fe st genommen und in das hiesige Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert wurde ein hiesiger Arbeiter, welcher trotz Aufforde­rung zur Verbüßung einer Gefängnisstrafe sich nicht gestellt hatte. Während des gestrigen Marktes wurden der Polizei einige Taschendieb stähle zur Anzeige gebracht.

):( Hersfeld, 16. Oktober. Wie aus dem Inseraten­teile ersichtlich wird heute und morgen im hiesigen L i ch t s ch a u s p i e l h a u s die sensationelle F i l m - BiographieRichard Wagner" zur Vorführung gelangen. Es ist dieses eine sehr gut gelungene Verfilmung des Leben, Lieben und Wirken des großen deutschen Meisters und glauben wir, daß die Bemüh­ung des Hersfelder Lichtschauspielhauses durch guten Besuch dieser großstädtischen Darbietung gelohnt wird. Nach den Berichten der Presse, muß hier auf dem Gebiete der Kino-Kunst wieder einmal hervorragendes geleistet worden sein.

):( Hersfeld, 16. Oktober. Bei der gestrigen Zwangsversteigerung des dem verstorbenen Freiherrn Hans von Schenk gehörigen Schlosses in Buchenau nebst den dazugehörigen Waldungen blieb Freiherr Heereman von Zuydtwyck aus Kocht- schütz in Schles. mit 650 090 Mk. Höchstbietender.

-h- Malkomes, 15. Oktober. Einen plötzlichen Tod erlitt heute nachmittag Herr Schmiedemeister Erbe, der zugleich als Bahnagent der Hersfelder Kreisbahn tätig war. Herr Erbe, welcher vormittags noch in Hersfeld gewesen war, brach, als er nach seiner Rückkehr seine Schmiede betrat, daselbst vom Herzschlag getroffen tot zusammen. Die Trauer um den geachteten und beliebten Mann ist allgemein.

Gaffel, 14. Oktober. In einer Fabrik in Ro- tenditmolo spielte sich am Samstag eine merkwürdige Szene ab, die für die Zuschauer erheiternd für den Betreffenden aber weniger angenehm war. Ein junger Schmied, der dieser Tage zu den Soldaten kommt, warf an seinem letzten Arbeitstage seinen blauen Anzug vor Freuden in einen Stahlofen. Zu spät merkte er, daß er seinen gesamten Lohn etwa 46 Mark, in dem Anzug stecken hatte.

Vom Reinhardswald, 14. Oktober. Vor dem Schöffengericht zu Veckerhagen stand heute ein Fall zur Verhandlung, der auch für weitere Kreise von Interesse sein dürfte. Ein Einwohner von Vecker­hagen war angeklagt, im Reinhardswalde abgeworfene Hirschstangen zum Zwecke des Verkaufs derselben ge­sucht und verwertet zu haben. Der Angeklagte wurde sreigesprochen. In den Urteilsgründen wurde her­vorgehoben, daß zwar an sich das Aufsuchen von Hirschstangen im Reinhardswalde, weil derselbe als eingegatterter Wildpark betrachtet werden müßte auf freier Wildbahn ist das Suchen erlaubt ver­boten sei, daß aber die Anwohner des Reinhards­waldes, weil sie dasselbe seit langer Zeit, mindestens aber 10 Jahre lang vor dem Jahre 1900, im guten Glauben unbehindert ausgeübt hätten. Ein solches wohlerworbenes Recht könne nicht durch eine ein­seitige Verordnung der Forstbehörde aufgehoben werden.

Aus dem Eisenacher Oberland, 15. Oktober. Die Handwerkervereinigung des Eisenacher Oberlandes hat in Gemeinschaft mit dem landwirtschaftlichen Hauptverein beschlossen, gemeinsam im Juli 1914 eine große Gewerbe-, Industrie- und landwirtschaftliche Ausstellung in Vacha zu veranstalten. Die gewählten Ausschüsse haben die Vorarbeiten schon begonnen. Es ist eine reiche Beschickung der Ausstellung zu er­warten ; auch die Kali-Industrie des Werratales wird sich all dieser Ausstellung beteiligen.

Schmalkalden, 15. Oktober. Der Klempner O. I. wurde verhaftet und in das hiesige Amtsgerichtsge­fängnis überführt. Er kam in der Nacht zum Sonn- taa derartig betrunken nach Hause, daß er seine Frau mit einem Hammer wiederholt auf den Mund schlug, weil sie ihu zur Rede gestellt hatte. Die Ehefrau mußte schwerverletzt in das hiesige Krankenhaus gebracht werden.

Bad Wildnngen, 15. Oktober. Ein Unglücksfall mit tödlichem Ausgang hat sich heute morgen kurz vor der Abfahrt des ersten Personenzuges nach Wabern-Cassel auf dem hiesigen Bahnhöfe zugetragen.

Der Bahnhofsarbeiter Andreas Blume aus dem be­nachbarten hessischen Dorfe Ungedanken war, wieder es immer zu tun hatte, auf den hintersten Waggon des Personenzuges hinaufgestiegen, um die Signal­laterne aufzustecken. Während dieser Beschäftigung rutschte er infolge eines Fehltrittes aus und stürzte so unglücklich aus nur wenige Meter Höhe auf den Bahnsteig herab, daß er einen Bruch des Schädels erlitt und nach wenigen Minuten verstarb.

