Einzelbild herunterladen
 

Hersfeld er Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- » -

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. *

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-5lnschlutz Nr. 8

Nr. 131. Mittwoch, den 15. Oktober 1913.

Hus der Heimat.

* (Konkurs eijn Hessen-Nassau.) Soeben erscheint die durch Bundesratsbeschluß angeordnete alljährliche Konkursstatistik. Danach ist die Zahl der neuen Konkurse im Jahre 1912 im Reiche 12,094 gegen 11,031 im Jahre 1911, darunter wurden wegen Masse­mangels 2885 Konkursanträge abgelehnt. Die Sta­tistik zählt auch diese abgelehnten Anträge als neue Konkurse. Beendet wurden 8356 Konkurse, nämlich 5661 durch Schlußverteilung, 1772 durch Zwangs­vergleich, 149 infolge allgemeiner Einwilligung und 784 wegen Massemangels. Ueber die wichtigsten finanziellen Ergebnisse berichtet die Statistik, daß rund 400 Millionen Mark Konkurssorderungen vor­handen waren, denen nur 95,5 Millionen Mark Teilungsmasse gegenüberstand. Von den nicht bevor­rechtigten Forderungen wurden nur 15,4 Prozent befriedigt. In der Provinz Hessen-Nassau wurden 336 (im Vorjahre 335) Konkurse gezählt. Von je 100 Konkursverfahren wurden durch Schlußverteilung 65,3 Verfahren beendet. Mit diesem Anteil steht die Provinz Hessen-Nassau sowohl dem Durchschnitt für Preußen (65,4) wie dem für das Reich (67,7) ungefähr gleich. Durch Zwangsvergleich kamen 25 Prozent der Verfahren zur Erledigung, mangels hinreichender Masse wurden 8,9 Prozent beendet. Die Verluste durch Ausfall der nicht bevorrechtigten Konkurs­forderungen erreichen für das Jahr 1912 in Hessen- Nassau die Summe von 8,88 Millionen Mark gegen 8,80 im Vorjahre. Schwerste Konkursfälle, also solche, in denen die nicht bevorrechtigten Konkurssorderungen völlig ausfielen, wurden 103 gezählt. Bei den beendeten Verfahren betrug die Schuldenmasse 10 000 bis 20 000 Mark in 62 Fällen, 20 000 bis 50 000 Mark in 46 Fällen, 50 000 bis 100 000 Mark in 22 Fällen, 100 000 bis 500 000 Mark in 20 Fällen und 500 000 bis 1 Million Mark in 2 Fällen.

* (Neue Jubiläumsmünzen.) Aus Anlaß der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals bei Leipzig am 18. Oktober sind von der Königlich Sächsischen Münzstätte in Muldner Hütte Dreimarkstücke in Form von Denkmünzen ausgeprägt worden. Die Rückseite der Münzen zeigt das Völkerschlachtdenkmal mit der Inschrift 18. Oktober 1813 bis 1913, während die Vorderseite gleich den gewöhnlichen Dreimark­stücken mit dem Reichsadler versehen ist. Diese Denk­münzen versprechen ein beliebtes Sammelobjekt zu werden. Um die starke Nachfrage zu befriedigen, die schon vor der Ausprägung eingesetzt hat, ist be­schlossenworden, die ursprünglichin Aussichtgenommene Anzahl von 333 333 Stück zu verdoppeln, also auf 666 666 Stück zu erhöhen.