Göttingen, 14. Oktober. Der Viehhändler Martin zu Grebendorf bei Eschwege ist für geisteskrank erklärt, für alles, was er tat, kann er nicht bestraft werden. Er soll gestern in Göttingen und im Gerichtsgebäude gewesen sein. Der Schlosser Esche aus Hannover war von ihm als Knecht angeworben, ferner bestellte M. beim Fuhrmann Knop in Küllstedt eine Fahr».

Beienrode. Den Namen des Ortes nannte er nicht. Sie kamen dort in der Nacht an, an einer umfriedigten Viehweide machten sie Halt. M. befahl mit vorge­haltenem Revolver dem E., er solle ihm helfen, ein Rind über die Umfriedigung zu heben: der auch mit vorgehaltenem Revolver bedrohte Kn. mußte mit beim Ausladen helfen. Dann fuhren sie nach Weißenborn, wo M. vier Ferkel aus dem Brübachschen Stalle holte. Rind und Ferkel boten sie einem Flinsberger Wirte zum Kaufe an. Kn. wie E. beteuern, sie haben aus Angst alles getan, was der riesenstarke M. von ihnen verlangte. Die Strafkammer verurteilte, eine Zwangs­lage und Lebensgefahr der beiden nicht anerkennend jedem zu neun Monaten Gefängnis.

Hanau, 14. Oktober. In der großen Bad Orber Meineidsaffäre sind wieder drei Verhaftungen erfolgt; im ganzen befinden sich nunmehr zwölf in die Affäre verwickelte Personen im hiesigen Landgerichtsgefängnis als Untersuchungsgefangene in Haft.

Haua«, 15. Oktober. Auf verwegene Art und Weise ist heute morgen der aus Frankfurt a. M. gebürtige Former Heinrich Fichte, der am letzten Mittwoch von der hiesigen Strafkammer wegen eines Einbruchsdiebstahls zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, aus dem hiesigen Gerichtsgefängnis entflohen. Als sich Fichte mit mehreren Mitgefangenen im Ge­fängnishof befand, benutzte er die Gelegenheit, um durch einen kühnen Sprung über die Gefängnismauer ins Freie zu entkomme«. Er durchschwamm dann die Kinzig und entkam in der Richtung nach Frankfurt.

Frankfurt a. M., 14. Oktober. Die vereinigten Stadttheater, Opernhaus und Schauspielhaus, haben in 10 Monaten ihres gegenwärtigen Geschäftsjahres ein Defizit von 487 003 Mark erreicht, davon 295 372 Mark bet der Oper, 103133 Mark beim Schauspiel­haus und 87 497 Mark insgemein. Das sind bereits 16 000 Mark mehr als im ganzen Jahr 1912 zusammen.

Mainz, 14. Oktober. Der in der Synagogenstraße 24 wohnende Hausbursche Laroche traf in der ver­gangenen Nacht seine von ihm getrennt lebende Ehefrau auf der Straße. Er veranlaßte sie, mit in seine Wohnung zu gehen, wo er ihr mit einem Re­volver zwei Kugel« in die Brust schoß. Dann ver­suchte er, sich durch einen Schuß in den Kopf selbst zu töten. Die verletzte Ehefrau wurde in das St. Rochusspital verbracht, ebenso der Attentäter.

Neustadt b. Coburg, 14. Oktober. Auf dem Kirch- weihfeste in Ketschenbach fiel gestern nachmittag die 17 Jahre alte Tochter des Milchhändlers Geyer aus einer sogenannten Schiffsschaukel und erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß sie im Neustädter Kranken­hause alsbald starb.

Darmstadt, 15. Oktober. Gestern abend um 9 Uhr ereignete sich in der Martinstraße 76 ein Liebesdrama. Der in der Kaplaneigasse in Stellung befindliche Bäckerbursche Kurt Rackowitz, 24 Jahre alt, aus Magdeburg, gab auf das in der Martinstraße bedienstete 151/2 Jahre alte Dienstmädchen Lina Pfleger aus Laden­burg i. Baden zwei Schüsse ab, von denen einer in das Kinn und einer in die rechte Wange drang, sodaß das Mädchen schwer verletzt wurde. Er schoß sich da­rauf mit der dritten Kugel in die rechte Schläfe und war sofort tot. Wie man hierzu erfährt, hatten beide ein Liebesverhältnis, das das Mädchen lösen wollte. Es hatte dem jungen Marine einen Absagebrief ge­schrieben, worüber der Bursche sehr erregt war. Als er gestern zu dem Mädchen in die Küche kam, gab es noch einmal Auseinandersetzungen, worauf das Mädchen in sein Zimmer gehen wollte, um die Geschenke und Briefe zu holen und sie ihm zurückzugeben. In diesem Augenblick zog er den Revolver und vollführte die Tat. Der Zustand des im städtischen Krankenhause befindlichen Mädchens ist nicht ohne Gefahr.

Wetteraussichten für Freitag den 17. Oktober.

Mild, trüb, Niederfchläge, westliche Winde.