- f- Hersfeld, 14. Oktober. (Landwirtschaft­licher Kreisverein.) Im verflossenen Sommer hat der Hersfelder landwirtfch. Kreisverein zum ersten Male unter seinen Mitgliedern eine Prämiierung öerFelder vorgenommen. Bei der Durchführung dieser Veranstaltung kam die auf 3 Jahre gewählte Prämiterungskommission zu der Ansicht, daß die Feldprämiierung ein sehr wirksames Mittel zur Hebung des Ackerbaues sei, indem dadurch Gelegenheit geboten werde, auf die im Anbau der Kulturpflanzen vorkommenden Mängel an Ort und Stelle hinzuweisen. Der Vorstand des landwirt­schaftlichen Kreisvereins hat daher beschlossen, die Feldprämiierung zu einer ständigen Einrichtung zu machen. Der Kreis wurde in drei Bezirke eingeteilt, von denen der eine die zum Amtsgerichtsbezirk Hersfeld, der andere die zum Amtsgerichtsbezirk Niederaula und der dritte die zu den Amtsgerichts­bezirken Schenklengsfeld und Friedewalö gehörigen Orte umfaßt. Mit der Prämiiernng wird innerhalb dieser Bezirke alljährlich gewechselt. In diesem Jahre fand die Prämiierung in den Orten des Amtsgerichts­bezirkes Niederaula statt und im nächsten Jahre soll sie im Bezirk FriedewaldSchenklengsfeld vorge­nommen werden. An der Prämiierung können sich nur Mitglieder des landwirtschaftlichen Kreisvereins beteiligen, deren Gesamtbesitz die Größe von 50 Hektar nicht übersteigt. Die Besichtigung der Felder findet einmal im Frühjahr nach Aufgang des Sommer­getreides, sowie zum zweiten Male kurz vor der Ernte statt. Die Beurteilung der Felder, bei der die klimatischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu be­rücksichtigen sind, erfolgt nach dem Pnnktierverfahren und zwar in Hinsicht auf Bodenbearbeitung, Düngung, Saat, Pflege und Fruchtfolge. Die Bewertung er­folgt also nicht nach dem Stande der Kulturpflanzen, sondern lediglich danach, ob die Bodenbearbeitung, Düngung, Bestellungsarbeiten und Pflegemaßnahmen richtig ausgeführt und eine zweckmäßige Fruchtfolge innegehalten wurde. Von den 100 Punkten, die ein Jdealfeld erhalten kann, entfallen auf Bodenbe­arbeitung 25, auf Düngung 25, auf Saat 15, auf Pflege 15 und auf Fruchtfolge 20. Mitglieder, die

sich im nächsten Jahre an der Feldprämiierung be­teiligen wollen, können eine Zusammenstellung detailierter Anhaltspunkte, nach denen die Prä- miierungskommission die Bewertung der Felder vor- nimmt, vom Vorstände des Vereins kostenlos beziehen. Während in diesem Jahre 300 Mk. zur Verteilung an die Bewerber vorhanden waren, sollen im nächsten Jahre für diesen Zweck 500 Mk. beantragt werden.

- r- Hersfeld, 14. Oktober. Der diesjährige R e n n- tag des Verkaer Reitervereins war ein recht gelungener, wenngleich des zweifelhaften Wetters wegen der Besuch nicht ganz so stark wie im Vorjahre war. Die Rennen verliefen bei guter Besetzung sehr spannend. Die Hersfelöer Ställe schnitten sehr gut ab, konnte doch Herr Brückmann-Eichhof das Flachrennen, Herr Carl Baumann das Hürden­rennen und Herr R e ch b e r g das Hauptrennen des Tages, das Damenpreis-Jagdrennen, mit Luftikus gewinnen, der wieder von Hauptmann Weider- mann geritten wurde. Ein zweites Jagdrennen gewann der auch in Hersfeld so bekannte Oberleutnant Sardemann vom Fuldaer Artillerie-Regiment. Wir lassen die Resultate der beiden Herren-Reiten folgen:

I. Berkaer-Jagö-Rennen, Distanz 2000 Mtr. Leutnant Volkmanns a. br. W. Tessin Abst. un­bekannt, 75 Kg., Oberleutnant Sardemann I. Leutnant Knetsch's a. schw. St. Nigra 78 Kg., Besitzer II.

Leutnant Korte's a. br. St. Teudlinde, 75 Kg., ^3cfi^ci III.

Herrn A. Brückmann's a. Sch. St. Mary, 75 Kg., Leutnant v. Maubeuge (Hus. 6) Leutnant Schack's a. b. W. Waterloo 75 Kg., Besitzer

Wert 3 Ehrenpreise. Siegte-mi^ 2 Längen, eine Länge zurück Teudlinde.

II. Damenpreis-Jagdrennen, Distanz 2500 Mtr. Herrn A. Rechbergs a. b. W. Luftikus v. Phips-

Jskra, 75 Kg., Hauptmann Weidermann L Leutnant Graf Fugger's 6 j. Sch. St. Ethel 75 S'g., Besitzer ii.

Herrn A. Rechbera's a. F. W. Trojan 75 Kg., Leutnant v. Maubeuge lil.

Wert 3 Ehrenpreise. Siegte sehr überlegen mit 5 Längen, drei Längen zwischen dem zweiten und dritten. Bei dem am Sonntag in Cöln stattgefundenen Rennen um den Preis von 50 000 Mark wurde Herrn A. und C. Weinbergs Orelio unter Bullock erster und derselben Grazie zweiter, Herr Oppenheims Ariel dritter. Im großen Preis von Karlshorst, 45 000 Mark, Distanz 6500 Meter, siegte Herrn H. G. Nettes The General unter Leutnant Dodel, Dr. Rieses Coram populo wurde zweiter.

):( Hersfeld, 14. Oktober. Ueber die hier aus An­laß des HundertjährigenGeöenktages der Völkerschlacht bei Leipzig in Aussicht ge­nommenen patriotische Feiern veröffentlicht der Magistrat im heutigen Inseratenteil das Pro­gramm. U. a. ist am Sonnabend abend ein Fackel- und Lampionzug und gleichzeitig eine allgemeine Illumination der Stadt vorgesehen. Es würde den patriotischen Gefühlen unserer Bürgerschaft wohl am besten durch eine recht rege Beteiligung an dieser Illumination Ausdruck verliehen werden. Ferner wäre es mit Freuden zu begrüßen, wenn während der beiden Festtage die Häuser allgemein beflaggt würden. Erwähnen möchten wir noch, daß der am Sonnabend abend in der Turnhalle stattfindende Kommers für Herren pünktlich um 129 Uhr be­ginnt.

):( Hersfeld, 14. Oktober. Sr. Majestät größter Soldat genannt der lange Joseph besuchte heute unsere Redaktion. Es ist dies der schon oft in den Zeitungen erwähnte größte Soldat der deutschen Armee. Zwei Jahre diente er in der Leib- Comp. des 1. Garde-Regts. zu Fuß. Er war der ständige Reisebegleiter des Kaisers sowie des Prinzen Eitel Friedrich. Man begreift den Stolz des Kaisers einen Gardisten von 2,39 Meter auf den Auslands- fahrten mitzunehmen und ihn den auswärtigen Herrschern vorstellen zu können. Vom Kaiser wurde er persönlich zum Gefreiten ernannt. Zur Silber­hochzeit des deutschen Kaiserpaares erhielt er die preußische Kronenordenmedaille. Weil er der größte Soldat war, der bis heute in der Armee gedient hat, wurde er auf Befehl des Kaisers in Lebensgröße gemalt. Niemand versäume diesen Riesengardist, den Stolz der deutschen Armee, sich einmal anzusehen.

):( Hersfeld, 14. Oktober. Der neue Direktor des hiesigen Königlichen Gymnasiums, Herr Professor Dr. Köhler, wurde heute vormittag in der Aula des Gymnasiums durch Herrn Provinzialschulrat Dr. K a n z o w aus Cassel in sein Amt e i n g e f ü h r t.

-k- Heringen (Werra), 13. Oktober. Herr Post­

assistent Lehn wurde von hier nach Cassel versetzt. An dessen Stelle kommt Herr Oberpostassistent S ch w a l m von Cassel nach hier.

Rotenburg, 12. Oktober. Am vorigen Sonnabend nachmittag fiel beim Spielen ein öjähriger Knabe in der Nähe des Mühlenbaches in die Fulda. Trotz des lebhaften Brückenverkehrs war der Vorgang ganz un­bemerkt geblieben. Der Unglücksfall wurde erst durch den Kaufmann Peter Schaub entdeckt, der an dieser Stelle dem Angelsporte obzuliegen pflegt. Die Angel hatte sich auf dem Grunde festgehakt und beim Hoch­ziehen derselben kam der Leichnam des Knaben zum Vorschein. Als man der Mutter, die als Büglerin in einem hiesigen Geschäfte tätig ist, die Nachricht überbrachte, eilte sie zur Unfallstelle und wollte in ihrer Verzweiflung auch ins Wasser springen. Die Umstehenden hatten Mühe genug, sie davor zurück- zuhalten.

Cassel, 13. Oktober, ^n heutigen 7. Verhanö- lungstage setzte das Schwurgericht die am vorigen Montag vertagte VerhanöDng gegen den Buchdrucker und Aushilfskellner OttA Möller von hier wegen Straßenraubes fort. Der^ damals ausgebliebene Hauptbelastungszeuge, der angeblich von Möller über- fallene und beraubte Fahrbursch, war inzwischen ermittelt und befand sich nunmehr an Gerichtsstelle. Der Angeklagte bestreitet auch heute mit Entschiedenheit jegliche Schuld. Der Arbeitgeber stellt dem Zeugen ein gutes Zeugnis aus. Er sei ehrlich und wahr­heitsliebend. Wenn er einmal etwas versehen habe, so sage er es offen heraus. Nach Schluß der Beweis­aufnahme formuliert der Herr Vorsitzende die Schuld­fragen, die auf Straßenraub, Anmaßung eines öffentlichen Amtes lauten, aber auch die Frage nach dem Vorhandensein mildernder Umstände im Falle der Bejahung angefügt b-skommen. Die Geschworenen verneinten die Schulöfrägen, worauf der Angeklagte kostenlos freigesprochen wurde. Der jetztfreigesprochene Angeklagte hat von Ende Mai bis zum 7. Oktober in Untersuchungshaft sitzen müssen. Am Mittwoch wird wegen Notzucht verhandelt. Mit diesem Straf­falle findet die jetzige vierte Schwurgerichtsperiode dieses Jahres ihren Abschluß.

Veitsteinbach (Kreis Fulda), 10. Oktober. Ein im Zementwerk Elm beschäftigter junger Mann von 16 Jahren aus Oberkalbach stürzte vergangene Woche an der steilen Kurve der Straße nach Hütten, weil er infolge allzu raschen Fahrens die Kurve nicht nehmen konnte. Er rannte gegen die Scheune des Brd. Möller und trug einen Schädelbruch davon, dessen Folgen er jetzt erlegen ist. Es ist nicht der erste tödliche Unglücksfall von Radfahrern an dieser Stelle.

Göttingen, 12. Oktober. Als Degenschlucker pro­duzierte sich in Angerstein ein Bäckergeselle. Zuerst nahm er eine Nadel und stach sich durch die Backe, dann stach er sich in den Arm. Als er einen Degen halb in den Schlund gesteckt hatte, verspürte er plötz­lich große Schmerzen und sogleich wurde sein Genick steif. Man brächte ihn nach der hiesigen Klinik. Wahr­scheinlich hat er sich bei dem gefährlichen Spiel inner­lich verletzt.

Erfurt, 13. Oktober. Im hiesigen Dom erschoß sich heute vormittag während der Frühmesse ein 50 Jahre alter von auswärts gekommener Müller. Unter den Besuchern des Gottesdienstes entstand eine Panik.

Pötzneck i. Th., 13. Oktober. Einen Erstickungs­tod erlitt der Arbeiter Ulrich, indem ihm beim Mittag­essen ein Bissen in die unrechte Kehle geriet. Obwohl sofort ärztliche Hilfe zur Stelle war, war der Mann nicht mehr zu retten.

Hanan, 10. Oktober. Der gestern in Hanau zuge­reiste 40jährige Schiffskapitän Arnold Dahmann aus Büderich bei Duisburg hat sich in selbstmörderischer Weise einen tiefen Stich in den Unterleib beigebracht, sodaß er von der Sanitätskolonne in das Land­krankenhaus gebracht werden mußte. Nahrungssorgen und Krankheit werden als Beweggrund für die Tat angegeben.

Frankfurt a. M., 13. Oktober. Der 19 Jahre alte C. Eppel in der Schifferstraße trat vor wenigen Tagen freiwillig in Darmstadt beim Train ein. Er entfernte sich am Freitag von seinem Truppenteil, reiste nach Frankfurt und fchoß sich eine Kugel in den Kopf, als er festgenommen werden sollte.

Einbeck, 12. Oktober. In der Spiegelfabrik in Freden fiel gestern abend kurz vor Geschäftsschluß eine mit Spiegelscheiben gefüllte etwa 5 Zentner schwere Kiste auf drei sie transportierende Arbeiter. Der Arbeiter Kluth aus Meinershausen wurde sofort totgequetscht, der Arbeiter Meyer von hier erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Wetteraussichten für Mittwoch den 15. Oktober.

Meist heiter und trocken, kalt, Nachtfrost.